Der Bart und der Islam

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Der große deutsche Dichter und Literat Johann Wolfgang von Goethe hatte eine deutliche Meinung über den Bart, in dem er in seiner „Italienischen Reise“ folgendes darlegte:

«Es war mir auffallend, daß eigentlich Haar und Bart dazu gehören, um sich von dem männlichen Individuum einen Begriff zu machen. Erst mit Aufmerksamkeit, dann mit Erstaunen musterte ich die vor mir vorüberziehende Reihe und war wirklich entzückt, zu sehen, daß ein Gesicht, von Haar und Bart in einen Rahmen eingefaßt, sich ganz anders ausnahm, als das bartlose Volk umher.»

Doch schon unsere Ahnen würdigten den Bart als einen speziellen Schmuck des Mannes, als Ausdruck seiner Stärke und Willigkeit zur Fortpflanzung. Meistens besaß er jedoch eine kultische und religiöse Bedeutung. Bei den sogenannten wilden Germanen galt er als Statussymbol eines Kriegers, der nicht nur seinen Bart frei wachsen ließ, sondern auch sein Haupthaar. Im Laufe der Zeitgeschichte veränderte sich immer wieder die Bedeutung des Bartes und die Art ihn zu tragen. Oftmals war es auch so, dass abweichende Tragemuster als Fremdheit interpretiert wurden. In der Jetztzeit, in Zeiten von Conchita Wurst, ist er meistens ein modisches Attribut, welches ein individueller Ausdruck einer hedonistisch, entwurzelten Gesellschaft ist. Ganz anders bei uns Muslimen: Der Bart gilt als tradierte Norm und sein wachsen lassen als Tugend. Nun ist ein Buch über das islamische Urteil des Rasierens des Bartes erschienen. Wir haben einen Blick gewagt.

Wozu dieses Buch?

Sowas gab es wohl noch nie im deutschen Sprachraum. Ein ganzes Buch mit dem Titel „Das islamische Urteil über das Rasieren des Bartes“ über die Rechtsfragen bezüglich des Bartes. Das liegt sicherlich nicht daran, dass der Bart zurzeit in der Gesellschaft als „hip“ angesehen wird, sondern weil viele Muslime diesbezüglich keine richtige Einstellung haben. Der eigentliche Autor Ālu Quddūs, der Kompilator Al-Balqani und ein weiterer Stab an Schreibern, haben sich wohl deswegen ein Herz gefasst und die Erstellung dieses „Self-Publishing“ Büchleins riskiert. Dennoch könnten einige Brüder vor der Kaufentscheidung zurückschrecken: Ein Buch nur über den Bart?

Die Aufmachung des Buches

Die Schrift ist recht groß und die allgemeine Formatierung großzügig, d.h. es ist kein riesiges Werk, was vielleicht das Wort „Buch“ impliziert. Somit gibt es bezüglich der obigen Frage eine Entwarnung. Nach einiger Zeit der Gewöhnung, vermag jedoch gerade dieses ungewöhnliche Format gleichsam mit dem Inhalt des Buches eine Symbiose einzugehen: Die kernige Prägnanz des Textes – unterfüttert mit Passagen aus dem edlen Koran und den Überlieferungen unseres geliebten Propheten Muhammad (s.a.s.)- geht mit den Maßen des Buches einher und lassen haptisch und lesend einen starken Eindruck zurück. Dabei spielt insbesondere die klare Struktur eine maßgebliche Rolle. Ein weiterer guter Aspekt stellt die gute Orthographie dar. Diese mindert oftmals in vielen islamischen Büchern die Qualität.

Der Inhalt des Buches

Um es kurz zu machen: Ja, der Bart ist eine Pflicht im Islam. Denn es wird Folgendes überliefert:

IbnʿUmar (r.)sagt, dass der Prophet Muhammad (s.a.s) sagte:

Schneidet die Schnurrbärte kurz, und lasset die Bärte frei wachsen.

Dieses wird durch die folgende Anweisung von Allāh subhanahu wa ta’ala untermauert:

Und was euch der Gesandte gibt, das nehmt an; und was er euch untersagt, dessen enthaltet euch. Und fürchtet Allāh; wahrlich, Allāh ist streng im Strafen. (59:7) [1]

Doch wie geht das Buch vor? Nach der Definierung des arabischen Begriffes für „Bart“ – was zeichnet eigentlich einen Bart aus? – folgt die Beweisführung nach Koran und Sunnah, die Attribute eines Bartträgers, Aussagen von namenhaften Gelehrten wie Ibn Hazm al-Andalusi und zu guter Letzt, einige Anmerkungen, eine Art Fragenkatalog, der sich rund um den Bart dreht. Wie sieht es mit dem Färben des Bartes aus? Darf ich den Bart stutzen? Besonders interessant wird genau dieser letzte Abschnitt des Buches: Hier wird nämlich näher auf die Bedeutungsebenen der Begrifflichkeiten „Makruh“ und „Haram“ eingegangen. Wann kann „Makruh“ auch „Haram“ bedeuten? Dankenswerterweise werden im Allgemeinen die Überlieferungen über die Aussagen unseres Propheten Muhammad (s.a.s.) auch mit den Meinungen der Rechtsschulen verknüpft. Dieses ist leider bei vielen Publikationen aus dem salafitischen Milieu nicht selbstverständlich – sondern wird gar sträflich vernachlässigt. Vielleicht wird jemand argumentieren, dass Koran und Sunnah ausreichen, doch die muslimische Gemeinde hängt derart an den tradieren Rechtsschulen und deren explizite Argumentation, sodass dieses notwendig ist.

Für wen es sich eignet

Dieses Büchlein eignet sich beileibe nicht für jedermann Muslim. Gerade neu-praktizierenden Geschwistern würde ich von dem Kauf dieser Schrift abraten. Das liegt einfach daran, dass das Einzelthema „Bart“ hier in seiner Detailliertheit geschildert wird. Dieses wiederrum ist zwar für Neulinge durchaus interessant, aber diese Geschwister sollten sich vielmehr zuerst mit der grundlegenden Glaubenslehre der Muslime auseinandersetzen. Erst im Prozess der weiteren Religionsausübung kommen dann Fragen auf, wo der Muslim dann durchaus auf dieses Werk zurückgreifen kann. Gerade schon länger praktizierende Muslime, mit dem Hang zur rechtlichen Penibilität, werden an diesem Werk ihre Freude haben. Dieses beruht darauf, dass löblicherweise umfangreiche Quellenangaben in Form von Fußnoten vorhanden sind. Zudem sollte man etwas arabisch können, da manche Begriffe nicht eingedeutscht wurden. Nun bleibt nur noch eines zu sagen: Habt Mut einen Bart zu tragen, denn schon William Shakespeare stellte fest:

Wer einen Bart hat, ist mehr als ein Jüngling, und wer keinen hat, weniger als ein Mann. 

Das Buch könnt ihr im Ansaar-Shop bestellen und könnt nebenbei noch etwas Gutes tun, oder ihr bestellt es unter dieser Emailadresse:

al-bayaan@posteo.de

Ṣafuah IbnḤasan Ālu Quddūs und Abū Ṣuhayb Al-Balqani: Das islamische Urteil über das Rasieren des Bartes.  Self-Publishing. 143 Seiten

[1] Überlieferung und Koranzitat übernommen aus dem Rezensionsbuch, S.26 und S.37

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