Sure 36, Vers 36 – ein physikalischer Erklärungsversuch

4 Kommentare

as-salamu 3leikum wa rahmatuLLAHi wa barakatuh,

 

Nach dem letzten Artikel, in dem ich die Ayah tatsächlich selbst ‚interpretiert‘ habe, bin ich über einen weiteren interessanten Vers gestolpert, über den ich gerne ein paar Worte verlieren würde. Dieser ist jedoch auch bereits anderen muslimischen Physikern aufgefallen; bspw. –> Sultan Bashiruddin Mahmood

Er ist Vers 36;36 Sura Yasin und liest sich wie folgt:

 

سُبۡحَـٰنَ ٱلَّذِى خَلَقَ ٱلۡأَزۡوَٲجَ ڪُلَّهَا مِمَّا تُنۢبِتُ ٱلۡأَرۡضُ وَمِنۡ أَنفُسِهِمۡ وَمِمَّا لَا يَعۡلَمُونَ

Glory to God Who created all things in pairs, Those that the earth produces, As well as their own (human) kind, And things of which They have no knowledge

(Man beachte ausgerechnet die Versnummer 36;36 in dem Zusammenhang mit ‚pairs‘)

Eine allererste Idee könnte sein, dass es zu jedem Menschen einen Doppelgänger gibt. Es gibt Portale, bei denen man mittels Photo-Upload überprüfen kann, ob es jemanden gibt, dessen Gesichtszüge gemäß eines Gesichtserkennungs-Algorithmus‘ ähnlich zu den eigenen sind (wenn man seine Bedenken bezüglich Datenschutz‘ mal hintenanstellt). Bei mir war es nicht erfolgreich und im Prinzip wären auch die Interpretation einer Handvoll gleich aussehender Menschen meines Erachtens nach dem allgemeinen Gehalt einer Botschaft im Wort ALLAHs ungebührlich.

Als Mathematiker und Physiker war mir klar, dass man das auf einer tieferen Ebene verstehen kann. Die Antwort lieferte P.A.M. Dirac nämlich bereits im Jahr 1932. Dort entdeckte er die berühmte –> Gleichung, die nun seinen Namen trägt und die sog. relativistische Fermionen beschreibt. Sie sieht, in natürlichen Einheiten, relativ unspektakulär aus:

\underbrace{\left[i \sum_{\mu=0}^3 \gamma^\mu \frac{\partial}{\partial x^\mu} - m\right]}_{Dirac-Operator}\Psi (x) = 0 ^*

Wendet man den sog. –> Diracoperator zweimal an, so stellt man fest, dass sich daraus die sog. –>Klein-Gordon-Gleichung ergibt. Der Clou ist nun, dass die Klein-Gordon-Gleichung selbst über die relativistische Energie-Impuls-Beziehung hergeleitet wird.

E^2=m^2+p^2, mit den Wurzeln E=\pm \sqrt{ m^2+p^2}

Es gibt also Teilchen mit positiver und negativer Energie. Das ist letztlich auch der ganze Zauber, der hinter Antimaterie steht. Antimaterie ist das Gleiche wie Materie, lediglich sind die Ladungen vertauscht. Beispielsweise hat  ein Positron die (nach allen bisherigen Experimenten) gleiche Masse, Spin und Lebensdauerwie das Elektron, allerdings ist es positiv geladen. Deswegen ist es auch möglich bspw. –>Antiwasserstoff herzustellen. Eine weitere Interpretation über Materie/Antimaterie im Rahmen der Quantenfeldtheorie würde hier den Rahmen sprengen. Ich denke aber, es ist hinreichend klar geworden, dass diese großartige wissenschaftliche Entdeckung vor knapp 100 Jahren bereits vor 1400 Jahren einem arabischen Kaufmann offenbart wurde, der nun wirklich nicht den Hauch einer Ahnung haben konnte, wie das eventuell zu verstehen sein könnte. Hier zeigt sich in meinen Augen, dass der Koran jeden Aspekt des Lebens: Leben, Tod, Ökonomie, Gesellschafstheorie und letztlich auch Wissenschaft als Themen aufgreift und als Richtschnur und Inspirationsquelle dienen kann.

Der Halbsatz „Who created all things in pairs“ zeigt, dass dieses Konzept bei Menschen, Pflanzen und eben Elementarteilchen gilt. „things of which they have no knowledge“ beschreibt genau den obigen Sachverhalt, dass diese Ayat tiefere Wahrheiten sind, die zu Zeiten des Propheten und selbst bis ins 20 Jhd. nicht bekannt waren, nichtsdestotrotz zu allen Räumen und Zeiten gelten.

Die Frage ist nun: Ist damit die Ayah nicht weiter in dieser Hinsicht interpretiertbar? Tatsächlich hat auch der Geist, der hinter dieser Ayah steckt, zu weiteren Entdeckungen geführt (also nicht, weil die Entdecker Muslime wären; die Wissenschaftsfeindlichkeit der Islamischen Welt ist sicher einige eigene Artikel wert, aber es möglich, aufgrund der weiteren Entdeckungen/Forschung eindeutig die Botschaft des Koran wieder erkennen): –>Supersymmetrische (SUSY) Theorien der –>Elementarteilchenphysik sagen für jedes vorhandene Elementarteilchen die Existenz mindestens eines Partnerteilchens (Superpartners oder S-Teilchens) voraus, das – mit Ausnahme des –>Spins – exakt gleiche –>Quantenzahlen besitzt. Damit möchte man Probleme lösen, die das Standardmodell der Materie mit sich bringt. Es sei an dieser Stelle auf den –>Artikel  zum Thema verwiesen, denn eine Einführung, warum diese supersymmetrischen Erweiterungen in Betracht gezogen werden können/müssen, würde eine halbe Bibliothek erfordern.

Wichtig ist, dass auch hier das Prinzip, dass alle „Dinge“ in Paaren kommen, für weitere Erklärungen sorgen kann. Auf diesem Pfad sollte man voran schreiten, denn der Koran hat all dies bereits beschrieben und daraufhin gewiesen, wonach man Ausschau muss:

Verily all things (without exception), We have created, In exact measures and proportions Surah Al-Hadid 57:49

And there is not a thing, But its storehouse is with Us, And We send them down, But in definite ascertainable measures. (Surah Al-Hijr 15:21).

And of everything, We have created in pairs, That you may reflect. (Surah Al-Dhariyat 51:49).

Wenn diese Ayat kein Ansporn sind, weiter zu forschen, dann weiß ich auch nicht.

Gegenwärtig stellt man in der Physik fest, dass dieses komplexe System „Universum“ mit den Mitteln wissenschaftlicher Reduktion letztlich auf einen (auf jeden Fall bisher) nicht mathematisch beschreibbaren Zustand, eine Singularität, die Quelle von Raum und Zeit, trifft, in der Muslime letztlich ALLAH erkennen (müssen).

In einem Zeitalter der Unübersichtlichkeit, in der es um Klimaforschung, ABC-Waffen, Genetisches Engineering (CRISPR) und die Grenzen der Finanzmathematik geht, ist es (zumindest für mich) beruhigend, dass wir uns auf den Koran verlassen können, da wirklich bereits alle relevanten Aspekte dort enthalten sind und es klar dargelegt ist, wie wir mit modernen Forschungsergebnissen umgehen müssen.

tl;dr: Eine Interpretation der Ayah 36; 36 auf Grundlage moderner Teilchenphysik.

* Kurz zur Erklärung; die \gamma\mu sind die sog. Dirac-Matrizen, die im Raum der vier Spinorkomponenten von \Psi wirken und sie koppeln, sie gehorchen gewissen algebraischen Vertauschungsrelationen, der sog. –>Clifford-Algebra. Diese braucht man, um Invarianzen der Gleichung gegenüber –>Lorentztransformationen zu sichern.

 

 

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4 Antworten auf “Sure 36, Vers 36 – ein physikalischer Erklärungsversuch”

  1. Pflichtangabe

    Frieden und Segen,
    kann man irgendwie mit dir in Kontakt treten? Ich hätte da eine grundlegende, physikalische Frage – hier sie zu stellen würde meines Erachtens den Rahmen sprengen.

    Frieden.

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    • EinMathematiker

      EinMathematiker

      salam, Du kannst beispielsweise auf den Kommentar antworten; den sehe dann nur ich und muss ihn nicht freischalten. Die Antwort könnte ich dann veröffentlichen oder per e-mail (je nachdem, was es genau ist).
      fi amaniLLAH

  2. Ben Adam

    Frieden und Segen,

    interessanter Ansatz, doch möchte ich generell zu زوج noch etwas hinzufügen:

    Seinen Ursprung hat das Wort nämlich im griechischen ζεῦγος, also „Paar“. Im Arabischen hingegen hat sich nebenbei eine weitere Bedeutung heraus entwickelt: „Art, Typ, Gattung“ (Q 56:7 ist ein sehr schönes Beispiel hierfür).

    Deswegen würden auch problemlos folgende Übersetzungen von Goldschmidt funktionieren:

    „Preis ihm, der die Arten alle schuf, die wachsen läßt die Erde, und (die Menschen) selber, und was sie nicht kennen.“ -Q 36:36

    „Und von allen Dingen schufen wir zwei Arten; daß ihr doch eingedenk seiet.“ -Q 51:49

    والله اعلم

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    • EinMathematiker

      EinMathematiker

      Salam,

      vielen Dank für den Input. Das war mir nicht bewusst; die Übersetzung ist auch sehr schön.

      fi amaniLLAH

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