Zeitgenössische Islamophobie als Resultat des modernen demokratischen Wohlfahrtsstaates?

7 Kommentare

von Yahya ibn Rainer

Ich habe mir einige Gedanken über PImaten, Pegidaisten und andere Islamophobe gemacht. Wie schaffen sie es, im Internet eine solche Dominanz zu erzeugen, im wahren Leben jedoch nicht?

Meine persönliche Erfahrung ist, dass nicht wenige dieser Menschen in einer schweren emotionalen Krise stecken. Während mental gefestigte Menschen ihren Lebenssinn und -mittelpunkt innerhalb der Familie finden und ihre Energie dazu aufbringen, durch eigene Anstrengung die Versorgung dieser Familie zu gewährleisten – und ggf. darüber hinaus noch einen gewissen Wohlstand zu akquirieren -, ist diese Gattung Mensch nicht selten aus dieser traditionellen und natürlichen Ordnung herausgetreten – oft begünstigt durch die gesellschaftlichen Eingriffe und finanziellen Zuschüsse des demokratischen Wohlfahrtsstaates – und findet in diesem Zustand der modernen Befreiung kein Ventil, um die ihm natürlich inneliegenden Zwecke zu erfüllen.

So projiziert sich das ursprüngliche Verantwortungsgefühl und die natürliche Sorge für die Familie auf die “Gesellschaft”, und der Handlungsdrang, der eigentlich Schutz und Versorgung für die Sippe zum Ziel hatte, kann (häufig wohlfahrtsstaatlich bezuschusst) anderweitig kanalisiert werden.

Dass dieser Handlungsdrang heutzutage am heimeligen PC befriedigt werden kann, treibt die Befreiung von der natürlichen hierarchischen (und somit erziehenden) Ordnung – in Familie und Gesellschaft – noch auf die Spitze. Die Anonymität befreit letztendlich von den letzten zivilisatorischen Konventionen – die auch ein staatlicher Positivismus heutiger Prägung nicht so ohne weiteres auslöschen kann – und schafft einen Menschen von ungezügeltem Charakter.

Die Tragik bei alledem ist, dass die Aufgaben des Menschen innerhalb seiner Sippe sehr wohl durch eigenes Handeln zu lösen sind, es stellt sich also regelmäßig eine mentale Befriedigung ein und aus dem kleinen Kreis der Familie kommt direkte und warme Dankbarkeit. Dieser direkte Erfolg, diese familiäre und warme Dankbarkeit bleibt aber aus, wenn man für sich als Individuum den Rahmen der Verantwortung so groß steckt wie die Abendlandsverteidiger.

Wir haben es also zumeist mit sozial isolierten (sprich: asozialen) Produkten des zeitgenössischen demokratischen Wohlfahrtsstaates zu tun, die ihren Mangel an familiärer Befriedigung und zwischenmenschlicher Erziehung damit kompensieren, ihren erbärmlichen Zustand auf einen imaginären gesellschaftlichen Feind projizieren, den zu bekämpfen sie als (im Grunde familiäre) Pflicht erachten.  Der Umstand, dass dieser Kampf seit vielen Jahren aussichtlos geführt, diese “familiäre” Aufgabe also nicht gelöst wird, erzeugt – gesteigert durch einen immensen Handlungsdruck – Unzufriedenheit, Selbstzweifel und Versagensängste.

Die mir bisher persönlich bekannt gewordenen Akivisten dieser Gattung, machten auf mich fast immer den Eindruck, als seien sie geladen, quasi bis zum Bersten unter Druck. Ohne es jemals nachgeprüft zu haben, erlag ich unweigerlich dem Gefühl, es mit Personen zu tun zu haben, deren aufgestaute Wut und Unzufriedenheit bereits zu physischen (oder auch psychischen) Erkrankungen geführt hat. Hochrote Köpfe (Bluthochdruck), steife und ungerade Körper- und Gehhaltungen (organisch?), klar erkennbares Unter- bzw. Übergewicht und ausgedehnte, teils aggressive Selbstgespräche sind mir im persönlichen Aufeinandertreffen mit PImaten nicht selten untergekommen.

So erklärt es sich auch, dass “Aussteiger” aus diesem Milieu, diesen Ausstieg oft als eine Art Befreiung empfinden. Eine Befreiung, die nach kurzer Zeit auch optisch erkennbar wird und oft so weit geht, dass gezielt der Kontakt zum zuvor gepflegten Feindbild gesucht wird, und in manchen Fällen wurde sogar bekannt, dass sich in dieser Weise befreite ehemalige Wutbürger sogar dazu entschlossen, der Gemeinschaft beizutreten, die sie zuvor als Ziel ihrer feindseligen Handlung betrachteten.

Und bevor mich der Vorwurf ereilt, ich würde mit diesem Text absichtlich und einseitig mein eigenes Feindbild verächtlichen machen wollen, sei ausdrücklich erwähnt, dass ich dieses gesellschaftliche Phänomen ähnlich auch bei anderen Randgruppen beobachte, vor allem auch bei jungen Exemplaren meiner Gattung.

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7 Antworten auf “Zeitgenössische Islamophobie als Resultat des modernen demokratischen Wohlfahrtsstaates?”

  1. Wunna

    @ Jens Yahia Ranft
    Und wie erklären Sie den damaligen Judenhass? Damals gab es noch keinen demokratischen Wohlfahrtsstaat. Wie erklären Sie all die anderen Kriege und Anfeindungen?

    PS: Auch wenn Sie uns hier immer den Besserwessi herauskehren, so waren ihre Vorfahren bestimmt mal Ossis. 😉
    Im Oderbruch gibt es zwei Orte namens Altranft und Neuranft. Die Neubesiedelung hängt eng mit der Melioration und Trockenlegung des Oderbruches zusammen.

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    • Yahya Jens Ranft

      Yahya Jens Ranft

      Wenn Sie mit dem „damaligen Judenhass“ den Genozid an den Juden während des Nationalsozialismus meinen, so wurde diese Phase ganz klar in der Zeit der demokratischen Weimarer Republik eingeläutet und zog sich vom demokratischen Halbsozialismus der Republik bis hinein in den Dreiviertelsozialismus des NS-Regimes.
      Die antijüdischen Pogrome in der vordemokratischen Zeit unterschieden sich jedoch maßgeblich vom heutigen Ausgrenzungsdiskurs. Heutzutage haben wir es mit einer Szene, einem Kollektiv zu tun, dass sich von der Demokratie eine Teilhabe am Gesetzgebungsprozess erhofft und in diesem Sinne kollektiv netzwerkt und offensiv Propaganda betreibt. Die früheren Pogrome waren angeführt, meist von Einzelpersonen. Interessant ist geschichtlich gesehen auch, dass die damalige Hetze eben nicht vom gemeinen Volk ausging, sondern in einem Milieu erst reifen konnte, indem ähnliche Zustände herrschten wie im heutigen Wohlfahrtsstaat. Häufig waren es z.B. Mönche, die in ihren quasi-kommunistischen Klostergemeinschaften – ohne Familie – eben dieses von mir oben erwähnte Defizite aufwiesen und nicht selten die nötige Zeit zur Verfügung hatten, um den Schutz- und Handlungsdrang anderweitig zu kanalisieren.

      Für Ihren Hinweis zu den Orten im Oderbruch bin ich sehr dankbar.

  2. Feminismus ist vom Shaytan

    Fragt sich nur, wie sie in diese emotionale Krise geraten. Etwa, weil sie von Ali, Ötzgür und Murat zusammen geschlagen worden sind? Wobei man hier dann beim nächsten Thema wäre – wie der demokratische Wohlfahrtsstaat eben auch jene Alis, Ötzgürs und Murats heranzüchtet(zusammen mit der feminisierten Bemutterungsjustiz und Bushido und Co.)

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  3. Aphelótes

    Die Antwort ist wesentlich einfacher und benötigt keinen demokratischen Wohlfahrtsstaat: Ignoranz in all ihrer Pracht, mit den entsprechenden Möglichkeiten, sie auszuleben.

    Viele Leute setzen sich ungern damit auseinander, dass jegliche Probleme/Konflikte unserer Zeit meist äußerst komplexe Angelegenheiten sind, wo doch einfache Antworten und Gründe viel sympathischer erscheinend.

    „Ich und meine Kumpels sind arbeitslos, weil wir ein unterqualifizierter und fauler Haufen von Säufern sind, die in der Schule mal lieber besser hätten aufpassen sollen.“ klingt einfach nicht so knackig wie „DIE KLAUEN UNS UNSERE JOBS!“.

    Einfache Feindbilder haben sich nunmal schon immer besser verkauft als komplexe Betrachtungen, und inzwischen ist das Feindbild „Ausländer“ etwas ausgelutscht, wohingegen „der böse Islam“ zum neuen Kassenschlager geworden ist.

    Das ging im Grunde schon die ganze Menschheitssgeschichte lang so auf die ein oder andere Weise, zunehmende Eskalationen verzeichnen sich aber erst zunehmend Richtung Moderne, nicht weil da die blöde Demokratie, Sozialismus u.Ä. kam, sondern schlichtweg wegen weitaus besseren Möglichkeiten, stumpfsinnige Ideen und Gruppierungen besser zu verbreiten und zu organisieren:
    Druckerpresse, organisiertes Postsystem, Zeitungen, Telegraph, Eisenbahn, Telefon, Automobil, Luftfahrt, Fernsehen und schließlich als Krönung das Internet.

    Konnte man vor 600-700 Jahren sich gerade mal beim eigenen Stammtisch auskotzen und höchstens mal einen kleinen Mob aufstellen, kann man sich heute in Sekundenschnelle der ganzen Welt aufzwingen und sich mit Leuten organisieren, die zwar weit entfernt von einem selbst leben, aber genauso dumm sind wie man selbst.

    So verhält es sich im Grunde mit vielen Dingen: Nicht die Menschheit neigt über die Geschichte hinweg mehr zum Mist bauen, sondern es gibt einfach immer mehr Möglichkeiten, immer größeren Mist zu bauen.

    Und das hier Beschriebene ist dann das Resultat: Man ist unzufrieden und sauer wegen irgendwas, dank moderner Kommunikation trifft man auch schnell andere Leute, die unzufrieden und sauer sind. Ein aktuelles Feindbild, und die Begründung, warum dieses Feindbild schuld daran ist, dass die Welt einen unzufrieden und sauer macht, ist auch schnell gefunden, jetzt muss man sich nur noch treffen und Stunk machen, was auch kein Problem ist, und Schwups hat man eine Pegida-Demonstration auf die Beine gestellt.

    Mit einem demokratischen Wohlfahrtsstaat etc hat das alles daher recht wenig zu tun. Die Menschen waren schon immer so, egal wo und wann. Es kommt nur darauf an, welche Möglichkeiten ihnen zur Verfügung stehen.

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  4. Franz

    Der ganze Beitrag ist leider einseitig pro domo geschrieben: Soll ich´s „Islamophilie“ nennen? Überall schauen die Pferdefüße hervor; so durch die Verwendung des linkspopulistischen und unwissenschaftlichen Wortes „Islamophobie“. Würde man sich über die Psychopathologie von Konvertiten Gedanken machen, würden Pathologisierungen nicht so leicht akzeptiert. Schade also, denn Kritik am Wohlfahrtsstaat durch einen, der wie wir alle von ihm profitiert, könnte intelligenter formuliert sein.

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    • Yahya Jens Ranft

      Yahya Jens Ranft

      „[…] denn Kritik am Wohlfahrtsstaat durch einen, der wie wir alle von ihm profitiert, könnte intelligenter formuliert sein.“

      Sie scheinen ein Mathegenie zu sein.
      Profit (d.h. ein Überschuss, welcher nach Abzug der Kosten der eingesetzten Mittel erzielt wird) für uns alle im Wohlfahrtsstaat? Wenn ich das nachrechne, dann kommt eher ein Verlust heraus. Wo kommt denn der Überschuss her?
      Zinsen bekommen wir nicht für unsere Steuern, vielmehr müssen wir sie zahlen. Und der gigantische Behördenapparat finanziert sich aus einem Paralleluniversum?

      NEIN! Der Wohlfahrtsstaat ist ein Verlustgeschäft. Im Schnitt bekommen wir weniger als wir einzahlen, mindestens 1 Drittel, denn das geht für den Behördenapparat drauf, der die Steuern, Abgaben und Zwangsversicherungen einzieht, verteilt und diejenigen verfolgt die die Investition in dieses Verlustgeschäft verweigern.

  5. Emil

    Ähm, ich würde sagen die Menschen begreifen langsam, dass Ihr sie auf dem Gewissen habt? Und welche Zukunft ihnen blüht, wenn sie nicht endlich anfangen gegen Euch anzukämpfen.

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