Sharh zu Bulugh Al-Maram [6] – Hadith Nr. 450: Buch des Freitagsgebetes (Das Stehen während des Predigens)

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Hadith Nr. 350:

وَعَنْ جَابِرِ بْنِ سَمُرَةَ رَضِيَ اللَّهُ عَنْهُمَا، {أَنَّ اَلنَّبِيَّ صَلَّى اللَّهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ كَانَ يَخْطُبُ قَائِمًا، ثُمَّ يَجْلِسُ، ثُمَّ يَقُومُ فَيَخْطُبُ قَائِمًا، فَمَنْ أَنْبَأَكَ أَنَّهُ كَانَ يَخْطُبُ جَالِسًا، فَقَدْ كَذَبَ} أَخْرَجَهُ مُسْلِمٌ.ا


450 –Und von Jābir ibn Samurah –رضي الله عنهما- wurde überliefert, dass der Prophet –صلى الله عليه وسلم- pflegte die Predigt im Stehen zu halten, dann saß er sich hin, danach stand er auf und predigte im Stehen. Wer dir also erzählt hat, dass er im Sitzen predigte, der hat gelogen!“

(Überliefert von Muslim)

Erklärung:

Und von Jābir ibn Samurah –رضي الله عنهما- wurde überliefert, dass er sagte:

„Der Prophet –صلى الله عليه وسلم- pflegte die Predigt im Stehen zu halten, dann saß er sich hin, danach stand er auf und predigte im Stehen. Wer dir also erzählt hat, dass er im Sitzen predigte, der hat gelogen!“

Diesen Ḥadīth überliefert Al-Imām Muslim in seinem Ṣaḥīḥ-Werk. Er sagte: Uns berichtete Yaḥyā ibn Yaḥyā, der sagte: Uns berichtete Abū Khaithamah, von Simāk ibn Ḥarb, der sagte: Jābir ibn Samurah berichtete mir … (der Ḥadīth).

Al-Bukhārī –رحمه الله- sagte: „Kapitel: Die Predigt im Stehen.“ Dann erwähnte er in dem Kapitel den Ḥadīth von Ibn ʿUmar, dass er sagte:

„Der Prophet –صلى الله عليه وسلم- pflegte im Stehen zu predigen, dann saß er sich hin, dann stand er auf, so wie ihr es jetzt tut.“

(Überliefert von Muslim)

Der Ḥadīth dieses Kapitels wurde auch von Aḥmad ibn Ḥanbal, Abū Dāwūd, An-Nasāʾī, At-Tirmidhī und Ibn Mājah überliefert. Alle überlieferten es durch Simāk ibn Ḥarb, von Jābir ibn Samurah.

Dieser Ḥadīth ist ein Beweis über die Art und Weise des Propheten –صىلى الله عليه وسلم- bzgl. der Predigt, und dass er pflegte im Stehen zu predigen. Dies mit Ijmāʿ, so wie es Ibn ʿAbdil Barr –رحمه الله- anführt. Und es wurde vom Propheten –صلى الله عليه وسلم- nicht bewiesen, dass er pflegte, im Freitagsgebet sitzend zu predigen.

Die Gelehrten –رحمهم الله- waren sich über den, der als erster im Sitzen predigte, uneinig. Ṭāwus und eine Gruppe der Gelehrten der Tābiʿīn sagten, dass es Muʿāwiyah war. Es wurde gesagt, dass er zunahm und nicht mehr im Stehen predigen konnte. Es wurde auch anderes gesagt. Aber uns interessiert (dies) nicht, so sehr wie uns interessiert, dass die Predigt im Stehen verpflichtend ist, und dass man (dadurch) das Beispiel des Propheten –صلى الله عليه وسلم- folgt. Und Allāh –تعالى- sagte doch: „… und sie ließen dich stehen.“ [62:11]

Derselbe Ḥadīth von Jābir beweist, dass es Pflicht ist im Stehen zu predigen, und dass der Prophet –صلى الله عليه وسلم- noch nie sitzend predigte. Und wer dies behauptet, der hat gelogen. Wenn man es jedoch aus einem Entschuldigungsgrund tut, so ist es erlaubt die Predigt im Sitzen zu halten.

Der Ḥadīth ist auch ein Beweis über die Gesetzlichkeit zwischen den zwei Predigten zu sitzen. Die Gelehrten waren sich über die Länge des Sitzens uneinig. Einige Gelehrte sagten, dass es so lang wie das Lesen von Sūrah Al-Ikhlāṣ (112) ist. Andere sagten, dass es so Lang ist, dass man die Trennung zwischen den zwei Predigten erkennt, und dies ist das Richtige, da vom Propheten –صلى الله عليه وسلم- keine Beschränkung für dieses Sitzen berichtet wurde. Also sitzt man so lange, dass man die Trennung zwischen den zwei Predigten erkennt.

Ist nun das Sitzen eine Pflicht (Wājib)? Richtig ist, dass es geliebt ist (Mustaḥabb). Vielmehr ist es verpflichtend zwischen den zwei Predigten zu trennen, egal ob man sitzt oder nicht.

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[Erstveröffentlichung im Forum von  Abu Saeed Al-Afghaani]

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4 Antworten auf “Sharh zu Bulugh Al-Maram [6] – Hadith Nr. 450: Buch des Freitagsgebetes (Das Stehen während des Predigens)”

  1. besucher

    Es ist schon sehr erstaunlich, womit sich Muslime so beschäftigen. Bei all den himmelschreienden Problemen, die man in der gesamten islamischen Welt vorfindet, werden derartige Themen immer und immer wieder behandelt. Als ich kürzlich eine islamischen Vortrag auf YouTube sah, kam ich aus dem staunen nicht heraus. Da hat sich jemand die große Mühe gemacht, zahlreiche Überlieferungen aufzuzählen, die absolut nicht mit der Realität in der wir leben zu tun haben. Da war von irgenwelchen Steinen die Rede, die den Propheten grüßten, der niederwerfenden Erde oder jenen Ereignissen vor der Endzeit. Nicht zu vergessen, diverse Abhandlungen über die mögliche Berührung eines Dschinns und ihre psychen und physischen Konsequenzen oder verschiedenen Formen von Zauberei.

    Sei es wie sei! Schätze, dass die Muslime ihre Probleme nicht in den Griff bekommen, solange sie ihre kostbare Zeit und ihre vorhandenen Kapazitäten in derartige Dinge bzw. Themen investieren.

    Gruß

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  2. Oum Mokhtar

    Ich habe zwar das Video nicht gesehen, aber: Könnte es nicht auch sein, dass Muslime ihre „Probleme“ u.a. deshalb nicht in den Griff bekommen, weil über viele der von Ihnen erwähnten Themen weitverbreitete Unwissenheit herrscht? Der zuweilen geradezu himmelschreiende Obskurantismus, die Leichtgläubigkeit und gerade auch die Unkenntnis über die korrekte islamische Auffassung über die Existenz von und den Umgang mit paranormalen Erscheinungen (i.e. Jinn) bringen regelmäßig haarsträubende Auswüchse hervor. Und so kommt es, dass manche sich im Falle offenkundig bestehender psychischer Erkrankungen oder anderer „Auffälligkeiten“ lieber in die Hände eines „Fqih“ begeben, der mit angeblich „islamischen“ Methoden ihre „Heilung“ anstrebt, als die fachkundige Hilfe eines Psychiaters in Anspruch zu nehmen.

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    • besucher

      Mir ist gerade ein anderes Beispiel eingefallen. Als vor etwa zwei Jahren in Ägypten, ich glaube es war die Partei des Lichts, die Wahlen gewann, antwortete man auf die Frage wie man die wirtschaftlichen Problemen angehen will, mit der Antwort: Gott ist unser Versorger. Und dabei bliebts auch. Ich erwähne das nur, weil man hier sehr gut erkennt dass der praktische Bezug vielen Muslimen oder dem Islam fehlt. Konkrete Lösungen sind da selten. Vielleicht sieht man daran auch den mangelnden Erfolg islamischer Bewegungen.

  3. Oum Mokhtar

    Es sollte vielleicht nicht unerwähnt bleiben, dass die Ingenieurs-Dichte in sog. „islamistischen“ Parteien überdurchschnittlich hoch ist. Ein Beleg dafür, dass eine technisch-mathematische Ausbildung nicht automatisch zur Lösung realpolitischer Problemstellungen befähigt?
    Um noch einmal zum Thema des Beitrags zurückzukehren: die in pragmatischer Denktradition vorgebrachten Forderungen, Muslime sollten sich „an den (praktischen) Erfordernissen der Zeit“ ausrichten, folgt im Nebensatz meist der Aufruf zum Ijtihad. Dieser Begriff impliziert im Zusammenhang wiederum einen bestimmten, eng begrenzten und vor allem von außen definierten Sinngehalt, was der eigentlichen Wortbedeutung (i.e. „selbständige Rechtsfindung“) vollkommen zuwiderläuft. Wie „selbständig“ ist eine Rechtsfindung, deren Erkenntnisinteresse und Ergebnis quasi von vornherein schon feststehen? Wer einen Ijtihad betreiben will, der – ich betone es! – diesen Namen auch verdient, muss sich unweigerlich mit den Quellen seines Glaubens und den Rechtsurteilen der früheren Gelehrten vertraut machen. Dies beinhaltet dann eben auch die Beschäftigung mit vermeintlich obsoleten Themen. Ein Arzt mag sich entscheiden, ob er gegen bakterielle Erkrankungen ein hochwirksames Brandbandantibiotikum oder Zuckerkügelchen verabreicht, der Ingenieur kann wählen, ob er sein Wissen in innovatorische Forschung zu erneuerbaren Energien investiert oder im Atomkraftwerk zum Einsatz bringt. Fakt ist: Die Grundlagen ihres Faches müssen sie beide nun einmal lernen.

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