Wie man mit fundamentalen Meinungsunterschieden umgehen kann: Die Strenge mit sich selbst und die Milde mit den Anderen

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von Yahya ibn Rainer

Eine Art, wie man mit fundamentalen Meinungsunterschieden im Fiqh umgehen kann, ist die Strenge mit sich selbst und die Milde mit den Anderen.

Da wäre bspw. die Meinungsverschiedenheit zwischen einigen Gelehrten, was den Zustand eines zurechnungsfähigen Muslims angeht, der beginnt, absichtlich und unentschuldigt die 5 rituellen Pflichtgebet zu unterlassen.

Die Mehrheit der Gelehrten sieht ihn daraufhin als einen schweren Sünder, aber einige andere Gelehrte sehen diesen Ungehorsam als großen Kuffr an, der aus dem Islam ausschließt.

Nun gibt es im Netz zahlreiche Laienprediger, die entweder die eine oder die andere Meinung als legitim erachten, während sie die jeweils andere Meinung als falsch bezeichnen.

Hierbei lassen sie vollkommen außer Acht, dass auf beiden Seiten dieser Meinungsverschiedenheit sich hoch angesehene Imame und Gelehrte befinden, deren Urteil man nicht einfach und ohne Weiteres abtun sollte.

Doch was können wir bei einem solch fundamentalen Thema (Muslim oder Murtadd) selbst tun?

Mein Ratschlag: Seien wir streng mit uns selbst und ziehen wenigstens in Erwägung, dass das Unterlassen des Gebetes ein großer Kuffr sein könnte. Hüten wir uns also davor, unseren Islam durch einen solch gewaltigen Ungehorsam aufs Spiel zu setzen, aber …

… seien wir auch milde zu unseren Geschwistern im Islam, anstatt sie aus dem Islam auszuschließen, ohne dabei den Zweifel zu hegen damit falsch liegen zu können. Bereits der kleinste Zweifel am Unglauben eines Muslims sollte uns bereits vom Takfir abhalten. Und welcher Zweifel könnte größer sein, als das Urteil der Mehrheit der Gelehrten?

*** *** ***

Es ist nicht unsere Angelegenheit (und damit meine ich auch die zahlreichen Laienprediger auf Facebook & Co), die Urteile der großen Gelehrten in Haqq und Batil aufzuteilen.

Es kann durchaus von Nutzen sein, nach bestem Vermögen, die strengere Meinung zur Grundlage des eigenen Handelns zu nehmen, während man sich selbst aber nicht zum Maßstab erhebt, sondern den Schwächeren unter uns auch das mildere Urteil zukommen lassen kann. Denn während man den offenkundigen Murtadd meiden, diskriminieren und unter Umständen sogar bekämpfen muss, kann (und muss) man dem Sünder immer ein gutes Vorbild bleiben und darf ihm nicht den Rettungsring entziehen, um seine Sünden zu verlassen.

Wa Allahu 3alem

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