„Mein Leben als IS-Sympathisant“ – Gastbeitrag, 3. Teil

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Mit diesem Beitrag bin ich nun froh, nach dem ersten und zweiten nun den dritten Teil des Berichtes von Umeyr aus seiner Zeit als IS-Sympathisant vorlegen zu können. Es geht darin unter anderem um die gruselige Art, wie sie mit ihrem Fußvolk umgehen, das sie, Männlein wie Weiblein, wie billiges Verbrauchsmaterial behandeln. Die vorherigen Teile haben schon für großes Hallo unter den daheimgebliebenen Löwen der ISIS gesorgt; es steht zu vermuten, dass der dieser dritte bei der gleichen Klientel auf noch größere Gegenliebe treffen wird.

 

Bismi_Llâhi_r-Rah°mâni_r-Rah°îm

Wa-l_h°amdu li-Llâhi Rabbi_l-3âlamîn(a), wa-s°alâtu_Llâhi wa-salâmuhû 3alâ rasûlihi_l-karîm(i).
Ash.hadu an lâ ilâha illâ_Llâh(u) wa-anna sayyidanâ Muh°ammadan 3abduhû wa-rasûluh(û).
As-Salâmu 3alaykum wa-rah°matu_Llâh.

 

Liebe Geschwister im Islam und liebe Nichtmuslime

Es wird von Seiten von IS-Sympathisanten behauptet, dass ich ein Lügner sei und meine Vergangenheit, die ich mit euch teile, ein Fake. Alles, was ich hier veröffentlichen lasse, ist aber, das was ich erlebt und was ich gesehen habe. Wenn Ihr interessiert seid oder Fragen habt, dann könnt Ihr sie mir gerne stellen. Schreibt einfach ein E-Mail an Abdussalam und er wird sie an mich weiterleiten. Ich fürchte den IS nicht, ich fürchte nur Allah (swt). Nur aufgrund der Sorge meiner Familie gegenüber veröffentliche ich die Beiträge nicht unter meinem richtigen Namen.
Ich hoffe, mein Bericht gefällt Euch und bringt Euch neue Informationen. Lest bitte Teil 1 und Teil 2 vor diesem, am besten auch den Folgeartikel „NIWelt blamiert sich und ihre Khilafah“, in dem zusätzliche Informationen zum ersten Teil enthalten sind.

 

abu-khattab-al-kurdiWir haben den Monat Oktober, die Schlacht um Kobane hat richtig begonnen. Die YPG erleidet mehr und mehr Rückschläge, was mich natürlich ungeheuer erfreut. Den Kampf gegen die YPG sah ich als Gelegenheit, um vor allem bei Türken meine Da’wah zu betreiben. Es kam damals auch dazu, dass junge, nichtreligiöse Türken mit Nähe zur Bozkurt-Bewegung [den sogen. „Grauen Wölfen“] haben, plötzlich Sympathie für den IS zeigten.

Zu Anfang des Monats fing ich an, mich von Gruppen in den sozialen Netzwerken fernzuhalten und machte nur noch Da’wah mit wenigen Personen. Eine dieser Personen war die Schwester meiner ehemaligen Verlobten, die aufgrund meiner starke Sympathien zum IS zeigte. Ich hatte sie durch meine Überzeugungsversuche sogar soweit gebracht, dass sie fragte, ob es für sie halal sei, für den IS zu kämpfen. Das verneinte ich natürlich, weil sie ohne einen Mahram nicht in ein fremdes Land reisen dürfe. Zwar wusste ich, dass der „Islamische Staat“ eine andere Meinung vertrat und den Frauen sogar dazu riet, ohne Hijab zu reisen, um nicht aufzufallen. Aber ich kannte zugleich die Meinung der islamischen Gelehrten und konnte ihr deswegen nicht raten, nach Syrien zu gehen, sondern habe dagegen gesprochen.


So ich hatte in dieser Zeit Kontakt mit einigen wenigen IS-Sympathisanten, die mich noch ein letztes Mal ideologisch festigten und hochpuschten, bevor es mit dieser Überzeugung bei mir endgültig bergab ging. In den ersten Oktobertagen war es relativ ruhig, täglich NIWelt und etwas Da’wah, mehr war nicht drin. Das änderte sich aber schlagartig am 10. Oktober, als eine Nachricht meine Familie erreichte, die mich extrem schockieren sollte. Es ging um meine Cousins, die in Kobane kämpften, und ihre Frauen.

jilbab-set-khimar-rock-muslim-shop-comDamit Ihr diese Geschichte besser versteht, muss ich ein wenig ausholen. Diese Cousins waren Brüder, zwischen 25 und 30 Jahre alt. Sie lebten, wie ihre Eltern, in einem Dorf etwas außerhalb der Heimatstadt meiner Familie, wo ich den Sommer verbracht hatte. Beide hatten etwas in Richtung Betriebswirtschaft studiert und arbeiteten; sie waren verheiratet und zum Zeitpunkt der Ausreise waren beide Frauen schwanger.

Alle waren von ihrer Ausreise zum IS überrascht. Ich hatte sie auch mehrmals während meines Aufenthalts gesehen und wir hatten auch miteinander gesprochen. Meist über Religion und auch einmal über Politik, Syrien und den Krieg. Worüber wir genau gesprochen haben, weiß ich nicht mehr, also kann es nicht viel mit dem IS zu tun gehabt haben, denn an dem Thema war ich ja brennend interessiert. Ich weiß nur noch, dass sie natürlich sehr gegen Assad waren und dass sie auf mich keinen radikalen Eindruck machten. Sie wussten umgekehrt nicht von meiner neuen Überzeugung, da dies nur einem kleinen Teil der Familie bekannt war, und so sprachen wir praktisch gar nicht über IS. Meine Cousins waren außerdem auch keine Najdis [Wahhabi orientiert], und sie trugen zwar Bart und ihre Frauen Khimar [ähnlich wie auf dem Symbolfoto eines Khimar aus dem Katalog von muslim-shop.com].  Aber die Männer trugen auch manchmal europäische Kleidung, und ihre Frauen keinen Niqab oder ähnliches, auch nicht den Schleier, der das Kinn verdeckt. Damals haben aber viele religiöse Türken nur deshalb IS unterstützt, weil sie dem wiederrichteten Kalifat (so glaubten sie) helfen wollten, darunter auch viele Sufis und Rechtsschulenanhänger.

 

Umso erstaunter waren alle, als diese beiden Brüder plötzlich verschwanden und der eine auf dem Propagandafilm des IS wiederauftauchte. Die Frauen waren mitgegangen, aber nicht, weil sie an das Kalifat glaubten, sondern aus Liebe zu ihren Männern. Die Eltern waren sehr erschüttert, dass ihre zwei Söhne ohne ein Wort verschwunden waren, und trauern noch heute.

Und nun, am 10. Oktober 2014, diese Nachricht: Meine geliebten Verwandten, die nach Syrien gereist waren, sind in Kobane gestorben. So teilten es ihre jungen Frauen, nun Witwen, über Skype der Familie mit.familie-eines-kaempfers

Ich nahm diese Nachricht mit gemischten Gefühlen auf: Einerseits war ich traurig, zugleich auch glücklich, dass sie als Märtyrer gestorben waren. Diese frohe Botschaft verkündete ich dann natürlich meinen engeren Freunden. Dieses Ereignis lies mich aber auch sehr nachdenklich werden, ob ich die Hijrah doch wagen sollte. Mit diesen Gedanken spielte ich tagelang hin und her, bis die Familie eine Nachricht erreichte, die den Grundstein meiner großen Zweifel am IS legen sollte. Sie wurde wieder von den Frauen meiner Cousins übermittelt.

Diesmal erreichte die Mutter einer der beiden eine Kette von Whatsapp-Nachrichten von ihrer Tochter. Diese hatte, im Unterschied zu ihrer Schwägerin, bereits entbunden, beide hielten sich in Raqqa auf. Nun berichtete sie davon, dass sie beide eigentlich in die Türkei zurückreisen wollten. Man ließ sie aber nicht, und wollte sie mit Kämpfern zwangsverheiraten. Außerdem war die Rede davon, dass die eine, die die Nachrichten sendete, von einem IS-Kämpfer vergewaltigt worden sei. Als ihre Mutter zurückfragte, brach die Verbindung ab. Seitdem hat die Familie nichts mehr ihnen und auch nichts von ihren beiden Kindern gehört.

 

Zwei Frauen die seit dem Oktober 2014 kein Lebenszeichen mehr von sich gaben. Zwei Frauen und zwei Kinder, von denen wir nicht wissen, ob sie tot oder lebendig sind. Bei den zwei Frauen denken wir, dass der Tod für sie wohl die bessere der beiden Möglichkeiten ist:

Besser, als zwangsverheiratet und regelmäßig vergewaltigt, und ein erniedrigtes Leben in solcher Sklaverei.

 

azzam_on_slave_womenNach diesen Tagen kamen bei mir Zweifel auf. Ein siegreicher Islamischer Staat, der so etwas erlaubt? Wie kann ein Kalifat so etwas schlimmes dulden? Natürlich hatte ich wieder einen inneren Kampf, suchte Entschuldigungen dafür und fand sie auch. Nach diesem Ereignis suchte ich für jede Handlung des „Islamischen Staates“ beziehungsweise seiner Soldaten und Emire Entschuldigungen, was mir auch gelang. So hatte ich also weiterhin große Sympathien für einen Staat, der meinen unschuldigen Verwandten Leid zufügte, was ich heute als komplett idiotisch bezeichnen würde.

 

abu-omar-shishaniEs ging die nächsten Tage im Oktober immer stürmischer voran, aufgrund der Entwicklungen in der Schlacht um Kobane. Ich diskutierte vermehrt mit Kurden über den IS, ob in Kommentarfeldern oder im Chat, auch per Telefon. Die Schule bekam ich daneben einigermaßen gut hin, aber zuhause lief es wirklich sehr schlecht:
Dauernde Krisen, Streitereien, Beschimpfungen.

Es gab auch eine Yezidin, mit der ich mich ein wenig anfreundete. Natürlich nutzte ich diese Freundschaft, um ihr den Islam näher zu bringen, was mir zu Beginn auch gut gelang. Sie fing an, sich vermehrt mit der Religion zu beschäftigen, aber da kam jetzt als großes Problem der „Islamische Staat“. Es war unmöglich, ihr weiszumachen, dass der „Islamische Staat“ keine Unschuldige töte. Dazu konnte und wollte sie auch einige von deren Rechtsmeinungen nicht annehmen. Beides zusammen schreckte sie am Ende dann doch vom Islam ab.

 

Ich hoffe, Ihr habt auch von der Lektüre dieses dritten Teils profitieren können. Im kommenden vierten Teil möchte ich ein anderes wichtiges Thema behandeln: Die ganze Zeit nämlich, also schon seit dem Sommer, hatte ich schon schriftlichen Kontakt mit Muslimen, die sich im Gebiet des IS aufhielten. D.h., nur mit deutschsprachigen und auf Deutsch, denn mein Türkisch ist nicht gut genug, damit ich damit sozialen Medien nutzen könnte. Von diesen Kontakten mit den Ausgewanderten möchte ich Euch im nächsten, vierten Teil meines Berichts mehr schreiben, in shâ’a_Llâh.

 

Ich bitte die Leser um Du’a für die unschuldigen Seelen in Kurdistan, Syrien sowie Irak, die ihr Leben in diesem Krieg verloren haben. Und dass Allah (swt) den unschuldigen Seelen, die jetzt dort unter der Fitna leiden, Beistand gewähren und sie schützen möge.



Zum ersten und zweiten sowie dem vierten Teil des Berichtes von Umeyr

Als besondere Leseempfehlung und Ergänzung zum 1. Teil: „Niwelt blamiert sich und ihre Khilafah“



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An dieser Stelle möchte ich, Abdussalam, mich nicht nur dem Du’a unseres Berichterstatters ausdrücklich anschließen, sondern ihm zugleich ganz außerordentlich danken. Seine Erzählung hat unter anderem dafür gesorgt, dass einige ISIS-Propagandaratten aus den Löchern kamen. Wer sich hier und angesprochen und beleidigt fühlt, ist selber schuld: Mit Liebhabern, Bewerbern und Facebook-Likern von Schlachthaus-Videos habe ich keinerlei Mitleid. Insbesondere nicht mit dem Oberverbrecher Abdullah Kaya alias NIWelt alias ISIS-Oberheuchler, welcher sich schon mit seinen Nachfragen auf die Knochen blamiert hat. Diesem Männchen habe ich jetzt eine Mubâhala auf seinen offensichtlichen, im islamrechtlichen Sinne vollen Nifâq angeboten – das war ihm zu billig, sich reinzuwaschen. Oder zu teuer? Ich tendiere zu letzterer Vermutung, die ich auch weiter mit Gottes Hilfe zu belegen gedenke. Auf jeden Fall bleibt es spannend für Deutschlands Web-Muslime – stay tuned!

 

Alle Fotos sind meines Wissens aus der „Public Domain“, bis auf das Katalogfoto von muslim-shop.com . Das Propagandabild gibt die angebliche offizielle Haltung von ISIS in Bezug auf Angehörigen und Hinterbliebenen von Kämpfer, nicht die Realität wieder.



LINKS zu Beiträgen hier auf dem Blog zum Themenkomplex ISIS sowie insb. zum ‚Predigerstreit‘:

  1. Zu den anderen Teilen dieser Reihe „Mein Leben als IS-Sympathisant“: Teil 1 und Teil 2 sowie Teil 4
  2. Eine Rezension dazu und meine Antwort: „NIWelt blamiert sich und ihre Khilafah“
  3. Filmberichte aus und über ISIStan
  4. Umeyrs „Fragen eines Ex-IS-Sympathisanten an ‚Abu Walaa'“
  5. „Abu Walaa“’s ISIS-SeminarAnkündigung und Folgeentwicklungen
  6. Dokumentation Predigerstreit (Pierre Vogel vs. „Abu Walaa“
  7. Einiges von „Dawa-Pics“ und falscher „Gottergebenheit“
  8. Eine Internet-Begegnung mit ISIS-Befürwortern
  9. „Loewenkundliches Magazin“ mit dem Thema „Verdummung bei Islamisten“


Kommentare und Leserbriefe sind erwünscht. Allerdings sollte nach wie vor auf das bei mir speziell geltende Regelwerk, auch im Lichte einer neueren Erläuterung und ihrer aktuellen Ergänzung hier unten, be- und geachtet werden. Insbesondere bitte ich aufgrund leidvoller Erfahrung alle Kommentatoren um die Erwiderung des Friedensgrußes ggf. in jedem Kommentar.
Leser- und insbesondere Beschwerdebriefe können auch gerne per Email eingereicht werden. Die Adresse findet sich in meinem Autorenprofil.


Wa-Llâhu a3lamu dâ’iman wa-nastagfiru_Llâha wa-natûbu ilayh(i).
Wa-s-Salâm.

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