Imam Ibn Abi al-Izz al-Hanafi (gest. 792 n.H.) – möge Allah wohlzufrieden mit ihm sein – beschrieb in Sharh al-Aqida at-Tahawiyyah bezüglich at-Tahawi’s Aussage: „Dies ist nämlich unsere äußerliche und innerliche Religion und unser Glaube; und wir sagen uns von allen los, die dem, was wir erwähnt und erklärt haben, widersprechen. Wir bitten Allah darum, uns im Iman zu festigen, und dass Er unser Leben mit ihm (dem Iman) beendet und uns schützt vor den verschiedenen Neigungen und den unterschiedlichen Meinungen, vor den verdorbenen Richtungen, wie die Al-Muschabbihah, die Vergleichende, Al-Mu’tazilah, Al-Dschahmiyyah, Al-Dschabriyyah, Al-Q’adariyyah und andere, die von der Sunnah und der Gemeinschaft abweichen und mit den Irregehenden Bündnisse schließen Wir sagen uns von ihnen los und wir betrachten sie als Irregegangene, Verdorbene und Allah verleiht Schutz und Erfolg“, die Sekte der Mu’tazila, wie folgt:
Die Mu’tazila, wie Amr Ibn Ubayd, Wasil Ibn Ata, al-Ghazzal und ihre Befolger wurde dieser Name gegeben, weil sie sich von der Jama’ah nach dem Tod von al-Hassan al-Basri (dies ist ein klarer Fehler des Textes, da sich dieses Ereignis noch während der Tage von al-Hassan ereigneten) zu Beginn des zweiten Jahrhundert n.H. trennten und getrennte (also von der Jama’ah) Versammlungen abhielten. Gemäß Qatadah und anderer ist dies der Grund weshalb sie Mu’tazila bzw. Sezessionisten genannt wurden. Andere meinten, dass der erste Mann der die grundlegende Idee dieser Schule entwickelte Wasil Ibn Ata war und Amr Ibn Ubayd, ein Student von al-Hassan al-Basri, schloss sich ihm an. Während der Regierung von Harun ar-Rashid, schrieb Abu al-Hudhayl zwei Bücher und erklärte darin ausführlich ihre Doktrinen; Gerechtigkeit[1], Tawhid[2], Vollstreckung der angedrohten Strafen[3], die Position zwischen den zwei Positionen[4] und die Pflicht das Gutes zu gebieten und das Schlechtes zu verbieten[5]. In diesen Doktrinen haben die Mu’tazila die Wahrheit mit Unwahrheit vermischt; eine geläufige Eigenart aller ketzerischen Sekten.
Hinsichtlich der göttlichen Handlungen sind sie Anthropomorphisten. Sie stellen sich Allahs Handlungen auf dem Schema der menschlichen Handlungen vor. Sie sagen, dass das was gut für den Menschen, gut für Allah ist und was schlecht für den Menschen, schlecht für Allah ist. Basierend auf ihren Gedanken dieses Prinzips, behaupten sie das Allah bestimmte Sachen machen muss und sich von gewissen enthalten muss. Dies ist falsch. Angenommen eine Person entdeckt seinen männlichen Diener mit seiner weiblichen Dienerin beim Unzucht vor, doch stoppt er die Sünde nicht; entweder lässt er dies gewähren oder ist unfähig es zu kontrollieren. Doch ist dies nicht das, was wir sagen wenn Allah nicht seine Diener von Unzucht stoppt. Demgemäß können Seine Handlungen nicht auf dem Schema der menschlichen Handlungen beurteilt werden. Dies ist ein sehr wichtiger Punkt. Der Leser wird empfohlen die relevanten Bücher bezüglich dieses Thema zu konsultieren.
Die Mu’tazila negieren die Vorherbestimmung der Dinge mit dem Vorwand der (göttlichen) Gerechtigkeit (Adl). Sie sagen das Allah nicht das schlechte erschuf oder es bestimmte. Falls Er es erschuf und dann die Menschen dafür bestraft, so würde Er etwas Ungerechtes begehen. Doch Allah ist Gerecht und kann nicht Ungerecht sein. Folglich gibt es etwas in Sein Königreich, wie sie zum Entschluss kamen, was Er nicht will, da es nicht möglich ist das Er etwas will und es nicht zur Existenz kommt; dies würde bedeuten das Er nicht Allmächtig ist. Hoch Erhaben ist Allah darüber. Aufgrund eines ähnlichen Argumentes negierten sie die Unerschaffene Natur des Koran unter dem Deckmantel ihrer Doktrin der göttlichen Einheit. Sie meinten, dass falls der Koran Unerschaffen wäre, so würde es mehr als ein ewiges Wesen geben. Doch realisierten sie nicht das aus ihren Argument resultiert, dass das Wissen, die Macht und alle anderen Attributen Allahs erschaffen sind. Sie können dies nicht negieren ohne sich selbst zu wiedersprechen.
Die Essenz ihres dritten Prinzips ist, das weil Allah den Sündern mit Bestrafung gedroht hat, Er es nicht zurücknehmen kann und sich nicht über Sein eigenes Urteil hinwegsetzen kann. Gleichermaßen wie Er nicht von Sein Versprechen zurückdrehten kann, kann Er auch nicht von Seiner Androhung zurücktreten. Dies bedeutet, dass Er nicht wem auch immer Er will Begnadigen und Vergeben kann.
Die Lehrmeinung der Position zwischen den zwei Positionen bedeutet, dass wenn eine Person eine große Sünde begeht sein Iman verloren geht, doch tritt er nicht in den Kufr ein. Ihre letzte Lehrmeinung bedeutet, dass wir anderen jenes gebieten müssen, wozu wir selbst angehalten wurden und sie auffordern müssen an jenes zu glauben, wozu wir verpflichtet sind zu glauben. Unter dem Deckmantel dieses Prinzips haben sie die bewaffnete Revolte gegen die Herrscher, wenn sie eine Ungerechtigkeit begehen gerechtfertigt.
Wir haben diese Doktrinen zuvor ausdiskutiert und brauchen hier nicht darauf einzugehen. Die Mu’tazila beanspruchen, dass ihre Doktrinen der Gerechtigkeit und des Tawhid rationale Wahrheiten sind, dass sie einen Vorrang über die Offenbarung haben und das sie das Fundament ihrer rationalen Begründung ist. Falls sie einige Argumente aus den Überlieferungen zu ihrer Unterstützung heranbringen, so bringen sie sie lediglich als ergänzende Beweise. Sie brüsten sich, dass sie ihre Prinzipen nicht auf Grundlage von Überlieferungen aufbauen und sie ihre Wahrheiten sogar vor der Authentizität des Hadith kennen. Dies ist der Grund, weshalb manche von ihnen keine textuellen Belege für ihre Argumente benutzen; in ihren Augen haben sie wenig Nutzen. Andere wiederrum fügen sie hinzu, jedoch nur um aufzuzeigen das die Offenbarung mit der Ratio übereinstimmt und um die Zustimmung der Leute über ihre Doktrinen zu gewinnen. Sie bauen sie nicht auf der Offenbarung auf. Der Koran und der Hadith sind für sie lediglich unterstützende Belege, gleich wie eine zusätzliche Kraft nicht notwendig ist, um auf den Feind zu treffen oder ein zusätzlicher Aufruf für etwas, was man gerne für sich hätte.[6]
Aus: http://at-tanzil.de/Serien/die-doktrinen-der-mutazila/
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[1] Adl oder Göttliche Gerechtigkeit erfordert, dass Allah unmöglich die sündhaften Handlungen seiner Diener verursacht, folglich sind sie für ihr Schicksal selbst verantwortlich und erschaffen Letzteres selbst durch eine Kraft, die Allah in sie gelegt hat.
[2] Tawhid erfordert eine Ableugnung der göttlichen “Attribute der Bedeutung” (sifat al-ma’anî) und dessen, dass die Gläubigen im Jenseits Allah sehen werden – obwohl beide Grundsätze im Koran bzw. der Sunna erwähnt werden;
[3] Belohnung und Bestrafung – erfordert die Notwendigkeit an den Glauben, dass Allah, der Allerhochste, jene belohnt, die Gutes tun, und jene bestraft, die Schlechtes tun, und dass Er schwerwiegenden Sundern nicht verzeiht, auser wenn sie vor ihrem Tode bereuen, selbst wenn sie Muslime sind – Dieser Grundsatz bedeutet eine Nichtbeachtung des Verses, der ausdrucklich angibt, dass Allah vergibt, wem Er will und dass Er bestraft, wen Er will (Sure 4), und eine Ableugnung der Fursprache des Propheten (Allahs Segen und Frieden auf ihm) am Tag der Auferstehung fur schwere Sunder unter den Muslimen
[4] Schwere Sünder können weder als Gläubige noch als Ungläubige angesehen werden, und so ist für diese ein “Zwischenstatus” zwischen den beiden (arab. al-manzila bain al-manzilatain), und zwar im Höllenfeuer geschaffen worden.
[5] Gutes gebieten und Schlechtes verbieten ist verpflichtend unter den Glaubigen. Das ist der einzige Grundsatz, in welchem es äußerlich eine Ubereinstimmung mit dem Leuten der Sunnah gibt.
[6] Die Angelegenheit bezüglich der Stellung des Sünders behandeln wir zurzeit hier sehr ausführlich: http://at-tanzil.de/aqida/kufr-wa-dhanb/die-suenden-annullieren-nicht-den-iman-der-ahl-al-qiblah-teil-1/; Die Angelegenheit des Qadr behandelten wir hier: http://at-tanzil.de/aqida/arkaan-al-iman-saulen-des-iman/al-qada-wa-al-qadr/der-mensch-ist-der-ausfuehrer-seiner-taten/ Und hier behandelten wir die Stellung des Aql (Ratio/Verstand), worin u.a. die Mu’tazila schwerwiegende Konzeptionen hochhielten: http://at-tanzil.de/aqida/erkenntnisprinzipen/aql-ratio/die-notwendigkeit-und-unvollkommenheit-des-verstandes/ Alle von ihren aufgestellten Doktrinen werden wir – so Allah will – bald in Separate Publikationen darstellen und aus dem Blickwinkel der Ahlu Sunnah erörtern.