Shaykh al-Islam Ahmad Ibn Taymiyyah (gest. 728 n.H.) – möge Allah wohlzufrieden mit ihm sein – schrieb eine detaillierte Wiederlegung des Monismus und den Philosophen bezüglich ihrer Konzeptionen des Tawhid, nämlich speziell über ihre Idee der Vereinigung (Ittihad) und der Reinkarnation (Hulul). Diese möchten Wir, das at-Tanzil Team, euch nicht vorenthalten, aufgrund mehrerer Beobachtungen die Wir machten, dass manche sich in diese Richtung bewegen und einige Grundgedanken dieser Denkrichtung aufweisen. Der Text ist gerade für Anfänger und jene die sich nicht im Bereich der Philosophie auskennen eventuell etwas schwer verständlich, weshalb Wir entweder durch Fußnoten oder durch Klammertexte spezifische Stellen, von denen Wir dachten sie seien schwer zu verstehen, näher erläutern werden. Und falls Euch etwas Unklar erscheint, so benutzt – so Allah will – die Kommentarfunktion, auf dass Wir – so Allah will – eine Antwort darauf finden.

So bitten wir Allah, dem Herrn der Welten, dass Er uns Rechtleitet und uns vom Übel des Unglauben und Polytheismus beschützt! Amin ya Rabb!

Nun dann beginnen Wir mit den Worten des ehrenwerten Shaykh al-Islam bezüglich des Wahdat al-Wujud und des Hulul:

Die Essenz ihres Monismus ist, dass die Existenz von Allah mit der Existenz des Universums Eins sind. Aus diesem folgt, dass es keinen Schöpfer noch irgendetwas Geschaffenes gibt, dass nichts außer Allah das Objekt der Anbetung ist in was man auch immer anbetet, da Er eine Präsenz (Wajh) in allem hat und das der Aufruf der Propheten niemanden außer Allah anzubeten und zu dienen nichts weiter als eine Betrügerei/ Trickserei und List, welche sie ihren Leute vorspielen. Dies ist jedoch absolut falsch; niemand unter den früheren Sufis hätte jemals so etwas zuvor unterzeichnet.

Diese Leute (wie u.a. Ibn Arabi[1], al-Farabi[2], Ibn Sina[3], al-Tilimsani[4], ar-Rumi[5] und andere) haben den Tawhid den Allah in Seinem Buch erklärte und in den Händen Seiner Propheten herabsandte missgedeutet. Sie haben den Tawhid mit Ittihad (der Einheit[6]) identifiziert und leiteten die Menschen in die Irre indem sie es (d.h. dieses Konzept) als Tawhid bezeichneten. In Wirklichkeit negieren sie jeglichen Schöpfer oder Erschaffer. Zu Beginn (damit meint Shaykh al-Islam Ibn Taymiyyah als er anfing sich mit der Person Ibn Arabi zu auseinanderzusetzen) war ich sehr beeindruckt von Ibn Arabi und hielt ihn in großer Wertschätzung, da ich vieler seiner Diskussionen fand in al-Futuhat, al-Kunh, al-Muhkam al-Marbut, ad-Durrat al-Fakhirah, Matali an-Nujum und anderer solcher Werke die sehr aufschlussreich und nutzvoll sind. Damals waren mir seine Esoterischen Ideen nicht bewusst, da ich al-Fusus und anderer ähnlicher Werke von ihn noch nicht gelesen habe. Ich pflegte mit Freunden zu sitzen und wir diskutierten die Dinge, sodass wir die Wahrheit herausfinden und ihr folgen können. Wir versuchten mühevoll die Essenz der Tariqah zu verstehen. Wenn die Dinge aufgedeckt wurden, dann wussten wir was wir zu tun haben. Dann kam eine Anzahl der führenden Sufis aus dem Osten und die Leute begannen uns auf der einen Seite über dem Weg und den Glauben des Islam und über das Leben und den Erfahrungen dieser Leute auf der anderen Seite auszufragen. Und wir hatten keine Wahl außer ihnen die Wahrheit über sie zu sagen…

Sowohl die Vereinigung (Ittihad) als auch die Reinkarnation (Hulul) wurden entweder auf eine spezifische Person beschränkt[7] oder auf die gesamte Welt ausgedehnt. Beispiele für die Spezifische/Eingeschränkte Vereinigung und Reinkarnation (Ittihad wa Hulul al-Mu’ayyan) sind die Überzeugungen welche die Christen über Jesus – Friede sei auf ihm und Frei ist er von ihren Lügen – oder die Extremen Schiiten[8] über ihre Imame und die ignoranten Sufis über ihre Lehrer hochhalten.

Es wird sich entweder als eine Vereinigung basierend auf dem Schema des Vermischens von Wasser mit Milch vorgestellt, wie die Jakobiten unter den Sudanesen, Äthiopiern und Kopten glauben, oder als eine Form der Reinkarnation , wie die Nestorianer glauben, oder als eine Art der partiellen Vereinigung in manchen Aspekten oder anderen, wie die Katholiken glauben. Hinsichtlich der Universalen Reinkarnation (al-Hulul al-Mutlaq), oder dass das göttliche Selbst in alles und jedem innewohnt, so wird dies von den frühersten Jahmiyyah durch die Ahlu Sunnah und den Altvorderen berichtet, welche sie als Ungläubige deshalb bezeichneten.

Aber die Universale Vereinigung (al-Ittihad al-Amm), welche diese Leute (wie Ibn Arabi, al-Qunawi, al-Tilimsansi und dergleichen) dargelegt haben, wurde von niemanden vor ihnen dargelegt, ausgenommen Pharao und die Qaramitah, welche die Existenz eines Schöpfer negieren. Die Essenz ihres Glaubens ist, dass Allah Eins mit der Welt ist, dass die Existenz des Schöpfer, des Erschaffers der Himmel und der Erde, identisch mit der Existenz der Geschaffenen Welt ist. Folglich können sie sich nicht vorstellen, dass etwas anderes als Ihm Erschaffen wurde, noch das Er der Herr der Welten, noch das Er Sich Selbst genügt und alles von Ihm abhängt. Bei vielen davon herrscht ein Konsens bei den Leuten des Monismus; im Detail jedoch nehmen sie drei Unterschiede Wege ein, worin selbst die führenden Sufis scheitern dazwischen zu unterscheiden, da diese Doktrinen schwer verständlich sind.

[Fortsetzung Folgt – So Allah will – mit der Darlegung dieser drei Wege]

Quelle: Ahmad Ibn Taymiyyah: Majmu‘at ar-Rasa‘il wa al-Masa’il, 1:171-183]

Quelle: http://at-tanzil.de/aqida/scholastik...-al-tilimsani/


[1] Abu Bakr Muhammad Ibn ‘Ali at-Ta’I, besser bekannt als Ibn Arabi (gest. 638 n.H.); er wurde in Murcia (Spanien) geboren und starb in Damaskus. Ein großer Mystiker, von seinen Anhänger als Shaykh al-Akbar (Größter Shaykh) und von Gegner Shaykh al-Akfar (Shaykh des Unglauben) genannt. Er war bekannt für seinen großen Intellekt und seiner produktiven Vorstellungskraft, er erklärte sorgfältig und arbeitete die Philosophie des „Einheit des Seins“ aus, welche die islamische Welt beeinflusste.

[2] Muhammad Ibn Muhammad Ibn Tarkhan Ibn Awzalugh, Abu Nasr al-Farabi (260-339 n.H.); der größte, bzw. der zweit größte „muslimische“ Philosoph; dessen Ehtnischer Ursprung Türkisch ist, geboren in Farab (nähe des Flusses Jahone); sodann ging er nach Baghdad, um sich des Lesens und Schreibens zu widmen. Al-Farabi besuchte Ägypten und besuchte Sayf ad-Dawlah in Damaskus, wo er auch starb. Er beherrschte die unterschiedlichsten Sprachen, vermutlich auch Griechisch. Er erklärte und interpretierte die Ideen Aristoteles und wurde deshalb als der zweite Lehrmeister bezeichnet, der erste war Aristoteles selbst. Ebenso war er in fast allen Wissenschaftszweigen seiner Epoche bewandert, einschließlich der Musik in dessen Bereich er eine große Enzyklopädie verfasste, ebenso erfand er ein neues musikalisches Instrument, das Kanun. Seine Bücher gehen über die Hunderte, von denen die wichtigsten Ara Ahl al-Madina al-Fadilah, in welcher er seine eigene Basis Philosophie darlegte und as-Siyasat al-Madaniyyah, Ihsa al-Ulum etc. sind. [Ibn Khallikan: Wafayat, 2:76; Ibn Abi Usaybah: Tabaqat al-Atibba, 2:134-140]

[3] Abu Ali Husayn Ibn Abdullah Ibn Sina (370-428 n.H.); einer der größten und verständnisvollste Physiker und Philosoph; geboren in Afschana bei Bukhara

[4] Sulayman Ibn Ali al-Tilimsani (gest. 690 n.H.), ein talentierter Poet und ein Sufi, welcher den glauben an al-Wahdat al-Wujud (Einheit des Seins) fest verteidigte. Sein Diwan (Poetisches Kompendien) besteht aus wundervollen Gedichten, worum es um die Gemeinschaft und der Einheit geht. Auch verfasste er ein Kommentar zu Manazil as-Sd’irin von Shaykh Abu Abdullah al-Ansari al-Harwi. Er wurde wegen Blasphemie und Ketzerei angeklagt, wobei Jami ihn aufgrund dessen verteidigte, weil das was er zusammensetzte oder sagte seine Erfahrung mit der Gemeinschaft widerspiegelt, aber nicht seinen glauben

[5] Sadr al-Din Muhammad Ibn Ishaq al-Qunawi, oder ar-Rumi (gest.672 n.H.), der am meist Kenntnisreichste in Konzepten Ibn Arabi’s und ein großer Ausleger seiner Philosophie. Er ist der Autor der Bücher Miftah al-Ghayb, Fukuk und an-Nafahdt al-Ildhiyyah.

[6] D.h. die Einheit von allem mit Allah

[7] D.h. das es sich lediglich auf eine oder mehrerer Personen bzw. Sachen bezieht und nicht auf das gesamte Universum

[8] Damals waren im Vergleich zu den zwölfer-Imamiten (Rafidha) noch die anderen Gruppen der Schiiten verbreitet, im Gegensatz zu unserer Zeit, indenen die Rafidha die defintive Mehrheit der Schiiten darstellen und man im allgemeinen die zwölfer-Imamiten als Schiiten bezeichnet. Damals stand der Begriff Schia als Sammelbegriff für alle Gruppen innerhalb dieser Strömung, während man gegenwärtig damit zu meist die Rafidha meint

Quelle: http://at-tanzil.de/aqida/scholastik...-al-tilimsani/