
Das könnte auch bi2idhnillaah nützlich sein:
Wie fängt man an zu lernen?
Wie man sich als Muslim Wissen aneignet
1. Die Eigenschaften, die man haben sollte, bevor man anfängt sich Wissen
anzueignen
1. Wissen Aneignen ist eine Anbetung ALLAHs: Man soll Wissen, dass das Aneignen
von Wissen eine Anbetung ALLAHs ist. Es gibt aber zwei Bedingungen, die erfüllt
werden müssen, damit das Aneignen von Wissen von ALLAH als richtige Anbetung
angenommen wird:
a. Aufrichtigkeit (Ikhlas), d. h. dass man nur für ALLAH lernen soll.
b. Richtigkeit, d. h. dass das Wissen auch authentisch sein soll und auf Quran und
Sunnah basieren soll. Man muss darauf achten sein Wissen aus richtiger Quelle
zu nehmen.
2. Den richtigen Weg befolgen: Man soll beim Aneignen von Wissen den richtigen
Weg befolgen, in dem man nach dem Vorbild der Gefährten des Propheten (ALLAHs
Wohlgefallen mit ihnen) handelt. Dazu sollte man sich ihre Biographien durchlesen
und schauen, wie sie sich ihr Wissen angeeignet haben, wie sie ihre Fragen formuliert
haben usw.
3. Gottesfurcht (Taqwa): Man muss alles was man lernt in Taten umsetzen, denn das
Wissen soll einen dazu bringen gottesfürchtiger zu werden. Ansonsten hätte das
Wissen keinen Nutzen und es wird am Jüngsten Tag gegen einen Verwendet werden.
4. Innere Kontrolle aufbauen: Man muss sich immer selber kontrollieren was man in
einem bestimmten Zeitraum geschafft hat zu lernen und umzusetzen. Das heißt man
soll sich selbst zur Rechenschaft ziehen und schauen ob man sich überhaupt schon
weiterentwickelt hat, oder ob das Wissen und der Iman (Überzeugung) genau so ist
wie vorher. Selbst- und Zeitmanagement ist im Islam sehr wichtig, da die Zeit für den
Muslim das kostbarste gut ist (s. Quran Sura al-´Asr, Nr. 103).
5. Demut & Dankbarkeit statt Überheblichkeit: Man soll aufpassen, dass man nicht
mit der Zeit überheblich wird, weil man immer mehr Wissen hat. Überheblichkeit ist
eine große Sünde und führt dazu, dass man den Anschluss zu den Menschen verliert,
und zwar erstens deswegen, weil man es vielleicht immer mehr ablehnt von
bestimmten Lehrern zu lernen, weil man meint, man wüsste es besser, und zweitens,
weil die Menschen es meiden von einer überheblichen Person zu lernen. So wird man
weder von Lehrern lernen noch Schüler lehren können. Wir lernen schließlich nicht
nur für uns selber, sondern auch dafür, um anderen Menschen das Wissen weiter zu
geben. Daher sollte ein Muslim demütig sein und wissen, dass das Wissen und die
Intelligenz nur von ALLAH kommen. Man sollte ALLAH also ständig für das Wissen
danken.
6. Bescheidenheit & Zufriedenheit: Man sollte mit dem was ALLAH einem an
materiellen Gütern gegeben hat zufrieden sein und nicht immer nach mehr streben.
Sonst wird das Herz viel zu sehr mit materiellen Dingen beschäftigt sein statt auf das
Aneignen von Wissen und das stärken des Iman durch Umsetzen des Wissens.
7. Guten Umgang mit den Menschen: Man soll darauf achten gute
Charaktereigenschaften zu haben und einen guten Umgang mit den Mitmenschen zu
haben in dem man sanft und barmherzig mit ihnen umgeht und andere Meinungen
toleriert, so wie die Gelehrten verschiedene Meinungen, die auf Quran und Sunnah
basieren toleriert haben und nicht schlecht gemacht haben. Man soll respektvoll mit
Lehrern und Mitschülern umgehen. Man soll auch aufpassen, seine Zeit nicht mit
sinnlosen Gesprächen zu vergeuden und nur gutes zu sprechen oder zu schweigen.
8. Nachdenklichkeit & und Fragen richtig stellen: Man muss nicht nur über das
Gelernte nachdenken, sondern auch über die Fragen, die man gerne stellen möchte.
Man soll sich fragen mit was für eine Absicht man die eine bestimmte Frage stellen
will und darauf achten sie richtig und verständlich zu formulieren. Auch muss man
richtig über die Antwort nachdenken. Es stimmt nicht, dass es keine dummen Fragen
gibt, die gibt es doch. Der Prophet (ALLAHs Segen und Frieden mit) hat gesagt, dass
viele Völker vor uns sich selbst durch ihre vielen Fragen zugrunde gerichtet haben.
9. Geduld, Standhaftigkeit: Ohne Geduld wird man keinen Erfolg beim Lernen haben.
Ein Muslim soll sein leben lang lernen, bis er zu ALLAH zurückkehrt. Daher sollte
man sich realistische Ziele setzen, diese in kleine Miniziele aufteilen und mit Geduld
verfolgen.
10. Gute Lehrer haben: Man soll nicht nur von Bücher lernen, sondern sich auch in
seiner Umgebung gute Lehrer suchen, von denen man lernen kann, denen man Fragen
stellen kann und die einen abfragen können.
2. Wie fängt man an zu lernen?
Wenn man sich erfolgreich Wissen aneignen will, muss man folgende drei Grundsätze
beachten:
1. Wer die Grundlagen nicht kennt, wird sein Ziel nicht erreichen.
2. Wer sehr viel auf einmal lernt, wird auch viel vergessen.
3. Wer sehr viel auf einmal lernt, wird nicht viel verstehen.
Man soll sich also zu erst Schritt für Schritt Wissen über die Grundlagen aneignen und
dabei nicht voreilig sein. Es ist wichtig klein anzufangen und die Grundlagen erstmal zu
verstehen, damit man weiss wie man mit dem Gelernten umgehen soll und wie man es
zuordnen soll. Es ist nicht richtig mal hier und mal dort was zu lernen, sondern es ist
wichtig systematisch vorzugehen und sich erstmal ein Überblick über das gesamte Wissen
und damit über alle Bereiche des Islam zu verschaffen.
Beim Lernen soll man wie folgt vorgehen:
1. Mit kleinen dünnen Büchern, oder Heften anfangen: Man soll am Anfang ein Buch
auswählen, dass klein ist, damit man sich die Grundlagen über den Islam aneignen
kann. Man sollte es also nicht übertreiben und nicht gleich mit großen und
schwierigen Büchern, oder mit Werken anfangen, die z.B. aus mehreren Bänden
bestehen, wie z.B. das Tafsir von Ibn Kathir, das aus 10 Bänden besteht. Man soll
wenn dann lieber zuerst aus einer Zusammenfassung (Muchtasar) solcher Werke
lernen.
2. Die Bücher richtig lernen: Das ausgewählte Buch muss man richtig durcharbeiten,
indem man es nicht nur durchliest, sondern auch vieles davon auswendig lernt. Man
soll speziell dafür ein Notizheft anlegen und darin die wichtigsten Notizen festhalten,
damit man immer wieder schnell das gelernte wiederholen kann. Es ist wichtig, dass
man zu jedem Thema Quranverse und Ahadith (Überlieferungen des Propheten)
auswendig lernt.
3. Das Gelernte prüfen: Man soll das Gelernte entweder vor einem Lehrer vortragen,
bzw. sich prüfen lassen, oder sich selber prüfen. Man kann auch einen Lernkreis
gründen, in dem man sich z.B. einmal die Wochen mit Geschwistern trifft, mit diesen
das Buch durchgehen und sich jede Woche über den Lernstoff abfragen.
4. Das was man gelernt hat, versuchen richtig zu verstehen und sofort umzusetzen:
Erst wenn man das Gelernte richtig verstanden hat und umgesetzt hat, kann man
weitergehen. Vorher nicht. Es reicht nicht nur auswendig zu lernen und Wissen zu
haben, sondern das wichtigste ist, dass man das gelernte auch versteht, verinnerlicht
und auch umsetzt.
5. Konsequent sein: Wenn man mit einem Buch angefangen hat, soll man auch dabei
bleiben und möglichst nicht zwischen den Büchern springen. Denn wenn man mehrere
Bücher gleichzeitig liest, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass man sie nicht zu Ende
durcharbeitet und nicht richtig davon lernt. Also besser ein Buch nach dem anderen
durcharbeiten.
6. Fleißig bleiben und realistische Ziele setzen: Man soll sich für jedes Buch Ziele
setzen, z.B. in dem man sich festlegt wie viel man davon pro Woche inschaALLAH
(so ALLAH will) durchgearbeitet haben will. Die Ziele sollten aber realistisch und
nicht all zu groß sein, so dass man immer wieder Erfolgserlebnisse haben kann. Man
muss sich dabei beobachten und schauen, welche Ziele für einen selber am besten
geeignet sind und eventuell anpassen.
3. Fragen die im Unterricht gestellt wurden
1. Das tägliche Lesen des Qurans:
Frage: Der Prophet (ALLAHs Segen und Frieden mit ihm) hat gesagt, dass man den
Quran mindestens einmal pro Monat durchgelesen haben soll, also nicht nur im
Ramadhan, sondern jeden Monat. Um das zu schaffen, muss man täglich ca. 1-2 Stunden
Zeit dafür widmen. Doch ist es schwer über das Gelesene richtig nachzudenken und Tafsir
dazu zu lesen, weil man so sehr viel auf einmal liest. Gibt es dafür eine Lösung? Wie sind
die Gefährten des Propheten (ALLAHs Wohlgefallen mit ihnen) dabei vorgegangen?
Antwort: Die Gelehrten empfehlen zwei Lesungen:
1. Einmal liest man den Quran so, dass man ihn mindestens
einmal im Monat durchgelesen hat, um dafür die Belohnung zu
erhalten, denn man kriegt für jeden Buchstaben 10 gute Taten
gutgeschrieben, und
2. zweitens geht man parallel dazu den Quran so durch, in dem
man immer nur ein paar Verse liest, über diese richtig
nachdenkt, darüber den Tafsir liest und versucht diese Verse
nach dem Vorbild des Gesandten (ALLAH Segen und Frieden
auf ihm) umzusetzen. Außerdem soll man dann diese Verse
auswendig lernen.
So sind die Gefährten des Propheten (ALLAHs Wohlgefallen mit ihnen) vorgegangen, sie
haben immer parallel zum normalen Lesen des Qurans 5-10 Verse auswendig gelernt,
versucht zu verstehen und in die Tat umzusetzen. Es wird überliefert, dass Umar, der 2.
Khalif (ALLAHs Wohlgefallen mit ihm) für die Surah al-Baqarah ca. 7-8 Jahre gebraucht
hat, damit er diese nicht nur auswendig gelernt, sondern auch richtig verinnerlicht und in
die Tat umgesetzt hat.
Der große Gelehrte Ibnu Taymiyya (möge ALLAH mit ihm Barmherzig sein) hat gesagt,
dass alles was Pflicht ist die Mittel dazu, diese Pflicht erfüllen zu können, auch zu Pflicht
macht. Es ist Pflicht den Quran zu lesen, daher ist das Lernen der arabischen Sprache auch
Pflicht.
Unterricht Nr. 1 vom 26.03.2008
4. Empfehlenswerte Bücher, mit denen man anfangen sollte
Bücher, die uns helfen sollen unsere Grundlagen aufzubauen. Manche sind für jeden
geeignet, manche nicht. Es kommt darauf an von wo man kommt. Die Rechtschule, die in
der Umgebung herrscht, diese sollte man zuerst lernen. Warum? Weil es z.B. in der
Türkei nur Gelehrten gibt, die sich mit der Madhab von Abu Hanifa richtig gut auskennen
und diese kann man bitten einen beim Lernen zu unterstützen. In anderen Gebieten sind
die Gelehrten in anderen Madhahib (Rechtschulen) spezialisiert.
Der Scheikh Bakr bin Abdullah abu Zaid, der das Buch „Haliyat Talibul 'Ilm (Schmuck
des Strebenden nach Wissen)“ verfasst hat auf dem dieser Unterricht basiert, kommt aus
Saudi Arabien und schlägt daher Bücher aus der Hanbalitischen Rechtschule vor.
1. Tauhid:
- Thalathat-Usul (Die drei Fundamente), von Abdul Wahhab: Wer ist dein Herr? Was
ist deine Religion? Wer ist der Prophet? (gibt es auf Englisch)
- Al-Qawaid al Arba’ (Die vier Grundlagen): Hier geht es um Sura al-Asr: 1. Iman, 2.
gutes tun, 3. sich die Wahrheit ans Herz legen, 4. sich zur Geduld ermahnen (gibt es
auf Englisch)
- Kitab al-Tauhid (gibt es auf Englisch und Deutsch), von Abdul-Wahhab
- Über die Namen und Eigenschaften ALLAHs: Al-Aqida al-Wasitiya. Von Ibn
Taymiyya.
Man fängt also mit kleiner Literatur an. Man braucht nicht gleich zu Beginn Aqida at-
Tahawiyya zu lesen (500 Seiten).
2. Arabische Sprache
- Al-Adschrumiyya (70-80 Seiten). Arabisch
- Viel mit dem Quran beschäftigen, wenn man Arabisch gut lernen will.
3. Hadith
- 40 Hadith Nawawi (kleines Büchlein, auswendig lernen)
- Grundlagen in der Hadithwissenschaft: Nukhbat al-Fikar; von Ibn Hadschar al
Asqalani
Wenn man sich mit Ilmul-Hadith (Hadithwissenschaft) beschäftigen will braucht man 5
Eigenschaften:
a. ein gutes Verständnis, damit man die Ding schnell lernen kann
b. Religion, dass man danach leben möchte und umsetzen möchte
c. Vernunft, ist eng mit Geduld verbunden: Geduld ist der Schlüssel für viele Bereiche
auch für Wissen
d. Grundlagen so aufbauen, dass man es versteht und aufbauen kann
e. Vertrauenswürdigkeit. Wer nicht vertrauenswürdig ist, von dem nimmt man kein
Wissen. Man lehnt es aus Angst das ab.
f. Das Wissen in erster Linie von den Gelehrten nehmen und nicht von den Büchern.
Wenn es keine gibt dann von den Büchern. Kontakt zu den Gelehrten knüpfen und
jede Gelegenheit nutzen. Sie können einem das Gelernte besser erklären.
4. Fiqh:
- Das Feine Benehmen beim gehen zur Moschee. Von Abdul-Wahhab.
- Zad al Ma’ad (Zusammenfassung)
- Uslul al Fiqh
5. Tafsir:
- Tafsir Ibn Kathir (Zusammenfassung)
- Taysir Karim al-Mannan (kurz), Abdurrahman As-Sa’di
- Muqaddima fi Tafsir, Ibn Taymiyya
6. Sira:
- Ibn Hischam
- Abdul-Wahhab: Mukhtasar von Ibn Hischam
Viel mit dem Quran beschäftigen, wenn man Arabisch gut lernen will.
Man soll darauf aufpassen von wem man sein Wissen nimmt. Viele die Vorträge halten, sind
keine Gelehrte. Das sind Menschen die sich Mühe geben, das Gelernte weiterzugeben. Wenn
man Wissen weitergibt bekommt man nicht nur Belohnung, sondern festigt auch sein Wissen,
da man es durch das Lehren wiederholt.
Die Fundamente richtig lernen, sonst braucht man viel Zeit zu korrigieren. Sonst ist es zu
verankert, dass man die Fehler nicht mehr rauskriegt.
5. Das feine Benehmen des Schülers mit dem Gelehrten
Warum ist das Thema wichtig? Weil wir von diesen Personen Wissen nehmen. Es besteht
daher eine Beziehung zwischen uns und dieser Person.
Das Wort Respekt:
Was ist Respekt? Respekt gegenüber dem Lehrer/Gelehrten.
1. Feine Benehmen beim Reden und Zuhören
Es fängt schon beim Kennenlernen an. Wie rede ich mit ihm? Wie stelle ich Fragen? Wie
höre ich zu? Bin ich jemand der gerne zuhört? Nehme ich mir Zeit um das was der
Scheich sagt aufzunehmen? Habe ich die Fähigkeit, oder bin ich eine Person die jemanden
unterbricht? Der Scheich fängt an zu beten und hat nicht mal seinen Satz zu Ende gebracht
und ich unterbreche ihn. Man soll schon den Scheich ausreden lassen. Auch im Alltag bei
anderen Leuten immer ausreden lassen, egal bei welcher Person (ob Mutter, Kind,
Arbeitskollege) und auf das gesagte passend reagieren und antworten und zu diskutieren.
Sonst bekommt er von mir falsche Argumentationen.
2. Feine Benehmen bei der Körperhaltung und wie wir uns zeigen
Körperliche Haltung: wie halte ich das Buch? Wie gehe ich mit den Büchern um? Pflege
ich sie oder mache ich sie kaputt? Man soll ihm zeigen, dass man wirklich Wert an das
Wissen legt und das Wissen auch respektiert. Wie verhalte ich mich vor dem Scheikh?
Das beeinflusst ihn.
Weil wenn diese Person an unserer Körpersprache merkt, dass wir kein Interesse haben,
dass wir z.B. keine Notizen machen etc., dann verliert sie die Motivation uns zu lehren.
Sie hat es schon drauf, wir brauchen aber das Wissen von ihm.
3. Dass man darauf verzichtet viele Diskussion mit Lehrer und Mitschüler
anzufangen, bzw. die sinnlos sind die uns nicht weiterbringen
Was habe ich mit dieser Diskussion gemeint? Was will ich damit erreichen? Werde ich
danach mehr Wissen haben oder nicht?
Zeigen dass man das ganze ernst nimmt. Das man Interesse hat an dem was er sagt. Das
man auch Interesse hat zuzuhören, Wissen anzueignen und weiterzugeben.
Wir sollen den Eindruck geben, dass man Aufnahmefähig ist.
Wir sollen auf sinnlose Diskussionen verzichten. Denn die Zeit für einen Muslim ist sehr
wichtig. Die Zeit richtig ausnutzen, um inschaALLAH nach vorne zu kommen.
4. Aus Respekt vor dieser Person soll ich ihm immer den Platz lassen
Dass er z.B. als erstes antwortet. Wenn wir mit ihm zusammen irgendwo hingehen, dass
wir versuchen ihm den ersten Platz zu lassen, dass er immer vor uns ist, dass wir ihm
zeigen, dass er eine Respektperson ist. Das ist aber abhängig von den Sitten des Landes.
Wenn das bei bestimmten Gesellschaften wichtig ist, dass er immer vorne sitzt, dann soll
man ihm den Platz auch wirklich lassen. Ihm nicht zuvorkommen. Sachen die hier als gut
bewertet werden, gelten wo anders nicht und so weiter. Daher soll man beachten wo
welche Regeln herrschen und sich daran anpassen.
Wenn das ganze nicht so wichtig ist, dass man solche Verhaltensweise halten, dann egal.
5. Dass man darauf achtet, dass man bei einem Vortrag bis zum Ende zuhört und
nicht dazwischen redet, sondern die Fragen erst am Ende stellt (das ist ähnlich wie
Punkt 1). Erst wenn der Lehrer fertig ist, kann man Fragen stellen und diskutieren und
dabei auch auf das Benehmen achten. Respektlos ist, wenn man darauf besteht, dass
er uns eine Frage beantwortet. Vielleicht will er die Antwort später beantworten, unter
4 Augen z.B. oder wo man in Ruhe genug Zeit dafür hat. Nicht fragen „warum gibst
du mir keine Antwort“ etc., sondern es akzeptieren, dass der Scheich noch wartet und
nichts sagt. Man darf ihn nicht kritisieren, dass er z.B. Wissen vorenthält. Vielleicht
will er sich noch informieren. Nicht darauf bestehen, dass die lehrende Person sofort
auf jede Frage eine Antwort gibt, dem Gelehrten die ausreichende Zeit zum Antworten
geben, zuvorkommend und geduldig sein.
6. Wie rufen wir diese Person? Sei es ein Gelehrter oder kein Gelehrter. Wenn die
Person ein Gelehrter ist, dann ist es im Arabischen Raum nicht ok zu sagen YA
Scheikh (Oh Schaikh) oder Ya Muhammad (Oh Muhammad). Sondern Ja Schaikhi,
also mein Gelehrter.
Hier im Westen ist das aber unüblich, man sagt hier ja Herr, Frau etc. Man sagt nicht
mal Prof, Dr. etc.
Es ist sehr wichtig auf die Ansprache (Titel) des Lehrers zu achten wie z.B. Sheikh sei
es eine lehrende Person oder ein Gelehrter. Ya Rasulallah, Ya Nabiallah, also mit Titel
anrufen. Es ist sehr wichtig auf die Ansprache (Titel) des Lehrers zu achten wie zb.
Sheikh sei es eine lehrende Person oder ein Gelehrter.
7. Keine Desinteresse zeigen: Wenn man mit der Person zusammen ist, soll man ihm
nicht zeigen, dass man mit dem was er einem bietet nicht zufrieden ist. Nicht zeigen,
als wäre das was er uns sagt nicht so wichtig, weil man das schon weiss etc. Nicht
zeigen, dass einem das nicht interessiert. Es kann sein, dass man das schon kennt, was
der Scheikh schon kennt, aber nicht alle wissen das.
8. Was wenn der Scheikh was Falsches sagt, soll man ihm das sagen? Wenn der
Vortrag aufgenommen wird, dann muss man sofort auf den Fehler hinweisen,
entweder während des Vortrags oder am Anschluss, damit man dran arbeitet die
Aufnahme mit sowenig Fehler wie möglich online zu stellen. Wenn aber der Fehler,
der gemacht wurde nichts Schlimmes, nichts Gravierendes ist, was nur sprachlicher
Natur ist, aber nicht den Sinn verändert und man versteht was der Scheikh sagen will,
und man deshalb meint, dann braucht man ihn nicht darauf aufmerksam zu machen,
dann kann man es sein lassen. Wenn er eine Meinung repräsentiert, dann kann man
noch hinzufügen, dass noch eine andere vertretbare Meinung gibt, muss aber nicht
sein. Es ist kein Fehler. Wenn ich der Meinung bin der Vortragende hat einen Fehler
in seiner Rede, kann ich ihn auf seinen Fehler hinweisen und korrigieren, wenn aber
der Fehler nicht besonders gravierend und schlimm ist, dann sollte ich ihn während
des Vortrages nicht stören, am besten erst am Ende auf den kleinen Fehler hinweisen
9. Es gibt manche Leute, die ein bisschen was draufhaben gerne einen verbalen
Krieg mit dem Gelehrten führen wollen. Z.B. es wird eine Frage gestellt und der
Sheikh antwortet, aber dann kommen Fragen wie: „was wenn, was wenn was wenn,
wenn…“, also unendliche viele Fragen, die kein Ende nehmen. Und „ich denke und
finde und …“ usw. Sowas darf man nicht tun.
10. Was wenn man einen Scheikh wechseln möchte, nach dem man schon angefangen
hat bei einem zu lernen? Es ist besser man geht zum Scheikh und sagt ihm, ich habe
bei dir das und das gelernt und möchte gerne zu dem und dem Scheikh gehen, um
noch das und das zu lernen. Also dem Scheikh bescheid sagen, warum man wechseln
möchten, mit Respekt. Z.B. weil ein anderer Scheikh spezialisiert ist in einem anderen
Thema. Aber man muss feinfühlig sein, dass man dem Scheikh nicht verletzt. Wenn
das ein guter Gelehrter ist, dann wird er einem sogar jemanden gutes empfehlen.
Wenn er meint, der Scheikh den man gewählt hat, ist nicht der passende, dann wird er
das sagen: Wenn du unbedingt geht willst, dann geh zu dem und dem Scheikh. Und so
bleibt man im guten Kontakt mit dem ersten Scheikh. Wenn man z.B. zum anderen
geht und merkt, mein erster Scheikh ist doch besser, warum bin ich denn gegangen.
Und wenn man aufeinmal aus dem Unterricht verschwindet, wird er sich sorgen
machen (habe ich was Falsches getan? Warum kommt er nicht? Ist was passiert?).
Wenn man die lehrende Person, oder den Sheikh, bei dem man solange schon lernte,
wechseln möchte, bzw. jemand anderen bevorzugt, zu einem in unseren Augen
"besseren" Sheikh, diesen Wechsel nicht ohne sein Wissen tun, sondern den Sheikh
vorher nach seiner Empfehlung fragen, ob das ok ist.
11. Drauf achten, dass man sich vor dem Scheikh nicht erniedrigt. Manche verhalten
sich wie Kinder, verbeugen sich, sagen oh mein Herr etc. Man soll das nicht machen.
Das ist übertrieben. Man soll schon die Person achten, aber auch normal sein und
respektvoll sein und sich nicht vor dem Gelehrten erniedrigt. Der Gelehrte will
richtige Männer und Frauen sehen die selbstbewusst sind und nicht sich vor ihm wie
Sklaven verhalten. Man soll Achtung vor sich selber haben. Man soll sich selbst auch
respektieren und der Gelehrte hat einen auch zu respektieren. Es beruht auf
Gegenseitigkeit. Denn der Scheikh ist da um mir zu helfen, er ist nicht mein Gebieter.
12. Man soll zeigen, dass man von seinen guten
Charaktereigenschaften/Verhaltensweisen lernt und nicht nur von dem was er
sagt. Er will nicht dass wir uns erniedrigen, sondern, dass wir seine
Charaktereigenschaften die gut sind, aneignen. Man soll ihn als Vorbild nehmen,
damit man von seinem Wissen profitieren kann. Das Wissen ist nicht nur das, was er
sagt. Das was er sagt ist nur ein Teil des Wissens. Seine Verhaltensweise ist an sich
ebenfalls ein Wissen. Die können wir nicht trennen vom Wissen, das vorgetragen
wird. Wir sollen von beiden Arten des Wissens nehmen. Man soll lernen wie er bei
bestimmten Dingen Situationen reagiert. Denn das kann man nicht immer von
Büchern lernen. Warum geht er so und so, und nicht anders? Immer gut beobachten,
wie reagiert der Sheikh auf bestimmte Fragen, wie reagiert er auf fragende Personen,
die z.B. nicht immer die schönsten Absichten haben.
13. Je fleißiger die Schüler sind, desto fleißiger ist der Scheikh. Wenn er merkt „ich
habe fleißige und aufmerksame Schüler“, dann wird er mehr bieten und das immer
besser und umfangreicher. Wenn er aber merkt, „sie alle haben keine Lust“, dann
verliert er auch die Lust, ihnen das Wissen weiterzugeben. Je mehr wir aus den
Vorträgen holen, desto mehr Wissen haben wir. Deswegen müssen wir ihm helfen und
zeigen, dass wir großes Interesse haben, damit wir noch mehr und besser lernen
können.
14. Von einer Person die auf Bid’a (Neuerungen), besteht kein Wissen nehmen, denn
das ist dann ein Mu’tadir. Ein guter Gelehrter, der ein Fehler gemacht hat, wird
ALLAH um Vergebung bitten und nicht darauf bestehen. Wenn man vom schlechten
Gelehrten weggeht und er merkt dass keiner mehr Wissen von ihm haben will, weil
sein System falsch ist und auf Bid’a aufbaut, dann wird er vielleicht aufwachen und
sein System überdenken.
6. Das feine Benehmen mit den Mitschülern
Wenn wir alle vor einem Scheikh sitzen, wie gehen wir miteinander um? Wie gehen wir mit
den Kommilitonen um?
1. Nimm dich in Acht vor schlechten Freunden, in dem du dich von diesen Leuten
entfernst, oder zumindest richtig mit ihnen umgehst. Denn das Benehmen ist ansteckend, man
wird von den Menschen beeinflusst, entweder zum guten oder zum schlechten.
Sind deine Freunde dir eine Bereicherung? Wenn ja? Dann bleib bei denen.
Drei Arten von Freunde:
1. Freunde die einen ausnutzen, weil sie von dir was bekommen möchten. Wenn sie
bekommen haben was sie brauchen, dann entfernen sie sich von dir.
2. Freunde die Spaß haben wollen. Wenn sie merken sie haben keinen Spaß mehr mit
jemand, dann sind sie nicht mehr sein Freund.
3. Freunde die mit dir sein möchten, weil sie ALLAH fürchten, weil sie mit dir sein
möchten, weil sie mit dir lernen möchten, nicht um zu konkurrieren. Rechtschaffene
Menschen und Mitschüler sind Leute die wir suchen.
2. Behandle deine Mitschüler so wie du erwartest, dass sie dich behandeln.
3. Hege keinen Hass gegen sie.
4. Unterdrücke den Groll, gegenüber ihnen.
5. Respektiere diese Menschen, so werden sie dich auch respektieren.
6. Wir sollen drauf achten, dass wir uns ergänzen sollen.
Literatur
„Haliyat Talibul 'Ilm (Schmuck des Strebenden nach Wissen)“, von Scheikh Bakr bin
Abdullah abu Zaid
Unterricht Nr. 2 vom 09.04.2008
Der Inhalt ist aus dem Mittwoch-Paltalk-Unterricht des WALI Bildungs- und
Begegnungsstätte e. V.
Referent: Abdelsalam Ghazalin
Unterrichtsnotizen von Hadhemi Gafsi
(Die Notizen können Rechtschreibfehler enthalten. Es sind lediglich Stichpunkte.)
Stand: 08.02.2009
Quelle: Islam-verstehen
QUELLE: Schwesternforum kalima4allah.woman4um.com