Einführung in die Maturidiyyah

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Einführung in die Maturidiyyah

Die Artikelreihe wurde von https://ahlulkalam.wordpress.com/ zur Verfügung gestellt. Eine informative Seite zur Aqidah der Muslime die wir allen Geschwistern ans Herz legen. Den ersten Teil könnt ihr hier in unserem Blog lesen. Der zweite, dritte und vierte Artikel wurde unten verlinkt.

Teil 1 – Kurze Einführung in die Sekte und ihre Gründer

Die Maturidiyyah sind eine Fraktion unter den Fraktionen des Ilm al-Kalaam, die mit der Jahmiyyah, Mu’tazilah, Kullaabiyyah und Ash’ariyyah die Grundprinzipien des Kalaam teilen, aber sich von ihnen in den speziellen Angelegenheiten des Kalaam unterscheiden. Nach dem Tod ihres Namensgebers, Abu Mansur al-Maturidi (gest. 333 n.H.), existierte die Gruppe der „Maturidiyyah“ selbst noch nicht. Erst ein paar Jahrhunderte später bildeten die Anhänger, die die Lehrmeinung ihres Meisters formalisierten und kodifizierten, die Sekte.

Der Namensgeber: Abu Mansur al- Maturidi (gest. 333 n.H.)

Der Namensgeber der Maturidiyyah ist Abu Mansur Muhammad bin Muhammad bin Mahmud al-Maturidi as-Samarqandi. Sein Name leitet sich von dem Ort Maturid ab, ein Ort in der Nähe von Samarkand im heutigen Usbekistan. Es ist nicht viel bekannt über seinen Werdegang außer ein paar biografischen Erzählungen über seine Erziehung, von wem er sein Wissen nahm, über seine Gelehrsamkeit und den Einflüssen, den er unterlag. Die Lehrer, die von ihm erwähnt werden, sind Abu Nasr Ahmad al-Iyaadi, Nasir bin Yahya al-Balkhi, Muhammad bin Muqaatil ar-Raazi und Abu Bakr al-Ahmad Jawzjaani.

Die Maturidiyyah hält ihren Meister al-Maturidi in Verehrung und Respekt und gab ihm den Titel „Imam der Mutakallimun“. Al-Maturidi war ein Zeitgenosse von Abu al-Hasan al-Ash’ari (gest. 330 n.H.), aber es ist nicht belegbar, dass sie sich trafen. Was die beiden gemeinsam haben, ist, dass sie in einer Zeit lebten, in der es Kämpfe zwischen den Ahl al-Sunnah und den Erneurern, der Ahl al-Kalaam, gab, womit die Jahmiyyah und Mu’tazilah gemeint sind. Die Jahmiyyah und Mu’tazilah waren die Pioniere des Ilm al-Kalaam und sie brachten viele Abweichungen hervor, die die Muslime in die Irre führten. Die Kullaabiyyah, Maturidiyyah und Ash’ariyyah galten ebenfalls als Ahl al-Kalaam. Jedoch repräsentierten ihre Doktrinen den Versuch, die Tradition ihrer Vorgänger, vor allem was das Thema „al-Asma was-Sifaat“ betraf, mit dem Madhhab der Salaf zu vereinigen.

Die Maturidiyyah kam Ursprungs aus dem Lager der Hanafiyyah. Die Ash’ariyyah hingegen stammte von den Kullaabiyyah ab. Beide bildeten sich im Kontext des Konflikts zwischen der Ahl al-Kalaam und der Ahl al-Sunnah. Das Ergebnis war, dass beide einen Mittelweg zwischen der Mu’tazilah, Jahmiyyah und der Ahl al-Hadith suchten, indem sie die Methoden und Prinzipien des Kalaam selbst in Dienst nahmen. So lehnten sie die Sifaat Fi’liyyah (Handlungen gebunden an Allah’s Willen und die Macht) ab, denn sie betrachten diese als “hawaadith” (Geschehnisse, Vorkommnisse, Ereignisse). Dies war notwendig, um den rationalen Beweis [für die Existenz des Schöpfers] aufrechtzuerhalten, den sie gemeinsam mit dem Jahmiyyah und Mu’tazilah verwendet haben, um den Atheisten aufzuzeigen, dass das Universum erschaffen ist. Dafür stützten sie sich auf die Sprache, Klassifizierungen und Terminologien der Atheisten selbst. Aus diesem Grund ist das Kullaabi-Ash’ari Glaubensbekenntnis sehr ähnlich zu dem Maturidi-Glaubensbekenntnis, denn ihre Wurzeln und Grundlagen sind die gleichen. Die grundlegenden Prinzipien des Kalaam wurden also durch die Maturidiyyah und Ash’ariyyah von den Jahmiyyah und Mu’tazilah übernommen, welche ja die Vorgänger der Maturidis und Ash’aris waren, obwohl sie, wie auch die Kullaabiyah, sich in bestimmten Angelegenheiten unterschieden mit den vorangegangenen Mutakallimun.

 

Abu Mansur al-Maturidi selbst starb in 333 n.H. Er hinterließ eine Reihe von Werken, wie das „Ta’wilaat Ahl al-Sunnah“, in dem er viele Interpretationen (Ta’wilaat) zusammentrug, deren Ursprünge bei der Jahmiyyah und Mu’tazilah lagen. Besonders auffällig sind die Interpretationen (ta’wilaat) bezüglich der Verse über die Eigenschaften Allah’s. Er hat ebenfalls ein Buch „Kitab at-Tawhid“, welches auf dem Weg und Pfad der Jahmiyyah und Mu’tazilah basiert, in der Bestätigung Allah’s Rububiyyah durch Ilm al-Kalaam, wo die Eigenschaften (Allah’s) negiert und metaphorisch geleugnet werden, widersprechend dem Weg der Salaf diesbezüglich. Mit dem einzigen Unterschied zu den Jahmiyyah und Mu’tazilah, was man und was man nicht negieren und verleugnen kann für Allah, ohne ihren abgeleiteten rationalen Beweis für seine Existenz ungültig zu machen. Al-Maturidi hat allerdings auch Widerlegungen gegen die Mu’tazilah, die Raafidah und die Qaraamitah geschrieben.

Die Glaubensbekenntnisse der Kullaabiyyah, Ash’ariyyah und Maturidiyyah sind einander alle ähnlich. Sie alle basieren auf der Negierung von dem, was sie als “hawaadith ” (Geschehnisse, Ereignisse, Vorkommnisse) bezeichnen in Bezug auf Allah. „Hawaadith“ ist also der Begriff, den sie benutzen, um Handlungen Allah’s, die an Seinem Willen und Macht gebunden sind, zu negieren. Da sie das erschaffene Universum als nichts anderes wahrnehmen als ein Zusammenspiel von Geschehnissen/Ereignissen (hawaadith), müssen sie entsprechend ihrer Annahmen alle Hawaadith in Bezug auf Allah, die in den offenbarten Texten angesprochen werden, auf irgendeine Art weg interpretieren. So machen sie es bei ihrem Ta’wil (Interpretation) vom Istiwaa (Erhebung), Nuzul (Herabsteigen), Ghadab (Zorn), Mahabbah (Liebe), Ridhaa (Wohlgefallen) usw.

In ihren Debatten mit den Mu’tazilah waren sie nicht in der Lage, sich ganz von den Zweifeln und Argumenten der Mu’tazilah zu befreien, während sie es an anderer Stelle geschafft haben, rational für die Bestätigung einiger Attribute zu argumentieren. Das Glaubensbekenntnis der Maturudiyyah besteht folglich der Bestätigung der Namen und einiger Eigenschaften Allah’s, während die „Sifaat Fi’liyyah“ (Eigenschaften der Handlungen/Taten) abgelehnt werden, wie bei der Mu’tazilah.

All diese Gruppierungen befinden sich darum im Widerspruch zum Glauben der Salaf, den Leuten des Hadith, der Athaar und der Sunnah. Denn diese vertraten das Glaubensbekenntnis, von den Eigenschaften Allah’s all das zu bestätigen, was auch Allah und Sein Gesandter (sallallahu alayhi sallam) für Ihn bestätigten. Gleichzeitig lehnten sie den „takyif“ (das Bestätigen der Beschaffenheit der Eigenschaft) und den „tashbih“ (die Verähnlichung der Eigenschaft) ab. Negierung und Bestätigung der Eigenschaften Allah’s wird bei der Ahl al-Sunnah stets auf die Aussagen der Offenbarung zurückgeführt, während neue und mehrdeutige Definitionen und Begriffe, die weder in den offenbarten Texten, noch von der Salaf verwendet wurden, abgelehnt werden.

Teil 2 – Die Bildung des Madhhab: Die ersten zwei Jahrhunderte bis 500 n.H.

Teil 3 – Die Zeit der Verschriftlichung, Kodifizierung und Formalisierung, 500 n.H. bis 700 n.H.

Teil 4 – Die Zeit der Expansion und Verbreitung, 700 n.H. bis 1300 n.H.

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