Welchen Taten sollte der Vorzug gegeben werden?
Frage:
Einige der Šabāb sind irritiert, welchem der folgenden (Dinge) sie den Vorzug geben sollten: Dem Wissen, der Da’wa oder dem Ǧihād auf Allāhs Weg? Mit welcher dieser Angelegenheiten sollte man beginnen?
Antwort:
Was das Streben nach Wissen und das Ausführen der Da’wa angeht, so besteht kein Widerspruch zwischen beiden: Man kann beides kombinieren, indem man ein Student des Wissens und ein Dā’ī [1] zum Wege Allāhs (subḥānahu wa-taʿālā) zur gleichen Zeit ist.
Vielmehr muss jeder Student des Wissens ein Dā’ī zum Wege Allāhs (subḥānahu wa-taʿālā) sein, denn eine der Früchte des Wissens ist, es anderen zu übermitteln.
Der Prophet (ṣallā ʾllāhu ʿalayhi wa-sallama) sagte:
„Übermittelt von mir, selbst wenn es nur ein Vers ist.“
Wenn du das islamische Urteil in (nur) einer einzigen Angelegenheit kennst, so lade andere zum Wege Allāhs (subḥānahu wa-taʿālā) ein, indem du es ihnen beibringst.
Was das Prioritätgeben des Ǧihād vor dem Streben nach Wissen angeht oder das Streben nach Wissen vor dem Ǧihād, so hängt dies
erstens: von den Urteilen für beides in einer bestimmten Situation
und
zweitens: von wem (genau) wir hier reden, ab.
Lasst uns den ersten Fall behandeln:
Wenn das Streben nach Wissen in einer speziellen Situation verpflichtend ist, während der Ǧihād Farḍ Kifāya [2] ist, so muss man dem Streben nach Wissen Vorzug geben, denn der verpflichtenden Tat wird Vorzug vor der freiwilligen Tat gegeben. Aber, wenn auf der anderen Seite der Ǧihād in einer speziellen Situation verpflichtend ist und das Streben nach Wissen Farḍ Kifāya ist, dann muss aus demselben Grund dem Ǧihād der Vorzug gegeben werden.
Was ist, wenn beides, das Streben nach Wissen und der Ǧihād, entweder verpflichtende Taten oder beides freiwillige Taten sind?
Dies führt uns zum zweiten Fall:
Im Falle einiger Leute, so sagen wir, dass es besser für sie ist dem Ǧihād den Vorzug zu geben und für andere sagen wir, dass es besser ist, dem Streben nach Wissen den Vorzug zu geben.
Stellt euch einen Mann vor, der kein starker Student des Wissens ist, der ein schwaches Verständnis und ein schlechtes Erinnerungsvermögen hat. Wenn er, auf der anderen Seite, einen kräftigen Körperbau hat, er tapfer ist und wenn er weiß, wie man im Krieg kämpft, dann sagen wir natürlich zu ihm: „Ǧihād ist besser für dich.“
Und wenn jemand im gegenteiligen Zustand ist, er einen schwachen Körperbau hat und keine Ahnung, wie er zu kämpfen hat, aber bezüglich des (islamischen) Wissens ist er intelligent, hat ein starkes Erinnerungsvermögen und Verständnis und die Fähigkeit zum Ableiten und Schlussfolgern, so sagen wir zu ihm: „Das Streben nach Wissen ist besser für dich.“
Dadurch wird ein allgemeines Prinzip ausgedrückt; für jede Situation gibt es Worte und Taten, die am ehesten dafür geeignet sind.
Um zusammenzufassen: Wir sagten, dass das Streben nach Wissen und das Ausführen von Da’wa nicht im Widerspruch stehen, da die Da’wa eine Frucht des Strebens nach Wissen ist und das Kombinieren von beidem deutet die Vollständigkeit im Wissens einer Person an.
Was das Wissen und den Ǧihād angeht, so sagten wir, dass es zwei Fälle gibt, welche zuerst betrachtet werden müssen.
Erstens, die Urteile für beides zu einer bestimmten Zeit:
Wenn eins von beiden Farḍ ‘Ayn [3] ist, während das andere Farḍ Kifāya ist, so wird dem was Farḍ ‘Ayn ist Vorrang gegeben.
Wenn beide entweder Farḍ ‘Ayn oder Farḍ Kifāya sind, so schauen wir zum zweiten Fall:
Die Person für die wir ein Urteil bilden. Menschen unterscheiden sich und daher unterscheidet sich auch das Urteil welches auf sie zutrifft.
[aus "Aṣ-ṣaḥwa al-islāmīya" ; Shaykh ibn 'Uṯaymīn ((raḥimahu ʾllāh)]
[1] Rufer
[2] Kollektive Pflicht
[3] Individuelle Pflicht
Quelle: sawtulhaqq.wordpress.com --> http://sawtulhaqq.wordpress.com/2012...uṯaymin/