Circles of Responsibility – Erst ich, dann die Ummah

16 Kommentare

von Yahya ibn Rainer

Es ist eine gewaltige Erleichterung im Leben, wenn man ein komplett gefestigtes Weltbild hat, wenn sich also im groben Blick auf den Menschen und seine gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Handlungen – und den daraus resultierenden Konsequenzen – keine großen Fragen mehr auftun.

Wer ein solches Weltbild in sich trägt, sucht nicht mehr nach Antworten, sondern stellt mit teils größter Verwunderung fest, dass sich dieses Weltbild nur noch bestätigt oder komplettiert, wenn man die Literatur der Weisen liest, die sich auf Beobachtung und Analyse beschränkten und nicht in spekulativen und rationalistischen Konstrukten ergingen.

Eine solche Bestätigung erfuhr mein Weltbild auch von dieser simplen Grafik, die ein muslimischer Gelehrter mir und einigen anderen Glaubensgeschwistern im Rahmen eines Seminars vorführte.

circles

Es ist eigentlich völlig unkompliziert und betrifft uns Muslime in fast allen Bereichen unseres Lebens. Ob wir nun religiös, gesellschaftlich/sozial, politisch oder wirtschaftlich agieren, unsere erste Verantwortlichkeit und Zuständigkeit gilt erst einmal UNS SELBST.

WIR kontrollieren UNSERE Handlungen und sind somit auch selbst dafür verantwortlich. Erst wenn wir – in Sorge um unseren eigenen Zustand – die uns zur Verfügung stehenden Energien und Mittel einsetzen, dann sind wir auch in der Lage – und in der Verantwortlichkeit – dieses für unsere nächsten Verwandten zu tun. Und erst wenn wir dieser Verantwortung gerecht geworden sind, DANN können wir uns der Gemeinschaft widmen in der wir leben.

Und auch hier gibt es Stufen. Der Nächste zur Familie ist der direkte Nachbar, dann kommt der etwas weiter entfernt lebende Nachbar … und so breitet sich der Zirkel der Verantwortlichkeit und Zuständigkeit immer weiter aus.

Wenn diese Handlungsdirektive überall von den Menschen eingehalten werden würde, dann gäbe es sicherlich weniger Chaos und experimentelle Politik auf dieser Welt.

Der Mensch muss in erster Linie egoistisch denken und handeln, und jede Ideologie die euch weismachen möchte, dass zuerst das Volk, die Gesellschaft, der Stamm, die Partei, die Ummah oder irgendein anderes Kollektiv Priorität hat, der lügt oder ist unwissend.

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16 Antworten auf “Circles of Responsibility – Erst ich, dann die Ummah”

  1. Feminismus ist vom Shaytan

    Zustimmung insbesondere zum letzten Satz( und zur Grafik) – und allein deswegen ist der Manhaj politisierter Sekten vor allem wie der Muslimbruderschaft – (parteien-) politischer Aktivismus – komplett abzulehnen.
    Dawah, Tarbiyah und Tasfiyah und das unbedingte, beharrliche Umsetzen sind der Weg zur Reformation der Ummah sowie der Rückkehr dieser zu Ehre und Stärke.

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  2. Feminismus ist vom Shaytan

    Und dies – Dawah – beginnt mit der Familie wie es der Koran gebietet, der sinngemäß die Muslime auffordert, in allererster Linie sich und die eigene Familie vor der Hölle zu schützen.
    Die Frage, die sich die Muslime, die im Westen vor allem leben, fragen sollten, ist: Bin ich hierzu in einer westlichen Umgebung – mit allem, was dies einschließt und impliziert – auch nach eigenen besten Kräften und Möglichkeiten wirklich optimal in der Lage?

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    • Emre

      “in allererster Linie sich und die eigene Familie vor der Hölle zu schützen.“

      Ich kann mich nicht daran erinnern, was von “in aller erster Linie“ gelesen zu haben.

      Allah swt redet nur davon, sich und seine Familie vor dem Feuer zu retten. Eine Prioritätensetzung in Bezug auf Ummah etc. habe ich so noch nie gesehen.

      Einfach deshalb, weil es diese Abgrenzung so nicht gibt, seit wann ist ein augenblicklicher guter Umgang mit Muslimen und Bedürftigen in Konkurrenzkampf mit den eigenen Befürnissen?

      Hat der Prophet sas jemals einen Bittenden abgewiesen mit dem Hinweis, seine eigene Kinder bräuchten etwas?

      Haben nicht Sahaba ihr Vermögen für die Ummah gespendet?

      Sicher haben sie sich auch um sich gekümmert, aber nie mit dem Bewusstsein, wie er dieser Artikel vermittelt.

      Aber lerne ruhig weiter in deinen Seminaren und beschimpfe ganze Gelehrtenscharen als Lügner und Unwissende.

      Unfassbar, wie man hier mit wenigen Zeilen komplexe Themen abschließend beurteilt und abweichende Meinungen als Lügen und Unwissenheit (sic!) bezeichnet.

      I

  3. Abdullah

    As salamu alaikoum
    Ist der Text oben von einem Kafir verfasst worden?
    Es kommt mir als ob das der Thomas, Markus oder sonsteiner Muschrik-Westler-Materialist und Egoist geschrieben hat?

    Könnte ma bitte ein paar islamische Beweise für die westlichen Egoismus bringen?
    Baraka Allahu fiik

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  4. bint Nuh

    Assalamu aleykum, ich weiche vom Thema ab, aber kann man mir eine Masjid in Ankara empfehlen (bitte möglichst noch vor ‚Îd/ Bayram)?

    Danke im Voraus

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  5. Emre

    Bitte erste Fassung meines Kommentares löschen, da völlig wirr.

    Der Begriff Egoismus passt per Definition nicht mit dem zusammen, was der Autor uns vermitteln möchte.
    Egoismus wird mit Selbstbezogenheit materieller oder sonstiger Art assoziiert.
    Eines der widerlichsten Zustände, die ein Muslim annehmen kann.
    Sobald also ein Moslem halbwegs islamisch lebt, ist sehr wohl die Ummah wichtiger als der Einzelne, wobei das komplizierter ist. Im Regelfall gibt es gar keinen Konflikt, es ist eine Wechselbeziehung. Aber die ein oder andere Aktion sollte danach abgewogen werden, ob es der Ummah schadet oder nützt, unabhängig davon, wie es mich trifft (materiell)

    Der Autor sollte also vielleicht einen anderen Begriff wählen.

    Bspw., dass der Islam erst in einem selbst brennen muss, ehe man es bei anderen entzünden will.

    Mir geht es nur darum, dass die Begriffe unglücklich gewählt sind und einen falschen Eindruck über islamische Ziele erwecken könnten – etwas, was der Autor nicht verantworten kann vor Allah swt.

    Das Ganze findet im Aufopfern des eigenen Lebens für die Religion seinen Höhepunkt, in dem Spenden an die Bedürftigen, das Vernachlässigen irdischer Vergnügungen, um sich dem Gottesdienst hinzugeben.
    Das Loswerden von Habgier usw, usf.
    Wie sagt Allah swt? Eure Frauen und Kinder sind einer Versuchung, ebenso euer Besitz (sinngemäß).

    Und ganz allgemein: Euer Duktus ähnelt dem westlicher Schreiber und Denker mehr als dem der Muslime.

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  6. Emre

    Außerdem besteht die Gefahr, dass die Leute diese Ansicht als Ausrede verwenden, um ihr Geldvermögen nur noch innerhalb ihrer Familie kreisen zu lassen, obwohl sie einen zu spendenden Überschuss haben.

    Und lobt Allah nicht in einem Hadith einen Sahaba, der einen Gast empfing und ihm Essen gab, in einen anderen Raum ging und so tat, als hätte würde er essen, obwohl er nichts mehr zu essen hatte auf Grund des Gastes? Er wollte seinen Gast nicht bedrängen und lieferte jene Show ab.

    Nach diesem Artikel hat er also falsch gehandelt?

    Vielleicht habe ich aber einfach was falsch verstanden.

    Der Sohn Adams wird immer irgendwas finden, was er angeblich benötigt. Und gemäß der im Artikel vertretenen Ansicht hat er Recht damit, notfalls bis an sein Lebensende seine Interessen zu stillen?

    Ja, ich weiß, der Autor schrieb was davon, dass man ab einem gewissen Punkt sich um die Ummah kümmern muss.

    Aber hier fehlt Weisheit. Viele Muslime würden plötzlich ihre Habgier als islamisch legitimiert betrachten und kein schlechtes Gewissen mehr haben, wenn sie ein Bedürfnis nach dem anderen befriedigen, während links und rechts von ihnen weniger Vermögende auf Hilfe warten.

    Es hat schon seinen Grund, wieso die meisten ahahdith und Ayats zu diesem Thema eher nicht nach dem “Du, du, du – erst dann (vielleicht) die Ummah)-Prinzip verfasst sind, sondern pausenlos vor dem eigenen Ego, Besitztümern und Besorgtheit um das Diesseits warnen.

    Antworten
    • Abdullah

      As salamu alaikoum
      Wie geht dieser Hadith sinngemäß, wenn dein Nachbar hungert und du Suppe kochst, dann füge mehr Waasser hinzu und gib deinen Nachbar auch was!!!!
      Hier steht nicht, dass man weniger Wasser geben soll und an sich denken soll!!

  7. Emre

    “Der Mensch muss in erster Linie egoistisch denken und handeln“

    Das ist das Unislamischste, was ich je in meinem Leben gehört habe.

    Wenn es ein Thema gibt, dass Allah und sein Prophet sas verteufeln, dann ja wohl, in erster Linie egoistisch zu denken und zu handeln.

    Falls du Egoismus in Hinsicht auf das Retten des Seelenheils meinst, dann ist nichts, was jemand unter dem Begriff Egoismus abarbeiten würde.

    Calvinismus braucht der Islam nicht.

    Antworten
  8. Emre

    Okay, habe mich schlau gemacht über den Autor und sehe, woher der Wind weht.

    Bevor ich jetzt einiges zitiere: Ich bin für den freien Handel und empfehle jedem Muslim, so erfolgreich und vermögend wir nur möglich zu werden. Und dennoch geht die Gewichtung der Themen Besitz und Reichtum durch den Autor viel zu weit und er setzt sich dem Verdacht aus, schlicht und einfach demselben ausgesetzt zu sein, über das Allah und sein Prophet Folgendes sagten bzw. zu kritisieren hatten:

    “Asmah related that the Prophet said: Spend, and do not count, lest Allah counts against you. Do not withhold your money, lest Allah withholds from you. Spend what you can. (Bukhari, Muslim)

    „O you who believe! Lo! many of the (Jewish) rabbis and the (Christian) monks devour the wealth of mankind wantonly and debar (men) from the way of Allah. They who hoard up gold and silver and spend it not in the way of God, unto them give tidings (O Muhammad) of a painful doom“

    Usama (may Allah be pleased with him) narrated that the Messenger of Allah (may Allah’s peace and blessings be upon him) said: “I stood at the gate of Paradise and saw that the majority of the people who had entered it were poor people, while the rich were forbidden (to enter along with the poor, because they were waiting the reckoning of their accounts), but the people of the Fire had been ordered to be driven to the Fire. And I stood at the gate of the Fire and found that the majority of the people entering it were women.” [Bukhari : Book 8 : Volume 76 : Hadith 555] And ‚Amr bin ‚Auf (may Allah be pleased with him) narrated that the Messenger of Allah (may Allah’s peace and blessings be upon him) said: ‚“By Allah, I am not afraid that you will become poor, but I am afraid that worldly wealth will be given to you in abundance as it was given to those (nations) before you, and you will start competing with each other for it as the previous nations competed for it, and then it will divert you (from good) as it diverted them.”‘

    Setzt euch nicht mit den Toten zusammen. Wer sind die Toten, o Prophet?
    Die Reichen (Mir fällt die Quelle nicht ein, ist aber ein Klassiker)

    Allah ruft auf fast jeder dritten Seite dazu auf, sich nicht durch Materialismus beirren zu lassen und wir wissen, dass der PROPHET SAS SICH WÜNSCHTE, als Armer zu sterben.

    Und wir wissen, wie er die Habgier des Sohn Adams (Tal aus Gold? Noch eins!) bedauerte.

    Und nun wird von einem Moslem ausgerechnet Reichtum und Egoismus als etwas Estrebenswertes dargestellt, völlig konträr zu dem, was der Prophet sas lehrte.

    Nochmals: Der Prophet wünschte sich als Armer zu sterben, die ersten, die ins Paradies kommen, sind die Armen, Allah warnt davor, dass viele mit Reichtum nicht umgehen können.

    Der Prophet wird nicht müde, die Belanglosigkeit irdischer Güter zu betonen usw. usf.

    Ich empfehle dem Autor, weniger “Seminare“ zu besuchen und weniger “Selbstbewusstsein“ westlicher Art, stattdessen sollte er sich die Bewertung von Reichtum und Egoismus durch die Großen der Ummah studieren sowie Geschichten zu lesen darüber, wie Gottes Freunde lebten (Uwais Al Qarani und viele andere Awliya)

    Da macht man sich all die Mühe, die große Gefahr des schnöden Mammons zu bändigen, indem man eine innerliche Distanz dazu aufbaut, weil der Prophet sas ständig dazu aufrief und sein Schöpfer ebenfalls.

    Und dann lernt man hier, wie schön und toll Reichtum doch in Wirklichkeit ist.

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  9. Emre

    “Diese Haltung spiegelt eine Ethik wider, die im Islam fest verankert ist. Reichtum und das Streben nach Profit, egal ob durch Dienstleistung, Handwerk, Handel oder Kapitaleinsatz, ist gewollt und hat keinerlei schlechten Ruch“

    Das ist der Oberknüller.

    Sag mal, hast du je Sahih Bukhari aufgeschlagen?

    Wenn Profitstreben ideal ist, wieso hat der Prophet sich gewünscht als Armer zu sterben?

    Wieso hat der Prophet sas gesagt, dass ein armer, schlecht angesehener Mensch bei Allah besser ist als die ganze Welt voll von reichen, gut angesehenen?

    Kennst du den Hadith? Da saß der Prophet sas mit einem Sahabi und es kam ein Reicher, gut Gekleideter vorbei und der Prophet sas fragte, was er von ihm halte…und dann halt ein Armer…

    Und du willst hier und in deinem anderen Blog ernsthaft den Eindruck erwecken, Calvnismus und nicht Vergänglichkeitsbelehrungen sei ein Hauptthema im Islam.

    Es scheint, als hättest du selbst es noch nicht geschafft, deiner Habgier Herr zu werden, also suchst du einfach nach islamischer Legitimation um 10 Ecken.

    Zum aller letzten Mal: Ein kluger Moslem wird schon deswegen nicht nach Profit streben um es zu behalten, weil es für ihn keinen jenseitigen Nutzen hat.

    Und worum dreht sich alles im Islam? Um das Jenseits, meine Güte.

    Der Prophet lag mal auf einer Palmenfasermatratze und man wollte ihm eine andere bringen.

    Daraufhin sagte er: was habe ich mit dieser Welt zu schaffen?

    Und als Umar weinte, weil er die spärlich möbelierte Wohnung des Propheten sah, gab es eine ähnliche Antwort.

    Es hat schon seine Gründe, warum du für deine Fixierung auf Dollars und Gold keine expliziten Ayats und Ahadith zitierst.

    Weil es nämlich kaum welche gibt, umgekehrt aber viele.

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  10. Emre

    Die Frage ist nicht, ob Reichtum erlaubt oder gut ist, sondern ob er sinnvoll ist.

    Und da man nur gute Taten mit ins Grab nehmen kann (neben seinem Iman), wäre es tatsächlich klug, möglichst viel von seinem Eigentum ins Jenseits zu transferieren, indem man es spendet, Moscheen damit baut oder sonst wie Wohltaten tut.

    Von daher verstehe ich nicht, wie ein Moslem, der seinen Glauben verstanden hat, überhaupt ein Interesse daran hat, Überschüsse zu behalten und für Vergängliches auszugeben

    PS: Sorry, mir fallen Gedanken immer einzeln ein.

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  11. Saxhida

    Das Einzige was hier dem „westlichen“ ähnelt, ist ihr niveauloser „Shitstorm“ über einen Artikel den sie nicht verstanden haben.

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    • Emre

      “Der Mensch muss in erster Linie egoistisch denken und handeln, und jede Ideologie die euch weismachen möchte, dass zuerst das Volk… oder irgendein anderes Kollektiv Priorität hat, der lügt oder ist unwissend“

      (Yahya Jens Raft)

      vs.

      “Declare your jihad on thirteen enemies you cannot see -egoism, arrogance, conceit … greed, lust, intolerance, anger, lying, cheating, gossiping and slandering. If you can master and destroy them, then you will be read to fight the enemy you can see.“

      (Abu Hamid Al-Ghazali)

      Ich bin mir sicher, dass der Autor allzu gern akzeptiert, wem hier eher zu folgen ist.

  12. Abu von Ibni

    @Emre

    Du hast die Intention des Autors, mit deinen anfänglichen Kommentaren zumindest, nicht verstanden. Dennoch stimme ich dir zu, der Schreibstil (insbesondere Tariq und ibn Z) sind meiner Meinung nach sehr fraglich. Viel zu ironisch, sarkastisch und die Ernsthaftigkeit manch wichtiger Themen ist komplett dahin.

    Dennoch stimme ich auch zu, dass

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    • Emre

      Dachte ich auch, dass es unmöglich so gemeint sein kann, wie es auf dem ersten Blick erscheint.

      Aber nach dem ich mir zahlreiche seiner Artikel und Gedanken auf seiner anderen Seite angeschaut habe, meine ich, dass Profitstreben für ihn mehr ist als nur Mittel zum Zweck.

      Ich zweifele nicht an seiner Liebe zu seinem Glauben, aber irgendwie, so meine ich, scheint er das mit der Erde als Rastplatz nicht so verstanden zu haben, wie es uns Ahadith und die zahlreichen Werke unserer Gelehrten deuten.

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