Das Auftreten öffentlicher sexueller Zügellosigkeit ist kein Phänomen der Moderne

11 Kommentare

von Yahya ibn Rainer

Das Auftreten von offener (bzw. öffentlicher) sexueller Freizügig- und Zügellosigkeit ist kein Phänomen der Moderne, sondern ein Merkmal, das fast jedes Volk auf dem Zenit seiner Zivilisation erreicht.

Hierbei markiert der Zenit jedoch nicht nur den Höhepunkt der Zivilisation, sondern läutet auch deren Niedergang ein.

Die Quelle des zivilisatorischen Aufstiegs war immer schon die gebildete und wohlhabende Oberschicht eines Volkes, und auch der Niedergang der Zivilisation findet seinen Anfang in eben dieser Oberschicht.

So sagt Allah im Quran (ungefähre Bedeutung):

«Und wenn Wir eine Ortschaft vernichten wollen, befehlen Wir denjenigen, die in Wohlstand leben (, zu freveln), und dann freveln sie in ihr. So bewahrheitet sich das Wort gegen sie, und dann zerstören Wir sie vollständig.»

17:16

Ibn Khaldun schreibt hierzu in seiner Muqaddima:

«Das seßhafte Dasein ist der Höhepunkt der menschlichen Kultur. Er bedeutet einen Abschluß ihrer Lebenszeit und läutet ihren Verfall ein. […]

Denn wenn sich bei den Menschen Wohlstand und Luxus in ihrer Kultur einstellen, veranlassen diese sie von Natur aus, den Normen des seßhaften Daseins zu folgen und sich dessen Gepflogenheiten anzupassen.

Bekanntermaßen bedeutet das seßhafte Dasein, daß man den Luxus kultiviert, seine Erfordernisse meistert sowie sich den Gewerben widmet, die den verschiedenen Spielarten und Mannigfaltigkeiteil des Luxus dienen, so dem Kochen, der Kleidung, den Bauten, dem Mobiliar, dem Geschirr und allen anderen hauswirtschaftliehen Belangen. […]

Hat nun die Eleganz in diesen hauswirtschaftliehen Belangen ihr Höchstmaß erreicht, hat dies zur Folge, daß sich die Menschen ihren Begierden unterwerfen. Von diesen Gepflogenheiten wird die Seele in vielfältiger Weise geprägt, wodurch ihr Zustand in religiöser und weltlicher Hinsicht in Mitleidenschaft gezogen wird. In religiöser Hinsicht nimmt sie Schaden, da sie stark von den Gepflogenheiten des Luxus geprägt ist, die nur schwer wieder abgelegt werden können. […]

Die Ausgaben der Menschen der seßhaften Kultur wachsen somit stark an – hielten sie sich einst in Grenzen, so werden sie nunmehr uferlos. Die Menschen vermögen dem nicht zu entrinnen, da sie von den Gepflogenheiten (des Luxus) beherrscht werden und ihnen ergeben sind. Alles, was sie verdienen, geht als Ausgaben wieder hinaus. […]

Deshalb sieht man viele Nachkommen aus gutem Hause, solche edler Abkunft und edlen Ursprungs sowie Angehörige der Oberschicht, sozial abgleiten und sich sehr irdischen Beschäftigungen zum Lebensunterhalt zuwenden, da ihr Charakter entartet und von Boshaftigkeit und Oberflächlichkeit geprägt ist. Nimmt dies in einer Stadt oder in einem Volk überhand, so kündigt Allah deren Ruin und Untergang an. […]

Was noch zum Verfall der seßhafte Kultur führt, ist, daß man sich den Begierden, die der große Luxus entfacht, hingibt und sich ihnen ganz und gar überläßt. So werden die Begierden des Leibes nach Speis und Trank verfeinert. Dies geht einher mit einer Vervielfachung der sexuellen Freuden, den Verkehr auf verschiedene Art und Weise auszuüben, so durch Unzucht und Homosexualität. Dies führt zum Niedergang der menschlichen Gattung. […]

Deshalb äußert sich die Rechtsschule des Malik – Allah erbarme sich seiner – deutlicher als andere Schulen zur Homosexualität. Das beweist, daß sie tiefere Einsichten in die Absichten des religiösen Gesetzes und dessen Beachtung der allgemeinen Interessen hat.

Dies sollte verstanden werden. Bedenke dabei, daß Höhepunkt und Ziel der menschlichen Kultur seßhaftes Dasein und Luxus sind. Hat die menschliche Kultur ihren Höhepunkt erreicht, schickt sie sich an zu verfallen und beginnt altersschwach zu werden – so, wie es im natürlichen Zyklus von Lebewesen auch der Fall ist.»

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11 Antworten auf “Das Auftreten öffentlicher sexueller Zügellosigkeit ist kein Phänomen der Moderne”

  1. كوكحان

    Anmerkung zur Koranversübersetzung:
    „«Und wenn Wir eine Ortschaft vernichten wollen, befehlen Wir denjenigen, die in Wohlstand leben (, zu freveln), und dann freveln sie in ihr. So bewahrheitet sich das Wort gegen sie, und dann zerstören Wir sie vollständig.»“
    –> Allah befiehlt nicht zu freveln, sondern den Gehorsam, doch die Wohlhabenden widersetzen sich und Freveln (siehe unter anderem Tafsīr Al-Ǧalālayn)

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    • Yahya Jens Ranft

      Yahya Jens Ranft

      Ja, so wie es übersetzt wurde ist es missverständlich. Natürlich kam der Befehl Allahs nicht in Form eines Gebotes an die Wohlhabenden zu sündigen, sondern in Form der Vorherbestimmung. Vielleicht ist es folgendermaßen besser formuliert:

      «Und wenn Wir eine Ortschaft vernichten wollen, ergeht unser Befehl (an die Vorherbestimmung), dass die Wohlhabenden unter ihnen sündigen (werden). So bewahrheitet sich das Wort gegen sie, und dann zerstören Wir sie vollständig.»

    • Abdussalam bin Abdillah

      Abdussalam bin Abdillah


      As-Salâmu 3alaykum wa-rah°matu_Llâh

      Die wörtliche Übersetzung der Âyah (Al-Isrâ‘ 16) ergibt m.M.:

      { Wa-idhâ [Und wenn] aradnâ [WIR wollen (vollendet)] an nuhlika [dass WIR zerstören] qaryatan [eine Ortschaft] amarnâ [befehlen WIR] mutrafîhâ [ihren Wohlhabenden] fa-fasaqû fîhâ [und so/dann (!) freveln sie (vollendet) in ihr] fa-h°aqqa [und so bewahrheitet sich (vollendet)] 3alayhâ_l-qawlu [auf/gegen sie (f.sg.=“die Ortschaft/Stadt“) das Wort] fa-dammarnâhâ [und so/dann zerstören (vollendet) WIR sie] tadmîra(n) [in (erg.: völliger) Zerstörung / (erg.: völlig) zerstörend (d.h.ungefähr z.Dt.: vollständig/ganz und gar/gründlichst] }

      [Anm.: Der Zusatz „(vollendet)“ hinter einem Verb steht als Hinweis darauf, dass im Arabischen dieses Perfekt steht, der aber hier nicht als Tempus/Zeit (im Sinne der dt. Grammatik), sondern als Aspekt (im Sinne der indoeurop. Grammatik) zu verstehen ist.]

      In der Tat ist hier nicht gesagt, worin der Befehl an diese Menschen ergeht, wörtlich aber schon, dass er an sie (d.h. die Wohlhabenden unter ihnen) ergeht. Aus einer anderen Âyah aber wissen wir, dass diese Leute zuerst gewarnt werden, d.h. immer auch ein Befehl insb. an die Elite ergeht, dass sie umkehren sollen. Außerdem wissen wir, dass Allah (swt) den Menschen nur das Gute, nicht aber das Übel befiehlt.

      D.h.m.E. insb. für diese Âyah: Allah (swt) weiß vorher, dass die Wohlhabenden seinem Befehl nicht gehorchen werden, weil sie schon so verdorben sind, und nicht, weil ER (swt) ihnen dies gegen ihre Natur oder ihren Willen vorschriebe.

      Ich kann also auch vor dem Hintergrund der wörtlichen Übersetzung der Anmerkung des Nutzers Gökhan im wesentlichen nur zustimmen.

      Wa-Llâhu a3lamu dâ’iman wa-astagfiru_Llâha wa-atûbu ilayh(î).
      Wa-s-Salâm.

    • Abdussalam bin Abdillah

      Abdussalam bin Abdillah

      Anm.:
      Vgl. auch die beiden Âyât Al-A3râf 28 (dazu, dass Allah (swt) niemals das Übel befiehlt) und Al-An3âm 123 (als Erläuterung, inwiefern die Vornehmen hier ihr eigenes Grab und das der Gemeinschaft schaufeln, ohne dass Allah (swt) sie dazu erst zwingen müsste).
      Damit kommentiert der Mufassir Ibn Kathîr (rh) u.a. die zuvor genannte Âyah Al-Isrâ‘ 16.
      Dass Allah (swt) die Menschen immer warnt, bevor ER (swt) sie durch Katastrophen heimsucht, kann man m.E. u.a. der Âyah Al-Qas°as° 59 entnehmen.

    • Muhammad Ibn Maimoun

      السلام عليكم

      Es gibt zwei Hauptdeutungen von „Befehl“ an dieser Stelle, sowohl die kosmologische als auch die normative Deutung.

      Siehe auch „Gott befiehlt keine Schlechtigkeiten“ in: http://www.lichtwort.de/indikatoren/sonstige.shtml#gott_befiehlt_keine_schlechtigkeiten

  2. .

    Selam,

    ich glaube – und Allah weiß es besser – die Übersetzung von Azhar ist hier mithin ziemlich nachvollziehbar: „Wenn Wir eine Stadt zugrunderichten wollen, lassen Wir die in Saus und Braus lebenden Genußmenschen die Oberhand gewinnen und Untaten begehen, so daß sie die Strafe verdienen. Dann vernichten Wir sie ganz und gar.“ Im Grunde ist es ja das, was ihr schon festgestellt habt, eventuell macht die Erwähnung der Luxurierenden dann auch Sinn.

    Gott weiß es am besten.

    Frieden.

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    • Muhammad Ibn Maimoun

      وعليكم السلام

      „Die Oberhand gewinnen“ ist eine näherungsweise Übersetzung der Ya’qûb-Lesart („aamarnaa“ statt „amarnaa“). Die anderen Hauptlesarten lassen für sich allein betrachtet diese Übersetzung nicht zu.

  3. .

    Besser noch wäre vielleicht: „Oberhand gewinnen und so freveln sie […]“

    Antworten
  4. .

    Und Gott weiß es besser.

    Antworten
  5. .

    Anmerkung:
    „eventuell macht die Erwähnung der Luxurierenden dann auch Sinn“ muss, „deswegen“ heißen.

    Gott möge mir verzeihen, Frieden.

    Antworten
  6. .

    Für den Fall der Fälle : Falls durch das „eventuell“ ein kufr vorliegt, Gott bewahre:
    aschhadu an la-ilaha-ill-allah wa aschhadu anna muhammadan rasulullah

    Entschuldigt diese 10fachen Kommentare, eine Edit-Funktion wäre ziemlich gut.

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