Impfdiskussion Teil 1 – Interview mit einem Professor

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بِسْمِ اللّهِ الرّحْمنِ الرّحِيمِ اَلْحَمْدُ لِلّهِ رَبِّ الْعالَمِينَ
وَ صَلَّى اللهُ و سَلَّمَ عَلَى سَيِّدِنَا مُحَمَّد وَ عَلَى آلِهِ وَ صَحْبِهِ اَجْمَعِين

Das Internet brachte sicherlich viele Vorteile mit sich. Ein vehementer Nachteil ist jedoch die voreilige Meinungsbildung über Themen, deren Hintergrundwissen man nicht besitzt. Daher sah ich es als meine Pflicht an, die Impfdiskussion aufzugreifen und einen Experten zu konsultieren. Oftmals ist es schwierig, eine evidenzbasierte Recherche durchzuführen, vor allem in Internet. Primäre Quellen sind schwierig und zeitintensiv auszuwerten. Sogar die Auswertung von Sekundär- und Tertiärliteratur, welche sich mit den primären Quellen wissenschaftlich auseinandersetzt bzw. ihrerseits die Sekundärliteratur zusammenfassend auswertet (Tertiär- bzw. Fachliteratur), bedarf einer wissenschaftlichen Grundkenntnis. Ich möchte euch nun den ersten Teil eines dreiteiligen Interviews nicht vorenthalten. Bei dem Experten handelt sich um einen Professor der Medizin (Virologie).

 

Dieser Teil befasst sich mit einem grundsätzlichen Aspekt der Impfskepsis. Teil zwei geht näher auf den MMR (Masern-Mumps-Röteln)-Impfstoff und den Film „Vaxxed“ ein. Bei Teil drei geht es um Adjuvanzien (Alumunium) und die WHO.


Frage 1:
Was halten Sie von der, meines Erachtens, zunehmenden Impfskepsis? Woher entsteht das Misstrauen gegen eine Therapie, die so breit angewendet wird?

Antwort 1:
Als ich noch im Amt war habe ich einmal öffentlich geäußert, dass „der Erfolg des Impfens dessen größter Gegner ist“. Damit meine ich, dass das Impfen umso mehr als unnötig oder gar schädlich betrachtet wird, je seltener die Krankheit, gegen die geimpft werden soll, im persönlichen Umfeld erlebt wurde. Es ist ja nachvollziehbar, dass die Begleitumstände des Impfens (Injektionen, Rötungen und Schmerzen an der Injektionsstelle, Abgeschlagenheit) und echte wie vermutete Nebenwirkungen als bedrohlicher betrachtet werden als Krankheitsfolgen, die der einzelne selbst oder bei anderen nicht mehr erfahren hat. Das scheinbare Risiko liegt so offensichtlich beim Impfen! Ich selbst kann mich aber noch gut daran erinnern, wie ich als Kind in den 1950er Jahren Angst vor Kinderlähmung hatte (ein Cousin war auch daran erkrankt) und ich froh war, als man endlich dagegen impfen konnte!


Frage 2:
Sollte sich nicht jeder Impfskeptiker fragen, warum diese Krankheiten nicht mehr bekannt sind?

Antwort 2:
Um dieser Frage nachzugehen, lege ich Ihnen eine Abbildung bei, die ich schon vor vielen Jahren gemacht habe. Sie zeigt die Häufigkeit von Neuerkrankungen bezogen auf die Größe der Bevölkerung (=Inzidenz) für eine Reihe von Infektionskrankheiten, soweit sie meldepflichtig waren, d.h. wo Daten fehlen, bestand keine Meldepflicht. Um die Daten vergleichbar und in einer Graphik darstellen zu können, wurde die Inzidenz dort, wo Daten für das Jahr 1950 vorlagen, für das Jahr 1950 auf den willkürlichen Wert 100 gesetzt, ansonsten der erste erfasste Wert auf 100 (relative Inzidenz). Die Graphik zeigt daher die Änderungen der Inzidenz, keine Absolutwerte. Die Daten stammen aus den (damals, ob heute auch, habe ich nicht nachgesehen) öffentlich zugänglichen Tabellen der Centers for Disease Control (CDC) und gelten somit für die USA. Für Deutschland habe ich, als ich die Graphik erstellte, keine entsprechend ausführlichen Daten gefunden. Das Jahr der Einführung der Impfung wird durch einen Strich markiert, wobei die Farbe des Striches der der Krankheit entspricht, also rot für Pertussis (Keuchhusten), braun für Polio(myelitis) (Kinderlähmung) usw. (HIB = Haemophilus Influenzae B).

Auf den ersten Blick wird deutlich, dass nach Einführung der Impfung die Inzidenz (mehr oder weniger rasch) abfällt und auf niedrigen Werten verharrt. Impfskeptiker bringen vor, dass dies mit der Verbesserung der allgemeinen Hygiene zusammenhängen würde. Was ist dann aber die Erklärung dafür, dass die Maserninzidenz erst rund zehn Jahre nach der Polioinzidenz abfällt? Welche Änderung der Hygiene hätte denn hier stattgefunden, und dann noch zufällig mehr oder weniger gleichzeitig mit der Einführung der Impfung? Welche Hygienemaßnahme schützt denn überhaupt effektiv gegen Erreger, die durch die Luft (=aerogen) übertragen werden, wie z.B. Masern?


Frage 3:
Was halten Sie von der Behauptung, dass die Impfung erst eingeführt wurde, als die Erkrankung sowieso am Abklingen war?

Antwort 3:

Das stimmt sicherlich für Polio und wohl auch für Masern. Infektionskrankheiten verlaufen aber abhängig vom Immunstatus der Bevölkerung in Wellen, und der entscheidende Punkt ist, dass nach Einführung der Impfung keine Poliowelle mehr aufgetreten ist, und auch keine große Masernwelle.


Frage 4:
Ohne Krankheiten gäbe es auch keine Medikamente, und ohne Medikamente könnten die Pharmaunternehmen kein Geld verdienen. Dahinter verbirgt sich eine Missgunst gegen den Kapitalismus. Ist das gerechtfertigt?

Antwort 4:
Erreger, die sich nur im Menschen vermehren können, können theoretisch aus der Umwelt entfernt werden. Wenn sie keinen Menschen mehr treffen, den sie infizieren und in dem sie sich vermehren können, sterben sie aus, die Krankheit, die sie verursachen, erlischt. Dies ist mit Pocken gelungen, seither wird auch nicht mehr geimpft. Auch Polio und Masern können ausgerottet werden. Wer sich heute also gegen Polio und Masern impfen lässt, trägt dazu bei, dass sich zukünftige Generationen nicht mehr gegen diese Krankheiten impfen müssen. Übrigens kein gutes Geschäftsmodell für Kapitalisten!


Frage 5:
Was ist die Quintessenz?

Antwort 5:
Ich würde Impfskeptiker fragen, ob er denn die Krankheiten, gegen die geimpft werden soll, aus eigener Anschauung kennt, wenn nein, warum nicht, wenn ja, auch warum.

 


Foto: facebook.com/dasGoledeneBrett

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8 Antworten auf “Impfdiskussion Teil 1 – Interview mit einem Professor”

  1. EinMathematiker

    Toller Beitrag, vielen Dank dafür.

    Antworten
    • Muhammad Ibn Maimoun

      السلام عليكم

      Kann ich mich nur anschließen, vor allem ein wichtiger Beitrag.

      Als einer der „Early Adopter“ der WWW-Nutzung hätte ich nicht gedacht, dass eines Tages derartige Aufklärung nötig werden würde, weil ein enormer Teil der Bevölkerung meint, über alles im Rahmen von Verschwörungstheorien endgültig und nach Belieben urteilen zu können, weil ja „alles im Internet steht“.

    • Bali Bey

      Bali Bey

      Wichtig vor allem, da in Deutschland, im Gegensatz zu manch anderen Ländern der EU, keine Impflicht herrscht.
      „Fast 200 000 Menschen in Deutschland sind in den vergangenen zehn Jahren an Erkrankungen gestorben, gegen die es eine Impfung gibt. Allein die Spätfolgen der Masern kosteten seit 2007 mindestens 280 Menschen das Leben. Das ergibt sich aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion zu Impfquoten, die am Freitag der Zeitung „Die Welt“ vorlag.“
      (Quelle: https://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/praevention/article/954839/fdp-anfrage-bundestag-280-tote-durch-spaetfolgen-nach-masern.html)

      Weiteres zum Thema Forschungsinstitute, wie das Robert-Koch-Institut, die Meldungen nicht nachgehen würden:
      (Quelle: https://www.aerzteblatt.de/archiv/81210/Todesfaelle-nach-Sechsfachimpfung-Vorsichtige-Entwarnung)

      Auch ein sehr guter, ergänzender Beitrag zum Interview:
      „Fünf Fakten zum Impfen: Aluminium, Autismus und andere Vorurteile
      Die Weltgesundheitsorganisation WHO rät zum Impfen unter anderem gegen Cholera, Diphtherie, Gebärmutterhalskrebs, Gelbfieber, Hepatitis und Röteln. Doch ihr „Get vaccinated“ verhallt teilweise ungehört – weil sich Mythen gegen das Impfen halten, die längst widerlegt sind.“
      (Quelle: http://www.spektrum.de/wissen/aluminium-autismus-und-andere-vorurteile/1525747)

    • Muhammad Ibn Maimoun

      Wobei dennoch nicht zu vergessen ist, dass es durchaus denkbar ist, dass manche Sau, die in dem einen oder anderen Jahr alarmistisch durchs Dorf getrieben wird, in erster Linie Geld in die Kassen der Pharma-Industrie spülen soll. Dieses starke Gefühl hatte ich vor einigen Jahren bei einer Impfkampagne mit viel Lärm um wenig. Das heißt aber nicht, dass man um das ganze Konzept herum grundsätzlich eine rundweg ablehnende Verschwörungstheorie zimmern darf.

    • Bali Bey

      Bali Bey

      Dass es auch wirtschaftliche Interessen in dieser Branche gibt, ist klar. Doch dieses Interesse ist z. B. im Bereich der Selbstmedikation viel stärker ausgeprägt, vor allem, da verschreibungsfreie Arzneimittel freier geworben werden können. Ich habe aber noch nie jemanden erlebt, der derartige Theorien über traditionell angewandte Arzneimittel postuliert, im Gegenteil. Zumal ein eindeutiger Wirknachweis hier oft nicht vorhanden ist.

  2. unbekannt

    Salam alaikum
    Ich hab eine Frage: Ist es nicht nützlicher für das Imunsystem, wenn der Mensch einige Krankheiten durchlebt, anstatt dass man dagegen impft und vielleicht später an einer noch schlimmeren Krankheit erleidet?

    Antworten
    • Bali Bey

      Bali Bey

      Aleykumselam.
      Das Immunsystem ist ständig aktiv. Kinder sind täglich Tausenden von Antigenen (Bakterien, Viren etc.) ausgesetzt. Krankheiten, gegen die geimpft wird, wie z. B. Tetanus, sind nicht heilbar (kurativ). Hat man sich mit diesen Krankheiten einmal infiziert, gibt es keine Heilung. Deshalb gibt es ja die Impfung. Dadurch werden dem Körper Tetanus-Viren geimpft, die jedoch deaktiviert sind, also kein Krankheitsgeschehen auslösen können. Der Körper kann dann Antikörper dagegen bilden und wäre bei einer nächsten Infektion also „vorbereitet“. Ist er das nicht, bricht die Krankheit bereits aus und richtet schaden an, bevor der Körper die Viren bekämpfen kann. Es hängt also von der Infektion ab. Dass ein Kind alles in den Mund nimmt, ist übrigens auch eine Art „Impfung“. Der Körper kann so durch den Kontakt mit verschiedenen Keimen, sein Immunsystem aufpeppeln. Deshalb bekommen wir nur einmal im Leben Windpocken und das meist im Kindesalter. Danach ist unser Körper immun dagegen. Das gilt aber nicht für Krankheitserreger, die tödlich enden können. Von daher muss man das voneinander trennen. Das Wort „vielleicht“ gibt es hier nicht. Wenn Nebenwirkungen auftreten sollten, dann wird dies geprüft (siehe Autismus im zweiten Teil des Interviews). Das Problem hier ist, dass den Impfungen mehr Schaden als Nutzen zugesprochen wird. Dass dies nicht zutrifft, wird in den Beiträgen eben erläutert.

    • Muhammad Ibn Maimoun

      @unbekannt

      وعليكم السلام

      Genau das, was du forderst, ist ja Impfen, stark vereinfacht gesagt: Den Körper die Krankheit „durchleben“ lassen, nur eben ohne ihn mit der vollen Keule kaputt zu machen.

      Oder möchtest du dein Kind gerne Meningitis oder Kinderlähmung als voll ausgebrochene Krankheiten „durchleben“ lassen?

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