Frage (Nr. 114019):

Es ist bekannt, dass es Teil des Glaubens eines Muslims ist, die Geduld zu bewahren, wenn ihn ein Unglück trifft. Es ist eine Eigenschaft des Gläubigen, das, was Allāh für uns bestimmt hat, zu akzeptieren und damit zufrieden zu sein. Gibt es einen Unterschied zwischen dieser Art des Unglücks und der anderen Art, die einen als Ergebnis der eigenen Nachlässigkeit trifft, oder sind alle Unglücke gleich?

Wenn jemand seine Bildung vernachlässigt und nicht hart daran arbeitet, obwohl er dazu in der Lage ist, wird er sich im Alter über seine Vergangenheit ärgern und sagen: „Warum nur habe ich meine Bildung vernachlässigt, obwohl ich dazu in der Lage gewesen wäre“. Einige mögen denken, dass dies Unzufriedenheit ist und die Ablehnung dessen, was Allāh bestimmte, und sie rechtfertigen dies damit, dass der Mann gebildet wäre, wenn Allāh es für ihn bestimmt hätte. Deshalb sollte er sein Schicksal nicht ablehnen und fragen, warum ihm dies geschehen ist. Bitte klärt diese Angelegenheit.
Antwort:

Alles Lob gebührt Allāh.

1. Der Gläubige, der die Einheit Allāhs (Tauhīd) bestätigt, weiß, dass alles durch die Bestimmung Allāhs geschieht. Was Allāh will geschieht, und was Er nicht will, geschieht nicht. Es gibt nichts, das die Ausführung von Allāhs Willen bei Seiner Schöpfung blockieren könnte. Daher ist das Herz des Gläubigen, der die Einheit Allāhs anerkennt, ruhig und er weiß, dass es in seinem Leben keinen Raum gibt für Bedauern oder Ärger, denn der Befehl Allāhs geht dem Ereignis voraus und Sein Wille wird ausgeführt.

Allāh sagt (ungefähre Bedeutung):


„Kein Unglück trifft ein auf der Erde oder bei euch selbst, ohne dass es in einem Buch (verzeichnet) wäre, bevor Wir es erschaffen – gewiss, dies ist Allāh ein Leichtes -, damit ihr nicht betrübt seid über das, was euch entgangen ist, und euch nicht (zu sehr) freut über das, was Er euch gegeben hat. Und Allāh liebt niemanden, der eingebildet und prahlerisch ist“ (57:22-23)

„Sag: Uns wird nur das treffen, was Allāh für uns bestimmt hat. Er ist unser Schutzherr (Maulā – Herr, Helfer und Beschützer). Auf Allāh sollen sich die Gläubigen verlassen.“ (9:51).

2. Wenn dies der Fall für den Gläubigen ist, der die Einheit Allāhs bestätigt, dann gibt es keinen Platz in seinem Leben für Bedauern über die Vergangenheit und für die Worte „wenn nur“. Was Allāh für Seinen Diener bestimmt hat, gehört zu einem der zwei folgenden Dinge:

- Entweder wegen einer Sünde, die der Diener begangen hat, sodass Allāh es für ihn wegen seiner Sünden bestimmte. Allāh sagt (ungefähre Bedeutung): „Und was immer euch an Unglück trifft, es ist für das, was eure Hände erworben haben. ….“ (42:30).


- Oder es ist ein Test von Allāh, um ihn im Rang zu erhöhen und seine schlechten Taten zu sühnen.

Was sollte der Gläubige, der die Einheit Allāhs bestätigt, tun, wenn er dies weiß und fest daran glaubt?

Tritt das Unglück wegen einer Sünde ein, die er begangen hat, oder weil er etwas vernachlässigt hat, was er hätte tun sollen, dann muss er sich mit seiner Reue beeilen, um Vergebung bitten, sich seinem Herrn wieder zuwenden, das Getane bedauern und die Dinge zwischen sich und seinem Herrn und Schöpfer wieder ins Reine bringen. Allāh sagt (ungefähre Bedeutung): „Und Ich bin wahrlich allvergebend für denjenigen, der bereut und glaubt (an Meine Einheit und Mir niemanden in der Anbetung beigesellt) und rechtschaffen handelt und sich hierauf rechtleiten lässt.“ (20:82).

Wenn das Unglück eine Prüfung ist, um ihn in seinem Rang zu erhöhen und seine schlechten Taten zu sühnen, dann ist alles, was der an die Einheit Allāhs Gläubige tun kann, die Annahme der Bestimmung Allāhs. Er muss nach der Belohnung bei seinem Herrn streben in dem, was ihn getroffen hat, auf den Lohn hoffend und die Auslöschung seiner Sünden erbittend.

In beiden Fällen wird das Herz desjenigen, der die Einheit Allāhs bestätigt, stark werden und zur Ruhe kommen und es wird nicht schwach und kraftlos, sondern vielmehr wird er sich damit beeilen, gehorsam zu sein und gute Taten zu verrichten. Wenn er gesündigt hat, dann wird er seine Sünden aufgeben und besser werden, als er es zuvor war. Und wenn er Allāh gehorsam war, dann wird er seinem Herrn und Schöpfer noch gehorsamer sein.

3. Der Schaytān versucht, das Herz des Gläubigen zu schwächen und ihm Ärger und Kummer einzureden, und er bemüht sich hart darum, ihn hilflos zu machen. All das tut er durch die Bedeutung der Worte „wenn nur“, was sich auf die Vergangenheit bezieht und was der Mensch tat oder nicht tat. Zusammen mit all dem Übel und der Verdorbenheit lässt er ihn in einer Welt der Illusionen und falschen Vorstellungen leben, sodass er sagt: „Wenn nur das und das geschehen wäre, dann wäre das und das eingetreten.“

Woher weiß er, dass dies der Fall ist?

Schaut auf das, was der Schaytān an Ärger, Leid und Mutmaßungen hinsichtlich der Bestimmung Allāhs verursacht und zusätzlich dazu schwächt er den Entschluss des Menschen, sich zu bemühen und Allāh zu gehorchen, und er beklagt sein Schicksal und bedauert es, bis sein Leben vorüber ist. Allāh informiert uns darüber, dass dies eine Handlung der Heuchler ist, und unser Prophet Muhammad (Allāhs Frieden und Segen seien auf ihm) warnte uns vor diesem Weg.

Es wurde berichtet, dass Abu Hurayrah sagte: Der Gesandte Allāhs (Allāhs Frieden und Segen seien auf ihm) sagte: „Der starke Gläubige ist besser und bei Allāh beliebter als der schwache Gläubige, doch in beiden liegt Gutes. Bemüht euch um das, was euch nützt, und erbittet die Hilfe Allāhs und seid nicht hilflos. Wenn euch etwas trifft, dann sagt nicht: `Wenn ich nur das und das getan hätte, dann wäre das und das geschehen`, sondern sagt: `Allāh hat es bestimmt und was Er will, tut Er.` Denn das `wenn nur` öffnet die Tür für das Werk des Schaytān.“ (Muslim #2664)



Schaut auf diesen großartigen Hadīth und denkt darüber nach, denn er erklärt den Unterschied zwischen dem starken und dem schwachen Gläubigen und hält dazu an, sich zu bemühen und nicht hilflos zu fühlen. All das ist genau passend zum Verbot des Bedauerns, indem man sagt : `wenn nur`.

Scheikh Sālih ibn Fauzān al-Fauzān (möge Allāh ihn bewahren) sagte: „Wenn jemand etwas Unerfreuliches erlebt oder ihn ein Unglück trifft, dann sollte er nicht sagen: `Wenn ich nur das und das getan hätte, dann wäre mir das und das nicht passiert` oder `Wenn ich nur das und das nicht getan hätte, dann wäre mir dies nicht geschehen`, denn das ist ein Zeichen der Ungeduld beim Akzeptieren dessen, was verpasst wurde und nicht wiedererlangt werden kann. Außerdem sind diese Worte bezeichnend für den Unglauben an den göttlichen Willen und die Bestimmung und sie verursachen Leid und lassen den Schaytān Macht über den Menschen durch Waswās und Sorgen gewinnen.


Wenn jemanden ein Unglück trifft, dann muss er sich dem Willen Allāhs unterwerfen und mit Geduld das ertragen, was ihn traf, während er sich darum bemüht, die Mittel zu erlangen, die Gutes bringen und ihn vor dem Übel und unerwünschten Dingen beschützen, ohne sich zu beschweren.

Allāh tadelte jene, die solche Dinge sagten, als die Muslime von einem Unglück heimgesucht wurden in der Schlacht von Uhud. Er sagte (ungefähre Bedeutung):„… sie sagen: „Wenn wir etwas von der Angelegenheit (zu entscheiden) hätten, würden wir hier nicht getötet.“ …“ (3:154). Diese Worte wurden von einigen der Heuchler am Tage von Uhud ausgesprochen, als das Unglück die Muslime heimsuchte. Sie sagten es in Ablehnung der göttlichen Bestimmung und sie kritisierten den Propheten (Allāhs Frieden und Segen seien auf ihm) sowie die übrigen Muslime dafür, dass sie auszogen, um den Feind zu bekämpfen. Doch Allāh widerlegte ihre Worte noch im selben Vers (ungefähre Bedeutung): „… Sag: Wenn ihr auch in euren Häusern gewesen wäret, wären diejenigen, denen der Tod vorgezeichnet war, an den Stellen erschienen, wo sie (als Gefallene) liegen sollten… “, was bedeutet, dass das von Allāh Bestimmte offensichtlich war und nicht dadurch aufgehalten werden konnte, dass sie in ihren Häusern blieben oder sich ärgerten.

Das Sagen von „wenn nur“, nachdem ein Unglück eingetreten ist, erreicht nichts außer Ärger, Kummer, Leid und Schwäche, zusätzlich zur Auswirkung dieser Worte auf die `Aqīdah (Glaube). Denn sie entstehen durch einen Mangel an Unterwerfung unter die göttliche Bestimmung.

Dann erwähnt Allāh noch etwas anderes, was die Heuchler sagten (ungefähre Bedeutung): „Diejenigen, die von ihren Brüdern sagten, während sie (selbst daheim) sitzen blieben: „Wenn sie uns gehorcht hätten, wären sie nicht getötet worden“. …“ (3:168).

Das ist eine weitere Saceh, die die Heuchler am Tage von Uhud sagten. Es wurde berichtet, dass `Abd-Allāh ibn Ubayy die göttliche Bestimmung ablehnte und sagte: „Wenn sie auf unseren Ratschlag, zu Hause zu bleiben und nicht in den Kampf zu ziehen, gehört hätten, dann wären sie nicht getötet worden.“ Allāh widerlegte ihre Worte im selben Vers (ungefähre Bedeutung): „… Sag: So wehrt den Tod von euch selbst ab, wenn ihr wahrhaftig seid!“, damit ist gemeint, dass, wenn das Zurückbleiben und Fernbleiben vom Kampfe, jemanden vor dem Sterben bewahren könnte, dann stirbst du nicht, doch der Tod wird unweigerlich zu dir an jedem Ort kommen. So wendet es von euch selbst ab, wenn ihr die Wahrheit sprecht mit eurer Behauptung, dass jene, die euch gehorchten, sicher vor dem Tod seien.

Der Prophet (Allāhs Frieden und Segen seien auf ihm) führte uns zu den Handlungen, von denen wir in dieser Welt und im Jenseits profitieren können, die Allāh Seinen Dienern auferlegt hat, seien sie nun obligatorisch, mustahabb oder erlaubt. Wenn jemand diese Handlungen verrichtet, dann sollte er die Hilfe Allāhs erstreben, um seine Bemühungen zu vervollkommnen, denn Allāh ist der Eine, Der die Ursache und die Wirkung erschuf. Angemessene Taten miteinander zu kombinieren und das Vertrauen in Allāh zu legen, ist Tauhīd.

Weiterhin verbot er es, sich hilflos zu fühlen, was nämlich bedeutet, die Dinge eben nicht zu tun, die Mittel des Nutzens sind. Dies ist das Gegenteil des Eifers, das zu tun, was jemandem nutzt. Wenn jemand bestrebt ist, das zu tun, was ihm nutzt, und die Mittel anwendet und dann geschieht das Gegenteil von dem, was er sich wünschte, oder das, was er nicht wollte, geschieht, dann sollte er nicht sagen: „Wenn ich nur das und das getan hätte, dann wäre das und das geschehen“, denn diese Worte bringen nichts Gutes mit sich, sondern sie öffnen dem Schaytān die Tür und verursachen Ärger und lassen den Menschen die göttliche Bestimmung beklagen. Das steht im Gegensatz zur Geduld und Akzeptanz der göttlichen Bestimmung. Geduld ist eine Pflicht, ebenso wie der Glaube an die göttliche Bestimmung. Der Prophet (Allāhs Frieden und Segen seien auf ihm) lehrte ihn, nützliche Worte zu sagen, welche den Glauben an die göttliche Bestimmung beinhalten: „Qadara Allāhu wa mā schā‘ fa`ala (Allāh bestimmt und was Er will, tut Er)“, denn was Allāh bestimmt wird unweigerlich eintreten, und gefordert werden die Unterwerfung und die Akzeptanz dessen, was bestimmt wurde. Was Allāh will, tut Er, denn Seine Taten entspringen ausschließlich der Weisheit.

Möge Allāh ibn al-Qayyim barmherzig sein, der sagte: „Wenn jemand etwas verpasst, dann muss eines von zwei Szenarien zutreffen. Er könnte sich hilflos fühlen, was das Werk des Schaytān ist, der ihn dazu brachte zu sagen: `Wenn doch nur`, doch es liegt kein Nutzen darin. Vielmehr ist es der Schlüssel zur Schuld. Das zweite Szenario ist das Studieren und Verstehen der göttlichen Bestimmung. Wenn etwas bestimmt wurde, dann kann es ihn niemals verpassen und niemand kann es vor ihm erlangen. Der Prophet (Allāhs Frieden und Segen seien auf ihm) lehrte uns das, was dem Menschen nutzt, ob er nun das bekommt, was er wollte oder nicht. Er verbot uns zu sagen: `Wenn nur` und informierte uns darüber, dass dies die Tür zum Schaytān öffnet, da es Bedauern für das, was er verpasste beinhaltet, Ärger, Trauer und das Beklagen der göttlichen Bestimmung; der Mensch sündigt dadurch. Es ist die Arbeit des Schaytān. Dies gilt nicht nur für die Worte `wenn nur`, sondern vielmehr gilt es für die Gefühle im Herzen zu, die die Worte begleiten und die dem vollkommenen Glauben entgegenstehen und dem Schaytān die Tür öffnen.

Dieser von Abu Hurayrah überlieferte Hadīth ist einer, ohne den niemand kann. Er beinhaltet die Bestätigung der göttlichen Bestimmung, die Bestätigung der Rolle menschlicher Anstrengung und wahrer Unterwerfung unter Allāh (al-`Ubūdiyyah).

Scheikh al-Islam ibn Taymiyyah (möge Allāh ihm barmherzig sein) sagte über die Bedeutung des Hadīth: „Seid nicht hilflos beim Verrichten dessen, was anbefohlen wurde, und verfallt nicht in Panik hinsichtlich dessen, was bestimmt wurde.“ (al-Irschād ila Sahīh al-I’tiqād wa-l-Radd ‘ala Ahl al-Schirk wa-l-Ilhād, S. 130-133).

4. Denjenigen, der es im jungen Alter verpasste, belehrt zu werden, soll sein Bedauern über seine Nachlässigkeit dazu motivieren, seine verbleibende Lebenszeit in das Lernen zu investieren. Er sollte sich nicht schwach und hilflos fühlen und das Lernen aufgeben. Derjenige, der die Hajj im jungen Alter nicht vollzogen hat, sollte es bei erster Gelegenheit schnell nachholen und nicht länger zögern. Dasselbe gilt für alle anderen gottesdienstlichen Handlungen und guten Taten, die er verpasst haben könnte. Er muss daran glauben, dass dies die Bestimmung Allāhs ist. Er darf sich nicht hilflos fühlen, sondern er sollte stark sein und sich um das bemühen, was ihm nutzt. Wenn das, was er verpasst hat, wegen seiner Sünden war, dann sollte er das tun, was wir erwähnt haben, und zwar zusätzlich zu seiner aufrichtigen Reue, seiner Bitte an Allāh um den Segen eines gesunden Glaubens und darum, ihm dabei zu helfen, das zu tun und zu sagen, was Er liebt und was Ihm gefällt.


Doch wir sollten darauf hinweisen, dass es nicht nur ein Tor zu Güte, Rechtschaffenheit, Rechtleitung und Erfolg im Paradies und Jenseits gibt. Vielmehr gibt es viele Tore. Wer einige Bereiche des Wissens zu schwierig findet, kann sich andere Gebiete aussuchen, die er erlernen kann. So kann er das nachholen, was er hinsichtlich des Wissens verpasst hat. Wenn du vermögend bist, dann spende um Allāhs willen und bemühe dich um Seinetwillen mit deinem Vermögen. Wenn du körperlich stark bist, dann faste, denn es gibt nichts Vergleichbares. Du kannst beten, denn das ist das Beste. Du kannst die Hajj und `Umrah vollziehen. Du kannst zum Guten aufrufen und das Schlechte verbieten. Du kannst Dhikr rezitieren und Tasbīh und den Qur’ān lesen. Es gibt viele Wege des Guten und jeder wird zu dem geleitet, für das er erschaffen wurde, und wer zu den Verdammten gehört, hat niemanden außer sich selbst zu tadeln.

Wir bitten Allāh darum, dir zu helfen, dich zu leiten und dich im Guten standhaft sein zu lassen.

Für weitere Informationen siehe bitte in den Antworten zu den Fragen #49039, 49004, 43021, 34732, 11010 und 85362.

Und Allāh ist die Quelle der Stärke.

Islam Q&A