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Thema: Das Übel das Taqlīds und der Entmündigung des „Laien“

  1. #1
    Administrator Avatar von Tariq
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    Das Übel das Taqlīds und der Entmündigung des „Laien“



    Häufig wird von den Propagandisten des Taqlīdismus und des Madhhab-Fanatismus der sog. „Laie“ aufgriffen, welcher nach der von ihnen verbreiteten Ideologie unfähig sei, auch nur das geringste aus dem Buch Allahs und der Sunnah seines Gesandten zu verstehen, und es daher verpflichtend für ihn sei blind seinem Schaykh zu folgen ohne zu hinterfragen was ihm vorgesetzt wird. Bestenfalls darf sich der sog. „Laie“ noch eine Madhhab aussuchen, doch selbst diese Freiheit wird ihm nicht immer gewährt. So wird etwa gesagt man sei an die Madhhab seines Landes gebunden und ähnliches mehr.

    Dazu einige Worte von al-Schaykh al-Albānī aus einer nützlichen Studie zu diesem Thema:

    Dennoch bin ich der Ansicht, dass die Verallgemeinerung in Bezug auf den gemeinen Muslim und dass es für ihn unumgänglich sei Taqlīd zu machen jeder Grundlage entbehrt, denn wenn man bedenkt, dass der Taqlīd das Handeln nach der Ansicht eines anderen ohne Beweis ist, so ist es doch in Wahrheit häufig für einige intelligente Menschen aus der Allgemeinheit einfach den Beweis zu erkennen, da er so klar aus dem Text hervorgeht, welcher ihn übermittelt. Wer will etwa behaupten, dass seine Aussage "al-Tayammum ist ein Streich für das Gesicht und die Hände" für sie in dieser Sache keinen Beweis erkennen lässt, bzw. selbst für jene, welche weniger intelligent sind als sie? Daher ist die Wahrheit dass man sagt: Der Taqlīd ist für den Pflicht, der unfähig ist der Beweis zu erkennen.

    (Al-Ḥadīth Ḥujjah fī nafsīh S. 81)


    Inschallah werde ich hier noch einige gewinnbringende Abschnitte aus dieser Studie zitieren.
    Geändert von Tariq (24.09.2011 um 21:29 Uhr)

    So manche Mär schon ist entsprungen,
    der wilden Turbanträger Phantasie.
    Fast möchte man sie hören,
    der Torheit schrille Melodie:
    Wäre ich ein Mensch, so feixt sie schallend,
    dann gewiss ein Rafidi!


  2. #2
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    Neben al-Schaykh al-Albānī gab es auch frühere Gelehrte der Sunnah, wie al-Imām al-Schawkānī, welche die generalisierte Pflicht zum blinden Taqlīd für das gemeine Volk ablehnten. Al-Schawkānī ging gar so weit es für verboten zu erklären.

    Al-Schaykh Muḥammad al-Aschqar saget:

    Al-Schawkānī gehörte zu jenen, welche den Taqlīd [ - auch für die ‚Laien‘ - ] als verboten ansahen , jedoch etablierte er einen Mittelweg zwischen dem Taqlīd und dem Ijtihād, welchen er „al-Ittibāʿ“ nannte. Ihm gingen bereits einige von dem Muḥaqqiqūn in dieser Ansicht vorraus.

    Es bedeutet, dass derjenige der kein Wissen hat und auch nicht selbst das Wissen erlangen kann, den Wissenden fragt. Jedoch fragt er ihn nicht nach seiner Meinung oder seinem Ijtihād, sondern er fragt ihn nur nach den Beweisen die er aus Buch und Sunnah kennt, damit er sie ihm nennt und er danach handelt.

    Al-Schwakānī sagte: „Das Fazit ist, dass keiner der den Taqlīd erlaubte, geschweige denn jemand der ihn zu Pflicht erklärte, mit irgendeinem Beweis gekommen ist, mit dessen Beantwortung man sich beschäftigen sollte.“ Und er sagt weiter: „Was das angeht, was sie von der fehlenden Eignung der Nachlässigen [d.h. der ‚Laien‘] erwähnen die Texte des Rechtes zu verstehen, woraus sie eine Rechtfertigung für den Taqlīd machten, so ist die Sache nicht wie sie behaupten, denn es gibt hier einen Mittelweg zwischen dem Taqlīd und dem Ijtihād und dieser ist, dass der Unwissende den Wissenden nach dem Recht bezüglich dem fragt, was er ihm darlegt, und nicht dass er ihn nach seiner bloßen Meinung oder seinem reinen Ijtihād befragt.“

    Für mich ist die Ansicht den Taqlīd nicht zu erlauben extremistisch und übertrieben und eine Verleugnung der offenkundigen Tatsachen, denn wo findet jeder einzelne Muslim die hinreichende Zeit und die umfassende Fähigkeit die rechtlichen Beweise aus den vertrauenswürdigen Überlieferungen zu bestimmen, und sodann den Ijtihād bezüglich ihres Inhaltes zu vollziehen, ganz besonders bei Widersprüchen, oder dem Verborgensein des beweiskräftigen Inhalts. Wer sagt sie seien dazu im Stande, dessen Aussage ist eine Behauptung, die von der Realität widerlegt wird.

    [Al-Wāḍiḥ fī Uṣūl al-Fiqh S. 281]
    Geändert von Tariq (25.09.2011 um 19:34 Uhr)

    So manche Mär schon ist entsprungen,
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  3. #3
    Administrator Avatar von Tariq
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    Da auch in diesem Strang wieder mehrfach von den "vertrauenswürdigen Gelehrten" die Rede war, möchte ich den Verfechter dieser Lehre folgende Fragestellung vorlegen, in der Hoffnung dass dadurch klar wird, dass sich hier die Katze in den Schwanz beißt, und es nicht möglich ist zu erkennen wer vertrauenswürdig ist und gleichzeitig blinder Muqallid zu sein:

    Sodann sagen wir außerdem zu dem Muqallid: Woher weißt du, dass [dein Imām] die Wissenschaft des Ijtihāds gemeistert hat? Wir sagen zu ihm: Woher hast du dieses Wissen du Armseliger, wo du dir selbst doch die Unwissenheit bescheinigst, und es mit dieser Behauptung abstreitest? Währst du nicht unwissend, so bräuchtest du keinen Taqlīd machen. Und wenn er sagt: Ich weiß durch die Kunde der Gelehrten, dass mein Imām die Wissenschaft des Ijtihād gemeistert hat, so fragen wir ihn: Ist der, der dich darüber in Kenntnis setzte ein Mujtahid oder ein Muqallid? Wenn du sagst ein Muqallid, woher hat er dann dieses Wissen, wo er sich selbst doch genau wie du die Unwissenheit bescheinigt hat? Und wenn du sagst: Ein Mujtahid hat mich darüber informiert, woher weißt du dann, dass er ein Mujtahid ist, wo du dir selbst doch die Unwissenheit bescheinigst? Und somit führen wir dich wieder zur ersten Frage zurück und es geht endlos so weiter.

    [Al-Schawkānī: al-Qawl al-Mufīd fī Adillat al-Ijtihād wa al-Taqlīd]
    Geändert von Tariq (27.09.2011 um 23:46 Uhr)

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  4. #4
    Moderator Avatar von Behzad
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    Imam ibn Taymiyyah - Allah möge Sich seiner erbarmen - sagte: „Aus dem Blickwinkel von dem Buch und der Sunnah, gibt es keinen Unterschied zwischen den Mujtahid Imame. Folglich waren Imam Malik, Layth ibn Sa‘d, Sufyan at Thawri und Awza‘i Imame ihrer Zeit. Kein Muslim behauptet, dass Taqleed auf einer diesen nicht erlaubt ist. Aber wenn jemand den Taqleed auf jemanden verboten hat, dann tat er dies aus zwei Gründen: (1) Es gibt keinen Überlebenden, der sich der Madhab eines dieser (Imame) bewusst ist. Es gibt zwangsläufig Unterschiede im Taqleed eines toten Imams. Jene, die es erlaubt haben, taqleed auf einen toten Imam zu machen, taten dies, wenn genügend Gelehrte, die sich der Madhab des Toten bewusst sind, vorhanden sind. (2) Es gibt einen Konsens gegen die Lehren jener eines Madhabs, die ausgestorben ist. Aber wenn ihre Aussagen, welche gemäß den Aussagen des lebenden Mujtahids sind, vorhanden sind, so werden sie befürwortet und gestärkt.“ Fatawa al Kubra
    Geändert von Behzad (28.09.2011 um 01:08 Uhr)

    قولوا "لا إله إلا الله" تفلحوا


  5. #5
    Abū Muḥammad
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    Falls jemanden die Ansicht des Shaykh al-ʿUthaymīn (möge Allāh Sich seiner erbarmen) diesbezüglich interessiert, der kann es hier nachlesen (auf Englisch): http://www.ahlalhdeeth.com/vbe/showthread.php?t=13295

  6. #6
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    Leider wird viel über das Thema Taqlid diskutiert und viele gehen dann in irgendwelche Extremen.

    Fakt ist aber, dass so gut wie alle Gelehrten den Taqlid für den Laien als verpflichtend angesehen haben.

    Fakt ist auch, dass der Laie nur weil er ein paar Hadithe zu einem Thema gelesen hat nicht daraus ein Urteil bilden kann und erst recht nicht sagen kann welche Meinung [unter den Rechtsschulen] die stärkere Meinung ist. Dies können nur Gelehrte, die eine gewisse Stufe des Wissens erreicht haben. Und sogar sie sagen dann nicht "dies ist 100% richtig und jeder andere ist falsch", sondern sie sagen "meine Ansicht ist richtig, aber es gibt die Möglichkeit, dass ich falsch liege".

    In dem anderen Thread über die Madhahib (also den hier: Madhhab oder nicht-Madhhab? ) wurde mehrmals Imam Ibn Taymiyya (rahimahullah) zitiert und das obwohl Imam Ibn Taymiyya (rahimahullah) den Taqlid [mutlaq] für den Laien als verpflichtend angesehen hat.

    Kommen wir zum nun zum Ta'assub (Fanatismus/Extremismus) in der Angelegenheit des Taqlid:

    Der Ta'assub für die Madhahib:

    1) "Nur mein Madhab ist richtig und jeder andere ist falsch":

    Diese Art des Ta'assub für die Madhahib ist fast ausgestorben (obwohl der Ta'assub einiger, die gegen Taqlid sind, auch leicht daran erinnert). So haben einige gesagt, dass nur ihre Rechtsschule richtig ist und dass die anderen Rechtsschulen falsch sind und dies ging so weit, dass manch einer solche Aussagen gemacht haben wie "Wenn ich könnte, würde ich von den Schafi'is die Jizya verlangen" und somit die Befolger der anderen Rechtsschule aus dem Islam geworfen hat.

    Und Imam Ibn Taymiyya (rahimahullah) nennt dies sogar als einer der Gründe wieso ALLAH ta'ala die Tatar auf die Muslime der "Länder des Ostens" losgelassen hat:

    وبلاد الشرق من أسباب تسليط الله التتر عليها كثرة التفرق والفتن بينهم في المذاهب وغيرها حتى تجد المنتسب إلى الشافعي يتعصب لمذهبه على مذهب أبي حنيفة حتى يخرج عن الدين‏.‏ والمنتسب إلى أبي حنيفة يتعصب لمذهبه على مذهب الشافعي وغيره حتى يخرج عن الدين‏.‏ والمنتسب إلى أحمد يتعصب لمذهبه على مذهب هذا أو هذا‏.‏ وفي المغرب تجد المنتسب إلى مالك يتعصب لمذهبه على هذا أو هذا‏.‏ وكل هذا من التفرق والاختلاف الذي نهي الله ورسوله عنه‏.‏

    2) "Man muss einem Madhab folgen und man darf nur vom Mufti des eigenen Madhabs fragen":

    Dies Art des Taqlids wird von manchen als "Taqlid Schakhsi" bezeichnet und erschwert das Leben des Laien unnötig und sie wurde erst von manchen späteren Gelehrten als verpflichtend angesehen und dies auf der Grundlage dessen, dass die Laien ansonsten den verschiedenen Rechtsurteilen nach Lust und Laune folgen würde (also z.B. dass er immer den leichtesten Urteil nimmt und ähnliches) und anderen Nachteilen. Dennoch hat die Geschichte gezeigt, dass aufgrund dieser Position es zu mehr Nachteilen gekommen ist und der Laie kann ja trotzdem einfach den Meinungsverschiedenheiten innerhalb des Madhabs zu Nutze machen und somit ist dies kein Schutz davor seine Gelüste zu befolgen.

    Ich gebe mal einige Beispiele wieso diese Art des Taqlids unnötig das Leben erschwert:

    Man nehme an eine Person lebt in einer Stadt, wo es zwei Muftis gibt, die etwa die gleiche Stufe an Wissen haben. Die Person ist gewohnt immer zu einem Mufti zu gehen, wenn er Fiqhfragen hat. So nun verstirbt aber der Mufti zu dem er immer gegangen ist. Laut Logik derjenigen, die Taqlid Schakhsi zur Pflicht erklären, wäre es diesem Laien nicht gestattet einfach von nun an den anderen Mufti zu fragen! Er müsste entweder jemand anderen finden, der auf dem Madhab des verstorbenen Muftis ist oder aber er müsste zum Madhab des lebenden Muftis wechseln, d.h. also er müsste alle Fiqhfragen neu stellen und so zu sagen "bei Null anfangen".

    Wenn man allerdings den Taqlid mutlaq als verpflichtend sieht, so kann er ganz normal in den Sachen in denen er bereits den verstorbenen Mufti gefragt hat auf seiner Ansicht bleiben und kann dann wenn er eine neue Frage hat einfach beim noch lebenden Mufti nachfragen.

    Ein zweites Beispiel:

    Man nehme an, dass eine Person den Fatawa von der islamqa-Seite von Shaykh Salih al-Munajjid befolgt. Laut den Befürwortern des Taqlid Schaykhsi darf er dies nicht tun! Wieso? Die meisten Urteile auf der Seite sind gemäß dem Hanbali Madhab, aber einige Urteile sind auch gemäß andererer Madhahib! Und laut ihrer Logik müssen, die Fatawa 100% gemäß dem Hanbali Madhab sein ansonsten darf man sie nicht befolgen.

    Die Frage, die sich mir jetzt stellt ist: Sind die 4 Rechtsschulen etwa 4 verschiedene Religionen auf das man das obige behauptet??

    Und eine andere Frage: Der Laie wird in den meisten Fällen gar nicht wissen, ob dieser Urteil nun gemäß diesem Madhab ist oder gemäß jenem Madhab!! Wie also soll er merken das ein Urteil -dem ihm sein Mufti gibt - gemäß eines anderes Madhabs ist?

    Und die meisten größeren Gelehrten haben in manchen Angelegenheiten von ihrem Madhab abgewichen. Wäre es haram von ihnen Fatawa zu nehmen?? Wenn ja, wie bitteschön will man das begründen??

    Und die Wahrheit in dieser Angelegenheit ist es, dass die allermeisten 'Ulama den Taqlid mutlaq als verpflichtend angesehen haben und nicht den Taqlid Schakhsi! Und hier sind zwei wichtige Links zum Taqlid mutlaq und Taqlid Schakhsi (auf Englisch):

    Taqlid mutlaq: http://forums.islamicawakening.com/f...-262/#post1331

    Taqlid schakhsi: http://forums.islamicawakening.com/f...-262/#post1332

    Der Ta'assub gegen die Madhahib:

    1) "Taqlid ist Schirk!":

    Diese Meinung ist fast nur bei den "Ahle Hadith" in indopakistanischen Raum verbreitet und dass natürlich nicht unter allen von ihnen und diese Meinung hat keine Grundlage in der Schari'ah.

    Zu was dies führen kann, sieht man im folgenden Video:

    http://www.youtube.com/watch?v=-5bvnxovnX0

    Ich verstehe kein Urdu, was ich aber von seinem Bewegungen verstehe ist es, dass er sich darüber lustig macht wie manche Muslime ihre Hände unter den Bauchnabel tun beim Beten und will damit wahrscheinlich "beweisen" wie "falsch" der Hanafi Madhab ist! Nur ist dies nicht nur die Meinung der Ahnaf, sondern auch die der Hanabila!! Und ein Teil der Sahaba hat so gebetet!!

    D.h. sein Ta'assub hat ihn dazugeführt sich über eine völlig legitime Meinung, die auf Beweisen beruht, lustig zu machen und damit hat er sich auch noch über einen Teil der Sahaba lustig gemacht!!

    Dies sollte jedem zu denken geben!!

    2) "Taqlid ist falsch!":

    Unter diese Gruppe fallen auch diejenigen, die meinen als Laie sagen zu dürfen, dass folgende und jene Ansicht von jenem Madhab (also einer der 4 vertrauenswürdigen Madhahib) auf jeden Fall falsch ist und dass die andere Ansicht auf jeden Fall richtig ist!

    Dass Problem ist auch noch, dass dann solche Laien meinen sie dürften jetzt bei etliche Ansichten wo es einen gültigen Meinungsunterschied gibt, sagen, dass nur jene Meinung richtig ist!!

    Und zur Info: Wenn man eine Fatwa bezüglich eines Themas auf der islamqa-Seite liest, so wird man nicht ganz plötlich zum Gelehrten! Man wird auch dadurch nicht zum Talib al-'Ilm!! Und man befolgt auch dadurch nicht den Beweisen! Denn es hätten die gleichen Ahadith zitiert werden können nur mit der Erklärung eines anderen Madhabs und man hätte dann es auch so angenommen!!
    Wenn man denn Fatawa dort folgt, dann macht dadurch schlicht und einfach Taqlid und das ist auch nicht schlimm!! Schlimm wäre es wenn man als Laie selbst "Fatawa" macht und die dann befolgt!!

    Das Problem ist, dass diese Brüder Fiqh-Angelegenheiten fast schon wie 'Aqidah-Angelegenheiten betrachten! Denn in der 'Aqidah ist es so, dass man sagt "meine Ansicht ist richtig und die andere ist falsch"!! Während selbst die 'Ulama bei Meinungsunterschieden im Fiqh-Bereich sagen "Meine Ansicht/Madhab ist richtig, aber es gibt auch die Möglichkeit, dass ich falsch liege"!
    Wie also verhält es sich dann mit einem Laien??
    Und mit welchen Recht meint dieser Laie den Richter über die "richtige" Meinung spielen zu dürfen??
    Der Laie ist nicht einmal qualifiziert um vom "stärkeren Beweis" zu reden, wie also wagt er sich den Richter zu spielen und eine legitime Meinungsverschiedenheit für völlig falsch zu erklären?

    Und von diesen Angriffen auf gültige Meinungsverschiedenheiten ist vor allem der Hanafi Madhab betroffen. Wenn es laut einigen ginge, so beinhaltet der Hanafi Madhab lauter völlig falscher Ansichten!!

    Und dabei werden Ansichten angegriffen für die es Beweise gibt im Quran und in der Sunnah!! Und es kann auch nicht sein, dass man die Sache zu einer Herausforderung macht und dann ein paar Ansichten nennt, die die andere Seite beweisen soll, so nach dem Motto "du musst jetzt einzeln jede Ansicht von den Ahnaf beweisen, da ihre Ansichten nicht meinen Gelüsten passen"!

    Und dann gibt es unter den Madkhalis und auch unter den "Ahle Hadith" einige, die meinen sie können direkt Imam Abu Hanifa (rahimahullah) angreifen! So bringen sie einige Berichte, in denen einige der Salaf Imam Abu Hanifa (rahimahullah) kritisieren oder aber sie zitieren den "Tarikh Baghdad" vom Khatib al-Baghdadi (rahimahullah) und meinen dann allen ernstes sie hätten dadurch etwas bewiesen! Die Antwort darauf ist: Es ist eine bekannte Sache, dass einige unter den Salaf ein falsches Bild von Imam Abu Hanifa (rahimahullah) hatten, da die meisten Mu'tazila Ahnaf waren vom Fiqh her und da Aussagen, die er nicht getätigt hat, ihm zugeschrieben wurden!! Hätten wir also die Logik dieser Muta'assibin genommen, so müsste wir genauso Imam Bukhari (rahimahullah) angreifen, da jemand ihn missverstanden hatte und er gemeint hat dass Imam Bukhari (rahimahullah) den Quran für erschaffen hielt! Und dieses falsche Info wurde so sehr verbreitet, so dass die 'Ulama seiner Zeit in nicht gerade mochten!
    Was den "Tarikh Baghdad" angeht so ist es eine bekannte Angelegenheit, dass darin einige Sachen über Imam Abu Hanifa (rahimahullah) berichtet werden, die nicht stimmen!

    Und dann kommen manche daher und sagen "ja, aber Abu Hanifa war schwach im Hadith"! Antwort: Nehmen wir einfach mal so an er wäre so. Aber dann stellt sich folgende Frage: Waren seine Schüler auch schwach im Hadith?? Und gab es keine Muhadithin unter den Ahnaf??

    Jetzt wird aber immer der Einwand gemacht: "Wie soll der Hanafi in Pakistan oder Maliki im Maghrib merken, dass das Hilfe Ersuchen bei den Gräber Götzendienst ist!"

    Antwort: Die 4 Madhahib sind alle vertrauenswürdig und keine von ihnen ruft zum Götzendienst auf!! Und keine von ihnen sagt, dass man Istighatha machen darf!!

    Man sollte die Menschen davor warnen, was falsch ist und nicht das Angreifen wo es gültige Meinungsunterschiede gibt!! Dies bringt zum einem mehr und zum anderen ist dies näher an der Befolgung der Wahrheit!

    Was 'Aqidah angeht so sollte so wieso dem Laien gesagt werden, dass er vorsichtig sein soll und nicht alles einfach so akzeptieren soll, nur weil die Vorfahren es gemacht haben oder ihm irgendein "Gelehrter" dies für richtig erklärt!

    Und zur Erinnerung: Das Anti-Taqlid-Denken wurde von den Modernisten aufgegriffen um den Islam nach ihren Gelüsten zu ändern und ist auch sehr stark unter den Madkhalis verbreitet!!

    Wenn man sich allerdings die Gelehrten anschaut, die sich gut mit Fiqh auskennen so sieht man, dass sie kein Problem mit Taqlid hatten!!

    Allgemein kann also gesagt werden:

    Der Laie sollte in Fiqh-Angelegenheiten den 'Alim/'Ulama folgen den er für vertrauenswürdig und gottesfürchtig hält.

    Die Unterschiede zwischen den 4 [vertrauenswürdigen] Madhahib sind nicht groß und basieren in Normalfall auf den Unterschieden in Rechtsurteilen unter den Sahaba selbst, deswegen sollte man nicht so tun als ob hier um riesen Unterschiede geht!

    Es gibt Sachen, die jeder wissen muss und es gibt darin keine Meinungsunterschiede wie z.B. das man 5 mal Beten muss.

    Was nun die Sache mit der Götzendienerei (also unter denjenigen, die sich dem Islam zuschreiben) angeht, so lässt sich folgendes sagen:

    Diejenigen, die dies begehen und in einer Umbebung sind, in der sie niemand warnt: Sie sind nicht viel anders als die Muschrikin, die vor dem Propheten (salallahu 'alayhi wa salam) gelebt haben.

    Dann gibt es diejenigen, die Götzendienst begehen, aber in einer Umgebung leben, in der sie auch davor gewarnt werden. Sie verhalten sich nicht viel anders als die Muschrikin zur Zeit des Propheten (salallahu 'alahyi wa salam), denn auch sie wurden gewarnt und trotzdem haben sie weiterhin Schirk begangen.

    In keinen der beiden Fälle kann man die Schuld bei den 4 authentischen Madhahib finden! Im ersten Fall werden sie einfach nicht gewarnt und im zweiten Fall verhalten sie sich wie typische Muschrikin, nämlich nach dem Motto "wenn es meine Vorfahren so gemacht haben, dann muss es stimmen!"
    Der Fehler liegt also [beim zweiten Fall] bei ihnen selbst!!

    Hier gibt es noch wichtige und relevante Links, in denen es um den Ta'assub gegen die Madhahib geht unter denjenigen die sich "Salafi" nennen (auf Englisch):

    Salafi Fiqh: IA's Cleanup Operation Target - Salafi laymen

    Salafi Fiqh: IA's Cleanup Operation Target Part 2 - Salafi Students

    Es gibt außerdem noch ein Thread in dem es Links gibt zu wichtigen Diskussionen zu Taqlid:

    http://forums.islamicawakening.com/f...-taqlid-33359/

    Und desweiteren verweise ich nocheinmal auf den Thread in diesem Forum, in dem es bereits eine Diskussion über den Taqlid gab:

    Madhhab oder nicht-Madhhab?

    Geändert von Abu Sulayman (06.10.2011 um 16:58 Uhr)

    Der edle Prophet (sallallahu 'alayhi wa sallam) sagte:

    أَلَا إِنَّ سِلْعَةَ اللَّهِ غَالِيَةٌ ، أَلَا إِنَّ سِلْعَةَ اللَّهِ الْجَنَّةُ

    "Wahrlich die Ware Allahs ist teuer, wahrlich die Ware Allahs ist al-Jannah (das Paradies)."

    [Jami' at-Tirmidhi 2450]


  7. #7
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    Geschätzter Bruder Abu Sulayman, ich sehe in deinen Ausführen zahlreiche Irrtümer und Zerrbilder, und ich möchte versuchen einiges davon zu korrigieren.



    Der erste große Irrtum: Es gibt nur Taqlīd und Ijtihād und nichts dazwischen

    Dieser Gedanke ist der wohl wichtigste Grundpfeiler der gesamten Taqlīd-befürwortenden Argumentationstaktik. In dem man zunächst aufzeigt, welch katastrophale Folgen es hätte, wenn jeder Dummkopf über jede beliebige Frage in der Religion sein eigenes Urteil fällen würde, bereitet man das Feld um alsdann quasi im Ausschlussverfahren den Taqlīd als die einzig gangbare Alternative zu präsentieren. Doch das ist gelinde gesagt grober Unfug. Wer würde es denn in irgendeiner anderen Disziplin des Wissens akzeptieren, dass es darin nur die beiden Extreme des absoluten Nichtwissens und des vollkommen Wissens geben kann? Oder dass man entweder keinerlei Verständnis darin hat oder aber das Gegenteil, ohne jede Stufe dazwischen? Jeder Mensch mit etwas Verstand wird eine solch undifferenzierte Ansicht ohne zu zögern zurückweisen.

    Man möge sich an dieser Stelle noch einmal vergegenwärtigen, was Taqlīd bedeutet: Er ist das Annehmen einer Aussage und das Handeln danach, ohne den Beweis dafür zu kennen. Diese Form des Nachmachens kennt man sonst nur von Affen und Kleinkindern, deren Verstand noch nicht gereift ist, doch während das Kind mit zunehmendem Alter und wachsenden geistigen Fähigkeiten beginnt Fragen nach dem Wieso zu stellen, lässt sich der Muqallid auf dem Strom der Nachlässigkeit in seiner Entwicklung zurücktreiben oder vielmehr rudert er sogar seiner Infantilisierung noch eifrig entgegen, denn für ihn gibt es nur das oder das Gegenteil.

    Die Realität jedoch hat mehr Schattierungen. Es gibt nicht nur die beiden Möglichkeiten entweder ein blinder Nachahmer oder ein Mujtahid in allen Bereichen des Wissens zu sein, sondern es existiert ein breites Spektrum dazwischen. Selbst der ungebildetste Mensch ist in der Lage einen großen Teil der Beweise der Scharīʿah zu verstehen. Wäre es nicht so, wie hätten diese Menschen dann überhaupt erst den Islam finden und die korrekte ʿAqīdah annehmen sollen? Einige machen als Erklärungsversuch eine Unterscheidung indem sie sagen: Der Taqlīd wird nur im Fiqh vorgenommen aber nicht in der ʿAqīdah. Das heißt der selbe Mensch, der unfähig ist auch nur einen einzigen Beweis des Fiqhs zu verstehen oder auch nur eines seiner Urteile nachzuvollziehen und deswegen auf blindes Nachmachen angewiesen ist, ist gleichzeitig einer, der in jeder einzelnen Angelegenheit der ʿAqīdah sein eigenes Urteil fällen und jeden einzelnen Beweis verstehen kann. Wenn dies kein Irrsinn ist was dann?

    Die Realität ist also, dass man dem sog. „Laien“ - egal wie sehr man es auch versucht - sein Verständnis nicht vollends absprechen kann. Gleichzeitig kann man aber, was jeder einsieht, auch nicht jeden einzelnen zum Mujathid in jeder Angelegenheit erheben. Was also ist angemessen für ihn? Die Antwort ist etwas, was einige der Gelehrten als „al-Ittibāʿ“ definierten, nämlich dass der Muslim sich die Beweise der Scharīʿah von den Leuten des Wissens darlegen und erklären lässt, und dann danach handelt, und dies scheint das Gerechteste zu sein.

    Nun wird von einigen Bemitleidenswerten gesagt: Das Hören des Beweises entlässt den Muslim nicht aus dem Kreis des Taqlīds, denn würde man aus den gleichen Beweisen eine gegenteilige Fatwā machen, wie die welche er gehört hat, so könnte er keinen Unterschied feststellen und würde sie genauso akzeptieren. Hier kann man nur die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Sind die Worte Allahs und seines Gesandten etwa so inhaltsleer, dass dies in der Mehrheit der Fälle zutrifft? Oder versucht ihr mit eurem Fokus auf exotische und umstrittene Randthemen die ganze Religion als ein solch nebulöses Gebilde darzustellen, dass nur eure „İlmihals“ uns retten können, so wie der Talmud der Juden? Wir verzichten darauf.


    Der zweite große Irrtum: Der Taqlīd ist vom Islām

    Tatsächlich findet sich weder im Buch noch in der Sunnah auch nur ein einziger standfester Beweis dafür, dass der Taqlīd ohne Einschränkung erlaubt ist, geschweige denn dafür, dass er erwünscht oder gar verpflichtend ist. Alles was man findet ist Tadel und Schelte für jene, die blind fehlbaren Menschen folgten. Weil das so ist, und weil diese Bidʿah in den ersten 200 Jahren des Islāms gänzlich unbekannt war, haben sich ihre Verfechter eine neue Rechtfertigung ausgedacht, welche sie „klassischen Islam“ nennen, was wohl darauf hindeuten soll, dass eine lange ausgebrütete „klassische“ Bidʿah akzeptabel ist, wohingegen die moderne Bidʿah abgelehnt wird. Allein schon diese Bezeichnung ist ein Armutszeugnis für die Taqlīdisten und ein Eingeständnis, dass sie für ihre Ideologie nichts anderes in der Hand haben als die Meinungen von Männern, welche nach dem gelobten Zeitalter lebten.




    Da ich müde geworden bin möchte ich es erst einmal hiermit bewenden lassen. Vielleicht äußere ich mich so Allah will später noch zu weiteren Punkten, welche mir aufgefallen sind.

    So manche Mär schon ist entsprungen,
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  8. #8
    Abu Shidda
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    der Bruder "FightForSharia" bat mich folgendes von ihm zu posten:


    geehrter bruder da ich im thema zum taqlid keine befugniss habe zuschreiben wollte ich dir hier weiterhelfen.
    Vllt liege ich auch falsch, jedoch denke ich das der Bruder Tuwayriq mit seinem letzten Beitrag recht hat.
    Denn es ist klar, das ein Laie nicht in der Laage ist jedes Urteil zuverstehen, jedoch SOBALD ihm klar wird, was das richtige Urteil ist so muss er dem richten Urteil folgen und das falsche Urteil lassen.
    Das heisst einer kann vllt die Beweise für das Wudu aufgrund seiner Unwissenheit nicht verstehen, jedoch kanner die Beweise für den Ghusl verstehen.
    Also muss man erstmal definieren, was überhaupt ist ein Laie.
    Man kann in einem Thema ein Laie sein, jedoch im anderen Thema das Verständniss haben um das richtige Urteil vom falschen zu unterscheiden.

    und das sagt ja auch sheikh utheymeen r. in der geposteten Fatwa.

    Die brüder die Taqlid beführworten haben auf keine unserer Fragen richtig geantwortet.
    Den wie soll ein Man der im einem Barelwi dorf aufgewachsen ist, die Wahrheit finden, wenn er nicht dazu in der Laage ist?
    Denn auch die Deobandis behaupten hanafis zu sein, auch ein Teil der Taliban folgt dem hanafitischen Madhab.
    AUch die al Azhar ist bekannt für ihre hanafitischen Gelehrten.
    Also wenn er verpflichtet ist dem Imam zufolgen den er für vertrauenswürdig und fromm hält, so muss man sagen, dass auch sufis für vertrauenswürdig und fromm gehalten werden.
    Also ist die folgerung aus dem blinden Taqlid, dass jeder für seinen Shirk und Kufr entschuldigt ist.
    Und das kann man immer so weiter führen, denn was ist wenn er die richtigen Hanafiten Gefunden hat, diese jedoch in Akida ashariya sind? woher soll er wissen wer die Ahlu SUnnah ist?
    Und eine Frage stellt sich für mich auch auf, wenn man einfach einen Imam sich aussuchen kann, wieso kann man dann nicht einfch zwichen den Meinungen wählen?
    Also wenn mir das Urteil der Ahnaf passt, so nehme ich deren Urteil und wenn mir das Urteil der Hanbaliten passt so nehme ich deren.
    Ich bin doch ein Muqalid, also kann ich sowieso nicht unterscheiden zwichen falsch und richt, so kann ich doch das nehmen was ich will, denn alles ist ja richtig.
    Ich denke mal die Fatwa von Shaykh Munajjid kann vllt weiterhelfen.

    http://www.islam-qa.com/en/ref/23280/establish evidence

    Shaykh Sulaymaan ibn ‘Abd-Allaah (may Allaah have mercy on him) said: Rather what the believer must do, if the Book of Allaah and the Sunnah of His Messenger (peace and blessings of Allaah be upon him) have reached him and he understands them with regard to any matter, is to act in accordance with them, no matter who he may be disagreeing with. This is what our Lord and our Prophet (peace and blessings of Allaah be upon him) have enjoined upon us, and all the scholars are unanimously agreed on that, apart from the ignorant blind followers and the hard-hearted. Such people are not scholars.


    wa as salamu aleykum

  9. #9
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    Folgendes soll ich vom Bruder Khaleed al Abdullah hineinstellen:

    Assalamu alaykum,

    ich möchte nicht an der Diskussion teilnehmen, aber eines muss klar gestellt werden:
    Der Laie ist nicht zu "dumm", um die Beweise zu verstehen, sondern er hat kein Wissen die Beweise in authentisch und nicht-authentisch zu unterteilen. Doch tut ihr es. Ihr bestimmt, welcher Gelehrter mit seinen Beweisen angenommen wird und welcher nicht. Woher wisst ihr, dass Shaykh A stärkere Beweise hat als Shaykh B? Woher wisst ihr, dass Abu Hanifas Beweise nicht stärker sind als die Gelehrten, welche von Ahlul Hadith angenommen werden?

    Ein Gelehrter der Ahnaf könnte auch die Beweise der anderen Gelehrten versuchen zu widerlegen und zwar mit seinem Verständnis über sahih und daif Ahadith, aber was bringt das? Das Kategorisieren der Beweise von den Ahnaf ist anders, als der Hanabali.

    قُلْ أَطِيعُوا اللَّهَ وَالرَّسُولَ ۖ فَإِنْ تَوَلَّوْا فَإِنَّ اللَّهَ لَا يُحِبُّ الْكَافِرِينَ


  10. #10
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    Da es bezüglich Taqlīd anscheinend immer noch einige Dinge gibt, die klargestellt werden müssen, da die Anti-Taqlīd Fraktion immer noch der Meinung ist, dass wir sagen, man dürfe einen abgeirrten Sūfī folgen, möchte ich eniges dazu sagen in shāʾ Allāh.

    Es gibt etwas, das sich Ijmaʾ nennt. Dies sind eindeutige Dinge aus Qurʾān und Sunnah, in welchen sich die Gelehrten einig sind; d.h. wenn es eine Sache gibt, die Kitāb wa Sunnah widerspricht, so ist dies 100% bātil! Und keiner von uns folgt einen Gelehrten, welcher irgendwelche Lehren verbreitet, die klar den Konsens der ʿUlamā widersprechen.

    Z.B. jedes Kind ist sich im Klaren, dass man 5 mal am Tag beten muss; in dieser Sache herrscht Ijmaʾ. Wenn jetzt ein Gelehrter kommt und sagt, man müsse nur 3mal am Tag beten, so ist es verboten diesen Menschen zu folgen.

    So ist es auch bei dieser Sūfī-Angelegenheit. Wenn irgendein Sūfī kommt und meint z.B., dass es erlaubt ist irgendwelche Toten in Gräbern anzubeten, so darf man diesen Menschen nicht folgen.

    Warum? Eben weil die vertrauenswürdigen Gelehrten der 4 Rechtschulen sich in dieser Sache einig sind, dass dies Shirk ist und dass man dies nicht machen darf!

    Jetzt fragt ihr euch bestimmt wieder, woher man weiß, wer vertrauenwürdig ist und wer nicht?!
    Also der Mensch ist wahrlich kein dummes Geschöpf und kann aus diesem Grund verstehen, dass die bis heute bestehenden 4 Rechtschulen alle vertrauenswürdig sind und kann sehr schnell auch einen Muğtāhid erkennen, welcher z.B. nicht ausschließlich einem madhhab folgt, der vertrauenswürdig ist.

    Viele lernen hier von Shaykh al-Munāğid. Man kann ganz leicht erkennen, dass er vertrauenswürdig ist, indem man in seinen Fatāwā erkennt, dass er alles mit Qurʾān und Sunnah belegt und mit Aussagen der Gelehrten, die in mehreren Jahrhunderten immer als vertrauenswürdig gegolten haben. Würde Shaykh Munāğid auf einmal in einer Fatwā behaupten, dass man Khomeini folgen müsste, so würde jeder normale Laie erkennen, dass dies Quatsch ist!

    Genauso wie der Laie erkannt hat, dass der Islām die Wahrheit ist. Der Laie ist mit Sicherheit nicht dumm; dies sagt hier niemand. Jedoch hat der Laie keine Fundamente dazu, die Wahrheit in den Angelegenheiten des Fiqh zu erkennen, in denen es kein Ijmaʾ gibt!

    Im Grunde genommen will ich damit sagen, dass man nur einen Gelehrten folgt, welcher von vielen als vertrauenswürdig gelobt wird und bei den 4
    Rechtschulen z.B. ist dies mehr als deutlich.

    Wenn ich jetzt jedoch z.B. einen Ḥanbalī-Gelehrten folge, welcher sagt, man dürfe z.B. Geschlechtesverkehr mit Tieren machen, dann kann ich sehr schnell erkennen, dass dies ganz klar gegen den Ijmaʾ spricht und dass Imām Aḥmad so ein Schwachsinn niemals gelehrt hat. Dies erkennt man dann einfach, indem man nachschaut, was andere Ḥanbalī-Gelehrte, welche vertrauenswürdig sind, zu dieser Sachlage berichten.

    In shāʾ Allāh habt ihr es jetzt verstanden, dass wir Niemanden für entschuldigt sehen, der einen abgeirrten Sūfī folgt. Allāhu l-mustaʿān.

    Man muss einfach verstehen, dass die 4 Rechtschulen alle unterschiedliche Methodiken anwenden, um einen Rechtspruch zu machen. Z.B. sagen die Mālikīs ganz klar, dass der ʿamal der Ahlu l-Madīna eine sicherere Quelle ist als Ḥadīth und dies aus dem Grund, weil Imām Mālik (raḥimahullāh ta ʿālā) in Madīna lebte. Die anderen Rechtschulen wenden dann jeweils wieder andere Methodiken an; doch dies soll hier nicht das Thema sein.

    Im Grunde macht jeder von euch Taqlīd; egal ob er es einsehen will oder nicht, denn was macht ihr, wenn ihr zwei authentische aḥadīth seht, die sich zu widersprechen scheinen. Z.B. wird in einem ṣaḥīḥ Ḥadīth von Abū Dawūd, Tirmidhī u.a. berichtet, dass sich Rasūlullāh beim beten erst mit den Knien und dann mit den Händen niederwarf. In einem anderen ṣaḥīḥ Ḥadīth von Aḥmad, Abū Dawūd u.a. sagte Rasūlullāh, dass man nicht wie ein Kamel hinuntergehen soll; man soll erst mit den Händen und dann mit den Knien hinuntergehen. Wie wollt ihr denn der Wahrheit folgen, wenn ihr auf diese 2 aḥādīth trifft. Im Endeffekt macht ihr dann auch Taqlīd, weil ihr dann einen Gelehrten, den ihr für vertrauenswüridg haltet, fragt, was die richtige Art und Weise in dieser Angelegenheit ist.

    Ein Bruder im obigen Beitrag meinte ja, dass der Laie in manchen Angelegenheiten Wissen haben kann und in manchen nicht. Denkst du etwa, dass du Wissen in einer Sache hast, nur weil du einige Fatāwā oder ein Fiqh Buch o.ä. in dieser Sachlage gelesen hast? Wie kann es sein, dass man in allen Angelegenheiten z.B. Shaykh al-Munāğid folgt und in einer anderen Angelegeheit widerspricht man ihm, sagt er hat Unrecht und folgt einen anderen Gelehrten, nur weil man Fatāwā gelesen hat, die etwas anderes behaupten als er?! Meint man etwa, man hätte mehr Wissen und könnte einen Gelehrten widersprechen, wenn man sich ein paar Stunden mit einem Thema auseinandergesetzt hat? Denkt man etwa, dass der andere Gelehrte die Beweise der Gegenseite nicht kennt? Dies ist
    wirklich großer Unfug!

    Wenn man doch z.B., wie viele hier, Shaykh al-Munāğid folgt, wieso sollte man sich dann so verwirren lassen und in jeder Angelegenheit einen anderen Gelehrten folgen, sofern man doch die Möglichkeit hat auch in diesen Sachen Shaykh Munāğid zu folgen!? Man würde somit dazu neigen, dass man sich das Leichteste raussucht. Allāhu l-mustaʿān.

    Aber schauen wir doch einmal, was die Gelehrten in Bezug auf Taqlīd sagen.

    So sagte Imām an-Nawawī (raḥimahullāh):

    "Die zweite Meinung ist, dass es für ihn verpflichtend ist einer bestimmten Schule zu folgen und das war die eindeutige Stellung in Beachtung von Imām Abul-Ḥassan. Und dies gilt für alle, die nicht die Stufe des Ijtihads der Rechtsgelehrten und Gelehrten anderer Disziplinen erreicht haben. Die Begründung für diesen Spruch ist, dass wenn es erlaubt wäre irgendeiner gewünschten Schule zu folgen, würde es zu Auswählen von den Befreieungen der Schulen, dem Folgen der Begierden, führen. Er würde Wählen zwischen Ḥalāl und Ḥarām und zwischen verpflichtend und erlaubt..." (al-Mağmūʾ Sharḥ al-Muhadhdhab 1/93)

    Einige von euch behaupten ja, dass man das folgen sollte, was die Wahrheit ist; in dem man die Beweise vergleicht, doch ich sage euch, dass dies nicht die Aufgabe des Laien ist.

    So sagte Ibn Rajab al-Ḥanbalī:

    "Der Mujtāhid; es ist seine Pflicht dies zu folgen, was ihm als Wahrheit erscheint. Und der, der kein Mujtāhid ist; seine Pflicht ist Taqlīd."

    Da viele hier auch von den Fatāwā von Shaykh al-Fawzān lernen, führe ich einmal eine Aussage von ihm an.
    Er sagt:

    "Der Nicht-Muğtāhid; er muss Gelehrten befragen, denn Allāh sagt "So fragt die Leute des Wissens, wenn ihr nicht wisst." Er soll diejenigen Gelehrten fragen, die er als vertrauenswürdig ansieht und bei denen er sich wohlfühlt. Es müssen aber Gelehrte sein, die man bezüglich ihres Wissens, Handlungen und Fatāwā vertrauen kann." (Iʿānat al-Musstafid bi Sharḥ Kitāb at-Tauḥīd)


    Für mehr Informationen möchte ich auf diesen Link verweisen. Ich denke, dort wird alles ausführlich erklärt:

    http://www.ahlalhdeeth.com/vbe/showthread.php?t=6899

    wallāhu aʿlam

    قُلْ أَطِيعُوا اللَّهَ وَالرَّسُولَ ۖ فَإِنْ تَوَلَّوْا فَإِنَّ اللَّهَ لَا يُحِبُّ الْكَافِرِينَ


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