Die Bedeutung des Hadīth: „Dann überkommt ihn die göttliche Bestimmung und er vollbringt die Taten der Leute der Hölle“
Frage (Nr. 96989):
Ich hätte gern eine nähere Erklärung der Bedeutung dieses Hadīth: Berichtet von Abi `Abdurrahman `Abdullah ibn Mas`ūd (möge Allāh mit ihm zufrieden sein): Allāhs Gesandter (Allāhs Frieden und Segen seien auf ihm) sagte: „Wahrlich, die Schöpfung eines jeden von euch wird im Leibe seiner Mutter in vierzig Tagen (als Samentropfen) zusammengebracht. Danach ist er für eine gleiche Zeitspanne ein Blutklumpen. Danach ist er für eine gleiche Zeitspanne ein kleiner Fleischklumpen. Dann entsendet Allāh einen Engel, der ihm die Seele einhaucht und mit viererlei beauftragt wird: Mit der Niederschreibung seines Lebensunterhalts, seiner Lebensdauer und ob er elend oder glückselig sein wird. Ich schwöre bei Allāh, dass es einige unter euch gibt, die wahrhaftig solche Werke der Bewohner der Hölle vollbringen, bis sie von ihr nur um eine Ellenlänge entfernt sind, dann ereilt sie das Vorherbestimmte, und somit vollbringen sie die Werke der Bewohner des Paradieses und gehen in dieses ein. Und es gibt einige unter euch, die wahrhaftig solche Werke der Bewohner des Paradieses vollbringen, bis sie von ihm nur um eine Ellenlänge oder zwei Ellenlängen entfernt sind, dann ereilt sie das Vorherbestimmte, und somit vollbringen sie die Werke der Bewohner der Hölle und gehen in diese ein.“ (al-Bukhāri)
Um ehrlich zu sein, befürchte ich manchmal, dass ich gute Taten vollbringe, obwohl für mich geschrieben steht, dass ich zu den Bewohnern der Hölle gehöre.
Antwort:
Alles Lob gebührt Allāh.
Ibn al-Qayyim (möge Allāh ihm barmherzig sein) sagte: „Diejenigen, die unwissend über Allāh und Seine Namen und Eigenschaften sind, interpretieren deren wahre Bedeutung auf falsche Art und Weise, machen die Menschen abwendig von Allāh, bauen Hindernisse zwischen den Menschen und ihrer Liebe zu Allāh auf und verhindern, dass sie sich Ihm annähern.
Wir werden einige Beispiele davon nennen, wie z. B. dass sie versuchen, Menschen mit nur oberflächlichem Wissen oder schwachem Glauben denken zu lassen, dass die Handlungen des Gehorsams für Allāh nichts nutzen werden, selbst wenn sie über einen langen Zeitraum vollzogen werden und der Mensch sich sowohl innerlich wie auch äußerlich aufs Beste bemüht; und dass der Mensch vor Allāhs Plan nicht sicher sein kann, sondern es Allāhs Methode ist, den Gehorsamen, der Allāh fürchtet, aus der Moschee zu nehmen und in das Bordell zu schicken und von Tauhīd und Tasbīh zu Schirk und Musik und von einem Herzen angefüllt mit reinem Glauben zum Kufr. Sie erzählten sichere Berichte darüber, die sie aber nicht angemessen verstanden, und falsche Aussprüche, die der Prophet niemals tätigte, und sie behaupteten, dies sei die Essenz des Tauhīd.“ (al-Fawā’id #159)
Dann sagte er (möge Allāh ihm barmherzig sein): „… Diese arme Person betrachtet Taten nicht länger als gut oder schlecht und fühlt sich demzufolge nicht zufrieden, wenn sie etwas Gutes vollbracht hat, oder schlecht, wenn sie etwas Übles getan hat. Gibt es eine effektivere Art, um die Menschen von Allāh fernzuhalten und ihre Abscheu gegen Ihn zu erwecken, als dies? Wo alle Ketzer sich darum bemühen, dass die Menschen die Religion hassen und dass sie sich von Allāh entfernen, hätten sie nichts Übleres finden können als dies.
Wer diese Überzeugung besitzt, glaubt, dass er die Lehren des Tauhīd und des göttlichen Willens und der Bestimmung bekräftigt, die Erneuerer zurückweist und den Islam unterstützt, doch bei Allāh, ein weiser Feind ist weniger schädlich als ein ignoranter Freund. All die offenbarten Bücher und all die Gesandten bezeugen das Gegenteil davon, insbesondere der Qur’ān. Wenn jene, die sich darum bemühen, andere zu Allāh aufzurufen, der von Allāh und Seinem Gesandten etablierten Methode bei diesem Aufruf folgten, dann würde die gesamte Welt auf eine solche Art und Weise reformiert werden, dass danach keine Verdorbenheit mehr übrig wäre.
Allāh informiert uns – und Er ist der Eine, Der wahrhaftig ist und die Versprechen erfüllt – dass Er die Menschen nur basierend auf ihren Handlungen beurteilt und sie für ihre Taten entschädigt. Und wer Gutes tut, soll keine Ungerechtigkeit befürchten; Er wird niemals die Taten eines der Rechtschaffenen verloren gehen lassen, seien sie auch noch so klein, und niemals irgendeiner Seele auch nur im Geringsten Unrecht zufügen. „… Und wenn es eine gute Tat ist, vervielfacht Er sie und gibt von Sich aus großartigen Lohn.“ (4:40). Selbst wenn es in der Größe eines Senfkorns ist, gibt Er die Belohnung dafür und lässt es nicht verloren gehen. Er entschädigt schlechte Taten mit etwas Ähnlichem und löscht sie aus, wenn ein Mensch bereut, sie bedauert, um Vergebung bittet und gute Taten verrichtet oder wenn ihn ein Unglück befällt. Doch Er belohnt eine gute Tat mit dem Zehn- bis Siebenhundertfachen oder noch mehr.
Er ist der Eine, Der die Irregeleiteten bessert und Der die Herzen der Abgewendeten zu Sich zurückwendet. Er nimmt die Reue der Sünder an, rechtleitet die Irregehenden, rettet die Verlorenen, lehrt die Unwissenden, hilft den Verwirrten, erinnert die Nachlässigen und gewährt den Verlassenen Zuflucht. Wenn Er eine Strafe sendet, dann geschieht das nur nach schwerer Auflehnung und dickköpfiger Abwendung und nachdem die Menschen dazu aufgerufen wurden, sich Ihm wieder zuzuwenden.” (al-Fawā’id #161)
Im Folgenden ein gewaltiger Hadīth, der bei al-Bukhāri #3208 und Muslim #2643 von Mas`ūd (möge Allāh mit ihm zufrieden sein) verzeichnet wurde. Einige Leute waren durch die Worte des Propheten (Allāhs Frieden und Segen seien auf ihm) verwirrt: „Ich schwöre bei Allāh, dass es einige unter euch gibt, die wahrhaftig solche Werke der Bewohner der Hölle vollbringen, bis sie von ihr nur um eine Ellenlänge entfernt sind, dann ereilt sie das Vorherbestimmte, und somit vollbringen sie die Werke der Bewohner des Paradieses und gehen in dieses ein. Und es gibt einige unter euch, die wahrhaftig solche Werke der Bewohner des Paradieses vollbringen, bis sie von ihm nur um eine Ellenlänge oder zwei Ellenlängen entfernt sind, dann ereilt sie das Vorherbestimmte, und somit vollbringen sie die Werke der Bewohner der Hölle und gehen in diese ein.“ Dies ist ein Beispiel dessen, was ibn al-Qayyim (möge Allāh ihm barmherzig sein) aus den authentischen Berichten, die nicht angemessen verstanden werden, herauszuarbeiten versuchte.
Die Antwort darauf lautet, dass es für denjenigen gilt, der seine Taten nicht mit Aufrichtigkeit und Glauben verrichtet, sondern er verrichtet die Taten der Bewohner des Paradieses nur augenscheinlich für die Menschen, wie in einer anderen Version des Hadīth erklärt wird, der von Sahl bei al-Bukhāri (#4207) und Muslim (#112) berichtet wurde: „Der Prophet (Allāhs Frieden und Segen seien auf ihm) und die Muschrikūn trafen in der Schlacht aufeinander und kämpften. Als der Gesandte Allāhs (Allāhs Frieden und Segen seien auf ihm) in sein Lager zurückkehrte und die anderen in ihr Lager zurückkehrten, gab es unter den Gefährten des Gesandten Allāhs (Allāhs Frieden und Segen seien auf ihm) einen Mann, der einen der Feinde getötet hatte, der ihm über den Weg lief. Sie sagten: `Niemand hat es heute besser gemacht als So-und-So.` Der Gesandte Allāhs (Allāhs Frieden und Segen seien auf ihm) sagte: `Vielmehr ist er einer der Bewohner der Hölle.` Ein Mann sagte: `Ich werde ihm folgen.` Und so ging er mit ihm. Jedes Mal, wenn der Mann anhielt, hielt auch er an, und wenn er sich beeilte, dann beeilte er sich mit ihm. Er sagte: `Der Mann war schwer verwundet und deshalb begehrte er einen schnellen Tod. Er stellte den Griff seines Schwertes auf den Boden und die Spitze gegen die Mitte seiner Brust, dann warf er sich darauf und tötete sich selbst. Der Mann ging zum Gesandten Allāhs (Allāhs Frieden und Segen seien auf ihm) zurück und sagte: `Ich bezeuge, dass du der Gesandte Allāhs bist.` Dieser fragte: `Warum tust du das?` Der Mann antwortete: `Der Mann, von dem du sagtest, er sei einer der Bewohner der Hölle, worüber die Leute erstaunt waren. Ich wollte herausfinden, was mit ihm war, und so folgte ich ihm, bis er schlimm verwundet war und daraufhin seinen Tod beschleunigen wollte. Er stellt den Griff seines Schwertes auf den Boden und setzte die Spitze gegen die Mitte seiner Brust und warf sich darauf und tötete sich selbst.` Der Gesandte Allāhs (Allāhs Frieden und Segen seien auf ihm) sagte: `Ein Mann kann die Taten der Leute des Paradieses verrichten oder so erscheint es den Menschen zumindest, obwohl er einer der Bewohner der Hölle ist, und ein Mann kann die Taten der Leute der Hölle verrichten oder es erscheint den Menschen zumindest so, obwohl er einer der Bewohner des Paradieses ist.`“
Allāh ist zu gerecht, gnädig und großzügig, um denjenigen, der die Taten der Bewohner des Paradieses im tatsächlichen Sinne verrichtet, aufrichtig und mit Glauben, am Ende seines Lebens zugrunde gehen zu lassen.Vielmehr sind jene die Rechtgeleiteten, geführt und unterstützt, um zu bestehen, wie Allāh sagt (ungefähre Bedeutung):
„Allāh festigt diejenigen, die glauben, durch das beständige Wort im diesseitigen Leben (d. h. sie werden Allāh allein dienen und niemandem sonst) und im Jenseits. Doch Allāh lässt die Ungerechten (Zālimūn – Polytheisten und Übeltäter) in die Irre gehen. Allāh tut, was Er will.“ (14:27)
„Diejenigen aber, die sich um Unsertwillen abmühen, werden Wir ganz gewiss Unsere Wege leiten (d. h. zu Allāhs Religion, dem islamischen Monotheismus). Und Allāh ist wahrlich mit den Gutes Tuenden(Muhsinūn).“ (29:69)
„…Gewiss, wer gottesfürchtig und standhaft ist (indem er sich von Sünden und üblen Taten fernhält und rechtschaffene Taten verrichtet) - gewiss, Allāh lässt den Lohn der Gutes Tuenden (Muhsinūn) nicht verlorengehen.“ (12:90)
„Sie sind glückselig über eine Gunst von Allāh und eine Huld und (darüber), dass Allāh den Lohn der Gläubigen nicht verlorengehen lässt.“ (3:171).
Ibn al-Qayyim sagte in al-Fawā’id (S. 163): „Die Tatsache, dass ein Mann die Taten der Bewohner des Paradieses verrichten kann, bis zwischen ihm und dem Paradies nur noch eine Elle ist, ihn dann die Bestimmung trifft, bezieht sich auf die Taten der Bewohner des Paradieses, wie sie den anderen Menschen erscheinen. Wenn es eine für Allāh akzeptable rechtschaffene Tat ist, dann wird Allāh sie lieben, annehmen und nicht auslöschen. Jemand könnte sagen, dass der Ausdruck „bis zwischen ihm und dem Paradies nur noch eine Elle ist“ unsere Aussage nicht unterstützt. Die Antwort darauf lautet, dass, wenn die Taten entsprechend ihrem Ausgang bewertet werden, der Mann nicht genügend Geduld hatte, um seine Taten angemessen zu vollenden. Es gab ein verborgenes Problem und etwas war falsch an seinen Taten, wodurch er am Ende seines Lebens zugrunde ging. Dieses verborgene, schwer wiegende, fatale Probleme verursachte seine Zerstörung zur Zeit des Bedarfs. Wenn es kein Problem und keine Unaufrichtigkeit gegeben hätte, hätte Allāh seinen Glauben nicht in Unglauben gewandelt. Und Allāh weiß besser als alle Menschen, was diese nicht voneinander wissen.“
Ibn Rajab (möge Allāh ihm barmherzig sein) sagte: „Die Worte `wie sie den anderen Menschen erscheinen` zeigen, dass das Verborgene sich von dem unterscheiden kann, was für die Menschen sichtbar ist, und dass ein schlechtes Ende aufgrund eines verborgenen Problems einer Person erfolgen kann, welches die Menschen nicht erkennen können, sei es eine schlechte Tat oder etwas Ähnliches, sodass eine versteckte Eigenschaft zum Zeitpunkt des Todes zu einem schlechten Ende führen kann.
Ähnlich kann ein Mensch eine Tat der Bewohner der Hölle verrichten, doch innerlich hat er eine gute Eigenschaft und diese tritt zum Ende seines Lebens in Erscheinung und führt zu einem guten Ende für ihn.
`Abd al-`Azīz ibn Abi Rawād sagte: `Ein Mann lag im Sterben und er wurde aufgefordert, Lā ilāha illa Allāh zu sagen, doch seine letzten Worte waren: `Er glaubt nicht an das, was ihr sagt`, womit er sich auf sich selbst bezog und so starb er!`
Er sagte: `Ich erkundigte mich über ihn und fand heraus, dass er dem Alkohol verfallen war.`
Abd al-`Azīz pflegte zu sagen: `Hütet euch vor Sünden, denn diese sind es, die zu einem schlechten Ende führen.`
Im Allgemeinen ist das Ende der Menschen die Konsequenz dessen, was sie vorher taten und all das wurde bereits in einem Buch niedergeschrieben. Daher fürchteten die Salaf ein schlechtes Ende sehr und einige von ihnen waren äußerst besorgt, wenn sie an frühere Sünden dachten.
Es heißt, dass die Herzen der Rechtschaffenen besorgt darüber sind, wie ihr Leben enden könnte, und sie fragen sich ständig: Wie wird unser Ende sein?
Die Herzen derjenigen, die Allāh nahe stehen, sind besorgt wegen ihrer vorherigen Sünden und sie sagen: Wie werden unsere Sünden unser Ende beeinflussen?
Sahl al-Tastari sagte: `Wer seine Reise zu Allāh begonnen hat, fürchtet, dass er der Sünde verfallen könnte, und wer Allāh nahe steht, fürchtet, dass er dem Kufr verfallen könnte.`
Daher fürchteten die Sahābah und die rechtschaffenen Salaf, die nach ihnen kamen, dass sie zu Heuchlern werden könnten, und ihre Angst und Furcht waren intensiv. Der Gläubige befürchtet deshalb die kleinere Heuchelei für sich selbst und ist besorgt , dass sie am Ende seines Lebens überhand nehmen und ihn in den Zustand der großen Heuchelei bringen könnte, wie es weiter oben darüber erwähnt wurde, dass verborgene Probleme zu einem schlechten Ende führen können.“ (Jāmi` al-`Ulūm wa-l-Hukam 1/57-58)
Scheikh ibn `Uthaymīn (möge Allāh ihm barmherzig sein) sagte: „Der Hadīth von ibn Mas`ūd `bis sie von ihm nur um eine Ellenlänge oder zwei Ellenlängen entfernt sind` bezieht sich auf das Paradies. Es bedeutet nicht, dass seine Taten ihn bis zu dieser Position bringen, bis nur noch eine Ellenlänge übrig ist. Wenn er die Taten der Bewohner des Paradieses im tatsächlichen Sinne vollbringen würde, dann würde Allāh ihn nicht zugrunde gehen lassen, denn Allāh ist großzügiger als Seine Diener. Stellt euch vor, ein Mensch ist Allāh ergeben und zwischen ihm und dem Paradies ist nicht mehr als eine Ellenlänge – würde Allāh ihn abweisen? Das ist unmöglich. Vielmehr lautet die Bedeutung, dass er die Taten der Bewohner des Paradieses vollbringt, wie es anderen erscheint, und wenn von seiner Lebensspanne nur noch ein wenig übrig ist, dann driftet sein Herz ab, Allāh bewahre. Wir bitten Allāh darum, uns sicher und gesund zu halten. Das ist die Bedeutung des Hadīth von ibn Mas`ūd: Wenn nichts mehr übrig ist zwischen ihm und dem Paradies außer einer Ellenlänge seiner Lebensspanne, ansonsten würde er von vornherein nicht die Taten der Leute des Paradieses vollbringen.
Wir bitten Allāh darum, unsere Herzen nicht in die Irre zu leiten. Die genannte Person bemüht sich also, doch in ihrem Herzen ist etwas Übles verborgen, was zu ihrer Verdammung führt, wenn nur noch eine Ellenlänge übrig ist und sie stirbt.“ (al-Liqa’ al-Schahri 13/14)
Einige Gelehrte meinten, dass die in dem Hadīth erwähnte Person sich im tatsächlichen Sinne bemüht, bis ihre Lebenszeit sich dem Ende nähert, sie dann ein schlechtes Ende hat und im Zustand des Kufr oder der Sünde verstirbt. Doch das ist sehr selten. Es ist auch auf etwas Verborgenes zurückzuführen oder auf eine schwer wiegende üble Eigenschaft, die die Person beibehält, wie z. B. ein falscher Glaube oder eine große Sünde, die den Menschen zur Hölle verdammt, was dann zu seinem schlechten Ende führt. Wir bitten Allāh darum, uns sicher und gesund zu halten.
Der Hadīth ist also als Warnung zu verstehen, dass niemand sich zu sehr auf seine Taten verlassen sollte, und wir bitten Allāh darum, uns standhaft bis zum Tode sein zu lassen, denn die Herzen sind zwischen zwei Fingern des Barmherzigsten und Er wendet sie, wie Er will.
Al-Nawawi (möge Allāh ihm barmherzig sein) sagte in Scharh Muslim: „Die Ellenlänge ist als Anzeichen für den nahen Tod gemeint und ob er danach in das Paradies oder die Hölle eintreten wird und dass es nichts zwischen ihm und dem Erreichen dieser Bleibe gibt außer einer Ellenlänge, wie das, was zwischen ihm und dem Erreichen irgendeines Ortes auf der Erde verbleibt. Dieser Hadīth meint, dass dies in seltenen Fällen einigen Menschen geschehen kann, nicht aber, dass es die Norm ist. Weiterhin ist es ein Zeichen von Allāhs Güte und Barmherzigkeit, dass die Menschen in vielen Fällen vom Schlechten zum Guten zurückkehren können. Was ihre Umkehr vom Guten zum Schlechten anbelangt, so ist dies sehr selten und geschieht kaum. Das ist wie in den Worten Allāhs aus einem Hadīth qudsi: „Meine Barmherzigkeit übersteigt Meinen Zorn und siegt über Meinen Zorn.“ Das umfasst jene, die sich den Taten der Hölle zuwenden, indem sie ungläubig werden oder Sünden begehen, doch sie (die Gelehrten) sind unterschiedlicher Meinung darüber, ob sie darin für immer verbleiben werden oder nicht. Der Kāfir wird auf ewig in der Hölle verbleiben, doch der Sünder, der an den Tauhīd glaubend stirbt, wird nicht für immer darin bleiben, wie oben angeführt. In diesem Hadīth ist die deutliche Bestätigung der göttlichen Bestimmung zu finden und der Tatsache, dass Reue alle Sünden, die vorher kamen, auslöscht, und dass der Mensch gemäß dem Zustand, in dem er stirbt, beurteilt wird, sei es gut oder schlecht, doch diejenigen, die andere Sünden als Kufr begehen, unterliegen der Entscheidung Allāhs.“
Es sollte in diesem Zusammenhang angemerkt werden, dass derselbe Hadīth, der dich verwirrt hat, auch die Antwort dazu enthält. Denn er bestätigt nicht nur das Konzept der göttlichen Bestimmung und Allāhs vorausgehendes Wissen über die Schöpfung sowie Sein vorheriges Niederschreiben ihrer Taten. In diesem und ähnlichen Texten werden zusätzlich Seine Befehle und Verbote bestätigt und dass Allāh sie nicht nur basierend auf Seinem Wissen über sie bestraft oder segnet, sondern vielmehr auf der Grundlage dessen, was sie taten und für sich selbst verdienten.
Scheikh al-Islam ibn Taymiyah (möge Allāh ihm barmherzig sein) sagte: „Dieser Hadīth und ähnliche Berichte zeigen zwei Konzepte:
1. Die vorausgehende Bestimmung, was bedeutet, dass Allāh bereits weiß, wer die Bewohner des Paradieses sind und wer die Bewohner der Hölle sind, noch bevor sie irgendeine Tat vollbringen. Das ist wahr und daran muss geglaubt werden. Tatsächlich haben die Imāme, wie Mālik, al-Schāfi`i und Ahmad, bestätigt, dass derjenige, der das verleugnet, ein Kāfir ist. Wir müssen daran glauben, dass Allāh alles weiß, was geschehen wird, bevor es geschieht, und wir müssen an das glauben, worüber Er uns informiert hat, dass Er es zu geschehen bestimmt hat.
2. Dass Allāh die Art aller Dinge kennt und Er hat für die Dinge Mittel erschaffen, die zu diesen Dingen führen. Daher weiß Er, dass diese Dinge aus diesen Mitteln resultieren, wie Er weiß, dass jener Mann ein Kind haben kann, indem er Geschlechtsverkehr mit einer Frau hat, wodurch sie schwanger wird. Wenn der Mann sagt: Allāh weiß, dass ich ein Kind haben werde, daher muss ich keinen Geschlechtsverkehr haben, dann ist er ein Narr, denn Allāh weiß, dass es durch das kommen wird, was Er dafür bestimmt hat, nämlich den Geschlechtsverkehr. Ähnlich weiß ein Mann, dass das Getreide als Ergebnis seiner Bewässerung der ausgesäten Samen wachsen wird, doch wenn er sagen würde: Er weiß, dass es geschehen wird, deshalb besteht kein Bedarf am Aussäen der Samen, dann ist er ignorant und irregeleitet, denn Allāh weiß, was durch die Mittel kommen wird.
Ähnlich sagen wir, wenn Er weiß, dass dieser im Jenseits gesegnet sein wird und jener verdammt: Das ist so, weil dieser eine die Taten der Verdammten verrichtet, sodass Allāh aufgrund seiner Taten weiß, dass er verloren sein wird. Wenn gesagt wird, dass er verdammt ist, selbst wenn er nichts tut, dann ist das falsch, denn Allāh lässt niemanden in die Hölle eingehen außer für dessen Sünden. So sagt Allāh (ungefähre Bedeutung): „Ich werde die Hölle ganz gewiss mit dir und mit all denjenigen von ihnen füllen, die dir folgen.“ (38:85). So versprach Er, sie mit Iblīs und seinen Anhängern zu füllen und diejenigen, die Iblīs folgen, waren Allāh, erhaben ist Er, ungehorsam. Doch Allāh straft niemanden für etwas, von dem Er weiß, dass er es tun wird, bis er es tatsächlich getan hat. Ähnlich hat Allāh das Paradies für die Menschen bestimmt, die an Ihn glauben und die Ihm gehorsam sind. Wem es also bestimmt ist, zu ihnen zu gehören, der ist von Allāh zum Glauben geleitet und zum Gehorsam. Wer sagt: Ich werde das Paradies betreten, ob ich nun ein Gläubiger bin oder ein Ungläubiger, wenn Er weiß, dass ich zu diesen gehöre, der erfindet eine Lüge gegen Allāh. Allāh weiß, dass er durch den Glauben darin eingelassen wird. Hat er also keinen Glauben, dann wird er nicht derjenige sein, von dem Allāh wusste, dass er das Paradies betreten würde, vielmehr wird er kein Gläubiger sein sondern ein Kāfir und Allāh weiß, dass er zu den Bewohnern der Hölle gehören wird und nicht zu den Bewohnern des Paradieses.
Daher befahl Allāh es den Menschen zu beten, bei Allāh um Vergebung zu bitten und weitere Mittel. Wer sagt: Ich werde nicht beten oder bitten und ich werde mich auf die göttliche Bestimmung verlassen, der irrt sich ebenfalls, denn Allāh hat das Gebet und die Bitte zu Mitteln gemacht, um Seine Vergebung zu erlangen, Seine Barmherzigkeit, Rechtleitung, Unterstützung und Versorgung. Wenn Er etwas Gutes für jemanden bestimmt hat, das durch Du`ā’ erreicht werden soll, dann wird es nur durch das Du`ā’ erreicht. Was Allāh bestimmt hat und über die Situation der Menschen weiß und darüber, wie ihr Leben enden wird, wurde nur durch die Mittel bestimmt, die zu diesem bestimmten Ergebnis führen. Nichts in dieser Welt oder im Jenseits geschieht außer durch Mittel und Allāh ist der Schöpfer der Mittel und des Ergebnisses.
Hinsichtlich dieser Angelegenheit gehen zwei Arten von Menschen in die Irre. Es gibt jene, die an die göttliche Bestimmung glauben und denken, dass sie ausreicht, um Ziele zu erreichen, sodass sie sich von den empfohlenen Mitteln und rechtschaffenen Taten abwenden. Sie werden ungläubig an die Bücher Allāhs, Seine Gesandte und Religion enden.
Die anderen bitten um Belohnung von Allāh, wie ein Arbeiter um Lohn von seinem Chef bittet, auf seine eigene Stärke vertrauend, seine Kraft und Taten. Solche Leute sind ignorant und irregeleitet, denn Allāh hat den Menschen Seine Befehle nicht aus Bedürftigkeit auferlegt, und Er hat Seine Verbote nicht aus Geiz erstellt, sondern Er hat das anbefohlen, was in ihrem besten Interesse ist, und Er hat das verboten, was schlecht für sie ist. So sagt Er: „Ihr werdet niemals eine Position haben, um Mir zu schaden, und ihr werdet niemals eine Position haben, um Mir zu nutzen.“
Wer sich von den Befehlen und Verboten abwendet, den Versprechen und Warnungen, und sich nur auf die göttliche Bestimmung konzentriert, ist in die Irre gegangen. Und wer sich bemüht, den Befehlen und Verboten zu folgen, und dabei die göttliche Bestimmung ignoriert, ist in die Irre gegangen. Der Gläubige ist so, wie Allāh sagt (ungefähre Bedeutung): „Dir allein dienen wir, und zu Dir allein flehen wir um Hilfe (für alles und jedes).“ (1:5). Und so dienen wir Ihm, indem wir den Befehl befolgen, und wir erstreben Seine Hilfe basierend auf unserem Glauben an die göttliche Bestimmung.” (Muqtatafāt min Majmū` al-Fatāwa, 8/66 ff.)
Und Allāh weiß es am besten.
Islam Q&A