Rezension: „Ihr liebt das Leben, wir lieben den Tod.“ Der Dschihad und die Wurzeln des Terrors

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Die „Bundeszentrale für politische Bildung (bpb)“ hat jüngst eine neue, islamwissenschaftliche Publikation in ihre Schriftenreihe aufgenommen. Was hat uns der bekannte französische Islamwissenschaftler Oliver Roy mit seinem Werk „‚Ihr liebt das Leben, wir lieben den Tod.‘ Der Dschihad und die Wurzeln des Terrors“ zu sagen?

Publikationen rund um den Islam existieren wie Sand am Meer: Manchmal partiell lesenswert, aber immer öfter auch einfach nichtssagend, eine reine Profilierungssucht der jeweiligen Autoren über die eierlegende Wollmilchsau „Islam“ mit den Slogans „Islamismus“, „Islamisierung“ und „Salafismus“. Dieses ist umso ärgerlicher, wenn nicht gefährlich, da der Durchschnittsbürger in der Bundesrepublik kaum zwischen populärwissenschaftlichen Abhandlungen, der rein subjektiven Behauptungsliteratur und wirklich seriösen Publikationen unterscheiden kann. Umso kritischer sollte demnach der geneigte Leser auch bei Veröffentlichungen der der politischen Korrektheit anheimgefallenen „Bundeszentrale für politische Bildung“ sein. Doch das jüngst erschienene Werk des Islamwissenschaftlers Roy, mit dem sperrigen deutschen Titel „‚Ihr liebt das Leben, wir lieben den Tod.‘ Der Dschihad und die Wurzeln des Terrors“ (ungleich geschmeidiger der französische Originaltitel: „Le djihad et la mort“), schlägt überraschende, unaufgeregte Töne an und weiß durch Sachkenntnis und Differenziertheit zu glänzen.

Grundannahmen

Der renommierte Islamwissenschaftler Roy arbeitet in seinem wohl zukünftigen Standardwerk über „Dschihadismus“, einige wesentliche Aspekte heraus, welche grundlegend für seine durchdachte Perspektive sind. Laut Roy besteht keinerlei Korrelation zwischen sozialen, religiösen und politischen Aufständen und dem Übertritt zum sogenannten islamistischen Terrorismus. Roy ist somit kein Anhänger von simplen Milchmädchenrechnungen, sondern versucht eine kritischere Sichtweise zu entwickeln. Im Fokus seiner Überlegungen steht der Grundgedanke eines postmodernen Nihilismus, der immer breitere Bahnen, gerade unter jungen Leuten, in der Gesellschaft, zieht. Die offensichtliche Sinnentleertheit unserer heutigen Gesellschaftsstruktur ist evident und kulminiert laut Roy im Kontext des „Islamismus“ immer mehr in eine radikale Beendigung des eigenen Seins:

 „Dieses Streben nach dem Tod (das berühmte »Ihr liebt das Leben, wir lieben den Tod«) wurzelt einerseits im politischen Misserfolg und andererseits in einem tiefen religiösen Pessimismus, wie er sich in Sayyid Qutbs Werken findet: Die muslimische Gesellschaft ist auf den Stand vor der Offenbarung zurückgefallen (die Dschāhilīya oder Unwissenheit), mit dem Unterschied, dass kein neuer Prophet kommen wird, weil Mohammed bereits die Prophezeiung besiegelt hat, also der letzte Prophet ist. Daher ist das Ende nah. An diese Erkenntnis heftet sich eine apokalyptische, in gewisser Weise nihilistische Dimension: Wenn das Ende naht, dann gilt es eher, an sein eigenes Heil zu denken, als sich die Errichtung einer besseren Gesellschaft zum Ziel zu setzen. Und dieses Heil wird durch den Tod erreicht, das ist der kürzeste und sicherste Weg dorthin.“ (S.31f.)

So verständlich auch die Perspektive des Sayyid Qutbs ist, impliziert die Grundhaltung eines weltumspannenden Pessimismus, die Gefahr eines werteverachtenden Defätismus. Hinzukommt laut Roy die geringe religiöse Bildung von den radikalen Gewalttätern – oftmals sogenannte „born again“ Muslime – und die in einer Zeit der Einebnung von kulturellen Beständen, Traditionen, groß geworden sind. Sie sind damit durch und durch Kinder ihrer Zeit:

 „Darin äußert sich das seit den Anfängen des Dschihadismus herrschende Bestreben, zwecks Schaffung einer neuen , von Tabula rasa ausgehenden, Gesellschaft eines neuen Typus des Homo islamicus ins Leben zu rufen, also einen von sämtlichen nationalen stammesmäßigen, rassischen oder ethnischen, ja sogar familiären und affektiven Zugehörigkeiten befreiten, wahrhaft entwurzelten Menschen. Wie wir gesehen haben, gehen Ikonoklasmus (die Zerstörung von Kulturgütern) und Familialismus dabei Hand in Hand.“ (S.48)

Nach Roy ist somit die Terrororganisation des „IS“ prädestiniert die Black Box hin zum Dschihadismus auszufüllen. Keinerlei Achtung vor Kulturgütern und das tiefe Schwarz des „IS“ sind Anzeichen, die den Radikalismus mit islamischem Gewand auszeichnen. Roys großer Verdienst besteht aber insbesondere darin, dass er eine klare Trennungslinie zwischen gewalttätigen Radikalismus und religiösen Fundamentalismus in der Form des „Salafismus“ zieht:

„Für einen Salafisten aber lässt sich ein laxes Befolgen der strengen Alltagsregeln durch nichts rechtfertigen, abgesehen von den in der Scharia festgelegten Ausnahmen. Wenn der Tod bevorsteht, befreit das nicht von der Ehrfurcht vor dem Gesetz. Ganz im Gegenteil. Für junge Salafisten gibt es keine Abkürzung ins Paradies. Die jungen Radikalen hingegen verzichten auf der Suche nach der Abkürzung auf die religiöse Glaubenspraxis.“ (S.98)

Er stellt damit eine Islamisierung der Radikalität fest und nicht die oftmals in der Öffentlichkeit angenommene Hypothese der Radikalisierung des Islams.

Die Krise des Islams und der Gesellschaft

Dass wir in Zeiten der großen Krisen leben ist mehr als deutlich und bedarf keines größeren Kommentars. Neben den kulturnivellierenden Tendenzen unter der Leittendenz der sozialen Demokratie, befinden sich auch die Religionen in einer sich stetig und immer weiter ausbreitenden Gefahr:

„In europäischen Gesellschaften ist das unmittelbare Verständnis von Religion weitgehend verloren gegangen: In der Öffentlichkeit wird sie als eine Form der Identität (christliche Identität Europas) eben noch hingenommen, aber nicht als Glaube und immer weniger in Form einer öffentlich sichtbaren Praxis (höchstens als Folklore) akzeptiert.“ (S.102)

Demnach befindet sich auch – wie letztes Jahr schon der Religionswissenschaftler Michael Blume diagnostiziert hat – die Religion des Islams in einer Krise:

 „Dass der institutionelle Islam in der Krise steckt, ist offensichtlich. Dabei ist der Salafismus nicht das größte Problem – er besetzt nur eine Leerstelle – , das Problem ist die Entfremdung der Imame von der neuen muslimischen Mittelschicht. Das größte Problem der Moscheen besteht darin, dass kaum ein junger französischer Muslim sich zum Imam berufen fühlt, denn dieser Posten ist schlecht bezahlt, undankbar und genießt wenig Ansehen.“ (S.147)

Religionen werden im 21.Jahrhundert nur noch als metaphorische Kitschtradition verstanden und rufen auch unter Muslimen Krisenerscheinungen hervor. Denn je weiter sich die Muslime säkularisieren und die Imame keine adäquaten Antworten auf die Sinnhaftigkeit für eine immer mehr gebildetere Mittelschicht entwickeln, desto weitreichender wird sich der institutionelle Islam marginalisieren. Diese innerislamischen Problematiken haben natürlich auch unmittelbar Einfluss auf die gesamte Gesellschaft eines Landes. Die stattfindende Entwurzelung in einem brüchigen, da liberalistischen Konstrukt, sorgt bei der Mehrheitsgesellschaft für eine hypersensible Anfälligkeit und Abwehrhaltung für jedwede Öffentlichkeit von Religion. Dieses betrifft gerade den Islam, da dieser immer auch eine öffentliche Religion war. Und wie reagiert in diesem Fall die französische Gesellschaft und Politik darauf? Mit absurden Verbotsstrategien:

„Der Islam der gesellschaftlichen angesehenen Persönlichkeiten und der Mittelschicht hingegen strebt nach Anerkennung, Institutionalisierung und Einfluss. Und wie reagiert man darauf? Man will den Schleier an den Universitäten verbieten! Damit schikaniert man ausgerechnet die künftigen Eliten, genau jene integrierten Muslime und Universitätsabsolventen, die in der Lage wären, einen »praktischen« und befriedeten Islam  zu erfinden.“ (S149f.)

Für die Gesellschaften in der heutigen Zeit bedarf es also eine Revitalisierung, eine neuartige Rückkopplung auf die religiösen und kulturellen Ressourcen. Dieses würde in concreto der gesamten Gesellschaft gut tun.

Fazit und Einordnung des Werkes

Dem Islamwissenschaftler Roy ist mit seinem undogmatischen und sachlich-fundierten Buch ein ausgesprochen lesenswertes Buch gelungen. Keinerlei Denkverbote und ungewöhnliche Perspektiven, zeichnen sein Werk aus. Er hat damit die große Chance tradierte Meinungen und starre Vokabeln aufzubrechen und eine neuartige und profunde Sichtweise in den Debatten Rund um den „Islam“, „Salafismus“, „Terrorismus“ und „Dschihadismus“ zu etablieren. Doch neben der schlüssigen Analyse des Konglomerates unter dem Slogan „Terrorismus“, fehlen konkretisierende Lösungsvorschläge, welche wünschenswert gewesen wären. So hinterlässt das Buch den Leser etwas im luftleeren Raum. Bezeichnend dafür sind seine Äußerungen rund um die Deradikalisierung:

„Ich verstehe nicht, wie eine »Deradikalisierung« aussehen könnte. Bisher war Umerziehung eher eine Angelegenheit totalitärer Regime oder hegemonialer Religionen (die Inquisition hatte ein Programm zur Umerziehung von Häretikern); heuzutage behandelt man die Radikalen wie Anonyme Alkoholiker (»Herr Doktor, es kommt einfach über mich, wenn ich mit meiner Kalaschnikow an der Terrasse eines Cafés vorbeikomme, muss ich schießen. Helfen Sie mir, bitte!«) (S.151)

 Eine weitere, aber logisch verzeihbare Einschränkung, besteht für den deutschen Leser darin, dass das Buch sehr auf den französischen Markt zugeschnitten ist. So gibt es zwar immer wieder kleinere Anleihen an den internationalen Terrorismus und auch der deutschen Spielart im speziellen, dieses kaschiert aber nur ungenügend die starke Fokussierung auf die französische Gesellschaft. Dieses sollte den wissbegierigen Leser aber nicht davon abhalten sich dieses Buch zuzulegen. Gerade der unschlagbare Preis dürfte den Unentschlossenen überzeugen, da er mit diesem Werk für den öffentlichen Diskurs, neue, unaufgeregte Argumentationen, die für eine Auflockerung der mittlerweile starren Auseinandersetzungen dienlich sein könnten, findet. Die Essenz des Buches fast Roy indessen in einem Satz zusammen:

„Die Religion, und zwar jede Religion, ist weder ein Werkzeug der Radikalisierung noch der Deradikalisierung: Sie besitzt Würde an sich, sie entfaltet ihren eigenen Wirkungsbereich, der weder sozial noch territorial ist, sondern spirituell.“ (S.150)

Bestellen könnt ihr das Buch hier.

Olivier Roy: „Ihr liebt das Leben, wir lieben den Tod.“ Der Dschihad und die Wurzeln des Terrors. bpb, Bonn 2018, S.176, 4,50 Euro

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22 Antworten auf “Rezension: „Ihr liebt das Leben, wir lieben den Tod.“ Der Dschihad und die Wurzeln des Terrors”

  1. MFG

    salam alaikum,

    im auftrag der staatspropaganda:

    „die in der Lage wären, einen »praktischen« und befriedeten Islam zu erfinden.“

    AHH, wir müssen erstmal ein friedlichen islam erfinden, also gibt es nur einen gewaltbereiten islam. diese schriften sollen natürlich von den wahren ursachen ablenken. erst läßt man ghettos entstehen, die sich aus ungebildeten schichten zusammen setzen, sodann schiebt man eine radikalisierung an, indem prediger, die bemüht sind den wahren islam zu predigen, vergrauelt werden, aber die hobby prediger läßt man sich frei entfalten, die zum schihad gegen die ungläubigen schreien.
    kriminalität wird nicht ernsthaft bekämpft.

    frage: wo wird solch eine entwicklung enden????

    ein gemeinsames sitzen mit kaffee und kuchen
    oder eher, niederknüppeln, dem abstechen von menschenleben

    könnte es sein, daß hier die stratgie der spannung verfolgt wird, aber die bevölkerung soll bitte nichts davon bemerken????

    Antworten
  2. Nuruddin

    Nuruddin

    Wa alaykum salam wa rahmatullah
    Erstmal: Herzlichen Dank für deinen Kommentar.
    Ich kann deine Sorgen gut nachvollziehen. Unter der Hysterie der Islamdebatten werden eigentliche Probleme verschleiert. Ebenso wie du bin ich als Gläubiger über das Wort „erfinden“ gestolpert. Hier muss man jedoch erwidern, dass Olivier Roy kein Muslim ist und sich primär um eine wissenschaftliche Perspektive bemüht. Wie mit einer fiesen Phantasie die Muslime untereinander von der hiesigen Politik ausgespielt werden ist evident. Betrachten wir jedoch den Islamwissenschaftler Roy, so lässt sich sagen das er einer der wenigen Denker ist, der unaufgeregt sich für eine differenziertere Sichtweise einsetzt. Das bedeutet jedoch nicht, dass wir alles aus seiner Hand fressen sollten. Die Trennungslinie zwischen einem Muslim und Nichtmuslim ist auch von der unterschiedlichen Perspektive klar. Analytische Urteile der Zukunft betreffend sind wahrlich schwer zu fällen. Persönlich sehe ich die Zukunft eher kritisch: Wie leben in einer Zeit der Entwurzelungen und der Bilderstürmerei, dieses ist so allumfassend sodass letztlich nur die innere Emigration bleibt. Allahu a’lam

    Antworten
  3. MFG

    „dass Olivier Roy kein Muslim ist und sich primär um eine wissenschaftliche Perspektive bemüht.“

    auch wenn das weh tut, aber ein islamwissenschaftler der alten schule, sie wissen sehr genau, wovon sie reden. dabei handelt es sich nicht um fehler. das käme gleich einem mathematiker, dem das wort algebra unbekannt ist.
    es kann natürlich sein, aufgrund politischen drucks, er entsprechend sätze formulieren muß.

    vebleibe mit einem „salam alaikum“

    Antworten
  4. Abu Sulayman

    Al-salamu ‚alaykum,

    Ich würde gerne hier zwei wichtige Punkte anmerken:

    1) Leider haben es die Medien geschafft, dass ein Grossteil der Nichtmuslime beim Wort Islam an Terror denkt.
    Wenn man sich die Realität allerdings anschaut, so sieht man, dass die führenden Staaten der sogenannten „westlichen Welt“ weltweit Terror und Unterdrückung betreiben ohne dass dies in irgendeiner Art und Weise geahndet wird oder die Medien sich darauf fokussieren.

    Ein Beispiel ist die USA, die ja angeblich „Demokratie“ und „Freiheit“ repräsentiert. Die USA wurde erst dadurch gegründet, indem man die ursprüngliche Bevölkerung Nordamerikas vertrieben, abgeschlachtet und auf ein Minimum reduziert hat. Hiernach hat man Menschen aus Afrika geholt, sie versklavt und ausgebeutet. Bis heute werden Afroamerikaner benachteiligt (offiziell haben sie die gleichen Rechte, aber die Realität sieht anders aus). So dann hat dieser auf Landraub und Mord etablierte Staat in den letzten 100 Jahren etliche Kriege (2. Weltkrieg, Koreakrieg, Vietnamkrieg, Afghanistankrieg, Irakkrieg, usw.) geführt and eine riesige Anzahl an unschuldigen Menschen getötet (da ja natürliche Ressourcen ja viel mehr Wert sind als Menschenleben… soviel also zu den „Menschenrechten” von der der Westen immer spricht!). Hierbei sei gesagt, dass nicht nur das Naziregime während des 2. Weltkriegs große Verbrechen verübte, sondern auch die Alliierten mit ihrer absichtlichen Bombardierung von Zivilisten. Die USA sind auch der einzige Staat, der Atombomben auf ein anderes Land abgeworfen hat und somit kaltblütig eine riesige Anzahl an Zivilisten in kürzester Zeit ermordet hat. (Darum sollte man nicht etwa zuerst von der Denukleariserung der koreanischen Halbinsel sprechen, sondern der von Nordamerika!!!)

    Auch Europa hat keine weiße Weste. So beruht ein beachtlicher Teil ihres Reichtums auf der früheren Kolonialisierung anderer Länder und der bis heute bestehenden Ausnutzung und Ausbeutung von Dritt-Welt-Ländern (insbesondere durch England und Frankreich!).

    Und was den Lieblingsstaat der Amis angeht (also den, der durch die Zionisten in Palästina gegründet wurde), der ja laut Amerika und Europa ja sehr „demokratisch” ist (was auch immer das nun bedeuten mag): So betreibt dieser Besatzungsstaat seit Jahrzehnten Mord, Vertreibung, Unterdrückung und Terror gegen die arabische Bevölkerung (also nach dem Vorbild von Amerikas Gründung eben) und das jüngste Beispiel ist Khan al-Ahmar.

    Ist es dann nicht Verlogenheit und Boshaftigkeit, wenn man so tut als ob der Islam zum Terror aufrufe, während man selbst derartige Verbrechen begangen hat und immer noch begeht?!?

    2) Was nun den Terror angeht, der im Namen des Islams verübt wird angeht:
    Dieser beruht in aller erster Linie auf der Bewegung der Wahhabiyyah. (Bevor jemand mich wegen dieser Bezeichnung angreift: Dieser Begriff wurde sehr früh von den Gelehrten der Ahl al-Sunnah verwendet und weist schlicht und einfach auf die Befolger einer gewissen Ibn ‘ Abd al-Wahhabs hin.)

    Die Salafiyyah sind aus dieser Bewegung hervorgegangen. Nun werden die “Salafis” diese Aussage (also dass ihre Ursprüngsbewegung schuld am Terror im Namen des Islams ist) zwar ablehnen, allerdings sind insbesondere ihre Laien in keinster Weise qualifiziert um darüber urteilen zu können (was ihre Gelehrten angeht, so ist ihr Zustand der der Gelehrten der 12-Schiiten!!). Zum einen fehlt Ihnen das richtige Wissen um des klassischen Islams und zum anderen haben sie keines der Werke der ursprünglichen Najdi/Wahhabi-Bewegung studiert. Wenn sie das tun würden, dann würden sie sehen, wie die ursprünglichen Wahhabiyyah mit Stolz davon berichten wie sie auf der arabischen Halbinsel und den umliegenden Regionen Muslime angegriffen, ausgeraubt, getötet und terrorisiert haben (siehe »Tarikh Najd« und »’Unwan al-Majd«). Auch würden sie dann sehen wie dieser Ibn ‚Abd al-Wahhab und seine Handlanger so ziemlich alle Muslime als Götzendiener, Ungläubige und Apostaten ansahen und explizit zu ihrer Tötung aufriefen (siehe hierzu »Mufid al-mustafid«, »al-Durar al-Saniyyah«, »al-Rasa‘il al-Shakhsiyyah«, usw.).
    Man kann dies auch in der Realität sehen: So sieht man, dass all diese terroristischen Gruppierung (wie al-Qa’idah, Shabab, Boko Haram, ISIS, etc.), die – zu Unrecht! – im Namen des Islam Menschen abschlachten (mit Vorliebe für Muslime natürlich!), Salafiyyah Jihadiyyah sind.
    Dementsprechend sollte auch keine klare Trennlinie zwischen dem beschriebenen Terror und der Salafiyyah gezogen werden, da die Salafiyyah eben in erster Linie auf den Ideen der Wahhabiyyah beruht, die wiederum explizit zum Terror und zum Töten ohne Recht aufgerufen haben.

    Die Verbreitung des Salafismus (der übrigens keinerlei Verbindung mit den ersten frommen Generationen der Muslime hat) ist eine moderne Angelegenheit, die insbesondere durch saudiarabische Finanzierung erfolgt ist (und natürlich: der Ausnutzung von Unwissenheit).

    Um nun den Kreis zu schliessen:
    Als dieser Muhammad bin Salman gefragt wurde wieso ”Saudi”-Arabien den Gedankengut der Wahhabiyyah verbreitet, hat er gemeint, dass die USA dies damals von ihnen verlangt hat (also als Mittel gegen den Kommunismus).

    Somit ist der sogenannte „islamistische Terror“ etwas was der Westen selbst gewollt hat und bis heute werden diese Gruppierungen – wissentlich oder unwissentlich – von den Golfstaaten und insbesondere dem Westen verwendet um ihre geostrategischen Ziele zu erreichen.

    Antworten
    • Pflichtangabe

      Salam aleykum wa rahmatullahi wa barakatuh,

      du berührst in deinem Text zwar wichtige Punkte, machst es dir aber gegen Ende sehr leicht.

      Es ist möglich das der internationale Terrorismus insbesondere vom Dunstkreis der „Salafiyya“-Bewegung ausgeht, was auch damit korrelieren mag, dass die Salafiyya-Bewegung insbesondere in jugendlichen Milieus Fuß zu fassen vermochte, die ihrerseits natürlich eine gewisse jugendliche Motivation und Tatendrang in sich tragen und so schnell wie möglich irgendetwas bewegen wollen, und dabei sogar – falls akut manipuliert – nicht selten über Leichen gehen.

      Das ist zwar ein riesengroßes Problem, insbesondere dann wenn man sich als Muslim in einer erhabenen und heiligen Position sieht, und ausnahmslos alle Nicht-Muslime, oder sogar Muslime(!) mit divergenten Ansichten, zu Menschen zweiter Klasse degradiert und tötet (irgendwie versucht der Satan wie man sieht den Rassismus immer wieder zu reaktivieren), das eigentliche Übel jedoch liegt meines Erachtens ganz wo anders. Ausgerechnet da, wo die Salafiyya-Bewegung und der „Mainstream“ ihren Schnittpunkt haben: Taqlid, dieses blinde Gehorsam für fehlbare Menschen.

      Wenn die Muslime wieder anfangen würden kritisch zu denken, den Idschtihad zu reaktivieren, nicht sofort einen Gelehrten bei jeder Fragestellung sogar bei Lebensaspekten einschalten, und den von Gott gegebenen Verstand intensiver nutzen würden, wäre wir meines Erachtens ganz woanders.

      Wenn mal die Muslime endlich wieder selbst in die gewichtigen Quellen (ehrwürdiger Quran, authentische Sunna) schauen würden und schauen dürften, ohne gleich von ihren Glaubensbrüdern demotiviert zu werden, dass wenn man ohne die Hilfe eines Gelehrten (fehlbarer Mensch!) versucht den ehrwürdigen Quran, oder die Sunna akademisch zu erfassen, man in die Irre gehen werde.. ja dann gäbe es auch weniger Abus die in Mikrofonen den Tod aller Muslime mit unterschiedlichen Ansichten, oder unschuldiger Zivilisten heraubeschwören wollen könnten.

      Man würde sie schon von Anfang an als das enttarnen was sie sind: Psychopathen die ihre Psychopathie unter dem Deckmantel der Religion ausleben wollen.

      Dann gibt es natürlich die andere Sorte von Muslimen die die Meinungsverschiedenheit als eine (oder sogar die) rahma für die Umma schlechthin sieht, aber dann leider übersieht, dass die Konsequenz von Meinungsverschiedenheit zwangsläufig Sektiererei und Spaltung ist.

      Dann gibt es die andere Sorte von Muslimen, die die Präsenz der muslimischen Frau vollständig marginalisieren möchte, und deswegen jegliche willkürlichen Verbote erlässt, und eine übertriebene unnatürliche Geschlechtertrennung forciert, die so weit geht, das die Frau faktisch nicht mehr als wahrnehmbarer Teil der muslimischen Gesellschaft gilt, und man plötzlich davon redet das man ihnen „freundlicherweise“ Plätze in Moscheen einräumt, wiewohl sie genau so sehr ein Anrecht auf ein Aufenthalt in der Moschee haben wie der Mann.

      Paraphrasiert: Die Ursachen für unsere heutige Situation sind meines Erachtens nicht nur die bösen Salafisten, sondern eher die kollektive Lethargie der Umma, die Glorifizierung von fehlbaren Menschen (Gelehrte), die Vernachlässigung des Studiums des ehrwürdigen Quran, respektive die Übertragung dieser edlen Pflicht an eine kleine Gruppe von Menschen, und der Gedanke, durch Nichts-Tun werde sich irgendwann etwas schon ändern. Es mag sich zwar was ändern, aber nicht für diejenigen die Nichts tun; sie gehen entweder dabei drauf, oder haben nichts davon.

      Die Auswüchse davon sind dann eben Terror, Marginalisierung der muslimischen Frau und Rassismus (siehe Nord-Afrika und Schwarze, Saudi Arabien und Schwarze, Naher Osten und Schwarze…) Korruption und Ungerechtigkeiten.. et cetera perge perge.

      Um aber eines festzuhalten: Ich bin auf keinen Fall gegen Gelehrte an sich, nur eben gegen das Gelehrtentum und das man ihre Meinung blind übernimmt und sie als islamisch gültige Beweise präsentiert.

      Die Gelehrten sind nur Menschen und können und müssen bei Fehlern kritisiert werden.
      Tut man das nicht rechtzeitig, ist das Ergebnis ein Mann mit Mikrofon, der mit seinem Plastik-Becher die Rotation der Erde widerlegen möchte…

      Wie dem auch sei:
      Das hier alles ist meine Meinung, sie kann falsch sein.
      Konstruktive Kritik erwünscht.

      Und Gott alleine weiß es besser.

    • Pflichtangabe

      Erratum:
      Wenn die Muslime wieder anfangen würden kritisch zu denken, den Idschtihad zu reaktivieren, nicht sofort einen Gelehrten bei jeder Fragestellung sogar bei Lebensaspekten einschalten, *sondern* den von Gott gegebenen Verstand intensiver nutzen würden, wäre wir meines Erachtens ganz woanders.

    • Abu Sulayman

      Wa ’alaykum al-salam wa rahmatullahi wa barakatuh,

      zunächst: Meine Kommentar war spezifisch zum Thema Terror.
      In diesem Kontext ist mir zum einen wichtig zu betonen, dass die Staaten, die uns Muslime gerne des Terrors bezichtigen und angeblich den “Terror“ bekämpfen (wer’s glaubt!), selbst Fürsten des Terrors und der Unterdrückung sind (und hierfür gibt es klare Beweise).
      Zum anderen ist es mir auch wichtig zu betonen, dass der Terror, der im Namen unserer Religion verübt wird, in aller erster Linie von Gruppierungen, die der Salafiyyah Jihadiyyah, angehören, ausgeht und der normale Muslim somit in keinster Weise hierfür verantwortlich gemacht werden kann.

      Die Salafiyyah ist wie bereits erwähnt aufgebaut auf den Ideen eines Ibn ’Abd al-Wahhab (und auch den von Ibn Taymiyyah und al-Schawkani).
      Ibn ’Abd al-Wahhab und seine frühen Befolger haben sehr deutlich zum Tod anderer Muslime gerufen und dies auch in der Realität umgesetzt. Die bereits genannten Bücher (alles von der frühen Wahhabiyyah selbst verfasst!) sind Beweis genug und man sieht insbesondere an Büchern wie »’Unwan al-Majd« und »Tarikh Najd«, dass die Bewegung um Ibn ’Abd al-Wahhab sogar um einiges schlimmer war als ein ISIS und massenweise Muslime (darunter sehr fromme sogar!) getötet hat (und das zu einer Zeit während die Europäer versuchten die muslimischen Länder unter ihre Kontrolle zu bringen!).
      Bis heute haben die ”Salafis” einen starken Hang dazu im Takfir maßlos zu übertreiben und aus dieser Übertreibung folgt eben dieses aggressive Vorgehen gegen andere Muslime (weswegen sich ”Salafis” exzellent dafür eignen die Muslime immer stärker zu spalten).
      Diese Übertreibung beruht schlicht und einfach darauf, dass diese Gruppe einem Tawhid- und Schirkverständnis folgt, welches doch sehr stark vom klassischen Islam abweicht (und somit auch vom edlen Qur`an und der Sunnah). Noch dazu verhält sich diese Bewegung nicht anders als irgendwelche islamfeindlichen Orientalisten, die Halbwahrheiten oder gar falsche Informationen verwenden, um den klassischen Islam anzugreifen.

      Nun zum Thema, das du angesprochen hast: Die heutige Lage der islamischen Gemeinschaft, die bekanntlich alles andere als gut ist.

      Natürlich ist nicht nur die ”Salafiyyah“ an dieser Lage schuld, sondern sie ist einer der vielen Symptome dafür, dass etwas nicht stimmt.

      Du hast Taqlid als einer der Hauptprobleme genannt.
      Diese Angelegenheit wurde in in erster Linie in unserer Zeit von den ”Salafis” gehypt und das schlicht und einfach mit dem Ziel, dass die Muslime sich vom klassischen Islam abwenden und stattdessen oberflächlich denkende salafitische Prediger befolgen.

      Wenn wir uns allerdings die religiösen Quellen anschauen und die Realität der Muslime vor uns anschauen, so wird sehr klar, dass das Problem nicht etwa das Thema Taqlid ist.

      Man bedenke, dass bis vor 100 Jahren, die allermeisten Muslime [und Nicht-Muslime] weder lesen noch schreiben konnten und es sowas wie ein Internet nicht gegeben hat.
      Wie also hat sich der normale Muslim bezüglich der Religion informiert? Er hat sich schlicht und einfach an die Gelehrten und die Prediger gewandt (wobei es schon immer besser war bei großen Angelegenheiten auf Gelehrte und nicht etwa einfache Prediger zu vertrauen).
      Ist das nun religiös gesehen ein Problem? Nein, solange die Person zumindest in den absolut grundlegenden Angelegenheiten der Religion (also der Iman an Allah ta’ala und seinen edlen Gesandten – sallallahu ’alayhi wa sallam) seine Überzeugung auf allgemeinen Beweisen basiert, ist sein Iman korrekt und er ist nicht sündig.
      Die früheren Muslime, die offensichtlichlicherweise größtenteils Muqallidun waren, hat Allah ta’ala mit den Öffnungen der Länder und den Sieg über die Feinde Gottes geehrt, somit kann das Problem nicht der Taqlid sein.

      Nun zu unserer Zeit: Nur weil die meisten Menschen nun lesen und schreiben können und eine Internetverbindung haben, berechtigt sie das lange nicht dazu Rechtsurteile zu fällen oder sich ähnlich wie Rechtsgelehrte aufzuführen. Wenn man weder einwandfrei Arabisch versteht, noch den Qur`an komplett studiert hat, noch die Asbab al-Nuzul kennt, noch die Ahadith zu den verschiedensten Themen, noch weiß was Nasikh und Mansukh ist, noch ’amm oder khas ist, noch Usul al-Din und Usul al-Fiqh (also: die Aslayn) studiert hat (und dies natürlich alles bei Gelehrten!), dann frägt man sich doch wie man sich befugt fühlt Rechtsurteile zu fällen?
      Keiner sagt, dass Mann seinen Verstand ausschalten soll, allerdings sollte jeder seine Grenzen kennen (insbesondere, die seines Wissen!) und nicht bezüglich etwas sprechen wovon er nicht genügend Wissen besitzt.

      Man bedenke an dieser Stelle wie denn die Religion uns erreicht hat:
      Der Siegel aller Propheten und Gesandten Muhammad al-Mustafa – sallallahu ’alayhi wa sallam – brachte die korrekte Religion seiner Familie und seinen Gefährten bei, diese brachten es den Tabi’in bei, diese wiederum der nächsten Generation und dies geht bis zu unserem Tag so.
      Bücher wurden zum Vereinfachen des Lernens und des Speicherns von Informationen verwendet, aber die eigentlichen Religionsüberbringer waren Personen.
      Wenn wir also von richtigen Gelehrten sprechen, dann sind das Leute, die durch die oben beschriebene Kette die Religion gelernt haben.

      Nun stellt sich immer noch die Frage: Wieso geht es dieser Ummah so schlecht?
      Die Antwort sollte ein jedem eigentlich klar sein:
      Die Sünden, die diese Ummah begeht. Sünden gab es schon immer in dieser Ummah, aber die Quantät und Qualität der Sünden ist eben sehr stark angestiegen und darum geht es dieser Ummah schlecht.
      Man bedenke, dass ein großer Teil der Muslime nur am Freitag oder gar nur am ’Eid betet. Zina und uneheliche Beziehungen haben sich wie nie zuvor verbreitet. Versprechen werden gebrochen und die Ehrlichkeit ist verloren gegangen. Ehrenlose Verräter und die wertlosesten Personen sitzen in den Positionen der Macht. Das Schlechte, welches sich überall verbreitet hat, wird nicht verboten. Die Prinzipien des göttlichen Gesetzes werden in einem noch nie dagewesenen Ausmaß vernachlässigt und sogar der Rücken gekehrt.
      Was erwartet man dann außer der Strafe Gottes?

      Ein letzter Punkt zu der Angelegenheit der Marginalisierung der Frauen:
      Es gibt natürlich Länder/Regionen unter den Muslimen wo dies zutrifft und dies geht gegen die Religion. Allerdings will ich ganz klar betonen, dass der Islam patriarchalisch ist und sich sehr stark von den modernen Vorstellungen des Westens unterscheidet.

    • Pflichtangabe

      Salam aleykum wa rahmatullahi wa barakatuh,

      du schreibst,

      „Man bedenke, dass bis vor 100 Jahren, die allermeisten Muslime [und Nicht-Muslime] weder lesen noch schreiben konnten und es sowas wie ein Internet nicht gegeben hat.
      Wie also hat sich der normale Muslim bezüglich der Religion informiert? Er hat sich schlicht und einfach an die Gelehrten und die Prediger gewandt (wobei es schon immer besser war bei großen Angelegenheiten auf Gelehrte und nicht etwa einfache Prediger zu vertrauen).“

      Das mag ein oder gerade noch zwei Generationen klappen, lehrt man aber der dritten Generation nicht das Lesen und Schreiben ist die Gesellschaft prädestiniert zu verkümmern.

      Große Mengen von Informationen gehen dadurch jede Generation ein Stück verloren bis dann das Unwissen und die Lethargie der Vorfahren reproduziert werden.
      Irgendwo muss das gebrochen werden.
      Leider kommt der Appell vermutlich etwas zu spät.

      Ein Lehrer und Gelehrter sind dafür da sich überflüssig zu machen.
      Würde man diesen Grundsatz weiterverfolgen (den die ersten Gelehrten sicher vertraten!) wäre der Taqlid vielleicht nach mindestens zwei Jahrhundert überflüssig gewesen und es wären Generationen geboren, die aus den Fehlern der vorherigen lernen würden, statt diese zu wiederholen… und an ihnen festhalten zu wollen, wie es heute leider der Fall ist.

      Die „Früchte“ dieser „Entwicklung“ trägt die Umma heute „herzlich“ aus.
      Und? Schmeckt die Frucht, hm?

      Du schreibst,

      „Die früheren Muslime, die offensichtlichlicherweise größtenteils Muqallidun waren, hat Allah ta’ala mit den Öffnungen der Länder und den Sieg über die Feinde Gottes geehrt, somit kann das Problem nicht der Taqlid sein.“

      Jetzt frag dich bitte mal: Lag das jetzt daran das sie den Taqlid praktizierten?
      Wohl kaum.

      Ist halt eine Gnade Gottes gewesen.

      Gott erlaubte auch den Mongolen den Muslimen eine schreckliche Niederlage zuzufügen… Etwa weil die Mongolen das verdienten, oder sogar weil sie den Taqlid praktizierten?
      Gott erlaubt auch dem Westen heute die Muslime in nahezu allen Bereichen vollständig zu kontrollieren. Etwa weil der Westen die besseren Werte hat?

      Bloß weil Gott den Muslimen damals den Sieg gewährte, heißt es nicht, das jeder Muslim damals ausnahmslos Träger perfekter Eigenschaften war.

      Wir vergessen hoffentlich auch nicht die Ermordung der edlen Ahlul Bayt(a.) durch die Umayyaden.
      Die Sympathisanten dieser zum größtenteils Mörder-Dynastie haben dann ihr Verständnis des Islam in die weite Welt gebracht.
      Ihre Repressalien, Missetaten und Fehler sind bis heute spürbar.

      Du schreibst,

      „Nur weil die meisten Menschen nun lesen und schreiben können und eine Internetverbindung haben, berechtigt sie das lange nicht dazu Rechtsurteile zu fällen oder sich ähnlich wie Rechtsgelehrte aufzuführen.“

      Es geht darum das jeder tiefgläubige Muslim im Grunde dazu imstande ist ein Rechtsurteil auf Grundlage des ehrwürdigen Quran und der authentischen Sunna zu geben, ohne gleich dutzende Bücher von fehlbaren Menschen auswendig gelernt haben zu müssen.

      Das heißt aber nicht das jeder nun nach seinem Gutdünken ein Urteil ohne jegliches Wissen fällen dürfe, sondern das Gott jedem die nötigen Kapazitäten gegeben hat, qualitative Urteile auf Grundlage des ehrwürdigen Quran und der authentischen Sunna fällen zu können.

      Du schreibst,

      „Wenn man weder einwandfrei Arabisch versteht, noch den Qur`an komplett studiert hat, noch die Asbab al-Nuzul kennt, noch die Ahadith zu den verschiedensten Themen, noch weiß was Nasikh und Mansukh ist, noch ’amm oder khas ist, noch Usul al-Din und Usul al-Fiqh (also: die Aslayn) studiert hat (und dies natürlich alles bei Gelehrten!), dann frägt man sich doch wie man sich befugt fühlt Rechtsurteile zu fällen?“

      Hier schon wieder diese Demotivation.

      Ja gewiss, die Voraussetzung sind die arabische Sprache zu erlernen und idealerweise die Offenbarungsanlässe zu kennen (worunter dann eigentlich auch Abrogation und Derogation mit inbegriffen sind) et cetera perge perge.

      Nichtsdestotrotz geht es mir eigentlich eher um die eigene Erkenntnis-Gewinnung aus dem Quran zu der jeder imstande ist, ohne Ausnahme. Nachdenkend Erkenntnisse aus dem Quran zu gewinnen: Das ist Wissen.

      Wohingegen Auswendiglernen kein echtes Wissen darstellt. Es hat keine Substanz, man profitiert nicht davon.
      Allenfalls kann man sich durch das Auswendiggelernte profilieren, weil es direkt abrufbereit ist. Das repräsentiert aber keine echte Leistung.

      Wenn Auswendiglernen Wissen ist, sind Pharisäer und Schriftgelehrten wissend gewesen, was sie aber gewiss nicht waren.
      Gott vergleicht diejenigen denen die Thora aufgetragen wurde und die es dann nicht tragen konnten mit Bücher tragenden Eseln.
      Mag das daran liegen das Auswendiglernen keine wirkliche Leistung, und das Auswendiggelernte kein Wissen ist?
      Ein Esel der Bücher trägt, profitiert nicht von den Informationen die die Bücher kommunizieren.

      Die Muslime müssen wieder zum ehrwürdigen Quran zurückkehren, den Idschtihad reaktivieren und den Quran soweit sie können studieren.

      Du schreibst,

      „Man bedenke an dieser Stelle wie denn die Religion uns erreicht hat[…]“

      An dieser Stelle sollte man sich überhaupt erst fragen ob das Verständnis der Religion uns in ihrer Rein-Form erreicht hat.
      Meiner Einschätzung nach eben nein, was sich insbesondere auch an der Behandlung der Frau wiederspiegelt.

      Der Quran ist zwar unverfälscht, darin gibt es keinerlei Zweifel, das Verständnis aber ist sicher nicht derselbe. Oder warum konstatierte nochmal ein schafiitischer Gelehrter das ein Nicht-Araber für eine Araberin ungeeignet sei? (‘Umdat as-Salik wa ‘Uddat an-Nasik, Kapitel „Nikkah“)

      Du schreibst,
      „[…]diese brachten es den Tabi’in bei, diese wiederum der nächsten Generation und dies geht bis zu unserem Tag so.“

      Und du glaubst allen ernstes, dass die Information von damals uns ins seiner Rein-Form erreichte?
      Nein, die Realität sieht ganz anders aus:

      Eine Kette von Generationen des unkritischen Auswendiglernens und Wiedergabe von Fehlern und falschen Verständnissen der vorherigen Generation.

      Wieso sonst denkst du, gibt es Gelehrte die gegen die NASA demonstrieren, oder konstatieren, die Erde rotiere nicht, die Sonne drehe sich um die Erde, oder sogar das die Erde flach und Impfungen schädigend seien et cetera?
      Von irgendwo muss doch diese Desinformation herkommen..

      Die Muslime müssen sich von den Ketten der Vergangenheit lösen, aus ihren Fehlern lernen und fortschrittlich werden.

      Du schreibst,

      „Nun stellt sich immer noch die Frage: Wieso geht es dieser Ummah so schlecht?
      Die Antwort sollte ein jedem eigentlich klar sein:
      Die Sünden, die diese Ummah begeht. Sünden gab es schon immer in dieser Ummah, aber die Quantät und Qualität der Sünden ist eben sehr stark angestiegen und darum geht es dieser Ummah schlecht.“

      Du beschreibst nur die Symptome, die Ursachen sind andere, insbesondere der Taqlid.

      Genau den selben Zustand hatten doch auch die Christen im Europa des dunklen Mittelalters.
      Auch bei ihnen gab es vermeintlich unhinterfragbare Autoritäten (Kleriker, Päpste, Kirche), die von der Lethargie der Bevölkerung profitierten.

      Erst nachdem die Europäer sich dieser Joch der Unmündigkeit entledigen konnten, ging es mit ihrer Zivilisation bergauf, das sogar soweit reicht, dass sie sich nach zwei Weltkriegen zu erholen und den Orient und den Rest der Welt zu bezwingen imstande waren.

      Von Zina bis Mord, von kufr bis shirk, von Veränderung der Schöpfung Gottes bis hin zu Verunstaltung ist alles dabei. Trotzdem geht es denen besser als den Muslimen.

      Wieso?

      Meine Vermutung: Blindes Nachahmen von fehlbaren Menschen(Gelehrte, und seien sie noch so wissend, Herrschern, und seien sie noch so gerecht) produziert früher oder später Ungerechtigkeit, weil der Nachahmer sein Handeln nicht reflektiert, und dann neue Herausforderungen nicht bewältigen kann.
      Dadurch verkümmert sein Sinn für Gerechtigkeit.

      Im Westen hingegen – das größtenteils über ein kritisches Denkvermögen verfügt – ist Gerechtigkeit und der Schutz der Würde des Menschen ein erstrebenswertes Ziel.
      Und Gott lässt nun mal das gerechte Volk überleben.

      Die Muslime aber folgen leider dem Beispiel derjenigen die vorher schon zugrunde gingen.

      Siehe dazu die Aussage des edlen Gesandten Gottes derzufolge er prophezeit haben soll:
      „Ihr werdet den Wegen derer, die vor euch waren, Handspanne um Handspanne und Elle um Elle folgen, bis ihr ihnen selbst dann folgen würdet, wenn sie in das Loch einer Eidechse kröchen. Wir sagten: ‘Gesandter Allahs! Den Juden und Christen?‘ Er sagte: Wem sonst?!“

      Und genau diesen Zustand beobachten wir heute.

      Du schreibst,
      „Allerdings will ich ganz klar betonen, dass der Islam patriarchalisch ist und sich sehr stark von den modernen Vorstellungen des Westens unterscheidet.“

      Ich hoffe du weißt wovon du da redest, und was das „Patriarchat“ alles impliziert.
      Meines Erachtens dünnes Eis.
      Inwiefern patriarchalisch?

      Wie bewertest du folgende Hadithe:

      Abu Schuraih Khuwailid ibn Amai al-Khuza’i (r) berichtet, dass der Prophet (s) gesagt haben soll:
      „Oh ALLAH! Du weißt, dass ich die Verletzung der Rechte der beiden Schwachen, der Waisen und der Frauen, für schwere Sünde erkläre und dass ich davor sehr warne.“ (An-Nasai)

      Von Abû Sa`îd al-Khudriy (ra), dass der Prophet sagte:
      „Keine Nation/Gemeinschaft wird rein werden [wörtl.: (von Allah (swt)) gereinigt werden], in der der Schwache nicht sein Recht ohne jede Mühe erlangt.“

      Abū al-Darda´ `Uwaimir(r.) überliefert: Ich hörte den Gesandten Allahs(s.) sagen:
      „Schaut nach meinem Gutdünken bei den Schwachen (indem ihr ihnen immer helft), denn euch wird gewiss ihretwegen (gegen die Feinde) geholfen und ihr werdet (in eurem Lebensunterhalt) versorgt.” (Riyadhu s-Salihin)

      Interessant: Wegen der Schwachen wird ein Volk versorgt und wegen der Schwachen wird einem Volk geholfen… nicht wegen der Starken.

      Das Patriarchat suggeriert aber meines Erachtens eine divergente Perspektive.
      Bitte also deswegen genau konkretisieren was du meinst, und dazu Beispiele nennen.

      Wo genau wird im Islam die Frau benachteiligt und der Mann aufgrund seines Geschlechtes bevorzugt?
      Ich sehe in den Lehren des ehrwürdigen Quran und in den Direktiven Gottes weder die Bevorteilung des Mannes, noch die Benachteiligung der Frau, sondern eher die Gleichwertigkeit von Mann und Frau.

      Frau und Mann sind aber an sich allein aufgrund der biologischen Beschaffenheit nicht dasselbe, entsprechend sind ihre ihnen zugewiesenen Aufgaben auch nicht identisch, sondern entsprechend ihrer Kapazitäten.

      Eventuelle Fehler sind meine eigene Schuld.
      Und Gott alleine weiß es am allerbesten und besser.

      Frieden.

    • Abu Sulayman

      Salamun ’alaykum,

      wenn man deinen Beitrag so liest, könnte man ja fast meinen der klassischen Islam hätte das sagen und deswegen ginge es dieser Ummah so schlecht.

      Kleiner Reality-Check:
      Der klassische Islam hat nirgendswo das sagen.

      Bezüglich der Angelegenheit des Taqlid:
      Du versuchst ein Bild zu zeichnen, was nicht der Realität entsprichst und schaffst ein Problem wo keins ist.
      Keiner sagt man solle nicht über den Qur`an nachsinnen und keiner sagt man soll seinen Verstand ausschalten.
      Die Gelehrten haben sogar grössenteils die Ansicht vertreten, dass die erste Pflicht eines Menschen die Nachforschung sei und dass man seinen Iman an Allah ta’ala und seinen edlen Gesandten – sallallahu ’alayhi wa sallam – auf Beweisen und nicht auf Taqlid aufbauen dürfe.

      Was nun das Fällen von Rechtsurteilen angeht, so braucht man hierfür nunmal tiefgründiges und detailliertes Wissen.
      Wenn du meinst, dass ein jeder nun mit seinem Halbwissen oder gar nicht vorhandenem Wissen sich als Faqih aufspielen soll, so wisse dass die ”Salafis” dazu bereits gerufen haben und das Ergebnis ist, dass die ”Salafiyyah”, die selbst eine moderne Bewegung sind, sich in kürzester Zeit in zig Untergruppen zerteilt haben.
      Auch finden wir die Modernisten, die nach Lust und Laune klare Urteile des göttlichen Gesetzes im Frage stellen, weil es ihrem verdorbenen Denken nicht passt.

      Und wenn du meinst, dass ein jeder es schafft sich dieses tiefergründige und detaillierte Wissen anzueignen, während er gleichzeitig sein Lebensunterhalt bestreiten muss und sich um seine Familie kümmern muss, so lebst du in einer Traumwelt.

      Dieses Wissen ist derartig kostbar, das weder jeder die intellektuelle Fähigkeit noch den Tawfiq von Allah hat, damit er es sich aneignet.
      Nicht umsonst bezeichnete der Gesandte Allahs – sallallahu ’alayhi wa sallam – die Gelehrten als die »Erben der Propheten« und auch, dass das Wissen mit ihrem Tod verloren geht.
      Hier sehen wir auch, dass die religiösen Quellen deine These eben nicht stützen.

      Auch finde ich es doch sehr bedenkenswert wie du und andere auf dieser Seite die Aufklärung bei den Europäern nun für uns Muslime als Vorbild anseht.
      Dass wir einen anderen Ausgangspunkt haben und dass mit der Aufklärung die Relativierung von Moral und das nicht-sicher-sein-ob-Gott-existiert-Denken einherging (beides dank einem gewissen Kant) scheint ja einem nicht sonderlich zu stören.

      So dann: Was verlangt den Allah ta’ala von uns? Wenn wir die verschiedenen Ayat und Ahadith anschauen, dann kann man es folgendermaßen abkürzen: An die Arkan al-Iman aufrichtig glauben, die Arkan al-Islam ausführen, gute Taten verrichten und von den Sünden (insbesondere den größeren) fernbleiben.
      Das ist der Schlüssel zum Erfolg und nicht irgendwelche Lösungsansätze, die man sich selbst ausgedacht hat.

      Es ist ein Fakt, dass die Sünden, die diese Ummah begeht, sich auf ihren Zustand auswirkt.
      Da braucht man nun wirklich nicht mit ”Warum geht es dann folgendem und jenem ungläubigen Volk denn dann so gut?” ankommen, denn es war spezifisch die Rede von dieser Ummah.

      Auch würde ich hier gerne an etwas erinnern: Früher hat man den Islam so gesehen, dass die Reinigung des Herzens eine zentrale Rolle in der Religion spielt. Da man sich darauf konzentriert hat, konnte man sich eher von Sünden fernhalten und die Gebote Gottes einhalten.

      Dank der ”Salafis“ und den Modernisten wurde aber diese innere Dimension des Islam (sprich: der Tasawwuf) über Bord geworfen (nach dem Motto ”da falsche Sachen im Namen des Tasawwuf begangen werden, muss wir es einfach so wegwerfen”) und herausgekommen sind Gesellschaften, die in allerlei Sünden nur so vor sich schwimmen.

      Bezüglich des Angelegenheit der Frauen und dass der Islam patriarchalisch ist:
      Dass Mann und Frau gleichwertig sind, hat keiner hier bestritten.
      Ein Patriarchat kann man auch als ”Vaterherrschaft” übersetzen. Dass es in diesem Bezug klipp und klare Ahkam im göttlichen Gesetz gibt, muss ich doch nicht wirklich ausführen, oder?

    • Pflichtangabe

      Salam aleykum wa rahmatullahi wa barakatuh,

      du schreibst,
      „wenn man deinen Beitrag so liest, könnte man ja fast meinen der klassischen Islam hätte das sagen und deswegen ginge es dieser Ummah so schlecht.“

      Da haben wir doch schon die ersten Probleme, die die Umma seit Jahren spaltet:

      Den Islam mittels verschiedener Attribute zu unterscheiden,
      und dann *DEN* Islam für sich und seine Gruppe zu pachten und das Deutungsmonopol für *DEN* Islam für sich zu beanspruchen.

      So gibt es den schiitischen Islam, die das Deutungsmonopol über den einzig wahren Islam für sich gepachtet haben, und den sunnitischen Islam; die Individuen dieser Attributierung unterschieden den Islam dann noch durch ihre Zugehörigkeiten zu einer Madhab, und am Ende hat man dann eine völlig heterogene Gruppe von Menschen die zwar alle Muslime sind und grundsätzlich auch allesamt die Säulen des Islam bezeugen und praktizieren, aber sich in nahezu allen Aspekten, sei es von der Gebetswaschung bis hin zur Hadsch-Ausführung differenzieren.

      Der klassische Islam ist weder die Zugehörigkeit zu einer Madhab, noch das Gelehrtentum, noch die zig Gelehrtenbücher, noch das Gehorchen und blinde Nachahmen der Vorfahren.

      Der klassische Islam besteht aus zwei gewichtigen Quellen:
      Quran und Sunna.

      Das wars.

      Es interessiert uns nicht was ein Gelehrter vor 1000 Jahren zu diesem und jenem Vers schrieb, und wie ein anderer Gelehrter das kommentiert, und wie dann der Schüler dieses Gelehrten diesen Kommentar kommentierte und dazu eine Anekdote erzählt hat.

      Einzig und allein Gottes Wort ist entscheidend, und wir sind imstande Seine Worte auch ohne die Hilfe von fehlbaren Menschen zu begreifen.
      Wir müssen nicht zig Bücher von Gelehrten gelesen und 300 Jahre bei ihnen studiert haben, um Gottes Worte zu verstehen und zu studieren.
      Jeder kann hier und jetzt mit dem Quran-Studium beginnen.

      Wer was anderes behauptet, sagt im Grunde aus, das der ehrwürdige Quran nur für eine kleine Gruppe von Menschen hinabgesandt wurden sei, was aber keineswegs stimmt, denn der ehrwürdige Quran ist eine Ermahnung für die gesamte Menschheit, Dämonienheit,
      und für alle Welten.

      Du schreibst,

      „Du versuchst ein Bild zu zeichnen, was nicht der Realität entsprichst und schaffst ein Problem wo keins ist.“

      Nein, du machst es dir immer wieder zu leicht.
      Du argumentierst durchgängig mit den Symptomen, deren Ursache aber ein ganz anderer ist.

      Gäbe es keinen Taqlid, würde sich kein Vernunftbegabter inmitten von einer Menschenmenge in die Luft jagen.
      Diese Handlung wurde ihm diktiert und mit fadenscheinigen Argumenten bagatellisiert.

      Du schreibst,
      „Keiner sagt man solle nicht über den Qur`an nachsinnen und keiner sagt man soll seinen Verstand ausschalten.“

      Ach nein? Geh mal in irgend ein Islam-Forum deiner Wahl und stell ihnen eine umfangreiche Analyse und Interpretation eines beliebigen, mehrdeutigen Verses vor.
      Wenn die Interpretation nicht mit dem schiitischen/sunnitischen Konsensus übereinstimmt, ist die nächste „Du-Folgst-Deinem-Nafs“-Keule eigentlich nicht weit entfernt.

      Du schreibst,
      „Die Gelehrten haben sogar grössenteils die Ansicht vertreten, dass die erste Pflicht eines Menschen die Nachforschung sei und dass man seinen Iman an Allah ta’ala und seinen edlen Gesandten – sallallahu ’alayhi wa sallam – auf Beweisen und nicht auf Taqlid aufbauen dürfe.“

      Größtenteils?
      Es gibt also eine Minderheit die dagegen argumentiert? lol?

      Und auch hier: Was interessiert mich die Ansicht eines Gelehrten zu diesem Thema, wenn die Worte Gottes bezüglich der Vorzüglichkeit und Pflicht sich seines Verstandes zu bedienen mehr als deutlich ist?

      Schau was Gott über diejenigen sagt die nicht verständig sind:

      {Gewiß, die Übelsten der sich (auf Erden) bewegenden Lebewesen, sind bei ALLAH die Stummen und die Tauben, die nicht verständig sind. } Sure 8 Ayah 22

      Glaubst du allen ernstes, mich juckt nach diesem Vers noch die Ansicht eines Gelehrten zu dieser Angelegenheit??

      Du schreibst,
      „Was nun das Fällen von Rechtsurteilen angeht, so braucht man hierfür nunmal tiefgründiges und detailliertes Wissen.
      Wenn du meinst, dass ein jeder nun mit seinem Halbwissen oder gar nicht vorhandenem Wissen sich als Faqih aufspielen soll, so wisse dass die ”Salafis” dazu bereits gerufen haben und das Ergebnis ist, dass die ”Salafiyyah”, die selbst eine moderne Bewegung sind, sich in kürzester Zeit in zig Untergruppen zerteilt haben.“

      Ich habe ganz und gar deutlich gemacht was genau ich gemeint hatte, siehe oben, Zitat:
      „[…]Nichtsdestotrotz geht es mir eigentlich eher um die eigene Erkenntnis-Gewinnung aus dem Quran zu der jeder imstande ist, ohne Ausnahme. Nachdenkend Erkenntnisse aus dem Quran zu gewinnen: Das ist Wissen[…]“

      Du schreibst,
      „Auch finden wir die Modernisten, die nach Lust und Laune klare Urteile des göttlichen Gesetzes im Frage stellen, weil es ihrem verdorbenen Denken nicht passt.“

      Das ist ein anderes Extrem und Übel, rechtfertigt aber nicht, die Meinungen eines Gelehrten (fehlbarer Mensch) zu diesem und jenem Vers als absolut zu erachten.
      Auch die „klassisches“ Sunni-Gelehrten können und müssen kritisiert werden.

      Du schreibst,
      „Und wenn du meinst, dass ein jeder es schafft sich dieses tiefergründige und detaillierte Wissen anzueignen, während er gleichzeitig sein Lebensunterhalt bestreiten muss und sich um seine Familie kümmern muss, so lebst du in einer Traumwelt.“

      Nein, es ist möglich.
      Glaubst du allen ernstes, die Sahabi hatten nicht für den Unterhalt ihrer Familie zu sorgen, oder anderweitig familiäre Beziehungen zu pflegen und zu arbeiten??

      Man muss nicht arbeitslos sein, um den Islam tiefgründig studieren zu können.
      Ein islamisches Zeitmanagement tut es auch.

      Du schreibst,
      „Nicht umsonst bezeichnete der Gesandte Allahs – sallallahu ’alayhi wa sallam – die Gelehrten als die »Erben der Propheten« und auch, dass das Wissen mit ihrem Tod verloren geht.
      Hier sehen wir auch, dass die religiösen Quellen deine These eben nicht stützen.“

      Die Quellen mögen richtig sein, nichtsdestotrotz handelt es sich bei deinem Umgang mit dieser um eine zirkuläre Argumentation:
      Wer definiert denn wer zu denjenigen Gelehrten gehört, der zu den Erben der Propheten zählt?
      Die Gelehrten selbst? Sorry: Zirkelschluss.

      Und sowieso: Ich habe betont das ich nicht gegen Gelehrte an sich bin, sondern das Gelehrtentum und blinde Nachahmen dieser.

      Die Quellen die du mir zitierst eignen sich indes meines Erachtens hervorragend für meinen Standpunkt:
      Sie motivieren jeden Muslim selbst ein Gelehrter zu werden.
      Denn: Wer möchte nicht ein Erbe der Propheten sein?

      Du schreibst,
      „Auch finde ich es doch sehr bedenkenswert wie du und andere auf dieser Seite die Aufklärung bei den Europäern nun für uns Muslime als Vorbild anseht.
      Dass wir einen anderen Ausgangspunkt haben und dass mit der Aufklärung die Relativierung von Moral und das nicht-sicher-sein-ob-Gott-existiert-Denken einherging (beides dank einem gewissen Kant) scheint ja einem nicht sonderlich zu stören.“

      Und schon wieder argumentierst du mit den Symptomen:
      Die Europäer verwarfen die Religion, weil die religiöse Elite ihre Macht missbrauchte, die Europäer mehrmals in den Ruin trieb und jeglichem Fortschritt entgegenwirkte.

      Irgendwann entwickelte sich leider die falsche Assoziation das Religion die Menschheit in ein ewiges Desaster stürze, weil sie ihre Anhänger immer gegeneinander ausspiele.

      Sie vermochten nicht zu erkennen das nicht die Religion die Ursache für das Desaster war, sondern der Mensch selbst. Fehlbare Menschen wurde zu unhinterfragbaren Autoritäten erhoben, die irgendwann ihre Macht zu zementieren ersuchten, indem sie die Menschen zu unmündigen Lemmingen erzogen, und ihnen das Gefühl gaben, ohne diese vermeintlichen Autoritäten funktioniere nichts.

      Wie funktioniert das am besten? Meinungsverschiedenheit!

      Genau dieselbe Entwicklung beobachten wir doch in der muslimischen Welt auch.

      Wenn du einen Muslim fragen würdest, ob dieser sich denn ein Islam ohne Madhab, Gelehrtentum und die tausenden Bücher von Gelehrten vorstellen könnte, wie würde dieser wohl reagieren?

      Du schreibst,
      „Das ist der Schlüssel zum Erfolg und nicht irgendwelche Lösungsansätze, die man sich selbst ausgedacht hat.“

      Der Aufruf, sich seines Verstandes zu bedienen, ist der Aufruf des edlen Propheten Abrahams(s.) und wohl aller Propheten.

      Was soll bitteschön an dem Appell, man müsse zurück zu den wahrhaftigen Quellen (Quran und Sunna), sich seines Verstandes bedienen und seine Mündigkeit und Freiheit wieder erlangen eigentlich verwerflich sein?

      Stürzte der edle Prophet Muhammed(s.) nicht den Ahnenkult?

      Du schreibst,
      „Es ist ein Fakt, dass die Sünden, die diese Ummah begeht, sich auf ihren Zustand auswirkt.
      Da braucht man nun wirklich nicht mit ”Warum geht es dann folgendem und jenem ungläubigen Volk denn dann so gut?” ankommen, denn es war spezifisch die Rede von dieser Ummah.“

      Natürlich wirkt die Sünden einer Nation sich auf den Zustand dieser aus.
      Aber das ist im Grunde ein Prinzip das alle Nationen betrifft.

      Wieso geht es jedoch dem Westen trotz all seiner desaströsen Eigenschaften im Schnitt besser als allen muslimischen Staaten zusammen?

      Irgendetwas machen sie scheinbar, das wir nicht machen.
      Liegt das vielleicht daran, das hier grundsätzlich jeder Mensch egal welcher Herkunft Rechte hat?

      Du schreibst,
      „Dank der ”Salafis“ und den Modernisten wurde aber diese innere Dimension des Islam (sprich: der Tasawwuf) über Bord geworfen (nach dem Motto ”da falsche Sachen im Namen des Tasawwuf begangen werden, muss wir es einfach so wegwerfen”) und herausgekommen sind Gesellschaften, die in allerlei Sünden nur so vor sich schwimmen.“

      Damit zerlegst du doch deine ganze Argumentation.
      Wieso prangerst ausgerechnet du die Salafis dafür, den Tasawwuf aufgrund der Fehltritte einiger Menschen verworfen zu haben, an, während du die Erwähnung des Aufklärungszeitalter aufgrund den Fehltritten ihrer Pioniere, bedenkenswert findest?

      Der Appell sich seines Verstandes zu bedienen und seine Mündigkeit wieder zu erlangen ist nicht verwerflich, sondern koranisch, und hätte von uns Muslimen erfolgen müssen.

      Wir müssen zurück zu den gewichtigen Quellen: Quran und Sunna, und das Licht der Scharia wird die Welt erhellen.

      Du schreibst,
      „Ein Patriarchat kann man auch als ”Vaterherrschaft” übersetzen. Dass es in diesem Bezug klipp und klare Ahkam im göttlichen Gesetz gibt, muss ich doch nicht wirklich ausführen, oder?“

      Doch, eigentlich schon.
      Nenne mir zwei Beispiele damit ich dein Verständnis von „Vaterherrschaft“ nachvollziehen kann.

      Wa Allahu a3lamu wa salam

    • Pflichtangabe

      Erratum:
      Ich schrieb:
      „Der Aufruf, sich seines Verstandes zu bedienen, ist der Aufruf des edlen Propheten Abrahams(s.) und wohl aller Propheten.“

      Gemeint ist:
      Der Aufruf, sich seines Verstandes zu bedienen, ist der Aufruf des edlen Propheten Abrahams(s.) und aller Propheten.

    • Abu Sulayman

      Salamun ’alaykum,

      bezüglich deiner Aussage jeder habe *DEN* Islam für sich und seine Gruppe gepachtet:

      Und jetzt? Soll man nun so tun als ob alle Gruppierungen korrekt sind?

      Und ja es gibt *DEN* Islam, nämlich den, den der Gesandte Allahs – sallallahu ’alayhi wa sallam – seiner Familie und seinen Gefährten beigebracht hat. Dieser wurde Generation für Generation durch die Leute des Wissens weitergetragen bis er uns erreichte.

      Es interessiert hier an dieser Stelle nicht, ob du nun persönlich meinst, dass er uns nicht in seiner reinen Form erreicht hat. Es gibt hier klare Wissensketten, ob du es dir nun passt oder nicht.

      Es sei allerdings erwähnt, dass die anderen Gruppierungen, die sich ausserhalb der Ahl al-Sunnah* befinden und sich zum Islam bekennen und das notwendige Wissen der Religion einhalten, auch Muslime sind und ihnen die gleichen Rechte und Pflichten zustehen.

      (*Ahl al-Sunnah: Gemeint sind hierbei alle, die entweder Asch’aris sind oder in den grundlegenden Angelegenheiten des Glaubens den Asch’aris zustimmen, selbst wenn sie ansonsten ihnen gegenüber kritisch stehen sollten (wie einige Hanbalis).)

      Du sagst:
      „Der klassische Islam besteht aus zwei gewichtigen Quellen:
      Quran und Sunna.“

      Das ist ja schön und gut. Aber ich denke, dass du nicht bei der Offenbarung des Qur`ans dabei warst und dementsprechend stellt sich folgende Frage:
      Nach wessen Verständnis?

      Nach dem Verständis der Umayyiden, deren Anführer grösstenteils Nawasib waren und Imam ’Ali – karamallahu wajhahu – öffentlich beleidigten (!) und das obwohl seine hohe Stellung bei Allah ta’ala sehr klar aus den Worten des Gesandte Allahs – sallallahu ’alawhi wa sallam – hervorgeht?
      Oder derjenigen, die der Imam ’Ali bei der Schlacht von Nahrawan aufgrund ihres Extremismus bekämpfte?
      Oder nach dem Verständnis derjenigen, die die edlen Gefährten schmähen und ihnen den Iman absprechen und das obwohl Allah ta’ala und sein Gesandter – sallallahu ’alayhi wa sallam – sie gelobt haben?
      Oder vielleicht das Verständnis eines Mannes aus Najd, der sich explizit von seinen Gelehrten und den Gelehrten der gesamten Region losgesagt hat und die Muslime zu Polytheisten und Ungläubigen erklärt hat und seine unwissenden und verbrecherischen Befolger auf die Muslime gehetzt hat?
      Oder der Bewegung, die den o.g. Mann verehren und zu seinen Ansichten rufen?
      Oder das Verständnis x-beliebiger Leute aus dem 20. und 21. Jahrhundert, die sich nun klüger fühlen als alle Gelehrte des Islams zusammen und mit Interpretationen ankommen, die keiner je vertreten hat (wie ein gewisser ’Adnan Ibrahim zum Beispiel)?

      Zur Erinnerung: Auch die Sunnah wurde von Menschen übertragen. Dementsprechend ist die Sunnah nicht bei allen Gruppierungen das gleiche. Und auch über die Authentizität von bestimmten Berichten findet man bei verschiedenen Gruppierungen verschiedene Ansichten.
      Darum lege ich so viel Wert darauf den Islam von der bereits mehrmals genannten Wissenskette zu lernen.

      Du sagst:
      „Es interessiert uns nicht was ein Gelehrter vor 1000 Jahren zu diesem und jenem Vers schrieb, und wie ein anderer Gelehrter das kommentiert, und wie dann der Schüler dieses Gelehrten diesen Kommentar kommentierte und dazu eine Anekdote erzählt hat.“

      Vielmehr sollte es einem Muslim nicht interessieren, was eine nicht-qualifizierte Person zu einer Aya oder einem Hadith nun meint oder nicht.
      Eigenartig ist, dass du und andere hier grosse Aussagen treffen, aber noch nie Werke von Gelehrten durchgegangen sind und diese Kommentare oder die Kommentare der Kommentare (über die man sich hier ja ständig lustig macht) noch nie gelesen habt. Ist eine derartige Kritik zulässig?

      Du sagst:
      „Gäbe es keinen Taqlid, würde sich kein Vernunftbegabter inmitten von einer Menschenmenge in die Luft jagen.
      Diese Handlung wurde ihm diktiert und mit fadenscheinigen Argumenten bagatellisiert.“

      Zu deiner Info: Diese terroristischen Gruppierungen behaupten auch „nur Qur`an und Sunnah zu befolgen“.
      So dann: Du willst also eine Person, die in religiösen Fragen sich an qualfizierte Gelehrte wendet, mit einem wertlosen Terroristen in die gleiche Schublade stecken? Allahul musta’an.

      Du sagst:
      „Ach nein? Geh mal in irgend ein Islam-Forum deiner Wahl und stell ihnen eine umfangreiche Analyse und Interpretation eines beliebigen, mehrdeutigen Verses vor.
      Wenn die Interpretation nicht mit dem schiitischen/sunnitischen Konsensus übereinstimmt, ist die nächste „Du-Folgst-Deinem-Nafs“-Keule eigentlich nicht weit entfernt.“

      Könntest du bitte ein Beispiel geben, wo du einem sunnitischen Konsens (ich betone!: sunnitisch und nicht salafitisch) widersprichst?

      Du sagst bezüglich des Westens:
      „Irgendetwas machen sie scheinbar, das wir nicht machen.
      Liegt das vielleicht daran, das hier grundsätzlich jeder Mensch egal welcher Herkunft Rechte hat?“

      Wie grossartig. Mag ja sein, dass das INNERHALB ihres Landes so ist, aber wie verhält sich das AUSSERHALB? Dass sie andere Länder ausbeuten, sie ausnutzen, ihnen korrupte Regierungen aufzwingen, sie bekriegen und abschlachten ist dir anscheinend nicht zu Ohren gekommen?
      Oder vielleicht vergisst man das ja auch, wenn man im Westen lebt?

      Ich verzichte gerne auf eine derartige Dominanz. Das ist kein Vorbild für einen Muslim!

      Nebenbei erwähnt: Wenn man als Staat vorankommen will, so muss man erst einmal unabhängig sein. Dies trifft auf Russland und China zu (die ja eher Gegenspieler des Westens sind). Und wenn man muslimsche Länder haben will, dann seien der Iran und die Türkei genannt. Auf die arabischen Staaten trifft das wohl eher gar nicht zu.

      Du schreibst:
      „Größtenteils?
      Es gibt also eine Minderheit die dagegen argumentiert? lol?“

      Ja gibt es. Es gibt hier keinen Grund sich lustig zu machen.
      Es handelt sich hierbei insbesondere Gelehrte, die den Ascha’irah überkritisch entgegen stehen. Sie liegen zwar falsch, aber dennoch sind sie eben Gelehrte.

      Am Ende sagst du:
      „Doch, eigentlich schon.
      Nenne mir zwei Beispiele damit ich dein Verständnis von „Vaterherrschaft“ nachvollziehen kann.“

      Gut. Eine ledige Frau kann nur mit Zustimmung ihres Walis (im Normalfall ihr Vater) heiraten. Die Ehefrau muss auf ihren Ehemann hören. Unter den Kinder erhalten die Söhne einen höheren Anteil als die Töchter (weil auf den Schultern der Söhne in einer muslimischen Gesellschaftsordnung mehr Verantwortung liegt). Okay?

      Wallahu ta’ala a’lam.

    • Abu Sulayman

      Einige Ergänzungen:

      – Beim letzen Punkt bezüglich der Söhne und Töchter war natürlich das Erbe gemeint.

      – Deine Aussage bezüglich dessen, dass auch die Sahaba für den Unterhalt und die Familie sorgen mussten und arbeiteten:
      Natürlich ist das korrekt. Allerdings scheint dir nicht klar zu sein, dass auch unter den Sahabat al-kiram nur bestimmte Personen als Gelehrte galten und über breitgefächertes Wissen verfügten und man sich bei Fragen an wandte.

      – Bezüglich deiner Aussage wer definiert wer zu den Gelehrten gehört:
      Gegenfrage: Wie wird man ein Facharzt? Wenn du diese Frage beantworten kannst, dann solltest du auch darauf kommen wie man Gelehrter wird.

    • Pflichtangabe

      As salamu aleykum wa rahmatullahi wa barakatuh,

      du schreibst,
      „Und jetzt? Soll man nun so tun als ob alle Gruppierungen korrekt sind?“

      Eben ja nicht. Lies und versteh doch bitte erst mein Beitrag, bevor du Stellung drauf nimmst.
      Es geht darum, dass die Konsequenz blinder Nachahmung fehlbarer Menschen früher oder später zur Dissens einer Nation führt.

      Jede Gruppe dieser Nation pachtet dann das Monopol auf den einzig wahren Islam für sich und geht sogar so weit, Anhänger anderer
      Konfessionen und Menschen divergenter Meinung zu verfolgen, zu töten oder zu bemitleiden, als hätte man von einem Engel einen Bescheid erhalten, man sei rechtgeleitet.

      Woher nimmt man sich das Recht auf andere Muslime herabzugucken, wie es sowohl bei den „Madhabis“, als auch bei den „Salafis“ nicht selten passiert?
      Weil ein jener Gelehrten X folgt? Seit wann sind Gelehrte ein Freifahrtsschein zum Paradies?

      Du schreibst,
      „[…]Dieser wurde Generation für Generation durch die Leute des Wissens weitergetragen bis er uns erreichte.“

      In jeder Generation geht ein Teil an wahrhaftiger Information verloren, und wird durch Unwissenheit substituiert.
      Warum sonst gab es Gelehrte die der Ansicht waren, die Erde sei auf dem Rücken eines Wals(?), die Erde sei eine Scheibe,
      Meerjungfrauenfleisch sei halal et cetera?

      Du schreibst,
      „Es interessiert hier an dieser Stelle nicht, ob du nun persönlich meinst, dass er uns nicht in seiner reinen Form erreicht hat. Es gibt hier klare Wissensketten, ob du es dir nun passt oder nicht.“

      Nein, eben nicht.
      Wie sonst erklärst du es dir das einige Gelehrte von der Überlegenheit der arabischen Rasse faselten, wegen ihrer Ansichten Schwarze in den nordafrikanischen Staaten versklavt und entrechtet wurden, rassistische Bedingungen für eine Ehe setzten (Ein Nicht-Araber sei nicht geeignet für eine Araberin bla bla) et cetera?

      Du schreibst,
      „Es sei allerdings erwähnt, dass die anderen Gruppierungen, die sich ausserhalb der Ahl al-Sunnah* befinden und sich zum Islam bekennen und das notwendige Wissen der Religion einhalten, auch Muslime sind und ihnen die gleichen Rechte und Pflichten zustehen.“

      Dass sie Muslime sind ist doch selbstverständlich.
      Wieso muss unbedingt seine Zugehörigkeit zu einer Gruppe als Bedingung für das Muslim-Sein setzen?

      Was soll denn überhaupt außerhalb der Ahl al Sunna bedeuten?
      Es sind doch bloß unterschiedliche Gelehrte die die jeweilige Person dann präferiert, der Islam ist doch derselbe…

      Du schreibst,
      „(*Ahl al-Sunnah: Gemeint sind hierbei alle, die entweder Asch’aris sind oder in den grundlegenden Angelegenheiten des Glaubens den Asch’aris zustimmen, selbst wenn sie ansonsten ihnen gegenüber kritisch stehen sollten (wie einige Hanbalis).)“

      Jo klar. Die Definition für Ahl al Sunna hast du von wem? Von den Asch’aris selbst? Zirkelschluss.

      Du schreibst,
      „Das ist ja schön und gut. Aber ich denke, dass du nicht bei der Offenbarung des Qur`ans dabei warst und dementsprechend stellt sich folgende Frage[…]“

      Hä? Die Imame der Madhabs und ihre Schüler doch auch nicht?
      Haben sie etwa zu speziellen Quellen Zugang, zu dem wir nicht Zugang haben könnten??

      Du schreibst,
      „Nach wessen Verständnis?“

      Was soll das denn heißen?
      Wieso muss man mit dem Verständnis eines fehlbaren Menschens (Gelehrte und ihre Schüler) lesen?
      Wer gab denn dem Gelehrten das Recht, sein Verständnis als einzig wahre hinzustellen?
      Woher nimmst du dir das Recht die Exegese deiner Gelehrten für unantastbar wahr zu erklären?

      Es gibt eindeutige Verse, die sind nun mal so wie sie sind und lassen kein Raum für Interpretation.
      Dann gibt es mehrdeutige Verse.

      Wieso soll man die mehrdeutigen Verse mit dem Blick der Vorfahren lesen? Wurde der Quran nicht für alle Ewigkeiten hinabgesandt?
      Wenn man einige mehrdeutige Verse wie exemplarisch Sure 36:38 mit dem Verständnis der vormodernen Exegeten lesen, müsste der Muslim konstatieren, die Sonne drehe sich um die Erde.
      Das steht zwar nicht so im Vers, aber anders konnte einige Gelehrte sich das nun mal nicht vorstellen, weil sie nun mal Kinder ihrer Zeit sind.

      Wo liegt das Problem wenn man diese mehrdeutigen Verse selbst zu begreifen versucht?

      Wer noch im 21. Jahrhundert exemplarisch das Faktum der Evolution (jetzt nicht unbedingt Hominisation), aufgrund der Ansichten früherer Gelehrten ablehnt, soll sich nicht wundern, das man die Mittel zur Einladung zum Islam selbst demontiert hat.

      Du schreibst,
      „Vielmehr sollte es einem Muslim nicht interessieren, was eine nicht-qualifizierte Person zu einer Aya oder einem Hadith nun meint oder nicht.“

      Inwiefern ist ein Gelehrter exemplarisch wissenschaftlich qualifiziert, wenn er konstatiert, die Sonne drehe sich um die Erde?
      Vermagst du mir einen einzigen vormodernen Gelehrten zu zitieren, der das Gegenteil von dem behauptete?

      Wenn es darum geht, was denn die Bedingungen für das Brechen des Wudus sei, könntest du mir etliche Bücher von deinen Gelehrten zitieren, gelt? Wenn es aber um die Schöpfung Gottes geht, in denen Zeichen für Menschen die sich ihres Verstandes bedienen sind, wie viele Bücher kannst du mir zitieren, die Aussagen zu treffen vermochten, die sich als richtig herausstellten?

      Stattdessen dachte man darüber nach ob Meerjungfrauenfleisch halal ist.
      Ist das nun qualifiziert?

      Damit sei aber nicht gemeint, das man diese Gelehrten ohne Umschweife verwerfen solle, sondern ist vielmehr als ein Appell zu verstehen, das Gelehrte auch bloß fehlbare Menschen sind.

      Du schreibst,
      „Eigenartig ist, dass du und andere hier grosse Aussagen treffen, aber noch nie Werke von Gelehrten durchgegangen sind und diese Kommentare oder die Kommentare der Kommentare (über die man sich hier ja ständig lustig macht) noch nie gelesen habt. Ist eine derartige Kritik zulässig?“

      Es sei dir gedankt, das du mich drauf ansprichst und es mag im gewissen Sinne auch stimmen.

      Wieso aber soll ich denn bitteschön eine Enzyklopädie eines fehlbaren Menschen über das Wort Gottes lesen, statt das heilige, perfekte Wort des allgewaltigen Herrn selbst?

      Sowieso: Die Inkonsistenz deines Kritikpunktes sollte dir selbst auffallen: Akzeptierst du die Evolutionstheorie? Wenn nein: Hast du nur ein einziges Buch eines Biologie-Autors zu dieser Thematik gelesen? Wie erlaubst du dir dann den voreiligen Schluss zu ziehen?

      Du schreibst,
      „Zu deiner Info: Diese terroristischen Gruppierungen behaupten auch „nur Qur`an und Sunnah zu befolgen“.
      So dann: Du willst also eine Person, die in religiösen Fragen sich an qualfizierte Gelehrte wendet, mit einem wertlosen Terroristen in die gleiche Schublade stecken? Allahul musta’an.“

      Nö, leg mir nicht ein Satz in den Mund, den ich so nie tätigte. Wie war das? Du folgst der wahrhaften Wissenskette?
      Dann such doch eine alternative, bessere Interpretation, als eine schlechte.

      Mit dieser Anmerkung wollte ich die Gefahren des blinden Gehorsams darlegen.
      Würde wir den Taqlid ausmerzen, gäbe es vermutlich weniger oder keine Menschen die sich in die Luft sprengen würden.

      Wie dieser ausgemerzt werden kann, wurde oben mehrmals thematisiert.

      Du schreibst,
      „Könntest du bitte ein Beispiel geben, wo du einem sunnitischen Konsens (ich betone!: sunnitisch und nicht salafitisch) widersprichst?“

      Evolution.

      Du schreibst,
      „Wie grossartig. Mag ja sein, dass das INNERHALB ihres Landes so ist, aber wie verhält sich das AUSSERHALB? Dass sie andere Länder ausbeuten, sie ausnutzen, ihnen korrupte Regierungen aufzwingen, sie bekriegen und abschlachten ist dir anscheinend nicht zu Ohren gekommen?“

      Machen doch unsere Länder auch, nur nicht gegen andere, sondern gegen seine eigenen Leute.
      Noch nie was vom arabischen Sklavenhandel gehört, den es heute noch geben soll?

      Du schreibst,
      „Ich verzichte gerne auf eine derartige Dominanz. Das ist kein Vorbild für einen Muslim!“

      Worauf genau?

      Du schreibst,
      „Ja gibt es. Es gibt hier keinen Grund sich lustig zu machen.“

      Man darf sie doch noch kritisieren? Wer gab ihnen diese unantastbare Stellung, das man nicht mal ihre Meinungen „auslolen“ darf?

      Du schreibst,

      „Gut. Eine ledige Frau kann nur mit Zustimmung ihres Walis (im Normalfall ihr Vater) heiraten. Die Ehefrau muss auf ihren Ehemann hören. Unter den Kinder erhalten die Söhne einen höheren Anteil als die Töchter (weil auf den Schultern der Söhne in einer muslimischen Gesellschaftsordnung mehr Verantwortung liegt). Okay?“

      Das ist alles für mich kein Zeichen einer Vaterherrschaft.
      Die Frau muss auf ihren Mann hören? In gewissen Dingen ja, nicht in allem. Sie wird nicht von ihrem Mann bevormundet. Behauptest du was anderes, hast du es zu belegen.

      Dass die Frau die Zustimmung ihres Walis bei der Eheschließung braucht, ist sehr sehr weise und gerecht; ist der Wali doch selbst ein Mann und weiß wie andere Männer denken.

      Dass der Mann mehr erbt (gibt auch Fälle wo der Mann nichts erbt, die Frau schon, oder auch wo die Frau mehr erbt, siehe http://www.monajo.de/2014/09/das-erbrecht-in-bezug-auf-die-frau-und-grundsaetze-bezueglich-der-geschlechter-im-islam/) mag daher herrühren, das er mit dem Geld seine Familie versorgen muss, wohingegen einer Frau eine solche Pflicht nicht zutrage kommt.

      Das von ihr akquirierte Geld, gehört ihr alleine.

      Nicht zu vergessen ist, dass bei der Eheschließung der Mann finanziell stärker beansprucht wird als die Frau (Mahr), wodurch sich der Anteil wiederum kompensiert.

      Das sind alles für mich sowieso keinerlei Belege das es sich beim Islam um eine patriarchalische Religion handelt.
      Im Gegenteil: Hier wird doch deutlich, wie sehr der Islam die Frau unter seine edlen Fittiche nimmt und sie und ihre Würde schützt.

      Du schreibst,
      „Natürlich ist das korrekt. Allerdings scheint dir nicht klar zu sein, dass auch unter den Sahabat al-kiram nur bestimmte Personen als Gelehrte galten und über breitgefächertes Wissen verfügten und man sich bei Fragen an wandte.“

      Das ist wahr. Nichtsdestotrotz waren grundsätzlich alle Muslime der ersten Generation mit verschiedensten, schwereren Situationen konfrontiert.
      Und es hielt sie nicht davon ab, die ehrwürdigen Worte Gottes zu studieren.

      Du schreibst,
      „Gegenfrage: Wie wird man ein Facharzt? Wenn du diese Frage beantworten kannst, dann solltest du auch darauf kommen wie man Gelehrter wird.“

      Nö, das beantwortet es eben überhaupt nicht.
      Die theoretische Grundlage der Medizin ist die Naturwissenschaft die nicht konstant, sondern dynamisch und im steigen Wandel ist.

      Der Islam ist jedoch vollständig, er braucht keine fehlbaren Menschen die der Meinung sind, ihn erweitern zu müssen.

      Wieso gibt es ganze Bücher über die Menstruation?

      Die Verse Gottes genügen doch, wieso muss man aus der Menstruation einer Frau eine ganze Wissenschaft machen?
      Oder bezüglich der Reise.
      Oder bezüglich des Eherechts.
      Oder bezüglich des Verständnis des Quran
      et cetera

      Der Islam wurde unnötig verkompliziert.
      Es gibt nur zwei gewichtige Quellen, das sind der ehrwürdige Quran und die Sunna, und nicht die abertausenden Bücher von Gelehrten.

      Es gibt für jede Kleinigkeit im Leben eines Muslims, sei es vom Geschlechtsverkehr bis hin zum korrekten Trinken ganze Lektüren von Gelehrten… Wie kann das bei 114 Suren und um die 3000 authentischen Hadithen (Bukhari, ohne Wiederholung) sein?

      Wa Allahu a3lamu wa salam

    • Abu Sulayman

      Salamun ’alaykum,

      Du schreibst:
      „Es geht darum, dass die Konsequenz blinder Nachahmung fehlbarer Menschen früher oder später zur Dissens einer Nation führt.“

      Verschiedene Meinungen wird es immer geben und daran kann keiner was ändern.
      Dein ”Lösungsvorschlag” für weniger Dissens wir im Endeffekt wohl eher für das Gegenteil sorgen, weil sich jeder zu mehr berechtigt sieht als es sein Wissenstand ihn eigentlich zulassen würde und über Angelegenheiten spricht über die er so gut wie kein Wissen besitzt (sieht man übrigens exzellent an ”Salafis”).

      Bezüglich der Punkte, die du danach nennst:
      Auf andere Menschen herabzuschauen ist natürlich falsch, aber manche Gruppierungen (z.B. 12er-Schiiten und ”Salafis”) haben eben Positionen, die automatisch zur Anfeindung anderer Muslime führen.

      Du schreibst:
      „In jeder Generation geht ein Teil an wahrhaftiger Information verloren, und wird durch Unwissenheit substituiert.
      Warum sonst gab es Gelehrte die der Ansicht waren, die Erde sei auf dem Rücken eines Wals(?), die Erde sei eine Scheibe,
      Meerjungfrauenfleisch sei halal et cetera?“

      Du weißt schon, dass es schon immer eigenartige Ansichten gab und dass man diese Ansichten nicht befolgen muss?
      Ein sehr wissender Gefährte hat zum Beispiel die Ansicht vertreten, dass die Zeit-Ehe eine korrekte Ehe darstellt. Bedeutet das nun, dass wir abfällig bezüglich ihm sprechen sollen und so tun sollen als ob wir mit der Interpretation des Qur`an al-karim besser vertraut sind und dass obwohl er tausend mal wissender war als wir?

      Du schreibst:
      „Nein, eben nicht.
      Wie sonst erklärst du es dir das einige Gelehrte von der Überlegenheit der arabischen Rasse faselten, wegen ihrer Ansichten Schwarze in den nordafrikanischen Staaten versklavt und entrechtet wurden, rassistische Bedingungen für eine Ehe setzten (Ein Nicht-Araber sei nicht geeignet für eine Araberin bla bla) et cetera?“

      Unglaublich wie du die Angelegenheiten vermischst, nur um so tun zu können als ob der korrekte Verständnis des Qur`ans uns nicht erreicht hätte, du aber soo wissend bist, dass du uns sagen kannst was das korrekte Verständnis sei.

      Bezüglich den Arabern:
      Der Gesandte Allahs – sallallahu ’alayhi wa sallam – hat die nobelste aller Abstammungen und ist ein Haschimi. Diese gehören zur Quraysch. Diese wiederum gehören zu den Arabern.
      Somit ist die haschimitische Abstammung nobler als die nicht-haschimitische und die qurayschitische nobler als die nicht-qurayschitische und die arabische nobler als die nicht-arabische.
      Dies hat nichts mit Rassimus zu tun, noch bedeutet das, dass die Araber einen Bonus vor Gott haben, denn vor Gott zählt alleine die Gottesfurcht.

      Bezüglich der Dienerschaft:
      Dies ist ein Urteil, der im Qur`an und der Sunnah enthalten ist und kann im Falle von Kriegsgefangenen [durch die Führung der Muslime] angewendet werden, wenn denn die Vorteile den Nachteilen überwiegen. Alles was außerhalb dieser Bedingung [und auch den bezüglich ihrer Behandlung] fällt ist falsch und wurde auch nicht von den Gelehrten unterstützt.

      Bezüglich der Ehe:
      Die absolute Mehrheit der Rechtsgelehrten war auf der Position, dass die Kafa`ah (Kompatibilität) eine Rolle bei der Ehe spielt. Diese Angelegenheit ist in den religiösen Quellen enthalten.
      Was nun genau unter die Kompatibilität fällt und was als kompatibel angesehen wird, darin gibt es Meinungsunterschiede und dies hängt insbesondere von der Kultur und Traditionen der jeweiligen Region ab (die bekanntlich auch Änderungen unterliegen).
      Selbst wenn zwei Personen nicht kompatibel sein sollten, so bedeutet das nicht, dass sie nicht heiraten können. Solange die Zustimmung der Frau und die ihres Walis vorliegt, gibt es kein Problem.
      Dass nun einige Muslime, die in Europa aufgewachsen sind, alles was mit Kultur und Traditionen als unislamisch ansehen, interessiert hier nicht und zeigt nur ihre Unwissenheit, denn dem ’Urf wird in der Schari’ah selbst eine Rolle zugesprochen und es ist offensichtlich, dass die Kompatibilität zu einer erfolgreichen Ehe verhelfen kann.

      Du schreibst:
      „Dass sie Muslime sind ist doch selbstverständlich.
      Wieso muss unbedingt seine Zugehörigkeit zu einer Gruppe als Bedingung für das Muslim-Sein setzen?“

      Das ist selbstverständlich für uns.
      Es gibt aber eben Gruppierungen, die das nicht so sehen, darum habe ich das erwähnt.
      Wäre nett, wenn du die Fehler anderer nicht auf deinen Diskussionspartners projezieren würdest.

      Du schreibst:
      „Was soll denn überhaupt außerhalb der Ahl al Sunna bedeuten?
      Es sind doch bloß unterschiedliche Gelehrte die die jeweilige Person dann präferiert, der Islam ist doch derselbe…“

      Muss ich das wirklich erklären? Wenn jemand z. B. sagt, dass Gott ständiger Veränderungen in seinem Wesen unterliegt (also ein Mahall für Hawadith ist), dann ist das nicht mit dem Islam konform und er ist dadurch ausserhalb der Ahl al-Sunnah.

      Du schreibst:
      „Jo klar. Die Definition für Ahl al Sunna hast du von wem? Von den Asch’aris selbst? Zirkelschluss.“

      Diese Definition ist meine Überzeugung und das weil die Glaubenslehre der Asch’aris im Einklang mit dem Qur`an al-karim und logisch konsistent und richtig ist.

      Du schreibst:
      „Hä? Die Imame der Madhabs und ihre Schüler doch auch nicht?
      Haben sie etwa zu speziellen Quellen Zugang, zu dem wir nicht Zugang haben könnten??”

      Oh, really?
      Dir ist wohl entgangen, dass diese selbst Tabi’in oder Atba’ al-Tabi’in waren und sehr ernsthaft die Religion studiert hatten.

      Du schreibst:
      „Woher nimmst du dir das Recht die Exegese deiner Gelehrten für unantastbar wahr zu erklären?“

      Wo habe ich das getan?
      Gleichzeitig sei gesagt: Wieso versuchst du dich auf die gleiche Stufe (oder sogar: auf eine höhere Stufe) als Gelehrte zu tun, obwohl du definitiv nicht auf ihrer Wissensstufe bist?

      Nebenbei erwähnt: Wenn sich ein früherer Gelehrter bezüglich einer astronomischen Position (z.B. ob die Erde um die Sonne rotiert oder umgekehrt) irrt, dann geht die Welt dadurch nicht unter. In den religiösen Quellen gibt es hierzu keine definitiven Texte.
      Problematisch wird es nur, wenn jemand so tut als ob es hierzu definitive Texte gibt.

      Du schreibst:
      „Stattdessen dachte man darüber nach ob Meerjungfrauenfleisch halal ist.
      Ist das nun qualifiziert?“

      Ohh du hast dieses eigenartige Thema in irgendeiner Quelle vorgefunden und musst mir das nun bei jeder Gelegenheit vor die Nase halten?! Sehr qualifiziert von dir.

      So dann:
      Das Thema Astronomie, Geographie oder Biologie ist nicht der Schwerpunkt der Rechtsgelehrten, sondern diese Themenbereiche haben ihre eigenen Gelehrten (darunter übrigens auch viele frühere muslimische… nur in dieser Zeit sind wir leider in aller Hinsicht faul). Ist dir das bewusst?

      Hör doch auf alles auf die Rechtsgelehrten schieben zu wollen, ohne dich wirklich mit ihnen und ihrem Wissen auseinander gesetzt zu haben.

      Du schreibst:
      „Damit sei aber nicht gemeint, das man diese Gelehrten ohne Umschweife verwerfen solle, sondern ist vielmehr als ein Appell zu verstehen, das Gelehrte auch bloß fehlbare Menschen sind.“

      Ja is klar. Es ist doch offensichtlich wie du auf Gelehrte – Leute die wesentlich wissender sind als du – herabschaust und jede Möglichkeit suchst um sie anzugreifen.
      Dass sie fehlbare Menschen sind, das ist klar, allerdings will ich mal sehen wie du in der Qur`aninterpretation einem al-Qurtubi oder in der Rechtslehre einem al-Nawwawi überlegen bist? Dass du auch ein fehlbarer Mensch bist und noch dazu nicht das tiefe Verständnis und Wissen eines al-Ghazalis besitzt scheint dirnnicht sonderlich klar zu sein.

      Du schreibst:
      „Wieso aber soll ich denn bitteschön eine Enzyklopädie eines fehlbaren Menschen über das Wort Gottes lesen, statt das heilige, perfekte Wort des allgewaltigen Herrn selbst?“

      Wow. Habe ich dir gesagt, dass du den Qur`an nicht lesen sollst? Nein!
      Was ich dir sage ist, dass du aufhören sollst dich wissender in der Religion darzustellen als die klassischen Gelehrten und deine Grenzen kennen sollst.

      Du schreibst:
      „Wer noch im 21. Jahrhundert exemplarisch das Faktum der Evolution (jetzt nicht unbedingt Hominisation), aufgrund der Ansichten früherer Gelehrten ablehnt, soll sich nicht wundern, das man die Mittel zur Einladung zum Islam selbst demontiert hat.“

      „Faktum Evolution“?? Jetzt komm mal aber runter.
      Laut den Evolutionisten sind die Triebfedern der Evolution zufällige Mutationen und natürliche Selektion.
      Glaubst du als Muslim an ”zufällige Mutationen”? Wir und alles was um uns ist, ist lediglich möglich in seiner Existenz (dies ist aufgrund unsere Eigenschaften so) und unsere Existenz hängt von der Existenz Gottes ab, der notwendig in seiner Existenz ist. Jegliche Änderungen in der Schöpfung (seien sie noch so klein) kann nur durch die Kraft, Wissen und Erlaubnis Allahs geschehen.

      Laut dem Qur`an al-karim und der Sunnah stammen alle Menschen von Adam – Friede sei auf ihm – ab und er wurde direkt von Gott erschaffen. Dies ist etwas was klipp und klar feststeht. Die Evolutionisten lehnen das aber vehement ab.

      Dass Lebewesen Veränderungen unterstehen (ob nun kleine oder große), so gibt es keine definitiven Texte aus dem Qur`an und der Sunnah, die dagegen sprechen. Dagegen sprechen aber auch die Gelehrten von heute nicht. Sondern es geht in erster Linie darum, dass wir die naturalistische Ideologie der Evolutionisten nicht unterstützen und auch nicht ihre Behauptung bezüglich der Abstammung des Menschens.

      Das es sich bei der Evolutionstheorie nicht nur um reine Biologie handelt (was nicht problematisch ist), sondern eine ideologische Vermischung mit dem Naturalismus stattfindet (was problematisch ist) scheint dir ja nicht klar zu sein.

      Du schreibst:
      „Das ist alles für mich kein Zeichen einer Vaterherrschaft.
      …”

      Dir scheint schlicht und einfach hier die Bezeichnung zu stören. Was du hiernach genannt hast, so sind wir gleicher Meinung.

      By the way: Im Kontext des Erbes sprach ich von Söhnen und Töchtern und nicht von Mann und Frau. Das ist ein Unterschied.

      Und:
      Deine achso mündigen europäischen Freunde sehen dies alles übrigens als Bevormundung, Benachteiligung und was weiß ich was an.

      Du schreibst:
      „Nö, das beantwortet es eben überhaupt nicht.
      Die theoretische Grundlage der Medizin ist die Naturwissenschaft die nicht konstant, sondern dynamisch und im steigen Wandel ist.

      Der Islam ist jedoch vollständig, er braucht keine fehlbaren Menschen die der Meinung sind, ihn erweitern zu müssen.“

      Ob nun die Grundlage der Medizin dynamisch ist oder nicht, so muss man es in allen Fällen erst einmal erlernen. Dieses Erlernen geht auch nicht alleine durch Selbststudium, sondern man braucht Lehrer. Wenn man dann die Uni absolviert hat, ist man zwar Arzt, aber es fehlt einem immer noch an Praxis und auch an Fachwissen. Hier arbeitet man zusammen mit Fachärzten um sich die notwendige Praxis und das Fachwissen anzueignen. Nachdem man die jeweiligen Bedingungen des Landes erfüllt hat und die Facharztprüfung bestanden hat, dann ist man ein Facharzt (also nach mindestens 12 Jahren Schule, 6 Jahren Studium und 5 Jahren Weiterbildung zum Facharzt!).
      Kann man nun einen Facharzt in die selbe Kategorie tun wie jemanden, der gerne und regelmäßig medizinische Informationen liest?!?

      Gut, dann verstehe doch bitteschön, dass ein Gelehrter viel extensiver die Religion studiert hat als du oder ich.

      So dann: Es gibt zig Urteile, die von Masalih und Mafasid abhängen und somit gibt es auch im Islam dynamische Anteile.

      Auch gibt es Diszipline, die speziell für Gelehrte gedacht sind, wie z.B. der ’Ilm al-Kalam, der vor allem der logischen Verteidigung der Religion dient (sowohl von innen als auch von außen) und leider in unserer Zeit völlig vernachlässigt wird.

      Du schreibst:
      „Wieso gibt es ganze Bücher über die Menstruation?“

      Solche Bücher habe ich zwar noch nie gelesen, aber sollte es die geben, könnte das damit zusammenhängen, dass ein Teil der Frauen tausende Fragen zu diesem Thema haben. Kannst dich also bei diesen Frauen beschweren.

      Du schreibst:
      „Oder bezüglich des Eherechts.“

      Ich bin jetzt ein bisschen sprachlos um ehrlich zu sein. Ist das nun dein Ernst?
      Das ist pure Ignoranz deinerseits.
      Erbrecht ist etwas mit sehr hoher praktischer Relevanz.

      Dir scheint es in keinster Weise klar zu sein, dass früher die Gerichte in muslimischen Ländern (und bis heute zu gewissen Anteilen) gemäß der islamischen Rechtslehre Urteile fällten.
      Das hierbei Bücher zum Erbrecht, Strafrecht und so weiter praktisch sein können, ist dir nicht in den Sinn gekommen?!
      Die Rechtsgelehrten waren auch Juristen, verstanden?

      Du schreibst:
      „Wie kann das bei 114 Suren und um die 3000 authentischen Hadithen (Bukhari, ohne Wiederholung) sein?“

      Authentische Berichte gibt es nicht nur Bukhari. Es gibt mehr.

      So dann: Diese Berichte wurden von fehlbaren Menschen übertragen und auch ihre Einstufung passierte durch sie. Dass diese Berichte eine sehr große Rolle spielen, wie man Gottes Worte versteht, muss ich dir wohl hier nicht erklären. Wieso vertraust du ihnen?

      Wieso vertraust du stattdessen nicht den Berichten, die zum Bespiel die 12er-Schi’iah als richtig ansieht?

  5. Muhammad ibn Maimoun

    السلام عليكم

    Als dieser Muhammad bin Salman gefragt wurde wieso ”Saudi”-Arabien den Gedankengut der Wahhabiyyah verbreitet, hat er gemeint, dass die USA dies damals von ihnen verlangt hat (also als Mittel gegen den Kommunismus).

    Quelle?

    Friedensgruß

    Antworten
  6. MFG

    salam alaikum,

    es gibt diverse mechanismen, die hier einwirken, eine die davon übersehen wird, ist das clevere „social engineering“. politische kräfte. das augenmerk, sollte auf die instrumentalisierung konzentriert sein. es gehört zur miltärischen strategie der spannung, gegensätzliche gruppen aufzubauen.

    wer führte das wort salafisten ein? es wahren die medien, die muslime nutzen lediglich das wort „salaf“, aber sie bezeichneten sich nicht als salafisten……weiter…..da die bezeichnung nicht in der öffentlichkeit existierte, konnte das wort „salafist“ neu definiert werden…es wurde nun: terror-muslime, radikale gwalttäter…..viele muslime haben das nicht gerafft, man hatte es plötzlich mit einem politischen „instrument“ zu tun, nicht länger mit einer „bezeichnung“. das ist ein beispiel, wie hier hintergrundkräfte einwirken, bewegungen mißbrauchen, instrumentalisieren.
    psychologische kriegsführung, die weltweit anwendung findet.

    im kern, es geht nicht darum, wer oder wie in irre gegangen ist oder den islam falsch interpretiert, um gewalt zu legalisieren, sonden um die reine instrumentalisierung fremder, politischer mächte, die überhaupt kein schmerzgrenzen kennen.

    Antworten
    • MFG

      „sonden um die reine instrumentalisierung fremder, politischer mächte, die überhaupt kein schmerzgrenzen kennen.“

      korrektur: „instrumentalisierung, einwirkung fremder mächte, die überhaupt keine schmerzgrenzen kennen“

  7. MFG

    das problem sind nicht verschwörungstheorien, sondern die gelebte veschwörungspraxis.

    kennedy sagte es wort für wort:
    https://www.youtube.com/watch?v=0gME775K1WU

    Antworten
  8. Nuruddin

    Nuruddin

    Assalamu alaykum,
    hiermit beende ich die spannende Diskussion. Jazakallahu khayran.
    Gesegneten Tag,
    euer Nuruddin.

    Antworten

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