Burka-Verbot

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Bekanntermaßen lässt sich politische Macht in einer Demokratie nur erlangen und erhalten, wenn man der Mehrheit nach dem Mund redet, selbst wenn aus selbigem nichts Sinnvolles entweicht und wenn man der Mehrheit Versprechungen macht, auch wenn diese zu Lasten einer Minderheit gehen. Das Wirken dieses demokratischen Grundprinzips konnte man diese Tage einmal mehr in der von der CDU losgetretenen Debatte um das Burka-Verbot bewundern. Mit fragwürdiger Eleganz sprang die Partei mit ihr auf den durchs Land rollenden Anti-Islam-Zug auf.

Während der gemeine PEGIDA-Aktivist seine Grundthesen noch mit kurzen und prägnanten Slogans wie „Ausländer raus“ verkünden kann, ist dies für einen Berufspolitiker freilich nicht schicklich und so bediente man sich subtilerer Erklärungen, warum der Gesichtsschleier der muslimischen Frau nun unbedingt verboten werden müsse.

Als erstes wäre da zu nennen, dass durch das Verbieten dieser Kleidersitte Freiheit, Toleranz und Weltoffenheit gesichert würden, oder wie es Frau Julia Klöckner, ihres Zeichens stellvertretende Bundesvorsitzende der CDU, so schön formulierte: „Auch ein tolerantes Land muss kein intolerantes Frauenbild tolerieren!“ Ihrer Ansicht nach besteht dieses Frauenbild darin, „dass Frauen alleine wegen ihres Geschlechtes Anstoß erregen und sich deshalb verhängen und verstecken müssen“. Einmal abgesehen davon, dass dies mit Sicherheit nicht der theologische Hintergrund der Gesichtsverschleierung ist, stellt sich die Frage: Was wäre denn dabei, wenn eine Frau ihren Anblick als anstößig empfindet und sich deswegen verhüllt? Es soll auch dicke Menschen geben, die ihren Anblick als anstößig empfinden und daher beim Baden T-Shirts tragen oder öffentlichen Badeanstalten ganz fernbleiben. Wann wird die CDU da etwas unternehmen? Wo bleibt das T-Shirt-Verbot am Baggersee und die Badepflicht für Korpulente? Und was ist mit all den Frauen, die meinen sich allein aufgrund ihres Geschlechtes durch eine in entwürdigendem Maße aufreizende Kleidung als Sexualobjekten stilisieren zu müssen?

Weiter wird ins Feld geführt, dass die Frauen natürlich zum Tragen des Gesichtsschleiers gezwungen würden und ein Verbot ihnen somit helfe, sich diesem Zwang zu entziehen. Dass es mit dem Straftatbestand der Nötigung nach §240 StGB schon eine rechtliche Handhabe gegen einen solchen Zwang gäbe, scheint uninteressant zu sein. Stattdessen soll das vermeintliche Opfer selbst kriminalisiert werden. Eine seltsame Logik. Wenn man aber tatsächlich so überzeugt ist von diesem Ansatz Dinge zu verbieten, zu denen manche Menschen gezwungen werden, so sollte man möglicherweise mit dringlicheren Angelegenheiten beginnen. Wie wäre es etwa mit der Prostitution? Der Anteil der Frauen, die diesem „Beruf“ aus freien Stücken nachgehen, dürfte gegenüber jenen, die durch physische und psychische Gewalt dazu gezwungen werden, überschaubar sein. Aber statt eines Verbotes richten einige Städte lieber spezielle Drive-In-Koppulationsboxen ein.

Aber auch schon die Prämisse an sich, dass Zwang durch Vater oder Ehemann der Grund für das tragen des Gesichtsschleiers sei, hat mit der Realität nicht viel zu tun. Vollverschleierte Frauen findet man hauptsächlich im salafistischen Milieu, welches sich unbestritten größtenteils aus religiös Überzeugten rekrutiert. Familiärer Zwang zur Ehelichung eines Salafisten oder zum Tragen eines Gesichtsschleiers ist keine Wirklichkeit. Vielmehr stoßen Frauen, die den Wunsch haben ihrer Religion in dieser Form nachzugehen, oft auf heftigen Widerstand in ihren Familien.

Dies gesagt möchte ich allerdings eingestehen, dass auch ich eine Gefahr in der Vollverschleierung sehe, denn wie ich aus eigener Anschauung weiß, führt das Erblicken einer vollverschleierten Frau vor allem bei Seniorinnen zu unwillkürlichen Schüttelanfällen des Kopfes, begleitet von unverständlichem Gemurmel. Es erfüllt mich mit größter Sorge, dass eines Tages eine ältere Mitbürgerin im Angesicht einer Burka ihren Kopf so heftig schüttelt, dass sie sich dabei ernsthaft verletzt. Die CDU verhüt’s!

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9 Antworten auf “Burka-Verbot”

  1. Wunna

    Solange man mir nicht die Burka oder das Niquab aufzwingt, ist es mir wurscht, was andere Frauen FREIWILLIG tragen möchten. Die Betonung liegt auf freiwillig und auf erwachsene Frauen. Bei Kindern und minderjährigen Mädchen halte ich es für unangebracht, weil es meiner Meinung nach nur störend und lästig ist beim Spielen oder in der Schule.
    Man schaut zwar schon erst mal doof, wenn man Frauen im Niquab sieht, weil das einfach fremd und ungewohnt ist. Aber das macht man generell bei äußerlichen Auffälligkeiten.
    Ich bin für ein Burka- und Niquabverbot bei Minderjährigen, denn bei denen gehe ich davon aus, dass ihre Meinung sehr vom Elternhaus und dem Umfeld geprägt ist.

    „Wenn man aber tatsächlich so überzeugt ist von diesem Ansatz Dinge zu verbieten, zu denen manche Menschen gezwungen werden, so sollte man möglicherweise mit dringlicheren Angelegenheiten beginnen. Wie wäre es etwa mit der Prostitution?“
    Dem Argument kann ich mich anschließen. Bei einer Petition gegen Prostitution, Pornografie, Swingerklubs und Dominastudios hättet ihr sofort meine Stimme.
    (Aber wenn man dieses Argument anführt, sollte man auch kritisch gegenüber dem Koran sein. Was ist denn das Halten von Sexsklavinnen ? Ist das nicht auch Prostitution? Findet ihr das okay? Würde mich doch mal interessieren!)

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  2. Abdullah

    As-salāmu ´alaikum wa-raḥmatu Llāhi wa-barakātuh.

    Sehr schöne Satire!
    Wie der Freidenker Adreas Popp von der „Wissensmanufaktur“ feststellt, neigen Demokratien dazu, in Tyrannei zu entarten. In einigen westlichen Demokratien, wie der BRD oder der Französischen Republik, haben wir Beispiele dafür, wie eine nichtmuslimische Mehrheit die Minderheit der Muslime im mißbrauchten Namen von Freiheit und Demokratie zu tyrannisieren versucht.
    Die Muslime sollten sich jedoch ernsthaft Gedanken darüber machen, wie sie dem entgegenwirken können, da sie ansonsten immer mehr tyrannisiert werden. Es wirkt auf mich verachtungswürdig, wenn die männlichen Muslime ihre Schwestern mit diesem auf der Bekleidung beruhenden Problem die Last allein tragen lassen. Bisweilen kann man Touristen aus den arabischen Golfstaaten sehen, wo neben der voll verschleierten schwarz gekleideten Frau ihr männlicher Begleiter in Jeans, T-Shirt und barhäuptig einhergeht. Das paßt wie die Faust aufs Auge. Ein früherer Gelehrter der schāfi´itischen Rechtsschule, in der das Tragen eines Gesichtsschleiers (Niqāb) sehr empfohlen ist, schlug im Zuge der Gleichberechtigung (vor mehreren Jahrhunderten!) vor, auch von den Männern zu verlangen, ihr Gesicht zu bedecken. Ganz so weit brauchen wir nicht zu gehen, und es würde genügen, wenn die muslimischen Männer sich in der Öffentlichkeit in ihrer äußeren Erscheinung auch als Muslime zu erkennen gäben (es genügt schon ein kleines Mützchen), um derselben Belastung ausgesetzt zu sein wie ihre Schwestern. Zu solcher Solidarität reicht es bei den Muslimen anscheinend jedoch nicht.

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  3. Omar

    @Wunna….

    …Hi,also von Sexsklavinnen im Islam habe ich noch nie gehört.
    Ich weiss nicht woher du diesen Begriff hast….aber laut Quran und Sunnah gibt es sowas nicht.
    Solche Pratiken wie „Zeitehe“ gibt es nur bei der Shia (shiiten).
    Die lügnerische westpropaganda der Medien kommen auch gern mit diesen Begriff um ihre Hasspredigt noch dramatischer klingen zu lassen.

    Lg

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    • Wunna

      @ Omar

      Ich beziehe mich auf die Vorgänge im Islamischen Staat. Dass dort gefangene als unislamisch angesehene Frauen unter den Männern gegenseitig für Sexdienste verschachert werden, ist ja nun wirklich kein Geheimnis. Und im Koran ist daran auch nichts Verwerfliches zu sehen.
      LIES!
      Sure 33,52: „Dir sind fortan keine Weiber mehr erlaubt, noch darfst du für sie andre Gattinnen eintauschen, wenn dir auch ihre Schönheit gefällt, es sei denn für (die Sklavinnen,) die deine Rechte besitzt.

    • Wunna

      Fairerweise muss ich zwar anfügen, dass dies generell in Kriegen geschieht. Krieg ist halt scheiße.
      Aber auf den Islam werfen diese Vorgänge ein negatives Bild.

    • Pure Propaganda

      Bekanntlich drohen denen, die der Prostitution nachgehen und dem Handel damit drakonische Strafen im islamischen Rechtssystem des islamischen Staates. Der Terminus „Sexsklave/n“ ist und war verbunden mit mafiösen Strukturen, Prostitutionsringen in Europa und nicht mit dem islamischen Staat; man schaue hierzu mal die Schlachzeigen/Nachrichten der letzten Jahre einmal an. (In einer Zeit, wo die meisten Menschen nur noch ein Gedächtnis wie ein Fisch haben, ist dies wohl leider schon längst vergessen). Frauen und Mädchen aus ärmeren Teilen der Erde, mehrheitlich aus dem östlichen Europa werden zu Prostitutionszwecke in den vermeintlich wohlhabenden „Westen“ verschleppt und hier in Bordellen missbraucht. Diesen Frauen werden die Pässe weggenommen, viele dieser Frauen haben keinen legalen Aufenthaltsstatus. Wenn solche Zustände gleich vor der eigenen europäischen Türe herrschen, sollte man wohl den eigenen Missstand sehen und nicht einer Kriegspropaganda entnommenen Behauptung hinterherreden. Eine einfache Recherche diesbezüglich reichte schon aus, um die Kriegspropaganda zu entlarven. Demnach sind Bilder aus anderen Ländern, wo Schiiten ihre alljährlich abgehaltenen religiösen Zeremonien mit symbolisch angeketten Frauen zelebrieren, zu Propagandazwecke dem islamischen Staat zugeschrieben. Nicht mehr und nicht weniger. Die kranken Fantasien einiger sind manchmal schlimmer als die Realität.

  4. Aphelótes

    @ Abdullah: Du sprichst da eines der Dinge an, die bei diesem Thema für Probleme sorgen.
    Es ist nicht so, dass alle Niquab/Burka/sonstwas-Gegner alle verkappte Islamhasser sind (wobei das, wie man gerade mal wieder sehen kann, durchaus häufig ist), es ist auch eine Sache der Außenwahrnehmung.
    Wenn ich mich selbst als Beispiel nehme, so habe ich in meinem Leben schon unzählige verhüllte Frauen gesehen, im Grunde sieht man sie praktisch überall. Die Zahl der Männer jedoch, die eindeutig als Muslime zu erkennen waren, kann ich an beiden Händen abzählen.

    Eben das ist halt die Sache: Von Außenwahrnehmung her sehen die meisten Leute halt einfach das Bild, dass sich muslimische Frauen anscheinend an unzählige Einschränkungen etc halten müssen, während die Männer hingegen machen können was sie wollen, und genau das auch ausgiebig tun.
    Und von dieser Wahrnehmung aus ist der Schritt zum Bild der unterdrückten muslimischen Frau nicht mehr weit.

    @ Omar: Ich nehme an, dass bezieht sich auf die jüngere „Errungenschaft“ des IS: Die Wiedereinführung der Sklaverei und die damit verbundene Ironie, dass dort „Unzucht“ hart bestraft wird, aber es in Ordnung und sogar „staatlich empfohlen“ ist, sich für sexuelle Zwecke eine solche Sklavin anzuschaffen.

    Allgemein zum Thema:
    Das Traurige ist, dass solche kulturellen Argumentationen und Verbote in einem säkularen Staat gar nicht möglich sein sollten, doch die Untergrabung dessen ist seit jeher eine der konstanten Leitlinien seitens der CDU/CSU, die ihr veraltetes Bild von einem bürgerlich-christlichen Deutschland, in welchem Minarette nicht höher als Kirchtürme sein dürfen oder am besten gar nicht existieren, zerfallen sieht.
    Wie ja Frau Merkel im Oktober 2010 so schön gesagt hat, fühlen wir uns hier ja angeblich dem christlichen Menschenbild verbunden (was auch immer das sein mag), und wer das nicht akzeptiere, der gehöre hier auch nicht hin.
    Das ist toll, denn somit gehöre ich als geborener und ethnischer Deutscher offensichtlich nicht nach Deutschland, wenn es nach denen geht.

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  5. Übeltäter

    Gerne mehr Artikel, Tariq. Schon damals im Forum bewunderte ich deinen hohen Intellekt…

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  6. Saud

    Sehr schöner Beitrag, ich kann mich da nur anschließen, nicht dass sich noch alte Damen verletzten ;D

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