Frage (Nr. 11010):

Ein Mann sagte: „Wenn du nur das und das getan hättest, dann wäre nichts davon dir geschehen.“ Ein anderer Mann hörte ihn und sagte: „Diese Worte (wenn nur) wurden vom Propheten (Allāhs Frieden und Segen seien auf ihm) verboten. Es sind Worte, die zum Kufr führen.“ Ein dritter Mann sagte: „Der Prophet (Allāhs Frieden und Segen seien auf ihm) sagte über die Geschichte von Mūsa mit al-Khidr: `Möge Allāh Mūsa barmherzig sein. Wenn er nur Geduld gehabt hätte, damit Allāh uns mehr über das berichtet hätte, was zwischen ihnen geschehen ist.`“ Ein weiterer Mann bezog sich auf den Hadīth des Propheten (Allāhs Frieden und Segen seien auf ihm): „Der starke Gläubige ist bei Allāh beliebter als der schwache Gläubige. … Das Wort „Wenn“ öffnet dem Schaytān die Tür.“ Hebt das eine das andere auf oder nicht?


Antwort:

Alles Lob gebührt Allāh.


Alles, was Allāh und Sein Gesandter sagten, ist die Wahrheit. Das Wort „Wenn“ oder „Wenn nur“ wird auf zwei Arten verwendet:

1. Um Ärger über das Vergangene auszudrücken und Missfallen über das, was bestimmt wurde. Das ist nicht erlaubt, da Allāh sagt (ungefähre Bedeutung):
O die ihr glaubt, seid nicht wie diejenigen, die ungläubig sind und von ihren Brüdern, wenn sie im Lande umhergereist sind oder sich auf einem Kriegszug befunden haben, sagen: „Wenn sie bei uns geblieben wären, wären sie nicht gestorben und nicht getötet worden“, damit Allāh dies zu einer gramvollen Reue in ihren Herzen mache. …“ (3:156). Das ist es, was der Prophet (Allāhs Frieden und Segen seien auf ihm) verbot, als er sagte: „Wenn euch irgendetwas geschieht, sagt nicht: `Wenn ich nur das und das getan hätte, dann wäre das und das nicht eingetreten.` Sagt stattdessen: `Qaddar Allāh wa mā schā’a kān` (Allāh hat es bestimmt und was Er will, geschieht), denn das `Wenn nur` öffnet dem Schaytān die Tür.“ Das bedeutet, dass es den Menschen angreifbar macht für Angst und Kummer, was schädlich ist und keinen Nutzen bringt. Wisse, dass alles, was dich befällt, du nicht vermeiden konntest, und was dir nicht geschieht, hätte dich niemals erreichen können. Allāh sagt (ungefähre Bedeutung): Kein Unglück trifft (jemanden), außer mit Allāhs Erlaubnis. Und wer an Allāh glaubt, dessen Herz leitet Er recht. Und Allāh weiß über alles Bescheid.“ (64:11). Dies ist ein Mensch, dem ein Unglück geschieht, doch er weiß, dass es von Allāh ist, und so akzeptiert er es und unterwirft sich.

2. Die Verwendung des Wortes „Wenn“, um nützliches Wissen zu übermitteln, wie z. B. in der folgenden Āyah (ungefähre Bedeutung):
Wenn es in ihnen beiden(Himmel und Erde) andere Götter als Allāh gäbe, gerieten sie (beide) wahrlich ins Verderben. …“ (21:22).

Diese zweite Art wird verwendet, um Liebe für das Gute auszudrücken, wie z. B. in der Aussage: „Wenn ich doch nur das hätte, was der So und So hat, dann würde ich tun, was er tut.“ So etwas zu sagen ist erlaubt.


Der Hadīth des Propheten (Allāhs Frieden und Segen seien auf ihm): „Wenn er (Mūsa) nur Geduld gehabt hätte, damit Allāh uns mehr über das berichtet hätte, was zwischen ihnen geschehen ist.“ ist von dieser Art, ebenso wie die folgende Āyah (ungefähre Bedeutung):
Sie möchten gern, dass du schmeichelst, so dass (auch) sie schmeicheln (können).” (68:9)

Unser Prophet (Allāhs Frieden und Segen seien auf ihm) wünschte, dass Allāh uns mehr über ihre Geschichte (von Mūsa und al-Khidr) berichtet hätte, und er erwähnte das, um seine Liebe zur Geduld herauszustellen und deren Resultate sowie den daraus entstehenden Nutzen. Es war kein Element der Angst, des Kummers oder der Nachlässigkeit hinsichtlich der Pflicht zur Geduld bei dem, was bestimmt wurde, vorhanden in seiner Aussage.


Und Allāh weiß es am besten.



Majmū` al-Fatāwa al-Kabīr von Ibn Taymiyah, 1023-9