h=6]Erklärung zur Koran-Verteilaktion
Braunschweig, 21.04.2012
Assalamu aleikum.
Liebe Geschwister im Islam,
derzeit werde ich von vielen Muslimen zur Koran-Verteilaktion in deutschen Fußgängerzonen befragt.
Ich erkläre daher hiermit zur Information folgendes:
Die Brüder möchten zwar mit dieser Aktion dem Islam nicht schaden, aber sie haben einen Fehler gemacht, indem sie eine große Koran-Verteilaktion gestartet haben und dies ohne Weisheit und Zweck. Somit ist dies kein richtiges islamisches Handeln. Marketing-Erfolg ist eine Sache, aber Werbung für den Islam muss auch mit Blick auf die positiven Beispiele in islamischen Handlungsweisen anders aussehen.
Diese Art der Bekanntmachung bestätige ich nicht, auch wenn es um eine Koranverteilung geht.
Ohne Zweifel ist der Koran das Buch unseres Herrn.
So steht in Sura 41, Vers 41/42: „(…) Es ist fürwahr ein wehrhaftes Buch, an das das Falsche weder von vorn noch von hinten herankommt, eine Offenbarung von einem Allweisen und Lobenswürdigen..“
Dieses Buch ist die Wahrheit, darüber gibt es keine Zweifel bei uns. Und dieses Buch ist auch der Weg wie die Menschheit zur Rechtleitung geführt werden kann.
Es gibt aber Bedingungen für die Einladung zur Religion des Islam, der Dawaa, und dies beinhaltet sowohl richtiges Wissen als auch richtiges Handeln. Ein massenhaftes Verteilen von deutschen Übersetzungen der ungefähren Bedeutung des Korans gehört für mich eindeutig nicht dazu. Und wenn dies von Teilen der Öffentlichkeit als Provokation wahrgenommen wird, dann ist der angerichtete
Schaden für alle Muslime offensichtlich und das Projekt somit mehr als kontraproduktiv.
Durch den Gesandten Muhammad, Friede und Segen auf ihm, haben wir herausragende und vorbildliche Beispiele im friedlichen Austausch und Gespräch mit den Leuten der Schrift, Christen und Juden. Darauf müssen wir aufbauen und nicht mit methodisch falschen und unislamischen Marketingaktionen, ohne weitere Erklärung des Glaubens, provozieren.
Der Islam legt unter anderem Wert auf drei Sachen im Austausch mit Andersgläubigen: zunächst auf die Weisheit, dann auf die schöne Ermahnung und schließlich auf den guten Umgang. Provokation ist in der Religion verboten, diese führt nur zu Feindseligkeiten und Hass.
Im Koran heißt es in Sure 29, Vers 46: „Und streitet nicht mit dem Volk der Schrift, es sei denn auf die beste Art und Weise.“ Und weiter heißt es dort: „Und sprecht: „Wir glauben an das, was zu uns herab gesandt wurde und was zu euch herab gesandt wurde, und unser Gott und euer Gott ist Einer, und Ihm sind wir ergeben.“
Für mich ist der Sachverhalt schon mit diesem Zitat aus dem Koran ganz klar. Die Art und Weise der Verteilaktion widerspricht dem Sinn des Verses und der Weisheit dahinter. Jeder der in der Dawaa tätig werden will, muss Wissen darüber haben wozu er einlädt, muss gutmütig, freundlich, geduldig und barmherzig sein und die Weisheit des Korans nutzen.
Schließlich sagt Allah im edlen Koran in Sure 2, Vers 256, auch, dass es keinen Zwang in der Religion gibt. Eine der Erklärungen davon ist hierbei auch, dass man während der Dawaa nicht provoziert.
Im Koran heißt es darüber hinaus in Sure 6, Vers 108: „Und beschimpft nicht diejenigen, die außer Allah anbeten, damit sie nicht in Übertretung ohne Wissen Allah beschimpfen.“ Damit ist auch gemeint, dass wenn man provoziert, andere wiederum Allah beschimpfen und das ist auch uns verboten.
Daher sage ich als Leiter der Braunschweiger Islamschule ganz deutlich zu den Leuten der KoranVerteilaktion, dass diese Art und Weise der Dawaa nicht die Art
und Weise des Gesandten Muhammad, Friede sei mit ihm, ist. Und wer sagt, dass
seine Dawaa besser sei, als die des Gesandten, der begeht wahrlich einen großen
Fehler.
Diese Art der Bekanntmachung der Religion des Islam schadet den Muslimen und
dem Islam und man kann sich dabei auch nicht auf das Vorbild des Gesandten
Muhammad, Friede und Segen auf ihm, berufen. Ich habe dazu auch mit einer
Reihe von großen Gelehrten in Saudi-Arabien beraten, bei denen das Verteilprojekt
in Deutschland ebenfalls Aufmerksamkeit erregt hat, und wir sind in dieser Sache
einer Meinung. Und Allah weiß es am besten.
Euer Bruder in Islam Muhamed Seyfudin Ciftci[/h]