Die Beziehung zwischen Aqidah und Fiqh

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Die Beziehung zwischen Aqidah und Fiqh
Shaykh Yasir Qadhi antwortet auf die Frage:
„Was ist die historische Beziehung zwischen den Rechtsschulen und der `Aqidah (Glaubenslehre)?“

Aus dem Englischen [27.10.2008] übersetzt von Mohammed Isa
Revidiert von Abu Ilias

Die Beziehung zwischen den Rechtsschulen und den theologischen Schulen ist ein sehr umfangreiches Thema, und eines das verdient mehr Aufmerksamkeit zu bekommen. Ich denke ehrlich gesagt, dass es ein großartiges Dissertationsthema werden kann.

Jeder einzelne sollte wissen, dass die vier großen Imame [1] alle zu verschiedenen Zeiten lebten. Demzufolge war ihr Fiqh je nach Kontext abhängig von ihrem Umfeld und dem Umfang und der Art des Wissens welches für sie zugänglich war. Ebenso waren ihre Meinungen die Aqidah betreffend gleichermaßen beeinflusst.
Es existieren genügend Aussagen der 4 Imame, die beweisen, dass sie dieselbe Überzeugung in Bezug auf Asma´ wa s-Sifaat (die Namen und Eigenschaften Allahs -subhanahu wa ta`ala -[2]) hatten (faktisch in allen Fragen zur Theologie, außer bei einem feineren Detail über den Iman [3] wo einer von ihnen eine andere Meinung vertrat). Allerdings variiert die Anzahl dieser Aussagen sehr. Die früheren Imame (Abu Hanifa, Malik und ash-Shafi’i) waren weder von den Mu’tazilah umgeben, noch ging von ihnen eine andere große Gefahr aus. Allerdings lebte Imam Ahmad zu einer Zeit als die Mu`tazilah [4] großen Einfluss erlangten und er (aufgrund seiner vehementen Kritik und Widerlegung ihrer Lehren) in den Mittelpunkt ihres Interesses geriet. Daraus folgend kann die Anzahl der überlieferten Aussagen von ihm nicht mit den anderen 3 Imamen verglichen werden.

Dies beeinflusste dementsprechend die Nachfolger der 4 Imame. Viele der Mu`tazilah folgten in Angelegenheiten des Fiqh der Meinung von Imam Abu Hanifa, was ein Grund dafür war, dass es nicht allzu viele Aussagen von Imam Abu Hanifa gab, die man hätte gegen sie verwenden können. Es wird ebenfalls überliefert das einige frühere Menschen die von Jahm [5] beeinflusst wurden, Studenten von Abu Hanifa waren (keiner von ihnen war berühmt – Imam Ahmad erwähnt dies in seinem „ar-Radd `la l-Jahmiyyah“ die Widerlegung der al-Jahmiyyah Sekte). Allerdings waren alle berühmten Studenten dieser 4 Imame und auch die Studenten die nach ihnen kamen auf dem Weg der reinen sunnitischen Überzeugung und sprachen sich gegen den Kalam [6] und ihren Einfluss aus. Die mutawaatir [7] Überlieferungen von diesen Imamen und ihren Studenten gegen den Kalam wird von keinem verleugnet, selbst ein Imam al-Ghazali [8] sah sich in seinem „Ihya `ulum ad-Deen“ gezwungen anzuerkennen, dass Ijmaa` (Konsens) der Gelehrten der ersten Generationen betreffend des Verbots der Natur des Kalams herrschte.
Die früheren Shafi’iten und Malikiten waren alle auf der reinen sunnitischen Glaubensgrundlage (zu jener Zeit auch Ahlu l-Hadith (Leute des Hadith) genannt). Bei einem kurzen Einblick in die Tabaqat Werke der Madhahib (Mehrzahl von Madhhab) wird dies ersichtlich (wie beispielsweise in „Tabaqat ash-Shafi’iyya al-Kubra“ von as-Subki (gest. 770 n.H.) – in den ersten Bänden werden sehr viele Leute genannt, die für ihre reine Glaubensgrundlage bekannt waren). Einer von ihnen ist der Hauptstudent von Imam ash-Shafi’i, al-Muzani (gest. 264 n.H.), dessen Werk über Glaubensgrundlagen der Sunniten gedruckt wurde. Ein anderer ist Ahmad bin `Umar bin Surayj (gest. 306 n.H.), welcher später aufgrund seiner wichtige Rolle in der Madhhab als „der zweite Shafi’i“ betitelt wurde. Von ihm gibt es zahlreiche Aussagen in denen er die Lehren des Kalams widerlegte und dies war auch der Grund wieso ein späterer Anhänger der Shafi`itischen Madhhab (al-Isafari`ini im 6. Jahrhundert), welcher sich auf dem Pfad des Kalam befand, sagte:

„Wir nehmen seine Ansichten in Bezug auf den Fiqh an, jedoch aber nicht in Angelegenheiten der `Aqidah.“

Auch der berühmte al-Khatib al-Baghdadi (gest. 463 n.H.) verzeichnete zahlreiche Aussagen bezüglich seiner `Aqidah und ebenfalls sehr viel Kritik gegenüber dem Kalam.

Viele Standardwerke der Theologie wurden von Shafi`iten verfasst, einschließlich das von ad-Darimi (gest. 282 n.H.), Ibn Khuzaymah (gest. 311 n.H.) und al-Lalaka`i (gest. 418 n.H.). Somit waren so gut wie alle früheren Anhänger der Madhahib auf der reinen (und unverfälschten) sunnitischen Glaubenslehre (obgleich einige wenige Anhänger es nicht waren).
In der malikitischen Madhhab ist dies umso mehr ausgeprägter. Eines der berühmtesten Werke des malikitischen Fiqh ist das von Imam Ibn Abi Zayd al-Qayrawani (310 – 386 n.H.). Die Einleitung zu seiner malikitischen Fiqhabhandlung enthält ebenfalls seine reine Glaubensüberzeugung.

Einer meiner engsten Freunde war Teilnehmer eines Vortrags des wohl berühmtesten Vertreters der Kalam Theologie in Amerika. Diese Person erwähnte, dass die Glaubenslehre der modernen „Wahhabis“ auf Ibn Taimiyah zurückzuführen sei. Im Laufe des Vortrags empfahl er Ibn Abi Zayd al-Qayrawanis Werk als primäre Quelle zum malikitischen Recht. Nach dem Vortrag schaffte es mein Freund an seinen Personenschützer vorbei und fragte ihn:

„Sie haben das Werk von Ibn Abi Zayd al-Qayrawani empfohlen, sicherlich müssen Sie sich mit seiner Muqaddimah (Einleitung) vertraut gemacht haben, in der er genau die selbe Glaubenslehre wie Ibn Taimiyah predigte, genauso wie die modernen Anhänger der reinen sunnitischen Glaubensüberzeugung (den sogenannten „Wahhabiten“).“

Er antwortete:

„Ibn Abi Zayd schrieb dieses Werk als er noch recht jung war und widerrief später in seinem Leben die Ansichten dieser Glaubenslehre“.

Worauf mein Freund sagte:

 

„Ich möchte Sie weder fragen wo diese angebliche Widerrufung (die es nicht gibt) niedergeschrieben wurde, noch welches andere Buch zur `Aqidah er darüber hinaus noch schrieb, welche zeigt, dass er seine Ansichten änderte. Tatsache ist jedoch, dass Ibn Abi Zayd solch eine `Aqidah im Jahre 350 n.H. hatte und es zeigt ganz deutlich, dass die Theologie, die sie Ibn Taimiyah zuschreiben, bereits Jahrhunderte vor ihm existierte!“

Hierauf konnte die Person nicht mehr antworten.

Der berühmte malikitische Gelehrte Ibn Abdu l-Barr (gest. 436 n.H.) verfasste ebenfalls viele klare Widerlegungen der Theologie des Kalam und bestätigte alle Attribute Allahs (subhanahu wa ta`ala) und lehnte den Ta`weel (Deutung) ab. Tatsächlich waren die Murabitun [9] , welche im 4 Jahrhundert nach der Hijrah die gesamte Region des Maghrib [10] beherrschten, so sehr auf der reinen sunnitischen `Aqidah, dass sich durch sie die „berüchtigte“ Verbrennung des Ihya `Ulum ad-Deen (ein Werk von Imam al-Ghazali) zu ihrer Zeit ereignete. Etwas später zu Beginn der Bewegung der „Muwahhidun“ durch Ibn Tumart [11], wurde die Lehre des Kalam der gesamten Region aufgezwungen (Diese „Bekehrung“ zur Lehre des Kalam wurde, wie in Geschichtsbüchern festgehalten, sehr brutal durchgeführt und ging mit Plünderungen und Ermordungen einher und die verfolgten Anhänger der reinen `Aqidah wurden als „Anthropomorphisten“ [12] bezeichnet. Es sollte angemerkt werden, dass sich dies bereits Jahrhunderte vor Ibn Taimiyah (rahimahuAllah) ereignete). Dies war der Wendepunkt der Anhänger der malikitischen Schule in den Bestimmungen der reinen `Aqidah.

In gleicher Weise verbreitete sich die Überzeugung des Kalam unter den anderen Rechtsschulen und verschiedene Regierungen förderten sogar bestimmte Rechtsschulen und Glaubenslehren, welche letztendlich zu ihrer Verbreitung führte. (An dieser Stelle sollte erwähnt werden, dass Jene die ständig die Verbreitung einer bestimmten `Aqidah durch den Einfluss des „Petro-Dollars“ kritisieren, die Tatsache zu ignorieren scheinen, dass über Jahrhunderte hinweg sicherlich nicht durch „Petro-Dollar“ an sich, sondern finanzielle Mittel, Bau von Madrassah (islamische Schulen) und der Zunahme bestimmter Stellungen und Gelehrte dies alles die eigentlichen Gründe für die Verbreitung der verschiedenen Glaubenslehren und Rechtsschulen waren.) Es gab einige bestimmte Dynastien und Universitäten welche die Glaubenslehre der Ash`ariyyah im Einzelnen förderten und dieser entscheidende Faktor war einer der primären Gründe für die „Unterwanderung“ der reinen Glaubenslehre in der shafi´itischen Rechtsschule.
Im Hinblick auf die hanbalitische Rechtsschule, so war es hier selbstverständlich, dass aufgrund der großen Menge an Aussagen von Imam Ahmad (rahimahuAllah) es geradezu unmöglich für irgendjemanden war sich Imam Ahmad zuzuschreiben und gleichzeitig die Lehre des Kalam zu befolgen. Es gibt hier sehr wenige Ausnahmen wie beispielsweise der bekannte Imam Ibnu l-Jawzi und sein Lehrer Ibn `Aqil. Doch im Großen und Ganzen, über die Jahrhunderte hinweg, haben die Hanbaliten traditionsgemäß die Attribute Allahs (subhanahu wa ta`ala) bekräftigt und die Leute des Kalam widerlegt. Viele Auseinandersetzungen haben sich zwischen ihnen und den Leuten des Kalam ereignet.

Als die übrigen Rechtsschulen allmählich durch die Lehre des Kalam beeinflusst wurden, führte dies zu der falschen und irrtümlichen Annahme, dass die reine sunnitische `Aqidah lediglich die der hanbalitischen Madhhab sei, sprich eine „hanbalitische `Aqidah“. Nachdem Ibn Taimiyah sein Buch „al-`Aqidatu l-Wasitiyyah“ verfasste, wurde er vor Gericht gebracht und sie legten ihm nahe zu behaupten, dass dies lediglich die `Aqidah der hanbalitischen Rechtsschule sei um keine weiteren Anklagepunkte gegen ihn einzureichen und ihm schließlich die Freiheit zu gewähren. Er erhob seine Stimme und schrie mit seiner tiefen Stimme zum ganzen Publikum:

„Dies ist nicht einzig die `Aqidah von Imam Ahmad, oder einem bedeutenderem oder weniger bedeutenderem als ihm, vielmehr ist dies die `Aqidah des Qur’an und der Sunnah und dem was die frommen Vorfahren übereinstimmend beschlossen haben…“.

Zusammengefasst kann gesagt werden, dass alle 4 Imame (sogar alle frommen Vorfahren) auf dem Weg der reinen `Aqidah des sunnitischen Islams waren. Verschiedene historische Einflüsse, insbesondere im 5. Jahrhundert nach der Hijrah (islamische Zeitrechnung) und darüber hinaus, haben zur allmählichen Akzeptanz der Kalam Überzeugung zwischen einigen der Rechtschulen beigetragen und dieser Wende in der Geschichte verdankt der Kalam die Verbreitung seiner Lehre unter der Menschenmasse bis in unsere heutige Zeit. Viele behaupten sogar dass die Lehre des Kalam die eigentliche `Aqidah des sunnitischen Islams sei. Diese langsame Unterwanderung kann historisch sehr einfach bewiesen werden und der einfachste Weg dies zu tun ist die Glaubensüberzeugung der früheren Gelehrten der Rechtsschulen aufzulisten und dann wird man sehen wie sich diese Glaubensüberzeugungen über die Zeit hinweg entwickelt haben. Wenn wir uns die Bücher anschauen die über die Jahrhunderte hinweg geschrieben wurden, werden wir einen weiteren Hinweis hierfür entdecken. Wie auch immer, aus all den Rechtschulen hat sich die hanbalitische Schule im Allgemeinen als undurchdringlich (für die Lehre des Kalam) bewiesen. Vor allen Dingen weil Imam Ahmad der letzte der 4 Imame war und er die eindeutigsten Aussagen über die `Aqidah im Allgemeinen und insbesondere über die Asma´ wa as-Sifat (Namen und Eigenschaften Allahs subhanahu wa ta`ala) hatte. Deswegen war es unmöglich für irgendjemanden sich Imam Ahmad in Bezug auf die Rechtsschule zuzuschreiben und gleichzeitig der Lehre des Kalam zu folgen.

Und Allah weiß es am besten.

 

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[1] Die vier großen Imame auf die sich die jeweiligen Rechtsschulen in Rechtsfragen beziehen und nach denen dieRechtsschulen (arabisch: „ مَذْهَب “ Madhhab) benannt wurden, sind Imam Abu Hanifa (80 ‐ 150 n.H.), Imam Malik (93 ‐ 179n.H.), Imam ash‐Shafi`i (150 ‐ 204 n.H.) und Imam Ahmad (164 ‐ 241 n.H.), möge Allah der Gepriesene und Hocherhabeneihnen allen barmherzig sein.

[2] Bei der Erwähnung von Allah ist es empfehlenswert, dass der gläubige Muslim die Worte der Lobpreisung spricht wiebeispielsweise: „ سُبْحَانَهُ وَ تَعَالَ ى “ subhanahu wa ta`ala (Frei von Unvollkommenheit und Hocherhaben ist Er) oder „ “عَزَّ وَ جَ لَّ`azza wa jalla (Mächtig und Majestätisch ist Er).

[3] Imaan (arabisch „ إيمان “) bedeutet linguistisch: Fest glauben und (danach) handeln. Iman sind Worte und Taten (d.h. Wortedes Herzens, Worte der Zunge, Taten des Herzens, Taten der Zunge, Taten der anderen Organe).

[4] Mu`tazilah (arabisch „ المعتزلة “) bedeutet wörtlich „die sich abwendende Gruppe“ und sind Anhänger von Waasil bin `Ata,der sich von Hassan al‐Basris (rahimahuAllah)Versammlungen abwandte (I`tizaal). Waasil behauptete dass sich einSünder in einer Stufe zwischen zwei Stufen befände. Folglich ist der Sünder weder ein Gläubiger noch ein Ungläubiger unddeshalb wird er ewig im Höllenfeuer verweilen müssen. `Amr bin `Ubayd (siehe Fußnote 6) folgte ihm hierin. IhreAnsichten bezüglich der Eigenschaften Allahs (subhanahu wa ta`ala) waren die der Jahmiyyah Sekte (siehe Fußnote 5) dieauf ta`teel (arabisch „“) basierte, und bezüglich dem Qadar (Vorherbestimmung) die der Qadariyya Sekte. Sie verleugneten somit die Beziehung vom Schicksal und der Vorherbestimmung von Allah (subhanahu wa ta`ala) zu denTaten Seiner Diener. Bezüglich dass wenn einer eine große Sünde begehe, er für ewig im Höllenfeuer verweilen werdeund dass er vom Imaan abgeschnitten sei und sich in einer Stufe zwischen Glaube und Unglaube befände, sowidersprachen ihnen die Jahmiyyah in diesen beiden Prinzipien. [Shaykh Muhammad bin Salih al‐`Uthaymeen(rahimahuAllah) in seiner Erklärung zu Lum`atu l‐`Itiqaad von Ibn Qudamah (rahimahuAllah) auf Seite 163]

 

[5] Al‐Jahmiyyah sind Anhänger von Jahm Ibn Safwan welcher im Jahre 121 n.H. von Salim bin Ahwaz getötet wurde. Ihre Ansichten bezüglich der Eigenschaften Allahs (subhanahu wa ta`ala) war die des Ta`teel (Verleugnung) und des Nafee (Verneinung). Bezüglich des Qadar (Vorherbestimmung) waren sie der Ansicht, dass die Menschheit gezwungen ist Taten zu verrichten (al‐Jabr). Ihr Ansicht bezüglich Imaan ist der des Irja`, was bedeutet dass sie glaubten, dass der Imaan lediglich die Bezeugung des Herzens ist und dass Aussagen und Handlungen kein Teil des Imaan seien. Ihrer Ansicht nach ist somit jeder, der eine große Sünde begeht ein Gläubiger mit vollständigem Imaan (d.h. Imaan nimmt weder ab noch zu). So sind sie Mu`tazilah, Jabariyyah und Murji`ah in einem und sie spalteten sich in viele weitere Sekten.

[6] Kalam bedeutet argumentative Rhetorik und Philosophie. Imam Abu Hanifa (rahimahuAllah) sagte in Bezug auf den Kalam: „Möge Allah `Amr Ibn `Ubayd verfluchen, denn wahrlich, er hat für die Menschen einen Pfad zum Kalam in den (Dingen) geöffnet, die für sie im Sinne von Kalam keinen Nutzen haben.“ Ein Mann fragte ihn: „Was sagst du über Kalam, den er über die nichtessentiellen Eigenschaften (al‐A`rad) und die Körper (al‐Ajsam) erzählte?“ So sagte er (rahimahuAllah): „Dies sind philosophische Aussagen. Haltet an den Athhar (Überlieferungen) und dem Pfad der Salaf (Altvorderen) fest, und nehmt euch vor allen neu eingeführten Angelegenheiten in Acht, da sie wahrlich Bid`ah (religiöse Neuerungen) sind.“ Und weiter sagte er (rahimahuAllah): „Hüte dich davor zum einfachen Volk mittels Kalam über die Fundamente des Din (Religion) zu sprechen, da sie dir blind folgen und sich darin vertiefen würden.“

[7] al‐mutawaatir (arabisch „ اَلْمُتَوَاتِر “) ist abgeleitet vom Wort „tawaatur“ und bedeutet linguistisch: Aufeinanderfolge, Reihe, Serie; folgend. Allah subhanahu wa ta`ala sagt (sinngemäß): „Hierauf sandten wir Unsere Gesandten, einen nach dem anderen…“ [Surah Al ‐ Mu´minun (23): 44] Fachlich bedeutet dies: Jener, der von einer derart großen Anzahl an Leuten überliefert wird, so dass es unmöglich wird, dass sie eine Lüge erdichtet hätten. Die Gelehrten haben vier Bedingungen erwähnt damit ein Hadith als Mutawaatir bezeichnet werden kann:

1) Dass er von einer großen Anzahl an Leuten überliefert wird. Die Gelehrten haben Meinungsverschiedenheit über die eigentliche Zahl, die gefordert wird.
2) Die Anzahl muss so groß sein, dass es unmöglich ist das sie sich auf eine Lüge geeinigt haben könnten.
3) Es muss eine große Anzahl an Überlieferern in jeder Stufe/Generation der Überlieferungskette ( Isnaad) sein, so dass es von einer großen Anzahl überliefert wurde von einer großen Anzahl, den gesamten (Überlieferungs‐) Weg zurück bis hin zum Propheten (sallaAllahu `alaihi wa sallam).
4) Es muss darauf basieren was sie gesehen oder gehört haben, so dass sie sagen müssen: „Wir hörten.“ oder „Wir sahen.“, da wenn es nicht so ist, es möglich ist das sich Fehler einschleichen, (und) folglich ist es nicht Mutawaatir.

[8] Er ist Zainu d‐Deen Abu Hamid Muhammad bin Muhammad bin Muhammad bin Ahmad at‐Tusi ash‐Shafi`i al‐Ghazali und wurde 450 n.H. in der Stadt Tus geboren. Bekannt wurde er (rahimahuAllah) als al‐Ghazali. Abu al‐Abbas Ahmad al‐Khatibi berichtete: „Ich war im Unterricht von al‐Ghazali als er uns erzählte: „Mein Vater starb und hinterließ uns – meinem Bruder und mir – nur wenig. Als dann alles verbraucht war und es für uns sehr schwierigwurde, Essen zu besorgen, haben wir uns in einer Fiqhschule eingeschrieben, damit wir Essen bekommen. Wir strebten also am Anfang nicht um Allahs Willen nach Wissen, aber Allah wollte es schließlich, dass wir uns mit Wissen doch um Seinetwillen beschäftigen.“ Den Fiqh studierte er zunächst in seiner Stadt Tus, später dann in Naisabur. Mit 30 Jahren wurde er Lehrer in der Nidhamiyyah (der regulären Schule bzw. Universität) in Bagdad und begann in den Bereichen Usul (Grundlagen der Religion), Fiqh und Weisheit (arab. Hikmah) Bücher zu schreiben. Imam Ghazali starb am Montag, den 14. Dshumada al‐Akhira, im Jahr 505 n.H. Er war 55 Jahre alt geworden. Allah möge ihm barmherzig sein. [Zusammengefasst aus „Siyar A’laam al‐Nubala’“ von Imam adh‐Djahabi]

 

[9] Al‐Murabitun (arabisch „ المرابطون “ oder im Deutschen auch als Almoraviden bekannt) waren eine Berberdynastie die im 11. und 12. Jahrhundert der christlichen Zeitrechnung das Nord‐westliche Afrika und Teile Südspaniens beherrschte.

[10] Unter Maghrib (arabisch „ مغرب “) versteht man vor allem die drei Nord‐afrikanischen Länder Tunesien, Algerien und Marokko, teilweise auch noch Libyen und Mauretanien, die aufgrund ihrer Geschichte viele Gemeinsamkeiten haben. Al‐ Maghrib „der Westen“ ist vom Verb gharaba „ غرب “ abgeleitet, was in etwa „weggehen, untergehen (der Sonne)“ bedeutet.

[11] Abu Abdullah Muhammad ibn Tumart (arabisch „ أبو عبدالله محمد بن تومر ت “ ; steht im berbischen für Ibn `Umar) wurde im Jahre 485 n.H. als Mitglied des Hargha‐Stammes (Masmuda) im Antiatlas geboren und studierte in Cordoba und im Irak Theologie, Philosophie und Recht, wobei er von der Lehre des al‐Ghazzali erheblich beeinflusst wurde. Nach seiner Rückkehr in den Maghrib verbreitete er seine Lehre des Kalam unter den Berbern des Hohen Atlas und sammelte erste Anhänger um sich. Als der Versuch scheiterte, die Almoraviden unter Ali ibn Yusuf zu seiner Theologie zu bekehren, zog er sich im Jahre 514 n.H. mit seinen Anhängern in das Atlasgebirge zurück und verbreitete unter den Masmuda‐Stämmen seine Lehre. Ibn Tumart starb im Jahre 524 n.H. und wurde in Tinmallal bestattet. Mit ihm verloren die „Muwahhidun“ (oder auch Almohaden) ihren geistlichen Führer, womit die militärisch‐politischen Ziele der Bewegung in den Vordergrund traten. Sein Nachfolger wurde Abd al‐Mumin, der die Almohaden zum Sieg über die Almoraviden führte. Allerdings musste der Tod von Ibn Tumart drei Jahre geheim gehalten werden, bis sein Nachfolger Abd al‐Mumin seine Herrschaft gesichert hatte.

[12] Der Begriff Anthropomorphismus stammt vom griechischen Wort Anthropus „Mensch“ und Morphe „Form, Gestalt“ ab und bezeichnet im Islam Jene die Allah subhanahu wa ta`ala menschliche Eigenschaften zuschreiben und Allah subhanahu wa ta`ala mit Seinen Geschöpfen vergleichen.

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