Meine Freiheit muss noch lang nicht deine Freiheit sein

29 Kommentare

Der „radikale Islam“, der in jüngerer Zeit vornehmlich mit der Vokabel „Salafismus“ identifiziert wird, steht der freiheitlich-demokratische Grundordnung unseres Landes diametral entgegen, so der Tenor in den Lautäußerungen deutscher Berufspolitiker. In Deutschland lebende Muslime müssten sich von freiheitsfeindlichen Tendenzen distanzieren und sich zur freien Gesellschaft bekennen, heißt es. In eifrigem Verlangen nach der Zufriedenheit ihrer Herren, werden die islamischen Vertretervereine dem entsprechend auch nicht müde gebetsmühlenartig ihre Lobhudeleien für die freiheitlich-demokratische Grundordnung herunterzuleiern und sich von ihren vermeintlichen Glaubensbrüdern zu distanzieren.

Was aber hat es eigentlich mit dieser viel gepriesenen Freiheit auf sich, zu der wir rückständigen Extremisten uns bekennen müssen? Ist es nicht gerade in Deutschland so, dass der Krake Staat seine schleimigen Tentakel in jeden Bereich des öffentlichen und privaten Lebens seiner Bürger streckt und dass von Freiheit und Selbstbestimmung kaum noch irgendwo die Rede sein kann? Wir sind nicht frei über unseren Besitz zu verfügen, sei es weil man durch unzählige Steuern und Abgaben um ihn gebracht wird oder sei es, weil man durch hunderte Regeln und Verordnungen in seiner Nutzung beschränkt wird. Schon das regelmäßige Übernachten in der eigenen Gartenlaube kann zum höchst illegalen, kriminellen Akt werden und wer meint sich beim Bau seines Hauses nicht peinlichst genau an jede noch so kleinliche und willkürliche Vorschrift halten zu müssen, der wird schneller als ihm lieb sein kann Bekanntschaft mit der Abrissbirne machen, die selbstverständlich selbst allen EU-Vorgaben hinsichtlich ihres Gewichts und ihrer Form entspricht. Auch sind wir nicht frei Verträge miteinander zu schließen. Wer etwa einen Arbeiter beschäftigen will, kann mit diesem Vergütung, Arbeitszeit, Urlaubsansprüche und andere Bedingungen nicht frei verhandeln, sondern er unterliegt den engen Schranken des Gesetzes, inklusive „Moral Hazards“ wie der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, die so in freien Verhandlungen wohl nie zustande käme. Hinzu kommen noch Steuern und Zwangsversicherungen in ruinöser Höhe, deren Nichtabführung nicht nur illegal und mit Strafen behaftet ist, sondern die auch dazu führt, dass damit im Zusammenhang stehende Verträge unwirksam werden. D.h. wer schwarz arbeitet, kann seinen Lohn nicht vor Gericht einfordern, wie auch der BGH just in diesem Jahr höchstrichterlich feststellte. Auch sind wir nicht frei über die Erziehung und Ausbildung unserer Kinder zu entscheiden. Sie werden, ob wir es wollen oder nicht, in staatlichen Institutionen zwangsbeschult und nach den gerade aktuellen Wertvorstellung der Herrschaftsclique zwangserzogen. Alternativen gibt es keine, denn auch Privatschulen sind dem staatlichen Diktat unterworfen. Wer sich dem widersetzt, der wird mit mit einem breiten Spektrum freiheitlicher Maßnahmen konfrontiert: von Geldstrafen und Beugehaft bis hin zum Kindesentzug. Auch viele andere Freiheiten bestehen nur auf dem Papier. So mag z.B. die Vereinigungsfreiheit für einen Verein, der sich der Rassekanienchenzucht widmet, durchaus Bestand haben, für alle unbequemen Vereinigungen jedoch gibt es eine großes Arsenal an Gummiparagraphen, das nur darauf wartet, Anwendung zu finden. Es genügt schon, dass eine Vereinigung gegen den „Gedanken der Völkerverständigung“ agiert um ihn verbieten zu können. Ob wohl Angriffskriege und Drohnenterror der Völkerverständigung dienlich sind? Aber das ist ein anderes Thema. Ähnliches gilt für die Redefreiheit oder auch die Reisefreiheit. Natürlich kann jeder an den Ballermann reisen. Niemand wird ihn aufhalten. Beabsichtigt jedoch aktuell jemand eine Reise nach Syrien, sind bereits Paragraphen gegen ihn in Stellung gebracht, die ihn unter Androhung von Geld- und Freiheitsstrafen im Hoheitsgebiet der freiheitlich-demokratischen Grundordnung festsetzen.

Man könnte die Liste an Gängelungen, Entmündigungen und Unfreiheiten noch endlos fortsetzen. Dass trotz alldem noch stolz verkündet wird, wie freiheitlich diese Gesellschaft sei, lässt erahnen, dass der Freiheitsbegriff einer Umdeutung anheimgefallen ist – das Orwellsche Neusprech lässt grüßen. So muss es dann auch nicht verwundern, dass es schon normal geworden ist davon zu sprechen, was man alles in einer freiheitlichen Gesellschaft nicht dulden könne bzw. verbieten oder vorschreiben müsse. Frankreich hat mit seinem Verschleierungsverbot für Frauen vorgemacht, dass selbst willkürliche Kleidungsvorschriften ganz im Sinne der Freiheit sind.

Ein jeder Apologet wüsste an dieser Stelle einzuwenden, dass all diese Beschränkungen und Vorschriften ja von den Menschen gewollt und durch demokratische Wahlen herbeigeführt worden sind. Alle Gesetze sind demokratisch legitimiert, was den bundesdeutschen Staat etwa vom „Unrechtsstaat“ der DDR oder auch von islamistischen Vorstellungen unterscheidet. Leider wird die legitimierende Wirkung des demokratischen Prozesses stets als gegeben vorausgesetzt, ohne dass es dafür eine wirkliche Begründung gibt. Selbst wenn das Volk unmittelbar über Gesetze entscheiden würde, was es ja bekanntlich nicht kann, würde sich die Frage stellen: Was legitimiert denn nun 51% den übrigen 49% etwas vorzuschreiben? Kann durch eine Stimmenmehrheit Recht zu Unrecht und Unrecht zu Recht werden? Wenn einige Öko-Hysteriker Windmühlen bauen wollen, deren Betrieb unwirtschaftlich ist, kann es dann rechtens sein, dass jeder Einzelne für diese Projekte zahlen muss, ob er will oder nicht? Und wenn einige Leute sexuelle Perversionen pflegen und krude Vorstellungen von Familie und Geschlechterrollen haben, kann es dann rechtens sein, dass Kinder mit diesen Gedanken zwangsindoktriniert werden, ob es den Eltern gefällt oder nicht?

Als Muslime besteht für uns kein Grund uns für die Ablehnung dieses perfiden Systems zu schämen, vielmehr sollten sich jene schämen, die versuchen die islamische Lehre zu verwässern um auf diese Weise Anerkennung von staatlicher Seite zu gewinnen. Wir können uns unsere Bejahung des islamischen Rechts stolz auf die Flagge schreiben, denn das islamische Recht hat sich seit über 1400 Jahren nicht verändert und wird sich auch in Zukunft nicht in den Wogen des Zeitgeistes verändern. Gewiss, der Islam schreibt einer Frau bestimmte Kleider vor und gewiss, der Islam sieht bestimmte Strafen für Verbrechen vor. Der Mensch ist also nicht völlig frei von Gesetzen. Wir akzeptieren diese Gesetze jedoch als von unserem Schöpfer für uns bestimmt genauso, wie der Tod für uns bestimmt ist und sehen in ihrer Gültigkeit keinen Unterschied zu den Gesetzen der Natur, gegen die es von vornherein keine Möglichkeit des Widerstands gibt. Was jedoch die Flausen, Hirngespinste und Fantasien unserer Mitmenschen angeht, so ist der Islam die ultimative Freiheitserklärung, denn weder ein Sozialist, noch ein Öko-Hysteriker oder ein Gender-Wahnsinniger wird jemals im Islam Legitimation finden, seine Vorstellungen auf jemand anderen als sich selbst anzuwenden.

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29 Antworten auf “Meine Freiheit muss noch lang nicht deine Freiheit sein”

  1. cairn

    Oh wie ist das alles schrechlich wenn man die guten Strassen, fliessend Wasser,
    das Krankensystem (na schon ausgetreten, geht), diese schreckliche Last
    der Religionsfreiheit und die fürchterliche Mühe dieses infame Sozialsystem
    der Salafistenalimentierung zu ertragen.
    War da nicht noch was mit Reisefreiheit in die herrlichen Länder des Islam.
    Somalia soll da prima Wetter haben.
    Ein runde Mitleid, wer kurz vor dem Selbstmord durch Zerrüttung seiner Seele steht,
    kann mir ja mailen.
    Zu blöd das das mit der Dhimmisteuer hier nicht läuft was.
    (hier gibts auch Abendschule , kostet nix, schon mal dagewesen ?)

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  2. Dunja Fanaa

    Klasse Artikel, gut auf den Punkt gebracht. Aber die Kuffar unterwerfen sich ja lieber freiwllig einem Gesetz, dass sie alle gleichschaltet und in jeder Hinsicht willkürlich über Verbot und Rechtmäßigkeit entscheidet, wenn sie dafür nur jegliche Peversion und Abnormalität ausleben dürfen.
    Alhamdulillah 3ala ni3matil Islam.

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  3. Aphelótes

    Um nach dem Haufen Polemik mal etwas konstruktivere Kritik anzubringen…
    Es gibt da einen Punkt, der gerade bei solch polemischen Ausführungen etwas stört:

    Auf Internetseiten wie diesen sieht man es ziemlich häufig, wie mit unglaublichem Elan, noch unglaublicherer Selbstgerechtigkeit und gefühlt bis in den Himmel erhobenen Zeigefinger gegen die westlichen Systeme und die bösen Kuffar (bei nichtislamischen Gruppierungen einfach durch entsprechendes Feindbild ersetzen) gewettert wird mit der Prämisse, das man ja selbst alles besser weiß und die Weisheit mit Löffeln gegessen hat.
    Ich wäre vielleicht bereit, Kritik in solch einer Form zu akzeptieren, gäbe es irgendwo auf dieser Welt ein Vorzeige-Kalifat, in dem offensichtlich alles Kritisierte besser gemacht wird und alle brüderlich und friedlich miteinander leben, doch ich brauche wohl nicht zu erwähnen, dass die Realität völlig anders aussieht…

    Nicht nur etwas lächerlich wirkt es daher, wenn man ständig mit dem Finger auf andere zeigt, ihnen lauthals alle möglichen Fehler vorhält, da sie ja sowieso alles falsch machen und sie regelrecht beschimpft, während man selbst jedoch auf einem riesigen Haufen ungelöster Probleme sitzt und in keinster Weise vorweisen kann, es irgendwie besser gemacht zu haben.

    Ich rate daher in aller Form zu einem gewissen Mindestmaß an Bescheidenheit, zum Ablegen eben jener himmelschreienden Selbstgerechtigkeit, die auch gerne (und durchaus oftmals zurecht) dem Westen vorgeworfen wird , und vor allem dazu, jene Zeit und Mühe lieber dafür zu nutzen, eure, wie ihr wohl sagen würdet, „Umma“ in Ordnung zu bringen und ein gutes Beispiel abzugeben, anstatt sie für diese sintflutartigen Tiraden zu verschwenden, die sich zumeist auf demselben Niveau befinden wie jene unter Anderem auch gegen euch gerichteten und von solch paranoiden, rechten Realitätsverweigerern wie PI-News verfassten Artikel…

    Antworten
    • Tariq Ibn Lahsan

      Tariq Ibn Lahsan

      Mit Verlaub, wir sind es doch, die mit erhobenem Zeigefinger ermahnt werden. Eigentlich trifft es der Zeigefinger noch nicht einmal wirklich, denn es ist ja eher eine geballte Faust, die uns droht uns endlich zur „Freiheit“ und zur Demokratie zu bekennen. Diese Faust schlägt auch zu wenn es sein muss. Ein sehr großer Teil der radikalen Islamisten in Deutschland hat daher auch schon auf die ein oder andere Weise Bekanntschaft mit staatlichen Repressalien machen dürfen.

      Es geht nicht mal darum zu nörgeln. Sicher gibt es anderswo viel schlimmere Zustände. Uns wird jedoch durchgehend der Ablehnung der „freiheitlichen Gesellschaft“ vorgeworfen und da wird es ja wohl statthaft sein darzulegen, warum wir diese ablehnen…

    • cairn

      „Uns wird jedoch durchgehend der Ablehnung der “freiheitlichen Gesellschaft” vorgeworfen und da wird es ja wohl statthaft sein darzulegen, warum wir diese ablehnen…“

      Die Art der Darlegung ist anscheinend strittig, nicht die Ablehnung an sich.
      Ich sehe da eine Menge Freiraum.

    • Aphelótes

      Natürlich ist das statthaft, doch gerade wegen dem Genannten ist das „WIE“ ein entscheidender Punkt. Kritik in polemischer und verächtlicher Form bringt Leute auf der eigenen Seite zum schmunzeln und macht natürlich Spaß, verfasst zu werden, hilft aber letztlich niemandem. Im Gegenteil: Auf neutrale Individuen macht es einen negativen Eindruck, für die Gegenseite, die auch meist auf die gleiche Weise zurückfeuert, ist es eine willkommene Bestätigung.

      Ich bin mir sehr wohl bewusst, dass es viele Probleme gibt und die ganze Situation seit dem 11. September unsäglich vergiftet ist, doch der Punkt ist nun mal der, dass sich Probleme noch nie dadurch aufgelöst haben, dass man die andere Seite runtermacht oder gar beleidigt (wobei das hier nicht der Fall ist), auch, oder gar erst recht nicht dann, wenn jene dasselbe tut und/oder allgemein falsch handelt.

      Oder um es kurz zu machen: Leute, die bereits dieser Meinung sind, finden Kritik in dieser Form natürlich toll, müssen aber eben nicht davon überzeugt werden. Der Nutzen von Kritik ergibt sich erst daraus, dass sie Leute mit anderer oder keiner Meinung zum Nachdenken bringt.

  4. Oum Mokhtar

    @cairn: schau an, ein „Expeditionscorps“ der Boxvogel-Gemeinde hat hergefunden. Es ist Ihnen bewusst, dass die theoretischen Grundlagen des oben stehenden Beitrags keineswegs „salafistischen“ Ursprungs sind, und der Artikel in etlichen Kernpunkten damit auch für ein breiteres Publikum, vor allem des eher „rechten“ Spektrums, anschlussfähig ist?
    Man muss nicht jedem der vorgebrachten Argumente zustimmen (insbesondere die Kritik der dem Unternehmertum/der Arbeitgeberseite angeblich aufoktroyierten tarifvertraglichen Regelungen wäre zu diskutieren), sie sind aber zumindest bedenkenswert. Dann bleibt aber weder Raum noch Gelegenheit für das Anbringen der „Lieblingsvokabeln“, nicht?

    Antworten
    • cairn

      Schups in der Schublade 🙂
      Ich mag es nunmal zu plaudern, davon sind keine Richtungen , religiös oder nicht
      ausgenommen. Alle haben so ihre guten und schlechten Seiten, Salafisten sind ja so ungefähr
      wie die Jesuiten der RKK, der Ordensgründer .“ Ignatius: „Ich werde glauben, dass Weiß Schwarz ist, wenn es die Kirche so definiert.“ „.
      Ich will auch garnicht auf irgendwelche Positionen abheben , wenn jemand Steilvorlagen gibt, sein Problem.
      Eine Menge Blödsinn ist auf mangelnde Erfahrung zurückzuführen. Welchen Bildungs- und vor allem Welthorizont haben die meisten schon. Auch altersgemäß, wer hat schon viele Länder
      erlebt, nicht als Tourist sonder mehr in den ländlichen Gegenden über Monate/Jahr.

      Was hat schon ein gewaltislamisierter Berber miit einem Kölner Iman zu tun,
      immer wieder nett antike Geschichten zu betrachten die in einem eigenen Kosmos stattfinden.
      Worte sind billig, ich richte mich da mehr nach Taten.
      Ich sehe das auch mehr aus Unternehmerseite 🙂
      Ich hab mir das Land ausgesucht wo ich leben will.
      Religion spielt hier keine grosse Rolle, man mag das anders wahrnehmen, wenn man nur in seiner kleinen Szene lebt. Reist Leute schaut auch erstmal die Welt an.
      Auch so Kleidungsdiskussionen unwesentlich, mal ganz nett.
      Es ist fast alles erlaubt, wenn mans privat macht, muss man Anderen auf den Keks gehen ?
      Ich erinnere mich da so an früher, ich war mal ziemlich alles, Indianer, Cowboy,
      Weltverbesserer usw. , das gibt sich irgendwann.
      Aber schon beachtlich mit welcher Verbissenheit da irgendwelche Wahrheiten vertreten werden
      die auf wenig historischem und aktuellen Wissen beruhen. Der Horizont reicht da nur bis zur eigenen Nasenspitze 🙂
      Wenigsten bekommt man hiermal eine Antwort.
      Was Libelingsvokabeln betrifft, nur in bestimmten Rahmen, macht genausoviel Spass, strenge andere Positionen einzunehmen. Wenigstens besteht Hoffnung etwas mehr Faktenwissen unters Volk zu bringen als in idealistischen Höhen zu schweifen.

    • Oum Mokhtar

      Beschränken wir uns doch einfach mal wieder auf den Kerngedanken(!): eine Gesellschaft, die von ihrer „evolutionszielhaften Wohlgeratenheit nicht gerade wenig überzeugt ist“ (M. Klonovsky), muss sich an diesem Maßstab messen lassen. Der empörte Verweis auf die Praxis in anderen Weltgegenden ist da nicht zielführend. Ist man nicht gerade stolz darauf, dass es „hier“ nicht so zugeht wie „da“?

      „Muss man anderen damit auf den Keks gehen?“ Da wären doch vorab einige Definitionen nötig. Wer sind „andere“? Was verstehen wir unter „privat“ bzw. „nicht öffentlich“? Ist eine Frau mit Niqab oder ein von Kopf bis Fuß tätowierter und gepiercter Mann (Extrembeispiel) auf einer Einkaufsstraße weniger anstößig als Kundin/Kunde in einer Behörde? Immerhin ist sie/er ja „privat“ unterwegs. Ist ein Kopftuch in der Mittelstufe anstößig? Vor allem: Was ist „anstößig“? Da gibt es von (europäischem) Land zu Land große Unterschiede, und gerade in Deutschland ist man ja nicht wenig empfindlich gegen jede Art der äußerlichen „Abweichung“ (S. Berg hatte dazu letztens mal eine Kolumne im Spiegel). Und zum Schluss: Darf man Menschen, deren Äußeres man als „anstößig“ empfindet, die Teilhabe an Bildung, Teilnahme am 1. Arbeitsmarkt, etc. verweigern?
      Soweit erst einmal.

      P.S. Schubladendenken: kann eine Entlastung für das Handeln sein. Erst wenn daraus umumstößliche negative Vorurteile erwachsen, wird es schwierig. Ist zumindest auf meiner Seite nicht der Fall.

    • cairn

      „eine Gesellschaft, die von ihrer “evolutionszielhaften Wohlgeratenheit nicht gerade wenig überzeugt ist” (M. Klonovsky), muss sich an diesem Maßstab messen lassen. Der empörte Verweis auf die Praxis in anderen Weltgegenden ist da nicht zielführend. Ist man nicht gerade stolz darauf, dass es “hier” nicht so zugeht wie “da”?

      “Muss man anderen damit auf den Keks gehen?” Da wären doch vorab einige Definitionen nötig. Wer sind “andere”? Was verstehen wir unter “privat” bzw. “nicht öffentlich”?
      Was mal irgendeiner mal irgendwann gesagt hat ist herzlich egal solange man über die Zusammenhänge
      der Aussage nichts und das men irgedwas daran messen
      müsste ist eine rein privare Meinung.
      Da könnte ja jeder kommen.

      Das ist gerade so die Form eine Sache mit auseinanderfleddern einer Diskussion.
      Gut dann definieren wir doch erstmal Definition
      nach der definiert wird.

      Ich hätte da anzubieten:

      1.1 Konnotative und denotative Definitionen
      1.1.1 Intension und Extension
      1.1.2 Konnotative Definitionen
      1.1.3 Denotative Definition
      1.2 Deskriptive, festsetzende und stipulative Definition
      1.2.1 Deskriptive Definition
      1.2.2 Festsetzende Definition
      1.2.3 Stipulative Definition und ihre Explikation
      1.3 Nominal- und Realdefinition
      1.3.1 Nominaldefinition
      1.3.2 Realdefinition
      1.4 Definitionen nach Explizitheit
      1.4.1 Kontextdefinition (implizite Definition)
      1.4.2 Partielle Definitionen
      1.4.3 Operationale Definition
      1.4.4 Rekursive Definition
      1.5 Persuasive Definitionen
      1.6 Typenbegriffe
      1.6.1 Max Weber
      1.6.2 C. G. Hempel

      2 Wissenschaftstheoretische Probleme von Definitionen

      2.1 Wissenschaftssystematische Einordnung
      2.2 Funktionen von Definitionen
      2.3 Anforderungen an Definitionen
      2.3.1 Klassische Definitionsregeln
      2.3.2 Nichtkreativität
      2.3.3 Eliminierbarkeit
      2.3.4 Zirkelfreiheit
      2.3.5 Angemessenheit
      2.3.6 Kürze
      2.3.7 Redundanzfreiheit

      Welche wär denn so recht oder auch jenachdem ?
      So kommt man zu garnichts.
      Miden Schubladen geb ich dir soweit recht.
      Ich würde aber beachten, das Manche anscheinend nur so 2 Schubladen haben, wo nur schwarz, weiss
      unterschieden wird.
      Müsste man jetzt natürlich definieren 🙂

  5. Jundu-l-islam87

    Auch die Tea-Party wird niemals im Islam Legitimation finden, seine Vorstellungen auf jemand anderen als sich selbst anzuwenden.

    Antworten
    • Tariq Ibn Lahsan

      Tariq Ibn Lahsan

      Wie ist das zu verstehen?

    • Jundu-l-islam87

      So wie die Bedeutung in den Geist im ersten Moment hereinströmt (vorausgesetzt man kennt die Tea-Party), so kann es auch verstanden werden – als eine unterschwellige Kritik, die lediglich einen Anstoß zum Weiterdenken darstellt.
      Denn so ganz kann man mit dem Anarcho-Kapitalismus nicht zufrieden sein. Die aggressive freie Marktwirtschaft hat definitiv ihre Nachteile. Der freie Markt reguliert sich entgegen der Annahme Wirtschaftliberaler Denker eben nicht vollständig von allein. Fern ab von sozialistischen Positionen, kann man diesen Sachverhalt erkennen.
      Und die ganze Debatte hat mit dem Kern des Islam wenig zu tun. Die ersten Muslime haben die bestehenden wirtschaftlichen Verhälnisse zum größten Teil adaptiert und selbst nur in geringem Maß ideologisch auf das System eingewirkt. Somit stellt sich der Bereich der islamischen Wirtschaft als ein sehr offener Bereich dar. Eine dogmatische Rückführung und Versteifung auf eine einzige „islamische Wirtschaftsordnung“ ist eine unzulässige Selektion. In den Fragen, in welchen der Islam keine Vorgaben macht – so ganz nach den Überlegungen Ibn Hazms, der den qiyas ablehnt – herrscht die Vernunft über die Tatsachen. Jede vernünftige Erwägung im Bereich der Wirtschaft ist darum legitim. Und auch ökologische Überlegungen haben ihre vernünftige Grundlage. Unbestreitbar muss der islamische Herrscher zusammen mit den Kundigen das Beste an ökonomischen Lösungen für den jeweiligen Fall finden und einen Ausgleich zwischen den Positionen herrstellen.

    • Tariq Ibn Lahsan

      Tariq Ibn Lahsan

      Tatsächlich ist diese „vernünftige Erwägung“, die wohl oft unter den Begriff „Istihsaan“ fallen dürfte, noch haltloser als der Qiyaas, wenn es darum geht, es als religiöses Gesetz durchzusetzen. Wer einem Muslim etwas verbieten will, z.B. mehr als 50 Stunden in der Woche zu arbeiten, oder ihn seines Besitzes berauben will, z.B. durch Steuern, oder wenn jemand sich in freiwillig geschlossene Verträge zwischen freien Muslimen einhängen will um Bedingungen zu stipulieren, der braucht dafür einen Beweis aus dem Buch oder der Sunnah. Andernfalls ist das nichts anderes als Richten nach etwas anderem, als was Allah offenbart hat, so wie es heute in den meisten islamischen Ländern Realität ist.

  6. cairn

    „Jede vernünftige Erwägung im Bereich der Wirtschaft ist darum legitim. Und auch ökologische Überlegungen haben ihre vernünftige Grundlage. Unbestreitbar muss der islamische Herrscher zusammen mit den Kundigen das Beste an ökonomischen Lösungen für den jeweiligen Fall finden und einen Ausgleich zwischen den Positionen herrstellen.“

    Diese Lösung nennt sich heute noch Korruption, sollte man dran arbeiten.

    Antworten
  7. cairn

    „Wer etwa einen Arbeiter beschäftigen will, kann mit diesem Vergütung, Arbeitszeit, Urlaubsansprüche und andere Bedingungen nicht frei verhandeln, sondern er unterliegt den engen Schranken des Gesetzes, inklusive „Moral Hazards“ wie der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, die so in freien Verhandlungen wohl nie zustande käme. Hinzu kommen noch Steuern und Zwangsversicherungen in ruinöser Höhe, deren Nichtabführung nicht nur illegal und mit Strafen behaftet ist, sondern die auch dazu führt, dass damit im Zusammenhang stehende Verträge unwirksam werden“

    Auf welcher Volkwirtschaftsschule wird das denn gelehrt.
    Wenn das Alles soooo fürchterlich ist, ist das hier das Land der Masochisten und
    die die nach hier streben wollen das auch mal werden ?
    DIe , welche dagegen wettern profitieren aber gerne von dem System ?
    Müssen ja merkwürdig drauf sein. Wie heisst eine gespaltene Perönlichkeit nochmal……

    Antworten
  8. Oum Mokhtar

    „Dissoziative Identitätsstörung“ nennt man das, entsteht aber für gewöhnlich im Zusammenhang mit schwerwiegenden Traumata.

    Woraus schließen Sie, dass der Autor „vom System profitiert“ (sprich: Transferleistungsempfänger ist)?
    Sie erwähnten, dass Sie im Ausland leben. Recherchieren Sie doch mal – falls noch nicht geschehen – zum Thema Gesundheitsreform und GKV-Pflicht seit dem 1.1.2009 (vor allem zu den juristischen Folgen bei Zuwiderhandlung, und sei es aus finanziellen Gründen), Reform der Rundfunkgebührenabführung. Lesen Sie vor allem mal die Abgabenordnung (AO), insbesondere § 3. Sie werden überrascht sein.
    Und falls Sie dann immer noch denken sollten, dass Steuern und Abgaben einzig und allein der Umsetzung des grundgesetzlich verankerten Sozialstaatsgedankens (Art. 20 GG) dienen, betrachten Sie einmal, wie und warum sich das Verschuldungsniveau der Kommunen in den letzten 25 Jahren verändert , und welche Konsequenzen diese Entwicklung für die kommunalen Selbstverwaltungsangelegenheiten hat (diese betreffen vorrangig die Infrastruktur, die dem Bürger eigentlich zugute kommen sollte).

    „Alle die nach hier streben…“. Ich unterstelle jetzt mal, dass ein gerüttelt Maß derjenigen, die hier Jahr für Jahr so durchkommen, nicht in einem lecken Äppelkahn „rüber machen“, weil ihnen soviel daran gelegen ist, irgendwelche Sozialleistungen abzugreifen. Der diesbezügliche „Input“ erfolgt erst in Europa selbst.

    Antworten
    • cairn

      „“Dissoziative Identitätsstörung” nennt man das, entsteht aber für gewöhnlich im Zusammenhang mit schwerwiegenden Traumata. “
      Depressionen, Angst, psychosomatische Körperbeschwerden, Selbstverletzung, Essstörungen, Suchterkrankungen und Beziehungsprobleme. Die Ursache soll eine posttraumatische Belastungsstörung sein, insbesondere infolge von Kindesmisshandlungen.

      Hat noch keiner bei mir festgestellt, ich auch nicht.
      Werd mich hüten mich auf pseudowissenschaftliche Sachlagwörter einzulassen die mal diagnostisch per e-mail gestellt werden. Kleiner hast dus wohl nicht ?

      Transferleistunge kennzeichen ein Staatswesen:
      Eine Transferleistung ist:
      im weitesten Sinne jede Geldzahlung oder Vermögensübertragung ohne konkrete Gegenleistung,
      im weiteren Sinne eine Zahlung zum Ausgleich unterschiedlicher Finanzkraft (Finanzausgleich) zwischen Staaten und Regionen,
      im engeren Sinne ein Sammelbegriff für Sozialleistungen und Subventionen,
      der öffentlichen Hand an private Haushalte und Unternehmen,
      von Unternehmen an ihre Mitarbeiter (z. B. Lohnfortzahlung, betriebliche Altersversorgung, betriebliche Gesundheitsvorsorge),
      natürlicher Personen an andere natürliche Personen (z. B. Spenden, Nachbarschaftshilfe),
      im engsten Sinne der Teil des Bruttosozialprodukts, der für soziale Leistungen verwendet wird (Sozialbudget, Sozialleistungsquote).

      Transferleistungen sind Teil der staatlichen Umverteilungspolitik.

      Ich lebe nicht im Ausland, bin aber oft beruflich dort gewesen, ausser Asien (wenig)
      über Jahrzehnte und führte meinen Betrieb hier.
      welches sind denn so die kommunalen Selbstversorgunsprobleme ?
      Inwieweit ist den der Autor selbst davon betroffen ?

      Der diesbezügliche “Input” erfolgt erst in Europa selbst.
      EIgene Erfahrung, bin selbst in Marroko und Algerien angebettelt worden, eine Stelle anzubieten, das die Leute wenigstens einen Ausweis bekommen.
      Das ich Tschetschenien ein „Willkommensgel“ von 4000 € versprochen wird ist nicht meine Erfindung.
      Das Leute aus Eritrea, Somalia oder sonstwoher schon ganz gezielt wissen, das sie mal nach Schweden wollen ist eine Vision für die man Kontinente durchquert, soso.
      Echte Flüchtlinge , keine Frage, dürften so 2% sein wenn man den Behörden so folgt.
      Was jetzt Rundfunkgebühren mit Freiheit zu tun haben entgeht mir etwas.
      Jeder hat doch die Möglichkeit einer unvollkommenen Freiheit zu entgehen,
      gibt viele Auswanderer hier.
      Das lenkt aber alles davon ab eine Freiheit für antike Lehren zu fordern, die sich längst überholt haben .
      Kann jeder für sich leben, privat eben, auf eigenem Gebiet.
      Ich denke mal Toleranz ist hier schon ganz schön ausgeprägt. Wenn alle rund 1000
      Glaubensgemeinschaften ihre Traditionen hier ausleben wollen wirds wirklich schwierig.
      Da ist auch keine vorzuziehen. Schon garnicht, wenn Splittergruppen das Bild der Mehrheit beschädigen.

    • Oum Mokhtar

      Weshalb so aggressiv? Sie hatten gefragt: „Wie heisst eine gespaltene Per(s)önlichkeit nochmal……?“, ich habe geantwortet und mit keinem Wort unterstellt, dass Sie daran leiden.

      Nominaldefinition würde für den Anfang vollkommen genügen. Und da Sie sich ja offenbar mit den Grundlagen der empirischen Sozialforschung gut auskennen (oder war das etwa ein Wikipedia-Copy-and-Paste?), wissen Sie sicher, dass zumindest näherungsweise Arbeitsdefinitionen gute Praxis sind, wenn Begriffe eingeführt werden, auf deren Basis dann solche weitreichenden Diskussionen wie die Frage, wessen Freiheiten, wann wo und von wem in welchem Umfang eingeschränkt werden sollen, geführt werden.
      Sie hätten auch einfach auf meine Frage antworten können.

    • Oum Mokhtar

      Noch mal off-topic:
      Und? Es gibt Nigerianer, die glauben, als Christen in Italien schneller eine Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen als Muslime, weil der Papst (im weitesten Sinne) in Rom wohnt. Hat ihnen irgendwer erzählt. Spricht zumindest dafür, dass sie wissen, dass man über kurz oder lang Papiere braucht. Macht sie das jetzt automatisch zu „Sozialschmarotzern“ oder „Betrügern“? Es gibt potentielle Auswanderer in Spanien, die wissen, dass ihre Reise nach Chile, der „Schweiz Südamerikas“ gehen wird. Sind auch „Wirtschaftsflüchtlinge“. Das Problem ist genau wo?

    • cairn

      Das Problem liegt darin das eingeführte formale Prozeduren umgangen werden und die Mitleidschiene gefahren wird. (nicht Flüchtlinge)
      Ich kann nichts dabei finden, wenn die BRD um Arbeitskräfte wirbt und wie in einem Projekt in Ostfriesland ca. 600 Spanier in Zusammenarbeit mit der Handelkammer etc. in Betrieben lernten, umschulten
      oder ihrem alten Beruf hier nachgingen oder selbstsändig
      wurden.
      Bei ca. 200 hats gepasst, der Rest entschloss sich zurückzukehren. Mein Tierarzt ist auch aus Äthiopien,schwärmt unheimlich daven, will aber nicht wieder hin
      Ich schätze viele Schwierigkeiten sind auch auf Mentalitätsprobleme zurückzuführen, andere Lebensart eben und unerfüllte Erwartungen. So riesig sind die Probleme auch wieder nicht bei der jetzigen Menge.
      an Neuankömmlingen, das sind auch kaum die Ärmsten
      die wirklich am Schlechtesten dran sind.
      Zeitungen und sonst was leben eben von schlechten Nachrichten.

  9. cairn

    Ich bin weder aggresiv, noch empört wie unterstellt.
    Ich wollte lediglich die Definitionsfrage mal klären.
    Naturwissenschaftlich geprägt weiss ich gerne mit wem ich über was auf welcher Basis rede.
    Da bin ich jetzt noch nicht weiter.
    „Woraus schließen Sie, dass der Autor “vom System profitiert” (sprich: Transferleistungsempfänger ist)?“
    Habe ich ausfühlich erläuert, das jeder in diesem Staat Lebende auf die eine oder andere Art
    Transferleistungen erhält, also auch der Autor.

    Zu den Freiheiten, da gibt es ausreichend Gesetze die eine Rahmen abstecken in dem man sich bewegen kann. Der ist weit genug, kann jeder mit leben.
    Entsprechend den Anforderungen der Gesellschaftsänderung wird das auch im Rahmen des Grundgesetzes auch angepasst. (was auch nicht unveränderbar ist)
    Ich seh da keinen großen Handlungsbedarf urplötzlicher großer Umwälzungen.
    Genauso wie Verständnis dafür ständig auf diesen Grenzen runzureiten und zu probieren die
    aufzuweichen und auszuweiten. Religiös schon garnicht, nicht im Interesse eines
    säkularen Staates.
    Wo wäre denn da Handlungsbedarf der umgehend umgesetzt werden müsste ?
    In einfachen Worten, ohne quantenmechanisch/philosophischen Klärungsbedarf.

    Antworten
  10. Jundu-l-islam87

    @Tariq Ibn Lahsan
    10. Dezember 2014

    Genau so ist es eben nicht. Mit etwas anderem zu richten als Allah offenbart hat, setzt voraus das etwas offenbart wurde zu dem gegeben Fall oder sich ein Beispiel in der Sunna finden lässt.
    Zu Wirtschaftsfragen gibt es allerdings relativ wenig ausformulierte Sätze im Gegensatz zu der schieren Masse an Fragen, die die Realtität bereit hält. So ist der Anspruch ökonomische Fragen zu beantworten nicht ein religiöser, sondern ein weltlicher und praktischer. Darum ist die Annahme falsch, es würde sich um Istihsaan (das für gut erwägen) handeln, nur weil man vernünftige Erwägungen in Betracht zieht. Die Vernunft hat ihren feten Platz, genauso wie die Sharia ihren festen Platz hat. Beides auf illigitime Art und Weise zu vermengen ist verwerflich. Dies wäre der Fall, wenn man etwa meinen würde, die Straßenverkehrsordnung oder das Ampelwesen ect. religös sanktionieren zu müssen. Dies ist natürlich abwegig, denn es besteht kein Notwenidgkeit dafür, denn es gilt der Grundsatz „al-aṣl fī l-ashyāʾ al-ibāḥa“ (Die Rechtsgundlage der Dinge ist die Erlaubtheit).
    Am Beispiel „Infrastruktur“ lässt sich zudem gut festmachen, ob es Sinn macht, auch dem frei wirtschaftenden Unternehmer Steuern diesbezüglich aufzuerlegen. Welche Steuern gibt der Islam vor und welche sind überdies hinaus noch sinnvoll um das Zusammenleben der Muslime funktionell zu gestalten? Infrastrukturmaßnahmen etwa sind in heutiger Zeit in viel höherem Maße erforderlich als früher – ein Faktum. Auch der frei wirtschaftende Unternehmer profitiert von der bereitgestellten Infrastruktur, die er nicht selbst aufgebaut hat, sondern ein anderer. Somit wird dort eine Dienstleistung in Anspruch genommen, die jedoch nicht unmittelbar zu identifizieren ist. Aus dem Grund ist es sinnvoll eine gerechte Abgabe für die Finanzierung der Infrastruktur zu verlangen, da sie ansonsten nicht finanzierbar ist. Sie ist ein Gemeingut und muss darum auch von der Gemeinschaft getragen werden. Allein auf Freiwilligkeit und Solidarität zu hoffen ist überhaupt nicht liberal, sondern im Gegenteil. Diese utopische Annahme ist in Wahrheit die Grundannahme des Sozialismus, der für sein unterdrückerisches System die Solidarität des Menschen vorraussetzt. Aus diesem Grund ist der Sozialismus auch gescheitert, denn es ist natürlich, dass das Individuum nach seinem eigenen Lohn trachtet und nicht nach dem eines anderen. Wie ist das gemeinschaftliche Problem nun aber zu lösen. Der ökonomische Liberalimsus hat dort seine eigenen Prinzipien. Dort gilt nämlich „Reichtum verpflichtet“, was einer gesetzlichen Steuerregelung nicht widerspricht UND die auch nicht der Sharia widerspricht.

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    • Tariq Ibn Lahsan

      Tariq Ibn Lahsan

      Was du sagst, ist für den einzelnen Menschen selbst sicher richtig. Wenn das Buch und die Sunnah kein Urteil zu einer Sache beinhalten, so steht es jedem für sich frei, nach seinem eigenen Gutdünken in der Angelegenheit zu handeln. Davon jedoch sprechen wir gar nicht. Wir sprechen davon, dass jemand anderen Menschen vorschreiben will, was sie zu tun oder zu lassen haben. Wenn sie sich weigern, werden sie mit angedrohter oder ausgeübter Gewalt bis hin zur Tötung gezwungen. Nur zur Erinnerung, wie es in Deutschland stellvertretend für viele andere Länder ist: Auch auf jemanden, der ohne ein Gewaltverbrecher zu sein, versucht sich der Staatsgewalt zu entziehen, darf geschossen werden! Wenn man jemandem unter Gewaltandrohnung sein Eigentum nimmt bezeichnet man das gemeinhin als Raub. Warum sollte sich daran etwas ändern, nur weil man es „Steuer“ nennt?

      Erfundene Gesetze können keinen Bestand haben, wenn sie nicht in letzter Konsequenz durch Gewalt erzwungen werden können. Würdest du mit Gewalt in die Wohnung eines Muslims eindringen und von seinem Besitz nehmen, was der Gesetzgeber gerade für angemessen hält und den Hausherrn im schlimmsten Falle auch töten, wenn er sich wehrt? Würdest das Haus eines Muslims zerstören, weil der Giebel 20 cm höher ist, als irgendeine Behörde genehmigt hat? Und würdest du dies alles dann noch als islamisch statthaft bezeichnen?

      Richtig ist, dass der Muslim und sein Besitz unantastbar sind, außer durch Gesetze aus dem Buch und der Sunnah. Der Prophet, Allahs Segen und Frieden auf ihm, sagte: „Mir wurde befohlen die Menschen zu bekämpfen, bis sie bezeugen, dass da keine Gottheit ist außer Allah und dass Muhammad der Gesandte Allahs ist und sie das Gebet verrichten und die Zakat abgeben. Wenn sie dies tun, so ist ihr Blut und ihr Vermögen vor mir geschützt, außer nach dem Recht des Islams und ihre Abrechnung obliegt Allah.“ (Überliefert von al-Bukhaari)

      Was die staatlichen Leistungen angeht: Selbst wenn es den Wohlstand fördern sollte, dass der Staat bestimmte Leistungen unter Erhebung von Zwangsabgaben erbringt, wäre dies noch keine Rechtfertigung Menschen ihr Recht zu nehmen. Abgesehen davon hat die Vergangenheit auch schon bewiesen, dass privat wirtschaftende Menschen alles besser machen, als der Staat. Immer und in jedem einzelnen Fall. Überall, wo Post und Telekommunikation privatisiert werden explodieren die Leistungen und fallen die Preise. Warum sollte das bei Straßen und anderer Infrastruktur anders sein? Auch Straßen lassen sich privat betreiben. Wer sie nutzt zahlt dafür. Ganz einfach. Und wer nun Angst hätte er würde dann irgendwann vor blauen Ampeln stehen und das totale Chaos bräche aus, der denke nur daran dass selbst hochkomplexe Systeme mit Millionen von Teilnehmern, wie das Internet, ohne eine Weltregierung und ohne Weltinternetgesetz allein durch die freiwillige, gewinnorientierte Kooperation privater Parteien funktioniert.

      Und wo wir von Infrastruktur sprechen. Könnte der Herrscher nach deiner Ansicht nicht auch einfach Autos ganz verbieten, wenn ihm danach ist, z.B. weil er ein Grüner ist und meint alle müssten besser mit dem Fahrrad fahren? Autos finden ja bekanntlich in der Sunnah keine Erwähnung.

  11. Algorithmus

    Barak Allahu Feek.
    Mehr von solchen Artikeln bitte.

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  12. Maron

    “Gewiss, der Islam schreibt einer Frau bestimmte Kleider vor und gewiss, der Islam sieht bestimmte Strafen für Verbrechen vor… Was jedoch die Flausen, Hirngespinste und Fantasien unserer Mitmenschen angeht, so ist der Islam die ultimative Freiheitserklärung…“

    Blödsinn hoch 10.

    Neben den Dingen, die mit Strafen geahndet werden, gibt es tausende Dinge, die als empfohlen gelten, ohne dass sie ihr Unterlassen bestraft wird.

    So viel zur Freiheit.

    Z. B.: niemand wird bestraft, wenn er unfreundlich ist. Aber wir kennen viele Ayats und Ahadith die zu Freundlichkeit und Barmherzigkeit aufrufen.

    Man ist nicht verpflichtet, Schulden zu erlassen, aber man wird dennoch dazu aufgerufen.

    Absolute Freiheit hingegen bedeutet, zu tun was man will, ohne dass man dadurch moralisch schlechter dasteht als jemand anders.

    D.h., man kann keinesfalls gleichermaßen die höchsten Paradiesstufen erreichen, in dem man tut, was man will, solange man das Verbotene unterlässt.

    Ein unfreundlicher, geiziger Muslim würde sich also sagen: Ach menno, eigentlich wollte ich dieses und jenes Verhalten an den Tag legen, doch dann werde ich am Jüngsten Gericht nicht optimal abschneiden. Ich werde also indirekt gezwungen, anders zu handeln, wenn ich optimal bestehen will im Jenseits.

    Unglaublich, wie stumpf deine Ausführungen sind, Tariq, und noch unglaublicher ist es, mit welchem Eifer du Themen erörterst, die im Islam eher nebensächlich sind.

    Außerdem ist der Geist des Islams an sich antilibertär, weil selbst unsere Freiheiten von Gott erlaubt wurden und keinesfalls universell sind. Angesichts der zahlreichen Verbote ist die übrige Freiheit also ein Raum, der einfach nicht die Dinge enthält, die für die Verbote verantwortlich sind.

    Überhaupt ist es nicht Sinn des Lebens, sich an seiner wie auch immer gearteten Freiheitsfantasie zu ergötzen.

    Das Diesseits verachten und nach dem Paradies streben und dabei rechts und links um Allahs Willen zu spenden und Gottes zu gedenken.

    Und wer ist am entferntesten davon? Diesseitsverliebte Hyperkapitalisten, die tun und lassen wollen, was ihnen einfällt und wie ein futterneidischer Tiger auf alles reagieren, was ihre niederen Triebe in den Weg kommt.

    Fress, Fress, alles meins! So hört sich dein Text an.

    PS: Moral ist liberalen verhasst, da es bestimmte Dinge als schlechter einschätzt als andere.

    Man kommt also in die Zwicklage, zwischen gesellschaftlichem Ansehen und dem eigenen Freiheitswunsch entscheiden zu müssen.

    Auch Muslime sind oft in der Situation, zwischen ihrem Ego oder dem Jenseits zu entscheiden.

    Ausschlafen oder Morgengebet? Kinofilm oder doch lieber die 10 dem Bettler geben?

    Aber was soll man auch von jemandem erwartet, der Rauchen als unproblematisch sieht.

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    • Tariq Ibn Lahsan

      Tariq Ibn Lahsan

      Freiheit bedeutet in keinster Weise, dass man alle Handlungsmöglichkeiten als gleich gut werten muss. Auch bedeutet sie nicht, dass man losgelöst von den Zwängen der Naturgesetze, des eigenen Lebens und seiner Umstände oder gar der Macht des Schöpfers existiert, sondern vielmehr, dass man nicht dem willkürlichen Zwang anderer Menschen unterworfen ist.

  13. Safran

    Das aber ist der Freiheitsbegriff nach westlicher Auffassung. Solange man dritten nicht schadet (meistens körperlich), ist aller erlaubt.

    So definiert es J. S. Mill. Homosexualität? Schadet keinem dritten. Alkohol? Ebenso.

    Deswegen ist es ja gerade besonders schwer, Liberalen mit Moral zu kommen.

    Grüne, Linke etc. sind so gesehen am liberalsten, weil diese sogar Inzest legalisieren wollen und haben halt den Tick, andere ihren Vorstellungen zu unterwerfen.

    Liberale im Sinne der FDP sind da wohl eher an deinem Ideal dran, die wiederum sehen aber wie alle anderen westlichen Liberalen auch unmoralische Dinge als okay an, sobald niemandem körperlich geschadet ist.

    Es bleibt dabei: Der Islam sieht wie du sagst einen weiteren Freiraum vor, aber nicht in dem Sinne, wie die Kuffar es verstehen.

    Und da alle Ideologien überall dort Freiheit vorsehen, wo man nicht gegen die Regeln verstößt, kann man nur Anarchie als ultimative Freiheit bezeichnen, den Islam aber nicht.

    Darum ging es mir.

    Und außerdem verstehe ich deine Kritik nicht. Auch wir sind dem willkürlichen Zwang Gottes unterworfen, der zudem noch viel strenger ist als der weltlicher Ideologien.

    Nur dass Gott das natürlich darf. Deine Kritik müsste also über Anmaßung handeln, Gottes Recht nachzumachen.

    Das Prinzip, anderen Dinge vorzuschreiben, ist durch und durch islamisch, aber nur für Allah vorgesehen.

    Tatsächlich ist wie gesagt unsere islamische Freiheit keine Freiheit, die wir(!) festgelegt haben.

    Sie wurde uns von Allah erlassen. Sobald Gott z. B. Fleischessen verbietet, müssten wir folgen.

    Es gibt also keine Sache, wo ein Mensch sagen kann: Ich will das so, so erscheint es mir sinnvoll, niemand kann mich abbringen.

    Als Moslem gilt ausnahmslos: Es ist erlaubt, weil Allah es erlaubt.

    Wie gesagt, das genaue Gegenteil von Liberalität im westlichen Sinne;)

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