Intelligent Design – Naturwissenschaft?

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Selbst der in heutiger Zeit profilierteste und auf internationaler Ebene für den Atheismus geradezu missionarisch aktivste Darwinist, Richard Dawkins, musste während eines Interviews mit Ben Stein nicht nur zugeben, dass der Ursprung des organischen Lebens völlig ungeklärt ist, und dass er nicht wisse, warum er für eine Nicht-Existenz Gottes von einer weit über 50-prozentigen Wahrscheinlichkeit ausgehe, sondern mehr oder weniger auch – trotz oder gerade wegen der stark herumdrucksend wirkenden Formulierungen und Attitüde für seine Anhänger beunruhigend -, dass sich in biochemischen und molekularbiologischen Aspekten der Lebewesen klare Hinweise auf das Wirken einer übergeordneten Intelligenz finden ließen (Hervorhebungen nachträglich):

It could be that, at some earlier time somewhere in the universe a civilization evolved by probably some kind of Darwinian means to a very, very, high level of technology and designed a form of life that they seeded onto, perhaps, this planet. Now, that is a possibility and an intriguing possibility and I suppose it’s possible that you might find evidence for that if you look at the details of biochemistry, molecular biology, you might find a signature of some sort of designer. And that designer could well be a higher intelligence from elsewhere in the universe.

Es ist angesichts des vielen „could be“ und „perhaps“ eine Herausforderung, Dawkins mit diesen Worten wirklich auf etwas festzunageln, aber die Gesamtheit mehrerer Auffälligkeiten seiner Aussage und der Interviewsituation ist schon recht verräterisch dafür, dass er wohl mehr weiß oder zumindest glaubt, als er medial aufzeichnen zu lassen bereit ist (mehr dazu hier).

Allerdings ist ohnehin sicherlich niemand auf einen Dawkins angewiesen um zu wissen: Im Angesicht Gottes als Urheber aller Vorgänge, aller Zustände und allen Daseins, sowie im Lichte der ungeheuren Konstanz und Funktionalität der Naturgesetze werden die massenhaften Einzelphänomene der organischen Systemkomplexität immer geeignet bleiben, Gottes Einzigkeit, Seine Wohltat und Seine Weisheit zu beweisen, zumal sich Weisheit in der Konstanz und Funktionalität hoher Ordnungen deutlich manifestiert.

Dennoch:

Ein Grundfehler der institutionellen und anderer Verfechter des Intelligent Design ist, diese Theorie dezidiert als Alternative zur Evolutionstheorie ins Rennen zu schicken. Dass sie häufig nicht ernstgenommen und teils sogar bekämpft wird, um sie von dem Kanon der traditionellen Naturwissenschaften fernzuhalten, ist nichts, worüber sie sich wundern oder gar beklagen sollten. Gegen ernsthafte akademische Bemühungen im Zeichen des „Intelligent Design“ ist ja überhaupt nichts einzuwenden. Es muss jedoch begriffen werden, dass Naturwissenschaften klären wollen, wie Natur funktioniert, per definitionem ist ihre Spielregel und ihr Ziel, soviel Natur wie möglich ausschließlich mit Natur zu erklären. „Intelligent Design“ kann bei diesem Spiel überhaupt nicht mitspielen, da dieser Forschungsrichtung der gegenteilige Zweck zugrundeliegt, nämlich soviel Natur wie möglich ausschließlich ohne Natur zu erklären. Dieser Zweck ist durchaus legitim und hat seine wissenschaftliche, nicht aber seine naturwissenschaftliche Berechtigung, zumal durch ihn, egal wie beweiskräftig „Intelligent Design“ sein mag, nicht das Geringste Neue zur Erhellung der Funktionsweise der Natur beigetragen wird.

Darum sollten ID-Apologeten aufhören, ID in den Biologieunterricht zu zwingen zu versuchen und es für etwas auszugeben, was es nicht ist, sondern sich für diese Forschungsrichtung nach einem wissenschaftlichen Biotop umsehen, in das sie hineinpasst und als wissenschaftliche Bemühung gewürdigt werden kann, besonders die Philosophie oder Theologie, in denen sie einen eigenen Forschungszweig darstellen kann. Andernfalls müssen die Verfechter des „Intelligent Design“ sich den Vorwurf gefallen lassen, dass sie selbst zur Degradierung theistischer Wissenschaft beitragen, weil sie offenbar der Theologie – genau wie ihre Kritiker – nicht zutrauen, theistische Wissenschaft überzeugend zu vermitteln, und zwar so wenig, dass sie verbissen versuchen, Aspekte theistischer Wissenschaft in das Deckmäntelchen der Naturwissenschaften zu kleiden.

 

(Bildquelle: commons.wikimedia.org)

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5 Antworten auf “Intelligent Design – Naturwissenschaft?”

  1. Ben Adam

    Nein, es darf nicht Gott sein, sondern was anderes:

    Irgendwelche Aliens, die eine hochkomplexe Simulation erschaffen haben ähnlich wie im Film Matrix. Oder das Universum selbst (Pantheismus).

    Ähnlich ist’s mit dem Anfang von allem: Kein zeitunabhängiges Wesen, sondern irgendein noch unbekannter naturwissenschaftlicher (ebenfalls zeitunabhängiger) Mechansimus hat’s hervorgebracht. Dass man immer Alternativen bevorzugt, ist anscheinend zurückzuführen auf die Einflüsterungen des Satans.

    Wir sind gewiss sehr undankbar.

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  2. Halalpartner

    Assalamu Alaikum,
    vielen Dank für den Artikel, aber er stellt das Thema etwas verkürzt dar, aber das soll nicht Gegenstand meines Beitrags sein. Ich weise lediglich auf einen eklatanten Fehler hin: „nicht das Geringste Neue zur Erhellung der Funktionsweise der Natur beigetragen wird.“ Das ist nicht korrekt. Denn die Paradigmen von denen ich ausgehe, lassen mich vorliegende Daten anders interpretieren und das führt von vornherein zu anderen Theorien und Hypothesen. Ein beispiel hierfür wäre das Thema „JUNK DNA“. Aus sicht der Evolution macht es Sinn, dass es unmengen an unnützen Segmenten im Erbgut gibt. Jemand, der von ID ausgeht würde intuitiv eine solche Interpretation ablehnen und andere Erwarttungen haben. Tatsächlich haben ID Anhänger Junk DNA abgelehnt und neuere wissenschaftliche Forschungen scheinen dies zu bestätigen. Man sieht an diesem Beispiel, dass ID sehr wohl Licht ins Dunkel bringt, weil es andere Paradigmen hat. Und ID erweitert lediglich das Paradigmenspektrum und ist damit wissenschaftlicher als die Naturalisten. Junk DNA war im übrigen nur ein Beispiel von mehreren. Ferner muss ID ein Teil des Naturunterrichts sein… Nicht um wissenschaftliches Denken im Sinne eines Lückenbüßer-Gotts zu sabotieren, sondern damit auch im wissenschaftlichen Spektrum alle Möglichen Antworten tatsächlich berücksichtigt und nach bester Informationslage ausgewertet werden. Gedankenspiel: Wenn man in 2000 Jahren einen „intelligenten Designer“ für die Pyramide in Ägypten auschließen würde, weil es den Paradigmen der Zeit widerspricht, dann könnte es sein, dass Geologen, Statiker, Physiker usw Jahrhunderte lang ressourcen verschwenden und in hoffnungsloser Verlegenheit einer Phantom-Erklärung nachjagen, nur weil sie a priori ein „intelligentes Design“ ausgeschlossen haben und nach einer naturalistischen Erklärung suchen.

    Auch einen Unterschied zu machen zwischen „Wissenschaft“ und Naturwissenschaft ist wie im Fall „JUNK DNA“ gezeigt falsch.

    Mit Verlaub, aber der Artikel ist nicht zu Ende gedacht.

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    • Muhammad Ibn Maimoun

      وعليكم السلام

      1. Wenn man schon für die Entdeckung der Funktionen der als codierend bekannten Teile der DNA keine ID-Anhänger brauchte, folgt daraus logischerweise, dass man diese auch nicht für die Entdeckung der Funktionen von sogenannter Junk-DNA benötigt.

      2. Dagegen, dass persönliche nicht-naturwissenschaftliche Überzeugungen eines Forschers ihn auf eine richtige Fährte in den Naturwissenschaften führen, ist nichts einzuwenden. Dabei ist es egal, ob es sich bei diesen Überzeugungen um ID oder politische Ansichten oder anderes handelt.

      3. Naturwissenschaften per se schließen keinen intelligenten Designer aus, es gehört lediglich nicht zu ihrem Aufgabengebiet, einen solchen zu beweisen.

      4. Die Wissenschaft, die sich mit den Pyramiden und ihren intelligenten Designern beschäftigt, ist bekanntlich keine Naturwissenschaft. (Was natürlich nicht bedeutet, dass sie sich Naturwissenschaften nicht als Hilfsmittel zunutze machen darf.)

      5. Naturwissenschaften sind eine Abteilung der Wissenschaften. Allein die Tatsache, dass es einen Unterschied zwischen den Naturwissenschaften und den übrigen Wissenschaften gibt, lässt noch keine Wertung zu und sollte daher niemandem schlaflose Nächte bereiten.

      والله أعلم

  3. Muhammad Ibn Maimoun

    An den Kommentator mit der E-Mail „islamundwahrheit…“, dessen Post nicht veröffentlicht wurde: Vielleicht erklärst du mal genauer, was du mit deinen Links bezweckst.

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  4. Kardial

    Assalamu Alaykum.

    Die naturwissenschaftlichen Zweige werden allein aus zeitgeistlichen Gründen keinerlei theistischen Ansätze übernehmen oder gar in Betracht ziehen. Meiner Ansicht nach hängt dies nicht nur damit zusammen, dass man aus formellen Gründen theistische Methodik ablehnt, sondern vielmehr daran, dass man schlicht nicht mehr daran glaubt.

    Vor mehr als einem Jahrzehnt hatte man noch geglaubt, gastrale Ulzera (also Magengeschwüre) könnten nicht primär durch Mikroorganismen verursacht werden. Eine gegenteilige Ansicht widersprach so ziemlich dem Zeitgeist, sodass auch ein kleines Experiment (Marshall et. al), welches eindrücklich das Gegenteil beweiste, lange Zeit unaufgegriffen blieb. Man fand sogar niemanden, der dies publizieren wollte. Später gab es dafür den Nobelpreis.

    Derzeit entspricht jeder theistische Ansatz einem Denken, das strikt in der westlichen Gesellschaft (größtenteils) abgelehnt wird. Dies kann sich allerdings wieder ändern. Man sollte dem Zeitgeist nicht allzuviel Gewicht beimessen.

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