Die Vorzüglichkeit des Monats Sha’ban

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Es gehört zu Allahs Weisheit, dass Er einige Monate den anderen Monaten vorzieht und sie mit Besonderheiten schmückt, mit denen andere Monate nicht geschmückt wurden. Ein Monat, den Allah gegenüber manch‘ anderem Monat hervorgehoben hat und mit Besonderheiten geschmückt hat, ist der Sha’ban. Es ist jener Monat, in denen die Handlungen der Menschen, Allah vorgeführt werden, und hierauf erbarmt Sich Allah jenen, die nach Seiner Barmherzigkeit trachten, und vergibt jenen, die nach Seiner Vergebung trachten. Das ist der Grund, warum der Prophet ﷺ diesen Monat zu lieben pflegte.

Dem Propheten ﷺ wurde einst gesagt:

„O Gesandter Allahs! Ich sehe dich keinen Monat von den Monaten so [viel] fasten, wie du den Sha’ban fastest?! Er sagte: «Das ist ein Monat zwischen Rajab und Ramadan, hinsichtlich dem die Menschen unachtsam sind. Es ist ein Monat, in dem die Handlungen dem Herrn der Welten vorgeführt werden, und ich möchte, dass meine Handlung[en] vorgeführt werden, während ich faste.»“ [1]

Des Weiteren sagte die Mutter der Gläubigen A’ishah:

„Ich sah den Gesandten Allahs ﷺ nie einen Monat komplett fasten, außer den Ramadan, und ich sah ihn in keinem Monat das Fasten vermehren, wie im Sha’ban.“ [2]

In diesem Monat beantwortete Allah den Wunsch Seines Gesandten ﷺ und änderte die Gebetsrichtung:

„Wir sehen ja dein Gesicht sich (suchend) zum Himmel wenden. Nun wollen Wir dir ganz gewiß eine Gebetsrichtung zuweisen, mit der du zufrieden bist. So wende dein Gesicht in Richtung der geschützten Gebetsstätte!“ [3]

Ebenso ist in diesem Monat die fünfzehnte Nacht, die eine vorzügliche und besondere Nacht ist, in der Allah Sich den gläubigen Dienern erbarmt und ihnen vergibt. Der Prophet ﷺ sagte:

„Allah wird ganz gewiss in der Nacht der Mitte des Monats Sha’ban auf die Schöpfung blicken, [und] hierauf wird Er Seiner gesamten Schöpfung vergeben, bis auf den Götzendiener oder den Feindseligen.“ [4]

Die Feindseligkeit betritt kein Herz, außer dass sie es verderben wird und sie sickert in keiner Seele, außer dass sie in ihr Hass und Abscheu einpflanzt, was dazu führt, die Familie, die Verwandten, Freunde und Nachbarn zu meiden.

Dreißig Tage trennen uns von Ramadan, so ist jeder dazu angehalten, diesen Monat gut auszunutzen, sodass er im Ramadan nicht auf Schwierigkeiten stößt oder den Ramadan betritt, während in seinem Herz und seiner Seele Hass und Feindschaft fest verankert sind.

Wie bereits erwähnt gibt es in diesem Monat die fünfzehnte Nacht und jedes Jahr sehen wir die Muslime, wie sie sich in Lager spalten: Die einen sehen diese Nacht als etwas Vorzügliches, während andere diese Nacht als etwas Verwerfliches sehen; die einen bezichtigen die anderen der Ketzerei, während die anderen sich auf der Wahrheit sehen.

Die Intention ist nicht, eine Meinung der anderen vorzuziehen, sondern vielmehr möchten wir darlegen, dass beide Meinungen legitim sind. Folglich ist zu sagen, lebe dein Leben und lasse die anderen leben.

Einige, wie Imam Abu Bakr Ibn al Arabi und Imam Ibn al Jawzi, waren der Ansicht, dass man die Überlieferungen hinsichtlich der Vorzüglichkeit der fünfzehnten Nacht nicht als Beweis nehmen kann, da sie schwach sind, während die Mehrheit der Gelehrten und die Allgemeinheit der vier Rechtsschulen der Ansicht sind, dass diese Nacht einen besonderen Vorzug hat.

Die Rechtsschule von Imam Abu Hanifah:

„Es gehört zu den empfohlenen Handlungen, die Nacht der Mitte des Sha’ban [mit der Anbetung] zu beleben.“ [5]

Die Rechtsschule von Imam Malik:

„Alles in allem hat diese Nacht einen gewaltigen Vorzug und darin liegt viel Gutes. Die rechtschaffenen Vorfahren pflegten diese Nacht zu verehren und in ihr zu wetteifern.“ [6]

Die Rechtsschule von Imam ash Shafi’i:

„Kurzum, diese Nacht hat einen Vorzug: Darin findet eine besondere Vergebung und eine besondere Beantwortung [der Bittgebete] statt.“ [7]

Die Rechtsschule von Imam Ahmad:

„Wenn er in der Nacht der Mitte des Sha’ban alleine oder mit einer bestimmten Gemeinschaft betet, so ist es gut.“ [8]

Zweifelsohne waren viele der rechtschaffenen Altvorderen der Ansicht, dass diese Nacht besondere Vorzüge hat und sie haben diese Nacht auch ausgegrenzt, um viele gottesdienstliche Handlungen zu machen. So sagte Imam Ibn Taymiyyah:

„Was die mittlere Nacht des Sha’ban angeht, so hat diese einen besonderen Vorzug und die rechtschaffenen Altvorderen pflegten in dieser Nacht zu beten, jedoch ist das Versammeln in der Moschee, um diese Nacht zu zelebrieren, eine Erneuerung.“ [9]

Alles in allem ist es eine legitime Meinungsverschiedenheit und es ist niemandem erlaubt, den anderen zu kritisieren oder der Ketzerei zu bezichtigen, wenn er die Nacht als etwas Vorzügliches betrachtet oder nicht. Wie am Anfang gesagt: Lebe dein Leben und lasse die anderen leben!

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[1] In [النسائي] mit der Nummer 2357
[2] in [مسلم] mit der Nummer 1156
[3] 2:144
[4] in [ابن ماجه] mit der Nummer 1390
[5] Imam Zain ad Din Ibn Nujam in [البحر الرائق] Band 1, Seite 56
[6] Imam Ibn al Hajj in [المدخل] Band 1, Seite 299
[7] Imam Ibn Hajar al Haythami in [الفتاوى الفقهية الكبرى] Band 2, Seite 80
[8] Imam Abdurrahman al Ba’li in [مختصر الفتاوى المصرية] Band 1, Seite 81
[9] In [كشاف القناع عن متن الإقناع] Band 1, Seite 444

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