Gallipoli und die ATIB/DITIB – Wie Turkophobie und Islamophobie den westlichen Zeitgeist bestimmen

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Vor einiger Zeit tauchten Video- und Bilderaufnahmen aus unterschiedlichen Moscheen der ATIB/DITIB auf. Sofort begannen deutsche und österreichische Konservative, Nationalkonservative, Rechtspopulisten etc. mit dem Türken- und Islambashing!

Was war geschehen?

Kinder in Militäruniformen marschierten mit Spielzeuggewehren, riefen Kommandos bzw. stellten die Dardanellen-Schlacht schauspielerisch nach.

Diese Aktion der Kinder diente dem Gedenken an die Schlacht von Gallipoli in der sich osmanische Soldaten mit ihren deutschen und österreichischen Verbündeten gegen die Invasion der Entente Mächte stellten.

Die Verteidigung von Gallipoli spielt in der türkischen Erinnerungskultur eine wichtige Rolle, da dies nicht nur eine wichtige und entscheidende Schlacht für das Osmanische Reich war[1], sondern auch weil Mustafa Kemal (der spätere Atatürk) eine ausschlaggebende Rolle innehatte.

Vor allem die Debatten über die Integration sind deshalb absolut heuchlerisch. Was kann es besseres geben als eine gemeinsame Erinnerungskultur, in der türkische Schüler lernen welchen Beitrag deutsche und österreichische Soldaten zur Verteidigung des Osmanischen Reichs geleistet haben?[2]

Dabei kam der einzige intelligente Gedanke ausgerechnet von Dieter Stein, dem Herausgeber der rechtskonservativen Jungen Freiheit: „Wäre das gemeinsame Erinnern an die türkisch-deutsche Waffenbrüderschaft bei Gallipoli ein völlig abwegiger Gedanke für das deutsch-türkische Verhältnis?“

Statt eine gemeinsame Erinnerungskultur zu pflegen und den heldenhaften Verteidigern zu gedenken, nutzt die politische Elite die Gedenkveranstaltung als Ausdruck turkophober und islamophober Politik.

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[1] Bücher zur Schlacht von Gallipoli (Kampf um die Dardanellen) aus osmanischer Perspektive:

Erickson, Edward J.: Gallipoli – The Ottoman Campaign, Pen & Sword Books Ltd 2010.

Erickson, Edward J.: Gallipoli – Command Under Fire, Osprey Publishing 2015.

Gürcan, Metin; Johnson, Robert: The Gallipoli Campaign – The Turkish Perspective, Routledge 2016.

Uyar, Mesut: Ottoman Defence Against the ANZAC Landing: 25 April 1915, Big Sky Publishing 2015.

[2] Wolf, Klaus: Gallipoli 1915: Das deutsch-türkische Militärbündnis im Ersten Weltkrieg, Report Verlag 2008.

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3 Antworten auf “Gallipoli und die ATIB/DITIB – Wie Turkophobie und Islamophobie den westlichen Zeitgeist bestimmen”

  1. Pali

    Alleine, dass die KInder in einer Moschee in Türkeifahnen gewickelt wurden, zeigt mir eine Perversion auf, die weit über die Grenzen dessen hinausgehen, was die Medien hier als Problem verstehen. Sollte doch spätestens jetzt jedem Muslim klar sein, dass man den Besuch von DITIP-EInrichtungen tunlichst meiden sollte.

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  2. Mohammed Isa

    Mohammed Isa

    Es mag für einen Muslim befremdlich sein wenn in einer Moschee eine Nationalflagge geschwungen wird. Allerdings dürfen wir nicht vergessen das die Gedenkveranstaltung den Gefallenen in Gallipoli gewidmet ist. Dort kämpften sowohl muslimische (Araber, Kurden, Türken. Tscherkessen, Lazen etc.) als auch nichtmuslimische (Deutsche, Österreicher, Griechen, Armenier. Juden) Soldaten unter dem osmanischen Banner. Heutzutage wird der Kampf (in bestimmten Teilen der Gesellschaft) als Jihad gegen die Kreuzritter insziniert. Das spielt auch eine wichtige Rolle.

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  3. MFG

    salam alaikum,

    bashing sollte grundsätzlich ignoriert werden, ausschlagebend ist, die muslime müssen sachlich im dialog bleiben und solange verbal auf freundlichem niveau agiert wird, wird jede agression von anderer seite aus, in der bedeutungslosigkeit versinken. wobei ich die dummheiten gewisser gruppen nicht entschuldigen möchte.

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