Rezension: Deutschlands Geschenk an den Islam

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Der renommierte „Self-Publishing“-Verlag „tredition“ hat im Winter letzten Jahres ein spannendes Buch über den wohl interessantesten Konvertiten zum Islam in Deutschland– Dr. Murad Wilfried Hofmann – veröffentlicht. Wir haben es uns jetzt genauer angeschaut.

Um den bekanntesten Vertreter der Muslime in Deutschland ist es im Laufe der letzten Jahre etwas ruhiger geworden.-kein Wunder, der gute Mann geht mittlerweile auf die neunzig Jahre zu und kann auf ein erfülltes Leben im In-und Ausland zurückblicken. Hofmanns Bücher über den Islam, haben sehr viele deutschsprachige Muslime gelesen, lieben gelernt und so manchen Nichtmuslim zum Islam geführt. Autor dieser kleinen Denkschrift ist Prof. Dr. Ecevit Polat, der sich als Vorstandsvorsitzender der „Initiative für islamische Quellenforschung e.V.“ betätigt. In klaren Linien zeichnet der Verfasser zunächst die groben Lebensstationen von Murad Hofmann nach und geht im Anschluss daran, auf geistige Wegpunkte von Hofmanns Schaffen ein.

Murad Hofmanns Weg zum Islam

Murad Hofmann war Informationsdirektor der NATO in Brüssel (1983–1987), deutscher Botschafter in Algier (1987–1990) und Marokko (1990–1994). Durch seine berufliche Tätigkeit konnte Hofmann eine Vielzahl an persönlichen Erfahrungen sammeln, so auch mit der islamischen Welt. Es gab drei Schlüsselerlebnisse, die ihn dazu veranlassten, sich am 25.September 1980 zum Islam zu bekennen:

1.) In seiner Funktion als Botschafter in Algerien beeinflusste ihn die Charakterfestigkeit der Algerier in Zeiten des Bürgerkrieges:

„Das Schicksal und die ‚Leidensfähigkeit der Algerier‘ markierten einen erheblichen Wendepunkt im Leben Hofmanns. Zum ersten Mal begegnete er dem Islam hautnah. Beeindruckt von ihrer Disziplin im Monat Ramadan, ihre ‚Siegesgewissheit und ihre Menschlichkeit‘ inmitten so viel Leid und Schreckens wahrnehmend, bemerkte Hofmann zusehends, dass ihre Religion dabei eine maßgebliche Rolle spielt.(S.13)

2.) Ein weiterer Impuls sich mit der Religion des Islams zu beschäftigen, war die ästhetische Anziehungskraft zur islamisch beeinflussten Kunst:

„Gleichwohl empfand ich schon damals eine starke Zuneigung zur islamischen Kunst, wie sie mir in Berliner Museen, besonders aber in Spanien – mit der großen Moschee von Cordoba, der Giralda von Sevilla, der Alhambra von Granada (als Vorgeschmack des Paradieses) – erstmals begegnete. Ich ahnte die gewaltige Bewegung, die über 1000 Jahre hinweg von Andalusien bis Indien ethnisch–regionale Traditionen und Formgebungen umbilden konnte, dass islamische Kunst ohne jede erkenntnistheoretische Vorbildung unverwechselbar zu identifzieren ist.“(S.14f.)

3.) Neben der großen Menschlichkeit, der beeindruckenden Kunstgeschichte in der islamischen Kultur, prägte Hofmann vor allem die intellektuelle Komponente des Islams, so dass er zum Schluss gekommen ist, dass es  nur einen Gott geben kann. Einen nachhaltigen Eindruck hinterließ dabei der grandiose islamische Denker Muhammad Asad (1900-1992):

„Ohne Zweifel war es Muhammad Asad, der den größten Einfluss auf Hofmann hatte und der mit seinen Bestseller-Publikationen wie ‚Der Weg nach Mekka‘ und ‚Die Botschaft des Qur´an‘ die Konversion Hofmanns nachhaltig geprägt hatte. Er war sozusagen quasi sein ‚Geburtshelfer zum Islam‘.“ (S.25)

Die Werke von Murad Hofmann

Murad Hofmanns Gesamtwerk besteht aus einem knappen Dutzend an Schriften über den Islam und sein Leben. Polat arbeitet zwei Werke heraus, die bis heute den größten Wirkungskreis erzielt haben. Zum Einen wäre Hofmanns Buch „Islam als Alternative“ zu nennen, welches auch in der deutschen Öffentlichkeit breitere Kreise gezogen hat:

„Erstaunlicherweise erlebte das Buch eine große Verbreitung auf dem deutschen Büchermarkt, was bislang keiner anderen pro-islamischen Literatur auf dem Markt gelungen war. Damals wie heute dominiert auf den Bestsellerlisten und in den Bücherregalen eine Fülle von grundsätzlich dem Islam gegenüber Ressentiments schürenden Publikationen. Allerdings war es auch der erste Versuch aus der Feder eines Intellektuellen, den Nachweis zu erbringen, dass der Islam die einzige Alternative zur westlichen Konsumgesellschaft sei.“ (S.37)

Ein absoluter Bestseller stellt des Weiteren Hofmanns überarbeitete Übersetzung von Max Henning dar. Sie ist eine der bekanntesten Übersetzungen in deutscher Sprache:

„Tatsächlich war es umso mehr überraschend, warum ausgerechnet Hofmanns überarbeitete Qur´anübersetzungen sich bislang am stärksten verbreitet hat und inzwischen sogar in über 15 Versionen gedruckt worden ist. Auf die Frage nach dem Erfolg antwortete Hofmann in einem Interview dazu: ‚Ich weiß das auch nicht, vermute aber, dass es mit meiner unemotionalen Ausstattung der Ausgabe mit lakonischen Fußnoten zu tun hat‘. Fürwahr war der Erfolg der Übersetzung nicht nur ihrer Nähe zum Original, sondern vor allem den hilfreichen Fußnoten von Hofmann zu verdanken.“ (S.45)

Schade ist, dass es keine detaillierteren Informationen über sein Gesamtwerk gibt. Der Autor hätte noch auf einige Bücher ausführlicher eingehen können, wie beispielsweise „Der Islam im 3.Jahrtausend“. Dankenswerterweise listet Polat am Ende des Buches sämtliche Werke von Hofmann auf, sodass der interessierte Leser sich gegebenenfalls die Bücher besorgen kann.

Der Nutzen dieses Buches

Das kleine Büchlein ist gerade für Leute, die bisher nicht mit dem Denken von Murad Hofmann vertraut sind, geeignet. Diejenigen, die seine Bücher mittlerweile schon mehrmals gelesen haben, werden nicht viel Neues entdecken können. Aber das ist auch gar nicht das Ansinnen dieses schmalen Bändchens, sondern eher einen kurzen, allgemeinen Einblick in die Gedankenwelt von Hofmann zu gewähren. Der Autor dieser Kurzbiografie versteht es kurz und knapp das Denken und Leben von Hofmann zu illustrieren. Eine gekonnte Leistung! Doch auch der Leser, der Murat Hofmann schon durch seine Texte kennt, sollte vielleicht einen Blick in dieses Werk riskieren: Am Ende des Buches gibt es ein exklusives Interview mit Murad Hofmann zu seinem Lebensweg, der Gesellschaft und dem Koran. So äußert sich Hofmann zu der Frage nach der Konzeption und Beschaffenheit von der Gesellschaft:

„Eine solche Gesellschaft muss jenseitig orientiert sein, also Gottesbewußtsein haben und die von Gott vermittelten Normen anerkennen. Wer von der Existenz Gottes überzeugt ist, kann nicht anders, als anderen davon Mitteilung zu machen, ist es doch die wichtigste Nachricht, die man überhaupt empfangen kann. Mit gottesfernen Personen hat man dann unwillkürlich Mitleid. Das Nazi-Regime hatte im übrigen rechteindrücklich demonstriert, wohin Gottesferne führen kann, ja muss.“(S.56)

Zum Abschluss des eigentlichen Buches konstatiert der Schreiber dieser biografischen Skizzen folgendes:

„Es wird daher nicht überraschen, dass Hofmann nach wie vor ein Vorbild für viele Muslime ist und bleiben wird. Sein unermüdliches Engagement, selbst im hohen Alter, für Verständigung und Toleranz wird besonders von den hiesigen Muslimen sehr geschätzt. Zweifellos ist Murad Hofmann der einflussreichste Muslim der Gegenwart und zugleich ein Geschenk Deutschlands an den Islam.“ (S.48)

Diesen Ausführungen von Polat ist nicht viel hinzuzufügen, außer: Lest die klugen Bücher von Murad Hofmann! Ihr werdet es nicht bereuen.

Bestellmöglichkeiten und eine Leseprobe findet ihr hier

Ecevit Polat: Murad Wilfried Hofmann – Deutschlands Geschenk an den Islam, tredition, Hamburg 2017, 76 Seiten, ISBN: 978-3-7439-7240-7

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2 Antworten auf “Rezension: Deutschlands Geschenk an den Islam”

  1. Muhammad Ibn Maimoun

    السلام عليكم

    Dieser Empfehlung kann ich mich nur anschließen – vielen Dank!

    PS: Gewisse Zeitgenossen meinen, die Welt wegen irgendwelcher „Abweichungen“ intellektueller Schwergewichte wie Murad Wilfried Hofmann von ihrem eigenen Islamverständnis mit „Warnungen“ beglücken zu müssen. Das sind wohl diejenigen, die Islambücher (und sei es solche von Gelehrten) erwartungsweise nicht als Anregungen und Diskussionsbeiträge, sondern wie göttliche Offenbarungen lesen, und denen daher womöglich ohnehin nicht mehr zu helfen ist.

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    • Nuruddin

      Danke für Deinen Kommentar. 🙂
      Ich schließe mich Deinem Postskriptum an.

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