Der Aufrufer im Restaurant – Koran verboten?

7 Kommentare

[Vorbemerkung: Dieser Artikel ist im Wesentlichen eine Zusammenführung zweier Kommentare, die ich schon vor Monaten veröffentlicht habe. Er ist also, bis auf den kurzen Absatz in der Mitte, nicht auf das Lies-Projekt bezogen. Da die jüngsten Ereignisse um dieses Projekt aber exemplarisch für die damaligen Bemerkungen sind, passte die nochmalige Veröffentlichung an dieser Stelle.]

Die Aussage, dass jemand, der die Religion der Ergebung (islâm) ablehnt und so stirbt, der unaufhörlichen Peinigung im Feuer anheimgegeben wird, mag sich für viele Ohren primitiv anhören, so wahr es auch ist. Der Eindruck der Primitivität wird hierzulande aber insbesondere durch so manchen der bisherigen Überbringer dieser Aussagen zementiert, wenn nicht gar (mit-)verursacht. Es fehlt der westlichen Gesellschaft schlichtweg an intellektuell, charakterlich, sprachlich und stilistisch ernstzunehmenden Dialogpartnern, die ihr solche Lehren nachvollziehbar und gedanklich anregend begründen.

Wir bezeugen mit unserer shahâdah, dass Mohammed (s) der Gesandte Gottes ist. Man beachte das Wort „bezeugen“. Sinn und Zweck einer Bezeugung ist in der Regel, anderen Menschen, die sich (noch) nicht selbst, d.h. durch die eigene Begutachtung von Beweisen oder durch eigene Beobachtung, vom Wahrheitsgehalt der bezeugten Aussage überzeugen können, zu erleichtern, diese dennoch wenigstens vorläufig zu akzeptieren. Man bringt also die eigene Person als Argument ein. Nichts anderes tun Zeugen vor Gericht. Wie will man aber der Funktion der Bezeugung gerecht werden, wenn man keine überzeugende Persönlichkeit besitzt?

Z.B. konnten wir heute in den „Social Media“ lesen:

Liebe Geschwister

Der Quran wurde verboten in Deutschland

Wir haben jedem Allahs Botschaft erbracht

Allah u Akbar

Es muss nicht groß ausgeführt werden, dass weder der Koran verboten wurde, noch der betreffende Verein jemals in nennenswertem Maß den Koran verteilt hat, sondern sich lediglich auf die Verteilung einer schwachen Übersetzung von ihm spezialisiert hatte. Und selbst diese kann weiter verteilt werden.

Freilich wird einiges getan, um charakterlich oder inhaltlich gut positionierte Leute nicht zu Wort kommen zu lassen, und für eine Talkshow ist es dramaturgisch interessanter, exotisch kostümierte, u.U. gebrochen Deutsch sprechende und diverse Klischees bedienende Antagonisten zu präsentieren. Heutzutage ist dies aber eher eine schwache Entschuldigung, und es ist davon auszugehen, dass auf unserer Seite einfach zu wenig dafür getan wird, einigermaßen „richtige“ Persönlichkeiten und Institutionen und sich selbst als eben solche hervorzubringen und sie auf die Bühne zu bringen.

Darüber jammern, wie schwer es uns im Aufruf (dawah) zur Religion Gottes hierzulande gemacht und der Aufruf zur Wahrheit gegenüber den Aufrufen zur Unwahrheit benachteiligt werde, kann man so viel, wie der Tag lang ist. Nicht nur verglichen mit der Situation in Mekka vor der Auswanderung des Gesandten Gottes (s) aber bieten sich hier in Westeuropa dem Aufruf zum Wege Gottes nach wie vor geradezu unglaubliche Möglichkeiten (noch). In diesem modernen, ruhigen und renommierten Restaurant kann prinzipiell jeder Meinungsträger relativ gleichberechtigt dinieren. Was aber passiert wohl mit einem Gast im Karnevalskostüm, der an seinem Tisch die Blicke auf sich zieht, weil er wie ein Wahnsinniger das Essen in großen Klumpen hinunterschlingt, quer durch den Raum nach der Bedienung ruft und sich zwischendurch auch noch lautstark über sie beschwert, vielleicht auch noch hörbar herumrülpst?

(Erstfassung: http://www.lichtwort.de/gemischtes/der-kommentar.html)
Bild: Wikimedia Commons

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7 Antworten auf “Der Aufrufer im Restaurant – Koran verboten?”

  1. Muhammad Ibn Maimoun

    السلام عليكم

    Ich habe den Artikel nachträglich um eine Vorbemerkung ergänzt.

    Außerdem habe ich den Titel etwas angepasst.

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  2. saidi

    Wie kommt ihr oder du darauf das noch der betreffende Verein jemals in nennenswertem Maß den Koran verteilt hat??? Das Projekt hat 3.5 Millionen Exemplare verteilt und das nur in Deutschland.

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  3. saidi

    Ich hab den Text zuende gelesen. Ich meine nicht die angeblich schwache Übersetzung ect ich meine wieso im Text steht das Dass ließ Projekt keine angeblich keine nennenswerten Absatz zahlen haben soll.was nicht stimmt da ja 3.5 Millionen Exemplare verteilt wurden.

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  4. saidi

    1.ja bin Muslim.
    2.der quran ist Allahs Offenbarung, mit dem quran wurde unsere Religion vervollkommnet.

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