Das Wort zum Freitag

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Kraft des Mittagessens, das ich bei einem Saudi-Shaykh, den ich nicht namentlich nennen möchte, da meine Leser sonst so geschockt sein werden, als hätten sie Besuch vom Todesengel persönlich bekommen, wenn sie feststellen, in welchen elitären Kreisen ich verkehre, eingenommen habe und – ganz wichtig – meiner stylischen Tracht aus Pakistan, verfüge ich folgende Richtlinien in Bezug auf Moscheepredigten.

  • Predigten müssen kurz und prägnant sein. Plattitüden und Floskeln schläfern nur ein und tragen dazu bei, dass insbesondere die jüngere Generation lieber einem Rapper zuhört, als einem strammen Mullah, der 45 Jahre lang in der mauretanischen Wüste Sterne gezählt hat.
  • Auf eine angemessene Lautstärke ist zu achten. Ins Mikrofon heulen oder brüllen machen die vorgebrachten Argumente auch nicht wahrer. Viel mehr überkommt den Insassen [sic!] das Verlangen sich ein IS-Hinrichtungsvideo mit majestätischen Eunuchengesang reinzuziehen.
  • Ein gewisser Realitätsbezug muss gewahrt bleiben. Sätze die mit „Seid nicht wie die seit Jahrhunderten ausgestorbene Sekte der Idiotiden, die menstruierenden Frauen das Gebet erlaubt hat!!!!“ beginnen oder Elaborate, die sich über die Wichtigkeit der Zugehörigkeit zum Islam bis zum Schluss drehen, sind No-Brainer, die niemanden voranbringen.
  • Predigten müssen kurz und prägnant sein. Lange Selbstdarstellungstiraden oder die eigene Heulen-auf-Abruf-Fähigkeit bringen einem vielleicht eine Komparsenrolle im deutschen Nachmittagsprogramm ein, sind aber für alle Anwesenden eine Tortur und insbesondere die jüngere Generation wird sich sodann lieber einem IS-Sympathisanten-Prediger zuwenden, aufgrund der Special Effects und des Eunuchengesangs den sie wie die Meister einzusetzen vermögen.
  • Predigten müssen kurz und prägnant sein und dennoch fesseln. Die schlecht übersetzten und noch schlechter vorgetragenen Texte aus Saudi-Webseiten sollten wenigstens von jemand vorgelesen werden, der der deutschen Sprache halbwegs mächtig ist. Wer sich bei „Möge Allah unser Fasten annehmen“ dreimal verliest und die Phrase „Wir müssen Gas geben“ so vorträgt, als würde er unter Narkose stehen, sollte umgehend ausgetauscht werden. Ansonsten wird sich insbesondere die jüngere Generation den Rappern zuwenden, die durchaus wissen wie man Text und Sprache platziert.
  • Kein Anprangern einer Situation oder Verurteilen von Menschen ohne gleichzeitig sinnvolle Lösungen zu nennen. Die Leute nicht vergraulen. Anstatt alle in die Hölle zu schicken, die sich kein schickes Saudi-Kostüm oder ein Mittagessen bei einem Saudi-Garderobier leisten können, ihnen zeigen, wie sie ihre Situation bewältigen können. Leute von der Schlechtigkeit der Sünde überzeugen, so dass sie selber ihren Irrweg feststellen. Hierbei bei den harten Fakten bleiben und nicht die neuesten „Erkenntnisse“ aus der Heimat bzgl. der Schädlichkeit des Autofahrens für die weibliche Gebärmutter vortragen. Wie kann man Sünden vermeiden, wie von ihnen loskommen? Was bringt einen voran? Wie mache ich den ersten Schritt?
  • Mehr Alltagsprobleme ansprechen, weniger über ausgestorbene Sekten oder über den Klassiker schlechthin lamentieren („Wo ist Allah?“). Wie kann ich beispielsweise meinen Arbeitgeber davon überzeugen mich an meinem Arbeitsplatz beten zu lassen? Ruhig mal ein paar Argumente für diese Problemstellung anbieten. Gebetszeiten werden nachgearbeitet, das Gebet sorgt für eine ausgeglichene Grundstimmung und ist besser als eine Raucherpause, das Gebet ist nur von kurzer Dauer und ja, die Zeit wird nachgearbeitet! Arbeitgeber gleich am Anfang darauf ansprechen, Vorteile verdeutlichen. Ora et Labora! Andere Alltagsthemen ansprechen und Lösungen anbieten.
  • Wiederholungen müssen sinnvoll sein, damit sie die Eindringlichkeit der Aussage bestärken. Allerdings ist das tausendste „Wisst ihr was das heißt?“ einfach nur nervtötend und auf Dauer langweilig. Vor allem aber nervtötend und langweilig. Und nervtötend sowieso!
  • Negatives Verhalten nicht bestärken. Es ist keine große Tat seine quengelnden und verzogenen Kleinkinder mit in die Moschee zu bringen, denen man überhaupt nicht den Respekt vor den Räumlichkeiten einer Moschee beigebracht hat bzw. noch gar nicht vermitteln kann (ja, ja, Früh übt sich… zu Hause!). Sie schreien, springen herum und wie es für Orientalen üblich ist, wird der Erziehungsberechtigte auch nicht groß einschreiten. Schließlich ist man selber als Quasi-Straßenkind ohne elterliche Aufsicht in Nador großgeworden, es hat anscheinend nicht geschadet! Anstatt die Balgen mit „Mashallah, der kleine Löwe“ zu loben und dieses Verhalten gutzuheißen, den Erziehungsberechtigten an seinen Erziehungsauftrag erinnern und ihm verklickern, dass er sein Balg zu Hause lassen oder mit auf den Spielplatz nehmen soll, denn die Moschee ist beides nicht! Kinder müssen früh Disziplin lernen, wenn man ihnen diese nicht vermittelt, enden sie als Teenage-Grabscher im Jungendgefängnis. Prachtexemplare aus dem nordafrikanischen („grabschafrikanischen“) Raum sind hier schreckliche Vorboten.

Bitte ausdrucken, in den Moscheen verteilen, Hausverbot bekommen, dennoch reingehen und nochmal verteilen, bis die Leute sich besinnen und verstehen, dass sie eine Verantwortung für die muslimischen Gesellschaften tragen und sie nicht dazu da sind die Moscheebesucher zu langweilen oder zu vergraulen oder sie anderweitig in die Arme von IS-Sympathisanten oder Rappern zu treiben.

Shaykh Zia ul Haq al Bakistaniyy al Administratori al Akbar

Mittagessen eingenommen am 01.10. des 1437. Jahres der Auswanderung

Qualifikation durch verschiedene Facebook-Prediger feierlich bestätigt und mit dem Prädikat „MashaAllah“ ausgezeichnet

 

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3 Antworten auf “Das Wort zum Freitag”

  1. Catherine

    As salamu aleikoum.

    Ein frohes Eid-Fest allen Autoren, Kommentatoren und Mitlesern (und -innen natürlich).

    Zur Realisierung der angesprochenen Punkte müssten die arabischen Moschee-„Vereine“ den Vorrang ihres religiösen Bildungsauftrages vor allen anderen Aktivitäten erst einmal grundsätzlich anerkennen. Bislang versteht man sich nämlich leider noch weitestgehend als Kultur(!)-Verein, dessen Zielsetzung eher auf die Brauchtumspflege – um nicht zu sagen die geistig-moralische Kultivierung der heimischen Dorfgemeinschaft – als auf die Belange, drängenden Fragen und Nöte (junger) Muslime in einer weitgehend säkularisierten Mehrheitsgesellschaft ausgerichtet ist.

    Zu Punkt 9: Bitte auch das Geschnatter reiferer Damen und Herren, einschließlich lautstark geführter Telefonate während der Khutba, entsprechend sanktionieren. Eine Freitags-/Eid-Predigt ist weder ein Kaffeekränzchen, ein Kaftan- oder Takchita-Schaulaufen noch der Ort für Verhandlungen über den Ablauf der nächsten Überstellung eines Peugeot 405, Baujahr ’90 nach Tiaret!

    P.S. In meiner Eigenschaft als nebenberufliche Lektorin darf ich abschließend noch darauf hinweisen, dass im Einleitungssatz hinter „verkehre“ zur Vervollständigung des Satzes „eingenommen habe“ stehe müsste.

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    • Zia ul Haq

      Zia ul Haq

      Danke für deine Anmerkungen und die netten Grüße zum Eid-Fest. Selbige möchte ich gerne erwidern.

      die geistig-moralische Kultivierung der heimischen Dorfgemeinschaft

      Du sagst es…

    • Zia ul Haq

      Zia ul Haq

      PS: Danke für den Korrekturhinweis, der Satz ist ziemlich lang geworden. Habe ihn entsprechend korrigiert.

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