Mein Weg zum Islam – Teil 1

8 Kommentare

Ich träumte einen Traum. Ein Traum der Fitra und Hidaya. Es war als Kleinkind, als ich im Schlafe ein goldenes Buch, in mitten eines wunderschönen Gartens, erblickte. Dieses Buch hatte merkwürdig verschlungene Zeichen auf dem Bucheinband. Heute weiß ich durch die Traumnotizen meiner Mutter und Rekapitulation: Es war der Koran.

Trotz dieses wundersamen Traumes blieben meine ersten Jahre auf dieser Welt jenseits von intensivieren Berührungspunkten mit der Welt des Islams und den Muslimen. Aus meiner Kindheit kann ich mich nur an zwei bewusst erlebte Begebenheiten mit Muslimen erinnern. Leider waren diese Erfahrungen eher negativ konnotiert.

Damals hatten wir ein wöchentliches Ritual in der Familie: Wir besuchten einen Flohmarkt der immer zugunsten des angegliederten Tierheimes stattfand. Diesen Markt besuchten erstaunlich viele Frauen mit Kopftuch in langen grauen Mänteln. Sie fielen dadurch auf, dass sie oftmals auf den Boden spuckten, wenn ihnen der angebotene Preis nicht passte. Als Kleinkind hatte ich so etwas noch nie erlebt und entwickelte eine gewisse Furcht vor diesen großen Schleiereulen mit ihren vollgepackten Tüten die am Ende des Flohmarktes davon watschelten.

Seinerzeit lebten wir in einem gutbürgerlichen Viertel in der Elbmetropole. Manchmal brachten wir unsere Kleidung zu einer Schneiderin an der Ecke einer großen Hauptstraße. Eine traditionell türkische Familie leitete dieses kleine Gewerbe. Die Tochter der Familie namens Esma sprang eines Tages mit einer Spielzeugpistole hinter der Ladentheke hervor: Das junge Kleinkind was ich nun einmal war, erschreckte sich zu Tode. Die Frau Mutter Schneiderin unternahm jedoch nichts gegen dieses kundenerschreckende Verhalten ihrer Tochter und fand es sogar eher amüsant. Seitdem waren wir nicht mehr Kunden dieses Ladens.20161014_080342

Die erste Wendung auf meinem Weg zum Islam brachte Jahre später eine deutsche Koranausgabe von Max Henning, die eher auf akzidentellem Wege in unser Haus gelangte. Zu dieser Zeit arbeitete nämlich meine älteste Schwester als Arzthelferin in einer persischen Arztpraxis der Allgemeinmedizin. Eines Tages brachte sie eine ungefähre Übersetzung des Korans mit nach Hause. Eher beiläufig erwähnte sie, dass irgendjemand der Patienten diesen liegen gelassen habe und nach einigen Wochen immer noch nicht abgeholt hatte. Seitdem lag er in unserer Wohnung und wurde durch mich als begeisterte Leseratte dann und wann frequentiert. Schon damals verspürte ich beim Lesen einen gewissen Sog der mich erkennen ließ, dass dieses Buch etwas besonderes sein muss.

Was mir jedoch bei dieser gebrauchten Ausgabe sofort auffiel, waren die mit einem fetten Rosabuntstift markierten Verse des Korans. Eine Stelle war zum Beispiel folgende:

„Und tötet sie, wo immer ihr auf sie trefft, und vertreibt sie, von wo sie euch vertrieben haben, denn Verfolgung ist schlimmer als Töten! Kämpft jedoch nicht gegen sie bei der geschützten Gebetsstätte, bis sie dort (zuerst) gegen euch kämpfen. Wenn sie aber (dort) gegen euch kämpfen, dann tötet sie. Solcherart ist der Lohn der Ungläubigen.“ (Sure al-Baqara: 191)

Und eine weiterer Vers:

„Gewiß, die schlimmsten Tiere bei Allah sind die, die ungläubig sind und (auch) weiterhin nicht glauben“ (Sure al-Anfal: 55)

Schon damals waren also willfährige Islamkritiker unterwegs, die den Koran nach verdächtig erscheinenden Stellen untersuchten und markierten, um in der Diskussion stolz ihr Wissen über den Islam kundtun zu können. Mich jedoch störten diese Markierungen in keinster Weise. Ich markierte einfach die mich besonders positiv inspirierenden Stellen wie zum Beispiel:

„In der Schöpfung der Himmel und der Erde; im Unterschied von Nacht und Tag; in den Schiffen, die das Meer befahren mit dem, was den Menschen nützt; darin, daß Allah Wasser vom Himmel herabkommen läßt, und damit dann die Erde nach ihrem Tod wieder lebendig macht und auf ihr allerlei Tiere sich ausbreiten läßt; und im Wechsel der Winde und der Wolken, die zwischen Himmel und Erde dienstbar gemacht sind, sind wahrlich Zeichen für Leute, die begreifen.“ (Sure al-Baqara: 164)

[Wie meine Reise zum Islam weitergeht lest ihr in dem 2.Teil, der in den kommenden Tagen veröffentlicht wird.]

Ähnliche Beiträge

8 Antworten auf “Mein Weg zum Islam – Teil 1”

  1. Muhammad Ibn Maimoun

    السلام عليكم

    Vielen Dank für diesen ersten Teil, Gott engelte es dir bestens! Bin gespannt, was es mit den Notizen der Mutter auf sich hat 🙂

    Antworten
    • Nuruddin

      Nuruddin

      Assalamu alaykum, ich freue mich das Dir der Text gefällt. Die Notizen meiner Mutter sind Traumnotizen, wo sie den besagten Traum, festgehalten hat.

    • Muhammad Ibn Maimoun

      Hat sie immer deine Träume niedergeschrieben? Oder nur diesen?

    • Nuruddin

      Nuruddin

      Sie hat schon so einige Träume niedergeschrieben

  2. Mohammed Isa

    Mohammed Isa

    As-Selam Aleykum,
    Ich freue mich schon auf die Fortsetzung.

    Antworten
  3. Aisha bint Ali

    Aisha bint Ali

    Asalamu aleykum wa rahmatullah wa barakatuh.

    Mir gefällt die Art und Weise, wie du von deinem Weg zum Islam berichtest, unglaublich gut.

    Deine Mutter scheint eine interessante Person zu sein, das mit den Traumnotizen ist eine ausgesprochen gute Idee und höre ich so zum ersten Mal.

    Ich lese dann mal gespannt weiter.

    Jazakallhu khayran
    Wa-sSalam

    Antworten
    • Nuruddin

      Nuruddin

      Wa alaykum salam wa rahmatullahi wa barakatuh liebe Schwester,
      danke für Dein Kommentar! In shaa Allah(t) haben Dir die anderen beiden Teile auch zugesagt.
      Meine Mutter hat sich seit jeher mit Traumdeutung befasst. Umso erstaunlicher ist es, so eine Aufzeichnung von früher zu lesen.
      Wa Antum fa Jazakumullahu khayran

Antworten