Die Rede des Andreas Abu Bakr Rieger auf einer Veranstaltung des türk. “İslam Devleti” (Islamischen Staat)

14 Kommentare

von Yahya ibn Rainer

Im Jahre 1993 hielt der Jurist, Publizist und Herausgeber der Islamischen Zeitung, Andreas Abu Bakr Rieger, eine Rede auf der gut besuchten Veranstaltung der türkischen Organisation “Anadolu Federal İslam Devleti” (Unabhängiger Islamischer Staat Anatoliens), die später auch als “Hilafet Devleti” (Kalifatstaat) Bekanntheit erlangte und 2001 vom Bundesinnenministerium in Deutschland verboten wurde.

Als Herr Rieger diese Rede hielt, da kam er nicht etwa von einer saudi-finanzierten Glaubensindoktrination, einem salafistischen Prediger-Seminar oder einer wahhabitischen Gehirnwäsche, sondern war, wie heute, angetan vom (seiner Ansicht nach) klassisch-sunnitischen Islam und seiner mystischen Schule (Sufismus).

Der Wortlaut seiner Rede war wie folgt:

„Assalamu aleykum

Wir sind eine Gruppe deutscher Muslime. Wir sind eine Gruppe deutscher Muslime und freuen uns, dass wir hier von euch, euch türkischen Brüdern so freundlich aufgenommen wurden.

Wir haben heute hier sehr sehr viele Kämpfer gesehen, künftige Kämpfer für den Diin (Religion) vom Islam und das hat uns sehr viel Mut gemacht.

Wie die Türken haben auch wir Deutsche oft schon in der Geschichte für … für `ne gute Sache gekämpft.

Obwohl ich zugeben muss, dass meine Großväter bei unserem gemeinsamen Hauptfeind nicht ganz gründlich waren.

Aber heute haben die Deutschen und vor allem die jungen Deutschen, die so jung sind wie wir, kein Ziel mehr.

Und deswegen hat Allah uns unsere Herzen geöffnet für den Diin vom Islam und wir haben ihn akzeptiert, alhamdulillah.

Aber das alles reicht uns noch nicht, weil wir wollen viele junge Deutsche bereit machen den Diin anzunehmen, damit in Deutschland der Islam eine wirkliche Macht wird, auch unter den Deutschen.

Im Moment scheint es sehr schwierig, da die Deutschen haben sehr große Angst vorm Islam, weil die Kuffar ihnen viele viele Lügen und Verleumdungen erzählt haben.

Aber ich frage euch: Wieso sollten die Deutschen Angst vorm Islam haben, wenn der Islam Gerechtigkeit ist. Habt ihr je schon einen Mann gesehen, der Angst hat vor Gerechtigkeit?

Wir wollen jedenfalls, und sehen darin eine Hauptaufgabe, den Islam in Deutschland stark machen. Und zwar dadurch, dass die Deutschen, wir Deutschen, die Deutschen einladen zum Islam und ihn stark machen.

Weil wenn die deutschen Muslime stark sind, dann ist es nicht möglich, dass jemand so ehrbares wie Hodscha Kaplan in Deutschland verleumdet wird, jeden Tag in der Zeitung.

Das heißt, wir wollen … ich bitte euch alle deswegen uns zu unterstützen in unserer Arbeit, weil ich bin ganz sicher, die Kuffar haben in Europa nur vor einer Sache Angst und das ist – und da werden sie schlecht schlafen in der Nacht und große Angst bekommen – das ist, wenn die Deutschen, Franzosen und Italiener den Islam annehmen, in schaa Allah (so Gott will).

Und deswegen ist unsere Hauptaufgabe in den nächsten Jahren für uns hier in Deutschland, die Deutschen einzuladen zum Islam. Wir hoffen es sehr, dass ihr alle hier uns dabei unterstützt und wenn ihr irgendwelche Fragen an uns habt, dann kommt bitte und fragt uns. Vielleicht seht ihr dann, dass wir eine gewisse Arbeit schon geleistet haben und große Pläne haben für den Islam in Deutschland, in schaa Allah. Alhamdulillah.

Assalamu aleykum.“

(Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=n7H8fvnjOiU)

Ich nehme ihm gerne ab, dass er sich heute von solcherlei Aussagen distanziert, aber er erweist sich als schlechter Büßer, wenn er heute davon schwadroniert, dass „Wahhabismus“ und “Salafismus” geradezu das inkarnierte Böse und allein für muslimische Militanz und Terrorismus verantwortlich seien.

“Nicht jeder Salafist ist ein Terrorist, aber jeder (musl.) Terrorist ist ein Salafist” kopiert er aus dem Lügenmaul des verbrecherischen Staatsapparates und freut sich anscheinend ungemein darüber, den “Schwarzen Peter” ohne kritische Beleuchtung der eigenen Gesinnung an Geschwister im Islam weiter zu geben. Gleiches gilt auch für den Schwachsinn, den er über die Facebook-Seite seiner Zeitung verbreitet. Erst kürzlich publizierte er dort ein Bild mit der Aufschrift, dass „ISIS-Mitglieder“ keine „sunnitischen Extremisten“ seien, „sondern Anhänger der wahhabitischen Sekte, welche mit dem klassisch-sunnitischen Islam nichts zu tun“ hätte.

Vieles von dem, was Herr Rieger über “Salafismus” und “Wahhabismus” sagt und schreibt, ist entweder von Unwissenheit getragen oder wird mutwillig falsch dargestellt. Eine Auseinandersetzung, die er nicht in der Lage ist inhaltlich mit gelehrten Persönlichkeiten dieser Denkrichtigen zu führen, trägt er auf die Bühne der Ahnungslosen und erhofft sich dadurch anscheinend al-wala und Zustimmung.

Selbstkritik war noch nie eine Stärke dieses intellektuell abgehobenen Milieus rund um die IZ. Für Kommentare und Likes bin ich auf Facebook und Twitter bei ihnen gesperrt (neben einigen anderen Muslimen). Nicht etwa weil ich gespamt oder Personen persönlich beleidigt bzw bedroht habe, sondern weil ich ihre Beiträge und Machenschaften (z.B. mit der national-sozialistischen PEGIDA-Postille COMPACT-Magazin) kritisch hinterfragt habe.

Ich schätze Herrn Andreas Abu Bakr Rieger als Autor über Themen wie Geld, Gold und Zinsen, hege Zustimmung für seine positive Haltung zur deutschen Kulturpflege und betrachte ihn als Bruder im Islam, aber sein krampfhafter Stellvertreterkrieg gegen die Salafiyun und ihren Manhaj ist billig und in vielerlei Hinsicht auch verlogen.

Anstatt Militanz als ein Phänomen der Jugend und des anfänglichen Idealismus eines neu praktizierenden Muslims zu erkennen (wofür er ja nun mit dem obigen Text samt Video ein gutes Beispiel abgibt), verschweigt er diese dunkle Phase seines Sufiweges und nutzt die zeitgenössische Stimmung unter den Nichtmuslimen lieber aus, um sich und seinen Standpunkt glänzen zu lassen.

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14 Antworten auf “Die Rede des Andreas Abu Bakr Rieger auf einer Veranstaltung des türk. “İslam Devleti” (Islamischen Staat)”

  1. Fragender

    Verstehe ich das richtig, dass Andreas Abu Bakr Rieger ein Sufi ist und du ihn als deinen Bruder im Islam ansiehst? Wenn ja bist du auch ein Sufi oder zählst du ihn zu deinem Bruder im Islam weil er sich zum Islam bekennt trotz des enormen Schirks den die Sufis der heutigen Zeit betreiben?
    Das ist eine ernst gemeinte Frage daher bitte ich wirklich um aufklärung.

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    • Yahya Jens Ranft

      Yahya Jens Ranft

      Natürlich gibt es Sufis die Shirk begehen. Aber das bedeutet nicht, dass nun jeder Sufi auch ein Muschrik ist. Es gibt von keinem Gelehrten ein allgemeines Urteil darüber. Vielmehr haben die Gelehrten unterschieden zwischen den Ahl al-Tasawwuf.
      Es gibt die Rechtschaffenden unter ihnen, die Imam ibn Taymiyyah u.a. als Mashaik al-Islam, Mashaikh al-Kitab wa al-Sunnah und A’imma al-Huda bzeichnete.
      Es gibt die Irregehenden unter ihnen, die Neuerungen folgen oder sie einführen.
      Und es gibt Muschrikin unter ihnen, die offen und klar andere anbeten als Allah.

      So lange es für einen Muslim keinen Beweis für den Shirk gibt, bleibt er Muslim und somit mein Bruder im Islam.

      Wa Allahu ‚alem

  2. Mujahid

    Ein Sufi ist dein Bruder im Islam?

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  3. anonym

    existieren solche sufis wie z.b. ibn taymiyyah in der heutigen zeit noch?

    Antworten
    • Yahya Jens Ranft

      Yahya Jens Ranft

      Da niemand von uns jeden einzelnen Sufi weltweit kennt und in der Lage ist zu beurteilen, halten wir uns zurück vor Vermutungen.
      Es gibt jedoch zeitgenössische Gelehrte, die zu diesem Thema bereits befragt wurden.

      So erwähnte Sheikh Muhammed Salih Al-Munajjid folgendes in einer Fatwa:
      „Die Verurteilung darf nicht bloß wegen der Bezeichnung „Sufi” erfolgen, weil dieses ein allgemein anerkannter Begriff ist, der ebenfalls für islamisch korrekte Dinge verwendet werden kann, wie zum Beispiel Enthaltsamkeit und Furcht vor Allah. Er kann sich jedoch auch auf Erneuerungen beziehen, wie Zölibat und Extremismus.”
      [http://www.islamqa.com/en/ref/1087]

      Und Sheikh Muhammad ibn al-Uthaymin meinte mal in einer Fatwa bezüglich den Neuerungen einiger Sufi-Orden:
      „Was die Sufiorden angeht, die Tijaniya und die Qadiriya u.a., so kenne ich mich hier nicht gründlich genug aus. Allerdings gibt es welche, die am Rand zum kufr stehen, wie z.B. ibn Arabi u.a., die von der Einheit des Seins (Allah bewahre) ausgehen, doch gibt es auch andere.“
      [Rechtsgutachten für muslimische Minderheiten/Dar al-Mustaqbal Verlag]

  4. Abd al Malik

    Rieger ist Anwalt, so ist er ein offener kafir der kein kufr zum tagut macht.

    Antworten
    • Yahya Jens Ranft

      Yahya Jens Ranft

      Ein Rechtsanwalt kann durchaus Kufr zum Taghut machen, denn er kann wählen welchen Mandanten er vertritt (und welchen nicht) oder welcher Arbeit er als Rechtsanwalt nachgeht (und welcher nicht). Ich kenne keinen einzigen Gelehrten, der allein die Berufswahl zum Rechtsanwalt schon als offenkundigen Kufr bezeichnete, und sollte es eine Minderheit an Gelehrten geben, so ist es immer noch eine Angelegenheit mit Ikhtilaaf.

      Auf die schnelle kann ich zu diesem Thema leider nur Links zu islamqa bieten.
      http://islamqa.info/en/75613
      http://islamqa.info/en/9496

    • Abd al Malik

      Ein Anwalt macht ein Eid der kufr ist, so wurde er seinen Beruf nicht ausüben wäre er Kafir, wen er in ausübt macht er tehakum zum tagut und andere schirk und kufr taten.

      Rieger und seinesgleichen sollten die Rukn und Schart der Schehada lernen und sich bemühen sie zu praktizieren

      Scheikh Suleyman bin Abdullah sagte:
      „Wer die Bedeutung von „La ilaha illallah“ nicht kennt,
      mit den Erfordernissen des Tauhid nicht handelt, alle Arten
      des Schirk nicht verlässt und den Taghut nicht leugnet,
      ihm wird es mit dem Konsens aller Gelehrten nichts nützen,
      diese Worte nur mit der Zunge aufzusagen.“
      (Taysir’al Aziz’al Hamid, S. 53)

      Was die Universität „Gelehrten“ angeht man kennt von ihnen das sie zum tagut rufen, seies da sie rufen zum Parlament und schirk wahlen, tehakum zum tagut, beja an UNO arab tawagit, zum Polizei und Arme des tagut… so wundere ich mich nicht das sie kein Problem mit den Beruf des Anwalt haben.

    • Yahya Jens Ranft

      Yahya Jens Ranft

      Welcher Teil des Eides behinaltet denn genau den Kufr.

    • Abd al Malik

      unter anderem das man sich beruft die „verfassungsmäßige Ordnung“ zu wahren…

    • Yahya Jens Ranft
  5. Feminismus ist vom Shaytan

    Würde er als Anwalt in einem nicht schariatisch geregelten Land für Recht streiten, das mit der Scharia nicht vereinbar wäre – wie wenn er etwa in einem Streitfall ein Bordell vertreten würde oder einen Konzern zur Forderung eines Zinsertrages – so wäre die Tat zumindest eindeutig kufr. Würde er hingegen sich etwa unter gleichen Umständen für das Recht von muslimischen Mädchen einsetzen, in der Schule, das Kopftuch zu tragen, wäre dies hingegen im höchsten Maße löblich. Laut ibn Qayyim ist es unvermeidbar, sich in einer solchen Situation auf nicht-islamisches Recht zu beziehen – vorausgesetzt, betreffenden Recht ist mit dem Islam vereinbar.
    Das ist übrigens das, was alle zeitgenössischen großen Gelehrten sagen.

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  6. RevTraBeNa

    Es ist eine Internetkrankheit; viele schreiben, aber viele haben dann entweder keine Ahnung oder sie wollen keine Ahnung haben. Nun; dieser Beitrag geht in erster Linie an den Autor des Artikels; ob er diesen Kommentar freischaltet oder nicht;

    Es ist eben eine Zeit gekommen, in der die Unwissenden ihren Batil (Falschheit) offen an den Tag legen; Stichwörter: Anwalt, Gericht und Co.

    Sich in »den« (westlichten) Taghut-Gerichten richten zu lassen ist Kufr; ob nun jemand bestohlen worden ist oder nicht usw. . Dabei ist es ebenfalls Kufr, wenn Anwalt x etwas durchbringen möchte, was an sich jedoch gut ist (Stichwort: Niqab). Die Beteiligung an den Wahlen ist sowieso ein Thema, woran der eine oder andere, auch wenn sie von einigen als Shuyukh angesehen werden, scheitert. Deshalb ist auch Vorsicht bei der Website „islamqa.info“ zu genießen.

    Bezüglich der Sufis: Wenn sie in den Polytheismus verfallen sind; oder in den Kufr, ganz unabhängig davon, ob es durch den Beruf oder durch etwas anderes ist; dann sind sie Kuffar.

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    • Yahya Jens Ranft

      Yahya Jens Ranft

      Weitere Internetkrankheiten sind das anonyme geben von Fatawa (ohne Dalil und Darlegung), die dabei kategorische Missbilligung des Khilaaf und die Aufwertung des selbst anonym Verfassten, durch die Herabsetzung anderer als Unwissende … und die Geringschätzung für Gelehrte, die zwar nicht fehlerfrei, aber garantiert wissender sind als jeder Autor und Kommentator dieses Blogs.

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