Den Koran lesen lernen – Einführung

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Meine kurze Dialog-Erfahrung hier im Blog hat meine vorherige Meinung noch einmal bestätigt, dass wir unter den Muslimen strengerer Observanz eine Zweiklassen-Gesellschaft vorfinden können: Einerseits gibt es solche, die den Edlen Quran in der von Allah (swt) herabgesandten Form in arabischer Sprache lesen und verstehen können. Andererseits gibt es viele, für die es selbstverständliche Normalität ist, Übersetzungen von Ayat sogar auswendig zu lernen. Diese sagen in der Regel das Gebet auch her, ohne zu wissen, was sie da sprechen. Doch meiner Ansicht nach könnte es zwischen diesen beiden Gruppen durchaus eine Art „Mittelschicht“ in Sachen Koranbildung geben. Denn es gibt durchaus einfache Wege, auch als „nicht so sprachbegabter“ nichtarabischer Muslim, seinem Schöpfer und Herrn (swt) erstaunlich gut zuhören zu können.

 

Bismi-Llâhi-r-Rah°mâni-r-Rah°îm

Wa-l-h°amdu li-Llâhi rabbi-l-3âlamîn(a), wa-s°alâtu-Llâhi wa-salâmuhû 3alâ rasûlihi-l-karîm(i).
Ash.hadu an lâ ilâha illâ-Llâh(u) wa-anna sayyidana Muhammadan 3abduhû wa-rasûluh(u).
As-Salâmu 3alaykum wa-rah°matu-Llâh.

Werte Leser!

Passend zum kommenden gesegneten Monat Ramad°ân möchte ich mich in der nächsten Zeit, in shâ’a-Llah, mit dem Edlen Quran, dessen Offenbarung in ebendiesem Monat begann, befassen.

Meiner Ansicht nach verstauben, bildlich gesehen, bei den meisten nichtarabischen Muslimen in Deutschland nämlich die Quran-Exemplare ungenutzt im Schrank.

Und das ist schade, genießen wir doch das Privileg, dass Allah (swt) durch Al-Quran-al-Karim direkt zu uns sprecht – auf Arabisch, wohlgemerkt. Wir aber wollen meist nicht zuhören.

Dieser offene Widerspruch im Glauben vieler orthodoxer Sunni-Muslime stellt bei weitem keine Besonderheit dar:

So finden wir zwar in vielen muslimischen Ländern Menschen, die einerseits in ihrem Alltagsleben auf den Edlen Quran, was darin steht und welche Relevanz das für tägliches Leben haben könnte, herzlich wenig geben. Die dann andererseits, wenn nur der geringste Funken in das emotionale Pulverfass ihres Inneren fällt, bereit sind, das gleiche Ehrwürdige Buch gegen vermeintliche Gegner desselben zu blindwütig zu verteidigen und die „Schuldigen“ ggf. gleich auf der Stelle zu richten.
(Vgl. dazu den Fall Farkhunda Malikzada, wie auch hier im Blog letztens angesprochen:
www.ahlu-sunnah.com/blog/?p=1785 )

Denn wenn wir beispielsweise ein paar Länder weiterschauen, nach Burma, so meinen dort nicht wenige buddhistische „Supergläubige“ zur Verteidigung ihrer Religion Rohingya-Familien ggf. mit Kind und Kegel ausrotten zu müssen. Und andererseits dürfte die Liebe zur Gewalt gegen Mitmenschen bei diesen Buddha-Jüngern zweifelhafter Premium-Klasse stärker ausgeprägt sein, als etwa echte inhaltliche Zuneigung zu den Lehren ihres angeblich ach so verehrten Religionsgründers.

Aufmerksam wurde ich auf die gewaltärmere Grundform dieses eklatanten Widerspruchs durch eine Anekdote eines (infolge seiner Arbeit atheistischen / agnostischen) Bibel-Professors aus den USA, Bart Ehrman. Er erzählt aus seiner Anfängervorlesung vor 360 Zuhörern an der „UNC at Chapel Hill“ folgende Begebenheit:

Ehrman: „Wieviele von Euch glauben, dass die Bibel das unveränderte Wort Gottes enthält.“ Die meisten Arme gehen hoch (das liegt am Fach und daran, dass die Uni im sogenannten „bible belt“ liegt).
Der Professor weiter: „Wer von Euch hat den ‚Da-Vinci-Code‘ gelesen?“ Genauso viele Arme gehen hoch.
Er legt nach: „Und wieviele haben die Bibel [d.h. die Übersetzung! A.b.A.] ganz gelesen?“ Nur noch wenige erhobene Arme sind zu sehen.

Dr. Ehrman kommt zum Schluss: „Ich kann ja noch nachvollziehen, dass so viele ein Buch von Dan Brown lesen wollten. Und ich bin ja gar nicht der Ansicht, dass Gott die Bibel geschrieben hat. Aber wenn ich, wie die Mehrheit unter Euch, der Meinung wäre, DASS Gott eines verfasst hätte, dann wollte ich unbedingt wissen, was Er uns zu sagen hat.“

Volltreffer und versenkt…
[Anm.: Unter dem folg. Link findet man einem Vortrag u.d. Titel „Misquoting Jesus“, den Dr. Ehrman mit dieser Geschichte einleitet: https://www.youtube.com/watch?v=pfheSAcCsrE]

Natürlich ist dies ein Trick, mit dem der ungläubig gewordene Bibelprofessor die Flachheit und Widersprüchlichkeit des angeblich so festen Glaubens seiner Studenten offenbaren möchte.

Aber sachlich hat er leider völlig recht – sie behaupten zwar, dass sie „die Wahrheit“ in Händen halten, behandeln das entsprechende, ihnen doch „heilige“ Buch gar nicht dementsprechend.

Und gibt es nicht Muslime, die einerseits behaupten, dass sie den Edlen Quran für „haqqun min rabbihim“ („Wahrheit von ihrem Herrn halten“), aber sich ihr Leben lang nicht gescheit informieren, was ihr Herr (swt) alles zu ihnen zu sagen hat? Noch je anfangen, sich an die wesentlicheren dort niedergelegten Regeln verlässlich zu halten?

Zugegeben, für viele würde es einen echten Jihâd darstellen, die Sharî3ah zur Grundlage ihres Alltagslebens zu machen. Denken wir allein an die vorsichtige Umsetzung des zentralen islamischen Grundwerts Ehrlichkeit (inkl. Vertrauenswürdigkeit und Vertragstreue) …

Manche fangen dann lieber damit an, „Sharî3ata-Llah“ im Leben von anderen zu implementieren. Und sind dann gerne bereit sind, ggf. endlos Blut zu vergießen, um „das Wort Allahs höher zu heben“ – das sie aber nur verkürzt und vom Hörensagen kennen?!

Von dem sie streng genommen (infolge ihrer Ferne vom Wort Allahs (swt)) gar nicht wissen können:

  • was? sie
  • nach welcher Interpretation?
  • in welchem Land?
  • gegen wen?
  • mit welchen Gefährten?
  • unter welcher Führung
  • mit welchen Mitteln kämpfend?
  • auf welche Art?
  • wie hoch?
  • über welches andere Wort? heben sollen…

Ihren ungeheuren Abstand zum Wort Gottes zu mindern, das wäre vielleicht einmal ein sinnvollerer Jihâd gewesen.

Und stellen wir uns der harten Wahrheit: Für die überwiegende Mehrheit der heutigen nichtarabischen Muslime klingt die Stimme ihres Gottes wie aus Kannitvestan.

Das muss aber auch bei Nichtarabern gar nicht so sein, denn:

– Warum sollte es Menschen, die ihr Leben lang alles mögliche (vom Schulbesuch bis zum Aufbau einer Kalashnikov) lernen, nicht zuzumuten sein, die Bedeutung der Worte ihres Gebets zu lernen?

– Warum sollte sich jemand, der dicke Schinken neueren Datums über die x-te Aufarbeitung des Tawhid oder „Al-Walaa wa-l-baraa“ klaglos konsumieren kann, mit dem Lesen einer klassischen Biographie seines behaupteten Lieblings, Sayyidina Muhammad (sAs), überfordert sehen?

– Warum sollte ein Muslim, der sich durch die theoretische Fahrprüfung und deren Vorbereitung geduldig durchgequält hat, denn plötzlich vor dem Studium einer Gebrauchsanweisung zu seinem islamischen Leben zurückschrecken, wie er sie z.B. in Riyâd°i-s°-S°âlih°în oder Al-adabi-l-mufrad vorfindet?

– Warum sollte einem normalintelligenten Bürger unseres Landes, der das hiesige Bildungssystem durchlaufen und neben dem Deutschen (ggf. zusätzlich zu seiner Muttersprache) das Englische zumindest grundlegend erlernt hat, die Aneignung einiger Grundlagen des Arabischen zum einfacheren Verständnis des Gotteswortes unmöglich sein?

Denn in der Tat kann man sich dem Verständnis der im Edlen Quran an uns enthaltenen Botschaft von Allah (swt) auf mehreren Wegen nähern, auch wenn man kein Akademiker oder Mensch mit derartigen Ambitionen ist.

Ich spreche dabei NICHT von einem Bildungsprogramm irgendwo in einer fernen Schule in Kairo oder Medina, auch keiner mühsamen oder teuren Madrasah im Internet, und nicht von einem Weg, auf dem man Siebenmeilenstiefel tragen oder fünf Jahre hart studieren muss, bis man den ersten nennenswerten Nutzen sehen kann.

Ich spreche vielmehr von vielen einfachen Wegen, Allah (swt) besser zuzuhören und zu verstehen, von Wegen, die jedem hier und jetzt offenstehen, von Wegen, auf denen jeder einzelne Schritt einen nachvollziehbaren merklichen Profit erbringt.

Aus naheliegenden Gründen lassen sich die 1001 Zugänge, sich dem im Koran geoffenbarten Gotteswort zu nähern, in zwei getrennten Programmen behandeln, deren erstes ich

A. Den Koran lesen lernen

nennen möchte. Darin geht es vor allem Erleichterungen für solche, die wenig oder kein Hocharabisch beherrschen. Wie sie trotzdem vielmehr an Segen für ihr Leben durch ihre Annäherung an den ARABISCHEN Quran mittels einfacher Methoden gewinnen können, soll in diesem ersten Programm Stück für Stück erläutert werden.

Getrennt davon möchte ich eine zweite Serie

B. Einfaches Koranarabisch für Muslime

anbieten. In dieser soll ausdrücklich NICHT ein übliches Sprachprogramm absolviert werden, sondern ein Zugang zum Koranarabischen über die sowieso bekannten Wörter, Ausdrücke, Sätze, Gebete, kurze Suren etc. pp. aufgezeigt werden. Mein Versprechen: keine Vorbedingungen, kein Stress, sofortiger, spürbarer Nutzen in jedem Schritt!

In diesem hoffnungsfrohen Sinne möchte ich auch allen, die dies zeitnah lesen, einen gesegneten Ramadan wünschen. Ich hoffe auch, manchen Muslimen im Ramadan dieses Jahres mit den ersten Folgen meiner Serien, bi-idhni-Llâhi tâ3âlâ, eine noch größere Annäherung an das Buch zu ermöglichen, dessen Herabsendung wir insbesondere in den letzten Nächten gedenken.
Potentielle Kommentatoren bitte ich, meine beiden Artikel zu meiner Umsetzung islamischer Netiquette ggf. vor der Anfertigung und dem Einstellen eines Beitrags zur Kenntnis zu nehmen.
Vgl. bitte dazu: www.ahlu-sunnah.com/blog/?p=1846 u. www.ahlu-sunnah.com/blog/?p=1852 .

 

Wa-Llâhu a3lamu dâ’ima(n), wa-astagfiru-Llâha wa-atûbu ilayh(i).
Wa-s-Salâm.

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2 Antworten auf “Den Koran lesen lernen – Einführung”

  1. Abdussalam bin Abdillah

    Abdussalam bin Abdillah

    Bismi-Llâhi-r-Rah°mâni-r-Rah°îm
    As-Salâmu 3alaykum wa-rah°matu-Llâh.

    Ich bitte um Verständnis dafür, dass Kommentare im Strang unmittelbar zu diesem Kommentar nicht freigeschaltet werden. Externe Beiträge bitte weiter unten anhängen. Danke.

    Wa-lâ h°awla wa-lâ quwata illâ bi-Llâhi-l-3aliyyi-l-3azhîm(i).
    Wa-Llâhu a3lamu dâ’ima(n), wa-astagfiru-Llâha wa-atûbu ilayh(i).
    Wa-s-Salâm.

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  2. Abdussalam bin Abdillah

    Abdussalam bin Abdillah

    Bismi-Llâhi-r-Rah°mâni-r-Rah°îm
    As-Salâmu 3alaykum wa-rah°matu-Llâh.

    Ich bitte um Verständnis dafür, dass auch Kommentare im Strang unmittelbar zu diesem zweiten hier nicht freigeschaltet werden. Externe Beiträge bitte weiter unten anhängen. Danke.

    Wa-lâ h°awla wa-lâ quwata illâ bi-Llâhi-l-3aliyyi-l-3azhîm(i).
    Wa-Llâhu a3lamu dâ’ima(n), wa-astagfiru-Llâha wa-atûbu ilayh(i).

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