Identitätsfindung von neuen Muslimen

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Immer mehr Menschen aus den westlichen Ländern konvertieren zum Islam. Das Fremde wird zur neuen Heimat. Sie entscheiden sich für ein Leben in andersartigen Traditionen und wagen damit den Drahtseilakt zwischen ihren westlich geprägten Identitäten und den kulturellen Paradigmen muslimischer Länder. Der Westler konvertiert nämlich nicht nur zum Islam, sondern konvertiert in den meisten Fällen auch zu einer neuen Kultur. Jede Spielart des Islams hat eine kulturelle Färbung sei diese nun türkisch, albanisch oder arabisch. Die Religion der Wahrheit wird somit mit kulturellen Verständnissen geflutet. Für den westlichen Konvertit ist aus diesen Gründen die salafitische Reformbewegung besonders anziehend, da hier ein kosmopolitischer und puritanischer Islam gelehrt wird, der weniger große Hürden der kulturellen Aneignung verlangt.

Die Suche nach Verortung

In unseren westlich modernen Zeiten herrscht eine kulturelle Amnesie bezüglich der eigenen identitätsstiftenden Lebenswirklichkeiten. Im Zeitalter der Zivilisationen suchen viele Menschen nach der Verlässlichkeit und Kontinuität der früheren abendländischen Potenz und sehen diese in der klaren Verortung der muslimischen Kulturen verwirklicht. Neben der Klarheit und Wahrhaftigkeit der Religion des Islams, spielt eine wesentliche und gleichzeitig unbewusste Anziehung in die Richtung der Epoche der Kultur eine maßgebliche Rolle. Der Konvertit zieht dabei in den meisten Fällen einen radikalen Schluss zur traditionellen abendländischen Identität, da diese ohnehin kaum mehr in Zeiten der zivilisatorischen Masse anzutreffen ist.

Identitäre Muslime

Der neue Muslim entwickelt oftmals eine hybride Identität aus muslimischen Kultureinflüssen, der westlichen Technikversessenheit und des modischen Hipstertums. Dieses führt unweigerlich zu seltsamen Früchten wie ein Deutscher mit bayrischem Dialekt, der mit Nikeschuhen und einer saudischen Verkleidung auf Salafideutsch, die Reinheit der islamischen Lehre predigt. Diese Art der Hybridität ist sicherlich nicht gänzlich vermeidbar, sollte aber im Idealfall irgendwann zur Frage nach dem Eigenen zurückführen und zu einer Revitalisierung von eigenen kulturellen Anteilen und Traditionen beitragen. Die Irritation des ungesunden Spagats zwischen den Welten führt entweder zur partiellen Selbstverneinung, oder zur Entwicklung einer deutsch islamischen Identität, die in gewisser Weise sogar das Abendland vorm Untergang erretten könnte, da bewusst deutsch fühlende Muslime die eigenen kulturellen Bestände lieben lernen. So könnte die Religion der Wahrheit, gepaart mit der geistigen Strebsamkeit des deutschen Geistes, unwiderstehlich sein.

„Wer sich selbst und andere kennt,

Wird auch hier erkennen:

Orient und Okzident

Sind nicht mehr zu trennen.“

-Goethe, West-östlicher Diwan-

 

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