Eine vergessene prophetische Handlung — Teil 2

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Im ersten Teil haben wir kennengelernt, dass Allah die Barmherzigkeit zur Natur des Propheten ﷺ gemacht hat und sie jene Wesensart und jener Wesenszug ist, der in seinem Leben deutlich und stets — und sogar in den schwierigsten Situationen — präsent war, sei es gegenüber dem Nahen oder Entfernten, Freund oder Feind, Gläubigen oder Ungläubigen etc. Wir haben angefangen, über seine Barmherzigkeit gegenüber seinen Liebsten und Familie zu reden, und erwähnten dabei einige Beispiele, die uns seinen Umgang mit seiner Familie verdeutlichen. In diesem zweiten Teil unserer Reihe «Eine vergessene prophetische Handlung», werden wir weitere Begebenheiten und Beispiele aus seinem Leben kennenlernen, die durch den Wesenszug der Barmherzigkeit gekennzeichnet sind.

Wenn wir über die Größen der Menschheit reden, so ist einer der ersten Sachen, die wir über sie erwähnen, ihr Verstand. Zweifelsohne wurde der Prophet ﷺ gesegnet, sodass dessen Meinungen, Entscheidungen, Beschlüsse etc. vollkommen waren. Es bleibt ebenso niemandem von uns verborgen, dass dem Propheten ﷺ Offenbarung von Allah eingegeben wurde, so war er der vollkommenste in dieser Hinsicht. Doch trotz der Tatsache, dass die Stellung seiner Meinung, Entscheidung oder seines Beschlusses gewaltig war, hat es ihn nicht daran gehindert, Ratschläge bei seinen Ehefrauen zu ersuchen, ihre Meinungen und Gedanken hinsichtlich zahlreicher Angelegenheiten zu hören, denn er ﷺ wusste, dass derjenige, der die Meinungen und Gedanken anderer herabwürdigt, den Weg der Tyrannen einschlägt, so wie etwa der Pharao, als er sagte: „Ich rate euch nichts anderes als das, was ich meine, und ich leite euch auf nichts anderes als auf den Weg der Richtigkeit!“ [49:29] Er war nicht gegenüber den Ratschlägen, Meinungen und Gedanken anderer arrogant, sodass er sagte, er ﷺ sei ein Prophet oder Gesandter, vielmehr änderte er ﷺ seine Meinungen.

Eine weitere Begebenheit, die die Barmherzigkeit des Propheten ﷺ gegenüber seiner Familie zeigt, ist, dass er ﷺ weder zuhause noch unterwegs es als eine Schande sah, eine helfende Hand für seine Familie zu sein. Die Mutter der Gläubigen A’ishah wurde einst gefragt, was es war, was der Prophet ﷺ in seinem Zuhause zu tun pflegte. Sie sagte: „Er ﷺ pflegte im Dienste seiner Familie zu sein und wenn die Zeit des Gebets eintrat, ging er zum Gebet hinaus.“ [al Bukhari] Nicht nur zuhause ist solch ein Verhalten zu beobachten, sondern auch wenn die Menschen präsent waren. Trotz seiner erhabenen Stellung und seines gewaltigen Stellenwerts, empfindet er es nicht als eine Schande, seiner Ehefrau zu helfen, auf das Kamel zu steigen. Anas Ibn Malik sagte: „Ich sah den Propheten, wie er seinen Umhang faltete und ihn [um die Höcker des Kamels] legte. sodann setzte er sich neben das Kamel und legte sein Knie so hin, sodass Saffia ihren Fuß darauflegen konnte und auf das Kamel stieg.“ [al Bukhari] Ebenso erzählt uns Anas eine weitere Begebenheit, und zwar als die Mutter der Gläubigen Saffia während einer Reise ein langsames Kamel hatte und sie weit hinten lag: „Die Frau des Propheten Saffia weinte, woraufhin der Prophet begann, ihre Tränen mit mit seinen Händen wegzustreichen und sie zu beruhigen.“ [Sunan an Nasa’i al Kubra]

Da wir bereits jetzt bei Anas Ibn Malik angelangt sind, können wir auch etwas von ihm berichten. Anas sagte: „Ich war zehn Jahre im Dienste des Propheten. Bei Allah! Weder hat er jemals mir gegenüber ein Wort der Unzufriedenheit geäußert, noch hat er hinsichtlich einer Sache, die ich gemacht habe, gesagt, warum ich sie gemacht habe, oder zu einer Sache, die ich nicht gemacht habe, warum ich sie nicht gemacht habe.“ [al Bukhari] In anderen Wortlauten heißt es: „Ich war in seinem Dienste während der Reise und während wir ansässig waren…“ Man muss hier anmerken, dass Anas nicht zu den Gefährten gehörte, die alt und weise waren, die viel Erfahrung im Leben hatten und die vieles durchgemacht hatten, sodass er keine Fehler gemacht hat. Er war noch ein Kind, als er damit anfing, im Dienste des Propheten ﷺ zu stehen, und zwar war sein Alter zwischen acht und zehn Jahren. Es ist ganz normal und natürlich in solch einem Alter Fehler zu begehen, Sachen, die einem aufgetragen worden sind, zu vergessen, doch in all diesen zehn Jahren äußerte der Prophet ﷺ nicht ein einziges Mal seine Unzufriedenheit gegenüber ihm, denn sein Benehmen war eine Manifestation des Koran: „Wenn ihr aber verzeiht, nachsichtig seid und vergebt – gewiß, so ist Allah Allvergebend und Barmherzig.“ [64:14], „Und nicht gleich sind das Gute und das Schlechte. Wehre ab mit dem, was besser ist.“ [41:34] etc.

Zweifelsohne zeigt sich, dass Allah diesen Propheten ﷺ ausgezeichnet und gesegnet hat, in dem Er ihm einen vorzüglichen und beispielhaften Charakter gab: „Und du bist wahrlich von großartiger Wesensart.“ [68:4] Imam Izz al Din Ibn Abdussalam sagte: „So ist zu wissen, dass er der vorzüglichste in den zwei Wohnstätten ist: Was das Diesseits angeht, so ist es aufgrund dessen, was er an erwähnten Charaktereigenschaften inne hat. Was das Jenseits angeht, so ist es aufgrund dessen, da die jenseitige Belohnung aus den Charakteristiken und Charaktereigenschaften resultiert. Wenn er [nun] hinsichtlich der Tugendhaftigkeit und den Charakteristiken gegenüber anderen erhöht und ausgezeichnet worden ist, so wurde er demnach hinsichtlich der Stufen und Ränge gegenüber ihnen erhöht und ausgezeichnet.“ [Bidayatus-Sul, Seite 47]

Abschließend ist zu sagen, dass wir tatsächlich in einer Zeit leben, in der wir uns nicht um dieses gewaltige Erbe kümmern. Wir schauen nach Links und Rechts, um jemanden zu finden, den wir nachahmen können, und damit meine ich nicht, dass wir auf Nichtmuslime schauen, sondern auf Muslime, Großgelehrte etc., selbst wenn sie zweifelsohne eine sehr hohe Stellung bei Allah haben. Wenn wir über schöne Wesensarten und Wesenszüge reden, so erwähnen wir öfters Beispiele aus der Zeit der rechtschaffenen Vorfahren oder danach und lassen die prophetischen Beispiele außer Acht. Zweifelsohne ist deren Stellung gewaltig, doch bevor wir diese Beispiele erwähnen, müssen wir Beispiele aus dem Leben des Propheten ﷺ erwähnen, denn „ihr habt ja im Gesandten Allahs ein schönes Vorbild…“ [33:21]

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