Das beschädigte Ansehen frommer Muslime innerhalb der muslimischen Gemeinde Deutschlands

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Das Ansehen der Muslime, die äußerlich Merkmale religiöser Frömmigkeit aufweisen, hat innerhalb der muslimischen Gemeinde Deutschlands in den letzten 10-15 Jahren drastisch Schaden genommen.

Während (auch wenig religiöse) Muslime vor 15 Jahren noch großen Respekt vor dem Mann mit Vollbart, akkurat gekürzter Pluderhose und religiöser Kopfbedeckung hatten und sich vertrauensvoll in Fragen der Religion an einen solchen Muslim wandten, schaut man heute vielerorts eher misstrauisch und mitunter auch ablehnend auf solche Muslime.

Der Grund?

Früher waren die meisten Frommen nicht nur äußerlich tadellos, sondern auch innerlich wirkte der Islam, so dass sie einen vorzüglichen Charakter an den Tag legten, wenn sich ein weniger frommer Muslim an sie wandte.

Heute lassen sich die größten Rüpel den Vollbart wachsen und kleiden sich in fromme Tracht, aber die Umgangsformen sind die der Straße geblieben und ihr Umgang mit (äußerlich) weniger Frommen ist geprägt von unverhüllter Erhabenheit und selbstzufriedenem Hochmut.

Ich erinnere mich noch, dass mich 2007/2008 irgendwann ein türkischer Bruder mit zu sich nach Hause nahm. Ich war nicht einmal ein Jahr Muslim, aber hatte schon einen recht beeindruckenden Vollbart erlangt (da ich bereits vor der Konversion begann ihn wachsen zu lassen), und natürlich hatte ich ein akkurat gekürztes und weites Beinkleid sowie eine religiöse Kopfbedeckung auf.

Als er mich dann seinem Vater vorstellte (der vom Alter her auch mein Vater hätte sein können), nannte dieser mich tatsächlich „Yahya Effendi“ und senkte sein Haupt ein wenig, als er meine Hand schüttelte.

Mir wurde von diesem Muslim eine Art von Respekterweisung zuteil, die mir geradezu peinlich war, und das nur, weil ich für ihn den Anschein machte, ein sehr frommer Muslim zu sein.

Heute ernte ich (auch bei mir im Stadtteil mit sehr vielen Muslimen) häufig sehr vorsichtige Blicke und bekomme teils auch Gesten der Abneigung zu spüren.

Liebe Geschwister, was sich in den letzten 10 Jahren in Deutschland als eine neue frömmelnde Bewegung etabliert hat, diese Resultate der massenhaften Laien-Dawa auf den Straßen der Republik, hat dem Ansehen des Islams und der praktizierenden Muslimen (in Teilen) mehr geschadet als mancher von uns Salafis es wahrhaben möchte.

Es braucht mehr Selbstreflexion bei Predigern und Anhängern, und wir müssen selbstkritisch die letzten 10-15 Jahre Revue passieren lassen. Wir haben eine Verantwortung.

Die Dawa der letzten 10 Jahre hat die Gemeinschaft in strenge und moderate/moderne Muslime gespalten. Diese Spaltung jedoch ist tragisch.

Wir können nur wie ein Körper sein, wenn wir uns gegenseitig Ermahnen lassen, so dass wir wieder die Mitte finden. Nicht die Spaltung in Sekten ist das Problem, sondern dass sich die Schwachen gegen die Frommen verbunden und andersherum.

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6 Antworten auf “Das beschädigte Ansehen frommer Muslime innerhalb der muslimischen Gemeinde Deutschlands”

  1. Ismael

    Assalamu alaykum,

    ein beträchtlicher Teil der Beiträge auf dieser Webseite, vor allem die des Yahya Jens Ranft, handeln über Kritik an Muslimen, vor allem Konvertiten, warum?

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    • Yahya Jens Ranft

      Yahya Jens Ranft

      Wa alaykum assalam wa rahmatullah

      Weil Kritik von innen in den meisten Fällen authentischer ist als die Kritik von außen. Die Kritik am hierzulande gelebten Islam und an den Muslimen kommt bisher vor allem von außen, also von der Politik, aus dem Medien und von nichtmuslimischen gesellschaftlichen Vertretern. Diese Kritik ist zweifellos zu mindestens 90% entweder von einer falschen Absicht geprägt oder unqualifiziert.

      Wegen dieser zumeist boshaften oder laienhaften Kritik, haben die Muslime grundsätzlich eine Abneigung gegen Kritik entwickelt. Dies allerdings ist ein sehr dramatischer Zustand, denn es läuft unzweifelhaft etwas schief in der muslimischen Gemeinde (in Deutschland aber auch weltweit). Um Missstände aus der Welt zu schaffen, müssen diese zu allererst erkannt, dann benannt und dann ernsthaft angegangen werden.

      Das „Nennen“ von Missständen bezeichnet man auch als „Kritik“. Wenn wir also nicht ständig auf Kritik von AfD, CDU/CSU, Pegida, BILD, SPIEGEL, FOCUS, PI-News usw. konzentrieren wollen, sondern auf authentische Kritik, dann müssen wir uns gegenseitig zuhören.

      ICH bin ein Muslim und sogenannter Konvertit. Wenn ich also etwas authentisch kritisieren kann, dann sind es Missstände aus dem Milieu der Muslime (und speziell der Konvertiten) hierzulande. Diese Kritik ist keine göttliche Offenbarung, sie kann also entweder rational bestätigt oder verworfen werden, aber nicht weil sie eine „Kritik“ ist, sondern weil sie entweder zutrifft (wenn auch nur teilweise) oder weil sie gegenstandslos ist.

      Ist die Kritik nicht vollends gegenstandslos, dann sind wir Muslime praktisch aufgerufen, diese Missstände aus der Welt zu schaffen, wobei wir bestenfalls bei uns selbst anfangen.

      Wir müssen lernen, Kritik als etwas Positives aufzufassen, auch wenn sie etwas Negatives formuliert, denn das Mittel zum Guten ist selbst etwas Gutes.

  2. Side Control

    Wenn wir Muslime solche klassischen Auslegungen (von Al Qurtubi und Co.) über unsere Religion verbreiten, geraten wir ziemlich schnell in die Visiere der internationalen Geheimdienste. Wenn es aber die Feinde Allahs (SWT) tun (natürlich mit Lügen als Beiwerk wie „Rassismus“), passiert ihnen in aller Regel gar nichts. Welch ekelhafte Doppelmoral! Auch sieht man daran, dass der wahre, klassische Islam, der zw. dem Blut der Ungläubigen und dem der Muslime eindeutig unterscheidet, bekämpft wird, während modernistische Auslegungen, die im Sinne der Ungläubigen sind, staatlich sogar gefördert werden (siehe Khorchide [ich trage nun nicht zu dick auf und nenne auch unislamische Organisationen wie die Erdogan’sche DİTİB]).

    https://www.youtube.com/watch?v=3n3vWVvN9V0

    Natürlich würden diese wahren Auslegungen das Ansehen nicht so frommer „Muslime“ schädigen. Daran sieht man eben schön, dass die Wahrheit in aller Regel bekämpft wird und „zu hart“ für manch einem (Möchtegern-Muslim) ist.

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  3. MFG

    naja, die angelegenheit ist vielleicht etwas tiefgehender. auf der einen seite ist es mode geworden, sich einen islamischen anstrich zu verpassen, aber wie bekannt, der schimmel unter der farbe gedeiht weiterhin, da hilft kein billiges übermalen. auf der anderen seite, die soziologische komponente. die zunahme von südländischen jugendlichen, die von verdummten, ghetto ähnlichen gruppen geprägt wurden, wobei ich den jugendlichen keine schuld gebe. z.b. wenn ich aus diesen ecken manchesmal mädchen reden höre, wie:
    “ hey dicker, nee, die sind ja voll dumm, dicker, die peilt garnichts dicker“
    anmerkung: das mädchen sprach mit einem anderen mädchen. bei den jungs klingt das nicht anders. da dürfte man wohl ahnen, wie jene sich entwickeln, die islam als cool empfinden und sich islamisch geben wollen (äußerlich), nach deren vorstellungen. also, bei entsprechender zunahme, anwachsen dieser schicht, von denen sich welche entschieden, sich muslimischer, zeigen zu wollen, zugleich im leben bildungstechnisch, nichts zustande brachten, plötzlich kann man sich als gläubiger muslime(nach deren annahme) endlich auf eine bessere stufe stellen. der prozentsatz dieser schicht, wird erheblich zunehmen. es gibt jede menge videos/vorträge, bücher usw. über islamischen achlaq, doch wenn diese, weder gehört, noch gelesen werden, ist jenen kaum zu helfen.

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  4. Abu Sufyan

    Kann ich (leider) 1:1 so unterschreiben. Wo man vor vielen Jahren noch als Vorbild gesehen wurde wird man heute eher kritisch beäugt. Sehr traurig diese Entwicklung.

    Dies liegt definitiv auch an einigen unwissendenden in der Dawa sowie an der Hochnäsigkeit vieler weil diese ja nun plötzlich auf Haqq sind und dadurch besser als andere… jedoch liegt dies wohl auch zu einem Großteil an dem Medien-Wirbel um den IS wodurch jeder auf den ersten Blick praktizierende erstmal mit Terrorismus in Verbindung gebracht wird.

    Lange wurde es mit Begriffen wie Wahhabiten und Salafisten von Wurst-Medien wie RTL, Bild und Express versucht in den Köpfen der Menschen zu verankern… jedoch mit mäßigem Erfolg.
    Doch seit dem Syrien-Krieg hat das ganze leider deutliche Spuren in den Köpfen der Leute hinterlassen – und dies leider auch in den Köpfen derjenigen, die aus einer muslimischen Familie stammen, jedoch selbst nicht oder nur gering praktizieren.

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  5. sara

    Salam Alaikum, interessante Punkte, aber lag es wirklich an der Laiendawa? Ich habe oft das Gefühl…Demut fehlt und dann das Gefühl erhaben zu sein gegenüber anderen jetzt „niederen“ Nichtgläubigen oder nicht Eifriggläubigen. Grundsätzlich ist Islam für jedermann, auch für einfach gestrickte Gemüter. Da kann aber die Sprache, das schwarz/weiß Denken mancher Prediger fatal sein. Ich denke manchmal es braucht mehr deutsche Prediger, die hier sozialisiert wurden und kein tief verwurzeltes Feindbild gegenüber Nichtmuslimen durch persönli.Rassismuserfahrungen mit sich rumtragen.

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