Prof. Dr. Gustav Kafka – Der Zusammenhang zwischen musikalischer Rhythmik und Faulheit

13 Kommentare

von Jens Yahya Ranft

Als amtlich indoktrinierter Salafist wurde ich natürlich sorgfältig darauf geimpft, dass Musik verboten sei und dass hierin keine anerkannte Meinungsverschiedenheit unter den Gelehrten der Ahlus Sunnah wal Jama’a besteht.

Heute denke ich da ein wenig anders: Ich erkenne den Meinungsunterschied an, der aufgrund der Urteile einiger Gelehrter zustande kam, auch wenn es nur wenige unter den großen Autoritäten (wie Ibn Hazm & al-Ghazali) waren.

Trotz alledem bin ich noch immer der festen Überzeugung, dass der absichtliche Konsum von Musik (vor allem zum Zeitvertreib) verboten und schädlich ist. Mir hat der freiwillige Verzicht auf Musik – die bis zu meiner Konversion zum Islam ein überaus wichtiger und prägender Teil meines Lebens war – sehr dabei geholfen, mich dem Studium der Bücher zu widmen. Während ich als Musikkonsument nicht einmal ein Bücherregal besaß, kann ich heute, nach etwa 10 Jahren, eine beachtliche Bibliothek mein Eigen nennen.

Dies ist – und davon bin ich felsenfest überzeugt – vor allem auch meiner rhythmischen Abstinenz zu verdanken. Ich hatte das Gefühl, dass Musik nicht nur ablenkt, sondern auch Wesenszustände erzeugt, die einerseits animalisch anmuten, andererseits aber auch eine intellektuelle Faulheit förderten. Dieses Gefühl fand vor einigen Jahren eine überraschende Bestätigung, nämlich als ich das Buch „Freiheit und Anarchie“ (1949) des Psychologen Prof. Dr. Gustav Kafka las.

Hier der Auszug zum Gegenstand:

«Aber da der Mensch nun einmal kein rein vegetatives Dasein führt, verliert das far niente [das Nichtstun] für ihn sehr bald seine dolcezza [Süße] und er beginnt sich zu langweilen, nicht bloß, wenn er keinen Schmerz empfindet – wie Schopenhauer gelegentlich übertreibt -, sondern schon, wenn er wirklich „nichts zu tun hat“.

Was ist nun einer der einfachsten Kunstgriffe, die der Mensch anwendet, um sich die Langeweile zu vertreiben, wenn ihm kein anderes Mittel dafür zur Verfügung steht? Er beginnt mit den Fingern rhythmisch auf einer Unterlage zu trommeln und erreicht damit ein Doppeltes: einmal drückt er damit das biologische Niveau seiner Lebensäußerung herab, denn Rhythmik der Bewegung ist nicht nur ein Kennzeichen der niederen Organismen, sondern auch derjenigen Organe, die nicht unter der unmittelbaren Kontrolle des Zentralnervensystems stehen (wie etwa Herz und Darm), zum anderen gleicht er die körperliche Untätigkeit durch eine geistige, wenn auch sehr tiefstehende geistige Tätigkeit aus, nämlich durch die Formung des Zeitablaufes zu rhythmischen Gestalten.

Zu nichts anderem als zur Ausfüllung einer Tätigkeitspause dienen aber sämtliche Veranstaltungen, die als „Unterhaltung“ bezeichnet werden und die nur jenes Mindestmaß geistiger Tätigkeit voraussetzen, dessen es bedarf, um die durch völlige Untätigkeit erzeugte Langeweile zu bannen.»

(Gustav Kafka, Freiheit und Anarchie, ©1949, Seite 51)

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13 Antworten auf “Prof. Dr. Gustav Kafka – Der Zusammenhang zwischen musikalischer Rhythmik und Faulheit”

  1. Pflichtangabe

    Salamu aleykum wa rahmatullahi wa barakatuh,

    https://www.welt.de/gesundheit/psychologie/article153754027/Warum-Musik-unserem-Gehirn-so-guttut.html

    Wa Allahu a3lamu wa salam

    Antworten
    • Pflichtangabe

      Anmerkung: Mein Beitrag soll darlegen, dass man zumindest die Gegenposition in Betracht ziehen sollte, selbst wenn es dir zuwider ist.
      Ich meine du schreibst ja selber, dass du überraschend darauf stießt. Es gibt aber bei direkter Recherche eben auch Indikatoren für die Vorzüge, die du nicht erwähnst.
      Ich möchte jetzt nicht Musik verteidigen ( das ich aber ganz sicher nicht haram nennen würde, wie könnte ich mich das anmaßen, wo es nicht einen einzigen Vers diesbezüglich gibt, und allenfalls nur Hadithe mit Implikationen), aber kritisiere dein Vorgehen, so einseitig zu konstatieren.
      Und der zitierte Text kritisiert nicht Musik, soweit ich es verstand, sondern die reine Rhythmik die nun mal etwas anderes, oder zumindest die Komponente eines Musikstückes ist.
      Und wann bitteschön ist Musik ( hier geht es um Instrumente wohlgemerkt, nicht um Lieder á la Rihanna et cetera, audhibillah!) *deines* Erachtens legitim?

      Und Gott allein gebietet und verbietet, und zu IHM ist die Rückkehr,
      Wa Allahu a3lamu wa salam

    • Yahya Jens Ranft

      Yahya Jens Ranft

      Wa alaykum assalam wa rahmatullahi wa barakatuh,

      bei alledem, was die Mehrheit der muslimischen Gelehrten oder der Herr Prof. Dr. Kafka und andere Psychologen zum Gegenstand der Musik auch schrieben, ist der beste Beleg für mich, meine eigene persönliche Erfahrung, nämlich ein 30-jähriges Leben mit Musik als Lebensinhalt, zur Unterhaltung und zum Zeitvertreib, versus ein 10-jähriges Leben mit größtmöglicher Meidung von Musikgenuss. Keine andere Person kann diese meine Erfahrung nachempfinden und besser deuten als ich selbst, weil allein ich sie gemacht habe.

      Wichtig ist, dass der Prozess der Selbsterkenntnis mit Aufrichtigkeit einhergeht. Gebeutelt von den Neigungen und Leidenschaften, ist manch einer dazu in der Lage, sich selbst etwas vor zu machen, sich in einer Selbstlüge leben zu lassen. Schafft man es aber, sich selbst gegenüber aufrichtig zu sein, und kommt beim Versuch/Vergleich zwischen einem Leben mit und ohne Musik zur Erkenntnis, dass der absichtliche Musikgenuss keine Ablenkung ist, dann gönne ich es ihm und er soll sich an der Musik erfreuen, wenn er will.

      Viele Muslime heutzutage scheinen den Islam sehr egozentrisch zu leben, so dass die Erkenntnis anderer, wenn sie von der eigenen (falls überhaupt vorhanden) abweicht, fast schon als Affront aufgefasst wird.

      Ich schreibe ja gleich zu Beginn meines Beitrages, dass ich die Meinungsverschiedenheit der Gelehrten zu diesem Thema anerkenne. Es soll also jeder tun, wofür er vor seinem Herrn gerade stehen kann. Ich bin weder eine Autorität, noch ein Maßstab. Ich habe lediglich Einblick in meine beinah 43-jährige Lebenserfahrung gegeben.

    • Pflichtangabe

      Salamu aleykum wa rahmatullahi wa barakatuh,
      erneut: Es geht mir nicht um die Verteidigung von Musik sondern den selektiven Umgang mit wissenschaftlichen Quellen.
      Du fühlst dich in deiner Meinung durch einen einzigen Beitrag eines Psychologen (1949) bestätigt, es sprechen aber umso mehr Quellen gegen deine Meinung die du nicht einbeziehst.
      Also ist dieser ganzer Thread nichts weiter als : „Guckt mal, hatte recht!“, und das ist meines Erachtens – Allahu a3lamu – ein ziemlich unwissenschaftliche Herangehensweise.

      Und die Bedingung unter der der Musik-Konsum deines Erachtens verboten sein soll, ist meiner bescheidenen Meinung nach zu abstrakt: Guckst du etwa nie Filme, isst zum Spaß Süßigkeiten, oder liest ein Buch zum Zeitvertreib?
      Ist das nun deines Erachtens alles verboten?
      Natürlich hat ein Muslim sein gesamten Fokus auf das Jenseits zu lenken, zweifellos, man darf aber nicht vergessen das wir Menschen mit Bedürfnissen sind. Vielleicht beruhigt Musik den einen und das Lesen den anderen. Deswegen sollte man sich nicht anmaßen etwas als verboten zu deklarieren, dass vielleicht nicht verboten ist.

      Man lese bitte Sure 57: 20 was das diesseitige Leben eigentlich ist:
      „Wißt, daß das diesseitige Leben doch nur Vergnügen, Ablenkung, Schmuck, Wichtigtuerei unter euch und Vermehrung an Vermögen und Kindern ist. Es gleicht reichlichem Regen, dessen Pflanzenwuchs den Kafir gefällt. Dann vertrocknet er (der Pflanzenwuchs), und du siehst ihn gelb werden, dann wird er Zermalmtes, und im Jenseits gibt es harte Peinigung und Vergebung von ALLAH und Wohlgefallen. Doch das diesseitige Leben ist nichts außer Verbrauchsgut der Täuschung.“

      Siehst du hier aber ein Verbot, Kinder zu zeugen, oder zu arbeiten?

      Und ich empfehle weiter Sure 5 Vers 87 und Sure 7 Vers 32
      auch in Kombination mit Sure 5:5, zu lesen.

      Wa Allahu a3lamu, wa salam

    • Yahya Jens Ranft

      Yahya Jens Ranft

      Wa alaykum assalam wa rahmatullahi wa barakatuh,

      wie ich bereits schrieb:

      «bei alledem, was die Mehrheit der muslimischen Gelehrten oder der Herr Prof. Dr. Kafka und andere Psychologen zum Gegenstand der Musik auch schrieben, ist der beste Beleg für mich, meine eigene persönliche Erfahrung, nämlich ein 30-jähriges Leben mit Musik als Lebensinhalt, zur Unterhaltung und zum Zeitvertreib, versus ein 10-jähriges Leben mit größtmöglicher Meidung von Musikgenuss. Keine andere Person kann diese meine Erfahrung nachempfinden und besser deuten als ich selbst, weil allein ich sie gemacht habe.»

      Dass ich mich in meiner eigenen Erfahrung von Herrn Prof. Dr. Kafka bestätigt fühle, bedeutet nicht, dass ich andere (gern auch wissenschaftliche oder psychologische) Ansichten ausblende, sondern tatsächlich, dass ich mich von ihnen nicht bestätigt fühle. Meine persönliche Ansicht mag hochgradig subjektiv sein, deshalb war es für mich auch erfreulich, im Text des Professors eine solche Bestätigung zu finden. Aber natürlich findet mein persönliches Empfinden zudem auch eine starke Bestätigung im Urteil vieler großer Imame der Ahlus-Sunnah. Ich erkenne die Meinungsverschiedenheit an, verurteile also niemanden, der Musik konsumiert, aber ich fordere Gleiches auch von der anderen Seite.

    • Pflichtangabe

      Salamu aleykum wa rahmatullahi wa barakatuh,

      Zitat: „[…]erkenne die Meinungsverschiedenheit an, verurteile also niemanden, der Musik konsumiert“

      Hm, wirklich?
      Weiterer Zitat: „Trotz alledem bin ich noch immer der festen Überzeugung, dass der absichtliche Konsum von Musik (vor allem zum Zeitvertreib) verboten und schädlich ist.“

      Wie kann man bitteschön etwas verbieten wollen, und es gleichzeitig tolerieren:
      X ist verboten, aber ist okay wenn man’s tut..
      Sorry, das ist affektierte Toleranz.
      Entweder toleriert man die Ikhtilaf, oder verbietet und folgt konsequenterweise einer einzigen Meinung.
      Und das Argument, das Verbot sei ja an eine Bedingung geknüpft klappt ausnahmsweise nicht: Welcher Musik-Konsument macht es nicht absichtlich, und welcher von ihnen macht es nicht vor allem aus Zeitvertreib?

      Erneut: Es geht mir nicht um die Beurteilung von Musik, sondern ganz einfach darum, dass ich dein Toleranzverständnis nicht so ganz nachzuvollziehen imstande bin.
      Ist also mein Unvermögen und mein Fehler das ich dich nun hier ein wenig nerve.
      Aber aus dem Unwissen kann mit einem Satz Klarheit werden, weswegen ich dich nun um die Definition deines Toleranz-Begriffs bitte.

      Wa Allahu a3lamu, wa salam.

    • Yahya Jens Ranft

      Yahya Jens Ranft

      Wa alaykum assalam wa rahmatullahi wa barakatuh

      Zwischen „verbieten“ und „etwas als verboten erachten“ ist ein großer Unterschied. Die großen Autoritäten der islamischen Rechtswissenschaften sind sich einig darin, dass der gelehrte Ikhtilaf in Fragen des Fiqh zu respektieren ist, ebenso wie die unterschiedliche Praxis, die durch diese Meinungsunterschiede zustande kommt, zumindest zu dulden ist. Die Gelehrten waren sich sogar uneinig darin, ob es tatsächlich nur eine Wahrheit (in den Rechtsfragen) gibt oder ob jedes gelehrte Urteil als Wahrheit anerkannt werden sollte.

      So kann ich also guten Gewissens etwas als erlaubt erachten, was ein anderer für verboten hält. Wichtig hierbei ist lediglich, dass man dabei aufrichtig ist und den Gelehrten darin folgt.

    • Muhammad Ibn Maimoun

      السلام عليكم

      Jens hat ja klar gemacht, dass dies seine Meinung ist, die er durch eine Erfahrung bestätigt sieht, deren Subjektivität er sich bewusst ist.

      Seine Art des Umgangs mit diesem Thema, wenn man bedenkt, wie und in welchem mutmaßlichen Umfeld er „geimpft“ wurde, hat meines Erachtens höchsten Respekt verdient.

      Nebenbei-Info: Da die frühen klassischen Gelehrten unseren Musik-Begriff in seiner vollen Breite in ihren Urteilen nicht vor Augen hatten, weder intensional noch extensional, ist die Aussage, auch nur eine Minderheit der klassischen Gelehrten hätte Musik pauschal für verboten erklärt, mit Vorsicht zu genießen. Sh. Osamah al-Qawsiy dürfte darum näher dran liegen, wenn er sagt, es habe sogar einen Konsens (!) gegeben, dass (mindestens) ein Teil der Musik erlaubt ist. Seine Äußerung ist auf Video festgehalten.

      PS: Ich selber bin (halb aus Desinteresse, halb mit Absicht), bis auf wenige Ausnahmen, in einem gewissen Sinne Musik-Abstinenzler (nicht radikal, ich schalte bei musikalischen Vorspann-Sequenzen ganz sicher nicht den Ton aus). Da ich aber schon lange der Ansicht bin, dass Rechtsgutachten und schon die Weckung des Eindrucks, die Religion Gottes verbiete Musik mit Sack und Pack, schädlicher sind, als irgendeine Musik selber es jemals sein könnte, habe ich diesen Artikel verfasst: http://www.lichtwort.de/tunUndNichtTun/die-bewertung-von-musik.html

      والله أعلم

    • Pflichtangabe

      Mir ist aufgefallen das mein Ton ein wenig aggressiv klingen kann, und ich möchte dich lieber Yahya nicht angreifen.
      Ich habe aber wirklich nicht verstanden wie das eine mit dem anderen zu vereinbaren sei.
      Also verzeihe mir, falls ich dich in Rage, oder auch nur in kleine Aufregung gebracht habe.

    • Yahya Jens Ranft

      Yahya Jens Ranft

      Mach dir keine Sorgen, ich fühle mich nicht angegriffen, eher missverstanden.

  2. Catherine

    As-salaamu ‚aleikum wa rahmatullahi wa barakatuh.

    Danke, dass dieser wichtige Aspekt hier noch einmal in Erinnerung gebracht wurde.

    Meines Wissens haben Gelehrte wie Imâm Al-Ghazâlî und andere Fuqaha Instrumentalmusik bzw. das Anhören derselben nicht grundsätzlich und ohne Vorbedingungen erlaubt.
    Entscheidend sind der Kontext, in dem die Musik gespielt wird, sowie der kulturelle Hintergrund. Weiterhin berücksichtigen diese individuellen Gelehrtenurteile sehr wohl auch den spirituellen Zustand des Fragestellers.
    Es wäre also zu kurz gegriffen, etwa die Erlaubnis des Flötenspiels im kulturellen Kontext des Hadramaut zu generalisieren.

    Die Schöpfung bietet so viele Klänge, die der Seele guttun (ich denke da z. B. an frühmorgendliches Vogelgezwitscher), dass man in unserer ohnehin vollkommen reizüberfluteten Zeit eigentlich gar nicht auf Retortenware (was sich heute „Musik“ nennt) zurückgreifen muss.

    Antworten
  3. Jan

    Guten Abend, mein Anreiz hier zu schreiben liegt darin zu verstehen, was in anderen Menschen vorgeht. Ich mache es erstmal kurz. Musik sollte nicht gehört werden um der Langeweile zu entfliehen? Ich könnte verstehen das manche Texte einfach nicht in das Bild des Islams passen. Es gibt sie ja aber auch instrumental. Es ist richtig das Musik den Geist und Körper beeinflusst, sollte sie auch. Es ist menschlich zu fühlen. In Texten im Forum von 2014 steht geschrieben man solle selbst denken und nicht ständig nach einem Mullah schreien. Desweiteren verstehe ich nicht, mit welcher Rechtfertigung das Internet benutzt werden darf.
    Ich möchte verstehen, vieles verstehen. Am liebsten in die Köpfe schauen. Warum diese unterwürfigkeit?

    Antworten
  4. Imène

    As-salamu alaikum wa rahmatullahi wa barakatuh,

    genauso wie Jens fühle ich mich spontan in der Aussage des Prof. Kafka von meinem Gefühl her bestätigt.

    Ich kann nicht nachvollziehen dass „Pflichtangabe“ das partout nicht begreifen möchte.

    Im Grunde drückt Jens bloß aus, dass er den Sinn hinter einem Verbot von Musikkonsum (auch persönlich gefühlt und nicht nur intellektuell abstrakt) NACHEMPFINDEN kann und teilt uns seinen Erfahrungswert diesbezüglich mit (z.B. dass eine Bibliothek entstanden ist, sicher aber auch, dass mehr Zeit bleibt, um zu studieren und z.B. einen solchen Artikel zu verfassen).

    Und um wieviel schöner und wertvoller uns ausgefüllter sind unsere gottesdienstlichen Handlungen, wenn wir Erkenntnis mit ihnen verknüpfen dürfen?

    Meine persönliche Erfahrung gleicht absolut derjenigen von Jens: Ohne Musikkonsum bin ich konzentrierter, weniger abgelenkt, weniger in quasi hypnotische Zustände versetzt (somit gleichzeitig wacher und klarer im Hier und Jetzt).

    Und wie Catherine sagt, so gibt es meines Erachtens nach keinen Grund Entzugserscheinung zu befürchten selbst wenn man auf hochwertigste klassische Kompositionen verzichtet (freiwillig – denn ALLES, was wir als Gottesdiener zum Wohlgefallen unseren Herrn leisten, ist schliesslich aus vollstem Herzen FREIWILLIG, inshaAllah), denn welche Musik könnte schöner sein als diejenige „Musik“, die uns unzweifelhaft erlaubt und sogar anempfohlen ist: Der heilige Qur´an, die Geräusche der Natur und des Lebens in ihr oder der Klang von Dhikr, wenn wir im Auto oder anderswo statt das Radio anzustellen unseren Herrn lobpreisen?

    Was die Toleranz angeht, Pflichtangabe, so möchte ich erklären, wie ich sie verstehe (auch wenn Du nach Jens´ Erklärung gefragt hast): Ich toleriere, auch wieder aus vollstem Herzen, wenn ein anderer Mensch in seiner Handlung dem zuwider läuft, was ich als Wahrheit erkannt habe. Ich selbst folge somit konsequent einer Meinung, vertrete sie auch selbst, sage aber gleichzeitig, dass Du zwar einen Fehler machst, wenn Du eine andere Meinung vertrittst, deshalb jedoch verbiete ich es Dir nicht, diese Deine Meinung überhaupt zu haben (und wiederum ihr zu folgen).

    Verstehst Du das?

    Jens hält Musik hören für verboten und schädlich, aber er kann keinen Menschen auf dieser Welt zwingen, seiner Ansicht zu folgen. Und dass genau das auch nicht in seinem Interesse liegt (weil undurchführbar und somit Engergieverschwendung) ist alles, was er gesagt hat, so wie ich es verstanden habe.

    Meinungen zu etwas zu erlangen, die im besten Fall auf für sich erkannten Wahrheiten basieren, ist doch ein Prozess. Also etwas, dass sich durch Studium und ehrlicher Selbstbeobachtung /Wahrnehmung entwickelt.

    Im Fiqh läuft es natürlich anders, aber daher hat Jens ja auch so schön getrennt betrachtet einmal kurz die unterschiedlichen Gelehrtenmeinungen erwähnt und dann erst seine Selbstwahrnehmung dazu geäußert.

    Jedenfalls spricht mir die Äußerung Prof. Kafkas zum Thema aus der Seele! Ich habe es schon lange so empfunden und auch bereits versucht, dies besonders den Nichtmuslimen aber auch im Herzen am Verbot zweifelnden konvertierten Muslimen so darzulegen. Daher danke, Jens, für die Darlegung Deiner Sicht der Dinge, nun hier so schön für alle in Ruhe nachzulesen, al-hamdulillah!

    Wasalam

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