Über die zeitgenössische Praxis der Polygynie

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Wie wir bereits wissen, beschäftigen sich Ukthis hauptsächlich mit Belanglosigkeiten auf ihren Chats und Foren auf Facebook und anderswo. Aber was besprechen eigentlich die Akhis so den ganzen Tag in ihren Löwengehegen?

Ohne um den heißen Brei herumreden zu wollen: Hauptsächlich geht es um Themen wie „Fitna“, sprich was soll man tun, wenn die Supermarktkassiererin einen anlächelt und man dann seine öffentliche Erektion nicht mehr verbergen kann. Natürlich kommen dann gute Ratschläge wie

„Geh immer nur am Morgen einkaufen, da sind nicht so viele Frauen“

„Mach Hijra nach Niqabistan“

Diese Ratschläge sind natürlich sehr hilfreich, und natürlich wird es zu keiner ähnlich gearteten Diskussion ein paar Tage später kommen. Qualitäts-Nasihas unter Bros, so wie es sich gehört! Ein weiteres Thema ist natürlich das Löwen-Single-Dasein. Da es immer noch Ukhtis gibt, die sich nicht mit Dönertellern abspeisen lassen (diese dunyageilen Hexen!), brauchen die Akhis natürlich ein Ventil, um ihren Frust abzulassen. Wir müssen dabei aber gnädig sein und lobend anerkennen, dass sie sich nur im Web über dunyageile Frauen auslassen und ihre sexuelle Frustration nicht mit physischer Gewalt gegen Frauen ausleben. Ist doch so?

Gut, neben diesen weltbewegenden Problemchen gibt es natürlich ein anderes Thema: die Polygynie (arabisch für „Hartz4 für drei“).

Es geht mir hier nicht um die Praxis notgeiler Saudi-Opis, die als Pendant zum westlichen Sextouristen in die ägyptische Provinz fahren, den Bauern dort deren 10-jährige Töchter abkaufen und es ihren werten Damen in der Heimat nicht mitteilen. Da diese „Verbindungen“ ohne Ausnahme schon nach kürzester Zeit wieder aufgelöst werden und ganz offenbar mit diesem Plan auch nur geschlossen wurden, erfüllen sie eigentlich alle Kriterien einer Zeitehe. Aber da es sich hierbei um Anhänger der Heiligen Mutter Kirche handelt, haben ihre Priester sie natürlich in alter Pharisäer-Tradition gebrieft, warum ihr Verhalten nicht im Entferntesten dem dreckiger Rafidha-Mushrik-Taghut-Anbeter-Schiiten ähnelt. Wenn man am Anfang nicht so blöd ist, „Zeit-“ oder „Genussehe“ zu sagen, sondern es schlicht „Ehe“ und den absehbaren Schluss „Scheidung“ nennt, geht alles glatt in Riad. So einfach kann wahres Eheglück sein!

Es geht mir hier vielmehr um die Auswüchse des Salafismus‘ (in dem Fall sind Traditions-Muslime und Rechtsschüler in der Tat weniger involviert), der es  sich zur Aufgabe gemacht zu haben scheint, jeden Bereich des muslimischen Zusammenlebens einer allumfassenden Verwahrlosung zuzuführen.

Selbstverständlich bleibt die Polygynie (arabisch für „die Vorzüglichkeit des Abzockens von Transferleistungen im Rahmen einer Bedarfsgemeinschaft, die mehr als zwei Ehefrauen umfasst“) von diesen Auswüchsen nicht verschont. Insbesondere hier in Deutschland.

Wie bezeichnet man eine schwangere Frau, die keine genauen Angaben zum Vater des Kindes machen kann? Würde ich diese Frage auf YouTube oder auf Facebook stellen, so kämen die entsprechenden, eindeutigen Antworten. Nun, da man sich sonst das Hartz4 teilen müsste, verweigert so manch stramme Salafistin in dem Fall die Aussage und gibt auf Nachfrage des Amtes, wo denn der Vater abgeblieben sei, „unbekannt verzogen“ an. Schön, dass man als Löwe des wahren Islams, oder was auch immer unter der Sonne sich dafür halten mag, sich nicht mehr um die Ehre der eigenen Ehefrau kümmern braucht! Ideologische Konsequenz ist in Sachen Amtsbesuch sowieso nicht angesagt:

„Meine Frau darf nur zu wichtigen Angelegenheiten das Haus verlassen, wie z. B. zum Amt gehen und so…“

Und dreimal dürfen wir raten zu welchem! Das alles für eine Hand voll Euro!

Neben den moralischen Implikationen des juristischen Betrugs, die man mit Fatwas aus dem Land der Heiligen Mutter Kirche – „Nenn mir einen alten Gelehrten, der Kriegsbeute nicht als halal angesehen hat!!!!“ – zu rationalisieren vermag, gibt es noch die Komponente des Betrugs am Noch-Ehegatten. Im Geheimen geschlossene Ehen sind also das, was der Herr mit der Erlaubnis dieser Form der Eheschließung beabsichtigt hat? Keine weiteren Fragen euer Ehren! Macht ja nichts, alles „halal“, daher gut und keine falsche Rücksicht auf Verluste angebracht!

Wenn man nicht schon nach den ersten fünf Minuten vor Ekel die Lektüre hormongestörter Orientalen auf ihren „Inner Circles“ eingestellt hat, erfährt man noch weitere aufregende Dinge, warum Mr. Super-Muslim 2017 unbedingt eine Zweitfrau braucht:

– Ich finde meine Frau nach der achten Schwangerschaft innerhalb von 10 Jahren nicht mehr attraktiv: Wer kennt eine Frau die heiraten möchte? Keine Studentin oder Auszubildende, sollte aber ihren eigenen „Rizq“ (Arabisch für „Hartz4“) in die Ehe mitbringen.

– Meine Frau kümmert sich nur noch um unsere sieben gemeinsamen Kinder: Ich brauche eine Zweitfrau, die sich auch mal um mich kümmert! Ich könnte natürlich mithelfen bei der Kindeserziehung, dann hätte die liebe Gattin vielleicht auch mal mehr Zeit für mich, aber was denken dann meine (kon)genialen Brüder von mir?

– Die Fitna in Deutschland ist zu groß ( = ich bin ein zügel-, treu- und würdeloses Subjekt ohne Impulskontrolle): Ich brauche eine Zweitfrau, und zwar vorgestern!

– Meine Frau menstruiert regelmäßig und ich kann die Fitna in der Zwischenzeit nicht ertragen. Gibt es nicht eine Fatwa von $_IBN_TAYMIYYA_FÜR_ARME, die besagt, dass es in dieser Konstellation sogar verpflichtend ist sich eine Zweitfrau zu nehmen? Bitte mit Beweisen, meine Frau zickt sonst rum!

Die Polygynie hat im Islam in erster Linie eine moralisch-humanitäre Komponente, gut situierten Männern sollte es begrenzt (!) ermöglicht werden mittellose Frauen in ihren Familienverband aufzunehmen und so die Not entsprechend zu lindern. In jedem Fall aber ist sie denen vorbehalten, die sich das aus eigenem Vermögen leisten und daher den Frauen ihre vollen Rechte gewähren können – und überhaupt wollen! Wer In der Mehrehe aber nur die billige Gelegenheit für Triebabfuhr sieht („ist doch halal?!“) und diese seine männliche Bedürfnisanstalt durch gezielte Entrechtung der Frauen überhaupt erst möglich macht und liebevoll ausgestalten möchte, führt die göttlichen Regeln ad absurdum: So einer ist keinen Deut besser als diejenigen Anhänger der vorherigen Buchreligionen, deren Hauptanliegen es war, ihre Theologien und Katechismen vollkommen auf die Perfektionierung  des Gottesbetrugs hin auszufeilen.

Lebt mann [sic!] dann erstmal glücklich in diesem „Ménage-à-trois“ – seien wir ehrlich nur domestizierte, hyperventilierende, super-mashallah-mega-halal-Ukhtis erwägen im Westen diese Form der „Beziehung“ – so kann der Akhi dem Psychoterror freien Lauf lassen:

– Ehefrau X ist aber schlanker als du!

– Ehefrau Y ist aber gehorsamer als du!

– Ehefrau Z ist aber hübscher als du!

– Ehefrau XYZ bringt mehr Hartz4 in die Beziehung mit ein, weil sie noch ein behindertes Kind aus erster Ehe mitgebracht hat!

Das nennt man dann in Salafihausen eine „gesegnete“ Ehe! Welche Frau könnte da widerstehen?

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11 Antworten auf “Über die zeitgenössische Praxis der Polygynie”

  1. Eine Schwester

    Assalamu alaikum, wieder ein großer Dank von meiner Seite für dich, Zia. Du sprichst da etwas an, wovor man die Augen nicht verschließen sollte und es liest sich sehr schön, deine Meinung über Polygamie zu hören. Ich sehe das ähnlich wie du (vor allem würde ich noch den Zusatz einfügen, dass bei einer in etwa Gleichverteilung von Männern und Frauen im heiratsfähigen Alter die Polygynie von sehr, sehr egoistischer Motivation zeugt, was zur Zeit des Propheten (ص) aber nicht Mal der Fall war, wegen den ganzen Kriegen und Shuhada, die massehaft Frauen und auch insbesondere Witwen zurück ließen.. in diesen Verbünden aber, wie diese Art von Salafis sie sich vorstellen, wachsen nur maximal verwahrloste Kinder auf.. Die Frauen in diesen Konstellationen dürfen ja auch nichts anderes studieren als den wahren Tawhid™ aus YouTube-Videos, die Väter kümmern sich nur um die Kinder, wenn es darum geht die väterliche Autorität auszuspielen und dann redet man sich noch ein, dass sei ein gottgefälligeres Leben als das von den „Bid’a-Sufi-Kafir-Mushriks“, zu deren erstem Schritt wenigstens der Versuch des Brechens der eigenen Nafs gehört.. traurig, einfach traurig. Am schlimmsten finde ich, dass diese Menschen am lautesten schreien und viele Unwissende ihnen glauben, dass gerade diese Art von Unart den Islam verteidigt.. Audhubillah.
    Überhaupt geht es in diesen Zirkeln immer nur um Sexualität und zwar bei Männern und Frauen. Die uktihs sprechen weniger über Sex direkt, aber viel über Romantik aus Bollywood filmen, über die Harams und Wajibat im Bezug auf ihre Optik, ihre Kleidung, ihr Verhalten ggü anderen Männern, usw. Die Männer reden ganz platt über die Sache an sich. Die absurdesten Ausmaße nimmt das an auf Salafi Instagram Seiten, die von Frauen geführt werden. Da gibt es eine Schwester, die postet nur und ausschließlich niqab Bilder und teilweise sieht man nicht Mal mehr einen Schlitz für die Augen. Was ist? Es melden sich Unmengen von „Löwen“, dass diese Bilder eine zu große Fitna seien. Wenn mal eine Schwester ihr Gesicht oder ihre Hände zeigt heißt es wiederum: hat dein Mann/Vater/Wali keine Ghira (Eifersucht)? .. Wie krank kann man eigentlich sein? Wie schaffen es eigentlich die deutschen Nichtmuslime sich größtenteils so gut zu beherrschen? Wie erklären die sich die prozentual gesehen wesentlich niedrigeren Vergewaltigungsraten von deutschen Männern? Mag sein, dass einige deutsche Männer keine islamische Ghira haben und auch nichts dabei empfinden, wenn ihre Frau mit einem gutaussehenden Arbeitskollegen alleine essen geht.. aber wenn der Arbeitskollege kein Araber, Afghane, etc ist, ist die Chance auch hoch, dass die Frau unvergewaltigt und unbelästigt zu ihrem Ehemann zurückkehrt, weil es die anderen noch schaffen, spontanen Impulsen nicht zu erliegen. Das ist so ein Armutszeugnis. Gerade mir, als Bio-Deutschen, fällt das wirklich doppelt auf, weil ich beide Seiten kenne. Nicht, dass ich die extreme Freizügigkeit vieler Deutscher jetzt gut finde, aber sie haben da deutlich mehr Adab in dieser Sache als diese mashallah Löwen. Ach entschuldige, ich ufere aus.

    Nichts desto trotz wieder Mal einen großen Lob von mir für deinen Einsatz und dass du trotz der Kritik inshallah nicht aufhörst, diese Missstände anzuprangern. Wahrlich, Gott ist mit den Standhaften. Möge Gott uns zu den Standhaften machen und uns Ikhlas geben. Amin

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    • Aisha bint Ali

      Aisha bint Ali

      As-Salamu aleykum wa rahmatullahi wa barakatuh.

      Liebe Schwester, ich finde Deinen Kommentar ausgesprochen gut und hilfreich. Besonders die Stelle, in der Du berichtest, wie Schwestern über das Thema „Sexualität“ sprechen und deren Wahrnehmung diesbezüglich.
      Auch in dem Punkt, mit der gestörten sexuellen Wahrnehmung vieler „Löwen“ und das Beispiel mit Instagram, hast Du m.E. leider vollkommen Recht und es gut auf den Punkt gebracht. Nur eine Sache missfällt mir an Deinem Kommentar, und zwar schreibst Du: „… aber wenn der Arbeitskollege kein Araber, Afghane, etc ist, ist die Chance auch hoch, dass die Frau unvergewaltigt und unbelästigt zu ihrem Ehemann zurückkehrt, weil es die anderen noch schaffen, spontanen Impulsen nicht zu erliegen.“

      Zu sagen, dass die Wahrscheinlichkeit nicht gering sei, von einem Araber, Afghanen etc. nach einem Essen, vergewaltigt zu werden, finde ich persönlich zu dramatisch dargestellt und entspricht sicherlich so nicht der Realität.
      Wahrscheinlich hast Du Dich an dieser Stelle nur etwas unglücklich ausgedrückt. Die meisten Arbeitskollegen mit solch einem Hintergrund stellen ja keine potentielle Gefahr dar.
      Den folgenden Satz in diesem Abschnitt finde ich wiederum sehr gut: „(…)weil es die anderen noch schaffen, spontanen Impulsen nicht zu erliegen.“ Und dies ist bestimmt eine etwas längere Diskussion wert.

      Auf jeden Fall, jazakiLlahu khayran für diesen Beitrag.

      Zu etwas anderem:
      Deine Kommentare fallen den Administratoren Zia und Abdussalam schon positive auf, sie empfinden sie als nützlich, angenehm formuliert und interessant und freuen sich über solche Rückmeldungen.

      Auch ich (als „neue Kollegin“ im Team) habe mich sehr über den Kommentar einer solch wachsamen Schwester gefreut. Deshalb meine Frage, ob ich mit Dir über Deine beim Einstellen des Kommentars angegebene E-Mail-Adresse (welche natürlich nur von den Administratoren gesehen werden kann), in Kontakt treten dürfte?

      Du kannst auf diese Mitteilung auch gerne mit einem Kommentar antworten, den Du als „Privat – Bitte nicht veröffentlichen“ kennzeichnest. Diesen sehen ebenfalls nur die Admins und werden den Text an mich weiterleiten. Darin könntest Du auch eine andere Kontaktmöglichkeit angeben, wenn Du möchtest, usw.

      Über einen Austausch mit Dir würde ich mich (aber auch das gesamte Team) sehr freuen.

      Lass mich doch wissen, wie Du darüber denkst.

      Herzlichen Dank für Deine Mühen und Beiträge.

      JazakiLlahu khayran
      Wa-sSalam

  2. Kerim

    Und wenn ein vermögender Mann einfach nur aus Lust 4 Frauen heiratet, diese aber gut und würdig behandelt und eine dauerhafte Beziehung als selbstverständlich erachtet:

    Gibt es hier irgendwas zu kritisieren?

    Hat der Prophet a.s. in dieser Hinsicht was gesagt? Also dazu geäußert, in welchem Maße Lust und in welchem Maße humanitäre Gründe Antrieb für Mehrehe sein dürfen?

    Antworten
    • Abdussalam bin Abdillah

      Abdussalam bin Abdillah


      BismiLlâhi_r-Rahmâni_r-Rahîm
      As-Salâmu `alaykum wa-rahmatuLlâh

      Ich zitiere aus dem Artikel:
      „In jedem Fall aber ist sie denen vorbehalten, die sich das aus eigenem Vermögen leisten und daher den Frauen ihre vollen Rechte gewähren können – und überhaupt wollen! Wer In der Mehrehe aber nur die billige Gelegenheit für Triebabfuhr sieht („ist doch halal?!“) und diese seine männliche Bedürfnisanstalt durch gezielte Entrechtung der Frauen überhaupt erst möglich macht und liebevoll ausgestalten möchte, führt die göttlichen Regeln ad absurdum: So einer ist keinen Deut besser als diejenigen Anhänger der vorherigen Buchreligionen, deren Hauptanliegen es war, ihre Theologien und Katechismen vollkommen auf die Perfektionierung des Gottesbetrugs hin auszufeilen.“

      Das sollte, nach üblichem Verständnis der deutschen Sprache, die Frage hinlänglich beantworten, denke ich.

      WaLlâhu a3lamu dâ’iman wa-astagfiruLlâha wa-atûbu ilayh.
      Wa-s-Salâm.

  3. Gästin

    Asselamu alaykom,
    dies ist ein sehr gelungener Beitrag, wie ich finde, da es – wie auch in anderen Texten dieses Blogs – auf die Missstände in der deutsch-islamischen community und die gelebten Missverständnisse der islamischen Texte rund um das Thema Ehe und Heirat aufmerksam macht. Hier gibt es eine Menge Aufklärungsbedarf. Macht bitte weiter so, wasselamu alaykom.

    Antworten
  4. Catherine

    As-salamu aleikum

    Ein gelungener Beitrag, der in gewohnter Manier den Finger schonungslos in die Wunde legt.

    Gern ergänzt man(n) sein persönliches Repertoire „unumstößlicher Beweise“ für die „Schönheit der Mehrehe“ um halbverdaute Studien aus westlichen Biologiefakultäten.
    Da der gemeine „Akhi“ vermutlich weder ausreichende Grundlagenkenntnisse noch die Neigung besitzt, eine kritische Quellenprüfung zu betreiben, lässt er sich den Inhalt in einem zehnminütigen „Hammervortrag“ aufbereiten. Neueste Erkenntnis: Die Mehrehe wirkt lebensverlängernd, ist also unter allen Umständen gut.
    Natürlich fällt dabei eine wesentliche Erkenntnis des Forschers unter den Tisch. Er erkannte den Zusammenhang zwischen einem Mehr an Lebensjahren und einer polygynen Lebensführung nämlich nicht in der bloßen Existenz mehrerer Gattinnen, sondern – Achtung! – in dem Mehr an der damit einhergehenden Verantwortung, das den Mann dazu zwinge, einen gesünderen, ausgewogenen und bewussten Lebenswandel zu führen, um die Nachkommenschaft möglichst lange versorgen zu können. (Wer an weiteren Details interessiert ist, werfe einen Blick in die Originalquelle, das Buch „Evolutionary Psychology“ v. Lance Workman).

    Die Widersprüchlichkeit einer solchen Methodik dürfte augenfällig sein. Aber Stringenz in der Argumentation war des Salafis Sache noch nie gewesen.

    Was mich in diesem Zusammenhang beschäftigt, ist die Frage, was wir aus solchen Erkenntnissen machen? Zia trägt mit seinen Ausführungen innerhalb der Lesergemeinde dieses Blogs/FB-Kanals im Großen und Ganzen Eulen nach Athen. Die Übertragung in die soziale Wirklichkeit von „Salafihausen“ fällt doch deutlich schwerer. Oder ist sie gar unmöglich? Die Seite, denen Zia in heiligem Zorn die „allumfassende Verwahrlosung des muslimischen Zusammenlebens“ vorwirft, hat ideologische Kärrnerarbeit geleistet. Im nordafrikanischen Raum, so bemerkte Dr. A. Reidegeld einmal, gibt es heute kaum einen Menschen unter 40, der nicht salafistisch beeinflusst ist (auch wenn die „Gegenseite“ das naturgemäß anders sieht). Eine Erkenntnis, die ich nur bestätigen kann.
    Der religiös hauptsächlich aus YT-Videos/Erweckungskanälen „gebildete“ Mann zeigt sch jeglichem Argument weitgehend unzugänglich. Und wo er nicht mehr weiterkommt, wird im Zweifelsfall einfach niedergebrüllt. „Ukhtis“ sind da im Übrigen ebensowenig zimperlich, bedienen sich aber anderer Mittel (Sperrung in Foren, „Kaltstellen“ usw.)
    Ins Gespräch zu kommen, gar einen Denkvorgang (sei es über dieses oder andere soziale Themen) anzustoßen, scheint praktisch unmöglich. Man verbleibt auf seinem Kreis mit Radius 0 aka eigener Standpunkt, und wenn noch so hieb- und stichfeste Argumente, etwa aus anerkannten Werken zum Ehe-/Familienrecht, angeführt werden.

    So bleibt man oft mit dem schalen Gefühl zurück, kostbare Lebenszeit wieder einmal in den Ewerb von Wissen (?) investiert zu haben, dessen Wert sich weder lebenspraktisch zeigt noch zu einer Verbesserung der allgemeinen Lage geführt hat, sondern ausschließlich der Munitionierung im Kampf gegen ideologische Windmühlen dienlich war. Und dass die „Umma“, in Abwandlung eines Zitats von Susanne Kablitz, zumindest in Teilen „unrettbar verloren“ ist.

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    • Salafismus ist muss!

      Die Salafisten mal wieder. Wie sieht es denn bei den anderen aus? Die schauen sich auch keine gehaltvolleren Inhalte an. Der Trend geht überall nur in Richtung Konsum bzw. Unterhaltung und das Bedürfnis danach zu befriedigen. Keine Sau hat die Geduld zu lernen oder einen mehrstündigen Dars zu hören.

  5. Charife

    Hmm, das Thema klingt erst mal interessant, wenn ich den Titel lese. Am Ende frage ich mich was ist der Sinn des Artikels….auf die Fehler dieser besagter Frauen, und Männer hinzuweisen, in überspitzter, witziger Form. Ich denke aber das verstehen eben nur die, die sowieso wissen wie diese Leute ticken. Was mir fehlt, sind mehr Lösungsmöglichkeiten, oder wie kann man solche Leute zum nachdenken bewegen oder überhaupt erreichen? Ich finde es auch schade dass da die Mehrehe mit reingeworfen wird, denn an sich ist es ein sehr facettenreiches und interessantes Thema abseits der Muslime, die damit nur ihre Triebe zu befriedigen wollen. Ich sehe es nämlich schon als Problem dass viele Muslimas von vorn herein Mehrehe ablehnen und extrem negativ besetzen. Das kann man ruhig mal hinterfragen, auch ohne das legitime Gründe wie Hartz 4 😀 vorliegen. Denn wenn man bedenkt wieviel Missbrauch in Ehen geschieht, würde doch kaum einer die Ehe an sich verteufeln oder davon abraten.

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    • Zia ul Haq

      Zia ul Haq

      Sinn dieses Artikels war bzw. ist es auf die Auswüchse fragwürdiger Zeitgenossen mit noch fragwürdigerem Verständnis von islamischer Ehe und islamischer Gerechtigkeit hinzuweisen. Des Weiteren möchte ich den Unmut der betroffenen Frauen verbalisieren, da sie normalerweise zum Klappe halten – par ordre de Mufti – verdonnert werden.
      Wie man diese Leute erreichen kann? Da gibt es verschiedene Ansätze, allerdings ist das eine höchstpersönliche Entscheidung. Man kann nämlich selber ganz einfach bestimmen, dass man ab sofort kein selbstgerechter Kotzbrocken, der sich „Koran“ und „Sunnah“ nach Belieben zurechtlegt, mehr sein möchte.

      Wie du sicherlich bemerkt hast, ging es mir nicht um ein Polygamie-Verbot, auch habe ich dies nirgendwo mit Verweis auf die Abartigkeiten aus Salafiwood gefordert.
      Das Thema ist heikel, aber dass irgendein Problem daraus resultierte, dass die meisten muslimischen Frauen einer Mehrehe eher abgeneigt sind, kann ich überhaupt nicht sehen. Immerhin ist dies keine Pflicht für die Frau und wird seit jeher immer wieder in Eheverträgen untersagt. Wie übrigens das Schlagen auch. (Thumbs up für kluge Ukhtis, gute Waliys und Eheverträge.) Geht die Polygynie unter Muslimen heute und gerade hier bei uns doch oftmals mit massiver Entrechtung der Frau unter dem Vorzeichen der lediglichen Triebabführung des Mannes einher.

      PS.: Ach ja, und jetzt hast Du noch ein, zwei Tips bekommen, wie man dem Übel teilweise abhelfen kann: die Ukhtis klugmachen, ordentliche Waliys, die ihre Aufgabe ernstnehmen, und gescheite Eheverträge, deren Inhalt man auch einfordern kann (hierzu bräuchte es echte muslimische, auf Gerechtigkeit basierende Strukturen), wenn der Ehemann nicht spurt.

    • Abdussalam bin Abdillah

      Abdussalam bin Abdillah

      As-Salâmu `alaykum wa-rahmatuLlâh

      Ich möchte auch insofern für meinen geschätzten Blog-Kollegen Zia eine Lanze brechen, als er ja einen längeren Artikel mit lauter Lösungsvorschlägen veröffentlicht hat, den „Ukhti-Guide“.

      Insofern jetzt solche eingefordert wurden, würde ich mich freuen, wenn die werte Kommentatorin „Cherife“ uns eine inhaltliche Rückmeldung zum soeben verlinkten Artikel geben könnte.

      Mit bestem Dank im voraus, wa-s-Salâm.

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