Klerikaler Kadavergehorsam – Teil 3

17 Kommentare

„Ich folge nur dem Beweis!“

Keine Aussage ist so giftig, keine so folgenreich für den weiteren Umgang in der Salafisten-Rechtsschul-Muslim-Gemeinde. Hat man es doch tatsächlich gewagt, diesen Satz zu äußern, ohne im Vorfeld und im Nachhinein mindestens fünf Disclaimer anzubringen.

Darf man das überhaupt sagen? Darf man sich nur der Autorität der Offenbarung unterwerfen?

Diese Frage lässt sich mit einem klaren „Ja!“ beantworten. Der Muslim hat die beiden Offenbarungen in Form des Korans und der prophetischen Tradition erhalten. Nicht mehr und nicht weniger.

Allerdings ist da noch ein kleines Problem. Der Islam wurde vom Herrn in arabischer Sprache übermittelt, daher ist die gesamte relevante Literatur auf Arabisch gehalten. Arabisch? Ist das nicht diese Hipstersprache? Die dazu auch noch ziemlich arm an Vokabular ist? Ist das nicht diese Sprache, in der „gestern“ auch „morgen“ und „morgen“ auch mit „vorgestern“ übersetzt werden kann? Steht Arabisch nicht auf einer Linie mit Tasmanisch[1] oder Maya, die noch nicht gänzlich entschlüsselt wurden? Und was ist mit der Grammatik? Soll es da nicht 17 Fälle geben und 13 verschiedene Zeitformen, die auch noch vom Wetter, der Stimmlage des Sprechers und von der Tatsache abhängen, ob das aktuelle Jahr ein Schaltjahr ist oder nicht?

Kein Wunder, dass man ein 30-jähriges Studium an einem saudi-arabischen Institut benötigt um auch nur einen Vers aus dem Koran zu verstehen!

Keine Sorge, auch dieser Einwand ist lediglich der hilflose Versuch den Laien vor dem Studium der islamischen Religion abzuschrecken und die Macht der klerikalen Eliten zu erhalten.

Geht man strukturiert an die Sache heran, so wird man feststellen, dass das Erlernen von Arabisch, wie bei jeder anderen Sprache auch, wer hätte es gedacht, Fleiß und Anstrengung benötigt. Einigen fällt das Sprachenlernen leicht, andere wiederum tun sich bereits beim englischen „th“ sehr schwer und können es nicht aussprechen, ohne die eigene Zunge zu überanstrengen.

Abgesehen von der Tatsache, dass die Gelehrten auch einem arabischen Muttersprachler ein unangeleitetes Studium des Islams nicht erlauben, soll an dieser Stelle noch auf die Möglichkeit einer Übersetzung der heiligen Schrift hingewiesen werden. Kritiker werden einwenden, dass es bei zwei unterschiedlichen Sprachen, dazu auch noch aus unterschiedlichen Sprachfamilien bei der Übersetzung zu Problemen kommen kann, da die Eigenheiten der einen Sprache nicht ohne Weiteres in die andere Sprache überführt werden können. So gibt es Idiome die in Sprache A weitläufig verwendet werden, in Sprache B aber gänzlich unbekannt sind. Auch gibt es Sprachen, die für den Ausdruck eines komplizierten Sachverhalts ein Wort nehmen, wofür andere Sprachen mehrere Sätze benötigen. Wie man da Abhilfe schaffen kann? Gründlicher übersetzen! Wenn man einen Sachverhalt nicht in einem Satz erklären kann, dann möge man doch die Güte aufbringen und diesen in zwei oder drei Sätzen erklären. Wo ist da das Problem? Wenn man für eine Aussage einen besonderen Kontext benötigt, dann möge man auch diesen textuell beschreiben, damit man die Aussage verstehen kann. Dass man beim Übersetzen der heiligen Schrift viel Fingerspitzengefühl und Gründlichkeit an den Tag legen muss, sollte jedem bekannt sein. Man kann nicht, wie gerne praktiziert, diese Aufgabe an 30 handverlesene Ukthis verteilen, die weder die Ausgangssprache, noch die Feinheiten der Zielsprache richtig kennen.

Die Mehrheit der sich zum Islam bekennenden Menschen sind keine arabischen Muttersprachler und von den Arabischsprechern, spricht auch nur eine Minderheit Hocharabisch, heißt also, dass der Koran und die Sunnah in die jeweiligen Sprachen übersetzt werden müssen, da die meisten Muslime kein Arabisch sprechen. Ob das nun ein guter Zustand ist, vermag ich an dieser Stelle nicht zu beantworten, de facto muss aber eine Übersetzung in die jeweiligen Sprachen erfolgen, da man sonst die Mehrheit der zum Islam bekennenden Menschen von der relevanten Literatur ausschließt. Außerdem gibt es im Islam keine allgemeine Pflicht Arabisch zu erlernen, man muss lediglich das verstehen, was man für seinen religiösen Alltag benötigt.

Es sei an dieser Stelle angemerkt, dass Arabisch nicht allzu schwer zu erlernen ist. Man lässt sich beim Erlernen der Sprache einfach vom Geschwätz der Leute abbringen. Sie sagen es sei zu schwer und nicht erlernbar und projizieren ihre eigene Unfähigkeit auf die Allgemeinheit der Menschen. Aber leider ist der 0815-Muslim nicht mit besonderen Ambitionen, geschweige denn Fleiß ausgestattet, auch an dieser Stelle bemüht er jeden Strohhalm, der seinem Gesprächspartner erklären soll, dass er ja alles versucht um Arabisch und / oder den Islam zu erlernen, aber er immer irgendwie daran gehindert wird. Ähnlich der Mär vom aufrichtigen Hartz4-Empfänger, der ja nur nicht arbeiten geht, weil er ja sonst nicht mehr die Religion erlernen kann. Diese Harzt4-Empfänger verbringen viele Jahre in einem krankhaften Zustand der Lethargie und man wird im Laufe der Zeit keine Änderung an ihnen bemerken, außer dass sie vom ganzen WoW zocken graue Haare bekommen haben!

Kommen wir nun zu einem anderen Thema. Wir haben herausgefunden, dass jeder Mensch mit bisschen Fleiß, Anstrengung und Willenskraft die arabische Sprache und somit auch die islamische Literatur erlernen und verstehen kann. Aber man wird sich an dieser Stelle fragen, was aber genau einen Gelehrten ausmacht? Ist man mit der Kenntnis der islamischen Literatur ein Gelehrter? Ab wann ist man nun ein Gelehrter? Wenn man einen Abschluss von einem saudi-arabischen Institut erworben hat? Wenn der Bart lang genug ist? Wenn man vom Propheten (Allahs Segen und Heil seien seine ewigen Begleiter) träumt und er einem im Traum die Urteile zu Rechtsfragen übermittelt, die dann als Quasi-Offenbarung Einzug in die Literatur des Gelehrten finden? Wenn man schöne Episoden aus seinem Leben erzählen kann a la

„‘Ich träumte einst von meiner Tochter. Sie war von Wölfen umzingelt, aber als sie sich ihr näherten fingen sie an zu heulen und ergriffen die Flucht.‘ Ein Anhänger des Gelehrten fragte daraufhin, was dieser Traum zu bedeuten hatte und er entgegnete: ‚Meine Tochter ist eine Säule der Ehre, wie im echten Leben trauen sich die Wölfe (=Männer) nicht ihr zu nahezutreten, weil sie wissen, was für eine Tochter sie ist!‘“

Oder erst wenn man die Erlaubnis von einem namhaften Saudi-Shaykh bekommen hat? Oder erst wenn man in den Goldstreifenumhang hineinpasst?

Gelehrten werden in der Regel mit den besten Eigenschaften und Qualitäten attribuiert. Ihr Verstand ist scharf, ihr Gerechtigkeitssinn ausgeprägt, ihr Bartwuchs enorm und sie kennen die islamische Literatur in – und auswendig. Fairerweise muss man dazusagen, dass für sie auch verschriftlichte Analogieschlüsse und eigene Meinungen ihrer Vorgänger ebenso zur islamischen Literatur gehören. Des Weiteren sind sie von einem Konsensbegriff beseelt, wobei sie unter Konsens lediglich Ihre Meinungen, unter Ausschluss anderer, kritischer Meinungen verstehen. Das ist zwar dann kein Konsens, aber wir wollen nicht in Wortklauberei verfallen. Aber der Konsens ist für sie ein heiliges Instrument. Der Gelehrtenkonsens ist mit einem Koranvers oder einem authentischen Ausspruch des Propheten gleichzusetzen. Interessant an dieser Stelle ist zu erwähnen, dass es in der katholischen Kirche das Prinzip des „verbum incarnatum“ gibt. Heißt, immer wenn das Kardinalskollegium und der Papst zusammentreffen, geht das kanonische Recht davon aus, dass das Wort Gottes in die Sitzung „inkarniert“. Honi soit qui mal y pense! Luther hingegen vertrat die Ansicht des „sola scriptura“ (nur die Schrift) und verurteilte den Kult um und von der katholischen Kirche, das nur am Rande.

Ein Muslim ist nichts anderes als ein Mensch, mit erhöhtem Interesse an der islamischen Literatur, da er sie verinnerlichen und nach den Richtlinien der Offenbarung handeln möchte. Was Gelehrte, neben den kleinen Abstechern zum Pöbel und in den Palast des momentan Herrschenden, eigentlich tun müssen, ist die Schrift zu vermitteln! Nicht jeden Buchstaben 100-mal umdrehen und dieses literarische Kunstwerk dann als Islam zu verkaufen. Ihre Aufgabe ist die Rechtspflege, sie müssen aufrichtige, neutrale Lehrer sein. Sie müssen den Koran vermitteln, die Tradition des Propheten aufleben lassen. Das ist ihre Aufgabe. Sola Scriptura!

Heutige Gelehrte fürchten lediglich um Ihre Macht und ihren Einfluss. Sie wissen, wenn der Pöbel anfängt im Koran zu lesen, dann werden sie selber überflüssig. Anstatt sich darüber zu erfreuen, dass durch ihre Lehrleistung Menschengruppen selbstständig die Literatur aufnehmen und weitervermitteln können, fürchten sie die aufgeklärte Masse. Eine Masse die nach der Schrift ruft, denn wer würde sie dann nach dem Sinn von Meerjungfrauen fragen? Wer würde sie um Rat bitten, wenn ein muslimischer Astronaut zum Mars fliegen möchte? Wer hört ihnen dann zu, wenn sie astronomische Fakten leugnen und der Erde ihre Kugelgestalt absprechen. Wer hört dann ihre Vorträge darüber, warum es so toll ist, dass in Marokko anders gebetet wird als in Pakistan, obwohl beide Nationen eine muslimische Mehrheitsgesellschaft haben? Wer hört dann ihre Loblieder auf den aktuellen Tyrannen?

Es werden nun dieselben Leute aufkommen und einwerfen, dass der typische Orientale ja gar nicht in der Lage sei den Koran zu verstehen und die gemeine Masse ja sowieso nicht. Zugegeben, die islamische Welt ist nicht gerade für ihre Tüchtigkeit und ihre Zivilisation bekannt. Auch lasse ich an dieser Stelle nicht gelten, dass vor 70 000 Jahren mal ein Muslim irgendwie die Trigonometrie erklärt hat, das zählt alles nicht. Diese Zeit ist längst vergangen. Es zählt nur das hier und jetzt und die Zukunft. Es ist die typisch fatalistische Einstellung des Morgenlandes. Ich schaffe das nicht, das ist zu schwer. Meine Vorväter hätten es nicht gewollt. 7 Facebook-Kommentare sagen, dass man den Islam nicht einfach verstehen kann. Auf YouTube wurde dasselbe, bloß ohne Beachtung von Orthografie und Grammatik, gesagt. Was soll ich jetzt machen? Der Muslim steht sich selber im Weg. Seine Standesgenossen blockieren seinen Erfolg. Neider und Miesmacher bevölkern unsere Straßen. Diese störenden Elemente kommen nicht von außen. Sie sind tief in unseren Gesellschaften verankert. In unserer Mentalität, in unserer Familie, in unser Herrscherkaste und vor allem in unserem Gelehrtenkult. Sie manifestieren den Status Quo und das seit Jahrhunderten.

Innovation? Brauchen wir nicht! Freundlicher Umgang mit der eigenen Ehefrau / mit den Kindern? Brauchen wir nur als Facebook-Geschichten, um die Ukhtis auf uns aufmerksam zu machen! Wissbegierigkeit, Tatendrang, Ehrgeiz, Streben nach Glück? Das machen nur Amerikaner und Mossad-Agenten! Sich anstrengen und keine Hartz4-Karriere beginnen? Das ist vom Teufel! Die islamische Literatur verinnerlichen? Wer soll dann auf Facebook schreiben, dass das nicht möglich ist, schon mal daran gedacht?

Wir halten fest. Der Islam besteht aus den beiden Offenbarungen. In diesen Offenbarungen, wurde keinem menschlichen Wesen absolute Autorität auf Angelegenheiten des Glaubens und der Herrschaft übertragen. Der Prophet hat falsche Autoritäten mit seinem Lebenswerk gestürzt und sie ad acta gelegt. Wir haben einen freien Geist. Wir sind mit Vernunft ausgestattet. Wir alle wissen was richtig ist, ohne auf die Eminenzen aus Saudi-Arabien oder sonst wo zurückgreifen zu müssen. Wir hinterfragen Autorität und zwar allgemein, nicht erst, wenn ein Autor auf ahlu-sunnah.com eine fragwürdige Fatwa aus einem Referenzwerk irgendeiner unnötigen Rechtsschule anbringt. Rassismus, Zwangsehe (auch hier haben einige unserer heiligen alten Männer Dekrete erlassen, die einem Vater die Zwangsverheiratung seiner Tochter zugestehen) oder andere Allerweltsthemen, bei denen man gelernt hat, sich sofort zu distanzieren, dürfen nicht alleinige Auslöser für eine kritische Analyse und Recherche sein. Sola Scriptura! Er möge die Schrift bringen oder schweigen!

Es kann ja wohl nicht wahr sein, dass die Rechtleitung eines Menschen von seinem Zugang zu saudi-arabischen Gelehrten abhängig gemacht wird. Zu diesen er nur deswegen gefunden hat, weil seine Peergroup gerade Fan von diesem und jenen Gelehrten aus Saudi-Arabien ist. Und nächstes Jahr? Vielleicht ist dann Kuwait der aufgehende Stern am Gelehrtenhimmel? Oder doch Katar, oder eher Pakistan? Oder ein anderer Goldstreifenträger, mit einer extremen Nischenmeinung, die einem ermöglicht so ziemlich der einzige Muslim auf der Welt zu sein?

Und nun das Geheimnis: Was macht einen Gelehrten aus? Was muss ich im besten Fall mitbringen um ein Gelehrter zu werden?

Man muss, so banal wie es klingt, gut Auswendiglernen können. Nicht mehr, nicht weniger. Die Gelehrten lernen auch nur die Bücher ihrer Vorgänger auswendig und dürfen danach wissenschaftliche Fakten außer Kraft setzen.

Mein nicht ganz floskelfreier, aber dafür wirklich ernstgemeinter Aufruf an alle zum Abschluss:

Lasst euch von niemandem kleinreden. Niemand hat das Recht in eurem Namen allgemeingültige Phrasen a la „dies ist zu schwer“, „das ist unmöglich“ oder „das kann man nicht schaffen“ abzugeben. Ein aufrichtiger Mann, der wirklich vom ganzen Herzen bestrebt ist, den Koran und die Sunnah zu erlernen, ist viel besser, als ein wohlgenährter Goldstreifenträger, dessen einzige Qualifikation ist, den ganzen Tag über „was wäre, wenn der Prophet das und das gesagt hätte, was er aber nicht tat?“ zu philosophieren. Lehrer sind dafür da, sich selber am Ende überflüssig zu machen. Das was wir haben, ist ein Zwangsmonopol. Eine kleine Gruppe von Menschen, mit einem Monopol auf den Islam, das sie nicht abgeben wollen.

Also, seid wissbegierig. Lasst euch nicht von Miesmachern und Nichtskönnern demotivieren, die gibt es zuhauf! Nur wer sich anstrengt, kann Ergebnisse präsentieren, nur wer arbeitet, kann auch Fehler machen! Die Religion ist leicht, sie wird nur künstlich erschwert!

 

[1]Tasmanisch kann nicht mehr entschlüsselt werden, da alle nativen Sprecher tot sind und keine Verschriftlichung stattgefunden hat.

 

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17 Antworten auf “Klerikaler Kadavergehorsam – Teil 3”

  1. submission

    Vielen Dank für den Artikel. Die besonders im letzten Teil abgeschnittene, vorbildliche Einstellung sollte nicht nur für geistliche Zwecke und Angelegenheiten gelten. Wir Muslime sollten versuchen überall unser Bestes zu geben und stets strebsam zu sein.

    Möge Allah uns bis zum letzten Atemzug auf dem rechten Pfad halten und uns vor Unmündigkeit, Faulheit und Lethargie schützen.

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  2. Anon

    Den quran „genauer“ in andere Sprachen übersetzen??? Und wer bitte sei dazu qualifiziert den Quran zu interpretieren, um ihn „gründlicher“ zu übersetzen? Wenn überhaupt (!) dann ja doch ein Gelehrter, der wenigstens auch alle Ahadith kennt, oder soll man das allen Ernstes jedem Muslim, egal in welchem Zustand, selbst überlassen, da jeder sich damit befassen soll? Das wirft uns doch tausend Schritte zurück. Bei so vielen Fehlern und Missverständnissen die da auftreten werden. Wir haben nur einen Quran und eine Sunnah und sind trotzdem nicht in der Lage uns zu einigen. Wie wird’s dann aussehen mit mehreren unterschiedlichen Ausführungen eines Quran?

    Dass man die Gelehrte wie eine eigene unantastbare Kaste behandelt oder die Rechtleitung einer Person von ihnen abhängig macht usw ist natürlich falsch, aber das sind wieder nur Extreme und nicht die Regel. Und diese Verallgemeinerung „heutige Gelehrte“, ist das ernsthaft so gemeint? Ich hoffe, dass es nur eine Übertreibung ist. Man kann doch nicht gleich über alle Gelehrte herfallen und ihnen Heuchelei vorwerfen. Sie bleiben weiterhin Brüder im Islam subhanallah. Und das von „Konsens“ (trotz des, wie ich finde, allgemeinen vorsichtigen Umgangs mit dem Begriff) falsch Gebrauch gemacht wird, stimmt. Aber jetzt auch noch den Gelehrtenkonsens in Frage zu stellen, was Aqeeda Inhalte miteinbezieht, kann ich nicht nachvollziehen. Wenn genügend Beweise, sprich Ayat und Ahadith genannt wurden, wieso sollte man die Aussagen nicht akzeptieren? Dann ist es doch egal von wem sie kommen, ob Gelehrter oder „0815-Muslim“?

    Hmm … Aber auf jeden Fall ist diese „Schaff ich nicht“ Mentalität unsere größtes Problem.

    Antworten
    • Zia ul Haq

      Zia ul Haq

      1. Der Koran muss entweder in die entsprechenden Zielsprachen übertragen werden oder alle lernen Arabisch, was nicht sehr wahrscheinlich ist. Dass es dazu Fleiß, Sprachkenntnis und Wissen benötigt, habe ich bereits im Beitrag genannt und auch erwähnt, dass man so eine wichtige Aufgabe nicht an irgendwen abgeben darf.

      2. „Wir haben nur einen Quran und eine Sunnah und sind trotzdem nicht in der Lage uns zu einigen. Wie wird’s dann aussehen mit mehreren unterschiedlichen Ausführungen eines Quran?“

      Diese Aussage ist dem Wahn geschuldet, dass die islamische Literatur unverständlich und ein ewiges Mysterium sei. Hierzu müssen alte Denkmuster aufgebrochen, der eigene Stolz runtergefahren, Ahnen und Vorgänger hinterfragt werden und Neutralität einkehren. Einigkeit ist aus einem ganz bestimmten Grund nicht gewollt, da einige gelehrte Männer dann ihren Einfluss verlieren würden. Der Status Quo ist momentan zu attraktiv, um ihn jetzt zu beenden. Aber schön, dass du dich auch fragst, warum bei so vielen Gelehrten so viele unterschiedliche Meinungen dabei rauskommen, obwohl wir dieselbe Literatur haben.

      3. Der alles durchdringende Gelehrtenkult ist Normzustand und kein Extrem. Gelehrte werden mit dem Islam gleichgesetzt, was schlicht nicht stimmt.

      4. „Konsens“ ist ein Totschlagargument. Man konstruiert ihn zur Not um seinen Gegner mundtot zu machen.

      5. Für die Tatsache, dass Allah einzig und wahrhaftig ist oder dass der Prophet unser Meister ist, dafür brauche ich keinen Gelehrtenkonsens. Du tust so, als würden solche Dinge auf einem „Nicäischen Konzil“ beschlossen werden. Nur weil sich die Gelehrten zufällig in einem Gebiet mal nicht uneins sind, heißt das noch lange nicht, sie hätten dieses Faktum erfunden!

    • Anon

      Danke für deine ausführliche Antwort.

  3. Anon

    Die Antwort ist dermaßen offensichtlich und simple und ich fühl mich so orientierungslos wie noch nie. Dass ich so sehr auf Anweisungen angewiesen war/bin, kann ich grad selber nicht fassen. Ich war kurz davor wieder zu fragen „Womit sollte man genau beginnen?“. Wahrhaftig, man kann nicht mehr einfach „vorgekautes‘ Wissen aus Büchern nehmen. Ohne sich tatsächlich selbst damit ausreichend zu beschäftigen, geht es nicht. Das raubt mir momentan meinen Schlaf.

    Antworten
    • Zia ul Haq

      Zia ul Haq

      Richtig. Muslim zu sein und die dazugehörige Offenbarung nur vom Hörensagen zu kennen, ist eine fragwürdige Einstellung zum Islam.

      Danke für deine Beiträge. Ich wünsche eine erholsame Nachtruhe!

  4. Jahil

    Zia ul Haqq kennst du die arabischen Sprachwissenschaften und bist du mit ihnen gut vertraut?
    Wenn du nicht die immensen Einflüsse der Grammatik und andere Sprachwissenschaften auf den Quran und der Sunna kennst, dann empfehle ich dir das Buch الصعقة الغضبية von at-Tufi einmal zu lesen.

    Antworten
  5. Isch

    As salaamu alaikum wa Rahmatullaah wa baarakathu, ich frage mich was bitte ist an diesen beitragen hier wichtig? Die Frage geht an die Leser, die sich dafür bedanken.

    Was sollen diese unverschämte Beiträge SubhanAllah? Was soll uns Lesern diese Beitragen bringen? Islamisch gesehen REINGARNICHTS. Deine Aussagen werden weder vom Quran noch von der Sunnah bekräftigt! Was soll das? Ernsthaft jetzt.

    Dafür hättet ihr das Forum nicht schließen brauchen

    Antworten
    • Zia ul Haq

      Zia ul Haq

      Meine Intention geht aus meinen Beiträgen glasklar hervor, wenn was nicht klar sein sollte, so hat man in den Kommentaren die Möglichkeit nachzufragen.

      Könntest du bitte die Güte aufbringen und mir erklären, warum mein Beitrag nicht vom Koran und der Sunnah unterstützt wird?

    • Jahil

      Zia ul Haqq kennst du die arabischen Sprachwissenschaften und bist du mit ihnen gut vertraut? Wie sind deine sprachlichen Kompetenzen im arabischen? Ich glaube du bist ein wenig voreilig in all dem, was du schreibst.

    • Zia ul Haq

      Zia ul Haq

      Entweder du hast etwas substanzielles zum Thema zu sagen oder du lässt die weitere Diskussion mit mir. Wir wissen bereits, dass du ein Übermensch bist, weil du auf einem deutschen Blog Arabisch schreiben kannst, poste das auf Facebook, damit alle was von haben.

      Danke.

    • Jahil

      Wie kannst du so anmaßend über Dinge sprechen, über die du keine Kenntnisse verfügst? Ich bezweifle sehr, dass du mit den islamischen und arabischen Disziplinen vertraut bist. Es ist ja nicht falsch kritisch zu sein, aber wenn jemand kritisiert, bei dem man zweifelt ob er sich überhaupt in den verschiedenen Disziplinen der Sharia ausgebildet hat, die fast die Hundert übertreffen, dann wird mir aber wirklich übel. Leute, die überhaupt keinen Zugang zu den Wissenschaften haben sind überhaupt nicht berechtigt solches zu schreiben.

      Hier schau mal was ibn Hazm sagt, den ihr rühmt wobei die Gemeinsamkeiten zwischen dir und ihm gleich Null sind.

      الإحكام في أصول الأحكام لابن حزم (2/ 89)
      ولهذا لزم لمن طلب الفقه أن يتعلم النحو واللغة وإلا فهو ناقص منحط لا تجوز له الفتية في دين الله

      „Und darum ist es für den Studenten des Fiqh unerlässlich die Grammatik und die Sprache zu erlernen. Tut er es nicht, ist er minderwertig und es ist ihm nicht gestattet über Bestimmungen im Deen Allahs zu berichten (Fatwa erteilen).

      Ibn Hazm hatte die Sprache gelernt, mit all ihren Wissenschaften (ca. 12) und die Usuul, den Mustalah, al-Mantiq usw. Wenn du das getan hast, dann kannst du ja wieder schreiben.

      Das du trotz Unvermögen an fundierten Kenntnissen über eine Materie sprichst, über die du nicht einmal geträumt hast, ist so erbärmlich.

      Du tust mir so leid. Die Leute denken hier, weil sie eine angehobene Sprache verwenden und vll. gute Bildung in der Dunya erlangt haben, dass sie nun zu allem berechtigt sind und dann noch mit so stinkenden Arroganz.

      Allahu al-Musta’aan

    • Zia ul Haq

      Zia ul Haq

      1. Schon mal chinesische oder kyrillische Kommentare unter einem deutschsprachigen Medium gelesen? Nein? Das ist ein deutschsprachiger Blog, das Publikum ist deutschsprachig, die Autorenschaft ist deutschsprachig. Und nun kommst du und postest unter meinen Beiträgen arabische Kommentare, was hat das für einen Sinn, außer sich selber zu feiern, wie toll man mit Unicode umgehen kann?

      2. Deine Zweifel sind nicht von Belang.

      3. Deine Argumentation ist gänzlich gegen mich als Person gerichtet und ich werde daher nicht weiter auf deine persönlichen Angriffe gegen mich eingehen. Setze dich lieber mit den Fragen und Apellen auseinander, anstatt dir Sorgen darüber zu machen, ob ich irgendwelche Bücher von irgendwelchen Leuten gelesen habe, die zudem zehn mal mehr Text beinhalten als der Koran und die Sunnah zusammen.

      4. Ich muss meinen Erfolg nicht rechtfertigen.

      5. Ich brauche dir nicht leidtun, ich bin ein freier Mann mit einem freien Kopf. Viel mehr tun mir jene Leute leid, die sterblichen Menschen prophetenähnliche Autorität geben und die noch stolz auf ihre Sklavenmentalität sind.

      6. Klerikaler Kadavergehorsam Teil 4 und 5 sind bereits in der Mache.

      Schönen Freitag noch.

    • Mert

      Super beantwortet, Zia ul Haq.

  6. Alhamdulillah

    Es überliefert Abu Musa (r), dass der Gesandte Allahs (s) sagte: „Es gehört in der Tat zur Verehrung Allahs, des Erhabenen, einen betagten Muslim zu ehren, jemanden zu ehren, der den Qur’an auswendig gelernt hat, vorausgesetzt, er begeht darin keine Textfälschung und widerspricht durch sein Verhalten nicht dem, was er vorträgt, und einen gerechten Herrscher zu ehren.“ (Abu Dawud)

    Dies ist ein gutes Hadith (hasan)

    [Riyad us-Salihin Nr. 354]

    “Jemand, der zu unseren Kleinen nicht barmherzig ist, die Ehre unserer Alten nicht achtet und nicht die Rechte unserer Gelehrten kennt, gehört nicht zu meiner Ummah (Gemeinde).” (Musnad Imam Ahmad Hadith Nr.22807)

    Antworten
    • Mert

      So Bruder, es gibt auch Verse, wo Allah die Muslime auffordert, nicht allen blind zu folgen! Was jetz?
      Der Bruder Zia ul Haq, sagt ja nicht, das alle Gelehrten schlecht sind, aber wir sollten auch mal, selber die Augen aufmachen! Würdest du ins Feuer springen, wenn ein Gelehrter, es sagt?

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