Die rechtgeleiteten Kalifen haben keine eigene Sunnah

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Der Imam Ibn Hazm al-Andalusi schrieb in seinem Grundlagenwerk „al-Ihkam fii Usul al-Ahkaam“:

«Was seine Worte angeht „euch ist meine Sunnah auferlegt, sowie die Sunnah der rechtgeleiteten Kalifen nach mir“, so wissen wir, dass er nichts befiehlt, was unmöglich ist. Wir stellen fest, dass die rechtgeleiteten Kalifen nach ihm in heftige Meinungsverschiedenheiten verfallen sind, weswegen es nur drei Möglichkeiten geben kann und keine vierte:

Wir könnten uns an alles halten, worin sie unterschiedlicher Meinung waren, was jedoch unmöglich ist, da es bedeuten würde eine Sache und gleichzeitig ihr Gegenteil zu tun. Es ist unmöglich, dass jemand den Großvater alles erben lässt, während die Brüder nichts bekommen, wie es Abu Bakr und Aischah vertraten, er ihn nur ein Drittel erben lässt und den Rest den Brüdern zugesteht, wie es Umar vertrat und er ihn gleichzeitig ein Sechstel erben lässt und den Rest die Brüder, wie es Ali vertrat. In gleicher Weise lässt sich dies auf alles anwenden, worin sie uneins waren. Damit ist diese Möglichkeit hinfällig, da sie von keinem Menschen umsetzbar ist. Das wäre also eine Möglichkeit.

Oder es ist uns erlaubt uns einfach an irgendetwas von alledem zu halten. Dies wäre Austritt aus dem Islam, denn es würde bedeuten, dass die Religion Allahs des Erhabenen unserer Wahl unterstellt ist und jeder von uns verbieten kann, was er will und erlauben kann, was er will und der eine erlauben kann, was der andere verbietet. Der Erhabene sagte: […] Heute habe Ich euch eure Religion vervollkommnet und Meine Gunst an euch vollendet, und Ich bin mit dem Islam als Religion für euch zufrieden. […] ﴿5:3 Und er sprach: […] Dies sind Allahs Grenzen, so übertretet sie nicht! Wer aber Allahs Grenzen übertritt, diejenigen sind die Ungerechten.﴿2:229 Und er spricht: Und gehorcht Allah und Seinem Gesandten, und streitet nicht miteinander, sonst würdet ihr den Mut verlieren, und eure Kraft würde vergehen! Und seid standhaft! Gewiß, Allah ist mit den Standhaften.﴿8:46 Dies macht diese falsche Möglichkeit hinfällig und bedeutet, dass das, was damals verboten war, bis zum jüngsten Tag verboten bleibt und was Pflicht war, bis zum jüngsten Tag Pflicht bleibt und was damals erlaubt war, bis zum jüngsten Tag erlaubt bleibt.

Zudem ist es so, dass wenn wir uns an die Meinung von einem von ihnen halten würde, wir die Meinungen der anderen übergängen und somit wären wir keine Befolger ihrer Sunnah mehr, womit wir bei einem Widerspruch mit dem ursprünglichen Hadith angelangt sind und auch sie sind dort angelangt, ob sie wollen oder nicht!

Das erinnert uns gerade an einen Mufti, den es bei uns in Andalusien gab. Er war eine ignorante Person und es war seine Gepflogenheit stets zwei Männer in seinen Beschlüssen vorzuschieben, die in dieser Zeit Referenzen für das Geben religiöser Urteile waren, und unter ihre Urteile plegte er zu schreiben: „Ich vertrete das, was die beiden Schaykhs gesagt haben.“ So begab es sich, dass sich diese beiden Schaykhs eines Tages widersprachen und er schrieb unter ihre Urteile, was wir erwähnt haben. Da sagte ein Anwesender: „Die beiden Schaykhs widersprechen sich!“ Worauf er antwortete: „Und ich widerspreche mir gemäß ihrem Widerspruch“!

Wenn also diese beiden Möglichkeiten ausgeschlossen sind, so bleibt nur noch die dritte Möglichkeit und diese ist, dass man sich nur an das hält, worin sie sich einig waren und das findet sich nur in Dingen, in denen auch die übrigen Sahabah – Allahs Wohlgefallen auf ihnen – mit ihnen übereinstimmten und worin sie der Sunnah des Propheten folgten.

Und auch der Befehl des Propheten der Sunnah der rechtgeleiteten Kalifen zu folgen, führt notwendigerweise zu einer von zwei Möglichkeiten:

Er könnte erlaubt haben, dass sie eine eigene Sunnah etablieren, die von seiner unterschiedlich ist. Das ist etwas, was kein Muslim vertritt und wer dies erlaubt, der ist ungläubig und abtrünnig geworden und dessen Blut und Vermögen sind nicht geschützt, denn alles in der Religion ist entweder Pflicht oder keine Pflicht, erlaubt oder verboten und es gibt in der Religion keine Kategorie außer diesen. Wer nun erlaubt, dass die rechtgeleiteten Kalifen eine eigene Sunnah etabliert haben, die verschieden von der des Gesandten Allahs ist, der gestattet, dass sie etwas verbieten, was in seiner Zeit bis zu seinem Tode erlaubt war, oder dass sie etwas erlauben, was der Gesandte Allahs verbot, oder dass sie eine Pflicht einführen, die der Gesandte Allahs nicht eingeführt hat, oder dass sie eine Pflicht abschaffen, die der Gesandte Allahs bis zu seinem Tode nicht abschaffte. Wer irgendetwas von all diesen Sachen gestattet, der ist ein ungläubiger Muschrik gemäß dem Konsens der gesamten Ummah ohne jeden Widerspruch. Und Allah verleiht den Erfolg. Somit ist diese Möglichkeit hinfällig, Allah sei es gelobt.

Was ihr Befolgen in ihrer Nachahmung seiner Sunnah angeht, so ist es das, was wir sagen und dieses Hadith kann prinzipiell nicht anders gedeutet werden.»

Al-Ihkam fii Usuul al-Ahkaam – Fii Ibtaal al-Taqliid

 

 

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3 Antworten auf “Die rechtgeleiteten Kalifen haben keine eigene Sunnah”

  1. guest

    „Oder es ist uns erlaubt uns einfach an irgendetwas von alledem zu halten. Dies wäre Austritt aus dem Islam, denn es würde bedeuten, dass die Religion Allahs des Erhabenen unserer Wahl unterstellt ist und jeder von uns verbieten kann, was er will und erlauben kann, was er will und der eine erlauben kann, was der andere verbietet.“

    Sehr weit hergeholter takfir.

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  2. Emre

    Ich verstehe den Artikel nicht.

    Man hält sich doch an der Sunnah des Propheten sas und wenn man diese Sunnah in bestimmten Dingen nicht direkt überliefert bekommt, wie z. B. ob Essig von Ungläubigen erworben werden kann, wenn diese es gezielt hergestellt haben, dann bleibt wie so oft nur die Rekonstruierung des prophetischen Willen über die Worte der Sahaba.

    Und wenn diese sich uneinig sind, dann sollte man das Thema ignorieren und nur auf solche konzentrieren, wo es keine Uneinigkeit gibt?

    Und was ist nun mit dem gezielt hergestellten Essig?

    Oder habe ich das Thema überhaupt nicht verstanden?

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  3. Emre

    PS: Das Essigbeispiel ist natürlich nur ein Beispiel und sollte nicht weiter besprochen werden, just a sample zum Verdeutlichen.

    Nach einer anderen Diskussion hier im Forum zweifele ich nämlich ein wenig am Leseverständnis eines Autors bzw. an meiner Ausdrucksfähigkeit

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