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Thema: Der Glaube an die Propheten und Gesandten

  1. #1
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    Der Glaube an die Propheten und Gesandten




    Diese Themenreihe wird - so Allah will - folgende Kapitel umfassen:

    1. Einleitung
    2. Die Bedeutung von Nabi und Rasul
    3. Die Zeichen des Prophetentums
    4. Die Offenbarung und seine Formen
    5. Falsche Propheten
    6. Wie die Philosophen das Prophetentum und die Offenbarung erörterten
    7. Die Autorität des Propheten
    8. Die Unfehlbarkeit der Propheten
    9. Allahs mittels den Propheten gehorchen
    Geändert von Abu_Taymiyyah (31.07.2010 um 05:15 Uhr)

  2. #2
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    Ich hätte eine Bitte und zwar könnt ihr die ersten Drei Post Löschen? Da ich einiges Korrigiert und Erweitert habe. Barakallahufeek Geschwister.

    Nun kommen wir zur Einleitung:


    Einleitung:

    Der arabische Begriff für Propheten ist „an-Nabiy“, dessen Plural „al-Anbiya“ ist und aus „an-Naba/an-Nubu“ entsprießt; ersteres bedeutet so viel wie Kunde und letzteres einen hohen Rang. Und der Begriff für Gesandter ist „al-Rasul“, dessen Plural „al-Rusul“ ist, und aus der Wortwurzel „Arsala“ abgeleitet wird, was so viel bedeutet, wie, dass jemand entsandt wurde.

    Der Iman an seine Gesandten und Propheten, beinhaltet an alle seine Botschafter zu glauben, die Allah, gepriesen sei Er, auserwählte, um den Menschen aus der Finsternis zum Licht der Rechtleitung zu führen. Mit den Iman an die Gesandten und Propheten sind noch weitere Angelegenheiten verbunden, wie an jene Gesetzgebungen und Schriften, die den einzelnen Botschaftern offenbart worden sind. Ferner sind dies nicht die einzigen Bestandteile welche den Iman daran ausmachen, eher umfasst es: die Zeichen des Prophetentum, Mu’jiza[1], Arten der Offenbarung (al-Wahiy), Unfehlbarkeit, Eigenschaften der Propheten und daran das Allah, gepriesen sei Er, jedem Volk einen Botschafter entsandte, der da predigte: „La Ilaha Il Allah.“

    Zwischen einen Propheten und Gesandten besteht in dem Sinn kein Unterschied, dass beide Ansprechpartner Allahs sind und den Menschen den Tawhid und die Lossagung der Götzen predigten. Der elementarische Unterschied liegt jedoch darin, dass ein Rasul (Gesandter) jemand ist, dem Allah, gepriesen sei Er, Offenbarungen sendet, Ihm eine Schrift offenbart und damit eine neue Gesetzgebung (Scharia) bekommt, wobei auch ihm befohlen wurde diese zu Verkünden. Ein Nabi (Prophet) ist hingegen jener, dem die Bekanntgabe der (offenbarten) Gesetzgebung eines anderen befohlen wurde.

    Alle Propheten und Gesandte wurden mittels ihrer Botschaft hart Geprüft, so wurden sie von ihrem Volk Verstoßen und viel Leid wurde ihnen zugefügt, jedoch war dies ein Bestandteil ihrer von Allah Aufgetragenen Prüfung. Allah, gepriesen sei Er, sagt:

    {"Oder meint ihr etwa, ihr wurdet ins Paradies eingehen, ohne (dass etwas) Ähnliches über euch gekommen sei wie über diejenigen, die vor euch dahingegangen sind? Not und Unheil erfasste sie, und sie sind erschüttert worden, bis der Gesandte und die Mu’minun mit ihm sagten: Wann kommt die Hilfe Allahs? Doch wahrlich, Allahs Hilfe ist nahe." (Sure al-Baqara, Vers.214)}

    Nur die Leugnung eines Propheten, der eindeutig im Koran angeführt wird, führt unweigerlich zum Unglauben (Kufr), weil durch eine derartige Leugnung einer Offenbarung Allahs, wird die Offenbarung abgelehnt. Denn die Leugnung irgendeines Buchstaben aus dem Koran ist, als ob man den gesamten Koran leugnen würde. Allah, gepriesen sei Er, sagt:

    {"Wahrlich, diejenigen, die nicht an Allah und Seine Gesandten glauben und eine Trennung zwischen Allah und Seinen Gesandten machen und sagen "Wir glauben an die einen und verwerfen die anderen" und einen Zwischenweg einschlagen möchten, diese sind die Ungläubigen im wahren Sinne, und bereitet haben wir den Ungläubigen eine schmähliche Strafe. Diejenigen aber, die an Allah und an Seine Gesandten glauben und zwischen ihnen keinen Unterschied machen, sind es, denen Er ihren Lohn geben wird..." (Sure an-Nisa, Vers.150-152)}

    {"Wahrlich, Wir gaben Moses das Buch und ließen ihm die Gesandten nachfolgen; und Wir gaben Jesus, dem Sohn Marias, die klaren Beweise und unterstützten ihn durch heilige Eingebung. Doch sooft euch ein Gesandter etwas brachte, was euch nicht behagte, wahret ihr hochmütig und erklärtet einige für Lügner und erschluget andere!" (Sure al-Baqara, Vers.87)}

    {"Wahrlich, Jesus ist vor Allah gleich Adam; Er erschuf ihn aus Erde, als dann sprach Er zu ihm: "Sei!" und da war er." (Sure al-Imran, Vers.59) }

    {"Wahrlich, Wir haben dir offenbart, wie Wir Noah und den Propheten nach ihm offenbart haben. Und Wir offenbarten Abraham, Ismael, Isaak, Jakob, den Stämmen (Israels), Jesus, Hiob, Jonas, Aaron und Salomo; und Wir haben David einen Zabur gegeben." (Sure an-Nisa, Vers.163)}

    {"Und Wir schenkten ihm Isaak und Jakob; jeden leiteten Wir recht, wie Wir vordem Noah rechtgeleitet hatten und von seinen Nachkommen David, Salomo, Hiob, Joseph, Moses und Aaron. So belohnen Wir diejenigen, die Gutes tun." (Sure an-An’am, Vers.84)}

    {"Und erwähne in diesem Buch Idris. Er war ein Wahrhaftiger, ein Prophet." (Sure Maryam, Vers.56)}

    {"Und Ismael und Idris und Dhu-l-Kifl; sie alle zählten zu den Standhaften." (Sure Ambiya,Vers.85)}

    Die Botschaft (ar-Risala) ist eine Gesandtschaft des Dieners von Allah an die Menschen, damit ihnen das erläutert wird, was sie zur Aufklärung ihrer Anliegen im Diesseits und Jenseits beanspruchen. Die Weisheit fordert die Sendung von Gesandten, da sich darin die Rechtleitung und das Interesse, der Menschen liegen. Außerdem wurden die Gesandten tatsächlich entsandt. So hat Allah vonden Menschen Gesandten andie Menschen beruft, die den Gefährten von Glauben und Folgsamkeit die Frohbotschaft des Paradieses und des großen Lohnes verkünden und die Anhänger von Unglaube und Ungehorsamkeit vor dem Flammen und der Strafe warnen. Die Gesandten zeigen den Menschen auch, was sie an Bestimmungen des Diesseits und des Jenseits brauchen, da dies zu jenen Angelegenheiten gehört, zu denen der Intellekt keinen Zugang hat, weil er den Menschen mit all seinen Zuständen nicht erfassen kann. Imam Sa’d al-Din Ibn Umar Masud al-Taftazani al-Hanafi – Möge Allah Wohlzufrieden mit ihm sein – betonte betreffs dieser Angelegenheit folgendes: „Allah, gepriesen sei Er, hat die Propheten entsandt, damit sie den Menschen die weltlichen und religiösen Angelegenheiten, an denen die Menschen Bedarf haben, offenbaren (Adjiklama).“[2]

    Allah unterstützte die Propheten und Gesandten mit Wundern, welche den alltäglichen Regeln (Naturgesetzen) zuwiderliefen. Denn das Wunder stellt ein Besonderheit dar, das den gewohnten Regeln zuwiderläuft und durch jenen vollstreckt wird, der das Prophetentum für sich beanstandet, wobei er die Negierenden damit auffordert und sie nicht im Stande sind, Gleiches auszuführen. Ohne den Beitrag eines Wunders, wäre es nämlich nicht zwingend, dem Wort des Propheten zu folgen, auch würde sich der wahrhaftige in der Vorgabe des Prophetentums vom Betrüger nicht unterscheiden. Durch das Geschehen des Wunders stellt sich bei denen, die von diesem Wunder überzeugt wurden, die definitive Sicherheit über die Wahrhaftigkeit des Propheten ein und dass dieses Wunder nicht von einem Menschen hervorgebracht werden kann.

    ____________________________________________

    [1] Der Begriff al-Mu’jiza bezieht sich auf all jenes was eine Aufhebung der natürlichen Erscheinungen (Gesetzte) der Natur verursacht. Dies ist die Bedeutung des Begriff in der geläufigen Sprache, sowie in der Sprache der ersten Gelehrten, wie Ahmad Ibn Hanbal und anderen [Ahmad Ibn Taymiyah: Majmu'at al-Rasa'il wal Masa'il, 5:2)

    [2] Sharh al-Aqida al-Nasafiyyah, S.294
    Geändert von Abu_Taymiyyah (24.08.2010 um 00:29 Uhr)

  3. #3
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    Der erste Prophet ist Adam – Friede sei auf ihm – und der letzte Prophet und Gesandte ist Muhammad – Allahs Segen und Friede auf ihm. Das Prophetentum Adams steht unmittelbar durch den Koran fest, so sagt der Allerhabene:

    {Wahrlich, Allah erwählte Adam, Noah, die Sippe Abrahams und die Sippe Imrans vor allen Weltenbewohnern. (Sure al-Imran, Vers.33) }

    {Und Adam war wider seines Herrn ungehorsam und ging irre. Hierauf erwählte ihn (Idschtabahu) sein Herr und wandte Sich ihm mit Erbarmen und Rechtleitung zu. (Sure Taha, Vers.121-122) }

    „Idschtabahu“ bedeutet, Ihn (Adam) auszuerwählen, d.h. zum Propheten. Auch weist der Koran darauf hin, dass Allah Adam Dinge geboten und verboten hat. So sagt der Erhabene:

    {„Und wir sagten: „O Adam, bewohne du mit deiner Frau den Garten und esset uneingeschränkt von seinen Früchten, wo immer ihr wollt! Doch kommt diesem Baume nicht nahe […]“. (Sure al-Baqara, Vers.35) }

    Unterdessen kann definitiv ausgeschlossen werden, dass zu seiner Zeit es keinen anderen Propheten gab. Er ist also ausschließlich durch Offenbarung Prophet geworden. Ein Prophet ist jemand, dem Gesetzgebung offenbart wurde. Nun stellt jedes Gebot und Verbot Gesetzgebung dar. Es ist Adam offenbart worden, somit ist er ein Prophet. Sein Prophetentum steht ebenso durch die Sunna fest.

    Das Prophetentum von Muhammad – Allahs Segen und Friede auf ihm – ergibt sich aus der Tatsache, dass er das Prophetentum für sich reklamierte und ein Wunder hervorbrachte. Was die Reklamation des Prophetentums betrifft, so steht dies durch definitive, absolut authentische Übermittlung fest. Die Hervorbringung des Wunders ergibt sich aus der Tatsache, dass er das Wort Allahs, des Erhabenen, verkündete und alle rhetorischen Sprachkünstler trotz der Vollkommenheit ihrer Sprachbeherrschung herausforderte, Gleiches hervorzubringen. Sie vermochten es jedoch nicht einmal, seiner kürzesten Sure zu entsprechen, obwohl sie sich darin verausgabten. Schließlich gaben sie es auf, ihm mit Worten und stilistischer Vollkommenheit zu begegnen, obwohl sie darin unter allen Menschen die besten Fähigkeiten hatten, und entschlossen sich zu seiner Bekämpfung durch Schwert und Gewalt. Von niemandem von ihnen wird jedoch überliefert, dass er etwas Ähnliches hervorbringen konnte, obwohl es dafür genügend Gründe gäbe. Dies beweist in definitiver Form, dass der Koran von Allah dem Erhabenen stammt und die Wahrhaftigkeit der Prophetenreklamation von Muhammad – Allahs Segen und Friede auf ihm – steht mit sicherer Erkenntnis fest.

    Jeder Muslim, ist dazu verpflichtet an alle Propheten und Gesandten zu glauben, man muss auch an jene Glauben die Allah nicht namentlich erwähnte, da Allah sagt:

    {"Wahrlich, Wir haben zu jeder Gemeinschaft einen Gesandten geschickt (, der ihnen sagte): Dient Allah und lasst ab vom Götzendienst." (Sure an-Nahl, Vers.36)}

    Alle Propheten und Gesandten waren Berichterstatter Gottes, da dies die Bedeutung von Propheten- und Gesandtentum ist. Sie waren ehrliche, aufrichtige Ratgeber für die Menschen, sonst wäre ihre Gesandtschaft und Botschaft ungültig. In der Verkündung ihrer Botschaft sind sie vor Fehlern, Lüge und Vergesslichkeit gefeit, ebenso was das Begehen von Sünden betrifft.

    Die Personen, denen Allah, gepriesen sei Er, geoffenbarte, unterscheiden sich bezüglich spezifischer Eigenschaften von den anderen Menschen. Natürlich bedeutet dies nicht, dass die Propheten nicht Nahrung zu sich nehmen, trinken, heiraten, erkranken oder genesen. Sie altern und sterben. Sie können in Sachen was nicht die Verkündung der Offenbarung betrifft Vergessen, genauso wie normale Menschen. Doch aufgrund der Schwere der Botschaft, die Ihnen aufgebürdet wird, verfügen sie über bestimmte hohe Charaktereigenschaften.

    Die Propheten und Gesandten sind stets Aufrichtig (Sidq) und sprechen immer die Wahrheit; nimmer kommt eine Lüge über Ihre Zungen. Es ist bekannt, dass der Prophet Muhammad – Allahs Segen und Friede auf ihm – in seiner Gesellschaft vor seiner Berufung zum Propheten als der rechtschaffene und aufrichtige bekannt war. Alle unter sein Volk riefen Ihn mit den Beinamen „Muhammadu’l Amin“ (Muhammad der Vertrauenswürdige). Selbst die größten Feinde des Islam, wie der bekannte Götzendiener und Onkel des Propheten – Allahs Segen und Friede auf ihm – Abu Djahil – Allahs Fluch über ihn – sprach einst zum Gesandten Allahs – Allahs Segen und Friede auf ihm: „Wir behaupten nicht, dass du ein Lügner bist. Denn wir alle wissen wie sehr du vertrauenswürdig bist. Wir leugnen lediglich die Ayat Allahs.“[1]

    Eine andere Begebenheit welche diese Eigenschaft offenlegt, ist als einst der byzantinische Herrscher Herklius den mekkanischen Händler Abu Sufyan bin Harb fragte: „Habt ihr Ihn (Muhammad) jemals zuvor der Unwahrheit bzw. Lüge bezichtigt, bevor er das sagte, was du erwähntest?“ Abu Sufyan erwiderte daraufhin: „Nein.“[2] Der Aufmerksame wird bemerken, dass sowohl Abu Djahil als auch Abu Sufyan – Allahs Wohlgefallen auf ihm – damals in Mekka die führenden Persönlichkeiten darstellten. Faktum ist, dass alle Propheten und Gesandten vor ihrer Erhebung zum Propheten in Ihrem Umfeld als aufrichtige und rechtschaffene Menschen bekannt waren.

    Eine andere Eigenschaft die sie auszeichnet ist ihre unerschütterliche und wahrhaftige Vertrauenswürdigkeit (Amanat). Sowohl auf Spiritueller als auch Weltlicher Ebene genießen sie jede Art von Vertrauen. So befolgten sie Allahs Befehle und Verbote, ohne jegliche Unterlassung, Makel oder Hinzufügung. Allah, gepriesen sei Er, sagt:

    {Jene, die Allahs Botschaften ausrichteten und Ihn fürchteten und niemanden außer Allah fürchteten. Und Allah genügt als Rechner. (Sure al-Ahzab, Vers.39) }

    Es ist völlig undenkbar, dass die Propheten die Offenbarung verraten oder verbergen. Dazu sagte der Gesandte Allahs – Allahs Segen und Friede auf ihm – selbst: „Es gibt nichts von dem was Allah befohlen hat, was ich euch nicht verkündet hätte. Es gibt nichts von dem was Allah euch zu hüten ermahnt hat, was ich nicht (ebenfalls) euch zu hüten ermahnt hätte.“[3]Somit hob er mit Nachdruck die Bedeutung dieser Angelegenheit hervor.

    Zu ihren hervorstechendsten Eigenschaften gehört ebenso Ihr einzigartiger Intellekt, ihre Scharfsinnigkeit und Geistige Persönlichkeit (Fatanat). Denn sie sind damit beauftragt, alle Behauptungen der götzendienerischen Kräfte, die ungehorsam gegen Allah sind und ihren persönlichen Trieben und Neigungen folgen, zu widerlegen. Demgemäß ist diese Eigenschaft notwendig, damit die Offenbarung Allahs authentisch verkündet werden kann. Denn im Koran gibt es viele Verse, die diese notwendige Eigenschaft hervorheben:

    {››Hast du nicht über jenen nachgedacht, der über seinen Herrn mit Abraham ein Wortgefecht führte, weil Allah ihm die Herrschaft gegeben hatte? Als Abraham sagte: "Mein Herr ist Derjenige, Der lebendig macht und sterben lässt", sagte er: "Ich bin es, der lebendig macht und sterben lässt." Da sagte Abraham: "Doch es ist Allah Der die Sonne im Osten aufgehen lässt; so lass du sie im Westen aufgehen." Da war der Ungläubige verwirrt. Und Allah leitet nicht die ungerechten Leute. (Sure al-Baqara, Vers.258) }

    __________________________________________

    [1] Yusuf Kerimoglu: Amanat wa Ahliyat, 1:148

    [2] Abu’l Hussein Asakir ud-Din Muslim an-Naisaburi: al-Dschami as-Sahih, Kitab az-Zuhd wa ar-Riqaq, Nr.2999

    [3] Yusuf Kerimoglu: Amanat wa Ahliyat, 1:150
    Geändert von Abu_Taymiyyah (24.08.2010 um 00:31 Uhr)

  4. #4
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    Desweiteren sind die Propheten Unfehlbar (Ma’sum); d.h. sie sind sowohl vor der Herabsendung als auch danach immer vor Unglauben und Beigesellung geschützt gewesen.[1] Denn die Tatsache, dass es sich um einen Propheten oder Gesandten handelt, macht es unabdingbar, dass er in der Verkündung der Botschaft Gottes unfehlbar ist. Bestünde nämlich die Möglichkeit der Fehlbarkeit in einer Frage, dann wäre sie auch in jeder anderen Frage denkbar. In diesem Fall bräche aber der gesamte Anspruch auf Prophetentum bzw. Gesandtentum zusammen und wäre ad absurdum geführt. Wenn also feststeht, dass eine Person Prophet oder Gesandter Allahs ist, so bedeutet dies, dass er in dem, was er von Allah verkündet, unfehlbar ist. Seine Unfehlbarkeit in der Verkündung ist somit definitiv. Sie zu negieren wäre eine Negation der gesamten Botschaft, die er verkündet, und der Prophetenschaft, die ihm zuteil wurde. Demzufolge ist jeder Prophet und Gesandter davor gefeit, Fehler in der Verkündung zu begehen, da die Unfehlbarkeit in der Verkündung zu den (notwendigen) Eigenschaften von Propheten bzw. Gesandten zählt.

    Was die Unfehlbarkeit eines Propheten oder Gesandten betreffs jener Handlungen anlangt, die den Ge- und Verboten Allahs zuwiderlaufen, so steht durch dem Koran und der Sunnah, sowie der Unterstützung des rationalen Beweis fest, dass sie Definitive vor dem Begehen der großen Sünden geschützt sind. Nimmer könnten sie eine große Sünde begehen darin sind sich alle Gelehrten dieser Gemeinschaft einig; denn das Begehen einer großen Sünde bedeutet Ungehorsamkeit. Gehorsamkeit und Ungehorsamkeit lassen sich aber nicht teilen. Wenn die Ungehorsamkeit eine Handlung betreffen kann, so kann sie auch die Verkündung betreffen, was jedoch der göttlichen Botschaft und der Prophetenschaft widerspricht. Demzufolge sind die Propheten und Gesandten vor dem Begehen von Kapitalsünden ebenso gefeit, wie sie in der Verkündung von Allah vor Fehlern gefeit sind.

    Was die Unfehlbarkeit vor kleinen Sünden betrifft, so spalten sich die Meinungen der Ahlu Sunnah Wal Jammah; manche meinten, sie seien davor nicht geschützt, weil es sich dabei nicht um eine Ungehorsamkeit handele; andere wiederrum meinten, sie seien sowohl vor große als auch vor kleine Sünden geschützt, da es sich ebenfalls um eine Ungehorsamkeit handle. Die Mehrheit der Gelehrten von Ahlu Sunnah Wal Jammah sind der Meinung, dass sie vor kleinen Sünden nicht geschützt sind. Imam Sayf ad-Din Abu’l Hasan Ali al-Amidi ash-Schafi‘i – Möge Allah Wohlzufrieden mit ihm sein – notierte das dies die Meinung von der Mehrheit der Aschariyya Gelehrten, sowie der Mehrheit der Tafsir, Hadith und Fiqh Gelehrten ist.[2] Desweiteren verzeichnete Qadi Ayyad Ibn Musa al-Maliki – Möge Allah Wohlzufrieden mit ihm sein – das dies die Meinung von der Mehrheit der Altvorderen, sowie von Abu Dschafar at-Tabari ist.[3] Andere wiederum unter den Rechtsgelehrten und Scholastikern sind der Meinung dass sie auch vor kleinen Sünden geschützt sind, wie Abu Hanifa, Abu Mansur al-Maturidi, Ibn Abi al-Izz und anderen. Die Wahrheit ist, dass in allem, was eine apodiktische Forderung bzw. Unterlassung darstellt, also in allen Pflichten und Verboten, die Propheten bzw. Gesandten unfehlbar sind. Sie sind also davor gefeit, Pflichten zu vernachlässigen oder Sünden zu begehen, seien diese klein oder groß. Mit anderen Worten sind sie vor allem gefeit, was als Ungehorsamkeit bezeichnet wird und der Begriff der Ungehorsamkeit darauf zutrifft. Was alle anderen Handlungen anbelangt, wie unerwünschte und erwünschte, sowie etwas wider das Bessere zu tun (Khilaf al-Awla), so sind sie darin nicht unfehlbar. Entgegen den Rafidha sind die Ahlu Sunnah Wal Jammah der Meinung, dass sie jedoch nicht vor Vergesslichkeit oder Fehlern geschützt sind, ausgenommen was mit der Verkündung der Botschaft zu tun hat.

    Allah, gepriesen sei Er, sagt

    { Und sie hätten dich beinahe in schwere Bedrängnis um dessentwillen gebracht, was Wir dir offenbarten, damit du etwas anderes über Uns erdichten mögest; und dann hätten sie dich gewiss zu ihrem Freund erklärt. (Sure al-Isra, Vers.73) }

    Imam Abu Mansur al-Maturidi as-Sarmarqand al-Hanafi – Möge Allah Wohlzufrieden mit ihm sein – kommentierte dazu, dass ein sehr großer Anteil der islamische Gelehrten ist sich einig, dass die den Propheten zugesprochene Bezeichnung „Zanb“ im Koran nicht im Sinne der „Sünde“ zu verstehen ist. Denn „Zanb“ meint eigentlich eine Sünde, die absichtlich und auf Grund der Begierde begangen wird. Denn die Propheten sind von Allah in Seiner Güte vor Sünde geschützt.[4] Wir werden diese Angelegenheit anschließend durchleuchten.

    Und die Propheten sind mit dem Tabligh beauftragt worden, d.h. die Gebote und Befehle Allahs mit absolut deutlichen Beweisen an die Menschen zubringen und verhindern, dass sie am Jüngsten Tag des Gerichtes nicht einen Vorwand (etwa in Form von: „Wir haben ja davon nichts gewusst“) bringen können. Denn im Koran heißt es:

    {Wer den rechten Weg befolgt, der befolgt ihn nur zu seinem eigenen Heil; und wer irregeht, der geht allein zu seinem eignen Schaden irre. Und keine lasttragende Seele soll die Last einer anderen tragen. Und Wir bestrafen nie, ohne zuvor einen Gesandten geschickt zu haben. (Sure al-Isra, Vers.15)}

    Die Propheten sind beauftragt, den Menschen, ohne Unterschied Ihrer Herkunft, Status, Reichtum, Armut oder Hautfarbe, die gesamten Gebote und Befehle Allahs zu verkünden. Allah, gepriesen sei Er, sagt:

    {Dies sind die Gesandten. Wir haben einigen von ihnen den Vorrang über andere gegeben. Unter ihnen sind welche, zu denen Allah gesprochen hat, und einige, die Er um Rangstufen erhöht hat. Und Wir gaben Jesus, dem Sohn Marias, die klaren Beweise und unterstützten ihn durch heilige Eingebung, und wenn Allah es so gewollt hätte, dann hätten sich diejenigen, die nach ihnen kamen, nicht gegenseitig bekämpft, nachdem klare Beweise zu ihnen gekommen waren. Sie wurden jedoch uneins. Die einen von ihnen waren gläubig, die anderen ungläubig. Wenn Allah es so gewollt hätte, dann hätten sie sich nicht gegenseitig bekämpft. Doch Allah tut, was Er will. (Sure al-Baqara, Vers.253) }

    Imam Abu Mansur al-Samarqandi al-Maturidi al-Hanafi – Möge Allah Wohlzufrieden mit ihm sein – kommentierte die Stelle: {„Wir haben einigen von ihnen den Vorrang über andere gegeben“}, damit, dass hier in Hinsicht der Aufgaben die verschiedenartigen Bedeutungen und Dimensionen der Propheten gemeint sind. Während einige in der Menschheitsgeschichte an alle Menschen und Dschinn gesandt wurden, wurden andere nur zu bestimmten Völkern, Stämmen oder Gruppen gesandt.[5] Es ist bekannt, dass der Gesandte Allahs Muhammad – Allahs Segen und Friede auf ihm – als eine Barmherzigkeit für die gesamte Menschheit, für alle Nationen, Rassen, Kulturen und Sprachen entsandt worden ist. Imam Fakhr al-Din Abu Abdullah Muhammad al-Razi ash-Schafi’i – Möge Allah Wohlzufrieden mit ihm sein – gelang zu dem Urteil, in dem er die Tatsachen in dieser Hinsicht verwertet, dass es einen Konsens darüber gibt, dass der Prophet Muhammad – Allahs Segen und Friede auf ihm – der Vorzüglichste unter den Propheten und Gesandten ist.[6]

    Demnach muss jedem Gläubigen gewiss sein, das er an alle Propheten und Gesandten, sowohl welche Namentlich erwähnt wurden als auch an jene welche nicht, den Iman zu verinnerlichen muss. Ebenso ist derjenige ein Ungläubiger, wenn er an Allah, gepriesen sei Er, und Seinen Gesandten glaubt, aber einige der Propheten leugnet. So sind sowohl die Juden als auch die Christen Ungläubige, weil ersterer an alle Propheten von Adam bis Moses – Friede sei auf ihnen – glaubt, jedoch Jesus und Muhammad – Allahs Segen und Friede auf ihnen – leugnen, dasselbe gilt für die Christen welche Muhammad – Allahs Segen und Friede auf ihm – als letzten Gesandten und Propheten leugnen.

    ______________________________________________

    [1] Fakhr al-Din ar-Razi: Ismatu’l Anbiyya, S.5ff

    [2] Ahmad Ibn Taymiyah: al-Majmoo al-Fatawa, 4:319; Abu’l Hasan al-Amidi: al-Ihkam fi Usul al-Ahkam, 1:244

    [3] Iyyad Ibn Musa al-Jahsubi: Ash-Shifa bi-Tarif Huquq al-Mustafa, S.144

    [4] Kitab at-Tawhid, 208ff

    [5] Kitab Ta’wilat al-Qur’an,

    [6] Tafsir al-Kabir, 2:451f f
    Geändert von Abu_Taymiyyah (24.08.2010 um 00:48 Uhr)

  5. #5
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    Die Bedeutung von Prophet und Gesandter

    Ein Prophet ist jemand, wem Allah, gepriesen sei Er, mit einer Botschaft entsandte, um eine zu vorige Gesetzgebung zu bestätigen und folgen. Falls aber jemand an die Ungläubigen und Polytheisten entsandt wird, und dabei eine neue Gesetzgebung offenbart bekommt, ist ein Gesandter. Aber wenn jemand zu jenen entsandt wird, welche bereits Iman haben, ist ein Prophet. Betreffs der Angelegenheit ob es zwingend notwendig ist, dass einem Gesandten eine neue Gesetzgebung offenbart werden muss, so herrscht unter den Gelehrten eine Meinungsverschiedenheit. Manche, wie Abu Mansur al-Maturidi[1], Qadi Ayyad Ibn Musa[2] und al-Kamal al-Din Ibn al-Human[3] waren der Meinung das es zwingend erforderlich ist, dass Ihnen Allah Offenbarungen sendet, ein Buch offenbart und damit eine neue Gesetzgebung gibt, andere wie Ahmad Ibn Taymiyah[4] waren der Meinung das es nicht zwingend erforderlich ist, sondern das dies zwar auch ein Unterscheidungsmerkmal ist, jedoch existiert noch ein anderes, nämlich das die Gesandten zu den Ungläubigen und Polytheisten entsandt werden.

    Ein Prophet wird als „an-Nabi“, bezeichnet, weil sie von etwas in Kenntnis gesetzt wurden und andere die Kenntnis weitervermitteln. Durch die Offenbarung Allahs wurden sie in Kenntnis gesetzt, wie Allah, gepriesen sei Er, sagt:

    {"Und als er es ihr vorenthielt, da sagte sie: „Wer hat dich davon unterrichtet?“ Er sagte: „Unterrichtet hat mich der Allwissende, der Allkundige“." (Sure at-Tahrim, Vers.3)}

    Sie sind jene, welche im Namen von Allah informieren soll:

    {"Verkünde Meinen Dienern, dass Ich wahrlich der Allverzeihende, der Barmherzige bin[...]" (Sure al-Higr, Vers.49)}

    In der arabischen Sprache wird der Begriff „al-Nabwa“ gebraucht, als Ausdruck für den erhöhten Erdboden (Nabwa), dem sie als Orientierung auf ihren Reisen folgten. Die Beziehung zwischen dem Linguistischen Gebrauch des Begriffs und seiner Bedeutung ist der, dass die Propheten vom größten Ansehen im Diesseits und Jenseits sind. Sie sind die vollwertigsten Menschen, denn sie stellen die Führung der Menschen und Völker im Diesseits und Jenseits dar, d. h., sie nehmen unter den Menschen eine erhöhte Stellung bzw. Position ein.

    ___________________________________

    [1] Kitab Ta’wilat al-Qur’an

    [2] Ash-Shifa bi-Tarif Huquq al-Mustafa, S.251

    [3] Al-Musamara fi Sharh al-Musayara, S.198

    [4] An-Nubuwwah, S.172


    Geändert von Abu_Taymiyyah (24.08.2010 um 03:27 Uhr)

  6. #6
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    Die Bedeutung von Prophet und Gesandter


    Der arabische Begriff für Prophet ist „al-Nabiy“ (نَبِيّ), dessen Plural „al-Anbiya/Nabiyeen“ ist und aus der Wortwurzel „Naba/Nubu“ entsprießt. Al-Nabiy bedeutet Linguistisch: Jemand dem Informationen gegeben wurde. „An-Naba“ bedeutet Kunde und „ an-Nubu“ hoher Rang, sowie unteranderem: „Wichtige Informationen, Nachrichten und Mitteilungen jemanden zu überbringen.“ Al-Qadi Ayyad Ibn Musa al-Yahsubi al-Maliki al-Andalus – Möge Allah Wohlzufrieden mit ihm sein – sagte: „Die arabische Wortwurzel für Prophet (an-Nabiy) ist „Naba“, geschrieben mit dem Buchstaben „Hamza“ (أ), bedeutet „Nachrichten überbringen“, oder „zu berichten“. Die Bedeutung davon ist geklärt worden, dass Allah Seinen Propheten das Wissen über das Verborgene mitteilet und jeden davon unterrichtete das Er Sein, also Allahs Prophet ist. Mit diesem Wissen waren sie selbst Informiert und deshalb befähigt es anderen zu Informieren und es öffentlich zu verkünden, mit dem was Allah sie entsandt hat. Diejenigen, welche es ohne den Buchstaben „Hamza“ (أ) lesen, erklären es als Ableitung von der Wurzel, mit der Bedeutung „das, was sich von der Erde abhebt“ welches ein Indikator dafür ist, dass Propheten einen noblen Rang und eine erhöhte Stellung bei Ihren Herrn haben und beide dieser Bedeutungen sind auf alle Propheten zutreffend.“[1]

    Und der arabische Begriff für Gesandter ist „Rasul“ (رَسُوْل), dessen Plural „al-Rusul“ ist und aus der Wortwurzel „Arsala“ entsprießt. Ar-Rasul bedeutet Linguistisch: Jemand der eine Information von einer Person zu einer anderen übermittelt. Arsala bedeutet, dass jemand entsandt wurde. Imam Sa’ad al-Din Masud Ibn Umar al-Taftazani al-Hanafi – Möge Allah Wohlzufrieden mit ihm sein – sagte: „[…] und es (Rasul) bedeutet die Sendung eines Geschöpfes zwischen Allah und Intelligenten Wesen unter Seiner Schöpfung, um dadurch jene Mängel zu beseitigen, um ihre Beweggründe zum Nutzen dieser Welt und der Nächsten zu unterschreiten.“[2]Al-Qadi Ayyad Ibn Musa al-Yahsubi al-Maliki al-Andalus – Möge Allah Wohlzufrieden mit ihm sein – sagte: „Gesandter ist ein Begriff, welches von Reihenfolge entsprießt, mit anderen Worten „wer einem anderen nachfolgte“. Ein Gesandter trägt die Verpflichtung die Ihm anvertraute zu überbringen und die Verpflichtung an seine Leute Ihm zu akzeptieren und Ihm zu folgen, genauso, wie es für die vorangegangen Völker verpflichtend war, ihrem gegenwärtigen Gesandten zu folgen.“[3]

    Ein Prophet wird als „an-Nabi“, bezeichnet, weil sie von etwas in Kenntnis gesetzt wurden und anderen jene Kenntnis weitervermitteln. Durch die Offenbarung Allahs wurden sie in Kenntnis gesetzt, wie Allah, gepriesen sei Er, sagt:

    { "Und als er es ihr vorenthielt, da sagte sie: „Wer hat dich davon unterrichtet?“ Er sagte: „Unterrichtet hat mich der Allwissende, der Allkundige“." (Sure at-Tahrim, Vers.3) }

    Sie sind jene, welche im Namen von Allah informieren soll:

    { "Verkünde Meinen Dienern, dass Ich wahrlich der Allverzeihende, der Barmherzige bin[...]" (Sure al-Higr, Vers.49)}

    In der arabischen Sprache wird der Begriff „al-Nabwa“ gebraucht, als Ausdruck für den erhöhten Erdboden (Nabwa), dem sie als Orientierung auf ihren Reisen folgten. Die Beziehung zwischen dem Linguistischen Gebrauch des Begriffs und seiner Bedeutung ist der, dass die Propheten vom größten Ansehen im Diesseits und Jenseits sind. Sie sind die vollwertigsten Menschen, denn sie stellen die Führung der Menschen und Völker im Diesseits und Jenseits dar, d. h., sie nehmen unter den Menschen eine erhöhte Stellung bzw. Position ein.

    Ist jeder Prophet zugleich ein Gesandter und ist jeder Gesandte zugleich ein Prophet? Die erste Meinung besagt, dass jeder Prophet zugleich ein Gesandter und umgekehrt ist. Diese Meinung vertraten u.a. die Mu’tazila[4], sowie die abtrünnigen Ahmadiyya und eine Gruppe von Rechtsgelehrten. Ihre Beweise dafür sind; Allah, gepriesen sei Er, sagt:

    {Der Gesandte glaubt an das, was ihm von seinem Herrn herabgesandt worden ist, ebenso die Gläubigen; sie alle glauben an Allah und an Seine Engel und an Seine Bücher und an Seine Gesandten. Wir machen keinen Unterschied zwischen Seinen Gesandten. Und sie sagen: "Wir hören und gehorchen. Gewähre uns Deine Vergebung, unser Herr, und zu Dir ist die Heimkehr. (Sure al-Baqara, Vers.285) }

    Es sind Gelehrte vorhanden welche den Standpunkt vertraten das sie dasselbe darstellen und das ihr Ursprung von „Nachrichten“ entsprießt und es folglich „Informieren“ bedeutet. Sie meinen gemäß der Logik, wenn jemand Offenbarung erhält, überbringt er eine Botschaft. Zweitens meinen sie, dass weder im Heiligen Koran, noch in der Sunnah ein Beweis dafür vorhanden wäre, welcher zwischen diesen beiden unterscheiden würde.

    Die zweite Meinung besagt, dass es Unterschiede zwischen Propheten und Gesandte gibt. Als Beweis führen die befürworteter dieses Standpunktes, folgende Überlieferung, welche Abu Dharr – Allahs Wohlgefallen auf ihm – berichtet: „Ich sagte: Oh Gesandte Allahs! wie viele Propheten gab es? Der Prophet Muhammad – Allahs Segen und Friede auf ihm – erwiderte: „120.000.“ Ich sagte: Oh Gesandte Allahs! wie viele davon sind Gesandte? Er – Allahs Segen und Friede auf ihm – sagte: „313 sind viel“.“[5] In einer anderen Variante von Ahmad Ibn Hanbal heißt es hingegen: Ich (Abu Dharr) fragte: „O Gesandter Allahs – Allahs Segen und Friede auf ihm –, wie ist die Anzahl der Propheten?“ Er – Allahs Segen und Friede auf ihm – erwiderte: „124.000.“ Ich sagte: „Wie viele davon sind Gesandte?“ Er – Allahs Segen und Friede auf ihm – erwiderte: „313.“[6]Desweiteren ist das Wort Allahs, ein Beweis dafür:

    {"Und Wir schickten vor dir keinen Gesandten oder Propheten, dem, wenn er etwas wünschte, Satan seinen Wunsch nicht (zu) beeinflussen (trachtete)." (Sure al-Hagg, Vers.52)}

    Dies legt offenkund das zwischen beiden eine Differenz existiert, weil Allah, gepriesen sei Er, das Wort „oder“ verwendet, weshalb dadurch schon definitiver Linguistischer unterscheid existiert. Außerdem falls beide dieselbe Bedeutung tragen würden, käme die Fragestellung auf, weshalb beide Separat angeführt werden und wiederholt werden? Die Wiederholung schließt dieselbe Bedeutung aus. Da sonst die Bezugnahme auf die Propheten, eine Wiederholung darstellen würde, die überflüssig wäre. Außerdem bezeichnet Allah, gepriesen sei Er, Moses – Friede sei auf ihm – als Propheten und Gesandten, wohingegen Er, gepriesen sei Er, seinen Bruder Aron – Friede sei auf ihm – als Propheten bezeichnet:

    {Und gedenke in der Schrift des Moses! Er war ein Auserlesener und ein Gesandter und Prophet. (Sure Maryam, Vers.52)}

    {Und Wir machten ihm in Unserer Barmherzigkeit seinen Bruder Aaron zum Propheten. (Sure Maryam, Vers.54) }

    ______________________________________
    [1] Ash-Shifa bi-Tarif Huquq al-Mustafa, Part.1, Kapitel.4, Das Propheten- und Gesandtentum

    [2] Sharh al-Aqida al-Nasafiyyah, S.127f

    [3] Ash-Shifa bi-Tarif Huquq al-Mustafa, Part.1, Kapitel.4, Das Propheten- und Gesandtentum

    [4] Ali Ibn Muhammad Ibn Ali al-Jurjani: Kitab at-Ta'rifaat, S.115

    [5] Abu Hatim Muhammad Ibn Hibban: Sahih Ibn Hibban, 2:77

    [6] Al-Musnad

  7. #7
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    Die Opposition Argumentiert dagegen, dass die genannte Überlieferung von Abu Dharr – Allahs Wohlgefallen auf ihm – sehr schwach ist. Die Wahrheit ist, dass diese Überlieferung sehr schwach ist, aufgrund des Vorhandensein in der Kette von Ibrahim Ibn Hisham Ibn Yahya al-Ghassani; Abu Hatim ar-Razi und andere klassifizierten ihn als Lügner. Abu Nu'aym Ahmad al-Asbahani – Möge Allah Wohlzufrieden mit ihm sein – sagte über ihn: „Ausschließlich Yahya Ibn Saed al-Abschami berichtet dies über Ibn Jarij.“[1]Jedoch existierte noch eine weitere Kette, welche akzeptabel ist, wie Imam Jamal al-Din Yusuf al-Zaylai al-Hanafi – Möge Allah Wohlzufrieden mit ihm sein – darlegte: „Darin ist Yahya Ibn Saed as-Sa’di; al-Baihaqi sagt: „Er ist schwach.“ Es hat jedoch eine weitere Kette.“[2] Ebenso, wie al-Hafidh al-Imam Abu Fida Ismail Ibn Kathir – Möge Allah Wohlzufrieden mit ihm sein: „Sehr merkwürdig und in einer weiteren Überlieferung über Abu Dhar mit einer akzeptablen Kette.“[3]

    Ferner meinen sie zum vorangeführten Vers:{Wama arsalna min qablika minrasuulin wala nabiyyin“ (Sure al-Hagg, Vers.52)}, dass dadurch keine Differenz dargelegt wird. Allah, gepriesen sei Er, verwendet „und“, nicht „oder“, weshalb man anstatt „Propheten oder Gesandte“, eher sagen soll „Propheten und Gesandte“. Diejenigen unter den Gelehrten der Sunnah, welche sich auf eine Differenz eigneten, trennten sich jedoch betreffs der Frage, was letztendlich die Differenz darstellt; sie unterschieden sich betreffs der Detailfragen. Fünf unterschiedliche Meinungen sind darüber vorhanden;

    Die erste Meinung legt dar, dass ein Gesandter (Rasul) jemand ist, wem Allah, gepriesen sei Er, befahl die Botschaft zu verkünden, hingegen ist ein Prophet (Nabiy) nicht dazu veranlasst. Diese Meinung vertrat unteranderem Jalaluddin as-Suyuti und Ibn Abi al-Izz. Imam Sadr ad-Din Abu’l Hasan Ali Ibn Abi al-Izz al-Hanafi – Möge Allah Wohlzufrieden mit ihm sein – gemäß seiner Darlegung: „Die Menschen differenzierten zwischen einem Propheten (an-Nabiy) und Gesandten (ar-Rasul) auf unterschiedliche Weise. Die Wahrhaftigste Meinung betreffs dieser Fragestellung, gemäß meiner Beurteilung, ist das wenn Allah über das Verborgene einem Mann etwas offenbarte und Ihn auffordert sie andere mittzuteilen, so ist er sowohl ein Prophet als auch ein Gesandter. Aber wenn Er, gepriesen sei Er, Ihn nicht auffordert es zu anderen zu predigen, so ist er ein Prophet und kein Gesandter. Demgemäß ist ein Gesandter eine spezielle Art von Propheten. Alle Gesandten sind Propheten, aber nicht umgekehrt. Die Funktion eines Gesandten ist höher als die des Propheten, welches es in sich vereinigt. Auf der anderen Seite, ist die Kategorie der Gesandten eine kleinere Kategorie (von der Anzahl her), als die der Propheten, welches die ersten mit einschließen und umfangreicher als es ist. Kurz gesagt, betreffs der Konzepte, ist die Funktion der Gesandten umfangreicher, aber bezüglich seiner Anzahl, sind die geringer.“[4]

    Diese Meinung ist schlichtweg nichtig, denn es wiederspricht dem Sinn der Definition der Propheten. Weshalb würde Allah, gepriesen sei Er, jemand etwas Offenbaren, wenn derjenige sie doch nicht Verkünden muss. Außerdem sagt Allah, gepriesen sei Er, das Diametrale Gegenteil:

    {Und wir entsandten vor dir keinen Gesandten oder Propheten, ohne dass, wenn er vortrug, der Satan zu seinem Vortrag etwas hinzufügte. (Sure al-Hagg, Vers.52)}

    Angenommen diese Meinung wäre Wahr, dann könnten die Menschen Zweifel hegen über die Obliegenheit und Botschaft der Propheten, was aber nicht denkbar ist. Außerdem sind alle Gelehrten und sogar die Laien selbst dazu aufgefordert, die Botschaft des Islam zu verkünden und die Menschen dazu einzuladen, sowie das Rechte zu gebieten und das Unrechte anzuprangern. Demgemäß ist es Definitiv unbegründet anzunehmen, dass die Propheten nicht dazu befehligt wurden, die Ihn zugestandene Offenbarung zu verbreiten, denn Allah, gepriesen sei Er, sagt offenkundig das alle Propheten zum Tawhid aufriefen. Außerdem sagte der Gesandte Allah – Allahs Segen und Friede auf ihm: „Die Gelehrten sind die Erben (Nachfolger) der Propheten.“[5]

    Die zweite Meinung besteht darin das ein Prophet kein Wunder erhielt, wohingegen ein Gesandter ein Wunder von Allah, gepriesen sei Er, erhielt. Diese Meinung basiert auf keinerlei Belege, lediglich auf ihren leeren Vorstellungen. Denn nirgends in den Texten wird dadurch auf die Differenz beiderlei Aufmerksam gemacht, eher wurden auch Propheten mit Wundern bestückt, zur Untermauerung ihres Prophetentums.

    Die dritte Meinung basiert darauf, dass Allah, gepriesen sei Er, den Gesandten ein Buch offenbarte, wie Moses die Thora, oder Dawud die Psalmen, Ihnen Offenbarung sendet und eine neue Scharia sendet und mit Propheten ist hingegen gemeint, dass sie den Menschen von der Offenbarung Allahs kündet, der aber gemäß der Scharia eines Propheten (Rasul) vor ihm praktiziert und den Menschen diese Scharia darlegt bzw. genauer erörtert. Ihm werden auch zu spezifischen Gelegenheiten spezielle Nachrichten geoffenbart. Diese Meinung wird von einer Vielzahl von Gelehrten vertreten, wie u.a. von al-Kamal al-Din Ibn al-Human[6], Abu Mansur al-Maturidi[7], al-Qadi Abdullah al-Baidawi[8], Sa’ad al-Din al-Taftazani[9] und al-Qadi Ayyad Ibn Musa[10].

    Die vierte Meinung besteht daraus, dass die Gesandten zu jenen entsandt werden, welche Ungläubig und entgegen der Lebensordnung Allahs stehen, und ihnen eine Botschaft überbringt, aber wenn die Leute bereits eine früherer Scharia befolgen und nicht mit einer spezifischen Botschaft entsandt wird, ist er ein Prophet. Dass die Gesandten eine neue Scharia bzw. ein Buch bekommen ist nicht zwingend notwendig, jedoch auch eines der Merkmale. Diese Meinung vertrat unteranderem Ahmad Ibn Taymiyyah[11].

    ____________________________________________
    [1] Al-Hilyat al-Awliya wa Tabaqat al-Asfiya, 1:221

    [2] Takhrij al-Kashaf, 2:388

    [3] Irshad al-Faqih, 2:326

    [4] Sharh al-Aqida at-Tahawiya, S.85

    [5] Ahmad Ibn Taymiyah: al-Nubuwwah, S.173

    [6] Al-Musamara fi Sharh al-Musayara, S.198

    [7] Kitab Ta’wilat al-Qur’an

    [8] Asrar ut-Tanzil wa Asrar ut-Ta'will, Sure al-Hagg, Vers.52

    [9] Sharh al-Aqida al-Nasafiyyah, S.21

    [10] Ash-Shifa bi-Tarif Huquq al-Mustafa, S.251

    [11] An-Nubuwwah, S.172

  8. #8
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    Der Wahrhaftigste Standpunkt sind die Standpunkte drei und vier. Beide genannten Dinge sind Unterscheidungsmerkmale für die Propheten und Gesandten. Demgemäß ist ein Prophet jemand, wem Allah, gepriesen sei Er, sendet um eine frühere Gesetzgebung zu bestätigen, zu folgen und dazu aufzurufen. Falls aber jemand zu den Ungläubigen und Polytheisten entsandt wird, oder bzw. und eine neue Gesetzgebung offenbart bekommt, ist ein Gesandter. Aber wenn jemand zu jenen entsandt wird, welche bereits Iman haben, so ist er ein Prophet. Betreffs der Angelegenheit ob es zwingend notwendig ist, dass einem Gesandten eine neue Gesetzgebung offenbart werden muss, so herrscht unter den Gelehrten eine Meinungsverschiedenheit. Manche, wie Qadi Ayyad Ibn Musa und al-Kamal al-Din Ibn al-Human waren der Meinung das es zwingend erforderlich ist, dass Allah Ihnen Offenbarungen sendet, ein Buch offenbart und damit eine neue Gesetzgebung gibt, andere wie Ahmad Ibn Taymiyyah waren hingegen der Meinung das es nicht zwingend erforderlich ist, sondern das dies zwar auch ein Unterscheidungsmerkmal ist, jedoch ist das entscheidende Wesensmerkmal das die Gesandten zu den Ungläubigen und Polytheisten entsandt werden, wohingegen die Propheten zu jenen entsandt werden, welche bereits Gläubig sind. Beide Standpunkte sind Richtig und Wahr. Prophet und Gesandter sind zwei unterschiedliche Begriffe, die jedoch die Gemeinsamkeit besitzen, dass ihnen Gesetzgebung offenbart wurde. Zudem ist es falsch zu behaupten und wiederspricht außerdem, dem Wort Allahs, zu meinen, dass es keine Differenz zwischen einen Propheten und Gesandten gibt. Die Mu’tazila hingegen vertraten den Standpunkt, dass zwischen ihnen keine Differenz besteht, was jedoch dem Din wiederspricht. Der Beweis dafür, sind die Worte Allahs:

    {Und wir entsandten vor dir keinen Gesandten oder Propheten, ohne dass, wenn er vortrug, der Satan zu seinem Vortrag etwas hinzufügte. (Sure al-Hagg, Vers.52)}

    Al-Qadi al-Qudat Abdullah Ibn Umar al-Baidawi ash-Schafi’i – Möge Allah Wohlzufrieden mit ihm sein – kommentierte diese Worte, wie folgt: „Gesandter ist jemand, den Allah mit einer neuen Gesetzgebung entsandt hat, um sie den Leuten zu verkünden. Und Prophet ist jemand, den Allah entsandt hat, um eine frühere Botschaft zu bestätigen.“[1]

    Scheich al-Islam al-Mujaddid Taqiyyudin Abu’l Abbas Ahmad Ibn Taymiyah al-Hanbali – Möge Allah Wohlzufrieden mit ihm sein – sagte: „Ein Prophet ist einer dem Allah etwas offenbart hat und darauf auf dem verschieden ist, was Allah ihm offenbart hat. Wenn er aber gesandt wurde, zu jenen die gegen Allahs Gebote gehen, um ihnen eine Botschaft von Allah zu bringen, dann ist er ein Rasul (Gesandter). Wenn er aber einer Scharia folgt, die vor ihm kam und nicht er derjenige war der gesandt wurde, um eine Botschaft von Allah zu überbringen, dann ist er ein Prophet und kein Gesandter[…]“[2]Außerdem kommentierte Scheich al-Islam – Möge Allah Wohlzufrieden mit ihm – zum zu vorigen Vers, folgendes: „Hier sind sowohl Gesandter (Rasul) und Prophet (Nabi) angeführt worden, welche entsandt worden sind, aber lediglich einer wurde als Rasul bezeichnet, weil er der bevollmächtigte Gesandte (ar-Rasul al-Mutlaq) ist, welcher damit beauftragt wird, die Botschaft Allahs an die Leute zu überbringen, die Seiner Lebensordnung entgegenstehen. Noah war in diesem Sinne ein Gesandter (Rasul).“[3]

    Imam Sa’ad al-Din Masud Ibn Umar al-Taftazani al-Hanafi – Möge Allah Wohlzufrieden mit ihm sein – sagte: „Ein Gesandter (Rasul) ist ein von Allah entsandter Mann zu Seinen Geschöpfen, um Seine Urteile zu überbringen und die Überbringung eines Buches ist bei Ihnen vorgeschrieben, im Gegensatz zum Propheten (Nabiy), weil – der Begriff – Prophet (Nabiy) ist ein allgemeinerer Begriff.“[4]

    Al-Qadi Ayyad Ibn Musa al-Yahsubi al-Maliki al-Andalus – Möge Allah Wohlzufrieden mit ihm sein – sagte: „Manche meinten das Gesandten diejenigen waren, welche eine neue Gesetzgebung bekamen und das diejenigen, welche es nicht bekam Propheten, aber keine Gesandten waren. Der Konsens besteht darin, dass die authentische Position jene ist, dass all die Gesandten auch Propheten waren, aber nicht jeder Prophet ein Gesandter ist.“[5]

    Trotz des Unterschieds zwischen Propheten und Gesandten glaubten sie alle und übermittelten die reine Botschaft des Tawhid, d. h. der Einheit Allahs. Alle Propheten und Gesandten waren gehorsame Diener Allahs und unfehlbar in ihrer Übermittlung des Tawhid in reiner Form. Sie wurden von Allah zu den Menschen entsandt und damit betraut, die Botschaft des Tawhid zu übermitteln, dies in einer klaren deutlichen Sprache, indem sie allesamt zur Alleinigen Anbetung Allahs aufriefen, doch beide ziehen den Rang des Propheten mit sich und dies ist, dass sie die Leute über das Verborgene informieren und Sie, sie über den Rang des Prophetentum unterrichten, sodass sie Fähig sind Ihren Erhöhten Rang anzuerkennen und Ihnen zu folgen.

    Somit ist Moses in diesem Sinne ein Prophet, weil ihm eine eigene Gesetzgebung offenbart wurde und ein Gesandter, da die ihm Offenbarte Gesetzgebung seine eigene Botschaft darstellt. Harun ist ein Prophet, da ihm Gesetzgebung offenbart worden ist, jedoch kein Gesandter, da die ihm offenbarte Gesetzgebung nicht seine eigene verkörperte, sondern die von Moses. Der erste Prophet war Adam und der erste Gesandte war Noah. Es wird durch eine authentische Überlieferung bestätigt, dass Noah der Gesandte (Rasul) war, um den Leuten die Reine Botschaft Allahs zu überbringen und zum unverfälschten und kompromisslosen Tawhid aufzurufen.[6] Jedoch wurden vor Noah, schon etliche Propheten zu den Völkern entsandt, wie Shith, der Sohn Adams und Idris. Zudem ist dies ein Indiz dafür, dass das Hauptunterscheidungsmerkmal zwischen einen Propheten und Gesandten darin besteht, dass die Propheten zum Gläubigen Menschen entsandt werden, wohingegen die Gesandten zu Ungläubigen geschickt werden. Denn bevor Noah entsandt wurde, waren allesamt Gläubig und auf dem geraden Weg des Tawhid. Allah, gepriesen sie Er, sagt:

    {Und sie – das Volk Noah’s – sagen (zueinander): „Lasst eure Götter nicht im Stich. Und verlasst weder Wadd noch Suwa noch Yaghuth und Ya'uq und Nasr“. (Sure Nuh, Vers.24)}

    Sayyiduna Abdullah Ibn Abbas – Allahs Wohlgefallen auf ihr – kommentierte diese Worte: „Die Götzen, die das Volk von Noah anbeteten, wurden später von den Arabern (vor dem Islam) angebetet.... Diese Namen (d.h. Wadd, Suwa‘, usw.) waren Namen rechtschaffener Männer vom Volk Noahs. Als sie gestorben waren gab der Shaytan (d.h. der Teufel) ihrem Volk ein, das sie an den Plätzen, wo sie zu sitzen pflegten, Statuen aufstellen sollten, und sie diese mit deren Namen benennen sollten. Und die Leute taten (, was ihnen der Shaytan eingab). Diese Leute beteten die Statuen noch nicht an. Erst als diese Leute gestorben waren und eine nächste Generation folgte, die nicht mehr das Wissen hatte (warum die Statuen dort stehen), wurden sie als Götzen angebetet.“[7]

    Al-Hafidh al-Imam Ahmad Ibn Ali Ibn Hadschar al-Asqalani ash-Schafi'i – Möge Allah Wohlzufrieden mit ihm sein – kommentierte dazu: „Zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte wurden Götzen in der Zeit von Noah angebetet.“[8]

    Erst als die Menschen anfingen Götzen anstatt Allah anzubeten, wurde ein Gesandter aus ihren Reihen zu ihnen geschickt. Zwischen Adam und Noah lagen zehn Jahrhunderte, in der genannten Zeit die Gesamte Menschheit ausschließlich Allah, gepriesen sei Er, alleine Anbeteten; die Beigesellung anderer Partner neben Allah, begann zum ersten Mal in der Gesichte zurzeit von Noah. Sayyiduna Abdullah Ibn Abbas – Allahs Wohlgefallen auf ihm – sagte: „Zwischen Adam und Noah beiden, waren zehn Jahrhunderte (Qurun), in denen nach dem Gesetz Allahs (gelebt wurde). Dann wurden die Menschen uneins und Allah schickte Propheten als Freudenverkünder und Warner[...]“[9]Der verwendete Begriff „Qurun“ ist die Pluralform von „Qarn“ dessen Bedeutung eigentlich Jahrhundert ist, jedoch auch je nach Kontext auch Generation von Menschen bedeuten kann, wie im Wort Allahs:

    {"Und wie viele Generationen (Qurun) vernichteten Wir nach Noah." (Sure al-Isra, Vers.17)}

    {"Dann brachten Wir nach ihnen eine Generation (Qarn) von Anderen hervor." (Sure al-Mu’minun, Vers.31)}

    Jesus ist ein Prophet, da ihm eine Gesetzgebung offenbart wurde und ein Gesandter, weil die Ihm von Allah geoffenbarte Gesetzgebung Seine Persönliche Botschaft, an die Menschen war. Muhammad ist sowohl ein Prophet als auch ein Gesandter, da er eine Gesetzgebung offenbart bekam und sie zudem seine eigene Botschaft verkörpert. Die Propheten und Gesandten sind die großartigsten Menschen, die je Existiert haben. Sie sind die Vorbilder der gesamten Menschheit. Ihr Herz ist an Reinheit, ihr Verstand an Weisheit und ihre Taten an Rechtschaffenheit nicht zu übertreffen.

    Jeder dieser Propheten erhielt Offenbarung (Wahiy) von Allah, welcher Ihnen darüber Unterrichtete, was ihre Aufgabe darstellt und was sie den Gläubigen ihrer Zeit als Pflicht auferlegen soll. Sicherlich, glaubten die Menschen an die Propheten, genau, wie die Anhänger der Scharia Muhammad‘s an jenes glauben, was die Aufrichtigen Gelehrten über den Propheten Muhammad – Allahs Segen und Friede auf ihm – berichten. Dasselbe galt für die Propheten, wie beispielsweise die von Bani Israel (Nachkommen Israels); allesamt wurde Ihnen auferlegt die Gesetzte der Thora zu Erörtern. In manchen speziellen Fällen erhielten sie tatsächlich Offenbarung; aber betreffs der Scharia der Thora handelten sie gleichermaßen, wie die Gelehrten aus unseren Reihen, mit dem Koran, welche mit Scharfsinnigkeit die Gesetzte darin Erörterten. Demgemäß ist ein Prophet (Nabiy) jemand, wem Allah, gepriesen sei Er, etwas mitteilt, sei es ein Befehl, ein Verbot, oder Informationen für jene, welche an das glauben, was Allah, gepriesen sei Er, den Prophet mitteilt. Aber wenn sie zu einen Ungläubigen Volk entsandt werden, so wird Ihnen befohlen, die Menschen zur alleinigen Anbetung und Gehorsamkeit Allahs, sowie das sie Allah keine Partner beigesellen, aufzurufen. In diesem Fall ist es gewöhnlich dass eine Gruppe von Leuten sein Prophetentum zurückweist, sowie Lügen und Täuschungen über Ihn erzählen. So berichtet Allah, gepriesen sei Er, über diese Situation:

    {"So kam auch zu denen vor ihnen kein Gesandter, ohne dass sie gesagt hätten: „(Dies ist) ein Zauberer oder ein Besessener!“" (Sure ad-Dariyat, Vers.52) }

    {"Nichts anderes wird dir gesagt, als was schon den Gesandten vor dir gesagt wurde. Deinem Herrn eignet wahrlich die Vergebung, (Ihm eignet) aber auch die schmerzliche Bestrafung." (Sure Fussilat, Vers.43) }

    Nehmen wir den Gesandten Noah als Beispiel, als Er sein Volk zum Tawhid aufrief:

    {"Mein Herr, ich habe mein Volk bei Nacht und Tag (zum Iman) aufgerufen. Doch mein Ruf hat nur bewirkt, dass sie mehr und mehr davonliefen; und sooft ich sie rief, dass Du ihnen vergeben mögest, steckten sie ihre Finger in die Ohren und hüllten sich in ihre Gewänder und verharrten (in ihrem Zustand) und wurden allzu hochmutig. Dann rief ich sie in aller Öffentlichkeit auf. Dann predigte ich ihnen öffentlich, und ich redete zu ihnen im Geheimen, und ich sagte: Sucht Vergebung bei eurem Herrn; denn Er ist Allvergebend. Er wird Regen für euch in Fülle hernieder senden; und Er wird euch mit Glücksgütern und Kindern starken und wird euch Garten bescheren und für euch Flusse strömen lassen. Was ist mit euch, dass ihr Allah nicht (in der Ihm gebührenden Weise) ehrt, wo Er euch doch in (verschiedenen) Phasen erschaffen hat? Habt ihr nicht gesehen, wie Allah sieben aufeinander geschichtete Himmel geschaffen hat und den Mond als ein Licht in sie gesetzt hat? Und gemacht hat Er die Sonne zu einer Leuchte Und Allah hat euch wie die Pflanzen aus der Erde wachsen lassen. Dann wird Er euch wieder in sie zurückkehren lassen, und Er wird euch dann aus ihr hervorbringen. Und Allah hat die Erde für euch zu einer ausgelegten Flache gemacht, auf dass ihr auf ihren gangbaren Wegen ziehen möget." (Sure Nuh, Vers.5-20)}

    Die Vornehmen seines Volkes, meinten offenbar, dass sie sich zu fein währen, mit den Schwachen in einer Gemeinschaft zu sein und das sie sich mit Noah treffen würden, jedoch unter der Bedingung, dass er die Schwachen vertreiben solle. Dies lehnte Noah – Friede sei auf ihm – jedoch ab:

    {"Die Vornehmen seines Volkes, die sich nicht Gott ergeben wollten, sagten: Wir sehen in dir nur einen Menschen unseresgleichen, und wir sehen, dass dir keine als jene gefolgt sind, die aller äußeren Erscheinung nach die Niedrigsten unter uns sind, noch sehen wir in euch irgendeinen Vorzug vor uns; nein, wir erachten euch für Lügner. Er sagte: O mein Volk, (ihr) seht nicht ein, dass ich einen klaren Beweis von meinem Herrn habe; und Er hat mir Seine Barmherzigkeit gewährt, die euch aber verborgen geblieben ist. Sollen wir sie euch da aufzwingen, wo sie euch zuwider ist? O mein Volk, ich verlange von euch kein Entgelt dafür. Mein Lohn ist allein bei Allah. Und ich werde gewiss nicht die Mu’minun verstoßen. Sie werden ihrem Herrn begegnen. Allein, ich erachte euch für ein Volk, das unwissend ist. O mein Volk, wer würde mir gegen Allah helfen, wenn ich sie verstieße? Wollt ihr (das) denn nicht einsehen?" (Sure Hud, Vers.27-30)}

    Beinah eintausend Jahre lud Noah sein Volk zum Tawhid auf, wie Allah, gepriesen sei Er, sagt:

    {"Und wahrlich, Wir sandten Noah zu seinem Volke, und er weilte unter ihnen eintausend Jahre weniger fünfzig Jahre. Da ereilte sie die Sintflut, weil sie Missetäter waren." (Sure.29, Vers.14)}

    Bei den meisten jedoch nütze dieser aufrief nichts:

    {"Noah sagte: Mein Herr, sie haben mir nicht gehorcht und sind einem gefolgt, dessen Reichtum und Kinder nur sein Verderben verstärkt haben. Und sie haben gewaltige Ranke geschmiedet. Und sie sagen (zueinander): Lasst eure Götter nicht im Stich. Und verlasst weder Wadd noch Suwa noch Yaghuth und Ya'uq und Nasr. Und wahrlich, sie haben viele verfuhrt; so mache, dass die Ungerechten selber umso mehr in die Irre gehen." (Sure al-Ankabut,Vers.21-24)}

    Die Menschen, des Volkes Noahs, die der Rechtleitung Allahs nicht gefolgt sind, werden sogar im Jenseits leugnen, dass überhaupt ein Gesandter als Warner zu ihnen geschickt wurde.

    Die Gesandten (al-Rusul) wurden jeher von den Leuten zurückgewiesen. Die Worte: {"Und Wir schickten vor dir keinen Gesandten oder Propheten"}, legen offen das Propheten (al-Nabiy) auch entsandt werden, aber sie nicht den Titel des Gesandten (ar-Rasul) genießen, weil sie nicht zu den Leuten entsandt werden, welche Unwissend bezüglich der Botschaft Allahs sind. Die Propheten predigten den Gläubigen was sie wissen mussten, um auf den Wahrhaftigen Weg zu sein, gleichermaßen wie die Gelehrten es tun. Dies ist der Grund, weshalb der Gesandte Allahs – Allahs Segen und Friede auf ihm – sagte: „Die Gelehrten sind die Erben (Nachfolger) der Propheten.“[10]

    Für einen Gesandten ist es nicht notwendig, unbedingt eine neue Scharia offenbart zu bekommen. Denn Joseph war ein Gesandter, aber folgte trotz dessen der Scharia von Abraham. Und Salomo war ein Gesandter, obwohl Er der Scharia Moses folgte. Der Beweis für ersteres ist, das Wort Allahs:

    {"Und Joseph kam ja vordem mit deutlichen Beweisen zu euch, jedoch ihr hörtet nicht auf, das zu bezweifeln, womit er zu euch kam, bis ihr dann, als er starb, sagtet: "Allah wird nimmermehr einen Gesandten nach ihm erstehen lassen." Also erklärt Allah jene zu Irrenden, die maßlos (und) Zweifler sind." (Sure Ghafir, Vers.34) }

    Der Beweis für das andere ist, das Wort Allahs:

    {"Wahrlich, Wir haben dir offenbart, wie Wir Noah und den Propheten nach ihm offenbart haben. Und Wir offenbarten Abraham, Ismael, Isaak, Jakob, den Stämmen (Israels), Jesus, Hiob, Jonas, Aaron und Salomo; und Wir haben David einen Zabur gegeben. Und über einige Gesandte haben wir dir (schon) früher berichtet, über andere (bisher überhaupt noch) nicht - und mit Moses hat Allah wirklich gesprochen." (Sure an-Nisa, Vers.163-164) }

    _____________________________________________
    [1] Asrar ut-Tanzil wa Asrar ut-Ta'wil

    [2] An-Nubuwwah, S.255

    [3] An-Nubuwwah, S.172

    [4] Sharh al-Aqida al-Nasafiyyah, S.21

    [5] Ash-Shifa bi-Tarif Huquq al-Mustafa, Part.1, Kapitel. Das Propheten- und Gesandtentum

    [6] Muhammad Ibn Ismail al-Bukhary: al-Dschami as-Sahih, Kitab at-Tawhid, Nr.19; Abu’l Hussein Asakir ud-Din Muslim an-Naisaburi: al-Dschami as-Sahih, Kitab al-Iman, Nr. 327

    [7] Muhammad Ibn Ismail al-Bukhary: al-Dschami as-Sahih, Nr.4920

    [8] Fath al-Bari

    [9] Ahmad Ibn Taymiyah: al-Nubuwwah, S.172; Abu Dschafar Ibn Dscharir at-Tabari: Tarikh al-Rusul wa’l Muluk wa’l Khulafa

    [10] Ahmad Ibn Taymiyah: al-Nubuwwah, S.173

  9. #9
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    Die Erkennungszeichen der Propheten (Nubuwwah)


    Die Erkennungszeichen des Prophetentums (al-Nubuwwah) werden ausschließlich mit den Propheten in Verbindung gebracht und Beweisen Ihre Wahrhaftigkeit. Sie handeln entgegen den natürlichen Erscheinungen (Gesetzte), welche außerhalb dem Einfluss der Menschen und Dschinn liegt und (somit) unanfechtbar sind. Jedoch ist die Zuwiderhandlung der natürlichen Gesetzte nicht ein Bestandteil ihrer Definition, vielmehr ist es eine unentbehrliche Begleiterscheinung (Lazim). Den Propheten werden Mu’jiza (مُعْجِزَة) zuteil, welche Allah, gepriesen sei Er, Ihnen verleiht, um Ihre Wahrhaftigkeit zu bestätigen. Der Begriff „al-Mu’jizat“ ist die Pluralform von „al-Mu’jiza“, dessen Wortwurzel I-J-Z (عجز ) ist, was nicht fähig zu sein bedeutet, welche das Antonym von Qudrah“ (Macht) ist.
    Obwohl dieser Begriff weder vom Koran noch der Sunnah derart angeführt oder ausgefüllt wird, setzte sich sodann dieser Ausdruck durch. Eher wurde das Wunder in den Quellen, mit Aya, Burhan, Alamah und Dalil bezeichnet. Mu’jiza[1] steht seitdem für das Wunder eines Propheten, das dieser nach seiner Sendung durchgeführt hat. Scheich al-Islam al-Mujaddid Taqiyyudin Abu’l Abbas Ahmad Ibn Taymiyah al-Hanbali – Möge Allah Wohlzufrieden mit ihm sein – sagte: „Der Begriff al-Mu’jiza bezieht sich auf all jenes was eine Aufhebung der natürlichen Erscheinungen (Gesetzte) der Natur verursacht. Dies ist die Bedeutung des Begriff in der geläufigen Sprache, sowie in der Sprache der ersten Gelehrten, wie von Ahmad Ibn Hanbal und anderen.“[2]

    Es (al-Mu’jiza) ist etwas, was entgegen den gewöhnlichen Dingen (al-Ada) steht, sowie auf den Händen von denjenigen erscheint welcher das Prophetentum für sich Reklamiert und es ereignet sich auf eine Art und Weiße, sodass diejenigen, welche es zurückweisen, unfähig (Yu’jizu) sind, etwas gleichartiges hervorzubringen, wenn sie darum wetteifern. Denn, wenn sie nicht durch die Wunder unterstützt werden, so würde es nicht notwendig sein, die Aussage des Propheten zu akzeptieren, noch wäre man in der Lage zwischen den Wahrhaftigen Mann und den Falschen in der Beanspruchung des Prophetentum zu unterscheiden. Imam Sa’d al-Din Ibn Umar al-Taftazani al-Hanafi – Möge Allah Wohlzufrieden mit ihm sein – sagte: „Ein Überzeugendes Wunder (Mu’jiza) ist etwas was die gewöhnlichen Art der Dinge annulliert (Khariq lil-ada), dessen Zweck es ist, die Wahrhaftigkeit desjenigen zu veranschaulichen, welcher den Anspruch Erhebt ein Gesandter Allahs zu sein.“[3] Qadi Ayyad Ibn Musa al-Yahsubi al-Andalus – Möge Allah Wohlzufrieden mit ihm sein – sagte: „Die Gesandten brachten Wunder, welche klar aufzeigen, das sie Wahrhaftig sind und es dadurch notwendig wird sie zu bestätigen in allem was sie bringen, denn die Wunder sind im Grunde genommen durch eine Herausforderung des jeweiligen Propheten begleitet.“[4]

    Das Merkmal eines Zeichens besteht darin, dass es notwendigerweise das Objekt mit einbezieht, welches es Signifiziert. Was auch immer notwendigerweise eine Sache miteinbezieht, so ist es sein Zeichen und es kann kein Zeichen sein, ausgenommen es bezieht notwendigerweise die Sache ein, welches es Signifiziert. Also, ein Zeichen bezieht notwendigerweise sein Objekt mit ein, gleich wie ein Vorhaben seine Konsequenzen beinhaltet; und diese Folgebedingung ist notwendig.

    Die Erkennungszeichen, welche die Wahrhaftigkeit der Propheten belegen, können nicht einer Kategorie von Zeichen angehören, welche auch andere Kennzeichnen. Die Mu’tazila und andere Scholastiker Definierten Mu’jiza als ein Verstoß der natürlichen Erscheinungen (Adah). Da sie nicht Fähig dazu waren zu erklären was es tatsächlich Bedeutet und weil sie nicht einen Unterschied machen konnten zwischen ihnen (Mu'jiza) und den sog. Wundern welche von Wahrsagern, Zauberern und den Awliya ausgeführt werden, haben manche unter ihnen ihre Definition wiederrufen. Andere haben als Qualifikation hinzuaddiert das die Wunder unanfechtbar (al-Tahaddi) sein müssen. Sie machten diese Bedingung zum Unterscheidungsmerkmal der prophetischen Wunder. Sie meinten, dass die prophetischen Wunder gegen die natürlichen Erscheinungen verstoßen und mit einer Herausforderung begleitet sind, etwas Gleichartiges hervorzubringen. Mit dieser Definition fühlen sie sich frei, nicht Propheten zu erlauben Wunder, wie die Propheten zu vollziehen, vorausgesetzt dass sie Nachgeahmt werden können. So stellen sie die sog. Wunder der Wahrsager und Zauberer in dieselbe Kategorie mit dem prophetischen Wundern, mit dem einem Unterschied das letzteres nicht anfechtbar ist. Scheich al-Islam al-Mujaddid Taqiyyudin Abu'l Abbas Ahmad Ibn Taymiyyah al-Hanbali – Möge Allah Wohlzufrieden mit ihm sein – sagte: „Dies ist offenkundig falsch, denn wir wissen das die (sog.) Wunder von Musaylamah, al-Aswad und anderen falschen Propheten nicht angefochten wurde. Man würde auch gern wissen, was sie mit der Aussage meinen, dass sie unanfechtbar seien? Meinen sie damit, dass sie nicht, durch irgendjemand angefochten werden, zum Zeitpunkt und Ort wenn sie durchgeführt werden? Auf Basis dieser Bedeutung sind also die (sog.) Wunder der Zauberer und Wahrsager Mu’jiza, weil sie nicht angefochten wurden und die (sog.) Wunder von Musaylamah und al-Anasi (al-Aswad) wären – in diesem Sinne also – Mu’jiza, weil sie nicht angefochten wurde, als sie, sie durchführen. Der andere Sinn, indem diese Qualifikation verstanden werden kann, ist das die Wunder nimmer angefochten werden können. Aber wie kann man dies Wissen? Wenn gefragt wird, was die Erkennungszeichen sind, welche die Wahrhaftigkeit der Propheten belegen, dann ist die Antwort, dass es die Zeichen sind, welche ausschließlich mit den Propheten verbunden sind, die ihre Wahrhaftig beweisen und ausschließlich durch die Hände der Wahrhaftigen Propheten sich ereignen können. Sie müssen gegen die natürlichen Erscheinungen (Gesetzten) verstoßen, welche außerhalb der Macht der Menschen und Dschinn liegt und unanfechtbar bzw. nicht nachgeahmt werden können. Aber die Bedingung dass sie gegen die natürliche Erscheinungen verstoßen oder unanfechtbar sind, so ist es eine notwendige Folgebedingung der Mu’jiza, nicht ein Bestandteil ihrer Definition.“[5]

    ___________________________________________

    [1] Fachlich ist die Verwendung des Begriffs bedingt dadurch, dass nicht jede Aya ein Mu’jiza ist, denn allgemein kann und ist alles auch die natürlichsten Sachen in irgendeiner Form Zeichen der Wahrhaftigkeit der Botschaft der Propheten. Dennoch gibt es und gab es welche, die nur mit diesen und von diesen in Erscheinung treten und diese sind damit gemeint. Alamah ist Marke, diese ist im Grunde auch ein Zeichen (Aya), aber eben nicht jedes Zeichen ist eine Marke, denn die Alamah ist deutlicher und sinnlicher, während ein Zeichen verborgen sein kann. Dalil ist fachlich schwächer als Burhan, denn ein Dalil weist auf etwas hin ohne zwangsweise es aufzuzeigen, der Burhan hingegen ist der unumstößliche Beweis.

    [2] Majmu'at al-Rasa'il wal Masa'il, 5:2

    [3] Sharh al-Aqida al-Nasafiyyah, S.21

    [4] Ash-Shifa bi-Tarif Huquq al-Mustafa, Part.1, Kapitel. Das Propheten- und Gesandtentum

    [5] Al-Nubuwwah, S.190

  10. #10
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    Dieser Gedanke, d.h. es als Bedingung und nicht als notwendige Folgebedingung zu betrachten, entsprießt vom Einfluss der griechischen Philosophen, wobei etliche der muslimischen Scholastiker dies zurückwiesen. Die griechischen Philosophen und deren Anhänger legten drei Bedingungen für einen Propheten fest; erstens, ihn muss Verborgenes offenbart werden, d.h. vergangene und zukünftige Geschehnisse muss er nach Bedarf erläutern; zweitens, Dinge zu vollziehen welche den natürlichen Erscheinungen entgegenstehen; drittens, einen Engel durch ein Objekt oder Körper zu sehen und die Offenbarung (Wahiy) Allahs durch den Engel hören.



    Das Wissen das die Wunder die Wahrhaftigkeit der Propheten beweisen ist notwendig, wie im Falle der Mondspaltung und des größten Wunder des Propheten Muhammad, d.h. der Koran. Mittels einfacher Beobachtung dieser Zeichen ist jeder Mensch Fähig dazu, mit absoluter Gewissheit zu erkennen, dass Allah diese Zeichen als Beweis für die Wahrhaftigkeit der Propheten erschuf. Dies bedeutet also, dass diese Zeichen gegen die natürlichen Erscheinungen verstoßen und Unanfechtbar zur jeder Zeit und jedem Ort sind. Diese Sachen sind Bestandteil ihrer Erkennungszeichen, jedoch nicht deren einzigen. Die wohl bekannte Haltung der Philosophen und Scholastiker betreffs des Prophetentum ist, dass sie ausschließlich die Propheten anerkennen, mittels der Demonstration eines Wunders. Sie bestätigen Ihm auf eine seltsame Art und Weise. Manche unter ihnen leugnen sogar die Karamah der Awliya oder die Existenz der Zauberer. Die Zeichen der Propheten belegen Ihre Wahrhaftigkeit. Dies bedeutet dass sie nicht mit nicht-Propheten assoziiert werden können und dass sie derartiges nicht vollbringen können. Die Propheten und Gesandten vereinen alle Eigenschaften in sich, wodurch jeder Aufrichtige, die Wahrhaftigkeit erkennt und Ihnen Folgsamkeit schwört. Manchmal belegen die Zeichen die Wahrhaftigkeit des Prophetentum im Allgemeinen und da sie die Wahrhaftigkeit der Propheten in Allgemeinen belegen, belegen sie ebenso die Wahrhaftigkeit eines spezifischen Propheten, welcher das Prophetentum für sich beansprucht. Diese Beweise, können jedoch nicht mit falschen Propheten in Relation gebracht werden.

    Ein Wahrhaftiges Wunder muss gemäß den Gelehrten der Ahlu Sunnah Wal Jammah sieben Eigenschaften besitzen:

    • Es muss ein Geschehen sein, welche von Allah, gepriesen sei Er, ausgeht oder solchen entsprechen, d.h. eine Unterlassung oder Behinderung einer Ausführung wird auch als Wunder betrachtet, wenn sich der Willen Allahs darin widerspiegelt. Der Prophet Muhammad – Allahs Segen und Friede auf ihm – legte einst Seine Hand aufs Haupt und meinte sodann, dass ihr es nicht tuen könnt, weil dies mein Zeichen darstellt. Also handelt es sich, um die Erfolglosigkeit der Menschen die Zeichen nachzuahmen.

    • Das Wunder muss die natürlichen Erscheinungen, also die physikalischen und natürlichen Gesetzte aufheben. Allah, gepriesen sei Er, hat die gesamte Materie erschaffen und in ihnen gewissen Eigenschaften festgelegt, dies in einer Art und Weise, dass keine anderen Merkmale entfacht werden können als jene, die in den spezifischen Materien festgesetzt wurden. Beispielsweise hat Allah, gepriesen sei Er, festgelegt, dass Kirschen auf Bäumen wachsen und nicht wie Kartoffeln unter Erde reifen und das lediglich Frauen die Menstruation, einmal im Monat jeweils eine Woche bekommen und nicht die Männer. Allah, gepriesen sei Er, hat in der Materie spezifische Eigenschaften erschaffen, wie im Feuer die Eigenschaft des Brennens, im Holz die des Verbrennens und im Messer die des Schneidens erschaffen. Diese Eigenschaften machte Allah, gepriesen sei Er, - gemäß der universellen Ordnung- zu untrennbaren Bestandteilen in den Dingen, die niemals zurückbleiben. Wenn es einmal Anschein hat, dass sie zurückbleiben, dann hat Allah, gepriesen sei Er, dem Gegenstand diese Eigenschaft entzogen. In diesem Fall handelt es sich um ein übernatürliches Ereignis, das den Propheten widerfährt und ein Wunder für ihre Wahrhaftigkeit darstellt.

    • Das Wunder ist Unnachahmlich. Der Koran ist das Wunder des Propheten Muhammad – Allahs Segen und Friede auf ihm. Obgleich der Prophet Muhammad – Allahs Segen und Friede auf ihm – mehrere Wunder bewirkte, wie es im Koran und der authentischen Sunnah berichtet wird, so hat Er damit jedoch niemals jemanden herausgefordert. Die Herausforderung galt einzig und allein dem Koran. Aus diesem Grund meint man, dass der Koran das Wunder des Propheten – Allahs Segen und Friede auf ihm – ist, mit dem die Wahrhaftigkeit des Prophetentum vom Anbeginn der Offenbarung bis zum Tag der Abbrechung erwiesen ist. Allah, gepriesen sei Er, legte die Unfähigkeit der Araber offen, etwas gleichwertiges, wie dem Koran hervorzubringen. Allah, gepriesen sei Er, forderte sie offen heraus, wie in Seinen Worten: {„Und wenn ihr im Zweifel seid über das, was Wir auf unseren Diener herabgesandt haben, so bringt eine Sure von seinesgleichen hervor. Und ruft eure Zeugen an Allahs Stelle auf, so ihr wahrhaftig seid.“ (Sure al-Baqara, Vers.23) Sprich: ‚So bringt eine Sure seinesgleichen hervor! Und ruft wen ihr wollt an Stelle Allahs an, so ihr wahrhaftig seid.“’ (Sure Yunus, Vers.28)} {„Sagen sie etwa, er habe ihn erlogen? Sprich: ‚So bringt zehn erlogene Suren seinesgleichen hervor und ruft wen ihr wollt an Allahs Stelle an, so ihr wahrhaftig seid.’“ (Sure Hud, Vers.13)} Allah, gepriesen sei Er, ging in Seiner Herausforderung so weit, dass Er den Menschen welche sich dieser Herausforderung stellen wollten, ihr Unvermögen offen mitteilte, etwas Gleichwertiges hervorzubringen, wie in Seiner Aussage: {„Sprich: ‚Wenn sich Menschen und Dschinn zusammentäten, um etwas gleich diesem Koran hervorzubringen, sie brächten keinen gleichen hervor, auch wenn einer des anderen Beistand wäre.’ (Sure al-Isra, Vers.88) } So waren diejenigen, die vom Koran angesprochen wurden, nicht in der Lage, etwas Gleiches hervorzubringen. Ihr diesbezügliches Unvermögen steht mit definitiver Überlieferung fest. Weder kennt die Geschichte einen einzigen Fall noch wird von irgendjemandem berichtet, dass sie etwas Gleiches hervorgebracht hätten. Dieser Herausforderung gilt nicht allein für diejenigen, die damals angesprochen worden sind, vielmehr bleibt sie allgemeingültig bis zum Jüngsten Tag bestehen. Maßgebend ist nämlich die Allgemeingültigkeit der Aussage und nicht der unmittelbare Offenbarungsanlass. Somit hat der Koran die gesamte Menschheit herausgefordert - vom Zeitpunkt seiner Offenbarung bis zum Tage der Auferstehung - etwas Gleiches hervorzubringen. Der Koran hat demzufolge nicht nur das Unvermögen der Araber offengelegt, die zur Zeit des Propheten – Allahs Segen und Friede auf ihm – gelebt haben, und nicht nur das Unvermögen der Araber zu allen Zeiten und an allen Orten, sondern das Unvermögen der gesamten Menschheit, ganz abgesehen von Herkunft und Zugehörigkeit. Das Unvermögen der Araber sowie aller Menschen, etwas gleich diesem Koran hervorzubringen, ist auf das Wesen des Koran selbst zurückzuführen. Immer wenn die Araber den Koran hörten, wandten sie sich ihm zu, ergriffen vom Zauber seiner stilistischen Vollendung. Dies ging sogar soweit, dass sogar al-Walid Ibn ul-Mughira, als er den Propheten – Allahs Segen und Friede auf ihm – den Koran rezitieren hörte, zu den Leuten sagte: „Bei Allah, es gibt keinen unter euch, der über die Dichtkunst besser Bescheid weiß als ich, und keinen, der über ihre Reimformen und Kernelemente mehr weiß als ich. Bei Allah, das, was er sagt, gleicht nichts von all dem. Bei Allah, was er sagt hat eine Schönheit und einen besonderen Glanz. Seine Spitzen erstrahlen und seine Wurzeln sind unerschütterlich. Es übertrifft alles und wird von nichts übertroffen.“ Trotzdem hat al-Walid Ibn ul-Mughira den Islam nicht angenommen und bestand auf den Unglauben. Dieses Wunder, das die Unfähigkeit der Menschen offen legt, geht aus dem Koran selbst hervor. Denn diejenigen, die ihn gehört haben und bis zum Tage der Auferstehung hören werden, bezeugen es, sobald sie etwas davon vernehmen - und sei es nur ein einziger Satz. Sie rätseln nur darüber, wie mächtig sein Einfluss ist und wie vollkommen sein Stil. Das unerreichbare Wunder des Koran tritt am deutlichsten in seiner sprachlichen Vollkommenheit, seiner Ausdruckskraft und seine Erhabenheit hervor, die wahrlich ein erstaunliches Maß erreicht. Dies manifestiert sich im Stil des Koran, der das Unvermögen der Menschen zutage treten lässt. In seinem Stil liegt eine Klarheit, eine Stärke und eine Schönheit, die die Menschen nicht zu erreichen vermögen.

    • Das Wunder entsprießt aus dem Händen eines Mannes, welcher das Prophetentum für sich beansprucht. Was die Zeichen vor der Berufung zum Propheten angeht, wie im Falle bei der Geburt von Jesus, als Er in der Wiege sprach, so wird dies und ähnliches als Grundstein zu seinem Prophetentum betrachtet und wird als „Irhasat“ bezeichnet. Vor ihrer Berufung genießen sie den Status eines Awliya, womit ihnen Karamah[1], aber keine Mu’jiza zu teil werden.

    • Das Ergebnis muss den Ankündigungen des das Wunder wirkenden Propheten entsprechen und darf nicht anders ausfallen.

    • Das Wunder selbst darf seinem unmittelbaren Urheber nicht widersprechen. Würde beispielsweise ein Berig die Gabe des Sprechens verliehen, es dann aber sagen: „Du bist ein Schwindler!“, so würde dies nicht als Wunder gelten, sondern eher berechtigte Zweifel auf den "Wundertätigen" lenken.

    • Das Wunder muss im selben Moment vollbracht werden, in dem es angekündigt wird. Weder geschieht es vor der Offenbarung, noch nach seinen Tod.
    ________________________________________
    [1] Die Karamah ist eine wundersame Tat, die Allah einem beispielhaften Gläubigen zu vollbringen erlaubt, der allerdings nicht mit dem Prophetentum bedacht wurde. Eine Karamah kann aber einem Propheten selbst widerfahren, bevor der Berufung zum Propheten.

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