Zum Attentat vom 20. Juli 1944

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74. Jahrestag des Stauffenberg-Attentats.

Man wird wieder Zeuge kalkulierter Inbesitznahme zu politischen Zwecken. Die Etablierten berufen sich auf den Hitlergegner Stauffenberg zwecks Kriminalisierung der Rechten, die Rechten berufen sich auf den Patrioten Stauffenberg zwecks Kriminalisierung der Etablierten. Etwas abseits davon steht die Linke, die Stauffenberg ob seiner nationalistisch-revisionistischen Gesinnung und ungeachtet seiner Widerstandtat zum willigen Vollstrecker kürt. Bei dieser Gelegenheit holt man auch gerne wieder aus gegen den deutschen Konservatismus, der ja Hitler den Weg geebnet und sich dadurch unverzeihlich kompromittiert habe. Doch auch hier bleibt man brav an der Oberfläche, ohne sich den wesentlichen Fragen zu stellen. War es nicht so, dass sich mit dem ab 1930 offensichtlich werdenden Scheitern der Republik nur noch die Frage stellte, ob die künftige Diktatur rot oder braun sein würde? War es nicht so, dass der Sowjetbolschewismus vor Hitlers Machtantritt bereits Millionen Menschen im eigenen Land vernichtet hatte? War es nicht so, dass sich auch Konservative in den übrigen europäischen Nationen, von denen einige später den Kampf gegen Hitler anführten, über die Bedrohung durch den Sowjetbolschewismus im Klaren waren? Musste daher nicht jedem Konservativen in Deutschland, der sich nicht das Recht zu elementarer Selbsterhaltung abgesprochen hatte, die Parteinahme für die »nationale Revolution« als kleineres Übel erscheinen?

Man tut als standesbewusster Linker, der es sich auf dem Kissen seines moralischen Chauvinismus gemütlich gemacht hat, freilich gut daran, diese Fragen zu meiden. Die daraus folgenden Einsichten würde man wohl nicht ertragen.

Auf dem Grunde der Thematik wartet jedoch die gefährlichste Einsicht, die da lautet, dass auch ein Adolf Hitler letztlich ein Produkt des parlamentarischen Systems von Weimar gewesen ist. Deutsche Konservative der Weimarer Zeit dagegen trauerten dem monarchisch-autoritären Obrigkeitsstaat nach, wie er noch für das 19. Jahrhundert prägend war, und sie taten dies mit Recht! Seine Zerstörung bedeutete das Brechen des Dammes, der bis dahin die mörderischen Energien der politisierten Gosse zurückhielt. Aus der Pestilenz des ungezügelten und mythisch verklärten »Volkswillens« konnte schließlich ein Hitler kondensieren, denn es ist, wie schon Platon wusste, die Demokratie, aus der die schlimmste Tyrannei erwächst.

Man tut gut daran, sich an Banalitäten aufzuhalten.

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5 Antworten auf “Zum Attentat vom 20. Juli 1944”

  1. Kenji_der Araber

    „die Demokratie, aus der die schlimmste Tyrannei erwächst.“

    Der Widerspruch ist köstlich.

    Erst wird den Deutschen, die die nationale Revolution wählen, das Recht darauf zugesprochen, dann aber wird das Mittel, mit dem sich diese Revolution an die Macht helfen, verurteilt.

    Immerhin bot die Demokratie und das tut sie immer noch, die Möglichkeit, sich gegen eine Person zu entscheiden: Gegen Clinton, gegen Mitt Romney, gegen X.

    Kommt Hitler als Sohn von König und Kaiser zur Welt, gibt es nicht mal die theoretische Möglichkeit, was zu unternehmen, oder wer kann Assad abwählen? Lol haha.

    Wenn Demokratie die schlimmsten Tyrannen gebärt (Merkel ist wirklich Terror, all diese Menschenversuche an den Rechten, die nur in Ruhe Schwein essen wollen), dann ist die Aristokratie die aufgepimpte Version derselben: Man verschwendet erst gar nicht Zeit damit, die dummen Massen hinter sich zu zerren: Man tut es einfach und Widerstand wird niedergeprügelt, wie in 99% aller europäeischen, asiatischen, amerikanischen Diktaturen mit Herrschaftselementen, die aristokratischer Natur sind: „Wir sind an der Macht, bleiben es, behalten es unter uns und ihr könnt nichts dagegen tun“.

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    • Suleyman

      1. Meine Grundaussage wurde offensichtlich nicht verstanden. Es geht hier nicht darum, die Parteinahme für Hitler zu beklatschen, sondern die geschichtliche Ausweglosigkeit aufzuzeigen, die zur damaligen Zeit darin bestand, entweder vor der Pest zur Cholera oder vor der Cholera zur Pest zu fliehen.
      2. Hitler als Sohn eines Monarchen: Zumindest im Falle der deutschen Monarchie wären die Auswirkungen einer solchen unglücklichen Fügung durch den Charakter der deutschen Monarchie als Personenverbandsstaat leicht abzumildern gewesen. Doch diese Struktur wurde verdrängt durch den modernen Staat.
      3. Ich habe nicht behauptet, die vordemokratische Periode sei der Himmel auf Erden gewesen. Doch im Vergleich zur totalitären Hölle des 20. Jahrhunderts, kann ich nicht abstreiten, ihr einiges abzugewinnen.

  2. Kenji_der Araber

    Noch ein Wort zur elementaren Selbsterhaltung: Wie immer lautet das Problem bei Egozentrik: Auch die anderen wollen es.

    Für die Juden waren die Boleschwiken in Bezug auf elementater Selbsterhaltung doch das kleinere Übel. Und für Sinti und Roma auch. Für Schwarze auch.

    Welche Gruppe will man denn nun am ehesten das Recht zusprechen, seine Wahl des kleineren Übels als Wahrheit anzusehen?

    Fragen über Fragen. Das Ego aka Selbsrerhaltung ist aber auch ein kurzsichtiger Begleiter.

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    • Suleyman

      Ich lehne den Bolschewismus (wie auch den Faschismus) ab, aber ich habe volles Verständnis für diejenigen Juden, die glaubten, im Bolschewismus einen Retter vor dem Antisemitismus der Zarenherrschaft gefunden zu haben. Ich spreche jeder Gruppe (ethnisch, religiös, sozial) ihr Recht auf Selbsterhaltung zu, auch wenn sich dies gegen meine eigenen Interessen stellen sollte. Das ist für mich Humanismus. Alle Welt unter das Dach eines postulierten Universalismus prügeln zu wollen, hingegen nicht.

  3. Kenji_der Araber

    „3. Ich habe nicht behauptet, die vordemokratische Periode sei der Himmel auf Erden gewesen. Doch im Vergleich zur totalitären Hölle des 20. Jahrhunderts, kann ich nicht abstreiten, ihr einiges abzugewinnen.“

    Jedes Kind lernt in der Schule, dass die Demokratie in der ersten Hälfte des 20, Jhdt, und auch davor nicht wirklich durchreift war. War halt noch alles ein Experiment und die Menschen waren ganz anders getrieben.

    Erst nach dem Weltkrieg fing es richtig an und siehe an: Nie dagewesener Reichtum, nie dagewesene Rechtsstaatlichkeit.

    Das sind nackte Zahlen, die niemand bestreiten kann. Ein Schwarzer kann Präsident werden und ein Türke Parteivorsitzender.

    Vor allem zieht es sich konsequent durch alle Ebenen hindurch, niemand kann bzw. konnte mehr (vor allem prä-Afd-Zeit) markige Abwertungen gegenüber Ausländern vornehmen, ohne dafür wahlweise zurücktreten zu müssen oder aber seinen Freundeskreis zu riskieren.
    Und wer krank wird, wird behandelt, da Krankenversicherung, da so ziemlich alles.

    Und wenn ein Bauer Kanzler werden kann, niemals aber König, dann haben wir jeweils einen Start und einen Endpunkt und in einem Fall ist das Feld dazwischen barrierefrei, wie es ja auch nach islamischen Idealen sein sollte, in dem letzteren nicht.

    Ironischerweise kommt das ganze erst wieder durch extreme Konservative ins Wanken, deren Hauptfeind des Islam ist, da diese instinktiv spüren, dass dieser keine halben Sachen machen will.

    Zumal sich auch leicht nachweisen lässt, das Monarchien die denkbar ungeeignetsten Herrschaftssysteme sind.

    Der Fakt, dass 50 Jahre Nichtmonarchie Europa weitergebracht hat, als alle anderen Systeme in den Jahrtausenden zuvor genügt hier als Beweis.

    Denn nun mit einem festen, im Zweifelsfall den Herrschern feindlich gesinnten Systemen (Ein Strafverfolgung, die vor Herrschenden nicht Halt macht, sofern diese es zu offen machen) schützt die Menschen vor Machtmissbrauch.
    Man nennen mal ein Beispiel, wo ein mächtiger König aus früheren Zeiten samt Hof zurücktrat, weil das Volk unzufrieden war.

    Beispiele für zurückgetretene Machthaber in den letzten 50 Jahren in Europa hingegen, vom einfachen Beamten, der suspendiert wurde bis hin zu ganzen Regierungen gibt es hingegen zu hauf.

    Auch ist die Monarchie dem Wesen des Islam wohl fremd, da in 999/1000 Fällen die Menschen ins Staaten mit Gewaltenteilung eher an ihr Recht kommen als in Monarchien.

    Vor allem in Deutschland kann sogar Menschen, die einem den Parkplatz wegsperren, die Staatsgewalt spüren lassen.

    Durchsetzung des Rechts des Einzelnen auf Mikroebene und wenn Merkel Schei** N**** zu Boateng sagt und das aufgenommen wird, kann Boateng nachts ruhig schlafen, weil er weiß, dass Merkel innerhalb einer Plancksekunde zurücktreten bzw. zurückgetreten wird.

    Ob wohl Kaiser Wilhelm II. zurücktreten würde? Teilweise. Er und sein ganzer edelhafter Hof würden in einen Lachrausch verfallen, dass wohl Lungenversagen zu befürchten gewesen wäre.

    Wer also diese Welt der Plancksekundenmerkel vorzieht bzw. als (neutral) besser erachtet …

    Und entschuldige bitte die etwas harsche Wortwahl in den anderen Beiträgen, ist nicht persönlich gemeint, aber manchmal neigt man dazu, impulsiv zu sein, wenn man meint, tatsächliche oder eventuelle Abweichungen vom Islam festzustellen.

    wasalam

    Umsetzung islamischer Konsequenz nennt man das wohl.

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