

Die Anzeichen des Jüngsten Tages
Ein Essenzieller Aspekt der islamischen Aqida besteht darin, an jenem Tag Iman zu vollziehen, indem Allah, der Allmächtige, die Lebewesen wiederauferstehen lässt, ihre Verwesten und Verfallenen Körper und Knochen wie im Original zusammensetzt wird, dann ihre Seelen wieder in ihre Körper hineinhaucht, um sodann mit ihnen Abzurechnen. Denn die Gelehrten der Sunnah einigten sich auf folgendes Prinzip: Wenn zu einer Sache ein islamischer Beweis existiert, deren zukünftiges Stattfinden möglich ist, dann muss man daran glauben. Die Aspekte die damit verbunden sind und die Fragen die sich jeder Aufrichtige stellt, sind wann denn die Stunde der Abrechnung beginnt und ob irgendwelche Zeichen für dessen Beginn existieren.
Das der Jüngste Tag eintreten wird ist zweifellos gewiss, sowie das es nicht Metaphorischer zu verstehen ist, sondern in Wirklichkeit (Haqiqatan) geschehen wird, aber die Zeit seines Anbruchs ist uns nicht bekannt und nur Allah, der Allwissende, kennt die Wahrheit darüber. Denn Allah, gepriesen sei Er, sagt:
Sie befragen dich (Muhammad) nach der Stunde, wann sie wohl eintreten werde. Sprich: „Das Wissen darum ist bei meinem Herrn. Keiner als Er kann sie (die Stunde) zu ihrer Zeit bekanntgeben. Schwer lastet sie in den Himmeln und auf der Erde. Sie soll über euch nur plötzlich hereinbrechen." Sie befragen dich, als ob du von ihr genaue Kenntnis besäßest. Sprich: "Das Wissen darum ist bei meinem Herrn; doch die meisten Menschen wissen es nicht." (Sure al-A’raf, Vers.187)
Die Begebenheit als der Erzengel Gabriel – Friede sei auf ihm – in Gestalt eines Mannes zum Propheten Muhammad – Allahs Segen und Friede auf ihm – kam, um Ihn über einige Aspekte des Din zu befragen ist ebenso ein Beweis dafür, dass niemand – nicht einmal der Prophet – das Wissen über den Anbruch der Stunde haben, ausgenommen von Allah, dem Allwissenden. So fragte Gabriel – Friede sei auf ihm – den Gesandten Allahs – Allahs Segen und Friede auf ihm – folgendes: „Der Mann sagte: „Wann trifft die Stunde ein?“ Der Prophet – Allahs Segen und Friede auf ihm – sagte: „Der Befragte ist diesbezüglich nicht wissender als der Fragende selbst. Was aber deren Vorzeichen angeht, so werde ich dir folgendes nennen: (Die Stunde ist nah,) wenn die Sklavin ihren eigenen Herrn gebärt, und wenn die ungebildeten Kameltreiber Hochhäuser bauen.“[1]
Al-Hafidh Zain ad-Din Ibn Radschab al-Hanbali – Möge Allah Wohlzufrieden mit ihm sein – kommentierte dazu: „D.h. das alle geschaffenen Wesen in der Kenntnis über die Stunde allesamt gleich sind. Dies impliziert dass Allah, gepriesen sei Er, das exklusives Wissen darüber hat. Aus diesem Grund ist es üblich das wenn eine Person des Wissens über etwas gefragt wird, wovon er kein Wissen besitzt, sagen soll: „Ich weiß es nicht“, und dies vermindert ihn keinesfalls. Im Gegensatz (eher) ist es von seiner peniblen Genauigkeit und von seinem Din[…] In einer Überlieferung von Abu Huraira – Allahs Wohlgefallen auf ihm – wird berichtet das der Prophet – Allahs Segen und Friede auf ihm – über Fünf Dinge sprach, die ausschließlich Allah weis und dann rezitierte Er – Allahs Segen und Friede auf ihm:
Wahrlich, bei Allah allein ist die Kenntnis der Stunde. Er sendet den Regen nieder, und Er weiß, was in den Mutterschössen ist. Und niemand weiß, was er sich morgen zufügen wird, und niemand weiß, in welchem Lande er sterben wird. Wahrlich, Allah ist Allwissend, Allkundig. (Sure al-Luqman, Vers.34)
Allah, der Mächtige und Majestätische, sagt:
Sie befragen dich (Muhammad) nach der Stunde, wann sie wohl eintreten werde. Sprich: „Das Wissen darum ist bei meinem Herrn. Keiner als Er kann sie (die Stunde) zu ihrer Zeit bekanntgeben. Schwer lastet sie in den Himmeln und auf der Erde. Sie soll über euch nur plötzlich hereinbrechen." (Sure al-A’raf, Vers.187)
In Sahih al-Bukhary wird von Ibn Umar – Allahs Wohlgefallen auf ihm – berichtet, dass der Prophet – Allahs Segen und Friede auf ihm – sagte: „Es sind Fünf Schlüssel des Verborgenen, wovon niemand außer Allah weis“, dann rezitierte Er – Allahs Segen und Friede auf ihm – den Vers:
„Wahrlich, bei Allah allein ist die Kenntnis der Stunde“
.“[2]
Demgemäß besitzt niemand über den Beginn der Stunde Kenntnis, außer Allah, der Herrliche und Majestätische. Jedoch gaben Allah, gepriesen sei Er, und Sein Gesandter – Allahs Segen und Friede auf ihm – uns Zeichen für den Jüngsten Tag, welche die Vorboten des Beginns darstellen. Es sind sowohl kleine als auch große Anzeichen vorhanden; während Allah, gepriesen sei Er, lediglich von Zeichen sprach, gliederten die Gelehrten der Sunnah die Zeichen in Bereiche ein – große und kleine Anzeichen, um den Menschen diese Thematik näher und vereinfacht darzulegen. Die kleinen Zeichen bezeichnen die Gelehrten als Vorboten der Stunde, wohingegen die großen Zeichen den unmittelbaren Eintritt des Jüngsten Tag bedeuten. Der Tag der Auferstehung wird vom Engel Israfil – Friede sei auf ihm – über das Blasen des Horns eingeleitet und diesen Zeitpunkt hat Allah, gepriesen sei Er, festgelegt, wobei Er, gepriesen sei Er, uns Zeichen hinterließ, auf dass wir Gewarnt sein mögen.
Die Anzeichen der Stunde sind definitiv wortwörtlich zu nehmen und nicht etwa, wie die Philosophen und Ungläubigen behaupten Metaphorisch zu verstehen; gleich der Gefolgschaft des Ungläubigen, Ketzer, Betrüger, Lügner und Witzfigur des falschen Propheten Mirza Ghulam Ahmad – Allahs Fluch auf ihn und Möge Allah ihn und seine gesamte Gefolgschaft in der tiefsten Forte des Feuers brennen lassen. Falls sie tatsächlich Sinnbildlich zu verstehen sind, müssten exakte Indizien (Qarina) dafür vorhanden sein; denn die Gelehrten einigten sich darauf das man immer den Wortwörtlichen bzw. Offenkundigen Sinn in Betracht zieht, außer wenn Beweise für seine Metaphorische Deutung vorhanden sind – welche in diesem Fall definitiv nicht existieren, sondern lediglich aus ihren Gelüsten und der Unkenntnis der arabischen Grammatik und den Regeln des Islams entsprießt.
Die kleinen Zeichen behandeln allgemein den Zustand der Menschheit, sowie ihr Abirren vom rechten Weg und die Zwietracht zwischen ihnen, welche sich durch ungerechtfertigte Kriege, Betrügerei, Unzucht und allen anderen Unmoralischen Sitten äußert. In etlichen Überlieferungen wurde die sog. Vorboten der Stunde erwähnt, wie u.a. das viele Getötet werden, durch Krieg, Gewaltverbrechen, Selbstmorde und Mord und das viele Naturkatastrophen eintreten werden in kurzen Abständen mit verehrenden Folgen. Die Wissenszweige der islamischen Ideologie werden vergessen, vernachlässigt und der Korruption ausgesetzt sein, denn die Unwissenheit wird sich allerorts ausbreiten und das Wissen entsprechend des Islams wird von den verantwortlichen Personen – den Gelehrten – absichtlich verheimlicht oder verdreht. Auch werden Berauschende Getränke und andere Rauschmittel sich schnell verbreiten und es wird üblich sein diese zu sich zu nehmen. Die Anzahl der Männer wird schnell abnehmen und die Zahl der Frauen zunehmen. Die Unzucht wird öffentlich betrieben, ohne Moral und jegliches Schamgefühl – wie Gegenwärtig. Die Überlieferungen, die sich damit befassen sind Zahlreich, wie u.a. folgende:
Hudhayfah Ibn Asid – Allahs Wohlgefallen auf ihm – berichtete das, der Gesandte Allahs – Allahs Segen und Friede auf ihm – während wir am Diskutierten waren, plötzlich aus sein Zimmer kam und fragte uns: „Worüber Diskutiert ihr?“ Sie sagten: „Wir diskutieren über die letzte Stunde. Darauf sagte Er: „Die letzte Stunde wird nicht kommen, bevor du zehn Zeichen siehst; und er nannte in diesem Zusammenhang: den Rauch, Ad-Dajjal, das Tier, das Aufgehen der Sonne im Westen, das Kommen von Jesus, Sohn der- Maria, Gog und Magog, Erdrutsche an drei Stellen, im Osten, im Westen und auf der Arabischen Halbinsel und ein Feuer aus Adan (Jemen), welches die Leute zu ihrem Sammelplatz treibt.“[3]
Das in der Überlieferung arabische Wort, welches mit Erdrutsch wiedergegeben wurde, kann auf unterschiedliche Weise interpretiert werden. Dies ist stets vom Kontext abhängig, so kann es manchmal auch mit Mond oder Sonnenfinsternis übersetzt werden. Die Auflistung dieser Zeichen impliziert jedoch nicht, dass sie auch in den genannten Ablauf eintreffen werden; wie aus anderen Ahadithe hervorgeht. So ist der große Exeget und Rechtsgelehrte des Malikitischen Rechts Abu Abdullah al-Qurtubi der Meinung, dass das erste Zeichen – von den vorab aufgezählten – der Erdrutsch ist und das letzte davon das Feuer aus Adan.
Abu Huraira – Allahs Wohlgellen auf ihm – berichtete, dass der Gesandte Allahs – Allahs Segen und Friede auf ihm – sagte: „Die Stunde wird nicht eintreffen, bis zwei große Scharen von Menschen gegenseitig bekämpfen, und ein großes Gemetzel unter ihnen stattfindet. Und beide Parteien werden dieselben Behauptungen aufstellen.“[4]
Abu Bakr – Allahs Wohlgefallen auf ihm – berichtete, dass der Gesandte Allahs – Allahs Segen und Friede auf ihm – sagte: „Die Stunde wird nicht eintreffen, bis zwei große Scharen von Menschen gegenseitig bekämpfen, und ein großes Gemetzel unter ihnen stattfindet. Und beide Parteien werden dieselben Behauptungen aufstellen.“[5]
Abu Huraira – Allahs Wohlgellen auf ihm – berichtete, dass der Gesandte Allahs – Allahs Segen und Friede auf ihm – sagte: „Die Stunde wird nicht eintreffen, bis Feuer aus dem Land von Hedschas herauskommt und die Kamelhälse in Busra (Palästina) beleuchtet!“[6]
Abu Huraira – Allahs Wohlgellen auf ihm – berichtete, dass der Gesandte Allahs – Allahs Segen und Friede auf ihm – sagte: „Die Stunde wird nicht eintreffen, bis der Mensch am Grab eines anderen vorbeigeht und sagt: Wenn ich an seiner Stelle wäre!“[7]
Abu Huraira – Allahs Wohlgellen auf ihm – berichtete, dass der Gesandte Allahs – Allahs Segen und Friede auf ihm – sagte: „Die Stunde wird nicht eintreffen, bis die Frauen des Stammes Daus um den Götzen Zul-Khalasa herumgehen. Zul-Khalasa war ein Götze, der sich an einem Ort namens Tabaala befand, und den die Angehörigen des Stammes Daus in der vorislamischen Zeit anzubeten pflegten.“[8]
Abdullah Ibn Umar – Allahs Wohlgefallen auf ihm – berichtete, dass der Gesandte Allahs – Allahs Segen und Friede auf ihm – sagte: „Ihr werdet gegen die Juden solange kämpfen und sie töten, bis der Stein sagt: „O Muslim, dieser ist ein Jude, so komm und töte ihn“.“[9]
Abu Huraira – Allahs Wohlgellen auf ihm – berichtete, dass der Gesandte Allahs – Allahs Segen und Friede auf ihm – sagte: „Die Stunde wird nicht eintreffen, bis fast dreißig Schwindler und Lügner auftreten, die alle sich als Allahs Gesandten ausgeben.“[10]
Es sind weitaus mehr Überlieferungen vorhanden, welche als Vorboten der Stunde betrachtet werden; wer sich detailliert mit dieser Thematik befassen will sollte das Kompendium von Abu Abdullah al-Qurtubi „at-Tadhikrat“ zur Hand nehmen oder „al-Bidaya wa-n-Nihaya“ von Imad ad-Din Ibn Kathir, oder Muhammad al-Sha’rawai’s „Ahou al-Youm al-Qiyamah“. Einige dieser kleinen Zeichen sind also: das die Zahl der Frauen sich vermehren wird; daß es viel Handel und viele Geschäfte geben wird und auch viele Frauen daran beteiligt sein werden; das eine Frau ihren Platz in der Familie verlässt, weil entweder der Mann seine islamische Pflicht, die Versorgung der Familie nicht mehr oder nicht ausreichend wahrnimmt, oder weil sie nach einer Karriere aus Habgier und Selbstsucht strebt; das die Frauen sich bedecken und trotzdem wie nackt aussehen; das der Mensch zu dem Entschluss kommt, dass es besser ist, einen Hund aufzuziehen, als ein Kind zu haben; das eine Zeit kommen wird, wo der Mensch seinen Glauben wie ein Stück glühende Kohle in seiner Hand hält; (Dies kann bedeuten; das die Praktizierung des Glaubens sehr schwer gemacht wird, was durch die Ungläubigen - Kuffar - verursacht werden kann oder auch durch einen selbst; das es viele Krankheiten geben wird; das viele Leute Qur'an lesen und behaupten werden, das sie , die Besten sind und dabei nichts tun; das die Muslime untereinander unbarmherzig, hart und respektlos sind, wenn sie über bestimmte Dinge eine verschiedene Meinung haben oder sei es auch nur aus Antipathie; das die Zeit kürzer werden wird; das die Beduinen Hochhäuser bauen und reich sein werden; das die Wissenden benachteiligt und die Unwissenden bevorzugt werden und als wichtig und rühmenswert gelten, auch in der Religion wird die Unwissenheit vorherrschen; das es viel unerlaubten Geschlechtsverkehr geben wird; das die Versuchungen groß sein werden.
Bezüglich des speziellen Ablaufs, in der die Anzeichen für die Stunde erscheinen, gibt es Meinungsverschiedenheiten unter den Gelehrten der Sunnah, weil eine Reihenfolge in der Sunnah nicht explizit angegeben wurde. Jedoch haben die Gelehrten nach gründlicher und kenntnisreicher Forschung den Ablauf der Begebenheiten herausgearbeitet.
__________________________________________________
[1] Abu'l Hussein Asakir ud-Din Muslim: al-Dschami as-Sahih: Kitab al-Iman, Nr.1
[2] Jami al-Ulum wal-Hikam, Hadith Nr.2
[3] Abu’l Hussein Asakir ud-Din Muslim an-Naisaburi: al-Dschami as-Sahih, Kitab al-Fitan, Nr.2901; Abu Isa at-Tirmidhi: Dschami at-Tirmidhi, Kitab al-Fitan, Nr.2183; Abu Abdullah Ibn Madscha: Sunan Ibn Madscha, Kitab al-Fitan, Nr.4055; Ahmad Ibn Hanbal: al-Musnad, 4:6;
[4] Muhammad Ibn Ismail al-Bukhary: al-Dschami as-Sahih, Nr.1650
[5] Muhammad Ibn Ismail al-Bukhary: al-Dschami as-Sahih, Nr.1649
[6] Muhammad Ibn Ismail al-Bukhary: al-Dschami as-Sahih, Nr. 1653
[7] Muhammad Ibn Ismail al-Bukhary: al-Dschami as-Sahih, Nr.1656
[8] Muhammad Ibn Ismail al-Bukhary: al-Dschami as-Sahih, Nr. 1655
[9] Muhammad Ibn Ismail al-Bukhary: al-Dschami as-Sahih, Nr.1659
[10] Muhammad Ibn Ismail al-Bukhary: al-Dschami as-Sahih, Nr.1661