Rose Wilder Lane, eine konsequente Freiheitsdenkerin und Bewunderin des Propheten

9 Kommentare

von Yahya ibn Rainer

Rose Wilder Lane (1886-1968) gilt in den USA (neben Ayn Rand and Isabel Paterson) zu den 3 wichtigsten weiblichen Persönlichkeiten der wohl konsequentesten Freiheitsbewegung, des Libertarismus. Als Journalistin war sie ab 1918 bis 1924 in der Sowjetunion unterwegs und bereiste Europa und den Orient. Besonders gern und häufig hielt sie sich jedoch in Albanien auf, wo sie ab 1926 bis 1928 durchgehend lebte.

Während ihrer Aufenthalte im sowjetisch okkupierten Kaukasus (u.a. Aserbaidschan, Georgien, Armenien) im Mittleren Osten (u.a. Türkei, Ägypten, Palästina, Syrien, Irak) und auf dem Balkan, zeigte sie ein besonderes Interesse an der frühen Geschichte des Islams.

Die Expertise zu diesem Thema hat sie anscheinend nachhaltig beeindruckt und veranlasste sie, in ihrem literarischen Hauptwerk „The Discovery Of Freedom“ (Die Entdeckung der Freiheit), den Islam und seine Ausrufung durch den Propheten Mohamed – Allah segne ihn und schenke ihm Heil – als den zweiten historischen Versuch zur Befreiung des Individuums darzustellen.

So schreibt sie:

„Vor etwas mehr als dreizehnhundert Jahren begann ein arabischer Kaufmann mit dem zweiten Versuch, die individuelle Freiheit in Handel und Gewerbe als Tatsache hinzustellen.“

Als ersten historischen Versuch beschreibt sie übrigens die Dawa des Propheten Abraham – Allah segne ihn und schenke ihm Heil -.

Insgesamt liest sich das Buch mitunter wie eine Ode an den Islam und eine Anerkennung der sunnitischen Doktrin, dass der wahre Glaube nicht nur aus der Überzeugung mit dem Herzen und dem Aussprechen mit der Zunge besteht, sondern auch aus den Taten des Körpers.

So schreibt sie:

„Der Gott Abrahams, Moses‘, Christi und Mohammeds ist Ein Gott. […] Nach seinen Früchten und nach seinen Taten wird der Mensch gerichtet werden, denn seine Taten sind der Mensch. Ein Glaube ohne Werke ist tot; ein Mensch handelt im Einklang mit seinem Glauben. Infolgedessen existiert der Glaube nicht, wenn er nicht des Menschen Handlungen bestimmt. Die Energie kommt durch die Kontrolle zur Wirkung, sie kann nicht von ihrer Kontrolle getrennt werden. Wie kann demnach eine Trennung zwischen der Person eines Menschen und seinen Taten bestehen, zwischen seiner Seele und seinem lebenden Körper?“

Der Luxemburger Jean Pierre Hamilius, der Lanes Werk übersetzte, kommentierte und 1984 unter dem Titel „Die Amerikanische Revolution, ein Fanal der Freiheit“ publizierte, ließ sich auf Seite 93f sogar zu folgender Aussage hinreißen:

„Dank des Koran war der Grundstein für ein Regime der «Freiheit unter dem Gesetz» gelegt. Alle Bürger des Araberreiches fanden in ihrem Religions- und Rechtsbuch einfache, allgemeine und gleiche Gesetzesregeln, die für alle dieselben waren und deren Folgen klar erkennbar im Raum standen. Jeder Einzelne wußte also, welche möglichen Folgen seines Handelns er in Betracht ziehen mußte und wofür er verantwortlich gemacht werden würde.

Die regierenden Kalifen – ausgenommen gewisse Despoten unter ihnen – regierten im Rahmen des Gesetzes, d. h. sie konnten nur die Erzwingung allgemeiner Regeln durchsetzen, die unabhängig von jedem besonderen Fall festgelegt, auf alle Bürger gleichermaßen anwendbar waren. Anders ausgedrückt: das Gesetzes- und Religionsbuch des Islams schrieb genauestens vor, was die Einzelnen zu unterlassen hatten, um sich nicht gegenseitig zu behindern oder Schaden zuzufügen, während sie anderseits frei waren, alles zu tun, was nicht verboten war.“

Ich muss interessierten Bücherwürmern unbedingt die Lektüre dieses Buches empfehlen. Man kann es entweder als PDF auf meinem Blog herunterladen oder (bspw. auf Amazon) einen Nachdruck in Buchform bestellen.

________________________

P.S.: Wem der Name Rose Wilder Lane vielleicht bekannt vorkommt, sollte bei Wikipedia nachschauen. Dort liest man folgendes:

„Rose ermutigte ihre Mutter ebenfalls zu schreiben und so schrieb Laura die Geschichten ihrer Kindheit auf der Grundlage ihres Tagebuchs nieder und nannte diese Pioneer Girl. Rose suchte für ihre Mutter einen Verleger, den sie erst fand, als Laura ihre Bücher in Kindergeschichten umgeschrieben hatte. Little House in the Big Woods (deutsch: Unsere kleine Farm) erschien.»

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Rose_Wilder_Lane

Ihre Mutter hieß mit vollem Namen Laura Ingalls Wilder und die Verfilmung ihre Buchreihe „Little House in the Big Woods“ wurde ein Welterfolg, auch in Deutschland. => Unsere kleine Farm

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9 Antworten auf “Rose Wilder Lane, eine konsequente Freiheitsdenkerin und Bewunderin des Propheten”

  1. Sa.

    Es war nicht die Sorge der Sahaba, alles tun zu wollen, was nicht verboten war.
    Und es war auch nicht Sorge des Propheten, sich endlos über Ökonomie und Eigentum zu äußeren.

    Abgesehen davon gibt es neben verbotenen Dingen auch unzählige zweifelhafte Dinge, Makruh etc.

    Der Autor muss endlich einsehen, dass der Islam nicht gekommen ist, um Libertäre und sonstige zu adeln, sondern ein System gebracht hat, dem ironischerweise Libertäre besonders abgeneigt sind.

    Niemand widersetzt sich dem Gedanken, fürs Jenseits zu investieren, sich zu zügeln etc. so sehr wie Liberale.

    Zu sagen, Islam sei libertär, weile beide Freiheit bedeuten, ist so, als würde man sagen, Muslime sind Juden, weil beide halal schlachten …

    Es kommt nicht von ungefähr, dass als besonders kühl und unmenschlich wahrgenommene Gestalten wie bestimmte AFD-Politiker sowie ihre Partner im Geiste andernorts politisch dort sind wie der Autor.

    Und das kühle und hartherzige Menschen von Allah verhasst sind, weiß der Autor auch?

    Also bitte kein Adam Smith mehr, sondern lieber Sahaba, die Folgendes sagen:

    „Wir befinden uns auf einem schweren Weg, den man lieber leicht bereist (finanzielle Mittel)“
    Das antwortete ein Sahabi auf die Klage seiner Frau, sie hätten wenig Geld.

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    • Yahya Jens Ranft

      Yahya Jens Ranft

      Nicht alles, was man liest, muss auch absolute Wahrheit sein, nur weil es in einem Buch steht, es sei denn man liest den Quran.

      Jetzt kann man sich aus diesem Grunde dazu entschließen, keine Bücher (außer dem Quran) mehr zu lesen. Ich würde dies im Übrigen jedem empfehlen, der nicht in der Lage ist, gelesenes zu differenzieren. Die Bücher von Konservativen, Libertären, Traditionalisten, Ökonomen, Historikern oder Soziologen zu lesen, bedeutet nicht, nur weil man Muslim ist, ihre Inhalte zwingend mit dem Islam gleichzustellen. Und dies habe ich ferner auch an keiner Stelle getan. Hier spielen sich bei manchen Lesern vermutlich Hirngespinste ab.

      Ich vermute mal, dass der Kommentator NICHT die Bücher von Libertären und klassisch Liberalen zu lesen pflegt, sonst wären seine Behauptung über selbige sicherlich nicht so mangelhaft ausgefallen. Ich denke, dass hier eine übliche Konfusion bezüglich des Begriffes „liberal“ zugrunde liegt. Was in den USA als Liberals gilt, hat im Grunde überhaupt nichts mit dem zu tun, was hierzulande als klassischer Liberalismus bezeichnet wird.

      Das Hauptwerk des Libertären Prof Dr Hans Hermann Hoppe (Demokratie – Der Gott der keiner ist) beginnt im 1. Kapitel direkt mit der Erläuterung der Zeitpräferenz. Hier rächt sich wahrscheinlich bereits die Unkenntnis des Kommentators, denn zu einer kompletten Darlegung dieses Themas möchte ich mich hier nicht hinreißen lassen. Es sei aber gesagt, dass es hierbei genau darum geht, dass sich Zurückhaltung und Enthaltsamkeit im Gegensatz zum Drang, seine gegenwärtigen Gelüste zu befriedigen, lohnt. Nicht nur das. Es wird sogar vom Professor behauptet, dass die Zeitpräferenzrate unter der allgemeinen Bevölkerung ein geradezu zwingender Maßstab für die Zivilisation ist. Sprich: Je mehr die Bürger eines Landes in der Lage sind sich zu zügeln und nicht gegenwartsorientiert denkend all ihre Gelüste befriedigen, umso zivilisierter kann ihre Gesellschaft sein.

      Ja, es gibt unter Libertären und klassisch Liberalen zahlreiche Islamfeinde. Dies dürfte wohl am ehesten daran liegen, dass die muslimische Welt heutzutage vor allem durch ihre Tyranneien Aufsehen erregt. Die Frühgeschichte des Islams jedoch wird von vielen gebildeten Libertären und klassisch Liberalen hoch geschätzt. Dies mag vielleicht auch daran liegen, dass der klassische Liberalismus mitunter seine Wurzeln in der christlichen Spätscholastik hat, die unbestreitbar immens durch muslimische Gelehrte beeinflusst wurde.

  2. Sa.

    Korrektur:

    „Es kommt nicht von ungefähr, dass als besonders kühl und unmenschlich wahrgenommene Gestalten wie bestimmte AFD-Politiker sowie ihre Partner im Geiste andernorts politisch dort sind wie der Autor.“

    Soll eigentlich heißen:“Es kommt nicht …politisch libertär sind“

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  3. Kardial

    Die Unstimmigkeiten zwischen Autor und Leser sind vermutlich nicht zuletzt damit zu begründen, dass man, trotz formeller Beibehaltung der alten Domain, an ein völlig anderes Publikum appeliert.

    Eigentlich ein interessanter Ansatz: Die eigene Freiheit zu vertreten, ist offensichtlich kein zwangsläufig unislamisches Verhalten; vorausgesetzt man haltet sich an die islamischen Vorgaben. Vielleicht sollte man den Blog etwas umkrempeln und Pionierarbeit in Punkto Zukunft leisten. Eine gebildete muslimische Masse, die aber gleichzeitig eine gewisse Ernsthaftigkeit beibehält, wäre von Vorteil, oder wie sieht ihr das?

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  4. Sa.

    @Kardial

    Allah sagt im Koran mehrmals, er hätte die Ungläubigen irregeleitet.

    Ich aber sehe keine Ungläubigen, die wirr und wie im Delirium durch die Gegend laufen.
    Demnach bedeutet Irreleitung, sich einzubilden, man würde mit diesem und jenem richtig liegen, obwohl es falsch ist?

    Da gibt es unendlich viele Beispiele, wo Menschen meinen, dieses und jenes sei Recht, obwohl es bei Allah Unrecht ist.

    Da ist jemand promoviert, habilitiert, IQ über 160, hat alle tollen hochakademischen Dinge gelesen und sagt: Kein Gott, Zinsen toll etc.

    Schlussfolgerung: Man sollte vorsichtig sein, in welche Welten man eintaucht, ihre scheinbar streng objektive und wissenschaftliche Art könnte ein Bauen auf Sand sein, wobei sie diesen Sand für harten Boden halten und dies nur deswegen nicht bemerken, weil Allah bestimmte Gedanken und Gefühle ihnen vorenthält.

    Und erst nach dem Tod bemerken sie es.

    Allah sagt dazu im Koran, dass erst am Jüngsten Gericht der Schleier von den Augen genommen wird, der Schleier ist hier eine Metapher für jene Schranken des Denkapparats, die man logischerweise nie als solches wahrgenommen hat.

    Deswegen wird ein Muslim eben nicht sich in die Werke von diesen Leuten hineinlesen, da er nicht weiß, welcher Teil eben von jenem Schleier verursacht wird.

    Warum sollte ich also, wie der Autor mir vorwirft, mich mit den Gedanken von Leuten auseinandersetzen, die dazu aufrufen, sich weder von Gott noch von Moral irgendwas vorschreiben zu lassen?

    Geht’s noch?

    Warum sollte man die Werke von Menschen lesen, denen Allah den Krieg erklärt hat? (Zinsen und Verachtung gegenüber dem Zakatkonzept in Form von Steuern in ihren jeweiligen Ländern)

    Der Autor checkt einfach nicht, dass Menschen nur im Glauben an Allah und in einer entsprechenden Läuterung (siehe Kampf gegen Nafs) einigermaßen höhere Stufen erreichen.

    Die Ungläubigen, die er ständig zitiert, wühlen sich hingegen in ihrem Nafs und machen daraus ein Ideologie, die sie dann mit Begriffen versehen wie Anarchokapitalismus aka. „Weder Gott noch Moral noch sonstwas soll mich bei meinem eifrigen Geldverdienen stören“.

    Der Koran bestätigt das an mehreren Stellen, ebenso Ahadith.

    Und: Allah selbst ist der größte Feind des libertären Gedanken, denn: Was hassen Libertäre?
    Zwang und Gewalt ihnen gegenüber, wenn sie sich nicht an das halten, was andere ihnen vorschreiben, bzgl. ihrer Lebensführung etc.

    Was aber macht Allah, wenn Menschen nicht so leben, wie er will?

    Er verbrennt sie, und wenn sie sich die Freiheit rausnehmen, an ihm zu zweifeln, dann für immer.

    Nicht sehr libertär, oder?

    All

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    • Yahya Jens Ranft

      Yahya Jens Ranft

      Weshalb sieht der Kommentator nicht ein, dass er über etwas redet, wovon er keine Ahnung zu haben scheint? Wie es aussieht, kann ich sämtliche hervorgebrachte Vermutungen über das Wesen einer klassisch freiheitlichen Denkweise allein an einem einzigen Standardwerk des zeitgenössischen Libertarismus widerlegen. Ich tat es bereits in meinem vorherigen Kommentar bezüglich der Behauptung des Kommentators: «Niemand widersetzt sich dem Gedanken […] sich zu zügeln etc. so sehr wie Liberale.»

      Ebenso verhält es sich mit der hanebüchenen Behauptung, dass bspw. klassische Liberale oder Paläolibertäre «dazu aufrufen, sich weder von Gott noch von Moral irgendwas vorschreiben zu lassen?» Ich brauche mich für die Widerlegung dieser anscheinend frei fabulierten Behauptung nicht an mein Bücherregal zu bemühen, sondern kann weiterhin das Hauptwerk von Prof. Dr. Hans Hermann Hoppe zitieren. Hier schreibt er über die (seiner Ansicht nach) natürlichen (und somit freiheitlichen) Gesellschaftsordnung, dass sie durch und durch konservativ sei, und konservativ ist seines Erachtens folgendes:

      “Konservativ bezieht sich auf jemanden, der an die Existenz einer natürlichen Ordnung glaubt, einen natürlichen Zustand, der dem Wesen der Dinge entspricht: der Natur und des Menschen. Diese natürliche Ordnung kann und wird durch Unfälle und Anomalien gestört: […] Aber es ist nicht schwer, das Normale von der Anomalie zu unterscheiden, das Wesentliche vom Zufälligen. Ein wenig Abstraktion beseitigt alles Durcheinander und ermöglicht es fast jedem zu »sehen«, was natürlich und in Übereinstimmung mit der Natur der Dinge ist und was nicht. Darüber hinaus ist das Natürliche gleichzeitig das Beständige. Die natürliche Ordnung ist uralt und immer gleich (nur Anomalien und Unfälle wandeln sich), und von daher kann sie von uns überall und zu allen Zeiten erkannt werden.

      Konservativ bezieht sich auf jemanden, der das Alte und Natürliche durch das »Rauschen« der Anomalien und der Unfälle erkennt und der es gegen das Vorübergehende und Anomale verteidigt, unterstützt und zu erhalten hilft.

      Im Bereich der Geisteswissenschaften, insbesondere der Sozialwissenschaften, erkennt ein Konservativer Familien (Väter, Mütter, Kinder, Enkel) und Haushalte auf der Grundlage des Privateigentums und in Kooperation mit einer Gemeinschaft anderer Haushalte als die fundamentalsten, natürlichsten, wesentlichsten, ältesten und unverzichtbarsten sozialen Einheiten.

      Darüber hinaus repräsentiert der Familienhaushalt auch das Modell der Gesellschaftsordnung im Großen. Genauso wie in der Familie eine hierarchische Ordnung existiert, so gibt es innerhalb einer Gemeinschaft von Familien eine hierarchische Ordnung: der Lehrlinge, Diener und Meister, der Vasallen, Ritter, Herren, Oberherren und sogar der Könige – miteinander verknüpft durch ein ausgefeiltes und kompliziertes System verwandtschaftlicher Beziehungen – und der Kinder, Eltern, Priester, Bischöfe, Kardinäle, Patriarchen oder Päpste und letztlich des transzendenten Gottes.

      Von den zwei Schichten der Autorität ist die weltlich-physische Macht der Eltern, Herren und Könige naturgemäß der höheren geistig-intellektuellen Autorität der Väter, Priester, Bischöfe und letztendlich Gott unterworfen und steht unter ihrer Kontrolle.

      Wenn Konservative […] für irgend etwas stehen, stehen sie für die familiären und sozialen Hierarchien und die Schichten sowohl materieller als auch geistig-intellektueller Autorität auf der Grundlage von und erwachsend aus Familienbindungen und verwandtschaftlichen Beziehungen und wollen diese erhalten.”

      (Hans-Hermann Hoppe, Demokratie – Der Gott, der keiner ist >>, Seite 354-355)

      Prof. Dr. Hoppe ist längst nicht der einzige klassisch Liberale/Libertäre, der diese natürliche Ordnung beschreibt. Fast alle großen Denker dieser Gattung haben das wahre Wesen der Freiheit einer natürlichen Hierarchie und einem beständigen Recht unterworfen. Man muss sie jedoch gelesen haben um dies zu wissen.

    • Yahya Jens Ranft

      Yahya Jens Ranft

      Ich spreche dem Kommentator nicht ab, seine Kritik in guter Absicht und (in seiner Gedankenwelt) zum Wohle der Religion zu äußern. Allerdings macht er m.E. den Fehler, weltliches und religiöses in einer Form zu vermengen, wie es nicht statthaft ist.

      Der weltliche (also bspw. technische, medizinische, wirtschaftliche) Fortschritt einer Gesellschaft findet (fast absolut) unabhängig vom korrekten religiösen Glauben seiner Mitglieder statt. Ja sogar zwischenmenschliche Gerechtigkeit kann in ungläubigen Gesellschaften im großeren Umfang implementiert sein. Wer heutzutage die Weltlage betrachtet und schaut, wohin die Völkerwanderung derzeit tendiert, wird das nicht leugnen können. Vielleicht gehört sogar der Kommentator zu denjenigen, deren Eltern es aus einem muslimischen Land ins ungläubige Deutschland zog. Vermutlich ist der hochgläubige Kommentator entweder mit hierher gekommen oder hier im ungläubigen Deutschland geboren und hat bis heute nicht den Mut aufgebracht, dieses ungläubige Land zu verlassen.

      Bereits Imam Ibn Taymiyyah schrieb:

      „Allah lässt den gerechten Staat, auch wenn er ungläubig ist, überleben, aber den ungerechten Staat, auch wenn er gläubig ist, nicht überleben.“

      und

      „Die Tätigkeiten der Menschen auf der Erde bleiben mit Gerechtigkeit, auch wenn diese mit Sünden einhergehen, eher korrekt, als mit Ungerechtigkeit, auch wenn diese von Sünden frei sind!“

      Diese Welt ist weltlich und der Anteil an Religion im weltlichen ist denkbar klein, wenn man es aufrichtig betrachtet. Es ist eine allgemein anerkannte Grundregel im Fiqh, dass ALLES erlaubt ist. Dies betrifft die Mu‘āmalāt (Umgangsformen) ebenso, wie alle Dinge die Allāh erschaffen hat (wie Tiere, Bäume oder ähnlichem). Was hiervon verboten ist, ist klar und braucht deshalb einen klaren Beweis. Was hierin zweifelhaft ist, obliegt dem Muslim selbst, denn er hegt den Zweifel.

      Allein in den Angelegenheiten der Religion (sprich: in rituellen Gottesdiensten) gilt diese Grundregel genau andersherum. Alles ist verboten, und was erlaubt ist, ist klar und braucht deshalb einen klaren Beweis.

      Es ist uns also in weltlichen Angelegenheiten alles erlaubt, es unterliegt hier einzig und allein der einhelligen Scharia und dem Prinzip von Versuch & Irrtum. Genau dies meinte auch der Gesandte Allahs – Allah segne ihn und schenke ihm Heil – als er sagte:

      «Ihr wisst über eure eigenen weltlichen Angelegenheiten am besten Bescheid, aber was eure religiösen Fragen angeht, so wurden sie an mich delegiert.»

      Große Tyranneien gebären kleine Tyrannen. Es sind die Atatürks, Abdelfatahs, Gadhafis, ben Alis, al-Sisis usw. die eine Generation von verwirrten Muslimen hinterließen, die keine Idee davon haben, wie man Zivilisationen zulässt. Man verhindert Fortschritt unter dem Deckmantel der Religion, wie es die Christen Jahrhunderte lang in Europa taten, während der Orient blühte. Heute ist es andersherum und Muslime wie der Kommentator sind eines der vielen kleinen Rädchen, die diesen Rückstand der Muslime aufrecht erhält.

      Die Freiheit des Individuums (unter dem Recht, aber frei von willkürlichem Zwang) ist eine Voraussetzung für Zivilisation, und die Frühzeit des Islams mit seinen zahlreichen goldenden Epochen ist ein großartiger Beweis dafür.

      Wa Allahu 3alem.

  5. Kardial

    Womöglich liegt hier ein Missverständnis vor; offensichtlich zielt der Autor auf eine andere Bedeutung des Wortes ‚Freiheit‘ ab, die nicht ganz mit dem heutigen monopolistischen Verständnis einhergeht. Trotzdem finde ich die Kritik insofern berechtigt, dass man hier de facto einen Blog betreibt, dessen Inhalt man bei einem Kaffeekränzchen vor einem heraufbeschworenen Publikum vortragen könnte, dessen Mitgliederzahl kaum über die Handvoll hinausgeht.

    Unsere Völker haben leider nunmal seit der großen Verwirrung, dessen Verkörperung Ghadafi, Assad oder ein anderes Wesen darstellt, die Orientierung verloren, die man durchaus mit dem Islam metaphorisieren kann. Langsam folgt das böse Erwachen, aber bis der Alptraum der Vergangenheit angehört, wird womöglich noch ein Jahrhundert ins Land gehen…

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  6. Sa.

    Sinn des Lebens ist es, sich in dieser Welt gut anzustellen, um im Jenseits erfolgreich zu sein.

    Die Religion nimmt einen Gläubigen sehr wohl gefangen, da man praktisch in allen Lebenssituationen sich so anstellen kann, dass es vor Allah besser ist als eine etwaige Alternative.

    Weltliche Sachen sind den Menschen bereits mitgegeben, sodass man es nicht noch zu sätzlich anfeuern braucht, schon gar nicht durch die Religion, die ja als Ausgleich gedacht ist, damit Menschen sich nicht völlig in ihrem Nafs verlieren. Koranverse und Ahadith darüber sind zahlreich und seit jeher Lieblingsthema in allen möglichen Werken, der Sufismus hat im Grunde nichts andere zum Gegenstand als die Entsagung weltlicher Dinge.

    Die Ungläubigen hingegen sind achtlos oder ungläubig gegenüber diesen Dingen und geben sich voll hin und fangen irgendwann an, einzig und allein aufgrund ihrer Emotionen, Systeme zu erdenken mit akademischem Unterbau.

    Dann kommen so Sachen raus wie die unsichtbare Hand, also dem Gegenteil dessen, was Allah befiehlt, wo doch gilt:

    Guard yourself from the Hellfire even with half of a date in charity. If he cannot find it, then with a kind word.”

    Oder ein Kant kommt zu dem Ergebnis, in die Kirche zu gehen sei dumm, weil Gott sowas nicht nötig hätte.

    Wenn also der Autor nun mit Autoren aus diesem teuflischen Dunstkreis kommt, dann juckt uns das nicht, weil wir bereits bestens wissen, wie man dieses Leben zu führen hat, um im Jenseits erfolgreich zu sein.

    Hasan al Basri statt Hans Wurst Hoppe.

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