Weshalb Islamverbände und Moscheegemeinden im Kampf gegen den „Salafismus“ schlecht aussehen

4 Kommentare

von Yahya ibn Rainer

Einer der Gründe, weshalb Islamverbände und Moscheegemeinden in Deutschland beim Kampf gegen den „Salafismus“ so offensichtlich scheitern, ist der Tatsache geschuldet, dass sie sich zwar mittlerweile am öffentlichen Diskurs zum Thema beteiligen, dieses aber oft unfreiwillig und nur aufgrund einer immensen Drohkulisse tun.

Speziell Moscheevereine sind hierzulande einem gewaltigen gesellschaftlichen und staatlichen Druck ausgeliefert. Im Kampf um Anerkennung und im Bestreben als friedlich und integriert zu gelten, organisiert man sich zähneknirschend in staatlich hofierten Verbänden, unterwirft sich dabei nicht selten den großen etablierten Playern im Islamverbands-Business und schüttelt sich unter dieser organisierten Haube die benötigten Ressourcen aus dem Ärmel, um hier und dort geübte Rhetoriker und als Muslime getarnte Politiker in öffentlichkeitswirksam in Szene gesetzte Veranstaltungen zu delegieren.

Eine reale Auseinandersetzung in den einzelnen Gemeinden findet damit noch lange nicht statt und hierzu gibt es auch gar nicht die geeigneten Kompetenzen. Des Weiteren verhindert dieser erfolgreich aufgebaute Druck durch Politik und exekutive Staatsgewalt auch eine ehrliche Auseinandersetzung mit den Menschen, die sich hinter der Wortschöpfung „Salafismus“ befinden.  Ein innerislamischer Dialog, sofern daran auch sogenannte „Salafisten“ teilnehmen, wird mit drastischen Mitteln der staatlichen Repression verhindert.

Eine direkte öffentliche Aussprache mit den hiesigen Autoritäten des „Salafismus“ wird aber nicht nur staatlich verhindert, sondern von den Verantwortlichen in den Moschee-Vorständen auch sehr gefürchtet. Denn neben dem Vorwurf, man würde den „Salafisten“ damit eine Plattform bieten, würden sich viele Gemeinden auch einer ganz anderen großen Gefahr ausgesetzt sehen, nämlich der peinlichen Situation, in einem solchen Dialog auch Wahrheiten bekennen zu müssen, die man unter der Haube des professionellen Verbands-Islams erfolgreich verschweigen konnte.

Sicherlich kann man in diesem Zusammenhang nicht allen Moscheen und Verbänden die von Islamkritikern so oft unterstellte Taqiya vorwerfen, aber trotz alledem ist man dazu übergegangen, bestimmte religiöse Wahrheiten und Termini aus den Predigten und Unterrichten zu verbannen, damit die Anerkennung durch Staat und Gesellschaft nicht ins Wanken geraten kann. Denn der Vorwurf, dass in einer Moschee „islamistisches“ oder gar „salafistisches“ Gedankengut Erwähnung findet, kommt einem gesellschaftlichem Todesurteil gleich. Und wird ein solcher Vorwurf nicht schnellstens entkräftet oder die Quelle der „Missetat“ öffentlichkeitswirksam aus den Räumlichkeiten der Moschee verbannt, droht ein gewaltig inszenierter medialer Spießrutenlauf, der für die Zukunft des Vereins bedeutet, dass er ab sofort geheimdienstlich beobachtet wird und seine Besucher sich von nun an verdächtig machen.

In diesem Milieu aus Druck und Zwang kann kein ehrlicher und fruchtbarer Dialog entstehen. So lange man nur über – und nicht mit – den sogenannten „Salafisten“ redet, erreicht man damit überhaupt gar nichts. Die Aufrichtigkeit einer Handlung hängt nun einmal zwingend mit seiner Freiwilligkeit zusammen. Zudem darf ein innerislamischer Dialog keinen Wert auf die Beurteilung durch Außenstehende (Nichtmuslime) legen.

Wenn der „Salafismus“ wirklich derart falsch ist und der Mehrheits-Islam in Deutschland wirklich so korrekt und fundiert, dann dürfte es doch kein Problem darstellen, unter Aufbringung geeigneter Autoritäten und Quellentexte, eine problemlose Klärung zu verschaffen.

Die Realität sieht aber anders aus. Was von säuselnden Verbandsapparatschiks bei öffentlichen Verlautbarungen gern als unwissender Laienprediger gescholten wird, hat für deutsche Verhältnisse leider ein recht professionellen Detailwissen im Aufgebot. Imame mit Studium und Abschluss kennen nur die wenigsten Moscheegemeinden. Dort aber, wo es sie gibt, sind sie Auslands-Importe und in ihrer Freizügigkeit nicht selten durch ausländische Religionsbehörden oder mächtige Verbände ebenso beschnitten, wie durch mangelnde Sprachkenntnisse und kulturelle Fremde.

So wächst also unsere „salafistische“ Gemeinde immer weiter und weiter, mit all ihren (durchaus auch negativen) Seiten und Erscheinungsformen, bis Deutschlands Muslime endlich wieder selbstbewusst werden und sich in der Lage sehen wieder miteinander anstatt über- und gegeneinander zu reden.

Das jedoch dürfte noch eine Weile dauern …

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4 Antworten auf “Weshalb Islamverbände und Moscheegemeinden im Kampf gegen den „Salafismus“ schlecht aussehen”

  1. Muhammad Ibn Maimoun

    السلام عليكم

    Meine Erfahrung ist, dass ein Dialog von der hier als ausgeschlossen dargestellten Klientel selbst verhindert wird, weil es bei ihr heißt: „Sitzt nicht mit den Ahlu l-bid’ah, diskutiert nicht mit ihnen und geht nicht zu ihren Vorträgen.“

    Ich wüsste wirklich nicht, was man da noch machen soll.

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    • Yahya Jens Ranft

      Yahya Jens Ranft

      Wa alaykum assalam wa rahmatullah

      Ich denke man muss da unterscheiden. Sicherlich gibt es Randgruppen die dieses Argument auf die mehrheitlichen Moscheegemeinden und Verbände hierzulande anwenden und deshalb niemals eine solche Einladung annehmen würden.

      Aber die bekanntesten deutschen Prediger, wie z.B. Pierre Vogel, Marcel Krass, Sven Lau usw. gehören nicht zu diesen fanatischen Randgruppen.
      Ich habe extra eben gerade einen dieser bekannten Prediger persönlich gefragt und er antwortete mit einem „Ich für meinen Teil hätte überhaupt keine Probleme damit“.

    • Muhammad Ibn Maimoun

      Nach meiner persönlichen Wahrnehmung ist das innerhalb der betreffenden Richtung keine bloße Randgruppe (gewesen), dafür habe ich zuviel erlebt. Und selbst wenn es so sein sollte: Die Moscheen, die ich kenne, haben überhaupt kein Problem mit dem Rest. Der wird meist nicht einmal als salafitisch wahrgenommen. Es geht also nur um die „Randgruppe“. (Ein Teil der Prediger wird aus verschiedenen Gründen nichtsdestotrotz als Bestandteil dieser Gruppe betrachtet.)

      Ich weiß nicht, ob es noch etwas bringt, die von Dir genannten Prediger einzubeziehen, da sich ihr Einfluss bedeutend verringert hat und sich die Salafi-Bewegung regelrecht zerfasert hat, aber es wäre eine ernsthafte Erwägung wert.

      Was wären denn deiner Meinung nach die Themenpunkte für den Dialog? Und welches Ziel sollte zu Beginn formuliert werden.

  2. Wir brauchen eine gewichtigte Mitte!

    Salamun alaikum,
    Gott (swt) hat uns selber gesagt, dass wir eine Nation der Mitte sind. Bedauerlicherweise sehen wir aber eine Verteilung, die eindeutig zeigt, dass wir uns größtenteils an den beiden Extrema aufhalten. Zum einen unzählige Murjias, die behaupten der Islam sei eine zu 100% pazifistische Religion, wo auch Atheisten problemlos ins Paradies kommen, solange sie gute Menschen sind. Zum anderen dann die Khawarij, die sich als Erben der Altvorderen verkaufen und einen globalen Dschihad ersehnen, wo man die Ungläubigen abschlachtet, ob Frau oder Kind oder sonst wer, sie hätten es sowieso alle verdient. Beide sind zweifellos gefährlich, doch letztere sind das größte Problem und das schlimmste Krebsgeschwür des Islam, das es jemals gegeben hat. Dies sag nicht ich, sondern bekanntlich unser edler Prophet (ass), der sie als Hunde bezeichnete und sie am liebsten persönlich getötet hätte. Ziemlich ungewöhnlich für ihn so hart zu reden, doch er wusste, was für ein Schaden Extremisten bringen würden, und wir wissen es auch und haben es alle gesehen. Diese Polarisierung lässt den einen oder anderen verwirren: Wie ist der Islam wirklich? Die „Salafisten“ beziehen sich ja (angeblich) auf den Koran und auf Hadithe, um ihre Taten zu berechtigen- währenddessen machen die „Euro-Muslime“ weiter wie immer und sagen bloß: „Das hat nichts mit dem Islam zu tun!“ (Wie im Bild oben.) Was passiert dann: Es passiert dann, dass manch einer denkt, die Extremisten würden den wahren Islam praktizieren, also eine brutale, Menschen verachtende Religion, und fallen vom Glauben ab. Somit wird -vollkommen unnötig- ein sehr fruchtbarer Nährboden für den Atheismus bereitgestellt. Ich weiß von was ich rede, in der Türkei nämlich fängt dieser Atheismus-Trend langsam aufzusteigen, insbesondere bei der Jugend, weil wir versagen, die Menschen vernünftig aufzuklären! Es schmerzt mir wirklich tief im meinem Herzen, mit anzusehen, wie wir uns blamieren und ständig selber ins Bein schießen, der Islam ist eine derart potenzielle Religion, wir haben es aber vermasselt und jetzt müssen wir die Suppe auslöffeln, die wir uns selber eingebrockt haben! Um ehrlich zu sein, für die absehbare Zukunft sehe ich keineswegs ein grünes Licht, vielleicht irre ich mich auch, Gott (swt) weiß es am besten. Möge Er (swt) uns helfen uns uns eine massenhafte Nation der Mitte geben!

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