Ramadan-Kalender

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Der Ramadan steht vor der Tür und jedes Jahr empfangen die Muslime ihn unterschiedlich. Die Eltern haben da ganz raffinierte Ideen, um den Ramadan für ihre Kinder angenehm zu machen. Es ist in den letzten Jahren unter den Eltern Brauch geworden, mit den Kindern gemeinsam einen Ramadan-Kalender – vergleichbar mit dem Adventskalender bei den Christen – zu basteln.

Ich persönlich halte das für eine banale Angelegenheit. Und dass man überhaupt diskutiert, ob es erlaubt ist oder nicht, lässt tief blicken. Einige wenden ein, dass so etwas eine Nachahmung der Andersgläubigen sei, und damit ist das Thema dann erledigt. Allerdings zeigt sich, dass dies eine sehr oberflächliche Herangehensweise ist. Nicht jede von den Andersgläubigen übernommene Anregung ist eine Nachahmung, und nicht jede Nachahmung ist verboten.

Der Ramadan-Kalender ist offensichtlich ein abgewandelter Adventskalender. Die Muslime kannten sowas bisher nicht.

Der Prophet ﷺ sagte: „Wer ein Volk nachahmt, der gehört zu ihnen.“ [1] In einigen Erklärungen [2] heißt es: »…der gehört zu ihnen,« was die Sünden angehen und das Gute angeht. Mit anderen Worten ist die Aussage des Gesandten Allahs ﷺ eine neutrale Aussage. Wer Gutes von einem Volk nachahmt, der gehört zu ihnen, was das Gute angeht, und wer auf der anderen Seite Schlechtes von einem Volk nachahmt, der gehört zu ihnen, was das Schlechte angeht.

Eine Nachahmung ist nicht grundsätzlich immer verboten. Verboten sind eigentlich nur zwei:

Zum einen sind das charakteristische Eigenschaften eines andersgläubigen Volkes, d.h. etwas, von dem die Leute sagen: Das macht nur jemand, der zu dieser bestimmten Religionsgruppe gehört. Beispiele dafür wären: das Tragen eines Kreuzes (machen nur Christen), Weihnachten Feiern (machen nur Christen), ein Priestergewand Tragen (machen nur christliche Priester), ein braunes Wollgewand mit einem Seil um dem Bauch Tragen (machen nur Mönche), ein oranges Gewand und Glatze Tragen (machen nur buddhistische Mönche), etc.[3]

Jemand, der sowas macht, wird als Konsequenz für einen Angehörigen der jeweiligen Religionsgemeinschaft gehalten.

Bei einem Ramadan-Kalender ist dies von vornherein ausgeschlossen. Niemand wird einen Menschen, der einen Ramadan-Kalender bei sich zuhause aufhängt, für jemand anderen als einen Muslim halten. Welcher Nichtmuslim käme auch auf so eine Idee? Selbst wenn dieser Brauch von den Christen inspiriert wurde, so besteht die Gefahr einer Identifikation mit ihnen an keiner Stelle.

Die zweite Art verbotener Nachahmung ist, wenn etwas direkt mit der Absicht getan wird, eine andere Religionsgemeinschaft nachzuahmen, z.B. aus Bewunderung ihnen gegenüber. Das wäre der Fall, wenn jemand einen Ramadan-Kalender bastelt und dabei die Absicht hat, den Christen zu gefallen, weil er ihre überlegene Stellung anerkennt, o.Ä. Aber auch das kann hier sicherlich ausgeschlossen werden. [4]

Das sind die zwei Arten, die verboten sind, und was alle andere angeht, so ist es überhaupt nicht verboten. Man sollte sich hierbei das Ereignis vor die Augen führen, als der Prophet nach Madinah kam. Die Juden haben gefastet und er fragte nach dem Grund ihres Fastens an diesem einen Tag. Die Antwort war, dass sie ihn aus Dankbarkeit und Ehrung gegenüber Allah fasten, da Allah Moses vor dem Pharao errettet hat. Hierauf befahl der Prophet, dass die Muslime diesen Tag ebenso fasten sollen. [5] Nicht alles, was nicht aus islamischen Ursprüngen ist, ist verboten.

Wenn Eltern anfangen, mit ihren Kindern solch ein Kalender zu basteln, so würde niemand denken, dass sie Christen seien oder diese in Ehrerbietung und Bewunderung nachahmen. Demnach kann man es den Eltern nicht verbieten. Die sogenannten Begründungen für das Verbot sind mehr als oberflächlich und fadenscheinig.

Wie ich am Anfang bereits sagte, es ist tatsächlich ein sehr banales Thema. Ich fühlte mich jedoch gezwungen, etwas zu sagen, da einige komische Urteile im Umlauf waren, die wieder das Leben vieler Eltern in Deutschland erschweren und sie in die Enge treiben. Ich bin sehr tolerant, was andere Meinungen angeht, doch wenn islamisches Recht missbraucht wird, um es den Menschen zu erschweren und sie in die Enge zu treiben, da hört jeder Spaß auf.

Möge Allah uns den Ramadan erreichen lassen und ihn zu einer gesegneten Zeit mit den Liebsten machen!

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[1] Siehe [مسند الإمام أحمد] unter der Nummer 5634
[2] Siehe [مرقاة المفاتيح شرح مشكاة المصابيح] Band 7, Seite 782
[3] Siehe [الموسوعة الفقهية الكويتية] Band 13, Seite 1 – 6, [شرح منتهى الإرادات] Band 3, Seite 369 und [كشاف القناع عن متن الإقناع] Band 6, Seite 170
[4] Siehe [الموسوعة الفقهية الكويتية] Band 13, Seite 1 – 6, [شرح منتهى الإرادات] Band 3, Seite 369, und [كشاف القناع عن متن الإقناع] Band 6, Seite 170
[5] Siehe [سنن أبي داود‎] unter der Nummer 2444

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3 Antworten auf “Ramadan-Kalender”

  1. Muhammad Ibn Maimoun

    السلام علسكم

    Ob verboten oder nicht, es ist aus meiner Sicht recht armselig, aus Ramadan ein muslimisches Weihnachten zu machen, nach dem Motto „Wir wollen auch mal Weihnachten!“

    „Und dass man überhaupt diskutiert, ob es erlaubt ist oder nicht, lässt tief blicken.“

    Ich finde, Diskussionsverbote (auch scheinbare) bringen uns nicht weiter.

    „…da einige komische Urteile im Umlauf waren, die wieder das Leben vieler Eltern in Deutschland erschweren und sie in die Enge treiben.“

    Die Einzigen, die in meiner Vorstellung eine Erschwernis haben können, sind die, die solche Sachen ohne nachzudenken in Massen hergestellt haben und ihre Produkte loswerden möchten.

    Antworten
    • Muhammad Ibn Maimoun

      Gerade habe ich noch bei mir gedacht: „Wetten, irgendwann kommt noch der Ramadanbaum (analog zum Weihnachtsbaum)?“

      Dann kam die verhängnisvolle Idee, einfach mal „ramadan tree“ in die Bildersuche einzugeben: http://gnm.li/ramadan-baum

    • Muhammad Ibn Maimoun

      @Behzad

      Hab meine Kommentare in der Tonlage entschärft – hab vorher fälschlicherweise gedacht, das sei nicht dein Text, sondern von einer anderen Seite übernommen.

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