Fiqh al-Hadith: Tayseer al-‘Allaam [2] Urinieren in ein stehendes Gewässer

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Hadith Nr.5

Überliefert von Abu Huraira: Der Gesandte Allahs sas sagte: „Wir Muslime sind die letzten (auf dieser Welt), aber die ersten (am Tag der Auferstehung).

Der gleiche Überlieferer sagte, dass der Gesandte sprach:

Ihr sollt nicht in ein stehendes Gewässer urinieren, welches nicht fließt, und dann darin baden.

[al-Bukhaaree, 1/150, no. 239]

In dem Hadith von Muslim:

Niemand soll ein Bad in einem stehenden Gewässer nehmen, währen er junub ist (sexuell verunreinigt).

Ikhtilaaf (Meinungsverschiedenheit)

Die Gelehrten haben verschiedene Meinung bezüglich des Verbots [vom Urinieren oder ein Bad nehmen in einem stehenden Gewässer], ob es auf ein at-Tahriim (Verbot) oder eine al-Kiraahiya (etwas Verpöntes) hinweist.

  1. Die malikitischen Gelehrten betrachten es als Makruh (verpönt)
  2. Die Hanabila und Dhahiriyyah (Literatisten) betrachten es als haraam.
  3. Einige andere Gelehrten betrachten es als haraam, wenn die Menge des Wassers gering ist und Makruh wenn die Menge das Wassers viel ist.

Die offensichtliche Bedeutung dieses an-Nahy (Verbot) ist hier als haraam zu betrachten, sei die Menge viel oder wenig [zweite Meinung]

Ikhtilaaf (Meinungsverschiedenheit)

Die Gelehrten haben ebenso verschiedene Meinung bezüglich Wasser, in welches uriniert wurde: ob es immer noch im Zustand der Tahara ist oder ob es befleckt wurde.

  1. Wenn es in Geschmack, Farbe und Geruch anders geworden ist, so ist es als Najasa (Unreine Substanz) zu betrachten. Es herrscht hier ein Ijma´ das es najis ist, sei es viel oder wenig Wasser
  2. Wenn es den Geschmack, die Farbe und den Geruch nicht geändert hat und es ist eine große Menge, so gibt es ein Ijma´das es weiterhin tahir (rein) ist.
  3. Wenn es den Geschmack, die Farbe und den Geruch nicht geändert hat und es ist eine kleine Menge, so gibt es zwei Meinungen:
  • (A) Es bleibt rein und dies ist die Meinung von Abu Hurairah, Ibn Abbass, al-Hasan al-Basree, Ibn al-Musayyib, ath-Thawree, Dawood, Maalik und al-Bukhaaree. Al-Bukhaaree hat einige Ahadith genannt, die diejenigen widerlegt, die es als najis betrachten.
  • (B) Ibn Umar, Mujaahid und Ahnaf, Shafiiyyah und Hanabila vertreten die Meinung, dass es najis geworden ist durch den Kontakt mit einer unreinen (najis) Substanz. Auch wenn es die Eigenschaften nicht geändert hat, solange es eine kleine Menge an Wasser ist. Sie brachten eine Anzahl von Ahadith, darunter auch der oben genannte.

Die erste Gruppe (A) stützt sich auf viele Beweise, darunter der Hadith bei Abu Dawud und at-Tirmithi, der Hasan eingestuft wurde: Über Said al-Khudri, dass der Gesandte sas sagten:

„Wasser ist rein und nichts kann es unrein machen.“

Ihre Antwort auf den oben genannten Hadith ist, dass die Bedeutung dieses Nahy, dass es Makruh ist dieses Wasser zu trinken, aber nicht das es najis geworden ist.

Die Position der ersten Gruppe (A) [dass das Wasser rein bleibt, auch wenn es eine kleine Menge ist, solange der Geschmack, die Farbe und der Geruch unverändert bleibt] ist die richtige Position. Dies kommt daher, dass die Basis, ein Wasser als najis zu bezeichnen, beruht auf der Änderung der drei Eigenschaften. Egal wie groß oder klein die Menge ist. Dies ist die Meinung von Sheikh al Islaam ibn Taimiyyah ra.

Daraus wissen wir, dass die stärkste Meinung bezüglich Wasser in dem jemand gebadet hat: Der junub (große Hadath durch Geschlechtsverkehr) ist auch rein, auch wenn es eine kleine Menge ist. Dies ist gegensätzlich der Meinung der sehr bekannten Meinung unserer Madhab (Hanabila), genauso wie bei der Shafiiyyah, die die Meinung vertreten, dass das Baden in diesem Zustand, das Wasser najis machen.

Wichtige Punkte entnommen aus dem Hadith:

  1. Verbot in stehendes Gewässer zu urinieren und dies ist haraam.
  2. Verbot einer Person in einem stillen Gewässer ein Bad zu nehmen, indem man sein gesamten Körper eintaucht, besonders im Zustand von Janaaba, auch wenn er nicht darin uriniert hat. Was erlaubt ist, ist das Wasser händeweise zu entnehmen.
  3. Die Erlaubnis des obengenannten in einem fließenden Gewässer zu verrichten, obwohl es besser ist, dies zu vermeiden.
  4. Das Verbot etwas Schadendes und Verletzendes anderen zu zufügen.

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[Diese Beitragsreihe erschien zuerst im Forum / Erstellt von Abu Djalil]

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4 Antworten auf “Fiqh al-Hadith: Tayseer al-‘Allaam [2] Urinieren in ein stehendes Gewässer”

  1. Norbert K.

    Warum wird so eine Diskussion aus uralten Zeiten heute noch zitiert? Für wen ist diese seltsame Frage eigentlich noch wichtig? So in Zeiten ordentlicher Toiletten, Duschen und Badewannen…. und vor allem wissenschaftlicher Klarheit über Wasser! Man kann genau feststellen, wann und bis zu welchem Grade Wasser mit welchen Stoffen verunreinigt ist – die Wasserwerke machen das täglich, ebenso die Hersteller von Mineralwasser in Flaschen.
    Ich wunder mich, was heute im Islam so Thema ist… !

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    • Yahya Jens Ranft

      Yahya Jens Ranft

      Sie gehen vom Zustand hier im wohlhabenden Westen aus. Es gibt aber auch ärmere Gegenden, wo es keine Wasserwerke, keine ordentlichen Toiletten und Duschen gibt. Aber auch hier im Westen kann man in die Situation kommen, keine sanitären Anlagen zur Verfügung zu haben, z.B. wenn man in der Natur auf Wanderschaft ist usw.

      Und zu guter Letzt aber machen solche Abhandlungen den Muslim mit den Grundlagen der Rechtswissenschaft bekannt. Sicherlich sind nicht mehr alle Überlieferungen heute noch 1 zu 1 auf unsere Situation zu übertragen, aber dadurch werden die Überlieferungen nicht obsolet, vielmehr bilden sie immer noch die Grundlage für Urteile die sich eben an der heutigen Realität orientieren.

  2. MuhammadM

    Für mich stellt sich nicht die Frage, ob es verpönt oder verboten ist. Es ist doch eher ein Gebot der Reinheit. Wer die Naturgesetze achtet wird wohl nicht in ein stehendes Gewässer urinieren um danach darin zu baden. Dann brauche ich auch keine islamischen Rechtswissenschaften.

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    • Yahya Jens Ranft

      Yahya Jens Ranft

      Es gilt aber auch, nicht in ein stehendes Gewässer zu urinieren wenn man anschließend NICHT darin baden möchte. Es kann durchaus vorkommen, dass man beim Urinieren in der freien Wildnis keinen Unterschied macht zwischen einem Baum oder einen See-Ufer. Man soll also nicht nur an sich denken, wenn man draussen uriniert, sondern auch an andere. Dieses Urteil (verpönt oder verboten) gilt also auch für Wildpinkler die nicht im gleichen Gewässer auch ein Bad nehmen wollen.

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