
As Salam Alaikum,
Die Islamische Aqida
Der Begriff „al-Aqida“[1] entsprießt aus der arabischen Wortwurzel „al-Aqd“, was so viel Signifiziert, wie ein Knoten an sich zu binden bzw. etwas fest an sich zu binden. Darauf gestützt haben die Gelehrten der Sunnah folgende Bestimmung abgeleitet: „Ma Aqada alaihi al-Qalb – Was das Herz mittels eines Gewissenhaften Beweis umschlingen hat.“ Das islamische Überzeugungsfundament steht weder zur Unterredung, noch ist es den niederträchtigsten Ungewissheiten untergeben, vielmehr stimmt es mit der Natur des Menschen überein, Überzeugt den Verstand und Pflanzt im Herzen die gewissenhafte Ruhe hinein. Das islamische Überzeugungsfundament (al-Aqida) wird, wie folgt von den Imamen der Ahlu Sunnah Wal Jammah Definiert: „At-Tasdiq ul Jazam al-Mu´tabbit lila Waqih an Dalil Qati – Die Absolute Überzeugung, die sich auf die Realität stützt und die sich durch Definitive Beweise zusammensetzt.“[2] Desweiteren wird der Begriff „al-Aqida“ in den Offenbarungstexten verwendet, wie etwa in den kommenden Worten, des Segensreichen:
"Und gebt denjenigen, mit denen ihr einen Vertrag (Aqadat) geschlossen habt, ihren Anteil! Gewiss, Allah bleibt immer über alles Zeuge." (Sure an-Nisa, Vers.33)
D.h. einen Vertrag abzuschließen, wo beide Seiten sich einig sind.
Und Allah, der Allerhabene, sagt:
"Doch Er wird von euch für das Rechenschaft fordern, was ihr mit Bedacht geschworen (Aqadtum) habt." (Sure al-Maida, Vers.89) 
Das mit „Bedacht geschworen“ umschriebene Prädikat ist hier „Aqqada/Ta’qid“, welches dann angewendet wird, wenn man Festigkeit im Herzen hat. Man kann in der arabische Sprache „Aqada’l-halb – Das Seil ist gebunden“, sagen, d.h. etwas wurde festgezogen. Der Begriff al-I’tiqad[3] wurde ebenso von dieser Wurzel abgeleitet. Der Satz „A’taqatdu kadhaa – Ich glaube so und so“, impliziert: Ich bin darüber in meinem Herzen Definitiv überzeugt; dies ist eine rationale Überzeugung.
Die Islamische Aqida ist dementsprechend eine Angelegenheit des Wissens, welche weder Spielraum für Ungewissheiten oder Idschtihad[4] hergibt Dies Impliziert, dass sie (die Aqida) auf absolute Beweise aufbauen muss, wodurch die absolute Gewissheit im Herzen entsteht und es keinem Freiraum für Vermutungen oder Zweifel hergibt. Denn eine Überzeugung ohne Beweis stellt keine Überzeugung dar. Es handelt sich erst dann um eine absolute Überzeugung, wenn sie einem Beweis entspringt. Fehlt jedoch der Beweis, findet sich keine Absolutheit vor und es handelt sich in diesem Fall lediglich um die Bestätigung einer Nachricht und kann daher nicht als Iman betrachtet werden. Aus diesem Grund ist es unerlässlich, dass die Überzeugung auf einem Beweis beruht, damit eine Absolutheit vorhanden ist. Die Islamische Aqida gliedert sich hinsichtlich der Beweisart in zwei Bereiche ein; Rational (al-Aqliyy) oder Übertragener (al-Naqliyy) Natur. Der Faktor, der darüber bestimmt, ob es sich um einen rationalen oder übertragenen Beweis handelt, hängt vom jeweiligen Sachverhalt ab, der als Beweis für die Islamische Aqida herangezogen wird. Ist der Sachverhalt real und sinnlich wahrnehmbar, so ist sein Beweis definitiv rationaler und nicht übertragener Natur. Ist der Sachverhalt nicht mit den Sinnen erfassbar, so ist der ihm zugrunde liegende Beweis übertragener Natur. Allerdings ist dieser übertragene Beweis selbst sinnlich wahrnehmbar, d. h. die Tatsache, dass es sich dabei um einen Beweis handelt, fällt unter die sinnliche Wahrnehmung und wird von den Sinnen des Menschen erfasst. Somit hängt die Bestätigung eines Übertragenen Beweises, der für den al-I’tiqad geeignet ist, davon ab, ob durch einen rationalen Beweis erwiesen ist, dass es sich bei ihm (wirklich) um einen Beweis handelt. Die Überzeugung, dass Allah, der Segensreiche, Existiert ist rationaler Natur, sowie das Muhammad (Allahs Segen und Friede auf ihm) der Gesandte Allahs ist und dass der Heilige Koran, die wahren Worte Allahs sind. Der Glaube an die Engel, Seine zuvor geoffenbarten Schriften, Seine zuvor entsandten Propheten und Gesandten, der Tag der Auferstehung, sowie die Überzeugung an al-Qada wal Qadr im Guten wie im Schlechten, sind hingegen übertragener Natur.
Im Bereich der übertragenen Beweise ist es Verboten den Verstand zum Maßstab seiner Untersuchung zu machen, dies weil der Verstand jene Sachen nicht Wahrnehmen kann, was Impliziert, dass z.B. über die Eigenschaften Allahs nachgedacht wird im Sinne der Rationalen bzw. Philosophischen Ebene. Auch umschreibt es den Weg der Scholastiker[5] die den Verstand unweigerlich zur Grundlage für den Koran und nicht den Koran zur Grundlage für den Verstand machten. Die Untersuchung jeder Angelegenheit führte bei ihnen (Scholastiker) zu einer Ansicht. Wenn sie nun zu einer Ansicht gelangt waren, gingen sie an jene Verse heran, die ihrer Ansicht zu widersprechen schienen und begannen, sie umzuinterpretieren (at-Ta’wil). Somit war die Uminterpretation das erste Merkmal der Scholastiker. Wenn ihre Untersuchung sie dahin leitete, dass Allah über Richtung und Ort erhaben ist, interpretierten sie jene Ayat, die erkennen lassen, dass Er sich im Himmel befindet, um. Ebenso interpretierten sie die „Erhebung“ (Allahs) auf dem Thron um. Wenn ihre Untersuchung sie dahin führte, dass das Ausschließen einer Richtungsbehaftung im Falle Allahs es notwendig macht, dass die Augen der Menschen ihn unmöglich sehen können, interpretierten sie jene Berichte um, die erwähnen, dass die Menschen Allah sehen werden. Somit war die Uminterpretation ein Wesensmerkmal der Scholastiker, das sie am deutlichsten von den früheren Muslimen unterschied. Die Scholastische Denkweiße wurde auf übelste von den as-Salaf al-Salihin[6] und jene Gelehrten, die Ihnen in ihrer Methodik folgten auf schärfste verurteilt und verpönt. Dies weil der Kalam[7] eine gegensätzliche Herangehensweise darstellt, als es Allah, der Segensreiche, von uns verlangt. Die Untersuchungsmethode der muslimischen Scholastiker ist, dass sie an Allah und Seinen Gesandten (Allahs Segen und Friede auf ihm) und an das, womit der Gesandte gekommen war glaubten. Dies wollten sie nun mit rational-logischen Darlegungen beweisen. Danach begannen sie sich mit der Zeitlichkeit der Welt zu beschäftigen und der Beweisführung, dass alle Dinge zeitlich (d. h. begrenzt) sind. Sie fingen an, diese Untersuchungen auszudehnen. Und so öffneten sich ihnen neue Themenbereiche samt all ihren Zweigfragen, die sie bis zum Ende ihrer logischen Schlussfolgerungen untersuchten. Sie untersuchten nicht etwa die Koranverse, um sie zu verstehen, wie es die Methode der ersten Muslime war und es vom Koran auch beabsichtigt ist. Vielmehr glaubten sie daran und begannen, Beweise für das aufzustellen, was sie aus diesen Versen verstanden haben. Dies war der eine Aspekt ihrer Untersuchungen. Was den zweiten Aspekt anbelangt, nämlich die Betrachtung der mehrdeutigen Koranverse (Mutaschabihat), so gaben sich die Scholastiker mit dem Allgemeinverständnis dieser Verse ohne detaillierter Untersuchung nicht zufrieden. Sie gingen allen Versen nach, zwischen denen ein Widerspruch auftreten könnte, wie die Frage von Zwang und freiem Willen oder jene Ayat, die eventuell auf eine Verkörperung Allahs, des Erhabenen, schließen ließen und stellten diese zusammen. Sie ließen ihrem Verstand darüber freien Lauf und wagten, was niemand außer ihnen gewagt hat. Auf diese Weise führte das Erheben des Verstandes zur Grundlage für den Koran zu Fehlern bei der Untersuchung selbst und bei dem, was untersucht wurde. Imam Abu’l Mudthaffar al-Sam’ani (Möge Allah Wohlzufrieden mit ihm sein) sagt diesbezüglich: „Wahrlich sie machen ihren Verstand zu Rufern zu Allah und sie nehmen ihn als eine Art Gesandten bezüglich dem, was zwischen ihnen ist. Wenn also jemand sagt: „Niemand ist der Anbetung würdig außer Allah und mein Verstand ist der Gesandte Allahs“, so ist es nicht verwerflich, im Sinne seiner Bedeutung dies den Leuten des Kalam zuzuschreiben.“[8]
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[1] Es ist das Überzeugungsfundament bzw. die Glaubensgrundlage; es beinhaltet all jenes was Allah, der Segensreiche, offenbarte
[2] Ali Ibn Muhammad Ibn Ali al-Jurjani: Kitab at-Ta’rifaat
[3] Festbinden bzw. Festmachen
[4] Al-Kamal al-Din Ibn al-Human al-Hanafi sagt: „In der islamischen Fachterminologie bezeichnet es die Urteilsfindung eines Mudjtahid-Faqih (Rechtsgelehrten), der unter Einsatz seines gesamten Vermögens zu einer speziellen Angelegenheit, wozu im Buch, in der Sunna und in dem vorhandenen Idschma keine absolute (direkte) Aussage vorhanden ist, zu einem (im islamischen Fiqh gültigen) Resultat findet.“ [At-Tahrir: 3:291]
[5] Arab. Mutakalimun: Bei allen Scholastikern stachen zwei allgemeine Merkmale hervor: Erstens: In ihren Beweisführungen stützten sie sich auf die Logik und die Weiterentwicklung ihrer Thesen, nicht aber auf die sinnlich wahrnehmbaren Dinge. Zweitens: Sie pflegten die Uminterpretation jener Koranverse, die ihren Schlussfolgerungen widersprachen
[6] Lauteren Altvorderen
[7] Scholastische Untersuchungsmethode
[8] Ismail Ibn al-Fadl: al-Hudscha, 83/Alif.
Fortsetzung Folgt - So Allah will -