Leserzuschrift: Muslimische „Männer“ – taub, stumm und blind?

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Immer wieder lässt sich im Zusammenhang mit der Ehre und der körperlichen Unversehrtheit von Musliminnen eine traurige Erscheinung beobachten: Viel muslimische Männer zeigen viel Schutzbedürfnis im Bezug auf die eigene Gattin oder Schwestern oder Töchter. Auch wird gerne mordsmäßig gegen Kuffâr oder muslimische Gegner geschimpft, wenn diese Musliminnen und ihre Ehre unrechtmäßig berühren. Ist jedoch das Opfer nicht so nah und entspricht der Täter keinem klassischen Feindbild (US-Soldat, Ami-Drohne, Hindu-Fanatiker, Nazi usw.usf.) handelt es sich gar um ein Familienmitglied der verletzten Muslima, so sieht die Sache ganz anders aus und das Engagement eines großen Teils der muslimischen „Männer“welt verdunstet entweder ins Nichts oder dreht sich gar um: Musel-Man(n) übt sich dann bisweilen auch gerne in victim blaming, „killing the messenger“ und schlimmerem.
Unsere Schwestern haben dort, wa-l-hamdu liLlâh, gesündere Instinkte. Aus Anlass meiner Befassung mit dem Thema Missbrauch und Misshandlung unter Muslimen habe ich eine Leserzuschrift erhalten, aus der ich im folgenden wesentliche Teile zitieren möchte.




Bismi_Llâhi_r-Rah°mâni_r-Rah°îm

Wa-l_h°amdu li-Llâhi Rabbi_l-3âlamîn(a), wa-s°alâtu_Llâhi wa-salâmuhû 3alâ rasûlihi_l-karîm(i).
Ash.hadu an lâ ilâha illâ_Llâh(u) wa-anna sayyidanâ Muh°ammadan 3abduhû wa-rasûluh(û).
As-Salâmu 3alaykum wa-rah°matu_Llâh.


Aus einer Zuschrift einer Leserin


„Liebe muslimische Männer: Was tut IHR um sexueller Belästigung und Gewalt vorzubeugen? Interessiere mich insb. für wirklich so vorgefallene Beispiele und Geschichten aus dem wirklichen Leben.“ Diese Frage einer Muslima wird in einem Eurer Artikel – „Für das Rechte einstehen“ – zitiert. Ich habe etwas länger darüber nachgedacht und die von ihr explizit an muslimische Männer gerichtete Frage kann ich nur als große Ironie empfinden, und die Nichtexistenz von Kommentaren unter diesem Artikel bestätigen dies: Es ist doch eine Tatsache, dass in der Regel viele muslimische Männer eher Gewalt anwenden, statt etwas gegen Gewalt, sexuellen Missbrauch und solche Dinge zu unternehmen.

Kürzlich erst habe ich mir einen englischen Dokumentarfilm über „Häusliche Gewalt“ in muslimischen Familien angeschaut. Darin sagte die Mitarbeiterin einer Hotline, die extra für von häuslicher Gewalt betroffene Musliminnen eingerichtet worden ist, ungefähr:

„In der Regel leben Frauen aus Asien bzw. muslimische Frauen 10 Jahre länger mit solch einem Missbrauch, Gewalt etc. als europäische Frauen.“

Diese Aussage macht klar, in was für einer katastrophalen Lage sich unsere Gesellschaftsstrukturen befinden: Es wird geduldet, es ist normal. Ab und an misshandelt zu werden, sollte jede Frau in Kauf nehmen. Da man vielleicht sogar miterlebt hat, wie der eigene Vater die eigene Mutter verprügelt hat, wird man es nicht einmal wagen, es wirklich anzusprechen, da dies ja in der Regel fast alle Frauen durchmachen: Wer bin dann ich, darin auf einmal ein Problem zu sehen?

Natürlich ist der in diesem Dokumentarfilm beispielhaft und detailliert geschilderte Fall kein Einzelschicksal, ganz im Gegenteil. Das weiß ich leider auch aus persönlicher nähere Umgebung, und dazu leider eine „passende“ Geschichte:

An manchen Tagen bringe ich ein kleines Mädchen aus der Nachbarschaft zur Schule (sie besucht die erste Klasse), wenn ihre hochschwangere Mutter (welche sonst noch zwei kleine Kinder zuhause hat) es nicht schafft, alle aufzuwecken, anzuziehen, zu beruhigen etc., und dazu kommt noch ihre morgendliche Übelkeit, springe ich ein.

Neulich auf dem Schulweg erzählte mir das Kind: „Tante, manchmal verstehe ich Erwachsene nicht.“ Ich fragt sie darauf hin, was sie genau meine. Ihre Antwort ist einfach nur traurig, und es bleibt die Frage, was antworte ich so einem kleinen Wesen; sie sagte:

„Manchmal ruft Papa uns Habibi und ist ganz lieb zu uns, manchmal aber schlägt er mich, dann weine ich, wenn ich weine, liebt er mich doch aber nicht? Und Mama liebt er auch nicht, weil er Mama oft schlägt, dann weint Mama immer und sagt mir, ich soll das bitte niemanden sagen, also du darfst es Mama auch nicht sagen, dass ich es dir gesagt habe, aber warum macht Papa das jetzt, liebt er uns oder nicht?“

Das ist nicht irgendwo in Afghanistan oder in Timbuktu (was es natürlich nicht weniger schlimm machen würde), das findet in meiner Nachbarschaft statt, und ein Kind muss das verkünden. Wir sind schon so weit, dass ein Kind damit aufwächst, Misshandlungen als normal, wenn nicht sogar gerechtfertigt zu sehen. Diese Taten zerstören nicht nur das Opfer selbst, sondern unmittelbar auch die Kinder.

Leider ist es nicht das einzige Beispiel, das ich kenne. Eine Schwester erzählt mir:

„Auch ich kann davon ein Lied singen. Es gab Tage, an denen mein Vater auf meine Mutter einschlug, zwar ging mein großer Bruder meist dazwischen und stellte sich schützen vor meine Mutter, wir anderen verkrochen uns jedoch in die Ecke des Zimmers und fingen fürchterlich an zu weinen. Und meine Mutter sagte Sätze wie : ‚Schlag mich nicht vor den Kindern!‘, sie sagte aber nie: ‚Schlag mich nicht.‘ Das habe ich nie verstanden. Es kam nicht oft vor, dass mein Vater handgreiflich wurde, wenn er es jedoch wurde (in meiner Erinnerung mindestens 3mal), dann ziemlich heftig, und nicht ein einziges Mal sprach meine Mutter darüber. Selbst als ich schon älter war und man mit mir hätte sprechen können, blockte sie vollkommen ab, ließ meine Nähe nicht zu und beendete das Gespräch mit der Erklärung: ‚Mein Kind, nach fast 20 Jahren Ehe ist das normal, dass so etwas vorkommt. Ich hoffe das du dies nie erleben musst, es ist aber normal und in ein paar Tage schon wieder vergessen.‘ Zwar entschuldigte sich mein Vater dann immer für die Taten, aber nur mit Worten wie ‚In dem Moment sah ich wegen deines Verhaltens nur rot.‘ „

Ich bin mir sicher, nein: ich weiß, so läuft es in vielen Familien ab. Die Frau schiebt sich am Ende noch selbst die Schuld in die Schuhe und reflektiert, was sie falsch gemacht haben könnte, der Mann jedoch hatte einen Moment der Wut, er sei ein Mann, manchmal müsse das einfach raus usw.

Als ich dieses Jahr in der Heimat war und von meinen Tanten, Bekannten und meiner Oma häusliche Gewalt thematisiert wurde, so meinten alle, das sei zwar traurig und sollte nicht sein, jedoch habe der Mann ja diese und jene Eigenschaft, die hingegen ganz wunderbar sei, wenn er dann auch mal einen schlechten Tag hat, müsse man den ein oder anderen Schlag halt mal hinnehmen.

Das traurigste: NIEMAND WIDERSPRACH! Keine einzige. Das bedeutet, einige Frauen tragen aus verschiedenen Gründen dazu bei, dass es mit diesen Taten nicht aufhört. Ich frage euch an dieser Stelle:

Was will man da schon Großartiges unternehmen?

Was können wir schon Großartiges unternehmen?

Diese Passivität, diese Art, sich selbst in die Opferrolle verfrachten, führt dazu, dass Täter immer weiter machen. Meiner Meinung nach wäre der erste Startpunkt, diesen Frauen zu erklären, dass sie sich das nicht gefallen lassen dürfen, und diese extreme Passivität und regelrechte Gleichgültigkeit aufhören muss. So ein Mann wird ohne jeglichen Eingriff von außen doch niemals sein Verhalten ändern oder auch nur überdenken. Wenn man nichts tut und es jedes Mal und immer und ewig hinnimmt, wird sich nie etwas ändern. So ein Mann ändert sich nicht einfach so.

Alleine diesem kleinen Mädchen zuliebe ist es einer der wichtigsten Aufgabe, Aufklärungsarbeit zu leisten: Es sollte in allen Moscheen, Foren, Predigen, Schwesterntreffpunkten etc. thematisiert werden, dass Allah (swt.) der Frau Rechte und Schutz gegeben hat. Und wer ist bitteschön der Mann, dass er ihr diese Rechte entziehen und mit Füßen, wie ein Tyrann darauf, herumtrampeln darf, und er nie und von niemandem zur Rechenschaft gezogen wird? Nicht im Westen noch im Osten? Er kann es immer und immer wieder tun, nur weil er ein Mann ist? Ernsthaft?

Und dann die sexuellen Übergriffe auf viele Schwestern, von denen ich gelesen habe. Selbst an den heiligsten Gebetsstätten! La hawla wa-la quwwata illa biLlah!

Das bedeutet, mittlerweile sind wir in einer Zeit angekommen, in der nicht einmal ein Niqab vollkommenen Schutz gewährleisten kann, weil einige Männer ein verdorbene und gänzlich geisteskranke Sexualität haben. Von der Erzählung vom ‚religiösen‘ Vater, der der eigenen Tochter in ihren Intimbereich fasst und dabei noch über Hadithe spricht, über den Koranlehrer, der beim Unterricht seine heranwachsende Schülerin unter dem Tisch mit dem Finger vergewaltigt, bis hin zu gottlosen Menschen, welche selbst vor der Ka’bah keinerlei Funken Taqwa in ihren Herzen spüren und ihr erbärmliches Glied an einige Frauen drücken, löst das alles in einem die Frage aus:

Wie kann das nicht längst eins der meist diskutierten Themen sein?

Wieso werden nicht endlich von den Gesellschaften und Regierungen harte, sehr harte Strafmaßnahmen vollzogen?

Ich verstehe es einfach nicht, es ist doch so offenkundig: Missbrauch in jeglicher Form, ist eins der größten sozialen Probleme heutzutage und jeder ‚Kleinstverbrecher‘ muss wegen seiner Tat mehr bangen, als ein Sexualstraftäter (und sogar ein mehrfacher).

Mehrere Aussagen in den Berichten haben mich schockiert, aber diese aus einem Saudi-Arabien-Artikel ist mir besonders im Gedächtnis geblieben:

„One of the principal’s stories [was about] a young girl at her school who was the target of persistent sexual abuse by one of her brothers. The principal […] called the mother in and said, „Do you know what your son is doing?‘ And the mother said, ‚Yes, well, better that he do it to her than he do it to a stranger.‘ “

[Eine der Geschichten der Schulleiterin [handelte von] einem jungen Mädchen, das immer wieder sexuellem Missbrauch durch einen ihrer Brüder zum Opfer fiel. Die Rektorin zitierte die Mutter zu sich und sagte ihr: „Wissen Sie, was Ihr Sohn da treibt?“ Und die Mutter erwiderte: „Ja, schon, aber doch besser, dass er es ihr als irgendeiner Fremden antut.“]

Was für eine Mutter muss man sein, um so etwas zu sagen? Was für eine Entschuldigung will solch eine Mutter am Tage der Auferstehung vorbringen?

Ich musste nach diesem Satz erst einmal ein paar Minuten Pause machen. Was hat solch ein betroffenes Kind noch, wenn nicht einmal die eigene Mutter für sie einsteht?

Das heißt beide Seiten, viele Männer sowie nicht wenige Frauen, tragen dazu bei, dass es ist, wie es ist. Und das ohne jegliche Scham oder Angst vor Allah (swt.): All dies berichten sie, als ob sie über ein Rezept oder die aktuellste Folge der Lieblingsserie berichten würden.

Euer Autor Zia schrieb in seinem Artikel „Ukhti-Guide“:

„Diese Typen wollen tatsächlich einen Preis dafür haben, dass sie noch nicht zu Grabschern und Vergewaltigern geworden sind!“

Diese Typen hier möchten in der Tat genau dafür einen Preis, oder noch schlimmer: einen Preis für: „Immerhin habe ich sie nach dem Missbrauch nicht ermordet!“, oder: „Soll sie mal froh sein, sie darf weiterhin mein Klo putzen und soll sich geehrt fühlen, dass ICH sie überhaupt begehre und meine Hände sie berühren!“ Und manche Mutter (bitte, ya Allah, lass dies die absolute Ausnahme sein), ja: mindestens eine Mutter erkennt diesen Preis keinem „stranger“, sondern dem eigenen Sohn als Vergewaltiger seiner Schwester zu, da er sich zurückgehalten und es keiner Fremden, sondern eben ihrem eigenen Kind angetan habe… Welche noble Zurückhaltung, welche mütterliche Sorge…

Kann ich Dir an dieser Stelle überhaupt meine Meinung mitteilen? Ich habe keine Meinung, nur tiefste Verachtung und Mitleid.

Nach all dem macht mir die Ohnmacht zu schaffen, dieses Gefühl, aber auch gar nichts ausrichten zu können.

Wie soll man  Kinder in so eine Welt, eine solche Ummah setzen, muss man nicht ständig Angst haben, sein Kind nicht richtig schützen zu können?

Wir haben so ein großes Problem und die ‚Ulama‘ werden immer noch angefragt, ob es Haram ist, sich ein Piercing stechen zulassen, oder man bei Aldi Fleisch kaufen kann…

Wie wollen die Schutzbefohlenen sich vor Allah (swt.) raus reden?

Und die Führer und die Gelehrten und die Brüder und Väter…. und ich? Und jeder und jede einzelne?

Wir müssen wirklich irgendetwas tun, sei es, dass wir nur ein einziges Kind oder eine einzige Schwester befreien. Bitte lasst uns etwas tun, es gibt doch sicher noch aufrichtige, intelligente Muslime: bitte lasst uns etwas einfallen. Diese Aufgabe verdient doch unsere volle Aufmerksamkeit, Zeit, Mitgefühl und auch Geld, damit wir zumindest eine minimale Veränderung erzielen, zumindest für einige Geschwister. Egal was Geschwister hier an guter Arbeit organisieren und in die Wege leiten, müssen wir ihnen doch unsere Solidarität und Mitwirken zusichern – oder selber besseres machen.

Wir Muslime heutzutage sollen die Ummah sein, für die der Gesandte Allahs (saS) Fürsprache einlegt, wir? Uns interessiert es nicht einmal, wie es dem Nachbarn geht.

UNS INTERESSIERT ES DOCH NICHT EINMAL, WIE ES UNSEREM EIGENEN KIND GEHT.

Damals, zur Zeit der Sahâbah (ra) zogen ganz Heere los, um eine einzige Schwester aus ihrer Situation zu befreien und heute, heute trägt das ‚barmherzigste‘ Geschöpf, eine Mutter (!), zu all dem Übel bei.

Es tut mir leid, ich wollte eigentlich einen relativ objektiven Brief schreiben und habe geglaubt, das auch zu schaffen, da lag ich wohl falsch. Nicht mal eine passende Du’aa, welche sich gegen all dieses Elend richten soll, fällt mir ein.

Wir sind verpflichtet irgendetwas zu unternehmen, wir müssen unsere Fokus als deutsche Muslime in nächster Zeit etwas umlenken.

Ich weiß nicht, was ich noch schreiben soll, ich sitze bestimmt seit drei Stunden an diesem Thema und komme nicht zurande damit. Ich beende diesen Brief jetzt am besten und versuche erst einmal, meine Ruhe im Gebet wiederzufinden.

Denn das Gebet ist wahrlich ein Zufluchtsort vor all dem Übel dieser Menschen.


Ich, Abdussalam, weiß ich auch nicht, was ich unserer Schwester antworten soll: Was tun wir Männer in der Tat, damit das alles ein Ende hat?! damit es zumindest eingedämmt wird?! damit weniger muslimische Jungen, Mädchen und Frauen zu Opfern von muslimischen Männern werden?! damit die Gemeinschaft endlich einmal systematisch den Opfern von Missbrauch und Misshandlung in angemessener Weise zur Seite steht?!

Ich hoffe im Bezug auf diesen Artikel in der Tat auf mehr konstruktive Zuschriften. Es kann doch nicht sein, dass die muslimischen Männer als Kollektiv so lächerlich versagen. Wenigstens der einzelne sollte doch „Löwe“ oder eigentlich nur Mensch und Ehrenmann genug sein, um sich von den Fragen der Schwester angesprochen zu fühlen. Ich lade auch alle Musliminnen herzlich ein, den Aufruf der Schwester hier durch Zuschriften im Kommentarbereich oder Email-Leserbrief an mich zu unterstützen.

Und komme mir keiner damit, die Frauen trügen doch auch reichlich Schuld. Bitte schön: welche denn? Das schlimmste an weiblicher Schuld, das mir einfällt: Dass solch erbärmliche Wichte wie die Täter und solche Waschlappen wie die rückgratlosen Komplizen (durch Nichtstun Komplizen) erziehen, in viel zu massenhafter Weise. Solche Mütter gibt es sicher noch zuviele, aber das ist gewiss mit dem männlichen Teil der Verantwortung kaum zu vergleichen.


Unsere Schwester, die diese Zuschrift verfasste, hat völlig Recht:

Muslimische Männer müssen endlich aufstehen und Verantwortung übernehmen.

Schluss mit der moralischen Feigheit, es ist Zeit für Zivilcourage.

Denn so kann es nicht bleiben. Möge Allah (swt) uns alle rechtleiten.


Wer konstruktiv kommentieren möchte, ist hiermit herzlich dazu eingeladen, beachte aber den unter den Links stehenden „Warnhinweis für Kommentatoren“. Normaldenkenden und -fühlenden, sensiblen Menschen wird ganz sicher bewusst sein, dass ich mit unsensiblen Kommentaren hier und auf der FB-Seite zu diesem Beitrag ziemlich streng umgehen werde; alle anderen Leser sind mir eigentlich auch und gerade angesichts der Thematik ziemlich egal.

 

Die von der Verfasserin der Zuschrift verlinkten Beiträge:

„Should We Talk about Sexual Harassment Among Muslims?“ von Zainab bint Younus,

siehe auch dazu übersetzte Zitate aus dem Artikel hier und hier

„Sisters in Law – Saudi Women realize their rights“ von Katherine Zoepf aus dem New Yorker

„Sexual Abuse must be eradicated“ von Ajmal Masrour, siehe auch eine Teilübersetzung hier.

 

Warnhinweis für Kommentatoren:

Unflätige Kommentare mit Beschimpfungen und Beschuldigungen werden nicht oder nur gekürzt freigeschaltet bzw. auf der FB-Seite nach meinem Belieben gelöscht. Wer dies für Zensur hält oder Meinungsfreiheit einklagen möchte, soll sich bitte überprüfen, ob er/sie zu jenen Geschwistern zählt, die sowieso meinen, dass „Meinungsfreiheit nicht zum Islam gehört“, und insofern entsprechende Zensur-Vorwürfe einfach hinunterschlucken.
Den Anweisungen des Platzwartes, also meist meiner Wenigkeit, ist unbedingt Folge zu leisten. Dies ist kein öffentlicher Raum, sondern unser Blog bzw. unsere Seite. Allah (swt) hat uns dies als Verantwortungsbereich übertragen, den wir nach unserem besten Wissen und Gewissen verwalten.
Wer einfach nicht verstehen mag, warum ich bestimmte Dinge lösche, kann sich auch jenseits dieses Hinweises gerne einen Artikel durchlesen, den ich zu diesem Thema einmal verfasst habe. Ferner kann er in diesem Artikel, sowie hier, hier und hier unten dazu Erläuterungen studieren.
Überdies bitte ich alle Nutzer, sich einmal an meine Stelle zu imaginieren, also ihren geplanten bzw. eingestellten oder gelöschten Kommentar von meiner Warte aus zu betrachten, nicht von der ihres Hack(TM) (denn, wie wir ja alle wissen, haben ALLE Muslime Weisheit und Hack mit Löffeln gefressen, leider nur allzu häufig je verschiedene und untereinander inkompatible Versionen der beiden): Wenn sie dann feststellen müssen, dass sie an meiner Stelle den Kommentar der Form nach unangemessen fänden, sollten sie ihn entweder, wenn noch möglich, unterlassen bzw. dementsprechend abändern, bzw., falls sie ihn unklugerweise eingestellt haben, sich nicht über negative Reaktionen inkl. Zensur wundern. Den Hadith dazu findet man hier.

Das Kommentarfeld hier bzw. unter dem FB-Beitrag zum Artikel ist insb. kein Austragungsort für die Begleichung persönlicher Rechnungen, insb. nicht in Bezug auf Dritte. Außerdem behalte ich mir vor, Kommentare, die sich nicht inhaltlich auf den Artikel oder die darin angesprochenen Themen beziehen, kommentarlos zu löschen.

Insbesondere möchte ich alle Kommentatoren dringendst bitten, die Kommentare hier auf dem Blog (außer in einer Rede und Widerrede in engem zeitlichem Rahmen, einem echten Dialog also) immer mit dem Friedensgruß, und dies auch explizit als Antwort auf meinen zu Beginn und Ende des Artikels, zu beginnen. Danke.

Beschwerden, die per Email an mich eingereicht werden, werden immer gerne bearbeitet, auf Wunsch auch an Zia, den Oberadministrator, weitergeleitet.

Besten Dank an alle Nutzer für ihr Verständnis und ihre Mitarbeit, auch im voraus.

 

Wa-Llâhu a3lamu dâ’iman wa-nastagfiru_Llâha wa-natûbu ilayh(i).
Wa-s-Salâm.

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9 Antworten auf “Leserzuschrift: Muslimische „Männer“ – taub, stumm und blind?”

  1. Abdussalam bin Abdillah

    Abdussalam bin Abdillah


    BismiLlâhi_r-Rahmâni_r-Rahîm
    As-Salâmu `alaykum wa-rahmatuLlâh

    In diesem Kommentarstrang möchte ich einzelne Zitate aus Artikeln, die die Leserin in ihrer Zuschrift verlinkt hat, im englischen Original und deutscher Übersetzung zitieren, und zwar:

    – 3 Fälle sexueller Belästigung an den Heiligen Stätten

    – Missbrauch einer jugendlichen Muslima durch ihren Vater, einen Shaykh

    – Missbrauch eines muslimischen Teenagers durch den Koranlehrer


    Antworten
    • Abdussalam bin Abdillah

      Abdussalam bin Abdillah


      Von der Tochter eines islamischen Gelehrten:

      „I remember this clearly: once he asked me whether I shaved my pubic hair and when I didn’t answer, stuck his hand inside my underwear to check. He wasn’t pleased that there was stubble down there and told me that shaving pubic hair is part of Fitrah and quoted a Hadith as an authority to back him up. While he was doing so, he was touching inside my labia with his fingers. He told me that women had a strong odour that men found to be unpleasant. He told me some women had a stronger smell than others, that Mother had a strong smell, too, and that he expected me to have a strong smell just like her. Then he asked me for a kiss.“

      „Ich erinnere mich noch ganz genau daran: Einmal fragte er mich, ob ich mein Schamhaar rasierte, und als ich keine Antwort gab, steckte er einfach seine Hand in meine Unterwäsche, um es zu überprüfen. Er war gar nicht zufrieden, dass ich dort Stoppeln hatte, und erklärte mir, dass es zur Fitrah gehöre, das Schamhaar zu rasieren, und zitierte noch einen Hadith als Beleg dafür. Während er dies tat, berührte er mich im Inneren meiner Schamlippen; er sagte mir, dass Frauen dort stark röchen und Männer dies unangenehm wäre. Und er sagte, dass manche Frauen dort einen stärkeren Geruch als andere aufwiesen und das meine Mutter dort auch stark röche, und dass er davon ausginge, dass ich dort genauso stark wie meine Mutter riechen würde. Dann bat er um einen Kuss.“

      Quelle: „Should We Talk about Sexual Harassment Among Muslims?“

    • Abdussalam bin Abdillah

      Abdussalam bin Abdillah


      Sexuelle Übergriffe in Mekka und Medinah
      (Aus: „Should We Talk about Sexual Harassment Among Muslims?“) von Zainab b.Y.

      M.V.: „I once had the unpleasant experience of a man who kept coming up behind me during the tawaaf and pressing himself against me. I would move to the inside and he would follow. Move to the outer circle and he was there brushing against me. It wasn’t even such a full tawaaf that there wasn’t space to walk comfortably. I left the tawaaf because I felt so disgusted and thought that it would bring me greater reward to leave. Had it not been for the nobleness of the surroundings and not to disturb the ibaadah of everyone else, I would have turned around to slap him and create a scene. I hate that he destroyed the sweetness of my tawaaf.“

      M.V.: „Einmal hatte ein ganz unangenehmes Erlebnis mit einem Mann der auf einmal im Tawaaf hinter auftauchte und sich an mich presste. Ich habe mich dann nach innen [auf einen Kreis kleineren Radius‘] bewegt, er ist mir gefolgt. Hab mich wieder mehr nach außen bewegt, und rieb er sich schon wieder an mir. Es war dabei gar nicht mal so voll, dass man nicht genügend Platz gehabt hätte, ganz bequem [mit Abstand zueinander] zu gehen. Ich bin dann aus dem Tawaaf hinausgegangen, weil ich mich so geekelt habe und auch glaubte, ich würde größeren Lohn zu erwarten haben, wenn ich jetzt wegginge. Wäre es nicht zuliebe des hohen Rangs dieses Ortes gewesen und [mir wichtig gewesen], nicht die ‚Ibaadah all der anderen Menschen zu stören, so hätte ich auf der Stelle umgedreht, ihm eine gelangt und eine richtige Szene gemacht. Es ist so schlimm, dass er die Süße meines Tawaaf kaputt gemacht hat.“

      Sister R: „I was definitely molested in the Middle of Tawaaf! I ended up telling my dad and he ended up making Tawaaf behind me and my cousin the rest of the trip. Men would press their junk up against us and it was intentional… It wasn’t that normal rush of people brush up because of congestion.“

      Schwester R.: „Ich wurde ohne Zweifel mitten im Tawaaf Opfer von [sexueller] Belästigung! Schließlich habe ich das meinem Vater gesagt, und ab dann ist er im Tawaaf hinter mir und meiner Cousine gelaufen, bis zum Ende unseres Aufenthalts. Irgendwelche Männer haben immer wieder ihren ‚Müll‘ gegen uns gedrückt, und zwar mit Absicht… Das war nicht das übliche kurzzeitige Gedrängel, wo sich die Menschen wegen des des plötzlichen Andrangs und der Enge aneinander reiben.“

      D. Um H: „In front of my parents in a shop in Madinah, I was wearing abaya and my little sister in my arms notwithstanding! In Medinah, my parents were shopping for a thawb for my father. The stall was tiny. The man was standing next to his merchandise, I sat on a stool with my little sister in my lap. I was sitting in between him and my parents as he pulled out thawbs to show them. At one point, he got close, while TALKING TO MY PARENTS AND SHOWING THEM A THAWB, he started pressing an erection into my side. I was wearing no makeup, a loose black abaya and I made no eye contact or anything with him.“

      D. Um H.: „Sogar vor meinen Eltern in einem Laden in Medinah, ich in Abaya und meine kleine Schwester auf dem Arm! In Medinah wollten meine Eltern eine ‚Thawb‘ für meinen Vater kaufen, das Lädchen war winzig. Der Mann stand bei seiner Ware, ich saß auf einem Hocker mit meiner kleinen Schwester auf dem Schoß. Ich saß zwischen ihm und meinen Eltern, während eine Gewand nach dem anderen herauszog, um es meinen Eltern zu zeigen. Auf einmal dann kam er mir plötzlich näher, und WÄHREND ER MIT MEINEN ELTERN SPRACH UND DIESEN EIN GEWAND VORFÜHRTE, drückte er auf einmal sein steifes Glied an meine Flanke. Ich war nicht geschminkt, trug eine weite Abaya und habe ihm kein einziges Mal in die Augen geschaut oder ähnliches.“

      Quelle: „Should We Talk about Sexual Harassment Among Muslims?“

    • Abdussalam bin Abdillah

      Abdussalam bin Abdillah


      Missbrauch eines Teenagers durch den Quranlehrer im Heimunterricht

      „It was my Quran teacher who used to sexually abuse me. He would teach my sister and me in our house. We used to sit around a table, I would sit next to him, he would have his hand under the table and on my lap first and then slowly it went further. He started touching me between my legs. At first I did not understand what was going on. I was too afraid of saying anything. Nobody would believe me. His hand kept on going higher and higher. Eventually his hands reached my private parts. I was numb with fear and embarrassment. He started doing things with his finger. … I feel dirty, violated and ashamed! … I think my body reacted to his touch. I was naive, young and inexperienced. I began to like his touch, I felt pleasure at his touch. I now know that I even had orgasms. I know this sounds twisted but that’s the truth. It became like a fix for me. On one hand I would have the Quran open on the table and I would be reading my assigned portion under his instructions but under the table something totally disgusting was going on. He was molesting me while teaching us the Quran. Can you imagine how filthy that man was. I can’t stop feeling really filthy in front of God even now. … How can I ever trust an Imam? How can I ever forgive myself for letting him do this to me? … I soon realised what he was doing was wrong. I wanted it to stop but there was no way of stopping it. I was afraid for my younger sister. I was worried that if I didn’t show up to our Quran study session one day he would do the same thing to my younger sister. So to protect her I kept on pretending it was all OK! … I was getting depressed, I was not able to focus on my school work, my behaviour changed. I was always moody and snappy at people. I didn’t know what was going on. At one point I even stopped eating regularly. My parents were worried but they did not know what was going on. I gathered enough strength to tell my mother. She hit the roof. She accused me of all sorts. She said I was lying, tarnishing an Imam, making excuses to not study the Quran. She even accused me of having boy friends, having loose character and messing around with them boys! I was saddened further and decided to never speak again. I was terrified of what she may do. If she told my dad, I was worried what he would do. I was now feeling guilty speaking out against this abuse. I was concerned that I may destroy my family. Mum told me never to say a single word of this to anyone ever. No one would believe me and it would bring great shame on the family. … My husband doesn’t know anything about this. He thinks I am depressed because I can’t get pregnant. That’s another issue…: I don’t enjoy sex with my husband. Sex feels extremely dirty. I usually take long showers to cleanse myself after sex. I feel disgusting. I know my husband loves me dearly but I can’t seem to love him back. I am numb from inside. I can not bring myself to read the Quran either.“

      „Es war mein Koranlehrer, der mich sexuell missbraucht hat. Er gab mir und meiner Schwester immer Unterricht bei uns zuhause. Wir saßen an einem Tisch, ich neben ihm; er ging dann mit seiner Hand unter den Tisch, erst auf meinen Schoß und dann langsam immer weiter. Dann fing er an, mich zwischen meinen Beinen zu berühren. Erst verstand ich gar, was los war. Ich hatte einfach zuviel Angst, um irgendetwas zu sagen. Es würde mir doch niemand glauben. Seine Hand wanderte immer höher und höher. Schließlich erreichte sie meine intimen Regionen. Ich war völlig benommen vor Angst und Scham. Und dann machte er Sachen mit seinem Finger… Ich fühle mich so schmutzig, vergewaltigt und schäme mich so! … Ich glaube, mein Körper hat auf die Berührung reagiert. Ich war so jung, naiv und unerfahren. Mir fingen seine Berührungen zu gefallen an. Heute weiß ich, dass ich sogar Höhepunkte hatte, ich weiß, dass das pervers klingt, aber das war wirklich so. Ich würde regelrecht süchtig danach. Auf der einen Seite lag immer der Quran aufgeschlagen vor mir auf dem Tisch und ich las daraus mein Stück unter seiner Anleitung, aber unter dem Tisch geschah derweil etwas richtig abartiges. Er missbrauchte mich, während er uns gleichzeitig Quran unterrichtete. Können Sie sich vorstellen, wie schmutzig dieser Mann war? Ich fühle mich so schmutzig vor Allah (swt), auch heute, und kann gar nicht anders. … Wie soll ich je wieder einem Imam vertrauen? Wie kann ich mir je verzeihen, dass ich zugelassen habe, dass er mir das antut? … Schon bald war mir klar, dass das absolut falsch war, was er tat. Ich wollte, dass es aufhört, aber es gab keine Möglichkeit, das zu stoppen. Ich hatte auch um meine jüngere Schwester Angst. Ich machte mir Sorgen, dass er, sollte ich eines Tages nicht zu unserem Koranunterricht erscheinen, er meiner kleineren Schwester das Gleiche antun würde. Um sie zu schützen, tat ich einfach so, als wäre alles in Ordnung. … Dann bekam ich Depressionen, konnte mich auch nicht mehr auf die Schule konzentrieren, und mein Verhalten wurde komisch. Ich war immer launisch und widerborstig zu allen Leuten. Ich wusste auch gar nicht, was mit mir los war. Und dann aß ich irgendwann auch nicht mehr regelmäßig. Meine Eltern machten sich natürlich Sorgen, aber ihnen war gar nicht klar, was da ablief. Dann sammelte ich meinen ganzen Mut und erzählte es meiner Mutter. Die ging sofort an die Decke, beschuldigte mich aller möglichen Dinge: Sagte, ich lüge nur, wolle nur den Ruf eines Imams in den Schmutz ziehen und suche nur eine billige Entschuldigung, um nicht am Koranunterricht teilnehmen zu müssen. Sie beschuldigte mich sogar des Umgangs mit Jungs, dass ich lockere Sitten hätte und mit denen schlimme Sachen machte! Dies verstärkte nur meine Depression und ich entschloss mich, nie, nie wieder den Mund aufzumachen. Ich war starr vor Angst, was sie wohl unternehmen würde. Wenn sie das meinem Vater erzählte, was würde der bloß dann machen, sorgte ich mich. Jetzt fühlte ich mich auch schuldig, weil ich meinen Mund aufgemacht und den Missbrauch erwähnt hatte. Ich machte mir Sorgen, ich könnte damit meine Familie zerstören. Meine Mutter wies mich an, nie auch nur zu irgendjemand ein Wort darüber zu verlieren. Es würde mir eh niemand glauben und es würde große Schande über die Familie bringen. … Mein Ehemann weiß davon gar nichts. Er führt meine Depressionen darauf zurück, dass ich einfach nicht schwanger werde. Das ist noch sein Thema: Ich habe keinerlei Freude am Sex mit meinem Mann. Das fühlt sich alles so schmutzig an. Ich muss danach immer so lange duschen, um mich sauber zu fühlen. Ich ekle mich vor mir selber. Ich weiß, dass mein Mann mich innig liebt, aber irgendwie kann ich die Liebe gar nicht erwidern. Ich bin so gefühllos in mir drin, wie taub. Ich kann mich auch nicht überwinden, Quran zu lesen.“

      (Quelle: „Sexual Abuse must be eradicated“)
      https://www.facebook.com/ajmal.masroor.7/posts/10155827365139439

  2. Catherine

    As-salamu aleikum wa rahmatulLahi wa barakatuh.

    Erschütternd, subhanAllah!

    Nur zwei kurze Überlegungen von mir an dieser Stelle:
    In einem ersten Schritt sollten wir vielleicht anfangen, unsere Vorstellungen von Privatsphäre bzw. über das „Eindringen“ in dieselbe zu überdenken. Evtl. hat ja ein islamrechtlich ausreichend gebildeter Mensch Zeit und Muße, über die Bedeutung der betreffenden Verse in Sure al-Hujjurat im Sinne einer alltagspraktischen Handhabung zu informieren.
    Zudem muss das Thema Ehe- und Familienrecht viel stärker in der Öffentlichkeit gebracht werden. Und zwar bitte nicht in Form einer dieser unsäglichen Fatwa-Sammlungen“ vom „Team Unaiza“.

    Zweitens: Der lokale und kulturelle Hintergrund der oben beschriebenen Fälle legt den Verdacht einigermaßen nahe, dass eine rigide Geschlechtertrennung samt standardmäßiger Vollverschleierung und „Purdah“ zu solchen pathologischen Auswüchsen männlicher Sexualität führt.

    Antworten
    • Aisha b.A

      Aisha b.A

      As-salamu aleykum wa-rahmatuLlah wa barakatuh.

      Erst einmal jazakiLlahu khayran für Deinen Kommentar.

      Ich, als Teammitglied dieses Blogs, finde Deine Überlegungen ausgesprochen interessant und auch wichtig. Deshalb würde ich Dir gerne vorschlagen, dass wir uns vielleicht mal über diese Punkte austauschen, gerne über die von Dir angegebene Mail-Adresse, wenn Du erlaubst.

      Allgemein bist Du schon unter vielen Artikeln positiv aufgefallen, und ein persönlicher Kontakt würde mich sehr freuen, da kann man solche Themen meiner Ansicht nach auch viel besser besprechen.

      Sag mir was Du davon hältst. Falls Du einen Kommentar mit dem Hinweis „Privat – Nicht freischalten!“ versiehst, erreicht dieser nur die Redaktion und bleibt vertraulich.

      JazakiLlahu khayran

      Wa-s-Salam
      Aisha bint Ali

  3. Gästin

    Asselamu alaykom,

    ein Thema, das die vollste Aufmerksamkeit verdient! Leider ist das traurige Realität, was die Autorin in diesem Artikel thematisiert. Eine Story ist schlimmer als die andere. Wenn die Kinder nicht einmal von ihren Eltern ernst genommen werden, was bleibt ihnen dann noch übrig?! Die Artikel haben mich zutiefst schockiert.

    Häusliche Gewalt und sexuelle Übergriffe werden in muslimischen Gesellschaften immer noch totgeschwiegen. Es gibt sicherlich die eine oder andere Initiative, die sich damit beschäftigt, aber in der breiten Masse scheinen sie keine weitere Unterstützung in der Bevölkerung zu bekommen.

    Zitat: „Die Frau schiebt sich am Ende noch selbst die Schuld in die Schuhe und reflektiert, was sie falsch gemacht haben könnte, der Mann jedoch hatte einen Moment der Wut, er sei ein Mann, manchmal müsse das einfach raus usw.“
    Das ist normal – Wenn aber die Frau „im Moment der Wut“ ein falsches Wort über die Lippen bringt oder ihren Ton erhört, dann droht der Mann mit der Scheidung oder spricht diese sofort aus. Noch trauriger ist es, dass in einigen Fatwas, die ich gelesen/gehört habe, der Frau angeraten wird die Misshandlungen standhaft zu erdulden, solange der Mann betet und fastet und seinen sonstige Pflichten nachgeht. Dann sei ja alles in Ordnung. Die Frau ist also dazu verdammt in einer unglücklichen Ehe zu leben und misshandelt zu werden. Welch ehrenhaftes Leben! Die Frau geht doch unter diesen Umständen psychisch zugrunde. Wie sollen dann die Kinder eine gesunde Erziehung erfahren?

    Aber was kann man dagegen unternehmen? Was können die Männer präventiv dagegen unternehmen? Mich interessiert es brennend, was die männliche Leserschaft dazu äußert.

    Ist es nicht so, dass jeder Versuch den Frauen ihre von Gott gewährten Rechten „zurückzuerobern“ als „feministisches Gedankengut“ abgestempelt wird, das nur Übel und Unheil mit sich bringt? Es ist ein langer Weg bis wir dahin zurückkehren, womit unser Prophet Sehen und Heil seien auf Ihn gekommen ist.
    Zitat: „So ein Mann ändert sich nicht einfach so.“ Dem stimmte ich zu. Ich erachte es heutzutage noch als zu schwierig, dass der männliche Teil der muslimischen Gesellschaft, der Gewalt an Frauen für islamisch legitim betrachtet, sich von einem gewaltfreien Umgang mit dem anderen Geschlecht überzeugen lässt. Dazu ist mehr nötig. Es beginnt zu aller erst in der Erziehung und in der Vermittlung von Normen und Werten in der Familie sowie in der Gesellschaft, in Moscheen und Bildungseinrichtungn, um ein Umdenken anzusteuern.
    Wie auch im Artikel erwähnt wurde, tragen auch die Frauen zu diesen Missständen bei. Nicht nur durch ihr Schweigen, das Tolerieren dieser Taten und die Tabuisierung des Themas generell, sondern auch und gerade durch deren Erziehungsstil. Die Söhne werden wie Prinzen behandelt und zu Machos erzogen und die Töchter zu braven gefügigen Mädchen, die diesen Machos zu dienen haben. Die Väter unterstützen diese Art der Erziehung. Das Resultat sehen wir heute! Diese Mentalität wird von Opfer an Opfer weitervererbt. Aber für die Erziehung ist der Mann ebenso verantwortlich. Wo bleibt seine Unterstützung?! Wo sind die Männer, die sich in der Verantwortung sehen, etwas gegen Gewalt zu unternehmen?!

    Leider ist es auch so, dass selbst die Frauen die Gewalt ausgesetzt sind ebenfalls Gewalt an Ihre Kinder ausüben. Das Schlagen der Kinder wird in vielen muslimischen Familien – egal ob in Asien, Nordafrika oder Europa lebend – als notwendig und legitim betrachtet. Und die Frau, selbst nicht von häuslicher Gewalt betroffen, aber sichtlich empört über derartige Berichte, wendet selbst Gewalt an ihre Kinder an, wenn diese mal „unartig“ sind. Was sind das für Verhältnisse? Eine erwachsene Frau, weiß doch über ihr Verhalten (ob verwerflich oder nicht sei mal dahingestellt) zu reflektieren für das sie (unberechtigterweise und nicht zu legitimieren!) misshandelt wurde, aber wie ist ein Kind dazu im Stande, wo es sich doch gerade noch in einer Phase der Persönlichkeits- und Verhaltensentwicklung befindet? Dennoch wird Gewalt als Erziehungspraktik akzeptiert, nur weil man nicht in der Lage ist, sein affektgesteuertes Verhalten unter Kontrolle zu halten. Warum wird dies immer noch geduldet?

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  4. MFG

    salam alaikum,

    solche themen müssen differenziert betrachtet werden. zum einen müssen mißstände bekämpft werden, zum anderen, einige scheinen anzunehmen, sexuelle belästigungen könnten überwunden werden…nein, denn kranke geister kennen keine schmerzgrenzen, sie können höchsten ausgebremst, also die vorfälle minimiert werden. sie sind fester bestandteil der menschheit…leider…die andere frage lautet; wie könnte es eingedämmt werden??? das bedarf eine gesunde infrastruktur an gelehrten, zumindestens an schlauen köpfen, die schwache muslime zu beeinflussen wissen.
    charakter läßt sich nicht einkaufen, sondern bedingt ähnlich, dem, der einen schönen garten hochziehen möchte, voller wunderbaren blumen und obstfrüchten, schönen düften….dahinter steckt sehr…seeehr viel arbeit.
    wenn also der boden, die grundlage vollkommen verdorben ist, der braucht sich nicht über die schlechte entwicklung wundern.

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  5. Namika- die Schreiberin

    BismiLLAH
    Assalamualeykum,
    ich bin zutiefst berührt von diesem Artikel!
    BarakAllahufikum!
    Ihr habt meinen Respekt und Achtung verdient!
    Ihr sprecht hier ein Thema an, welches schmerzlich, erschütternd und längst überfällig ist.
    Inhaltlich kann man dem Leserbrief NICHTS mehr hinzufügen. Diese geehrte und intelligente Schwester hat so viele Schichten dieses Themas beleuchtet, dass dem nichts mehr hinzuzufügen ist.
    In meinem Freundes- und Bekanntenkreis gibt es keine Frau, die nicht Opfer von Gewalt wurde.
    Entweder bereits in der Kindheit oder im Erwachsenenleben.
    Es ist zutiefst tragisch.
    Deshalb, danke, danke, dass ihr als Redaktion den Mut habt dieses Thema so unverblümt zu enthüllen und uns zu zeigen, was Ehrfurcht bedeutet: Ehrfurcht nur vor Allah.
    Wasalam Namika

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