Rezension: Sein sind die schönsten Namen

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Der bekannte islamische Verlag „Darul Kitab“ hat vor einiger Zeit ein neues Buch vom ehrenwerten Sheikh Amen Dali über die Namen von Aḷḷāh veröffentlicht. Lohnt sich die Anschaffung?

Der islamische Büchermarkt in Deutschland ist nicht sonderlich groß,- leider sind dadurch manche Publikationen schlampig auf den Markt geworfen worden und das Lektorat, vorsichtig ausgedrückt, nicht sonderlich professionell. Anders der kleine, aber feine „Darul Kitab“ Verlag, der nun schon einige Bücher veröffentlicht hat und mit einer haptisch ansprechenden, sauberen Verarbeitung und makellosen Inhalten glänzen kann. Autor dieser wissenschaftlichen Abhandlung ist Sheikh Amen Dali, der aus Tunesien stammt und Imam und Lehrer im Islamischen Zentrum in Stuttgart ist. Des Weiteren studiert der Sheikh an der IESH de Paris (Sharia wa Usul ad-Din). Dali kann neben akzentfreier, deutscher Sprache, selbstverständlich auch arabisch und ist einem breiteren Publikum, vor allem durch seine Aktivitäten auf den beliebten „Social Media-Plattformen“, bekannt. So unterhält er einen „Telegram“-Kanal, ist bei „Facebook“ aktiv und veröffentlicht auch bei „Youtube“ seine Unterrichte.

Grundlagen der Namen und Eigenschaften Aḷḷāhs

Am Anfang des Buches „Sein sind die schönen Namen“, thematisiert der Autor grundlegende Aspekte wie den falschen Umgang mit den Namen Aḷḷāhs (‚Ilḥād) und schärft damit das richtige Verständnis für die Namen und Eigenschaften Aḷḷāhs. So müssen in der Konsequenz Haltungen abgelehnt werden, wie die Namen zu bestätigen, aber jedoch die Bedeutung zu leugnen. Außerdem sollte jeder Muslim Aḷḷāh nicht mit Namen benennen, die Er sich nicht selber gegeben hat. Quellen der Namen und Eigenschaften Aḷḷāhs sind dabei ausschließlich der Qur‘ ān und die authentisch überlieferte Sunnah. Nichts ist Aḷḷāh gleich und die Art und Weise der Namen und Eigenschaften sollte jeder rechtschaffene Muslim auch nicht hinterfragen.

Jeder Muslim kennt sicherlich folgende Überlieferung:

‚Abū Hurairah (r.) berichtete, dass der Prophet (sas) sagte:

„Wahrlich, Aḷḷāh besitzt neunundneunzig Namen, wer sie erfasst, gelangt ins Paradies.“

Der Autor dieses Buchs stellt folgendes mit der Zitation des bekannten Gelehrten An-Nawawiyy (rahimahullah) fest:

„Die Gelehrten sind sich einig, dass dieser Ḥadīṯ die Namen Aḷḷāhs nicht auf diese Anzahl begrenzt. Er besagt nicht, dass es neben den neunundneunzig keine weiteren Namen gibt. Vielmehr soll damit verdeutlicht werden, dass derjenige, der neunundneunzig Namen erfasst, ins Paradies gelangt.“

Dieses kann man nicht oft genug wiederholen, da oftmals das plumpe Auswendiglernen der Namen und die Anzahl der Namen auf tatsächlich nur neunundneunzig begrenzt wird. Der werte Sheikh Dali erwähnt bezüglich der Erfassung der Namen Aḷḷāhs dieses im Buch:

„Aḷḷāh in der Anbetung mit Seinen Namen anzurufen bedeutet, deren Sinn, deren Aussage im Leben zu verwirklichen. Der Name „ar-Razzāq“ (der Allversorger) beispielsweise wirkt sich auf die Lebensweise des Menschen aus, wenn er ihn versteht und seine Bedeutung verinnerlicht. Dann meidet der Diener nämlich jeden illegalen Weg, sich Versorgung zu beschaffen.“(S.21)

Demnach lassen sich, wie dieser Textauszug aufzeigt, aus diesem Buch lebenspraktische Komponenten ableiten. Dieses ist die große Stärke des Buchs. Es hinterlässt den Leser nicht mit dem erhabenen Eindruck der Namen und Eigenschaften Aḷḷāhs, sondern ermöglicht ebenso die Bedeutungen in der alltäglichen, 24 stündigen Praxis des Gläubigen, umzusetzen. Ein weiterer wichtiger Punkt stellt der Aspekt dar, dass man Aussagen bzgl. der Namen Aḷḷāhs im Qur‘ ān oder in der Sunnah, in drei Kategorien unterteilen muss:

1.Namen

2.Eigenschaften

3.Berichte

„Dabei sind Eigenschaften umfassender als die Namen, und die Berichte sind umfassender als die Eigenschaften. Das heißt, dass von allen Namen Aḷḷāhs Eigenschaften abzuleiten sind, aber nicht von jeder Eigenschaft ein Name abgeleitet werden darf. Die Berichte über Aḷḷāh sind umfassender als die Nennung von Eigenschaften, sie erfordern nicht die Erwähnung im Qur‘ ān oder in der Sunnah […] Zwar sind alle Namen Aḷḷāhs von Seinen Eigenschaften und Taten abgeleitet, wie dies unter anderem Ibn al-Qayyim bestätigte, doch bedeutet dies nicht, dass von jeder Eigenschaft bzw. Tat ein Name abgeleitet werden kann.“ (S.39)

Der Aufbau des Hauptteils

Zur Verdeutlichung werden in diesem Buch die Namen nach zusammengehörenden Bereichen thematisiert. In diesem Band – insgesamt sind drei Bände geplant – werden dabei 34 Namen behandelt. Sie werden in den folgenden fünf Hauptbereichen behandelt:

1.Die Einzigkeit und Anbetungswürdigkeit Aḷḷāhs

2.Die Göttlichkeit Aḷḷāhs

3.Die Gnade Aḷḷāhs

4.Die Vergebung Aḷḷāhs

5.Die Großzügigkeit Aḷḷāhs

Um die Arbeitsweise des Sheikhs darzulegen, wird hier beispielhaft, anhand zweier Namen, in diesem Fall Al-Witr (zu Deutsch: der Einmalige) und Al-Wadūd (zu Deutsch: der Liebevolle), dieses illustriert. Erst einmal wird genannt, wie oft im Qur‘ ān dieser Name vorkommt. So erfährt der Leser, dass der erste Name nicht im Qur‘ ān, sondern in der Sunnah, angeführt und der Zweite an zwei Stellen im Qur‘ ān erwähnt wird. Im Anschluss wird die linguistische, also sprachwissenschaftliche Seite, des Namens beleuchtet. Danach folgt immer die eigentliche Bedeutung als Name von Aḷḷāh. Im weiteren Verlauf werden die Früchte und der Nutzen des Namens deutlich gemacht. So wird bei Al-Witr der Tauḥīd abgeleitet. Es gibt drei Kategorien des Tauḥīd:

1.Tauḥīd ar-Rubūbiyya (Einzigkeit Aḷḷāhs in Seiner Herrschaft)

2.Tauḥīd al-‚Asmā wa aṣ-Ṣifāt (Bezeugung von Aḷḷāhs Absolutheit in Seinen Namen und Eigenschaften)

3.Tauḥīd al-‚Ulūhiyyah (Einzigkeit Aḷḷāhs in Seiner Anbetungswürdigkeit)

Der Sheikh schreibt:

„Mit anderen Worten kann man sagen, dass der Tauḥīd die Herzen von allem außer Aḷḷāh entleert. So ersehnt sich der Muwaḥḥid (jemand, der den Tauḥīd verinnerlicht hat) nach nichts anderem, als danach, die höchsten Stufen des Paradieses zu erreichen.“ (S.82f.)

Sheikh Dali bezieht sich im zweiten Fall auf Ibn al-Qayyim (rahimahullah):

„Ibn al-Qayyim erwähnte zehn Ursachen, zehn Verhaltensweisen, durch welche der Gläubige die Liebe Aḷḷāhs erlangen kann:

1.Das Rezitieren des Qur‘ ān mit Aufmerksamkeit und Verständnis.

2.Das Verrichten von freiwilligen Gottesdiensten (nach Einhaltung der Pflichten).

3.Das stete Gedenken Aḷḷāhs.

4.Den eigenen Neigungen das vorzuziehen, was Aḷḷāh liebt.

5.Das Verinnerlichen der Namen und Eigenschaften Aḷḷāhs.

6.Das Sich-Bewusstmachen Seiner Güte und Fürsorge.

7.Die Demut des Herzens vor Aḷḷāh.

8.Die Zeit, in welcher der Herr zum Himmel der Erde herabsteigt, zu nutzen, um Ihn anzuflehen und Ihn zu bitten.

9.Die Gesellschaft der wahrhaftig Liebenden.

10.Die Beseitigung aller Hindernisse, die zwischen dem Herzen und Aḷḷāh stehen.“ (S.161)

Anhand dieser Darlegung wird wieder offensichtlich, wie praxisnah das Werk „Sein sind die schönsten Namen“ ist. Der Gläubige wird also dazu angehalten, über die Liebe Aḷḷāhs nachzusinnen, seine Beziehung zu Aḷḷāh zu erneuern und auf eine höhere Ebene zu bringen. Dieser Aufbau durchzieht das ganze Werk wie ein roter Faden und wird gekonnt auf ansprechendem Niveau gehalten.

Für wen eignet sich das Buch?

„Sein sind die schönsten Namen“ von Sheikh Amen Dali ist ein Buch für geduldige Leser, die mit Aufrichtigkeit Wissen erwerben und an sich arbeiten wollen. Das Werk besticht durch Stringenz und einer bedächtigen Strukturiertheit. Neben dem inhaltlichen Wert des Buches sind auch die äußerlichen Aspekte ansprechend: Das Buch ist als schöne Hardcover-Version erschienen und die Qualität des Papiers und der Buchummantelung sind als ausgezeichnet zu bewerten. Was allerdings fehlt ist ein Abschlusswort, welches die Quintessenz des Dargelegten wiederspiegelt. So endet das Buch recht abrupt und hinterlässt den Leser etwas im luftleeren Raum. Sicherlich ist dieses Buch nicht einsteigerfreundlich zu nennen. So eignen sich Bücher wie „Wegweiser für Ratlose zum wahren Glauben“ eher für Geschwister, welche den grundlegenden Kern des Islams kennenlernen wollen. Nach der Erfassung der wesentlichen Züge des Īmāns, sollte jedoch der lesefreudige Muslim, sich eine Anschaffung dieses Buches überlegen. Es bleibt also zu wünschen, dass hoffentlich bald der zweite Teil dieser Buchtrilogie erscheint. Ich, als Leser dieses Buches, freue mich darauf.

Das Inhaltsverzeichnis ist online abrufbar.

Bestellen könnt ihr das Buch hier.

Amen Dali: Sein sind die schönsten Namen, Darul Kitab Verlagshaus, Heidelberg 2016, 326 Seiten, ISBN: 978-3-943812-26-8

 

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