Rezension: Konstruiert, Instrumentalisiert, Politisiert: Geschichte im Fadenkreuz der armenischen Lobby

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Brendon J. Cannon: Konstruiert, Instrumentalisiert, Politisiert: Geschichte im Fadenkreuz der armenischen Lobby. Manzara Verlag, Offenbach am Main. 481 S., 16,90 Euro.

Inhaltsverzeichnis:

Das Buch könnt ihr hier bestellen. 

 

Das vorliegende Buch ist die deutsche Übersetzung von dem Werk „Brendon J. Cannon, Legislating Reality and Politicizing History: Contextualizing Armenian Claims of Genocide (Offenbach am Main: Manzara Verlag, 2016).“ Dabei muss angefügt werden, dass die deutschsprachige Version eine überarbeitete und erweiterte Ausgabe (zwei zusätzliche Kapitel) ist. Eines der neuen Kapitel behandelt die „Genozidresolution der Bundesrepublik Deutschland“.

Das Buch beinhaltet 12 Kapitel, neben dem Vorwort zur deutschen Ausgabe, eine Einführung von Prof. Dr. Michael Gunter (Autor von z.B. „Pursuing the Just Cause of Their People: A Study of Contemporary Armenian Terrorism“,“ Armenian History and the Question of Genocide“) und eine Schlussfolgerung.

Der Schwerpunkt von Cannons Arbeit liegt in der identitätsstiftenden Rolle des angeblichen Völkermordes für die armenische Identität. Dabei legt er dar, welche Rolle die Völkermord-Behauptungen für die Vereinigung der unterschiedlichen armenischen Diasporagemeinden spielen und wie diese Form der Identitätspolitik für ihre Lobbyarbeit zur Anerkennung der Ereignisse als „Genozid“ zu deuten ist. Er merkt an, dass die „Ereignisse von 1915 ein definierendes Merkmal für das armenische Selbst darstellen, vor allem für die Diaspora, und häufig andere Formen des armenischen Selbst vereinnahmen. Dies ist zweifellos nachteilig, weil diese auf das auserwählte Trauma beschränkte Form des Armeniertums Tausende Jahre armenischer Geschichte, politischer Macht, Christentum, Sprache und Kunst ignoriert.“ (S.  115). Dabei dient das „Othering der Türken“ als Völkermörder „als alternatives Bindemittel, das armenische Kirchen, Sprache und Politik nicht mehr aufbieten können“. (S. 53)

Entscheidend ist, dass die Lobby erfolgreich darin war ihr eigenes Geschichtsbild als eine anerkannte Meinung innerhalb der historischen Wissenschaft zu implementieren. Staaten, Bundesstaaten und Bundesländer werden durch den Opferkult, basierend auf den westlichen Vorurteilen gegenüber dem Islam und dem „barbarischen Türken“, zu Resolutionen bewegt. Jene Resolutionen haben zwar rechtlich/jurstisch keine Grundlage, doch dienen sie der Lobby als Druckmittel.

Dabei sind die „Schlagworte „Leugnung und „Opferrolle““ allgegenwärtig und fungieren als Türsteher, um Kritik abzuwehren, kritisches Denken zu verhindern“ und vor „weitere[r] Forschung abzuschrecken“ (S.72). Zum einen versucht man Wissenschaftler mundtot zu machen, die die Genozid-These infrage stellen wie zum Beispiel die weltweit anerkannten jüdisch stämmigen Nahost Experten Prof. Dr. Bernard Lewis (Autor von „Emergence of Modern Turkey“), oder den Politikwissenschaftler Prof. Dr. Guenter Lewy (Autor von „Der armenische Fall: Die Politisierung von Geschichte Was geschah, wie es geschah und warum es geschah“) und zum Anderen wird der Versuch unternommen, die Republik Türkei zur Anerkennung der Tragödie als Genozid zu drängen.

Man erhofft sich, dass die Türken dem Beispiel des ehemaligen linksextremen Terroristen Taner Akcam folgen und sich eingestehen einen Völkermord begangen zu haben. Jener Taner Akcam dessen Bücher wissenschaftlich höchst fragwürdig sind (Siehe Erman Sahin: „Review Essay: A Scrutiny of Akçam’s Version of History and the Armenian Genocide“ und „Review Essay: The Armenian Question,”; Maxime Gauin:“Review Essay“Proving”a“Crime against Humanity”?“)!

Die Darstellung der Rolle der Armenier im Ersten Weltkrieg muss sowohl von den Unterstützern der Genozid These als auch von den Gegnern umfassender, detaillierterer, und realistischer dargestellt werden. Dabei muss die Schilderung „armenische Individuen als Opfer und Überlebende, armenische Individuen, die gegen die osmanische Herrschaft gekämpft haben; Armenier die mit der einmarschierenden russischen Armee kollaboriert haben; armenische Individuen, die armenische Nationalisten waren, und damit in den Augen der osmanischen Regierung Verräter; armenische Mörder, Vergewaltiger und Räuber; Armenier, die das Osmanische Reich verteidigten; Armenier, die von osmanischen Moslems, egal ob von Türken, Kurden oder Tscherkessen, massakriert, vergewaltigt und geschlachtet wurden; und Armenier, die von osmanischen Moslems gerettet oder unterstützt wurden“ (S. 73) umfassen.

Cannon kritisiert auch die Türkei und ihre Instrumentalisierung des Gesetzes zur „Verunglimpfung des Türkentums“ als ein Mittel um Andersdenkende zum Schweigen zu bringen. „Die Ironie, sollte es eine geben, ist, dass die gegnerischen armenischen und türkischen Lager beide versuchen, die Benutzung oder Nicht-Benutzung des Begriffs „Genozid“ zu kriminalisieren.“ (S. 76)

Der Unterschied zwischen den Armeniern aus der Heimat und den in der Diaspora ist ein weiterer interessanter Faktor. Schließlich litten sie unter der sowjetischen Herrschaft und haben eine andere historische Erfahrung gemacht, als jene die in den westlichen Ländern aufgewachsen sind. Interessant wäre eine Untersuchung zur politischen Instrumentalisierung der Anerkennung der Ereignisse als Völkermord durch die Sowjetunion 1965 und die Ziele gegen die Türkei im Kalten Krieg.

Die Genozid Kampagne zielt entgegen der Außendarstellung nicht nur als Mittel zur Vergangenheitsbewältigung, sondern vor allem auf Reparationszahlungen und die Rückgabe von Land. Kurz: Ein Teil Ostanatoliens soll Teil der Republik Armenien werden.

„Im Fall des kollektiven Gedächtnisses der armenischen Diaspora werden Handlungen der einen Gruppe (das Selbst) und die Handlungen der Täter (der andere) mythologisiert. Alle Armenier … bleiben in diesem Szenario Opfer, unschuldig und unbescholten. Gleichzeitig werden und bleiben in diesem Mythos alle Türken Barbaren, die einen Genozid verübt haben.“ (S. 89) Cannon stellt fest, dass die Armenier (1.) ein internationales Gericht nicht dazu bringen können rückwirkend ein Ereignis juristisch als Genozid zu bestimmen und (2.) durch ihre Kampagne eine definitorische Elastizität an den Tag legen was Genozid eigentlich bedeutet (und dabei gerne die Definition der UN umgehen). Dies führt zu einer Verwässerung des Begriffs.

Zu guter Letzt sei darauf hingewiesen, dass die wirtschaftlichen Folgen der Kampagne durch die armenische Diaspora und die Annexion von Berg-Karabach für die Republik Armenien erheblich wichtiger Natur sind. Sie hat (1.) zur Isolation geführt und (2.) die Republik Armenien zu einer indirekten Kolonie Russlands gemacht.

Seine Ausführungen zur Struktur der armenischen Identität und die Rolle die die Völkermord-Kampagne dabei spielt, sind als hervorragend zu nennen! Er beweist wie wichtig die Genozid-These für die Konstruktion des armenischen Selbst ist und legt eindrucksvoll dar, dass eine offene Diskussion über die Ereignisse absolut abgelehnt wird. Dabei spielt Leid keine bedeutende Rolle, sondern vielmehr der explizite Gebrauch des Begriffs „Genozid“. Da jede Bezeichnung der Ereignisse außer „Genozid“ als ein „Eingeständnis der Niederlage verstanden“ (S. 379) wird. Dabei wird das Leid der armenischen Opfer für politische Zwecke instrumentalisiert und eine historische Aufarbeitung außerhalb dieser Begrifflichkeit verneint. Eine historische Aufarbeitung muss offen sein und darf keine rechtlichen Bedenken beinhalten.

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2 Antworten auf “Rezension: Konstruiert, Instrumentalisiert, Politisiert: Geschichte im Fadenkreuz der armenischen Lobby”

  1. Jammar al Huddin

    Typisch Islamist: Leugnet den Genozid an den Armeniern.
    Moslems oder beser gesagt Mohammedaner leugnen immer ihre Verbrechen. Sie töten die Kufar und leugnen dies anschließend.
    Jeder der den Genozid an den Armeniern leugnet ist verabscheuungswürdig oder besser gesagt, sein Vater ist die ganze Stadt.
    Zweitens: Jeder der etwas gegen das jüdische Volk hat, ist der Sohn einer Mutter, dessen Vater die ganze Stadt ist.

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  2. Mohammed Isa

    Mohammed Isa

    Hi,
    1. Brendon J. Cannon ist kein Muslim. Demnach kann er auch kein „Islamist“ sein.
    2. Er leugnet garnichts. Er definiert die historischen Ereignisse juristisch nicht als Völkermord. Dafür legt er Beweise dar.
    3. Das „die Moslems“ ihre Verbrechen leugnen ist ihre Behauptung. Sicherlich kann es einige geben die dies tun. Andere wiederum nicht. Denn „die Moslems“ gibt es nicht. Ein jeder ist ein Individuum mit seiner eigenen Ansicht.
    4. Was du mit „sein Vater ist die ganze Stadt“ meinst ist mir ein Rätsel.
    5. Was der Beitrag mit dem „jüdischen Volk“ zu tun haben soll ist wohl Teil deiner Fantasie. Und für mich ein Rätsel.
    6. Die Genozid Behauptungen infrage zu stellen ist legitim solange die Ansicht mit Beweisen gestützt werden.

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